Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Zentrale Begriffe
2.1 Rationalität 4
2.2 Organisation(en) 6
3. Strukturationstheorie 7
4. Strukturationstheorie, Verbesserungsvorschlagswesen
und Rationalität 12
5. Fazit 15
Literaturverzeichnis 17
Abbildungsverzeichnis 18
2
1. Einleitung
Ein Blick in die Sachregister wissenschaftlicher Fachbücher zeigt, dass es verteilt über die unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Disziplinen etliche Ausprägungen des Begriffs „Rationalität“ gibt (vgl. Kieser, 2002, S. 420; Nohlen/Schultze, 2004, S. 816 ff.; Etzrodt, 2003, S. 356 f.). Der Begriff Rationalität ist entweder in tragender Rolle den meisten Organisationstheorien immanent oder liegt ihnen sogar teilweise zu Grunde. Für die Strukturationstheorie von Anthony Giddens scheint keine dieser beiden Feststellungen zuzutreffen. In seinem Werk „Die Konstitution der Gesellschaft“ (Giddens, 1997) bleibt die Suche nach einer umfassenden, verbindlichen Definition des Begriffes, wie er in anderen Theorien, z. B. dem Bürokratiemodell von Max Weber, verwandt wird, erfolglos. Statt dessen findet sich an zentraler Stelle das Konstrukt der „Rationalisierung des Handelns“, dessen unterschiedliche Definitionen jedoch für Verwirrung sorgen (Walgenbach, 2002, S. 370). Was hat es also mit der Rationalität in Giddens Strukturationstheorie auf sich? An welcher Stelle in seiner Theorie kann sie herausgefiltert bzw. schwerpunktmäßig verortet werden? Hat Peter Walgenbach recht, wenn er die Vermutung äußert, dass Giddens durch das sich „nicht festlegen“ versucht, Begriffe zu immunisieren, indem er ihre Bedeutungsinalte für jegliche Denkvarianten der Theorieanwender offen hält? Der Aufbau der Hausarbeit ist wie folgt strukturiert. Für ein grundlegendes Verständnis der Begriffe Organisation und Rationalität werden zunächst Charakteristika, über die weitgehend Konsens in der wissenschaftlichen Gemeinschaft besteht, also möglichst allgemein gehaltene Definition herausgearbeitet. Des weiteren wird auf ihre Verwendung in der Strukturationstheorie, auf die sich die Fragestellung dieser Hausarbeit konzentriert, Bezug genommen. Der Begriffsklärung folgt eine Darstellung der Strukturationstheorie, wobei hier auf Grund der Fragestellung das Hauptaugenmerk auf dem Begriffskonstrukt der „Rationalisierung des Handelns“ und dessen Einbindung in das Giddensche „Stratifikationsmodell“ liegen wird. Daran anschließend wird am fiktiven Beispiel der Einführung eines betrieblichen Verbesserungsvorschlagwesens und dem Einzelfall eines Verbesserungsvorschlages dem Begriff der Rationalität in der Strukturationstheorie auf Struktur- und Akteursebene nachgespürt. Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse noch einmal konzis dargestellt.
3
2. Zentrale Begriffe
2.1 Rationalität
Gemäß dem Duden ist Rationaltiät „... 1. das Rationalsein; rationales von der Vernunft bestimmtes Wesen ...“ (Duden, 2005, S. 880). In den Sozialwissenschaften wird Rationalität zumeist als „... ein vernunftgemäßes, vernünftiges Agieren in Handlungszusammenhängen. ...“ beschrieben (Reinhold, 2000, S. 519). Diese eher allgemeinen Definitionen dürften dem gängigen Alltagsverständnis entsprechen. Rationalität stellt darüber hinaus jedoch einen Schlüsselbegriff in den verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen dar, der sich sehr unterschiedlich in zahlreichen Theorien niederschlägt und teilweise grundlegend für deren Konzeption ist. 1 Disziplin übergreifend scheint, trotz der Definitionsvielfalt, zumindest Konsens bezüglich der Bindung von Rationalität an einige dauerhafte Kriterien zu herrschen. So soll sie auf Gründe zurückzuführen sein, Relationen und ein Ordnungsgefüge zwischen Verschiedenem herstellen und eine Methode der geregelten Erzeugung begründeter Ordnung sein (vgl. Nohlen/Schultze 2004, S. 817). Die Feststellung „Rationalität ist begrenzt“, welche dem Konzept der „bounded rationality“ von Herbert A. Simon entstammt, wonach der Mensch prinzipiell einer begrenzten Informationsverarbeitungskapazität unterliegt und deshalb Rationalität im Sinne von optimalen Ergebnissen bei der Entscheidungsfindung nicht erreichen kann (Jansen, 2006, S. 57), wird von mir als eine ebenso grundlegende Erkenntnis erachtet und soll den dieser Hausarbeit zu Grunde liegenden Rationalitätsbegriff abrunden. Abhängig von der Perspektive auf das Organisieren bzw. die Organisation kann der Begriff „Rationalität“ weder einheitlich definiert noch uneingeschränkt kompatibel verwandt werden. Als logische Konsequenz ergibt sich daraus, dass zumeist mit der Auswahl eines Rationalitätsbegriffes auch eine Determinierung der Auswahl aus den organisationstheoretischen Ansätzen einhergeht und umgekehrt. Im Rahmen der Strukturationstheorie bleibt Anthony Giddens eine konkrete Definition des Begriffes Rationalität schuldig. Lediglich der Begriff der „Rationalisierung des Handelns“ kann zunächst, wenn auch nur in Teilen 2 , mit Rationalität im o. a. Sinne in Verbindung gebracht werden. Anthony Giddens versteht unter ihm erstens: „Das Vermögen kompetenter Akteure, mit den Beweggründen für das, was sie tun, während sie es tun, >auf Tuchfühlung zu bleiben<, und zwar so, daß sie,
1 Hier sei vor allem an Max Webers Analyse der Bürokratie gedacht, die zum Wegbereiter der modernen Organisationstheorie avancierte (vgl. Kieser, 2005, S. 39 ff.). 2 Hier wird sich auf das Begründen des Handelns bezogen.
4
falls sie von anderen danach gefragt werden, Gründe für ihr Handeln angeben zu können.“ (Giddens, 1997, S. 431).
Sowie zweitens: „...
daß Akteure - ebenfalls routinemäßig und meistens ohne viel Aufhebens davon zumachen - ein
Peter Walgenbachs Aussage, dass die Definitionen für Verwirrung sorgen, da unter anderem nicht klar wird, ob die Akteure nun in der Lage sind ihr Handeln diskursiv zu begründen oder nicht, liegen o. a. kursiv gekennzeichneten Textpassagen aus Giddens Werk zu Grunde. Ergänzt man jedoch das zweite Zitat um die in Giddens Werk direkt nachfolgende Textpassage (hier kursiv und fett dargestellt), so lässt sich eine Leseart anlegen, die eine andere Interpretation erlaubt. Giddens geht nämlich, wie nachfolgend noch ausführlicher dargestellt wird, davon aus, dass diskursives und praktisches Bewusstsein in die Rationalisierung des Handelns einfließen und somit indirekt Teil der reflexiven Handlungssteuerung werden. Demzufolge scheint es logisch, den Zugang zur „Rationalisierung des Handelns“ für beide Bewusstseinsarten offen zu halten. Dies tut Giddens! Einerseits die diskursive Darlegung der Gründe des Handelns zu fordern und andererseits wiederum nicht, ist folgerichtig, da in seiner Theorie Routinen einen nicht unwesentlichen Stellenwert einnehmen. Diese müssen nicht immer begründet, sollten jedoch zumindest verstanden werden können, um überhaupt den nächsten Schritt des diskursiven Darlegens, gehen zu können. Aus diesem Zusammenhang heraus scheint die „Rationalisierung des Handelns“ in der Strukturationstheorie, in einem nicht unwesentlichem Ausmaß, mit dem „Verstehen und ggf. Aufbrechen von Routinen“ einher zu gehen, welches wiederum den kompetenten Akteur erfordert, der in der Lage ist sein Handeln diskursiv zu begründen.
3 Hervorhebung durch den Verfasser
5
Arbeit zitieren:
Thomas Frank, 2009, Rationalität von und in Organisationen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Rationalität und Organisation - Ein Vergleich zwischen Max Weber und N...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Seminararbeit, 13 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Thomas Frank's Text Rationalität von und in Organisationen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Thomas Frank hat den Text Rationalität von und in Organisationen veröffentlicht
Thomas Frank hat einen neuen Text hochgeladen
Grundlagen der Volkswirtschaft. Akteure, Strukturen und Prozesse.
Kolleg Politik und Wirtschaft....
Organisationstheorie in pädagogischen Feldern
Analyse und Gestaltung
Wolfgang Böttcher, Ewald Terhart
Entstehung, Struktur und Steuerung des deutschen Schulsystems
Eine Einführung
Isabell van Ackeren, Klaus Klemm
Stichwort NPO-Management - A propos: gestion des organisations sans bu...
Ein Nachschlagewerk für Verein...
Markus Gmür, Hans Lichtsteiner, Robert Purtschert, Reinbert Schauer, Peter Schwarz
0 Kommentare