Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Begriffsdefinitionen und -beschreibungen 4
2.1 Pragmatik 4
2.2 Unterscheidung zwischen Semantik und Pragmatik. 4
2.3 Teilbereiche und Kategorien der Pragmatik 5
2.3.1 Kontext. 5
2.3.2 Deixis 5
2.3.3 Präsupposition. 6
2.3.4 Sprechakt 6
2.3.5 Implikatur. 7
2.3.6 Konversationsstruktur. 7
2.3.6.1 Kooperatives Prinzip. 7
2.4 Der Grammatikbegriff 8
3 Argumente für oder gegen die Integration der Pragmatik in eine erweiterte
Grammatikkonzeption 9
3.1 Überlegungen und Zusammenhänge aus linguistischer Sicht 9
3.2 Funktionale Grammatik 10
3.3 Argumente aus (fremdsprachen)didaktischer Sicht. 12
4 Pragmatische Kompetenz 14
4.1 Pragmatische Kompetenz im Unterricht. 16
4.1.1 Beispiel 1: Aufforderungssätze (aus: Götze 1993, 5) 16
5 Der Zusammenhang von Pragmatik und Grammatik 17
5.1 Satztypen. 17
5.2 Pragmatik und Syntax. 18
5.2.1 Passiv 18
5.2.1.1 Beispiel 2: Passiv (vgl. Thornbury 2001, 95) 19
5.3 Beispiel 3: Physical distance (aus: Thornbury 2001, 88-89) 21
6 Ein alternatives (modulares) Modell. 22
7 Resümee. 24
8 Bibliographie 26
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1 Einleitung
Die folgende Seminararbeit behandelt die Fragestellung, ob eine Erweiterung des Grammatikbegriffs um Pragmatik sowohl von linguistischen und
fremdsprachendidaktischen 1 , als auch und damit verbunden theoretischen und praktischen Überlegungen und Zusammenhängen ausgehend legitimiert werden kann und sinnvoll erscheint. Um eine möglichst umfassende und klare Darstellung des Themas zu gewährleisten, werden zuerst die Begriffe Pragmatik und Grammatik definiert und beschrieben. Da eine vollständige Auseinandersetzung mit diesen Termini den Rahmen dieser Seminararbeit überschreiten würde, wird im Folgenden versucht, einen, wenn auch möglichst aufschlussreichen, zusammenfassenden Überblick zu geben, dessen Fokus auf den vor allem für diesen Text relevanten Begriffen und Teilgebieten liegt. Danach werden Argumente, die für oder gegen die Integration von Pragmatik in eine erweiterte Konzeption von Grammatik sprechen, vorgestellt und diskutiert. Hierbei sollen sowohl sprachwissenschaftliche - auch unter Bezugnahme auf verschiedene Grammatiktypen (insbesondere der funktionalen Grammatik) -, als auch fremdsprachendidaktische Perspektiven berücksichtigt werden. Daran anknüpfend werden Überlegungen zu(r) pragmatisch-kommunikativen Kompetenz(en) und deren Relevanz für den Fremdsprachenunterricht dargestellt. Ausgehend davon soll der Zusammenhang von Pragmatik und Grammatik auch auf praktischer Ebene durch Bezugnahme auf Grammatikregeln und deren mögliche Vermittlung anhand von Beispielen veranschaulicht werden. Abschließend soll mit den im Text präsentierten Ansätzen und Argumenten als Grundlage versucht werden, die dieser Seminararbeit zu Grunde liegende Fragestellung zusammenfassend zu erörtern und zu beantworten.
1 Die meisten der in dieser Seminararbeit angesprochenen Punkte besitzen allgemeine Gültigkeit für den Fremdsprachenunterricht. Im Bedarfsfall wird in dieser Seminararbeit aber einerseits (Sprach)unterricht generell und andererseits der Unterricht DaF/DaZ im speziellen als hauptsächlicher Bezugspunkt verwendet.
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2 Begriffsdefinitionen und -beschreibungen
2.1 Pragmatik
Kann die Konzeption Pragmatik bis in der griechischen Antike 2 im Sinne von der „unmittelbaren Beziehung [der Wissenschaften] zur gesellschaftlichen Realität“ (Braunroth 1975, 15) zurückverfolgt werden (vgl. Braunroth 1975, 14-15), entstand der Begriff in seiner sprachwissenschaftlichen Konzeption aus der Semiotiktheorie von Morris (vgl. Levinson 2000, 1) und meinte zuerst allgemein die Verwendung eines Zeichens und deren Beziehung zum/zur InterpretIn (vgl. Steiger, 1 zit.n. Morris, 1938). Das Duden Fremdwörterbuch beschreibt auch aktuell Pragmatik als die „das Verhältnis zwischen sprachlichen Zeichen und interpretierendem Menschen untersuchende linguistische Disziplin“ (Duden Fremdwörterbuch 1997, 650). Essentiell ist für die Definition von Pragmatik auch der Begriff des Kontextes, dessen Bedeutung seit den 1960er Jahren vor allem durch die angloamerikanische Forschung hervorgehoben wurde (vgl. Steiger, 1). So lautet die Definition des Begriffs Pragmatik im Glossar des linguistischen Überblicks von Widdowson „The study of what people mean by language when they use it in the normal context of social life” (Widdowson 1996, 130). Konziser findet sich häufig auch als Erklärung, dass Pragmatik die „vom Sprecher intendierte Bedeutung“ (u.a. Meibauer 2001, 4) oder „the study of invisible meaning“ (Yule 2002, 127) sei.
2.2 Unterscheidung zwischen Semantik und Pragmatik
Die Unterscheidung zwischen Semantik und Pragmatik erscheint oft nicht ganz eindeutig, da sich beide Begriffe mit der Bedeutungsebene von Sprache als zentrales Element befassen (vgl. Meibauer 2001, 4). Nichts desto trotz wird „im allgemeinen … davon [ausgegangen], dass die wörtliche Bedeutung einer
2 Pragmatik stammt vom griechischen Wort ‚pragma’ ab, das die Handlung sowie die allgemeine Lehre vom sprachlichen Handeln bedeutet (vgl. Steiger, 2).
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[Äußerung 3 ] in der Semantik untersucht wird, während Bedeutungsaspekte, die nur aufgrund des Kontextes zustande kommen, Gegenstand der Pragmatik sind“ (Meibauer 2001, 4). Somit sind „die Bedeutungen semantischer Einheiten im Allgemeinen kontextunabhängig, [während] die Bedeutungen … pragmatische[r] Einheiten im Allgemeinen kontextabhängig“ (Meibauer 2001, 5) sind.
2.3 Teilbereiche und Kategorien der Pragmatik
2.3.1 Kontext
Der Einfluss des Kontextes ist, wie auch bereits angesprochen, einer der wichtigsten die Pragmatik definierenden Kriterien (vgl. Yule 2002, 129). Unterschieden werden prinzipiell der sprachwissenschaftliche Kontext oder Kotext, also die ein Wort oder, allgemeiner, eine Äußerung umgebende konkrete Sprache (vgl. Thornbury 2000, 70/Yule 2002, 129) und der physische Kontext, also der „Sach- und Situationszusammenhang“ (Duden 1997, 442) aus dem heraus eine Äußerung zu erschließen ist, vor allem auf deren Zeit und Ort (vgl. Yule 2002, 129), sowie die „Identität der Beteiligten“ (Steiger, 1), bezogen. Unter Umständen kann auch der kulturelle Kontext in dem eine Äußerung getätigt wird zur vollständigen Interpretation dieser notwendig sein (vgl. Thornbury 2000, 70-71). Besonders relevant scheint für diese Seminararbeit die folgende zusammenfassende Aussage zu sein: „Language is context-sensitive, [which
means] that an utterance becomes fully intelligible only when it is placed in its context“ (Thornbury 2000, 89).
2.3.2 Deixis
Unter Deixis wird die Eigenschaft von Ausdrucksmitteln, wie beispielsweise ich, hier, gestern, verstanden, für deren Interpretation ihr unmittelbarer physischer Kontext notwendig ist (vgl. Yule 2002, 129-130). „Deixis bezieht sich [demzufolge] auf grammatikalische Phänomene, die in direktem Zusammenhang mit den Umständen der Äußerung stehen“ (Levinson 2000, 59). Um bei den
3 ‚Äußerung’ wird in dieser Seminararbeit grundsätzlich als Überbegriff für sowohl kontextunabhängige als auch kontextabhängige Wörter, Phrasen, Sätze oder längere Äußerungen verwendet (vgl. Levinson 2000, 20).
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bereits genannten Beispielen zu bleiben stellt ich ein Beispiel für Personal-, hier für Lokal- und gestern für Temporaldeixis dar (vgl. Yule 2002, 130)‚ denn ‚wer ich’, ‚wo hier’ und ‚wann gestern’ ist, kann außerhalb eines dazugehörigen Kontextes nicht erschlossen werden. Der Vorgang in dem ein Sprecher diese deiktischen Ausdrücke verwendet um sich auf einen bestimmten Kontext zu beziehen wird als Referenz bezeichnet (vgl. Yule 2002, 130-131).
2.3.3 Präsupposition
Als Präsupposition werden Voraussetzung bzw. Annahmen zusammengefasst, die, um eine Äußerung interpretieren bzw. erschließen zu können, entweder von Hörerseite erfüllt bzw. als wahr angenommen werden oder von denen der Sprecher eben dieses annimmt und seine Äußerung dementsprechend gestaltet (vgl. Yule 2002, 132). Die Frage des Richters an den Angeklagten: ‚Wie schnell sind sie denn unterwegs gewesen als sie die Ampel bei Rot überfahren haben?’ beinhaltet beispielsweise die Präsupposition, dass der Angeklagte bei rot die Ampel überfahren hat und dies grundsätzlich wahr ist (vgl. Yule 2002, 132).
2.3.4 Sprechakt 4
Sprechakte sind die Funktionen von Sätzen in der menschlicher Verständigung (vgl. Steiger, 2), also die durch die Verwendung von Sprache erzeugte Kommunikationsform (vgl. Widdowson 200, 131). Diese beinhalten beispielsweise Aktionen wie informieren, behaupten, fragen, befehlen, bitten oder drohen (vgl. Yule 2002, 132). Sprechakte können sowohl direkt als auch indirekt sein, wobei es sich beispielsweise bei der Entscheidungsfrage ‚Kannst du auch Klavier spielen’ um einen direkten Sprechakt, da als Antwort entweder mit ‚Ja’ oder ‚Nein’ gerechnet wird, handelt. Hingegen wird die Frage ‚Kannst du mir bitte das Salz reichen?’ üblicherweise nicht als Entscheidungsfrage ob diese Tätigkeit prinzipiell gekonnt, sondern als Aufforderung die Tätigkeit durchzuführen, also das Salz weiterzugeben, verstanden und stellt somit einen indirekten Sprechakt dar (vgl. Yule 2002, 132).
4 Der Begriff Sprechakt geht auf die von John Langshaw Austin begründete und in seinem 1955 veröffentlichten Werk ‚How to Do Things With Words’ beschriebene Sprechakttheorie zurück.
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2.3.5 Implikatur
Unter Implikatur wird ein Bedeutungsaspekt verstanden, der durch eine Äußerung zwar kommuniziert wird, darin aber nicht explizit vorkommt und „mit Hilfe von allgemeinen Annahmen, Handlungsmaximen, kulturellen Konventionen, usw. rekonstruiert werden [kann]“ (Steiger, 2). Durch Implikatur wird also etwas anderes oder mehr mitgeteilt, als wortwörtlich kommuniziert wird. So kann die Äußerung von A an B ‚Mir ist kalt’ bei geöffnetem Fenster von A in erster Linie als Aufforderung, ‚Schließe das Fenster!’ gemeint sein und kann üblicherweise von B in diesem Zusammenhang auch als solche implikatiert bzw. erschlossen werden.
2.3.6 Konversationsstruktur
Die Konversationsstrukur befasst sich mit der Analyse von Gesprächen und demzufolge meist mit gesprochener Sprache (vgl. Levinson 2000, 309). Behandelt werden darin u.a. Sprecherwechsel, Gesprächseröffnung, Gesprächspartikel, Reparaturmechanismen und Gesprächsklassifikation (vgl. Widdowson 2000, 66-68), also „Regularitäten bzw. Muster …, die aus den Redebeiträgen der Beteiligten bestehen und der Interaktion eine Geordnetheit verleihen“ (Steiger, 2).
2.3.6.1 Kooperatives Prinzip
Ein weiteres bedeutendes Konzept der Konversationsstrukur stellt das kooperative Prinzip, das erstmals vom Philosophen Paul Grice in seinem 1975 erschienen Aufsatz ‚Logic and Conversation’ beschrieben wurde, dar, und folgendermaßen lautet: „Make your conversational contribution such as it is required, at the stage at which it occurs, by the accepted purpose or direction of the talk exchange in which you are engaged“ (Grice 1975, 45). Darin wird also angenommen, dass alle an einer Konversation beteiligten Personen zusammenzuarbeiten versuchen, um sich auf (eine) etablierte Bedeutung(en) zu einigen (vgl. Widdowson 2000, 126).
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Arbeit zitieren:
Mag. Andreas Raab, 2006, Zur Integration der Pragmatik in eine erweiterte Grammatikkonzeption, München, GRIN Verlag GmbH
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