Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die Idee der Informationsgesellschaft 3
3. Begriffliche Zugänge zur Informationsgesellschaft 5
3.1 Karin Knorr-Cetina: Die Wissensgesellschaft 5
3.2 Karl Ulrich Mayer: Die Bildungsgesellschaft 7
3.2 Scott Lash: Die Informationsgesellschaft 9
4. Vergleich der Theorien 11
5. Resümee 14
? Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Die Idee der Informationsgesellschaft kann ohne Zweifel als eine der derzeit am stärksten diskutierten Gegenstände sozialwissenschaftlicher Forschung bezeichnet werden. Ist es die vornehmliche Absicht der Soziologie die Herausbildung moderner Formen der Gesellschaft zu untersuchen, so ist die Entwicklung von einer Industrie- und Arbeitsgesellschaft hin zu einer sich auf Informationen gründenden Gesellschaft ein zentraler Bezugsrahmen soziologischer Zeitdiagnosen.
Die Idee der Informationsgesellschaft wurde 1973 von DANIEL BELL in seinem Buch „The Coming of Post-Industrial Society: A Venture in Social Forecasting“ erstmals im großen Rahmen postuliert 1 . Nach diesem Anstoß hielt der wissenschaftliche Diskurs von den 1970er Jahren bis heute an und wurde zusehends von neuen Theorien mit unterschiedlichen Perspektiven gespeist. Die vorliegende Hausarbeit soll drei begrifflich verschiedene und zeitgemäße Zugänge zu einer Theorie der Informationsgesellschaft thematisieren. KARIN KNORR-CETINA entwickelt in ihrer Theorie der Informationsgesellschaft die Vorstellung von einer „Wissensgesellschaft“, während KARL ULRICH MAYER von der „Bildungsgesellschaft“ spricht und SCOTT LASH den Wandel zu einer „Informationsgesellschaft“ attestiert 2 . Schon die Wahl der Begrifflichkeit für sich legt bestimmte Bedeutungskorridore fest und umrahmt die jeweilige Idee der Informationsgesellschaft. Innerhalb dieser paradigmatischen Rahmungen
sollen ausschließlich die markanten Gebilde der drei Theorien dargestellt und schlussendlich verglichen werden. Hierzu wird nach einem kurzen Abriss über die Idee der Informationsgesellschaft im Allgemeinen, jeder Zugang separat behandelt und diese dann im Hauptteil verglichen.
Die grundlegende Fragestellung ist eine ursoziologische - nämlich die nach der jeweiligen Stellung des Individuums in der jeweiligen Ausmalung einer postmodernen Gesellschaft. Die in den jeweiligen Aufsätzen aktuell geübte Gesellschaftskritik, sowie die persönlichen Hintergründe der Autoren werden in die Hausarbeit explizit nur dann mit einbezogen, wenn diese zum Verständnis
1 Pongs(1999): S. 67.
2 Die Bezeichnung Informationsgesellschaft dient fortan als neutrale Bezeichnung, gleichwohl sich Scott
Lash dem gleichen Terminus verschreibt.
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der Konzepte notwendig sind. Der prognostische Anteil, also die Zukunftsentwürfe einer postmodernen Gesellschaft sollen abstrahiert im Mittelpunkt stehen.
2. Die Idee der Informationsgesellschaft
Schon in den 1950er Jahren gab es zahlreiche Überlegungen und konkrete Prognosen eines sozioökonomischen Wandels zu einer
Dienstleistungsgesellschaft. FOURASTIÉS Sektorentheorie legte den Grundstein für die Diskussion einer postmodernen Gesellschaft, in welcher die Industriearbeit fortan immer mehr dem Dienstleistungsbereich weichen wird 3 . Der Hauptgrund ist die Möglichkeit Industriearbeit durch technischen Fortschritt rationalisieren zu können, während viele Dienstleistungen gegen diesen Trend resistent bleiben. Auch ein Wandel der Produktionskultur, angetrieben durch einen unstillbaren Hunger nach Tertiärem, setzt im Sinne einer zunehmenden Spezialisierung ein. Im Zeitalter der flexiblen Spezialisierung werden zum Beispiel Dienstleistungsbereiche wie Beratung, Marketing und
Produktentwicklung an Bedeutung gewinnen. FOURASTIÉS Sektorentheorie wurde mehrfach aufgegriffen und in vielerlei Richtungen weitergestrickt. Der wichtigste Ansatz war der von DANIEL BELL, welchen er als ersten großen Entwurf in „The Coming of Post-Industrial Society: A Venture in Social Forecasting“ 1973 darlegt 4 .
Egal wie man eine solche Prognose der Nachmodernen-Gesellschaft ausmalt, der Anstoß für einen soziologischen Diskurs des Strukturwandels der Gesellschaft war erfolgt und durch DANIEL BELL wurde ein Teil des selbigen in die Idee einer Postmodernen-Informationsgesellschaft kanalisiert. Neben DANIEL BELLS Entwurf der Informationsgesellschaft beschäftigten sich viele Nachfolgevarianten mit dem Postulat einer Informationsgesellschaft vor allem vor dem Hintergrund „ökonomiebasierte[r] Veränderungen.“ 5 Die Ansätze von PETER DRUCKER (z. B. „Die postkapitalistische Gesellschaft“, 1993), NICO
3 Vgl.: Steinbicker(2001): S. 19.
4 In der Dienstleistungstheorie folgten weitere Entwürfe von Gartner, Riessman, Baumol, Gershuny, u. a.
5 Knorr-Cetina(2000): S. 159.
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STEHR („Arbeit, Eigentum und Wissen: Zur Theorie von Wissengesellschaften“, 1994) und HELMUT WILLKE („Die Wissensgesellschaft“, 1999) sind in diesem Kontext zu nennen 6 . Ein weiterer vielbeachteter Ansatz ist der von MANUELL CASTELLS. In seiner Theorie der „Informationellen Gesellschaft“(1996, 1997, 1998) 7 skizziert er als eines der Hauptcharakteristika eine
Netzwerkgesellschaft, welche sich in ihren Strukturen auf die Informations- und Kommunikationstechnologien stützt.
Die Wesensmerkmale der Idee der Informationsgesellschaft finden sich in allen oben genannten Ansätzen. Wissen wird die neue Produktivkraft in einer Gesellschaft die in ihren grundlegenden Strukturen von Informationen geprägt sein wird. Es vollzieht sich ein Strukturwandel der Arbeit durch die Verwissenschaftlichung und Integration neuer Konzepte der
Arbeitsorganisation. Zunehmen wird des weiteren die Vernetzung von Informationen innerhalb der Unternehmen z.B. im Zuge des Wissensmanagements, innerhalb der Ökonomien wie z.B. durch unternehmensübergreifende Netzwerke, aber auch gerade über die nationalstaatlichen Grenzen hinaus. ROBERT REICH spricht in diesem Zusammenhang bezeichnend von der „Neuen Weltwirtschaft“ in der globale Wirtschaftsbeziehungen für eine enge, interdependente Weltwirtschaft stehen.
Diese Vernetzung in einem globalen und nach innen stark ausdifferenzierten Netzwerk wird erst durch die Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglicht. Hierbei ist es zwar augenscheinlich, aber grundlegend falsch, anzunehmen, dass die Idee der Informationsgesellschaft durch den technischen Fortschritt initiiert wurde. Vielmehr hat sich der technische Fortschritt im Bereich der Kommunikations- und Informationstechnologien nachträglich in den Diskurs über die Informationsgesellschaft eingeordnet, welcher ja bereits zu einer Zeit ausgefochten wurde, in der zum Beispiel das Internet gänzlich unbekannt war 8 .
Das Bild der Informationsgesellschaft ist leider kein durchweg positives. Der tiefgreifende Wandel und die neuen Gesellschaftsstrukturen entfachen neue Probleme. Die Schichtung der Gesellschaft wird in Zukunft immer mehr von der
6 Vgl.: Knorr-Cetina(2000): S. 159.
7 Bezeichnung „Informationelle Gesellschaft“ nach Steinbicker(2001).
8 Vgl.: Steinbicker(2001); S. 13.
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Arbeit zitieren:
Swen Göbbels, 2003, Wissen - Bildung - Information. Begriffliche Zugänge zur Informationsgesellschaft., München, GRIN Verlag GmbH
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