GLIEDERUNG
I Das weite Feld der Entwicklungstheorien
a) Einleitung. 3
b) Allgemeine Merkmale von Entwicklungstheorien. 4
c) Entwicklungstheorien und ihre Aufgaben im Wandel der. 5
Politischen Gezeiten
d) Kurze Entwicklungsgeschichte der wirtschaftlichen Theorien. 6
des Nordens
II Zwei „Großtheorien“
a) Politische Rahmenbedingungen I. S.10
b) Die Modernisierungstheorie (im engeren Sinn) S.10
c) Politische Rahmenbedingungen II. S.12
d) Die (lateinamerikanische) Dependenztheorie. S.13
e) Politische Rahmenbedingungen III. S.15
III Ausblicke und Zusammenfassung
a) Ausblick. S.16
b) „Verwandte“ Theorieansätze: S.17
Strukturanpassung - Autozentrierte Entwicklung
- Ungleicher Tausch - Welt-System
c) Resümee. S.19
IV Bibliographie S.20
V Anhang
a) Entwicklungstheorien bis in die 80er Jahre. S.21
b) Klassische Modernisierungs- und Dependenztheorien: S.22
ein allgemeiner Vergleich
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I Das weite Feld der Entwicklungstheorien
a) Einleitung
Schon ein kurzer Blick auf das Gebiet der Entwicklungstheorien lässt erahnen, dass eine Beschäftigung mit diesem Themenfeld - losgelöst von der weltweit vom Norden dominierten soziopolitischen und ökonomischen Entwicklung der letzten Jahrhundertehier noch weniger möglich ist, als in anderen wissenschaftlichen Disziplinen. Um eine „objektive“ Untersuchung des Themas dieser Hausarbeit zu ermöglichen, muss der retrospektive Charakter der Beschäftigung mit dem Thema Entwicklung und die Abhängigkeit des Konzeptes von unterschiedlichen regionalen Realitäten verdeutlicht werden.
Eine sich besonders auf die Ausführungen Ulrich Menzels (1995) stützende Erläuterung der Wirtschafttheorien des Abendlandes soll verdeutlichen, weshalb die industrialisierte Welt Entwicklung zwangsläufig mit Begriffen wie „stetiges Wachstum“, „Erhöhung“ und „Voranschreiten“ verbindet.
Als Anfang der 1950er Jahre Entwicklungstheorie zu einer eigenen akademischen Disziplin wird, sind Modernisierungstheorien tonangebend. In einer kurzen Betrachtung jüngerer entwicklungspolitischer Ereignisse, soll das Weiterleben dieser
wirtschaftsliberalen Ideen beleuchtet werden. Die zweite Kategorie klassischer Entwicklungstheorien, bilden die Dependenztheorien der späten 60er und der 70er Jahre. Sie entstehen auf der Grundlage der andauernden wirtschaftlichen Marginalisierung Lateinamerikas nach dem zweiten Weltkrieg und der ausbleibenden Erfolge von zwanzig Jahren Entwicklungshilfe. Im Mittelpunkt meiner Abhandlung stehen die „allgemeine“ lateinamerikanische Dependenztheorie und einige ihr verwandte Entwicklungstheorien. Parallel zur Erläuterung dieser beiden Modelle, sollen Ausführungen zu entwicklungspolitischen Großereignissen der Jahre 1940 bis ca. 1980, im wesentlichen zwei Umstände, verdeutlichen: Die beiden klassischen Modelle der Entwicklungstheorie sind als offene Theoriegebäude zu sehen, als wachsende Ansammlung von stetig modifizierten Annahmen und Methoden. Darüber hinaus dienten sie oft zur nachträglichen Beschreibung und/oder Legitimierung politischen Handelns.
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b) Allgemeine Merkmale von Entwicklungstheorien
Entwicklungstheorien gehen bereits früh über den Rahmen nationaler
Gesellschaftsanalysen hinaus. Sie verbinden im Verlauf der Zeit, in steigendem Maße, verschiedenste wissenschaftliche Disziplinen. Besonders die klassischen
Entwicklungstheorien wollen gesamtgesellschaftliche welthistorische Prozesse des wirtschaftlichen und sozialen Wandels erklären.
Bis in die 1980er Jahre hinein hatten Entwicklungstheorien die Aufgabe, die Faktoren aufzuzeigen, die den tatsächlichen Entwicklungsprozess eines Landes bestimmen und hatten dabei den Charakter einer Theorie mittlerer Reichweite (Kolland in Fischer/Hödl/Maral-Hanak et.al. [Hrsg.] 2004:81). Entwicklungstheorien waren und sind anwendungsbezogen, da ihre Begründer oft als Berater für multilaterale Organisationen arbeiten. Teilweise entstanden die Theorien in der Praxis, da entwicklungspolitische Maßnahmen die Kenntnis der wichtigsten Entwicklungsdeterminanten voraussetzen.
Im Gegensatz zu bereits bestehenden marx’schen oder weberianischen Entwicklungstheorien, besitzen die klassischen Entwicklungstheorien der Nachkriegszeit eine ideologische Orientierung und sind von realpolitischen Gegebenheiten geformt (ebd. S. 83f). Sie können wie alle sozialwissenschaftlichen Theorien nur verstanden werden, wenn der Kontext ihrer Entstehung berücksichtigt wird. Ihr Aufstieg und Niedergang muss als Folge politischer Ereignisse und ihrer Wirkung gesehen werden. Des Weiteren sind die klassischen Entwicklungstheorien durch spezifische institutionelle Rahmenbedingungen determiniert, agieren durch oder gegen diese: Das am 22. Juli 1944 in New Hampshire/USA von 44 Staaten ratifizierte Bretton-Woods-System, ist ein Währungssystem welches einen reibungslosen Welthandel zu festen Wechselkursen ermöglichen sollte. Bis heute haben die Bretton-Woods-Organisationen, bzw. Institutionen, wie die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (heutige Weltbank) und der Internationale Währungsfond (IWF) Bestand, obwohl das ursprüngliche System 1973 zusammenbricht. Sie sollen mit makroökonomischen Mitteln (Zinssätze, Wechselkurse, Zölle und Kredite) die Weltwirtschaft kontrollieren und steuern.
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c) Entwicklungstheorien und ihre Aufgaben im Wandel der politischen Gezeiten
Auf der Suche nach machtpolitischen Strategien, entsteht Mitte der 1940er Jahre das akademische Fach der Entwicklungstheorie. Problematische Entwicklungen der jungen unabhängigen Nationen in Asien verlangen neue Konzepte in den internationalen Beziehungen. Ebenso braucht die Nord-Süd-Dimension des 1947/48 beginnenden Ost-West-Konfliktes neuen Strategien, um die Attraktivität und Verbreitung des jeweiligen politischen Gegenmodells zu verhindern.
Die politischen Überlegungen finden nach und nach Eingang in den sozialwissenschaftliche Diskurs. Franz Nuscheler gibt jedoch zu bedenken, dass Entwicklungstheorien kaum mit der aus ihnen gewonnenen Entwicklungspolitik gleichzusetzen sind, da letztere größtenteils von anderen (wirtschaftlichen und machtpolitischen) Interessen geleitet ist (in Zapotoczky/Berger 1997: 24).
Die zwei klassischen Theorien der internationalen Entwicklung basieren besonders auf Vorstellungen der vorklassischen und klassischen Nationalökonomie, Ideen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der beginnenden modernen Soziologie. Grundlage dieser Überlegungen bilden die realen gesellschaftlichen Prozesse der europäischen Geschichte seit der frühen Neuzeit. In der Suche der jungen Nationalstaaten des europäischen Kontinentes nach einem finanziellen Fundament ihrer Machtentfaltung, ist ein weiterer Ursprung der Beschäftigung mit globalen Prozessen zu sehen (Menzel 1995: 3).
Die bis heute praktizierte Entwicklungspolitik möchte den größten Teil der Erde die Wirtschaftsgeschichte des Nordens nachvollziehen lassen. Ebenso strebt sie seit den 1980er Jahren eine bestmögliche Angleichung der Wirtschaft des Südens an die des Nordens an. Ein Blick in die Geschichte macht klar, wie viel Kontinuität in diesen Vorhaben liegt und wann sich Entwicklung wie definiert. Früh beginnt der Zusammenhang zwischen wirtschaftspolitischen Interessen des Nordens, der Unterentwicklung des Südens und der Theoriegeschichte des kapitalistischen Systems. Entwicklung geschieht in diesem Zusammenhang immer auf Kosten Anderer: die Entwicklungspartner werden ausgebeutet, später geraten sie in den finanziellen Ruin.
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d) Kurze Entwicklungsgeschichte und wirtschaftliche Theorien des Nordens
Die Anfänge des kapitalistischen Systems, sind in den Stadtstaaten Venedigs und Genuas zu suchen (Komlosy, Andrea in Fischer/Hanak/Parnreiter[Hrsg.] 2003: 43).
Im 16. Jahrhundert wird die Gewalt Europas über große Teile der Welt zum ersten Mal deutlich, als Spanien und Portugal Lateinamerika unterwerfen. Holland steigt im 17. Jahrhundert kurzzeitig zur führenden Wirtschaftsmacht auf, während Afrika nach und nach von den Kolonialmächten aufgeteilt wird. Ebenso werden große Teile Asiens von europäischen Staaten im 19. Jahrhundert kolonialisiert. Im 18. Jahrhundert, als Frankreich und besonders England zu den wirtschaftlich führenden Nationen aufsteigen, also in der Blütezeit des Merkantilismus, besteht die Vorstellung, dass der Reichtum eines Landes in erster Linie auf dessen Bestand an Edelmetallen beruht. Diese Vorräte speisen sich im wesentlichen aus drei Quellen: Gold und Silberminen, Eroberung und Plünderung anderer Länder sowie Außenhandelsüberschüssen ( Menzel, Ulrich 1995: 8f). In der klassischen Kolonialtheorie, die in England verfasst wird, stehen die Ausbeutung durch den Raub der Bodenschätze, die Anlage von Plantagen sowie den Sklaven- und Kolonialhandel im Vordergrund.
Bereits in diesem Zusammenhang wird die Verbindung von politischem Umfeld und Theoriebildung deutlich. Die Überlegungen entstehen nach dem Verlust der nordamerikanischen Kolonien, welche territoriale Neuerwerbungen notwendig machten. Die Bearbeitung des Bodens, die produktive Verwendung von Kapital und die Arbeit als Quelle des Wohlstandes sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Bewusstsein. Als sich in England in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts zunehmend der Prozess der Industrialisierung vollzieht, entsteht dort mit Adam Smiths Eine Untersuchung über das Wesen und die Ursachen des Volkswohlstandes (1776) die erste ökonomische Theorie, welche universalen Anspruch erhebt. Von Smith werden nicht staatliche Eingriffe (Merkantilismus), sondern die Selbstregulierung der Wirtschaft durch freie Konkurrenzdie unsichtbare Hand des Marktes -, als das beste Mittel zur Vermehrung des Wohlstandes einer Nation angesehen.
Somit wird erstmals eine Wachstumstheorie formuliert, die Arbeit als die Quelle des Wohlstandes darstellt.
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Arbeit zitieren:
Franz Thiel, 2008, Die klassischen Entwicklungstheorien, München, GRIN Verlag GmbH
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