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Inhaltsverzeichnis
Einleitung.......................................................................................................................3
Realismus.......................................................................................................................5
Neo-Realismus 6
Kritik am anarchischen Konzept 8
Dichotomie von Anarchie und Souveränität 9
Statisches Konzept 10
Geschlossenes Konzept 12
Fazit..............................................................................................................................14
Literaturverzeichnis: 16
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Einleitung
Seit den 1990er Jahren sprechen viele Wissenschaftler von der vierten großen Debatte innerhalb des Faches der Internationalen Beziehungen. Die etablierten Traditionen werden von Verfechtern alternativer Ansätze attackiert. Die Hauptpole der Debatte sind die realistische/neo-realistische Schule einerseits postmoderne Haltungen andererseits.
Die Realistische Schule wurde maßgeblich von Hans J. Morgenthau nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begründet. Bezugspunkt ihrer Analyse ist die anarchische Weltstruktur als staatliches Interaktionsfeld. Fragen der zwischenstaatlichen Hierarchiebildung und Machtbalance stehen im Vordergrund. Seit dem Ende der 1980er Jahre kam es durch neoliberale und behavioralistische Einflüsse vor allem durch Kenneth Waltz zu einer Neuinterpretation des Realismus. Die neuen Ansätze sind sehr vielfältig. Sie lassen sich jedoch unter dem Begriff Neo-Realismus zusammenfassen, wenn man einen vom realistischen Grundkonzept ausgehenden Konsens über ideengeschichtliche Ursprünge und bestimmte (aber nicht alle) Prämissen voraussetzt.
Den anderen Pol bilden neue Ansätze, deren Vertreter sich selbst als dissident scholars bezeichnen. Sie leiten aus der zunehmenden Internationalisierung und Globalisierung aller Lebenszusammenhänge einen fortschreitenden Funktionsverlust des Staates und eine De-Territorialisierung der Politik ab. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Gestalt und Funktionsweise einer globalen Ordnung jenseits der im Westfälischen Frieden 1648 begründeten Ordnung der Territorialstaaten.
Man kann nicht von einem zusammenhängenden „postmodernen“ Ansatz in den Internationalen Beziehungen ausgehen. Vielmehr handelt es s ich um ein Konglomerat verschiedener Haltungen oder Ideen unterschiedlicher Richtungen. Bei aller Verschiedenheit lässt sich doch eine gemeinsame Richtung postmoderner Ansätze unterstellen: die aufklärerisch-kritische Hinterfragung sprachlich-textuell verfestigter Weltsichten, ihrer politischen Bedeutung und der etablierten Machtverhältnisse. Ziel ist, den meist realistischen/neo-realistischen mainstream der Theoriebildung von der Seite des Anders-Denkens her aufzurollen. Ein historisch determiniertes Weltbild innerhalb der Internationalen Beziehungen soll aufgelöst
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werden um so eine einseitig dominierende Lesart zu vermeiden. Weil die Wahrnehmung der Realität von kulturellen und historischen Kontexten abhängt, sind mehrere Konstruktionen von Welt möglich. Die Postmoderne ist eine Haltung, die Differenz und Vielheit anerkennt. Dabei wird sie teils von der dekonstruktivistischen Sprach- und Textanalyse der französischen Poststrukturalisten (Foucault, Derrida), teils von der kritischen Theorie der Frankfurter S chule (Adorno, Horkheimer, Habermas), dem Post-Behavioralismus und der feministischen Kritik beeinflusst.
Gegenstand der vorliegenden Untersuchung ist die Frage, welches Ziel die Kritiker verfolgen? Was kann die Kritik leisten? Bietet sie Alternativen?
Zuerst wird die realistische Schule anhand ihres Begründers Morgenthau vorgestellt. Danach folgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Prämissen des neo-realistischen Vertreters Waltz. Die sich daran anschließenden Kritikpunkte beziehen sich nicht so sehr auf einzelne Prämissen oder Thesen, sondern vielmehr auf die realistische/neo- realistische Betrachtung- und Herangehensweise in Bezug auf den Untersuchungs- gegenstand Internationale Beziehungen. Den Hauptteil bilden drei der wichtigsten Kritikpunkte: der Dichotomie von Anarchie und Souveränität, das statische Konzept und das geschlossene Konzept des Realismus/Neo-Realismus. Die Untersuchung folgt vor allem den Kritiken Richard Ashleys, der bereits 1981 in Political Realism and Human Interests 1 den Realismus und damit indirekt auch den Neo-Realismus attackierte. Er kann wohl als Wegbereiter der alternativen Ansätze innerhalb des Faches Internationale Beziehungen gelten. Das Schlusskapitel widmet sich der Frage, was die Kritik an der anarchischen Weltstruktur leisten kann und ob Alternativen aufzeigbar sind.
Bezugspunkt der Untersuchung ist die anarchische Struktur der Staatenwelt und die realistischen/neo-realistischen Vorstellungen bezüglich dieser Anarchie. Der Begriff Anarchie stammt vom griechischen ánarchos » führerlos« und bezeichnet den Zustand der Herrschaftslosigkeit, Gesetzlosigkeit und das Nichtvorhandensein eines Gewaltmonopols.
1 Ashley, Richard K. 1981: Political Realism and Human Interests, in: International Studies Quarterly 25:2, 204-236.
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Realismus
Der Realismus entstand als Kritik auf den gescheiterten liberalen Idealismus der 1920er Jahre. E. H. Carr betonte, dass es tiefe Interessenkonflikte zwischen den Staaten und auch zwischen den Menschen gäbe. Diese Ansicht folgte der anthropologisch begründeten Denktradition des Thukydides, Machiavelli und Hobbes. Hans. J. Morgenthau fasste die Ansichten des Realismus in drei wesentlichen Punkten zusammen.
Die menschliche Natur bilde die Grundlage der Internationalen Beziehungen genau so, wie jeder anderen Art menschlicher Beziehungen. Deren Selbsterhaltungstrieb, Eigeninteresse und Machtstreben stelle eine natürliche Gesetzmäßigkeit dar, die schnell zu Aggressionen führe.
Der zweite Punkt betrifft die Vorstellung, dass Politik unabhängig von anderen Zielen immer ein unmittelbarer Kampf um Macht wäre. Es gibt keine Weltregierung. Die atomisierten, souveränen Staaten handelten mangels Zentralgewalt in einem anarchischen Weltsystem, in dem die Nicht-Besitzenden in Interessenkonflikten für eine Veränderung der Situation kämpften. „Streben mehrere Nationen nach Macht, manche um Erhaltung, andere um Veränderung des Status quo bemüht, entsteht zwangsläufig eine Konstellation, die als Gleichgewicht der Mächte bezeichnet wird, und eine Politik, die ihre Erhaltung bezweckt.“ 2 Verhandlungen und Diplomatie allein könnten nie zur Sicherheit und dem Überleben eines Staates führen.
Ein weiterer Aspekt ist die Ansicht, dass die Geschichte von Kontinuität und Wiederholung geprägt sei. Solange es souveräne Staaten gäbe, befänden sich diese wegen des Machtkampfes im Sicherheitsdilemma. Dem Realismus zufolge ist die nationale Verteidigungsmacht zur Abschreckung potentieller Gegner die zwangsläufige Lösung. Ist das Gleichgewicht der Mächte stabil, gäbe es friedliche Perioden. Bei jeder Gleichgewichtsverschiebung wäre ein Krieg wahrscheinlich.
Der klassische Realismus kombiniert ein pessimistisches Verständnis der menschlichen Natur mit der Machtpolitik von souveränen Staaten im anarchischen Weltsystem. Es bietet keine Aussicht auf Lösung der ewigen Kampf- und 2 Morgenthau, Hans J. 1963: Macht und Frieden. Grundlagen einer Theorie der internationalen Politik, Gütersloh, 145.
Arbeit zitieren:
Andrea Friemann, 2002, Die Kritik der Postmoderne am anarchischen Konzept des Realismus / Neo-Realismus, München, GRIN Verlag GmbH
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