kunftsgebiete und die Wanderwege des Inlandeises geben. Stellenweise sind auch Fein- und Mit-telsande eingeschaltet. Die Mächtigkeit dieser Schichten steigt auf Meßtischblatt Rheine bis auf 30m an. Darüber folgen gelbweiße, scharfe, teilweise tonige Mittelsande und Kiese ohne Geschiebeführung. Die Grobsande und -kiese des unteren Teils haben der Abtragung zum großen Teil widerstanden und überragen ihre Umgebung als Wallrücken. Die Schichten des oberen Teils sind teilweise bereits abgetragen und umgeben daher nur noch randlich die als Wallrücken herausragenden tieferen Schichten. Diese Abtragung muß schon vor der Ablagerung der weichselzeitlichen Dünen und Flugdecksande erfolgt sein, weil diese den Kern schichten direkt aufliegen.
2. Theorien zur Entstehung
Die Rinne des Hauptkiessandzuges ist Teil eines eiszeitlichen Rinnensystems, durch das während der Saale-Kaltzeit die Schmelzwässer nach Süden zur Lippe-Urrinne und von dort nach Westen zum Rhein abfließen konnten.
Die Entstehung des Kiessandzuges hat bis heute keine abschließende Erklärung gefunden, obwohl seit über 100 Jahren darüber diskutiert wird. Schon VON DER MARCK und HOSIUS berichteten 1858 bzw. 1872 über den auffälligen Wallrücken. THEODOR WEGNER deutete Anfang des 20. Jahrhunderts den Zug als „Münsterländer Endmoräne“. WOLFF (1928) hielt die Kiessandzone für eine kame- oder osartige Bildung. HANS SCHNEIDER (1938) entschied sich für eine alleinige Deutung als Os. Ein Os (Pl. Oser), auch Wallberg oder Esker genannt, ist ein schmaler (5 - 150m breiter), steilwandiger, bahndammähnlicher, zum Teil schwach gewundener Rücken, der am Grunde des Gletschers durch subglaziär abfließendes Wasser in einem Tunneltal aufgeschüttet wurde. Ein Kame (Pl. Kames) ist ein breiter (bis zu ca.1km), weniger steilwandiger Hügel, dessen Sedimente zwischen Toteisblöcken des abschmelzenden und zerfallenden Inlandeises abgelagert wurden. Kames zeichnen durch ihren Verlauf das ehemalige Kluft- und Spaltensystem nach, das entsprechend dem im Eis entwickelten Kräftefeld entweder parallel oder senkrecht zur Eisschubrichtung gerichtet war.
Den Untersuchungen von LOTZE (1954) und BAECKER (1963) zufolge ist die Rinne des Kiessandzuges in ihrem südlichen Abschnitt bei Münster teilweise bereits vom elsterzeitlichen In-landeis eingetieft worden. In der anschließenden Holstein-Warmzeit verlegte ein von Süden kommender Fluß seinen Lauf streckenweise in diese Rinne. Nach der Überfahrung durch das saalezeitliche Eis pauste sich die Rinne auf die Eisoberfläche durch und zog die Entwässerung der oberflächlich abfließenden Schmelzwässer an sich. In dieser Schmelzwasserrinne reicherten sich Sand und Kies durch Zusammenschwemmung von den Seiten her an und es entstand eine sehr viel mächtigere Ablagerung als unter den Eisflächen beiderseits. Das Eis taute schließlich ab und die zusammengeschwemmten Geröllmassen wurden dadurch auf der Sohle der Rinne abgesetzt, deren mächtige Sedimentfüllung als Wallrücken die beiderseitige Geschiebemergeldecke der Umgebung überragte.
Im Gebiet des Kartenblattes Rheine dagegen ließ sich nach THIERMANN (1973) kein Nachweis für eine schon zu Beginn der Saale-Kaltzeit vorliegende Rinne finden. Hier scheint sie erst durch die Schmelzwässer im Toteis der Drenthe-Vereisung geschaffen zu sein, wobei die Klüfte im Eis den Wässern den Weg vorschrieben. Eine Erklärung für die Entstehung einer solchen langen Kluft fällt allerdings schwer. Durch das strömende Wasser wurde das Inlandeis schließlich durchschnitten, die Rinne in den Untergrund weiter eingetieft und dort die Schotterfracht abgelagert. Nach dem Abschmelzen des Eises blieb dann der Wallberg zurück. So deutet THIERMANN (1973) den Kiessandzug im Blattgebiet Rheine als Kame-Bildung. Allerdings schränkt auch THIERMANN ein, daß “Bei genauerer Betrachtung (...) die Entstehung jedoch noch komplexer zu sein (scheint) , denn nicht alle Beobachtungen über den Kiessandzug finden eine eingängige Erklärung“ . So ist z.B. südlich von Münster, zwischen Sendenhorst und Albersloh, die Rinne im Untergrund gegenüber dem Wallrücken mehrere hundert Meter nach Süden verschoben.
Vorläufiges Fazit: Der Kiessandzug erscheint zwar morphologisch als einheitliche zusammenhängende Bildung, er dürfte jedoch abschnittsweise unterschiedlicher Genese sein. Auch die genaue zeitliche Einordnung seiner Entstehung im glazialen Zyklus des Drenthe-Stadiums der saalezeitlichen Vereisung ist noch nicht vollkommen geklärt.
Aus jüngster Zeit stammt eine von SKUPIN, SPEETZEN & ZANDSTRA (1993) entwickelte Hypothese zur Entstehungsgeschichte des Münsterländer Hauptkiessandzuges, die sich auf die Verbreitung verschiedener, durch ihre Leitgeschiebeführung gekennzeichnete Grundmoränen stützt. Aufgrund der Leitgeschiebeführung der münsterländischen Grundmoränen lassen sich zwei saalezeitliche Moränen-Gruppen unterscheiden. Einen ersten und einen zweiten Eisvorstoß, deren Gletscher die gesamte Westfälische Bucht ausfüllten, dokumentiert die Heerenveen-Moränen-
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gruppe, die durch Geschiebe aus Smaland (Südschweden) bzw. Småland und Dalarna (Mittelschweden) gekennzeichnet ist. Bei der Assen-Moränengruppe, deren Geschiebegemeinschaft ostfennoskandischer Herkunft (Nordschweden, Südfinnland, Aland-Inseln und angrenzende Ostsee) ist, handelt es sich um die Grund moräne eines dritten Eisvorstoßes. Während Ablagerungen der Heerenveen Moränengruppe beiderseits des Kiessandzuges vorhanden sind, ließ sich die Assen-Moränengruppe nur westlich des Kiessandzuges nachweisen. SKUPIN, SPEETZEN & ZANDSTRA (1993) entwickelten aus dieser Beobachtung folgendes Szenarium. Der saalezeitliche Gletscher hinterließ nach seinem ersten und zweiten Vorstoß und anschließendem teilweisen Abschmelzen im Westen und Osten der Westfälischen Bucht mächtige Toteisfelder. Das östliche Toteisfeld umfaßte das Gebiet südlich des Teutoburger Waldes bis an die Linie Rheine - Greven -Glandorf - Dissen. Im eisfreien Raum zwischen beiden Toteisfeldern flossen Schmelzwässer nach Süden zum Lippetal hin ab. Der dritte saalezeitliche Eisvorstoß erfolgte durch den eisfreien “Korri-dor“ zwischen beiden Toteismassen in das Zentrum der Westfälischen Bucht hinein. Zur Entstehung des Kiessandzuges schreiben SKUPIN, SPEETZEN & ZANDSTRA (1993: S. 104): „Die Rinne des Kiessandzuges entstand in dem Raum zwischen dem fließenden Eis der ‚Assen-Phase‘ im Westen und dem Toteis der ältesten ‚Heerenveen-Phase‘ im Nordosten. Die laterale Ausweitung des mobilen Eises zum Toteisfeld hin verengte den Raum des Schmelzwasserlaufs und führte in zunehmendem Maß zu einer Kanalisation der Wasserabfuhr nach Süden. Die Folge war eine starke Zunahme der Stromgeschwindigkeit und damit ein tieferes Einschneiden der Rinne. Mit der weiteren Ausdehnung des aktiven Eises wurde die offene Abflußrinne geschlossen, und es bildete sich wahrscheinlich von Haddorf aus ein subglaziärer Schmelzwasserabfluß. Aufgrund des hohen hydrostatischen Drucks unter dem Eis kam es zu lokalen šbertiefungen und Auskolkungen der Rinnensohle (die durch Bohrungen und geoelektrische Messungen nachgewiesen werden konnten; Anm. d. Verf.). Die Ausfüllung der Rinne (die Os-Bildung) fand hauptsächlich vor dem endgültigen Abschmelzen des Eises statt. Dafür spricht die örtlich zu beobachtende Verzahnung der Grundmoräne mit der fluvioglazialen Rinnenausfüllung. ... In Teilbereichen dürfte sich die Aufschüttung in dem bereits zerfallenden Toteis fortgesetzt haben, als die ehemals subglaziär enstandene Rinnenfüllung zwischen den Eisfeldern offen zutage trat (Kame-Bildung; Anm. d. Verf.) .“ Für diesen Erklärungsversuch spricht, daß die östliche Verbreitungsgrenze der ostfennoskandisch geprägten Moräne weit gehend mit der Lage der Schmelzwasserrinne des Münsterländer Kiessandzuges übereinstimmt.
Der Vollständigkeit wegen soll erwähnt werden, daß im Westen der Westfälischen Bucht eine dem Kiessandzug analoge Bildung, die Twente-Achterhoek-Rinne, entstand.
3. Nutzung des Kiessandzuges
3.1. Grundwassergewinnung
Der Münsterländer Hauptkiessandzug ist für die öffentliche Wasserversorgung von großer Bedeutung. Mit Mächtigkeiten bis zu 40m sind die quartären Sande und Kiese der wichtigste Poren-grundwasserleiter im nördlichen Westmünsterland. Porengrundwasserleiter zeichnen sich im Gegensatz zu Kluftwasserleitern durch ihr gutes Reinigungsvermögen aus. Die Stadt Ochtrup stellt ihre Versorgung mit Trinkwasser durch Entnahme aus dem Kiessandzug (Wasserwerk Brakken) sicher und die Stadt Rheine gewinnt einen Teil ihres Wassers ebenfalls aus dem Kiessandzug (Wasserwerk St. Arnold-Neuenkirchen). Durch die Zuführung und Versickerung von Fremdwasser soll eine Überbeanspruchung des Grundwasserleiters und eine zu starke Absenkung des Grundwasserspiegels vermieden werden.
Nach der Darstellung der Hydrogeologischen Karte Blatt 3710 Rheine (THIERMANN, 1973: Taf. 4) fließt im Raum Neuenkirchen das Grundwasser von Nordosten (westlicher Thieberg) her dem Kiessandzug zu. Der Grundwasserabfluß ist südwest- bis westwärts gerichtet.
3.2. Sand- und Kiesabbau
Zugleich ist der Kiessandzug als wichtige Lagerstätte von Sand und Kies von Bedeutung. Die bis 30m mächtigen nutzbaren Ablagerungen im Bereich der Kiessandzone gehören zu den reichsten Kiesvorkommen des Münsterlandes. Das in zahlreichen Flach- und Tiefentsandungen gewonnene Material findet als Betonkies und Bausand Verwendung. Die unter dem offenen Grundwasserspiegel betriebene Naßentsandung hat den Vorteil, daß die feineren tonigen und schluffigen Bestand-
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teile ausgeschwemmt werden. Der auf diese Weise gewonnene Kies ist für die Betonherstellung bestens geeignet.
Daraus ergibt sich zwangsläufig eine Konkurrenz zwischen den Nutzungsansprüchen der Wasser-und der Baustoffwirtschaft an den Kiessandzug (konkurrierende Nutzung!). Die Nutzung als Sand-und Kieslagerstätte schränkt die Erhaltung des Kiessandzuges als Trinkwasserreservoir und den Schutz des Grundwassers vor Verschmutzung nicht unerheblich ein.
Bei Tiefentsandungen wird in den entstehenden Baggerseen der Grundwasserspiegel freigelegt. Dadurch können Schadstoffe unmittelbar in das Grundwasser gelangen. Auf die Folgen der Sand-und Kiesgewinnung weist DRIESEN (in DRIESEN, B., & al., 1990: S. 32) hin: „Häufig wurde bei Flachentsandungen - ohne in das Grundwasser zu gehen - der Grundwasserflurabstand so stark reduziert, daß das Reinigungsvermögen der verbleibenden Schichten über dem Grundwasser auf ein nicht mehr tolerierbares Minimum zurückging. Wird bei Tiefentsandungen Grundwasser in Baggerseen freigelegt, so ... (wirken) ... die offenen Wasserflächen .... auch als Nährstofffallen. Es kommt zu einer Eutrophierung mit negativen Folgen für das Grundwasser“ . Die Verdunstung über den offenen Wasserflächen führt zu einer zusätzlichen Beanspruchung der Grundwasservorräte.
Zur Reinhaltung des Grundwassers sind in der Vergangenheit bereits einige Schutzmaßnahmen ergriffen worden. Um der Gefahr einer Grundwasserverunreinigung durch Auslaugung von Verfüllmassen und durch Schadstoffaustrag aus dem Verfüllgut vorzubeugen, wird seit einigen Jahren die Verfüllung ehemaliger Sandgruben nicht mehr erlaubt. Zur Verhütung von Ölverschmutzungen darf nur mit elektrisch betriebenem Gerät gebaggert werden.
Die Lösung des angesprochenen Nutzungskonfliktes setzt eine sorgfältige Abwägung aller Interessen voraus. Es sollte nicht übersehen werden, daß mittlerweile zumindest in der Tendenz der Schutz des Grundwassers und damit die Gewährleistung einer einwandfreien Trinkwasserqualität als vorrangig angesehen wird.
4. Schriftenverzeichnis
BAECKER, P. (1963): Über altpleistozäne Flußrinnen und einige andere Probleme des Pleistozäns im Münsterland, . N.Jb.Geol.Paläont., Abh., 117: 59 - 88, 10 Abb., 2 Taf.; Stuttgart. DRIESEN, B., & KOCH, M., & MICHEL, G., & Stehn, O., & WREDE, V. (1990): Erläuterungen zu Blatt C 4310 Münster. - Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 100000, Erl., C 4310, 2. Aufl.: 64 S., 15 Abb., 5 Tab.; Krefeld.
LOTZE, F. (1954): Der Münsterländer Hauptkiessandzug und seine Entstehung. - Natur u. Heimat, 14: 3 - 12, 4 Abb.; Münster.
SCHNEIDER, H. (1938): Zur Frage des Münsterländischen Kiessandrückens. - Z.dt.geol.Ges., 90: 603 - 615, 1 Abb., 1 Taf.; Berlin.
SKUPIN, K., SPEETZEN, E. & ZANDSTRA, J.G. (1993): Die Eiszeiten in Nordwestdeutschland. -143 S., 49 Abb., 24 Tab., 2 Taf., 2 Kt. i.d. Anl.; Krefeld.
THIERMANN, A. (1968), mit Beitr. von REHAGEN, H.-W., & SCHRAPS, W.G.: Erläuterungen zu den Blättern 3707 Glanerbrücke / 3708 Gronau und 3709 Ochtrup. - Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1:25000, Erl., 3707 / 3708 u. 3709: 177 S., 3 Abb., 12 Tab., 4 Taf.; Krefeld. THIERMANN, A. (1973), mit Beitr. von DUBBER, H.-J., & KALTERHERBERG, J., & KOCH, M., & REHAGEN, H.-W.: Erläuterungen zu Blatt 3710 Rheine. - Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1:25000, Erl., 3710: 174 S., 16 Abb., 12 Tab., 5 Taf.; Krefeld.
THIERMANN, A. (1987), mit Beitr. von KOCH, M.: Erläuterungen zu Blatt C 3910 Rheine. - Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 100000, Erl., C 3910: 68 S., 14 Abb., 2 Tab.; Krefeld. WOLFF, W. (1928): Einige glazialgeologische Probleme aus dem norddeutschen Tiefland. -Z.dt.geol.Ges., 79, Mber.: 342 - 360, 2 Abb.,1 Taf.; Berlin.❒
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Dr. Olaf Otto Dillmann, 1997, Münsterländer Hauptkiessandzug, München, GRIN Verlag GmbH
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