Inhaltsverzeichnis
Darstellungsverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis. V
Symbolverzeichnis. VI
A. Problemstellung und Gang der Untersuchung. 1
B. Begriffserklärungen. 2
I. Matrixorganisation 2
1. Primärorganisationen. 5
a. Grundmodelle der Matrixorganisation 6
b. Instanzen und deren Funktionen. 8
α. Matrix-Leitung
8
β. Matrix-Stellen. 10
χ. Matrix-Schnittstellen. 11
c. Kompetenzaufteilung 14
α. Gleichberechtigte Matrix-Stellen 15
β. Ungleichberechtigte Matrix-Stellen 18
d. Führung, Führungsstil und Instrumente 21
2. Sekundärorganisationen 23
a. Charakteristik und Abgrenzung zur Primärorganisation. 23
b. Matrix-Funktionsmanagement 25
II. Die multinationale Unternehmung 27
C. Theorie der Matrixorganisation 31
I. Anwendungsbedingungen 31
II. Vorteile 35
III. Nachteile. 37
IV. Auswirkungen der Multinationalität auf
das Organisationskonzept 42
Inhaltsverzeichnis III
D. Empirische Analyse der DAX 30-Unternehmungen. 45
I. Ablauf der Untersuchung 45
II. Ergebnisse der Untersuchung 46
III. Organisationskonzept der BASF AG 50
1. Unternehmung im Fokus 50
a. Eckdaten der Geschäftstätigkeit. 50
b. Unternehmungsstrategie der BASF AG 52
c. Überprüfung der Einsatzbedingungen der
Matrixorganisation. 55
2. Organisatorische Entwicklung des Konzerns. 56
3. Matrixorganisation 58
a. Aufbau der Matrix. 59
α. Vorstand 60
β. Objektorientierte Dimension. 63
χ. Regionalorientierte Dimension 63
δ. Matrix-Schnittstellen. 65
b. Ausblick: Zukünftige Gestaltung der Matrixorganisation 67
4. Kompetenzverteilung, Führungsstil und Instrumente 68
5. Eigenschaften und Anforderungen an Führungskräfte. 71
IV. Abkehr von der Matrix. 72
1. Empirische Befunde 73
2. Reorganisationsmaßnahmen am Beispiel der Siemens AG 76
a. Organisationskonzept der Matrix 76
b. Gründe und Ausmaß der Reorganisation 78
E. Fazit. 81
Anhang I: Berechnungen 83
Anhang II: Dokumentation des verarbeiteten elektronischen
Materials 85
Anhang III: Gesprächsprotokolle 92
Literaturverzeichnis 100
Versicherung 114
Darstellungsverzeichnis
Darstellung 1: Modell einer Matrixstruktur .......................................... 7 Darstellung 2: Tiefgestaffelte Hierarchisierung der Dimensionen ....... 12 Darstellung 3: Reife Matrix .................................................................. 15 Darstellung 4: Unvollständige Matrix .................................................. 17 Darstellung 5: Traversal-Matrix ........................................................... 18 Darstellung 6: Task-Force und Influence-Management ....................... 19 Darstellung 7: Kontinuum der ein- und zweidimensionalen Organisationsformen ..................................................... 20 Darstellung 8: Matrix-Funktionsmanagement ...................................... 25 Darstellung 9: Zusammenhang zwischen Unternehmungsstrategie und Organisationsstrategie ............................................ 43 Darstellung 10: Empirische Ergebnisse der Untersuchung .................... 47 Darstellung 11: Mitarbeiterzahl und Weltumsatz der BASF AG nach Regionen (in %).................................. 51 Darstellung 12: Organigramm der BASF AG (Stand 2002) .................. 58 Darstellung 13: Matrixorganisation der BASF AG ................................ 59 Darstellung 14: Vorstände und zugehörige Ressorts des BASF-Konzerns ..................................................... 60 Darstellung 15: Matrix-Funktionsmanagement der Siemens AG .......... 76
Abkürzungsverzeichnis
BFuP .................................. Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis CJWB................................. Columbia Journal of World Business FTD.................................... Financial Times Deutschland HWInt ................................ Handwörterbuch Export und Internationale Unternehmung HWFü ................................ Handwörterbuch der Führung HWO.................................. Handwörterbuch der Organisation HWP .................................. Handwörterbuch der Produktion HVB................................... Bayrische Hypo- und Vereinsbank IO ....................................... Industrielle Organisation JoMS.................................. Journal of Management Science ML ..................................... Matrix-Leitung
MS ..................................... Matrix-Stelle OMS................................... Ober-Matrix-Stelle SS....................................... Matrix-Schnittstelle ZfB..................................... Zeitschrift für Betriebswirtschaft ZfbF ................................... Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung
ZfO..................................... Zeitschrift für Organisation
Symbolverzeichnis
A................................... Abkehr von der Matrix ) h(x i ............................. x relative Häufigkeit der Merkmalsausprägung i
i .................................... Merkmal
M.................................. Matrixstruktur n ................................... Grundgesamtheit n .................................. absolute Häufigkeiten
i
P ................................... Produktstruktur R................................... Regionalstruktur T ................................... Tensorstruktur x ................................. Merkmalsausprägung
i
A. Problemstellung und Gang der Untersuchung
Durch veränderte Wettbewerbsbedingungen sehen sich Unternehmungen zunehmend mit einer komplexeren und unsicheren Umwelt konfrontiert. Zur Aufrechterhaltung der Funktions- und Konkurrenzfähigkeit wächst die Notwendigkeit zu expandieren und zum Ausbau der internationalen Aktivitäten. 1 Die multinationale Unternehmung gewinnt seit den letzten Jahrzehnten stetig an ökonomischer Bedeutung und steht heute im Fokus der unternehmerischen Gestaltungsmöglichkeiten.
An die Organisationsstruktur der multinationalen Unternehmung werden hohe Anforderungen gestellt. Ihre grundsätzliche Festlegung und Fixierung gehört zu den wichtigsten Aufgaben, mit denen die obersten Führungskräfte betraut werden. Die betriebswirtschaftliche Organisationslehre stellt zur Lösung dieser Aufgabe eine Reihe von Konzepten zur Verfügung. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht das Organisationskonzept der Matrixorganisation. Die Matrixorganisation wurde durch den Einsatz bei Großprojekten der Luft- und Raumfahrt im angelsächsischen Raum begründet und seit den 60er Jahren in der Literatur zunehmend thematisiert. 2 Wenn auch in Bezug auf die praktische Tauglichkeit der Matrixorganisation wiederholt von Zweifeln berichtet wird, stellte Gomez 1992 fest, dass die Matrixorganisation „noch fest im Sattel“ 3 sitze.
Um einen Überblick über das Konzept und die Anwendung der Matrixorganisation zu erhalten, untersucht die vorliegende Arbeit im theoretischen Teil verschiedene Aspekte der Matrixorganisation und nimmt eine definitorische Abgrenzung der multinationalen Unternehmung vor. Im empirischen Teil der Ausführungen findet eine Analyse der DAX 30-Unternehmungen statt. Hier wird die Frage nach der Aktualität und praktischen Verbreitung der Matrixorganisation als Organisationskonzept multinationaler Unternehmungen gestellt. Durch die Betrachtung des Matrixkonzeptes in zwei Unternehmungen sollen die theoretischen Erkenntnisse veranschaulicht werden. Chancen und Grenzen der Matrixorganisation werden aufgezeigt und abschließend kritisch gewürdigt.
1 Vgl. Kotler / Bliemel, Analyse, 1999, S. 1148.
2 Vgl. Knight, Matrix, 1977, S. 1.
3 Gomez, Trends, 1992, S. 172.
B. Begriffserklärungen
In den letzten Jahrzehnten wurde die Matrixorganisation zur Lösung betriebswirtschaftlicher Fragestellungen in vielen Unternehmungen eingesetzt. Um die Bedeutung der Matrixorganisation in multinationalen Unternehmungen besser abwägen zu können, werden die beiden Begriffe Matrixorganisation und multinationale Unternehmungen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Im Folgenden wird der Begriff der Matrixorganisation unter zwei Aspekten untersucht. Zum einen kann die Matrixorganisation im Sinne einer Primärorganisation verstanden werden, welche die dauerhafte hierarchische Grundstruktur der Unternehmung gewährleistet. Zum anderen kann die Matrixorganisation im Sinne einer Sekundärorganisation begründet werden, welche eine Ergänzung und Abwandlung der Primärorganisation darstellt. 4
I. Matrixorganisation
Die Matrixorganisation kann im Rahmen der Primärorganisation durch unterschiedliche Merkmale: a) Grundmodelle, b) Instanzen, c) Kompetenzaufteilung untereinander sowie d) die Beschreibung der Führungszusammenhänge zu anderen Organisationskonzepten abgegrenzt werden. Die Sekundärorganisationen werden nach einer Darstellung der Charakteristik und Unterschieden zur Pri-märorganisation anhand des Matrix-Funktionsmanagements dargestellt. Nachfolgend wird das Bildungsprinzip der Matrixorganisation veranschaulicht. Zum Verständnis ist vorab eine kurze Erläuterung verschiedener organisatorischer Begriffe und Zusammenhänge erforderlich. Abschließend werden drei Merkmale zur Einordnung der Matrixorganisation herangezogen.
Eine Organisation 55 lässt sich als gesellschaftliche Institution charakterisieren, in der ein auf Dauer angelegtes Regelsystem durch die zielgerichtete Zusammenarbeit der Organisationsmitglieder geschaffen wird. 66 Damit wird die Erreichung eines übergeordneten Gesamtziels ermöglicht.
4 Vgl. Bea / Göbel, Organisation, 1999, S. 314.
5 Man kann die institutionelle, funktionale und instrumentale Sicht des Organisationsbegriffes voneindander abgrenzen. Vgl. hierzu u. a. Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S. 1 ff.; Schanz, Organisation, 1992, Sp. 1459-1461; Bea / Göbel, Organisation, 1999, S. 3 ff. u. a.
6 Vgl. Bea / Göbel, Organisation, 1999, S. 6.
Die Unternehmung als Institution hat eine Organisation. 7 Eine Organisationsstruktur kann folglich als ein auf Dauer geschaffenes Regelsystem bezeichnet werden, welches durch die Tätigkeit des Organisierens entstanden ist. 8 Als wesentliche Instrumente der organisatorischen Gestaltung stehen die Aufgabenanalyse und Aufgabensynthese im Mittelpunkt. 9
Aus der Aufgabenanalyse lässt sich zur Verwirklichung der Unternehmungsziele eine Unternehmungsgesamtaufgabe ableiten. Die Oberaufgabe muss zunächst inhaltlich definiert, geordnet und wiederum nach unterschiedlichen Kriterien in verteilungsfähige Teilaufgaben zerlegt werden. 10 Die Teilaufgaben lassen sich dabei unter anderem anhand der Gliederungskriterien Funktionen 11 und Objekte ableiten. 12 Unter einer Aufgabe kann man in statistischer Betrachtung eine Soll-Leistung verstehen. Mehrere Soll-Leistungen zusammen machen die Gesamtaufgabe einer organisatorischen Stelle aus. In einer dynamischen Betrachtung beinhaltet die Aufgabe verschiedene Tätigkeiten, die zur Erfüllung der Soll-Leistung ergriffen werden müssen. 13
Im Zuge der Aufgabensynthese werden die durch die Aufgabenanalyse gewonnenen Teilaufgaben zu verteilungsfähigen Aufgabenkomplexen zusammengefasst. Man spricht hier von einer Zentralisation bzw. Dezentralisation von Teilaufgaben bezüglich eines Gliederungskriteriums. Durch die Aufgabenverteilung entstehen organisatorische Einheiten. 14
7 Die betriebswirtschaftliche Organisationslehre unterscheidet sich in diesem Punkt von der amerikanischen Managementlehre, bei der die Unternehmung selbst als Organisation bezeichnet wird. Vgl. Schanz, Organisation, 1992, Sp. 1461 ff.
8 Vgl. Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S. 13. Diese Abgrenzung wurde durch die klassische Organisationstheorie der deutschen betriebswirtschaftlichen Organisationslehre entwickelt und bezieht sich inhaltlich auf den instrumentalen und funktionalen Organisationsbegriff. Aber auch der institutionelle Organisationsbegriff, welcher Strukturierbarkeit als Eigenschaft der Institution festlegt, findet seine Anwendung. Vgl. Schanz, Organisation, 1992, Sp. 1461 ff.
9 Vgl. Krüger, Aufgabenanalyse, 1980.
10 Vgl. Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S. 14.
11 Vgl. hierzu u. a. Bühner, Strategie, 1993, S. 401, Die Begriffe Verrichtungen und Funktionen können insofern als Synonyme betrachtet werden.
12 Vgl. Kosiol, Organisation, 1962, S. 49 ff.. Verrichtungen und Objekte werden als sachliche Gliederungskriterien bezeichnet. Die formalen Gliederungskriterien nach dem Rang, der Phase und nach der Zweckbeziehung der Teilaufgaben werden in der vorliegenden Arbeit aufgrund ihrer geringeren Bedeutung nicht weiter untersucht.
13 Vgl. Hill / Feldbaum / Ulrich, 1994, Organisationslehre, S. 122 f.
14 Vgl. hierzu Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S. 42. Die Stellenbildung vollzieht sich demnach durch die Zusammenfassung von Teilaufgaben zu personenbezogenen Aufgaben. Abteilungen werden durch die Zusammenfassung der Organisationseinheiten zu übergeord- neten Organisationseinheiten gebildet.
Die Matrixorganisation kann dementsprechend als Organisationskonzept 15 einer Unternehmung bezeichnet werden, welches durch die gleichzeitige Anwendung zweier Gliederungskriterien 16 , auf der 2. Hierarchieebene direkt unter der Unternehmungsleitung, gebildet wird. Zwei unterschiedliche Aufgabenmerkmale werden matrixartig miteinander verknüpft. Dabei bearbeiten zwei Organisationseinheiten, als spezifische Form der Arbeitsteilung, die ihnen zugeordneten Aufgabenkomplexe aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. 17 Da jede Einheit eine Dimension der Matrix repräsentiert, spricht man von einem mehrdimensionalen Organisationskonzept.
Die Matrixorganisation kann unter Berücksichtigung verschiedener Annahmen und Abgrenzungen betrachtet werden. In der vorliegenden Arbeit erfolgt eine Eingrenzung auf die Ausprägungen:
• Gesamtstruktur,
• formale Organisationsstruktur sowie
• dauerhafte Organisationsstruktur.
Die erste Abgrenzung betrachtet die Matrixorganisation als Organisationskonzept, welches ausschließlich auf die Gesamtunternehmung Anwendung findet. 18 Die mehrdimensionale Strukturierung wird auf zwei Hierarchieebenen beschränkt. Nachfolgend wird von einer Formalisierung des Matrixkonzepts auf der Ebene unterhalb der Unternehmungsleitung ausgegangen. Grundsätzlich wäre es auch möglich, Matrixmodelle für Teilbereiche, Abteilungen oder nachgelagerte Stufen der Unternehmung zu gestalten. 19 D. h., das Matrixkonzept liegt als eine partielle Matrixorganisation in einer ansonsten eindimensionalen Rahmenstruktur mit Berücksichtigung von nur einem Gliederungskriterium vor. 20 Ohne die Unterteilung der Matrixorganisation auf der Ebene der Gesamtunternehmung bzw. auf der Ebene von Teilbereichen, fände man wohl Matrixstrukturen in nahezu jeder Unternehmung.
15 Auch als Organisationsmodell oder Organisationsform bezeichnet. Vgl. Hierzu Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S. 237.
16 Hier sollen die Begriffe Aufgabenspezialisierung, Aufgabenzentralisierung als Synonyme bezeichnet werden. Vgl. hierzu u. a. Bea / Göbel, Organisation, 1999, S. 260, Bleicher, Strategien, 1991, S. 49 ff..
17 Vgl. Vahs, Organisation, 1997, S.120.
18 Vgl. hierzu z. B. Thom, Effizienz, 1990, 239. Er spricht hier von einer makroorganisatorischen Matrix oder auch von einer Matrix als Grobstruktur der Unternehmung.
19 Vgl. u. a. Reiß, Matrix, 1994, S. 8 welcher hier von einer lokalen Matrix oder mikroorgani-satorischen Matrix spricht. Grochla, Organisationsgestaltung, 1995, S, 160 nennt diesen Sachverhalt Detailstruktur der Matrix.
Als zweite Annahme sollen in die Betrachtungen ausschließlich formale Matrixmodelle eingeschlossen werden. Sie können auch als institutionalisierte oder bewusst gestaltete Organisationskonzepte bezeichnet werden und beruhen auf schriftlichen, vom Top-Management offiziell festgelegten verbindlichen Regeln für Kommunikations- und Sanktionswege sowie für Hierarchien. 21 Informale Matrixmodelle existieren dagegen als ungeschriebene Gesetze lediglich in den Köpfen der Mitarbeiter und beruhen auf psychologischen und soziologischen Faktoren. 22
Als drittes Abgrenzungskriterium soll die organisatorische Gültigkeitsdauer der Struktur dienen. Aufgrund des Umfangs der vorliegenden Arbeit beschränken sich die nachfolgenden Ausführungen auf zeitlich unbeschränkte Organisations-formen. 23 Temporäre Ausprägungen wie z. B. das Matrix-Projektmanagement finden daher keine Berücksichtigung. 24
Die vorangegangenen Erläuterungen und Abgrenzungen des mehrdimensionalen Matrixkonzepts werden als Grundlage der nachfolgenden theoretischen Ausführungen betrachtet.
1. Primärorganisationen
Die empirische Analyse der DAX 30-Unternehmungen im praktischen Teil der vorliegenden Arbeit wäre ohne eine vorgenommene Definition der Matrixorganisation willkürlich und auslegbar. Ziel ist es, eine schlüssige Verbindung zwischen Theorie und Praxis zu ziehen. Eine Matrixorganisation kann als Ausprägung der Primärorganisation in der Unternehmung institutionalisiert werden. Die Primärorganisation stellt das Grundgerüst der Aufbauorganisation 25 einer Unternehmung dar. Sie umfasst alle dauerhaften Organisationseinheiten wie z. B. Stellen und Abteilungen, die durch eine hierarchische Beziehung mitein-
20 Vgl. Seidel/ Redel, Führungsorganisation, 1987, S. 135.
21 Vgl. Seidenbiedel, Organisationslehre, 2001, S. 33.
22 Vgl. Reiß, Matrixsurrogate, 1994, S. 153.
23 Vgl. Reiß, Matrix, 1994, S. 9. Er bezeichnet diese als Palastorganisation der Matrix.
24 Vgl. Grochla / Thom, Matrix-Organisation, 1977, S. 194 und auch Reiß, Matrix, 1994, S. 9, welcher die temporären Matrixkonzepte auch als Zelt-Matrix auf Zeit bezeichnet
25 Die Aufbauorganisation befasst sich mit der Zerlegung und Verteilung von Aufgaben und Kompetenzen und sorgt für die Koordination der einzelnen Teileinheiten. Vgl. hierzu Bea / Göbel, Organisation, 1999, S. 256.
ander verbunden sind. 26 Durch primäre Organisationen soll eine effektive Bewältigung des Unternehmungsgeschäftes und die Aufrechterhaltung der Kernkompetenzen ermöglicht werden. Außerdem sorgt sie dafür, dass Routineaufgaben störungsfrei wahrgenommen werden können. 27 Nachfolgend wird die Ausgestaltung von Primärorganisationen an Hand von vier Merkmalen untersucht:
• Grundmodelle,
• Instanzen und Funktionen,
• Kompetenzaufteilung sowie
• Führungsstil und Instrumente.
a. Grundmodelle der Matrixorganisation
In der Literatur werden vier Arten von Grundmodellen behandelt. Man unterscheidet:
• Verrichtungsmatrix in sich,
• Verrichtungs-Objektmatrix,
• Verrichtungs-Regionalmatrix und
• Objekt-Regionalmatrix.
Die Verrichtungsmatrix in sich, als erstes Matrixmodell, entsteht durch Kombination von primären und sekundären Verrichtungen auf einer Hierarchieebene. Primäre Verrichtungen sind als leistungsorientierte Funktionsbereiche direkt mit der betrieblichen Leistungserstellung und -verwertung beauftragt und werden durch die Grundfunktionen 28 dargestellt. Sekundäre Verrichtungen, durch Querschnittsfunktionen dargestellt, haben dagegen nur indirekten Einfluss auf die betriebliche Leistungserstellung. Es erfolgt eine Koordination der ressourcenorientierten Querschnittsfunktionen wie Personal, Finanzen und Rechnungswesen über die leistungsorientierten Grundfunktionen wie z. B. Produktion, Absatz, Forschung und Entwicklung. 29 Diese Ausprägung ist nur sinnvoll, wenn man die in einer Unternehmung zu erfüllenden Teilfunktionen in Grundfunktionen und Querschnittsfunktionen einteilen kann. 30
26 Vgl. Schulte-Zurhausen, 1999, S. 237.
27 Vgl. Vahs, Organisation. 1997, S. 120.
28 Vgl. Pfohl, Logistiksysteme, 1996, S. 44. Dieser bezeichnet die Querschnittsfunktionen einer Unternehmung auch als Servicefunktionen.
29 Vgl. Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S.239.
30 Vgl. Grochla / Thom, Matrix-Organisation, 1977, S. 194.
Als zweite Variante der Matrixstruktur kann die Verrichtungs-Objektmatrix dargestellt werden. Neben der verrichtungsorientierten Dimension können in der objektorientierten Dimension z. B. Produkte und Unternehmungsbereiche oder Kunden bzw. Kundengruppen berücksichtigt werden. 31
Das dritte Matrixmodell wird durch die Verrichtungs-Regionalmatrix abgegrenzt. Es erfolgt eine Kombination von funktionalen und regionalen Matrixelementen. 32 Die funktionelle Dimension könnte, ebenso wie bei der Verrichtungs-Objektmatrix, durch zentrale Funktionsabteilungen bzw. Zentralbereiche gewährleistet werden. Die Frage, welcher Zentralbereich mit einer zweiten Dimension verknüpft werden soll, wird in den späteren Ausführungen, u. a. bei der Abhandlung des Matrix-Funktionsmanagements, eingegangen. 33
Als viertes Grundmodell wird die Objekt-Regionalmatrix vorgestellt, die Produkt- und Regionaldimensionen matrixartig miteinander verbindet. Diese Variante der Matrixorganisation wurde empirisch am häufigsten beobachtet. 34 Die Darst. 1 gibt das Modell dieser zweidimensionalen Matrixstruktur wieder.
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Pausenberger, Unternehmung, 1992, Sp.1061.
31 Vgl. Welge, Unternehmungsführung, 1987, S. 531.
32 Vgl. Bleicher, Strategie, 1991, S. 593.
33 Vgl. hierzu S.25 der dieser Arbeit.
34 Vgl. Reiß, Matrix, 1994, S. 7.
In Hinblick auf die nachfolgenden Ausführungen enthält die Darst. 1 einen Hinweis auf die in einer Matrixorganisation enthaltenen Schlüsselstellen und deren Funktionen. Sie ermöglicht insofern einen ersten Einblick in die praktische Umsetzung des theoretischen Konzepts.
b. Instanzen und deren Funktionen
Die Matrixorganisation enthält drei Schlüsselstellen, welche sich durch eine unterschiedliche Rollenverteilung voneinander abgrenzen lassen. In Hinblick auf die Darst. 1 unterscheidet man:
• Matrix-Leitung,
• Matrix-Stellen und
• Matrix-Schnittstellen.
Sie bilden die prinzipiellen Bausteine der Matrixstruktur und werden aufgrund ihrer elementaren Bedeutung nachfolgend charakterisiert. 35
α. Matrix-Leitung
Die erste abzugrenzende Schlüssel-Stelle der Matrix wird durch die Matrix-Leitung 36 repräsentiert. Organisatorisch gesehen steht sie auf der obersten Hierarchieebene der Unternehmung, Vorgesetzte sind nicht vorangestellt. 37 Die Matrix-Leitung ist ein Teil der Matrix, genau betrachtet steht sie aber über oder außerhalb von ihr. 38
Die Matrix-Leitung besitzt Führungsverantwortung für zwei Linien. Sie koordiniert und vereinbart Ziele. Daraus geht die Gesamtaufgabe als Zielsetzung der Unternehmung 39 vor. Entscheidungsrelevante Informationen werden für die ihr unterordneten Stellen geliefert. 40 Eine Übertragung von sowohl operativen Aufgaben als auch von Koordinationsaufgaben auf die zweite Hierarchieebene
35 Vgl. Bleicher, Strategie, 1991, S.571.
36 U. a. auch als „Top-Leadership“ bezeichnet vgl. hiezu, Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 61 ff.. Der Begriff des leitenden Managers wird ebenfalls als Synonym verwendet. Vgl.
Schreyögg, Organisation, 1998, S. 184 f.
37 Bei der Matrixform einer Gesamtunternehmung bildet die Matrix-Leitung die Geschäftsleitung. Vgl. Schwarz, Führungsaufgabe, 1977, S. 39.
38 Vgl. Lawrence / Kolodny / Davis, Seite, 1988, S.128.
39 Leistungsstandards legen die Unternehmungsziele fest. Ihre Festsetzung wird durch den Wettbewerbsdruck der Umwelt zwingend notwendig. Vgl. Lawrence / Kolodny / Davis,
Seite, 1988, S.135.
40 Vgl. Scholz, Matrix-Organisation, 1992, Sp. 1303 f.
findet statt. Dieser Tatbestand begründet den hohen Delegationsgrad, durch welchen die Matrixorganisation gekennzeichnet ist. 41 Aufgabe der Matrix-Leitung ist es daher für die ordnungsgemäße Durch- und Ausführung der Aufgaben zu sorgen. Ein weiterer Aufgabenbereich der Matrix-Leitung ist, die zerstreute Macht zwischen den beiden Linien auszubalancieren, zu bündeln und gegebenenfalls notwendige Stabilisierungsmaßnahmen zu ergreifen. Ein Stichentscheid bei Uneinigkeit der Matrix-Stellen sollte dabei mit der Ermahnung verbunden sein, Konflikte künftig selber lösen zu können. 42 Auf diesen Sachverhalt wird in den späteren Ausführungen genauer eingegangen.
Partizipation bedeutet, dass sich in der Organisation der Matrix Mitarbeiter gleicher und untergeordneter Ebenen an der Planung und Entscheidung von Aufgaben beteiligen. 43 Um den Matrixgedanken konsequent vor den ihr unter-geordneten Stellen vertreten und weitergeben zu können, muss sich die Matrix-Leitung mit dem Organisationskonzept der Matrix identifizieren. Sie muss die Stellen dazu anhalten, die Bereitschaft aufzubringen, Abstimmungsprobleme und Konflikte in einem sachlichen Austausch von Argumenten offen auszutragen. Die erwähnte Funktion der Matrix-Leitung als Streitschlichtungsinstanz sollte daher die Ausnahme bleiben. 44 Um den mehrdimensionalen Gedanken der Matrixstruktur zu fördern, können die Mitglieder der Matrix-Leitung eine doppelte Verantwortung besitzen. Sie sind z. B. sowohl für eine bestimmte Region, als auch für einen bestimmten Unternehmungsbereich verantwortlich. 45
41 Vgl. hierzu u. a. Schertler, Unternehmensorganisation 1993, S. 50. Dieser versteht unter Delegation einen Prozess der Kompetenz- und Aufgabenübertragung. Normalerweise stehen
die Kompetenzen der Matrix-Leitung selbst zu. Ziel der Delegation ist ihre Entlastung.
42 Vgl. Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 158.
43 Vgl. Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 50.
44 Vgl. Schreyögg, 1998, Organisation, S. 186.
45 Vgl. Weidemann, Konzernleitung, 1975, S. 131, Alewell, Regionalorganisation, 1992, Sp. 2194.
β. Matrix-Stellen
Als zweiter Baustein der Matrix sind die Matrix-Stellen zu sehen. 46 Sie sind der Matrix-Leitung direkt unterstellt und koordinieren die Aufgaben entlang ihrer jeweiligen Dimension. 47 Jeweils eine Matrix-Stelle wird zum Ausdruck der Spezialisierung auf eine Dimension. Die Matrix-Stellen stehen sich auf der gleichen Stufe der Hierarchie gleichberechtigt gegenüber. Sie haben gemeinsame Untergebene und teilen sich ihren Verantwortungsbereich. 48 Die Matrix-Stellen bearbeiten als organisatorische Einheiten die auf sie übertragenen Teilaufgaben der Gesamtunternehmung. Damit eine Lösung von unternehmerischen Aufgaben aus zwei Perspektiven möglich ist, müssen die Matrix-Stellen dafür sorgen, dass ihre Anliegen in Bezug auf die entsprechende Spezialisierung der Dimension (z. B. Produkte, Funktionen...) zur Geltung gebracht werden und ausreichend Berücksichtung finden.
Matrix-Stellen, die das operative Geschäft betreiben, werden auch als Linieninstanzen bezeichnet. Sie bilden die Spalten der Matrix und sind auf der vertikalen Dimension angesiedelt. Ihre Kompetenzen liegen einem disziplinarischen Anweisungsrecht 49 zugrunde. Dagegen werden Matrix-Stellen, welche die Linieninstanzen hinsichtlich der zweiten Organisationsdimension koordinieren, als Matrixinstanz bezeichnet. 50 Diese Stellen befinden sich auf der horizontalen Matrixdimension und stellen damit die Zeilen der Matrix dar. Sie befassen sich mit der Planung, Organisation und Kontrolle von Problemlösungsprozessen und besitzen ein unterschiedlich abgestuftes sachliches, objekt- oder problembezogenes Anweisungsrecht. 51 Mit dieser Zuordnung entsteht nicht zwingend
46 Als Synonyme werden auch die Begriffe Matrixmanager, vgl. u. a. Schreyögg, Organisation, S. 186, Matrixvorgesetzte, vgl. Schanz, Organisationsgestaltung, 1994, S 191, oder „The Matrix Bosses“ hierzu Lawrence / Kolodny / Davis, Seite, 1988, S. 136 ff. verwendet.
47 Vgl. Scholz, Matrix-Organisation, 1992, Sp. 1303.
48 Aus zwei sich überschneidenden Weisungslinien entsteht der gemeinsame Verantwortungsbereich der Matrix-Stellen.
49 Disziplinarischen Anweisungsrechte beziehen sich auf Umgangs- und Verhaltennormen. Aufgrund dieser Rechte, hat die Linieninstanz das Recht, gegenüber seinen Mitarbeitern Maßnahmen zu ergreifen um ihr Handeln zu loben oder zu tadeln. Vgl. zur genauen Darstellung Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S. 151 f.
50 Vgl. Weinert, Organisation, 2002, S. 57.
51 Vgl. Scholz, Matrixorganisation, 1980, Sp. 1293. Vgl. hierzu auch die Darstellung in Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S. 151 f. Darin wird das objekt-, sach,- und problembezogene Anweisungsrecht als fachliches Weisungsrecht bezeichnet. Die Aufgabendurchführung steht im Mittelpunkt. Auf dieser Grundlage erteilt die Matrixinstanz die zur Entschei- dungsdurchsetzung notwendigen Handlungsanweisungen.
eine klare Kompetenzabgrenzung zwischen Linien- und Matrixinstanz. 52 Auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der Machtverteilung wird nicht an dieser Stelle, sondern im nachfolgenden Abschnitt eingegangen.
Man spricht im Zusammenhang mit der Matrixorganisation auch vom Prinzip des Weisungskompetenzdualismus. 53 Jede Dimension der Matrix ist durch ein eigenes Leitungssystem 54 gekennzeichnet. Da sich die Matrix-Stellen auf einer Hierarchieebene gegenüberstehen, wird einer Matrix-Stelle ein horizontales und der anderen ein vertikales Leitungssystem zugeordnet. Damit sind die den Matrix-Stellen untergebenen Mitarbeiter zur Lösung einer Aufgabe beiden Matrix-Stellen unterstellt. Es kommt zur Kompetenzüberschneidung. 55 Aus Sicht der untergeordneten Stellen entsteht ein Mehrliniensystem. 56 Beim Mehrliniensystem können sich die untergebenen Mitarbeiter direkt an die Matrix-Stellen wenden. 57 Nachfolgend wird dieser Sachverhalt mehrfach aufgegriffen und detailliert beschrieben.
γ. Matrix-Schnittstellen
Die Matrix-Schnittstellen bilden die Komponente der Matrix. Sie liegen in den Schnittpunkten der Matrix-Stellen bzw. von Linieninstanz und Matrixinstanz und haben diese als gemeinsame, berichtspflichtige Vorgesetzte.
Innerhalb der Organisation können die Matrix-Schnittstellen durch zwei unterschiedliche Ausprägungen gestaltet werden. Wird die organisatorische Stelle personell besetzt, findet die Erfüllung der Koordinationsaufgabe im oben beschriebenen Sinne gemeinsam mit den Matrix-Managern statt. Als zweite Variante kann die Matrix-Schnittstelle als Problembereich existieren, über den die beiden Matrixmanager gemeinsam entscheiden müssen. In diesem Absatz wird
52 Vgl. Drumm, Matrix-Organisation, 1980, Sp. 1294.
53 Vgl. Grochla, Organisationsgestaltung, 1995, S. 140. Man verwendet auch die Begriffe Duplexstruktur oder System dualer Führung, Brings, Kompetenz, 1977,. S.44.
54 System, der Informations- und Entscheidungswege in einer Organisation. Vgl. Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S. 229 ff..
55 Unter Kompetenz versteht man die Handlungsrechte einer Stelle zur Erfüllung von Aufgaben. Man unterscheidet unterschiedliche Formen von Kompetenzen wie Ausführungskompetenz, Verfügungskompetenz, Antragskompetenz, Entscheidungskompetenz, Mitsprachekompetenz, Anordnungskompetenz und Richtlinienkompetenz. Vgl. hierzu Hill / Fehlbaum / Ulrich, Organisationslehre, 1994, S. 125-130.
56 Vgl. hierzu ausführlich Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S. 230 f.
57 Vgl. Vahs, Organisation, 1997, S. 96. Dieser bezeichnet deshalb das Mehrliniensystem auch „Prinzip des kürzesten Weges“.
vorerst nur die personell besetzte Matrix-Schnittstelle betrachtet. Im Zuge der Erläuterung der Kompetenzaufteilung wird auf die Matrix-Schnittstelle als Problembereich sowie die auf die Praxisrelevanz beider Ausprägungen detailliert eingegangen. 58
Da die Matrix-Schnittstellen der konkreten Aufgabenerfüllung dienen, findet in ihnen die eigentliche Problemlösung statt. Diese Position stellt an die Stelleninhaber sehr hohe Managementanforderungen. Einerseits treten sie in der Regel selbst als Vorgesetzte des eigenen Teilbereiches auf und müssen die Entscheidungen gegenüber den ihnen untergeordneten Stellen vertreten. Andererseits müssen die Widersprüche der vorgeordneten Ebene aufgespürt und kooperativ und partizipativ zum Ausgleich gebracht werden. 59 Damit ergeben sich für die Leiter der Matrix-Schnittstellen erhebliche Handlungsspielräume und Freiräume für Eigeninitiative. 60
Indem eine zunehmende Hierarchisierung vorgenommen wird, kann die Mehrdimensionalität im Rahmen des organisatorischen Aufbaus auf verschiedenen Systemebenen 61 zu den Matrix-Schnittstellen führen. 62 Darst. 2 spiegelt diese Problemstellung wieder. 63
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Bleicher, Strategien, 1991, S. 573.
Darst. 2: Tiefgestaffelte Hierarchisierung der Dimensionen
58 Vgl. hierzu S. 16 f. der eigenen Arbeit.
59 Vgl. Bleicher, Strategien, 1991, S.572.
60 Vgl. Schreyögg, Organisation, 1998, S. 188.
61 Der Begriff Systemebene ist mit dem Begriff Hierarchieebene gleichzusetzen.
62 Vgl. Bleicher, Strategien, 1991, S. 572.
63 Hier wurde eine exemplarische Kennzeichnung der Matrix-Schlüsselstellen vorgenommen.
Im Vordergrund steht hier die Frage nach der im Rahmen der Matrixorganisation optimalen und maximal zulässigen Leitungsspanne. 64 Durch das hohe Maß an Delegation, Dezentralisation, Partizipation und durch die hohe Fach- und Führungskompetenz der Mitarbeiter sind bei Matrixkonzepten hohe Leitungsspannen generell zulässig. Aufgrund der geringen Standardisierung und Formalisierung 65 , der hohen Komplexität 66 und Dynamik 67 der Aufgaben, sowie der Notwendigkeit der wechselseitigen Abstimmung und des hohen Konfliktpotenzials zwischen den Stellen, sind hohe Leistungspannen eher nicht anzutreffen jedoch kompensiert. Es muss nach Möglichkeiten gesucht werden, die Leitungsspannen zu reduzieren. Bevor man die einzelnen Dimensionen matrixartig miteinander verknüpft, werden zwischen der Matrix-Leitung und den Matrix-Stellen Leitungsstellen geschaltet. Diese werden z. B. durch Ober-Matrix-Stellen repräsentiert. 68 Tiefgestaffelte hierarchische Ebenen entstehen, in dem die Matrix-Schnittstellen auf tiefere Organisationsebenen verlagert werden. Man spricht hier auch von vertikaler Strukturierung. 69 Innerhalb der mehrdimensionalen Organisationsstruktur werden die Leitungsstellen bis zur Ebene der Matrixschnittstellen durch ein Einliniensystem abgebildet. 70
Durch die Erläuterung von Matrix-Leitung, Matrix-Stellen und Matrix-Schnittstellen wurden Schlüssel-Stellen der Matrix aufgezeigt. Wirft man einen Blick zurück auf die Darst. 1 wird deutlich, dass ein Bestandteil der Organisation bisher unbeachtet blieb. Grundsätzlich ist es möglich, harmonisierende Dimensionen zu berücksichtigten. 71 Im Vergleich zu der relativen Bedeutung der beiden auf einer Hierarchiestufe stehenden Matrixdimensionen, sind diese Dimensionen jedoch durch geringere Einflussmöglichkeiten auf untergeordnete
64 Unter einer Leitungsspanne versteht man die Anzahl an Untergebenen, die im Rahmen eines Einliniensystems einem Vorgesetzten direkt und unmittelbar unterstellt sind. Vgl. hierzu Kieser / Kubicek, Organisation, 1992, S. 151.
65 Ausmaß an generell fixierten organisatorischen Regeln, vgl. Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 52.
66 Anzahl und Verschiedenartigkeit der Faktoren die bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden müssen. Vgl. Kieser / Kubicek, Organisation, 1992, S. 371.
67 Häufigkeit, Stärke und Irregularität von Veränderungen
68 Matrix-Stellen werden durch Ober-Matrix-Stellen zusammengefasst. Eine andere aufgezeigte Möglichkeiten das Problem einer zu hohen Leitungsspanne zu lösen, besteht in der Definition der Matrix-Leitung als Pluralinstanz. Vgl. hierzu Vgl. Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 111.
69 Vgl. Werder, Organisationsstruktur, 1986, S. 83.
70 Vgl. hierzu Vahs, Organisation, 1997, S. 91; Hill / Fehlbaum / Ulrich, Organisationslehre, 1994, S. 219 ff..
71 Vgl. Kreikebaum, Zentralbereiche, 1992, Sp. 2607.
Organisationseinheiten gekennzeichnet. 72 So können z. B. die Funktionen Personal, Marketing, Finanzen und Rechnungswesen in Zentralabteilungen oder Zentralbereichen zusammengefasst werden, um die sich aus der mehrdimensionalen Organisationsstruktur ergebenden Synergie- bzw. Verbundvorteile zu nutzen. Sie unterstützen die Matrix-Leitung durch die Übernahme allgemeiner Unternehmungsaufgaben in Form von zentralen Stäben. Die Zentralbereiche innerhalb der Matrixorganisation sind auf der Grundlage ihrer Kompetenz für globale Lenkungs-, Koordinations-, Kontroll- und Steuerungsaufgaben verant-wortlich. 73 Die Praxisrelevanz des Einbaus von Stäben und Zentralabteilungen, wird im empirischen Teil verdeutlicht.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es in Folge der Mehrdimensionalität überwiegend zur Anwendung des Mehrliniensystems und damit einhergehend zu Kompetenzüberschneidungen kommt. 74 Als zentrale Frage muss im Folgenden geklärt werden, welche Möglichkeiten der Aufteilung von Kompetenzen auf die Matrix-Stellen generell zulässig sind, und wie diese Zuordnung das Beziehungsgefüge der Matrix-Schlüsselstellen beeinflusst.
c. Kompetenzaufteilung
Die Zuordnung der Kompetenzen zu den Matrix- und Linieninstanzen stellt innerhalb der Matrixorganisation ein zentrales Problem dar. Bezüglich der Kompetenzverteilung auf die beiden Dimensionen der Matrixorganisation kann man zwischen zwei Ansätzen unterscheiden:
• gleichberechtigte Matrix-Stellen und
• ungleichberechtigte Matrix-Stellen.
Den beiden Ausprägungen können verschiedene Konzepte zugeordnet werden. Die sogenannte unvollständige Matrix kann je nach Ausgestaltung als gleichberechtigte Matrix oder ungleichberechtigten Matrix auftreten. Als Formen der ungleichberechtigten Matrix können einerseits die Modelle der Task-Force und des Influence-Managements, und andererseits die Modelle der Traversal-Marix
72 Vgl. Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 114.
73 Vgl. Pausenberger, Unternehmung, 1992, Sp. 1060.
74 Ein Mehrliniensystem besteht nicht, wenn die Matrix-Stelle durch ein Problemfeld repräsen- tiert wird. Vgl. dazu S. 16 der vorliegenden Arbeit.
bzw. unreifen Matrix unterschieden werden. Für alle Kompetenztypen der Matrix findet im Folgenden eine kurze Charakterisierung und Beurteilung statt.
α. Gleichberechtigte Matrix-Stellen
Theoretische Betrachtungen einer Reinform der Matrix heben oftmals das Gleichgewichtspostulat als notwendige Bedingung vor. 75 Der Ansatz wird im Folgenden als reife Matrix bezeichnet. 76
Jede Instanz besitzt bei der Lösung der betriebswirtschaftlichen Aufgabenstellung die gleiche Bedeutung. D. h., es findet eine Gleichverteilung der Kompetenzen zwischen Linieninstanz und Matrixinstanz statt, indem diese nur gemeinsame und gleichberechtigte Entscheidungen treffen können.
Quelle: Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 89.
Darst. 3: Reife Matrix
Die Schnittstelle gehört somit weder der Abteilung 77 der einen noch der anderen Matrix-Stelle an, sondern ist die Spitze bzw. Instanz einer eigenen Abteilung, welche beiden Stellen gleichzeitig und gleichberechtigt unterstellt ist. 78 Es erfolgt die Bildung einer hohen Anzahl von relativ kleinen überschaubaren Abteilungen, die matrixartig nach zwei Aspekten miteinander verknüpft sind. Die Abteilung der Schnittstelle wird in den nachfolgenden Hierarchieebenen nach dem Linien- oder Stablinienprinzip organisiert. Auf der einen Seite besteht der Vorteil darin, dass die Matrix-Stellen von der Leitung großer Abteilungen entlastet werden. Auf der anderen Seite wird als kritisch erachtet, dass auf den Matrix-Schnittstellen-Inhabern durch die Aufgabe des Prinzips der
75 Vgl. Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S. 252.
76 Als Synonym wird auch der Begriff symmetrische Matrix verwendet. Vgl. hierzu Reiß, Matrix, 1994, S 8.
77 Unbefristete Unterstellungen von Ausführungsstellen, welche aufgrund verschiedener Aufgabenmerkmale bebildet werden, unter eine gemeinsame Leitungsstelle.
78 Vgl. Bühner, Organisationslehre, 1991, S.148 f.
Einheit der Auftragserteilung 79 - in der Rolle des vollverantwortlichen Abteilungsleiters - eine hohe Verantwortung lastet. 80
Das Gleichgewicht zwischen den Matrixdimensionen wird insbesondere bei steigender Diversität von Aufgaben und Personen labiler. 81 Je nach Art der zu lösenden Aufgabenstellung oder der Phase des Problemlösungsprozesses kann die grundsätzliche Gleichberechtigung durch eine annährende Gleichberechtigung mit wechselnden und verschiedenen Einflussmöglichkeiten modifiziert werden. 82 Der Nutzen solcher Regelungen liegt in der Tatsache begründet, dass nur selten nicht zu lösende Konflikte entstehen, welche die Einschaltung der Matrix-Leitung erfordern. 83 Die verschiedenen Organisationseinheiten besitzen somit auf Dauer festgelegte und abgestufte Informationsrechte, Beratungsrechte sowie Mitentscheidungs- oder Alleinentscheidungskompetenzen. Andere Ansätze der annährenden Gleichberechtigung gehen dahin, eine Aufteilung der Entscheidungsgewalt dadurch zu regeln, dass die Linieninstanzen über das „wie“, „ durch wen“ und „womit“ abstimmen, die Matrixinstanzen dagegen die Kompetenzen über das „was“ und „wann“ erhalten. 84 Diese Regelung bringt für die Matrixinstanz ein gewisses Übergewicht in der Planungsphase, für die Linieninstanz ein gewisses Übermaß in der Realisationsphase mit sich. 85
Bei der unvollständigen Matrix wird grundsätzlich die Gleichrangigkeit der Dimensionen aufrechterhalten. Die Besonderheit ist hier, dass bei der Schnittstelle auf eine organisatorische Institutionalisierung verzichtet wird. Folglich wird die Einheit auf einen personell unbesetzten Problembereich beschränkt, über den sich die Matrix-Stellen wechselseitig abstimmen müssen.
79 Das bringt die bereits erwähnte Doppelerstellung der Matrix-Schnittstellen mit sich.
80 Vgl. Leumann, Matrix-Organisation, 1977, S. 90.
81 Vgl. Bleicher, Matrix-Organisation, 1980, Sp. 1519.
82 Vgl. Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S. 252 f.
83 Vgl. Seidel / Redel, Führungsorganisation, 1987, S. 123.
84 Vgl. Schmidt, Organisationsform, 1972, S.186.
85 Man spricht hier von dem sogenannten „W“-Fragen, vgl. hierzu Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 76. Zur Festlegung der Kompetenzen können ebenfalls Organigram-
me, Stellenbeschreibungen oder Funktionsdiagramme herangezogen werden. Das Organi-
gramm als grafisches Stellenschaubild stellt die Ordnung von Stellen oder Abteilungen so-
wie das Beziehungsgefüge zwischen Über-, Unter-, und Gleichordnung innerhalb einer Un-
ternehmung zu einem bestimmten Zeitpunkt graphisch dar. Da durch ein Organigramm nicht
alle Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen abgebildet werden können, werden Stel-
lenbeschreibungen, als formalisierte verbale Darstellung, ergänzend hinzugenommen. Funk-
tionsdiagramme können als Vervollständigung eingesetzt werden, wenn die Darstellung von
Zusammenhängen und Zusammenarbeit zwischen beteiligten Stellen durch Stellenbeschrei-
bungen nur unübersichtlich möglich ist. Zur Ausführlichen Darstellung Vgl. hierzu u. a.
Welge, Unternehmungsführung, 1987, S. 428; Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 76
und 170 ff.; Schulte-Zurhausen, Organisation, 1999, S. 466.
Die übrigen Stellen werden den beiden Abteilungen der Matrix-Stellen unter-geordnet. Die gestrichelte Linie in der Matrix-Stellen-Pyramide visualisiert die möglichen Größenunterschiede der Abteilungen. 86
Darst. 4: Unvollständige Matrix
Quelle: Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 89.
Wenn die Abteilungen der Matrix-Stellen gleichgroß sind, entsteht eine Struktur analog der reifen Matrix. Bei unterschiedlich großen Abteilungen entsteht die Struktur der nachfolgend zu erläuterten Traversal-Matrix. Durch den Wegfall der personell besetzten Schnittstelle erübrigen sich die Probleme, die sich durch Mehrfachunterstellung einer organisatorischen Einheit ergeben. Ein Nachteil der unvollständigen Matrix ist, dass Widersprüche in den Aktivitäten der Matrix-Stellen lange Zeit verborgen bleiben können, da diese nicht direkt von einer untergeordneten Stelle aufgespürt und gelöst werden. 87 Als Anwendung der unvollständigen Matrix kann man jene Fälle hervorheben, in denen das gemeinsame Problemfeld ökonomisch zu klein für eine Stellenbesetzung ist, bei denen in beiden Dimensionen identische Stellen für die zu lösende Aufgabenstellung vorhanden sind, oder für welche eine Mehrfachunterstellung aus bestimmten unternehmungspolitischen Gründen vermieden werden soll. 88 Im Folgenden Kapitel wird die Anwendung organisatorischer Problemfelder durch die Sekundärorganisationen des Matrixkonzepts erneut aufgegriffen. 89
86 Vgl. Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 93 f.
87 Vgl. Welge, Unternehmungsführung, 1987, S. 569.
88 Vgl. dazu näher Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 92 f.
89 Andere Autoren werfen dagegen die Frage auf, inwieweit das Konzept der unvollständigen Matrix, trotz der Gleichrangigkeit der Dimensionen als eigenständige Matrixform anzusehen ist. Abstimmungen von Organisationseinheiten über ein gemeinsames Problem sind in nahe- zu jeder Organisation anzutreffen. Vgl. hierzu Bühner, Organisationslehre, 1991, S. 149 f.
β. Ungleichberechtigte Matrix-Stellen
In der Praxis ist eine exakte Gleichberechtigung der Dimensionen überwiegend nicht erwünscht bzw. nicht realisierbar. Aufgrund dieser praktischen Erfahrungen haben in der Literatur auch asymmetrische Matrixmodelle Eingang gefunden. 90 Im nachfolgenden sollen dieser erläutert werden.
Die Traversal-Matrix als Ausprägung der ungleichberechtigten Matrixform ist dadurch gekennzeichnet, dass alle Matrix-Schnittstellen entlang einer Dimension zu einer einzigen Einheit zusammengefasst werden.
Quelle: Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 23.
Darst. 5: Traversal-Matrix
Die Schnittstellen werden Teil einer Abteilung, welche von der verantwortlichen Matrix-Stelle 91 (in der Darst. 5 die Linieninstanz) geleitet wird. Die Matrixinstanz hat nur noch einen indirekten und geringen Einfluss auf die Schnittstelle. Als Folge dieser Strukturform werden Konflikte innerhalb der Organisation reduziert. Durch die stärkere Bindung der Schnittstelle an eine der beiden Matrix-Stellen besteht die Gefahr von einseitigen Problemlösungen. In dieser Konstellation gleicht sich die Matrixstruktur wieder einer eindimensionalen Organisationsstruktur an, d. h. Probleme werden nicht mehr unter verschiedenen Gesichtspunkten und Lösungsmöglichkeiten betrachtet. Die Traversal-Matrix sollte nur zur Anwendung kommen, wenn sich durch eine Zusammenfassung der Schnittstellen Synergieeffekte erzielen lassen. Das kann z. B. durch die regionale Konzentration aller Aktivitäten auf einen Standort pro Land sein. 92
90 Vgl. Leumann, Matrix-Organisation, 1979, S. 59.
91 Diese werden als Basis-Matrix-Stelle bezeichnet. Vgl. Bleicher, Strategien, 1991, S. 574.
92 Vgl. Welge, Unternehmungsführung, 1987, S.569.
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Anne Bartel, 2002, Matrixorganisation als Organisationskonzept für multinationale Unternehmungen, München, GRIN Verlag GmbH
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