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STRASSENKINDER IN DEUTSCHLAND,
LATEINAMERIKA UND AFRIKA
IM VERGLEICH
A. Einleitung
B. Situation der Strassenkinder in Deutschland
1. Definition
2. Zahlen und Fakten
3. Ursachen
4. Einnahmequellen, Drogen, Prostitution, Kriminalität
4. 1. Einnahmequellen
4.2. Drogen
4.3. Prostitution
4.4. Kriminalität
5. Tagesablauf und Wohnmöglichkeiten
6. Schule und Zukunft
7. Hilfsprojekte
C. Situation der Strassenkinder in Lateinamerika
1. Definition
2. Zahlen und Fakten
3. Ursachen
4. Einnahmequellen, Drogen, Prostitution, Kriminalität
4.1. Einnahmequellen
4.2. Drogen
4. 3. Prostitution
4.4. Kriminalität
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5. Tagesablauf und Wohnmöglichkeiten
6. Schule und Zukunft
7. Hilfsprojekte
D. Situation der Strassenkinder in Afrika
1. Definition
2. Zahlen und Fakten
3. Ursachen
4. Einnahmequellen, Drogen, Prostitution, Kriminalität
4.1. Einnahmequellen
4.2. Drogen
4.3. Prostitution
4.4. Kriminalität
5. Tagesablauf und Wohnmöglichkeiten
6. Schule und Zukunft
7. Hilfsprojekte
E. Vergleich
1. Gemeinsamkeiten
2. Unterschiede
F. Schlussbemerkung
G. Literaturverzeichnis
H. Erklärung
I. Tabelle
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Einleitung
Wir kennen die Bilder aus Film, Fernsehen, aus der Zeitung und aus Zeitschriften -Die immer wiederkehrenden Bilder von Strassenkindern. Es gibt wohl keinen Platz auf Erden, an dem man sie nicht finden könnte. Die Zunahme der Kinder, die auf der Strasse leben, wird zum globalen Problem. Doch was treibt diese Kinder auf die Strasse? Wie verbringen sie ihren Alltag? Gibt es wesentliche Unterschiede im Leben der Strassenkinder in verschiedenen Ländern? All dies sind Fragen, auf die ich versuchen werde, in dieser Arbeit eine Anwort zu finden.
B. Situation der Strassenkinder in Deutschland
Obwohl es in Deutschland offiziell gar keine obdachlosen Kinder und Jugendlichen gibt heißt es von offizieller Seite, es gebe nur „weggelaufene Kinder“ die aufgegriffen und untergebracht werden müssen. Man verleugnet sie, will nicht wahrhaben dass sie trotz allem existieren.
Obwohl keine genauen Zahlen bekannt sind (die Dunkelziffer ist sehr hoch), wird ihre Anzahl auf 1500 bis 2500 geschätzt. Kinder bis zu 16 Jahren haben in Deutsch-land das Recht auf Obdach und können dies notfalls auch einklagen. Das Jugendamt ist nach § 42, Abs. 2, 3 KJHG verpflichtet ihnen Obhut zu gewähren. § 42 Abs.2: „Das Jugendamt ist verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn das Kind oder der Jugendliche um Obhut bittet (...)“, Abs. 3:“ Das Jugendamt ist verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen, die Inobhutnahme erfordert.“ Ein Recht auf ein Leben auf der Strasse gibt es nicht.
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1. Definition
Es gibt unterschiedliche Definitionen für Strassenkinder, doch die am plausibelsten erscheinende stammt von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der vereinten Nationen. Danach sind Strassenkinder
„Minderjährige, also Kinder und Jugendliche für die die Strasse im weitesten Wortsinn zum zentralen Aufenthalts- und Überlebensort wurde und die keinen entsprechenden Schutz genießen. Der Begriff „Strasse“ schließt hierbei verlassene oder heruntergekommene Gebäude mit ein“
Zu Strassenkindern werden nicht diejenigen gezählt, die nur kurz von zu hause ausreißen, auch nicht die, die nachts zwar zu hause schlafen, sich tagsüber aber auf der Strasse aufhalten.
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2. Zahlen und Fakten
Die Zahl der Strassenkinder steigt stetig an. Derzeit wird sie Deutschlandweit auf 1500 bis 2500 geschätzt, was aus der Vermisstenstatistik des Bundeskriminalamtes hervorgeht 1 . insg. männl. weibl.
Gesamtzahl am 23.08.1996:
Gesamtzahl am 25.12.1993:
Inland am 23.08.1966:
Inland am 25.12.1993:
...am 23.08.1996:
...am 25.12.1993:
...davon Jugendliche (15-17 J.):
...am 23. 08.1996:
...am 25.12.1993:
ununterbrochen 01.01.95-23.08.96 (Inl.):
(vom 01.01.1993 - 25.12.1993):
...davon Kinder: ...davon Jugendliche (15 - 17 J.): ... davon Erwachsene: Zum Vergleich
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: Gesamtbevölkerung in Deutschland: 82.057.379 39.992.311 42.063.068
.....davon Minderjährige: 15.586.794 8.154.724 7.732.070
*Vernachlässigbar geringe Additionsungenauigkeiten in der Statistik des BKA ergeben sich aus sich
ändernden Vermißtenzahlen während der Datenabfrage.
** Bei der Erhebung am 25.12.1993 ist zu bedenken, dass es sich um den Weihnachtsfeiertag handelt.
1 Quelle: Bundeskriminalamt Wiesbaden, Pressestelle
Stand: 02.07.1999
(Zahlen in Klammern: 23.08.1996 und 25.12.1993***)
2 Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Zählung vom 31.12.97
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Allein in München lag die Zahl der vermißten Kinder und Jugendlichen 1999 bei 848, was sich aus der Statistik des Statistischen Amtes 1 ergibt:
Hier läßt sich ersehen, dass sich die Anzahl der Mädchen und Jungen nahezu die Waage hält, wobei nach dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) eine Zunahme der Mädchen zu beobachten ist. Die Zahl der Strassenkinder in den neuen Bundesländern ist ebenfalls sehr hoch. Hierzu war jedoch leider keine Statistik aufzufinden. Laut dem Gesetzgeber kann es Strassenkinder in Deutschland jedoch erst gar nicht geben. Nach offiziellem Sprachgebrauch sind sie bis zum 15. Lebensjahr „obhutlos“ und die Polizei bringt sie zu ihren Eltern zurück. Häufig weigern sich die Kinder, was dann meistens einen Heimaufenthalt für sie bedeutet.
Die Polizei nimmt lediglich Kinder unter 16 Jahren mit, die keine Papiere vorweisen können, was zu einer Überprüfung ihrer Identität führt. Sind sie als vermißt gemeldet oder können sie keine gültige Adresse vorweisen - werden sie zum Kinder- und Jugendnotdienst gebracht. Dort bleiben sie dann 2 - 3 Monate. Die Sozialarbeiter dort nehmen Kontakt zu den Eltern und zu den zuständigen Jugendämtern auf und versuchen in der Regel, die Familien wieder zusammenzuführen. Gegebenenfalls untersuchen sie, ob es für das Kind besser wäre, in einem Heim zu bleiben. Auf Dauer halten jedoch viele Kinder den Aufenthalt im Heim nicht aus und flüchten wieder auf die Strasse (sog. Treber).
Strassenkinder sind fast nie Kinder, sondern meist Jugendliche und junge Erwachsene. Zwar werden sie immer jünger - jedoch bilden Kinder unter 14 Jahren bisher die
1 Quelle: Bayerisches Landeskriminalamt
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Ausnahme. Die Altersspanne reicht von unter 10jährigen bis weit über 60jährige. Der Anteil nicht-deutscher Strassenkinder ist gering.
Strassenkinder gehören zum Erscheinungsbild aller Großstädte (z. B. Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Dortmund, Dresden, Leipzig, Nürnberg, München und Stuttgart). Viele kommen aus eher ländlichen Gegenden und suchen die Anonymität der Großstadt.
Das Verhältnis der Strassenkinder zur Polizei ist zwiespältig. Obwohl sie ständig „von den Bullen gejagt und verfolgt werden“, ist die Einhaltung eines gewissen „Gentlemen’s Agreement“ zu beobachten: „Tust du mir nichts, tu‘ ich dir nichts“. Ständig loten die Kinder aus, wie weit sie die Polizei reizen können, ohne Ärger zu bekommen.
Streßsituationen in den Szenen lösen die Kinder mit der Flucht in eine andere Stadt. Ein Ortswechsel lindert jedoch auch die Gefahr, von der Polizei aufgegriffen zu werden. Punker wechseln oft die Orte, um ihre Szenen an anderen Plätzen zu besuchen. Strichjungen verkehren durchaus mit Freiern an verschiedenen Orten. Der eigene Körper hat für viele Kinder keine besondere Bedeutung. So trägt er offensichtlich die Anzeichen der Verwahrlosung: Dreck, Wunden und Infektionen gehören zum Erscheinungsbild der Kinder. Sie tätowieren sich mit Tinte und Rasierklingen und Piercen sich selbst.
Auch die Strassenkinder verfügen über ein System, gekennzeichnet durch Ordnung, Hierarchien, Abhängigkeiten und Vorherrschaft. Muß dieses System verteidigt wer- den, greifen auch die Mädchen häufig zu Gewalt.
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3. Ursachen
Die Strassenkindergruppen sind sehr heterogen und so sind auch die Ursachen, Probleme und Konflikte unterschiedlich und vielschichtig. Die 3 Bereiche in denen die auslösenden Faktoren am häufigsten zu suchen sind, sind: 1. Armut: z. B. finanzielle Notlage und Arbeitslosigkeit der Herkunftsfamilie 2. Familienverhältnisse: z. B. Störungen oder Zusammenbrüche des Beziehungssystems
3. Strukturen der Jugendhilfe: z. B. Heime (ständig wechselnde Bezugspersonen) Viele der Kinder fühlen sich von ihren Eltern vernachlässigt oder werden sexuell mißbraucht (vor allem bei Mädchen ist dies häufig der Auslöser, von zu hause auszureissen, weil sie Angst davor haben, sich jemandem anzuvertrauen). Die Jüngsten leben nach der Flucht von zu hause willkürlich nicht-bürgerliche Vorstellungen aus. Einige Kinder planen ihr „Abhauen“, wählen u. U. sogar den Tag aus, an dem sie gehen. Andere entscheiden spontan aus der Situation heraus. Einige brauchen einen Anlauf, wieder andere unternehmen 2 Dutzend Anläufe, haben längere und kürzere Aufenthalte auf der Strasse, kehren aber immer wieder zu ihrer Familie zurück. Bei vielen kündigt sich das „Abhauen“ auch schon vorher durch unabgemeldetes Wegbleiben teilweise für eine Nacht oder auch ein ganzes Wochenende, durch Schule schwänzen und herumtreiben an. Häufig eröffnen Ältere den Kindern die Chance auf eine Strassenkarriere.
Für Heimkinder bedeutet die Flucht, daß es kein Zurück mehr gibt. Für viele Kinder ist das Abhauen die Lösung ihrer gegenwärtigen Probleme. Sie verbinden mit den Eltern oder dem Heim nur noch bedrückende und negative Gefühle, sie ertragen die Atmosphäre zu Hause nicht mehr. Die Kinder legen sich auf der Strasse eine neue Identität zu (die meisten rechnen damit, daß ihre Eltern eine Vermißtenanzeige aufgeben und melden sich deshalb erst gar nicht beim Einwohnermeldeamt an). Damit sind sie wiederum nicht in der Lage, Sozialhilfe oder andere Unterstützungen zu er-
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halten. Ca. 1/3 der Strassenkinder hatten vor ihrer Strassenkarriere mindestens einen Jugendhilfekontakt.
Das DJI (Deutsches Jugendinstitut) nennt 3 wesentliche Gründe für den Wechsel von einer Jugendhilfe zu einer Strassenkarriere:
1. Formale, institutionelle Gründe und Unsicherheiten in der Hilfeplanung und bei der Abklärung der erzieherischen Erfordernisse und Möglichkeiten die zu immer neuen Einrichtungswechseln und schließlich auf die Strasse führen. 2. Die Ausgrenzung von angeblich zu schwierigen Jugendlichen von den Einrichtungen
3. Die in Psychiatrischen Einrichtungen begonnenen Behandlungen werden in Heimen nicht fortgesetzt, weil deren pädagogischer Rahmen dies nicht erlaubt.
4. Einnahmequellen, Drogen, Prostitution, Kriminalität
4.1. Einnahmequellen
Strassenkinder verdienen sich ihr Geld meist durch Bettelei, Prostitution, Diebstählen oder auch durch Dealen. Diejenigen, die beim Einwohnermeldeamt gemeldet sind, haben oft die Chance, Sozialhilfe beziehen zu können.
4.2. Drogen
Auch Drogen sind eine Möglichkeit für die Kinder, sich zu finanzieren. Gerade Jüngere werden oft von Hehlern als Boten oder Drogenkuriere eingesetzt oder beginnen nicht selten damit, selbst zu dealen.
Nicht alle Strassenkinder nehmen Drogen, wenngleich die meisten Haschisch rauchen. Trotz der Tatsache, daß Alkohol neben Haschisch die Häufigste Droge ist, gibt es überraschend viele, die überhaupt keinen Alkohol trinken. Für Strassenkinder gehört jedoch das Angebot harter Drogen zum Alltag. Sie können auf der Strasse alles bekommen - von Heroin und Kokain halten sich die meisten dennoch fern, da sie die Gefahren kennen. Über Junkies haben die meisten nichts gutes zu sagen. Selbstver-
Arbeit zitieren:
Martina Köppl, 2001, Strassenkinder in Deutschland, Lateinamerika und Afrika im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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