1. Einleitung
Der allgemeine Ruf nach Medienerziehung in Schulen, der Erziehung zu einem verantwortlichem Umgang mit Neuen Medien, wird in der heutigen Zeit immer lauter. Nicht erst nach den Amokläufen an Schulen und dem Auftreten des Phänomens der „Gewaltvideos auf Schülerhandys“ wird im schulischen Bereich von vielen Pädagogen nach Möglichkeiten gesucht, diesem Trend der „Medienverwahrlosung“ (vgl. PFEIFFER, 2003) zu begegnen und wirksam entgegenzutreten.
Auch an der Alfred-Teves-Schule, einer Grund- und Hauptschule in Niedersachsen, wurden im Jahr 2005 Gewaltvideos auf Schülerhandys entdeckt (vgl. GIFHORNER RUNDSCHAU, 2005, ALLERZEITUNG, 2005). Die erfolgreiche Intervention durch eine Lehrkraft und die darauf folgende unterrichtspraktische Arbeit mit Schülern stellt den Startpunkt einer bis dato einmaligen Bearbeitung des Phänomens der Gewaltvideos auf Schülerhandys dar, die bundesweit für Aufsehen und Anerkennung gesorgt hat. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die schon vorhandenen Fähigkeiten der Schüler gelegt, welche die Grundlage für den Erfolg der unterrichtlichen Maßnahme bilden.
Die Schulwebseiten unter der Domain www.alfred-teves-schule.de stellen dabei ein geeignetes Medium, um die erfolgreiche Arbeit öffentlich zu machen. Im Rahmen der Dokumentation findet sich neben den Projektarbeitsergebnissen auch eine umfassende Bereitstellung von Presse-, TV-, und Audiodateien.
In dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie medienpädagogische Arbeit im schulischen Rahmen vor dem Hintergrund der Gewaltprävention durch die Arbeit mit Neuen Medien praktisch umgesetzt werden kann. Das erfolgreich durchgeführte und vielfach prämierte Projekt „Saubere Handys“ soll vor diesem Hintergrund dokumentiert werden.
Folgende Projektpartner haben die Projektarbeit „Saubere Handys“ gestützt und maßgeblich gefördert:
1. Landeskriminalamt Niedersachsen | Zentralstelle Polizeiliche Prävention und Jugendsachen | www.lka.niedersachsen.de 2. Redaktion Gifhorner Rundschau | www.newsclick.de 3. Redaktion Allerzeitung | www.aller-zeitung.de | 4. Handysektor | www.handysektor.de
5. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest | www.mpfs.de 6. Vodafone Deutschland GmbH | www.vodafone.de
7. Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien | www.bundespruefstelle.de 8. Verlag Pro-Schule | Redaktion Schulleitung intern - Managementbrief für Grund- und Hauptschulleiter | www.schule-management.de
2. Hintergrund - Initialzündung Schulhofprügelei
Auslöser für den Weg an die Öffentlichkeit und die damit verbundenen Projektidee „Saubere Handys“ war eine verabredete Prügelei unter 2 Schülern der 7ten Jahrgänge im November 2005. Während der Pausenaufsicht trennte eine Lehrkraft die Streithähne und war darüber schockiert, dass etwa 7 Schüler um die Kontrahenten herumstanden und die Prügelei filmten bzw. die beiden Prügelnden anheizten, um möglichst gute Aufnahmen zu erhalten. In Absprache händigten die beteiligten Handyfilmer der Lehrkraft die Telefone aus, mit denen gefilmt wurde. Vorrangig sollte es dabei um die Löschung der gerade zuvor angefertigten Aufnahmen gehen, um eine weiteren Verbreitung bzw. Verwendung der angefertigten Videoaufnahmen zu verhindern. Gemeinsam bearbeiteten die Schüler mit der Lehrkraft die Speicher der Telefone. Bei der gemeinsamen Analyse, kamen dann Gewaltvideos der härtesten Machart ans Licht. Bei lebendigem Leib wurde auf einem Film einem Soldaten der Kopf mit einem Kampfmesser vom Rumpf getrennt. Auf einem weiteren Film wurde ein um Hilfe flehendes junges Mädchen per Kopfschuss vor laufender Kamera hingerichtet. Weitere Videos zeigten zusätzlich, zu anderen Zeitpunkten gefilmte Prügeleien. Überraschend auch das Video eines, vermutlich, älteren Geschwisterkindes, dass 2 Jungen im Grundschulalter als Schläger vorstellt und dann dahingehend animiert, sich zu schlagen. Weitergehend fanden sich Denunzierungen von Passanten und Obdachlosen auf den Handys. Die Schüler selbst sahen den Besitz bzw. das Anfertigen und Multiplizieren dieser Aufnahmen als „normal“ und zeitgemäß an.
3. Maßnahmen
Im Anschluss an die in Kapitel 2 gewonnenen Erkenntnisse wurden die betroffenen Klassenlehrerinnen, die Eltern und die Schulleitung informiert. In Absprache mit Landesschulbehörde, Staatsanwaltschaft, Polizei und örtlicher Presse wurde das weitere Vorgehen geplant. Die Schulleitung unterstützte den Vorschlag, die recherchierten Sachverhalte im Rahmen mehrerer Informationsveranstaltungen und auf den Schulwebseiten der Alfred-Teves-Schule öffentlich zu machen. Gemäß der Vorgabe, dass im Rahmen wirksamen gewaltpräventiven Arbeitens eine schnelle und unmittelbare Reaktion erfolgen muss, wurde auf einen aufklärenden und mediengestützten „Frontalangriff“ gesetzt. Unterstützung durch die beteiligten Schüler war im Hinblick auf die technischen Möglichkeiten von Mobiltelefonen wichtig und von Begin an geplant.
Sehr hilfreich war diesbezüglich die im Vorjahr verfasste Konzeption für die Beantragung einer Förderung im Rahmen der N-21 Förderung „Schulen ans Netz“. In diesem Zuge wurde unsere Schule mit Multimediarechnern, Laptops und Beamern ausgestattet, welche den materiell notwendigen Rahmen für die weiterführende Bearbeitung darstellten (vgl. Kapitel 3).
Tabelle 1: Auflistung der an die Schulhofprügelei folgenden Bearbeitungsschritte.
Inhalt Anmerkungen
Themenorientierte Umfrage in Anonym durchgeführte Umfrage in mehreren HS-
mehreren Hauptschulklassen Klassen, um das Phänomen „Gewaltvideos auf
Sch ülerhandys“ im eigenen schulischen Kontext
p ädagogisch und im Vergleich mit der damals
aktuellen JIM- und KI-MStudie einschätzen zu
k önnen.
Internetrecherche zum Thema Rechtliche Aspekte im Bezug auf die
„Happy Slapping“ und „Snuff Handlungsfähigkeit in der Schule
Videos “
Aufarbeitung der Handyinhalte Konvertierung der Videoformate in pc-fähige
Arbeitsversionen
„Know-How“ durch die handyfilmenden Schüler
Gestaltung eines Nutzung des Präsentationsprogrammes Microsoft
mediengest ützen Powerpoint
Informationsvortrages Integration der Umfrage- und
Rechercheergebnisse
Einbindung von Screenshots und Filmbeispielen
der Schülerhandys
Rechtlichen Hintergrund beachten
Multiplikation des Online-Präsentation der Vortragsinhalte auf den
Informationsvortrages Schulwebseiten
Konvertierung der Microsoft Powerpoint-
Pr äsentation in einen selbst ablaufenden Flash-
Film , der in HTML eingebunden auf der Webseite
veröffentlicht wird.
Erstellung einer downloadbaren PDF-
Dokumentation
Gr ündung der AG „Anti-Gewalt“ Gründungsmitglieder der AG waren Schüler,
Eltern und Lehrkräfte
Ver öffentlichung von Sitzungsergebnisse auf den
Schulwebseiten
Entwicklung eine Frage-Papers Die schriftlich formulierten Fragen der Eltern
f ür Eltern stellen die Arbeitsgrundlage für die Schülerarbeit
im Rahmen des Projektes „Saubere Handys“ dar
Ausgabe an die Eltern über die Klassenlehrer
Einbindung der Schüler in aktive Schüler als Fachleute bzgl. der technischen
Medienarbeit Projekt „Saubere Besonderheiten von Mobiltelefonen
Handys “ Entwicklung einer schulspezifischen
Handynutzungsregelung
Unstrukturiertes Wissen konstruktiv nutzen und
in eine konstruktive Richtung lenken
Expertenwissen der Schüler nutzen und Ideen
zulassen
Weiterführend wurden die weitere präventive Begleitung des Themas „Gewaltvideos auf Schülerhandys“ auf verschiedene Bereiche des Schullebens ausgeweitet. Schrittweise wurde in 8 Schritten gearbeitet. Dieses methodische Vorgehen wurde bundesweit veröffentlicht und damit allen Schulen zugänglich gemacht (vgl. SCHLAMP 2006). Abbildung 1: Gesamtkonzept „Saubere Handys“ (aus SCHLAMP 2006).
1. Schritt: Eine Projektgruppe zur Gewaltprävention gründen
2. Schritt: Die Lehrer informieren 3. Schritt: Auf die Verantwortung der Eltern bauen 4. Schritt: Eine Handy-Ordnung beschließen 5. Schritt: Gewaltprävention in den Stundenplan integrieren 6. Schritt: Schüler als Experten einbeziehen 7. Schritt: Medienkompetenz stärken 8. Schritt: Weiträumig vernetzen (aus: SCHLAMP 2006)
4. Praxisarbeit Schülerprojekt „Saubere Handys“
Um auch langfristig Erfolge im Rahmen der Zielsetzung Gewaltprävention zu erreichen, wurden die Schüler sofort in die Bearbeitung mit einbezogen. Die Medien AG, welche aus der seit 2001 bestehenden Homepage AG hervorging, wurde gegründet. Die Projektgruppe „Saubere Handys“ war in diesem Punkt eine Gruppe von Schülern, die an der schuleigenen Medien AG mitarbeiteten und das Thema „Mobiltelefon und Gewaltvideos“ fokussierten. Inhaltsbereiche der Medien AG finden sich in der nachfolgenden Abbildung wieder.
Abbildung 2: Schematische Darstellung der medienpädagogischen Arbeitsinhalte der Medien AG der Alfred-Teves-Schule.
Ausgehend vom Engagement im Projekt „Saubere Handys“ wurden zusätzliche medienpädagogische Arbeitsbereiche
entwickelt. Die Inhalts- und Arbeitsbereiche der Schüler überschneiden sich teilweise, da die Inhalte temporär mit
unterschiedlicher Schwerpunktsetzung bearbeitet werden.
Arbeit zitieren:
Diplomsportlehrer Marcus Lüpke, 2009, Gewaltprävention und aktive Medienpädagogik , München, GRIN Verlag GmbH
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Marcus Lüpke's Text Gewaltprävention und aktive Medienpädagogik ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
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am Thursday, March 10, 2011
Marcus Lüpke hat den Text Gewaltprävention und aktive Medienpädagogik veröffentlicht
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Löschung der Schulwebseiten.
Da die Schulwebseiten unter der Domain www.alfred-teves-schule.de im März 2009 auf Aktivität der Schulleitung hin gelöscht wurden, finden sich Pressearchiv und Dokumenationsmaterialien zum Projekt auf der Webseite der leitenden Lehrkraft unter www.marcus-luepke.de.
Viel Spaß und Feedback erwünscht ;-)
am Tuesday, July 14, 2009-
Marcus Lüpke
Löschung der Schulwebseiten.
Da die Schulwebseiten unter der Domain www.alfred-teves-schule.de im März 2009 auf Aktivität der Schulleitung hin gelöscht wurden, finden sich Pressearchiv und Dokumenationsmaterialien zum Projekt auf der Webseite der leitenden Lehrkraft unter www.marcus-luepke.de.
Viel Spaß und Feedback erwünscht ;-)
am Tuesday, July 14, 2009-
Marcus Lüpke
am Tuesday, July 14, 2009-