Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
1.1 Thema und Grenzen der Arbeit 4
1.2 Aufbau der Arbeit 6
2 Fluchtpunkte einer Analytik der Arch aologie 8
2.1 Theoretische Str omungen innerhalb des franz osisch-
intellektuellen Diskurses Ende der 60er. 8
2.2 Kritiklinien des foucaultschen Denkens 10
2.2.1 Wissen ist immer diskursabh angiges
Wissen 11
2.2.2 Globalgeschichte vs. Allgemeingeschich-
te 11
2.2.3
Uberblick uber die diskursanalyti-
schen Arbeiten bis 1968 13
2.3 Diskursformation 14
2.3.1 Die Formation der Gegenst ande 14
2.3.2 Die Formation der
Ausserungsmodalit aten 16
2.3.3 Die Formation der Begriffe 17
2.3.4 Die Formation der Strategien 19
2.3.5 Zusammenspiel der Formationen 21
2.4 Architektur des Diskurses 23
2.5 Neukonzeptuierung der historischen Aussage 25
2.5.1 Worin unterscheidet sich die histori-
sche Aussage von anderen Ans atzen
der Wahrheitsproduktion? 25
2
INHALTSVERZEICHNIS 3
2.5.2 Wo findet sich die Aussage und wel-
che Bedingungen ihrer Funktion un-
terliegen ihr? 26
2.6 Arch aologie 28
2.6.1 Was ist Arch aologie? 28
2.6.2 In welchem Verh altnis steht die Arch aologie
zu nachfolgenden Werken? 29
3 Schluss 31
Kapitel 1
Einleitung
1.1 Thema und Grenzen der Arbeit
Die deutsche Gesellschaftswissenschaften sind 20 Jahre nach dem Tod von Michel Foucault (1926-1984) immer noch stark polarisiert bez¨ uglich der Interpretation seiner Texte. 1 Dies mag an dem franz¨ osischen Denk- und Schreibstil im Allgemeinen liegen, den z.B. Peter Laermann 1986 kritisierte. 2 Mit Sicherheit d¨ urfte aber auch die Brisanz der Themen und ihre Verarbeitung zu dieser Polarisierung gef¨ uhrt haben. Die Foucaultkonferenz vom 27.-29.09.01 in Frankfurt a.M. veranschaulichte das Spektrum der differierenden Deutungsmuster. 3 Nancy Fraser vertrat die Auffassung, dass Foucault f¨ ur die Beschreibung der postfordistischen Gesellschaft nichts leisten k¨ onne, da dessen Terminologie noch dem Zeitalter des Fordismus entstamme und damit veraltet sei. Axel Honneth ordnete Foucault in die Traditionslinie der kritischen Theorie und vermittelte das Bild des lang gesuchten und endlich heimgekehrten Sohnes. Diese sp¨ ate Ehrerbietung rehabilitierte Foucault von dem Konservativismusurteil durch Habermas Anfang der 80er. 4 Thomas Lemke behauptete diametral zu Fraser, dass Foucault zu seiner Zeit Antworten fand, zu denen wir heutzutage erst die Fragen finden.
1 Br¨ ockling, Ulrich; Krasmann, Susanne; Lemke, Thomas: Gouvernementalit¨ at, Neoliberalismus und Selbsttechnologien. Eine Einleitung, S. 7. In: Dies. (Hgg.): Gouvernementalit¨ at der
Gegenwart. Studien zur ¨ Okonomisierung des Sozialen. Frankfurt a. M. 2000.
2 Laermann, Klaus: Lacancan und Derridada. ¨ Uber die Frankolatrie in den Geisteswissen-schaften. S. 34ff. In: Kursbuch 84. Berlin 1986.
3 Vgl. http://www.rz.uni-frankfurt.de/ifs 12.10.01. Vg.: Aguigah, Rene: Milchschweine im Diskurs. In: die tageszeitung. 1.10.01. S. 13.
4 Aguigah, Rene: Derridada und Lacancan sind nicht mehr. In: die tageszeitung.
02./03.06.01. S. 12. Vgl. Eribon, Didier: Michel Foucault. S. 291. M¨ unchen 1998.
4
KAPITEL 1. EINLEITUNG 5
Er explizierte die Aktualit¨ at und Eigenst¨ andigkeit des foucaultschen Ansatzes gerade auch in Hinblick auf die Deutung von Globalisierungsprozessen durch das Konzept der Gouvernementalit¨ at. Wie Foucault letztendlich auch gedeutet werden muss - der Besucherandrang verdeutlicht ein gewachsenes Interesse an foucaultschen Gedankeng¨ angen.
Ein Blick in den Bibliothekscomputer der CvO-Universit¨ at teilt diese Beobachtung. Bei aller Unklarheit der foucaultschen Terminologie ist seit Ende der 90er eine wahre Flut von Foucaultinterpretationen und Fruchtbarmachung seiner Terminologie zu verzeichnen. Gerade die Kulturwissenschaften erhoffen sich durch Foucault neue Denkanst¨ osse. 5 Die von Ulrich Johannes Schneider 1991 vorgetragene Beobachtung, dass die Weiterentwicklung von Theorieans¨ atzen im deutschsprachigen Raum keine Tradition habe, liesse sich heutzutage so nicht mehr ¨ ubernehmen. Es differenziert sich ein ganzes Feld von Foucaultinterpretationen aus, die sich nicht mehr in der blossen Zusammenfassung seiner Texte begn¨ ugen. 6
Foucault ist also im Trend. Und mich verwirrte die Uneindeutigkeit von Begrifflichkeiten, mit denen mit Foucault ¨ uber Foucault diskutiert wurde. Der
Diskursbegriff ist ein Beispiel daf¨ ur. Diese Unbestimmtheit ist dann auch ein Grund warum ich mich in dieser Arbeit mit der ” Arch¨ aologie des Wissens“
[AdW] von Michel Foucault auseinandersetze. Was steckt hinter so monstr¨ osen Begriffen wie Diskurs und Diskontinuit¨ at? Endg¨ ultige Antworten und Definitionen habe ich leider nicht gefunden. Daf¨ ur ist wenigstens die arch¨ aologische Denkweise skizziert.
Der Text selbst ist nach Foucaults Worten eine methodische Legitimierung
vorangegangener Schriften: ” Klinik“ [GdK] und ”
Bezugspunkte der Geschichtswissenschaft dar, die die traditionelle, an dialektischen oder anderen Einheitsdenkmodellen angelegte Auffassung von Zeit und Gesellschaft sprengen. Dies versucht der nietzscheanische Denker ¨ uber sein Differenzmodell des Diskurses. Es geht ihm nun nicht mehr darum, den wahren Ursprung zu finden und ihn historisch ein f¨ ur allemal festzuhalten. Paul Veyne beschreibt die Perspektive Foucaults so: ” In dieser Welt spielt man nicht
Schach mit den ewig gleichen Figuren, dem K¨ onig, dem Bauern, sondern hier sind die Figuren das, was die wechselnden Konfigurationen auf dem Schachbrett
5 Engelmann, Jan (Hg.): Foucault - Botschaften der Macht. S. 3. Stuttgart 1999.
6 Schneider, Ulrich Johannes: Foucault in Deutschland. S. 71. In: Allgemeine Zeitschrift f¨ ur Philosophie. Jg. 16. Heft 3. 1991.
KAPITEL 1. EINLEITUNG 6
aus ihnen machen.“ 7
Die Kulturwissenschaften k¨ onnten, wenn sie historisch arbeiten wollen, von einem offenen Ansatz, wie ihn Foucault in der AdW vorstellt, profitieren. In kul-turhistorischer Perspektive bemerkt Foucault selbst die N¨ ahe zu Fernand Braudel und der Schule der Annalehistoriker in Frankreich. Interessanterweise dienen ihm seine historischen Untersuchungen aber auch gleichzeitig als Beschreibung von Gegenwart. Foucaults Anspruch ist es, ” eine Diagnostik der Gegenwart [zu
schreiben], die uns sagt, was die Gegenwart ist, worin unsere Gegenwart sich von allem, was sie nicht ist, d.h. von unserer Vergangenheit unterscheidet.“ 8 Die zwei folgenden Achsen, die Machtanalytik in den 70ern und die Subjektivierungsstrategien der 80er, werde ich am Ende dieser Arbeit erw¨ ahnen, um die Arch¨ aologie an Hand von foucaultschen Zitaten in einen Werkkontext zu stellen. Sie bilden in dieser Arbeit dar¨ uber hinaus kein Thema. Desgleichen werden die der AdW vorangegangenen Diskursanalyse nur am Rande erw¨ ahnt. Im Mittelpunkt steht eine Strukturierung der Arch¨ aologie.
1.2 Aufbau der Arbeit
Bei einem so komplexen Werk wie der AdW halte ich es f¨ ur sinnvoll, sich den Themen der AdW ¨ uber verschiedene Fluchtpunkte ausserhalb und innerhalb der Diskursanalyse zu n¨ ahern. Dies soll erstens ¨ uber eine zeitlich-kontextuelle
Einordnung seines Werkes beginnen. Vier unterschiedliche Str¨ omungen werden hier vorgestellt, von denen sich Foucault abgrenzt. Das Auswahlprinzip der Str¨ omungen richtet sich an den in der AdW implizit oder explizit auftauchenden Denkrichtungen. Zweitens werde ich Foucaults allgemeine Stossrichtung der Kritik in bezug auf die sich f¨ ur objektiv erkl¨ arenden Wissenschaften im Allgemeinen und der Geschichtswissenschaft im Speziellen vorstellen. Innerhalb dieses Abschnittes ¨ uber die Neustrukturierung von historischer Zeit f¨ uge ich noch einen kurzen ¨ Uberblick ¨ uber das diskursanalytische Schaffen Foucaults bis zur AdW an. Der dritte Teil bearbeitet die vier diskursiven Formationen einer Diskurs-formation und ihrem funktionalem Zusammenspiel. Hier beginnt die eigentliche Auseinandersetzung mit der AdW. Als Ausgangspunkt f¨ ur den vierten Teil dient mir ein Zitat Foucaults aus der AdW innerhalb dessen Foucault einen gr¨ osseren
7 Veyne, Paul: Foucault: Die Revolutionierung der Geschichte. S. 67. Frankfurt a.M. 1992.
8 Foucault, Michel: Strukturalismus und Geschichte. Ein Gespr¨ ach mit Jean-Pierre El Kabasch. S.179f. 01.03.1968. In: Reif, Adelbert: Antwort der Strukturalisten. Hamburg 1973
[1973b].
KAPITEL 1. EINLEITUNG 7
Rahmen f¨ ur den Diskursbegriff aufmacht. Meiner Ansicht nach f¨ uhrt er eine Systemdifferenzierung ein, die zwischen dem Nichtdiskursiven, dem Diskursiven und der diskursiven Praxis unterscheidet. Diese Systeme reproduzieren sich gegenseitig. Sie lassen sich aber methodisch voneinander abgrenzen. Die Systemdifferenzierung erlaubt es mir, erstens die diskursiven Formationen in einen gr¨ osseren Rahmen zu stellen und zweitens eine Diskursdefinition anzubieten. Der f¨ unfte Teil besch¨ aftigt sich mit der Neukonzeptuierung der historischen Aussage. Die Aussage ist nach Foucault die elementare Einheit des Diskurses. Der Begriff und die Bedingungen der Aussagenfunktion werden dort erl¨ autert. Der sechste und letzte Teil skizziert den Begriff der Arch¨ aologie. Dies geschieht erstens ¨ uber
die Bestimmung des Verh¨ altnisses der in dieser Arbeit auftauchenden Begriffe wie diskursive Formation, Systemdifferenzierung und historische Aussage. Zweitens werde ich die AdW innerhalb seines Gesamtwerkes durch einige Zitate des sp¨ aten Foucaults positionieren.
Arbeit zitieren:
Michael Matzky-Eilers, 2002, Michel Foucault - Fluchtpunkte einer Analytik der Archäologie, München, GRIN Verlag GmbH
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