Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung 1
2) Selbstachtung 1
3) Selbstwertgefühl 3
4) Gegenüberstellung 4
5) Fazit 5
Quellen 5
1) Einleitung
In seinem Werk „Politik der Würde“ setzt der Jerusalemer Avishai Margalit neue Maßstäbe, indem er den Versuch unternimmt, das bisherige Idealbild einer Gesellschaft zu ersetzen. Schien doch lange Zeit die Gerechtigkeit ein Paradekriterium für eine vorbildliche Gesellschaft zu sein, so betitelt Margalit nun die ideale Gesellschaft als anständige, die jeden Menschen ausgehend von politischen, sozialen und rechtlichen Institutionen menschenwürdig behandelt. Diese Behandlung gründet vor allen Dingen auf einer Nicht-Verletzung der Selbstachtung und einer daraus resultierenden Nicht-Demütigung eines jeden Menschen. Im dritten Kapitel dieser Schrift erläutert der Philosoph das Thema „Ehre“. Nachdem er in den ersten beiden Kapiteln den Begriff „Selbstachtung“ als Gegenbegriff zur „Demütigung“ entworfen und folglich eine anständige Gesellschaft als eine nichtdemütigende charakterisiert hat, macht Margalit sich nun Gedanken darüber, ob die Selbstachtung das einzig mögliche Charakteristikum einer solchen Gesellschaft sei oder ob dieser Begriff beispielsweise durch den der Ehre nicht erweitert oder gar ersetzt werden könne. Doch was versteht man überhaupt unter „Selbstachtung“? Und was ist der Unterschied zum so genannten „Selbstwertgefühl“, einem Ausdruck, der zumindest umgangssprachlich oft in ähnlichen Kontexten zu finden ist und dessen Bedeutungsspektrum fälschlicherweise oft dem der „Selbstachtung“ gleichgesetzt wird?
Eben diese Unterscheidung soll nachfolgend - sowohl in Anlehnung an Margalits philosophische Erörterung, als auch anhand alltäglicher Beispiele - erläutert werden.
2) Selbstachtung
Die Selbstachtung ist für Avishai Margalit ein sehr problematisch einzugrenzender Begriff. Im Bestreben, ein Antonym zur Demütigung und somit eine klare Definition der Trennung einer anständigen von einer nichtanständigen Gesellschaft zu finden, gebraucht er diesen Ausdruck.
Jedem Menschen kommt nach seiner Auffassung aufgrund seines Mensch-Seins Selbstachtung zu, die folglich die Basis zur Gleichbehandlung aller Menschen darstellt. Auch andere Moralphilosophen pflichten ihm in dieser Hinsicht bei.
Primär gründet die Selbstachtung also auf Merkmalen der Zugehörigkeit des Menschen zu einer Gruppe, wie zum Beispiel zur Einheit der Menschen an sich. Nur sekundär spielen erworbene Eigenschaften und Leistungen eine Rolle hinsichtlich der Selbstachtung, wobei auch die Entwicklung einer individuellen Persönlichkeit mit ihren Vorlieben, Grundsätzen und ihrer Urteilskraft von Margalit als Leistung bezeichnet wird.
Ein guter Mensch ist demnach der Überzeugung, dass alle Menschen aufgrund ihres Mensch-Seins Achtung verdienen. Aufgrund dessen sollen alle Menschen sich gegenseitig anerkennen, auch wenn nur gute Menschen (und gut werden sie durch herausragende Leistungen) in der Lage sind, sich selbst in Anbetracht ihres Mensch-Seins zu achten.
Dies erlaubt einem guten Menschen allerdings nicht, andere gering zu schätzen, die sich selbst nicht achten können, weil sie zwar Mitglied einer Gruppe, allerdings nicht Träger besonderer Leistungen sind.
Das Attribut „gut“ ist hierbei derjenige Ausdruck, welcher die Selbstachtung zu einem graduierbaren macht. Es gibt also mehrere Abstufungen der Selbstachtung, aber keinen Menschen, dem jene nicht in fundamentaler Weise zukommt, da sie sein Dasein als Mensch laut Margalit bereits impliziert.
Die Frage, weshalb das Primärmerkmal eines der Zugehörigkeit sei, wo doch der Mensch seine individuellen Züge größtenteils durch qualitativ differenzierte Errungenschaften erhält, beantwortet der jerusalemische Philosoph ebenfalls: Die Fähigkeit zur Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit sei nicht unbedingt diejenige, aufgrund welcher einem Menschen Achtung zuteil würde. Zwar könne Selbstachtung Individualität erfordern, begründet würde sie durch diese allerdings nicht. Als Musterexempel für eine geringe Selbstachtung führt Margalit Onkel Tom aus dem Roman Onkel Tom’s Hütte an, der sich von seinem Herrn wehrlos auspeitschen und ausnutzen lässt, statt sich zu beugen, um seinen Idealen treu zu bleiben. Allgemein sind Erniedrigungen von außen, ob physischer oder psychischer Art, Verletzungen der Achtung eines Menschen. Doch unter besonderem Erfolgsdruck, aus reiner Sturheit, zur Erlangung eines bestimmten Zieles oder aus anderen Gründen neigen manche Menschen dazu, sich sogar selbst zu erniedrigen, weshalb dann von einer Verletzung der Selbstachtung die Rede ist.
Arbeit zitieren:
Katharina Los, 2009, Avishai Margalit: Selbstwertgefühl und Selbstachtung, München, GRIN Verlag GmbH
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