Inhaltsverzeichnis
I
INHALTSVERZEICHNIS
SEITE
INHALTSVERZEICHNIS I
ABBILDUNGSVERZEICHNIS. IV
TABELLENVERZEICHNIS V
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
SYMBOLVERZEICHNIS VIII
1. ZIELSETZUNG UND AUFBAU DER ARBEIT 1
1.1. Management Summary 1
1.2. Einführung in die Thematik 1
1.3. Zielsetzung 2
2. GRUNDLAGEN DER RAUMFAHRT UND DES WELTRAUMTOURISMUS 3
2.1. Die Raumfahrtgeschichte 3
2.1.1. Theorien und Visionen der Raumfahrt 3
2.1.2. Beginn der Raumfahrt 4
2.2. Weltraumtourismus 7
2.2.1. Begriffsdefinition 7
2.2.2. Thematischer Rahmen 7
2.2.2.1. Abenteuertourismus 8
2.2.2.2. Der Weltraum als Nische. 9
2.2.3. Die Geschichte des Weltraumtourismus 10
2.2.4. Faszination Weltraum 12
2.2.4.1. Motivation der Weltraumtouristen 12
2.2.4.2. Die Rolle der Medien 14
3. DIE ÄUßERE UMWELT DES MARKTES 17
3.1. Öffentliche und private Interessenvertreter 17
3.1.1. Der öffentliche Sektor 17
3.1.2. Der private Sektor 19
3.2. Geographische Voraussetzungen 19
3.3. Technische Voraussetzungen 21
3.3.1. Orbitale Entwicklungen 21
3.3.1.1. Entwicklungen bis zum heutigen Zeitpunkt 21
3.3.1.2. Zukünftige Entwicklungen 22
3.3.1.3. Technische Besonderheiten der Raketenflugzeuge 25
Inhaltsverzeichnis
II
3.3.2. Suborbitale Entwicklungen der New Space Industrie 26
3.3.2.1. Die Bedeutung Ansari X - Preis 26
3.3.2.2. Fabrikanten suborbitaler Raumfahrzeuge 28
3.4. Reiseveranstalter und deren Differenzierungsstrategien 31
3.5. Weltraumtouristen 33
4. DIE RAHMENBEDINGUNGEN DES WELTRAUMTOURISMUS 37
4.1. Sicherheitstechnische Rahmenbedingungen 37
4.2. Gesetzliche Rahmenbedingungen. 40
4.2.1. Zertifizierungen 42
4.2.2. Haftungsbedingungen 44
4.2.3. Versicherungen 45
4.3. Medizinische Kriterien 46
4.4. Kosten und Finanzierung 49
4.5. Nachfrage 51
4.6. Rentabilitätsprognosen 54
5. ARTEN DES WELTRAUMTOURISMUS 57
5.1. Irdischer Weltraumtourismus 57
5.1.1. Space Camps 58
5.1.2. Astro - Tourismus 60
5.2. Flüge mit simulierten Weltraumeffekten 61
5.2.1. Parabelflüge 61
5.2.2. Flüge in großer Höhe 63
5.3. Der Aufbruch in den Weltraum 64
5.3.1. Suborbitale Flüge 64
5.3.2. Primärforschung 68
5.3.2.1. Untersuchungsgegenstand 68
5.3.2.2. Ergebnisse der Umfrage 68
5.3.3. Orbitale Flüge 71
5.3.3.1. Auswahl für einen Flug ins All 72
5.3.3.2. Vorbereitung auf den Flug 74
5.3.3.3. Aufenthalt im Weltraum 76
5.3.3.4. Rückkehr zur Erde 80
6. DIE ZUKUNFT DES WELTRAUMTOURISMUS 83
6.1. Prognosen und Visionen 83
6.1.1. Flüge der Zukunft: Mond und Mars 85
6.1.2. Weltraumhotels 88
6.2. Die Grenzen des Weltraumtourismus 91
6.3. Erwartete Auswirkungen des Weltraumtourismus 92
Inhaltsverzeichnis
III
6.3.1. Technische Förderungen 92
6.3.2. Wirtschaftliche Gewinne 93
6.3.3. Gesellschaftspolitische Chancen 94
6.3.4. Umwelttechnische Auswirkungen 95
6.4. Förderungsmöglichkeiten des Weltraumtourismus 97
7. FAZIT UND AUSBLICK 101
ANHANG IX
LITERATUR - UND QUELLENVERZEICHNIS XX
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
SEITE
Abbildung 1: Darstellung von Parabelflügen, Suborbitalflügen und Orbitalflügen
Abbildung 2: Segmentierung der Weltraumtouristen nach Motiven
Abbildung 3: Äußere Umwelt des Marktes
Abbildung 4: Ablehnungsgründe gegen Weltraumtourismus
Abbildung 5: Gewünschte Reisehäufigkeit nach Umfragegebiet
Abbildung 6: Ausgabebereitschaft für eine Weltraumreise
Abbildung 7: Ablauf eines Parabelfluges
Abbildung 8: Fairer Preis für Suborbitalflüge
Abbildung 9: Internationale Buchungen von Virgin Galactic Flügen
Abbildung 10: Fairer Preis für Orbitalflüge
Abbildung 11: Maximal verfügbare Zeit für Orbitaltraining
Abbildung 12: Gewünschte Aktivitäten bei Weltraumreisen
Abbildung 13: Fairer Preis für Mondflüge
Abbildung 14: Galactic Suite
Abbildung 15: Lotterie Ticket für Den Weltraum
Abbildung 16: Sojus-Raketen
Abbildung 17: Space Shuttle der NASA
Abbildung 18: Pan-Am Mondfahrt-Ticket.
Abbildung 19: Karikatur - Touristenflüge zum Mond
Abbildung 20: Weltweite Raumfahrtzentren
Abbildung 21: Weltraumflughafen der Zukunft
Abbildung 22: US-amerikanische Raumflughäfen
Abbildung 23: Space Ship Two - Innenansicht
Abbildung 24: Space Ship Two- Außenansicht
Abbildung 25: Suborbitales Raumfahrzeug von EADS.
Abbildung 26: Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn
Abbildung 27: Mig-31 Jet
Abbildung 28: Zentrifuge im russischen Sternenstädtchen
Tabellenverzeichnis
V
TABELLENVERZEICHNIS
SEITE
Tabelle 1: Anbieter von suborbitalen Transportsystemen 30
Tabelle 2: Gründe gegen Weltraumtourismus 52
Tabelle 3: Prognosen für Suborbitalflüge 55
Tabelle 4: Prognosen für Orbitalflüge. 56
Tabelle 5: Arten von Weltraumtourismus nach Komplexität 57
Tabelle 6: Angebote im Kennedy Space Center 59
Tabelle 7: Space Camp Angebote 60
Tabelle 8: Parabelflüge verschiedener Anbieter 63
Tabelle 9: Angebote für Flüge an den Rand der Atmosphäre 64
Tabelle 10: Preis und Leistung der verschiedenen Anbieter von Suborbitalflügen 65
Tabelle 11: Verkaufsbeginn der Suborbitalflüge mit Virgin Galactic 68
Tabelle 12: Abstufungsverfahren der Flugtermine mit Virgin Galactic 69
Tabelle 13: Marketing-Initiativen der Virgin Galactic Space Agents 70
Abkürzungsverzeichnis VI
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Art. Artikel AUS Australien bzw. beziehungsweise ca. circa CH Schweiz cm Zentimeter CO 2 Kohlenstoffdioxid COTS Commerical Orbital Transportation System CSLAA Commercial Space Launch Amendments Act of 2004 D Deutschland Dez. Dezember d. h. das heißt DRV Deutscher Reiseverband EADS European Aeronautic Defence and Space Company EASA European Aviation Safety Agency ESA European Space Agency et al. et alii (und andere) FAA Federal Aviation Administration FARs U.S. Federal Aviation Regulations Feb. Februar GB Großbritannien i. d. R. in der Regel Inc. Incorporated (amtlich als Aktiengesellschaft eingetragen) IND Indien ISS International Space Station Jul. Juli k. A. Keine Angabe KAN Kanada kg Kilogramm Km Kilometer
Abkürzungsverzeichnis VII
km/h Kilometer per hour (Kilometer pro Stunde) Lkw Lastkraftwagen m Meter Mio. Million(en) Mrd. Milliarde(n) m/s Meter pro Sekunde NASA National Aeronautics and Space Administration NZ Neuseeland OECD Organisation for Economic Co-operation and Development Okt. Oktober Ö Österreich S. Seite SpaceX Space Explorations Technologies SS1/2 Space Ship One / Two t/Space Transformational Space u. a. unter anderem Uk. Umkreis US / U.S. United States (Vereinigte Staaten) USA United States of America (Vereinigte Staaten von Amerika) USD US-amerikanischer Dollar (Kurs: 1 USD = 0,78266 Euro, Stand: 29.10.2008) Vgl. Vergleiche WK1/2 White Knight One / Two z. B. zum Beispiel
Symbolverzeichnis VIII
SYMBOLVERZEICHNIS
° Grad °C Grad Celsius % Prozent & und
Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 1
1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
1.1. Management Summary
Zu Beginn der Arbeit soll ein Einblick in die allgemeine Raumfahrtgeschichte die wichtigsten Zusammenhänge des heutigen Weltraumgeschehens verdeutlichen und zum Thema Weltraumtourismus hinführen. Dieser soll nachfolgend in den begrifflichen, den thematischen sowie den geschichtlichen Rahmen eingeordnet werden, um die anschließenden Zusammenhänge des äußeren Marktes rund um den Weltraumtourismus besser erfassen zu können. Weitere untersuchte Kriterien sind die Rahmenbedingungen, welche die essentiellen Voraussetzungen für den sich zunehmend etablierenden Weltraumtourismusmarkt bilden. Insbesondere die Sicherheit und die Gesetzgebung, aber auch die Faktoren Nachfrage sowie die Kosten sollen hier erörtert werden. Aufbauend darauf werden anschließend die verschiedenen Arten des Weltraumtourismus ausführlicher beleuchtet. Überleitend dazu bilden die zukünftigen Reisearten sowie generelle Zukunftsaussichten den Untersuchungsgegenstand. Aufgrund der erst kürzlich entstandenen Branche am Ende des 20. Jahrhunderts, besteht hier noch ein beachtlicher Forschungs-und Entwicklungsbedarf. Aufgrund dessen sollen einige
Marktforschungsergebnisse sowie eine Primärforschung einen verbesserten Aufschluss über die Zukunft des Weltraumtourismus verschaffen. Darüber hinaus sollen die ambivalenten Auswirkungen des Weltraumtourismus prognostiziert und Förderungsmöglichkeiten für diesen demonstriert werden. In einem letzten Punkt werden die Erkenntnisse und Kernaussagen zusammengefasst und durch den Verfasser der Arbeit kritisch gewürdigt.
1.2. Einführung in die Thematik
Die meisten Menschen haben schon einmal vom Weltraumtourismus gehört und einigen mögen auch Touristen wie Dennis Tito oder Richard Garriot durch öffentliche Berichte bekannt sein, jedoch wissen die wenigsten, welche vielfältigen Möglichkeiten der Weltraumtourismus, über einen Flug zur Weltraumstation ISS hinaus, bietet und mit welchen Preisen sie zu rechnen haben. Diese Fragen und Rätsel ergeben sich aus der Tatsache, dass der Weltraum bislang fast ausschließlich von den staatlichen Raumfahrtagenturen erforscht wurde und für die Allgemeinheit unerreichbar scheint. Der NASA Astronaut
Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 2
Donald Williams verlautete einst nach einem Weltraumbesuch: „Allen, die in den Weltraum gegangen sind, um sich die Erde zu betrachten, und allen Hunderten oder Tausenden, die noch gehen werden, wird diese Erfahrung höchst sicher die Perspektive verändern. Die Dinge die wir in unserer Welt teilen, sind sehr viel wertvoller als die, die uns trennen." 1 Diese Faszination für den scheinbar bewusstseinserweiternden Weltraum teilten alle bisherigen Weltraumtouristen und Astronauten. All diejenigen, für welche der Weltraum bisher unerreichbar blieb, öffnen sich in der Zukunft neue Möglichkeiten, die in dieser Arbeit aufgezeigt werden sollen.
1.3. Zielsetzung
Ziel der Diplomarbeit ist es, den gegenwärtigen Entwicklungsstand des Weltraumtourismus sowie zukünftige Projekte und Pläne zu veranschaulichen. Es soll darüber hinaus erörtert werden, inwiefern der Weltraumtourismus Zukunftsfähigkeit aufweist und ob dieser einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden kann. Zudem soll diskutiert werden, welche Konditionen notwendig sind, um den Markt zu etablieren und welchen Nutzen er für die Interessenvertreter der Branche mit sich bringt.
1 Vgl. Williams, Donald, www.finanzoekologen.de, 16.07.2008.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 3
2. Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus
2.1. Die Raumfahrtgeschichte
2.1.1. Theorien und Visionen der Raumfahrt
Das Interesse der Menschen, die Erde zu verlassen und den Weltraum zu erkunden, begann bereits vor etwa 3.000 Jahren, blieb jedoch bis ins 20. Jahrhundert allein den Visionären vorbehalten. Schon damals versuchte sich ein chinesischer Adliger mithilfe von 47 an einen Stuhl geschnallten Bambusraketen zum Mond zu befördern - dieser Versuch scheiterte mit einer enormen Explosion.
Später, im Jahr 1868, beschrieb der berühmte Schriftsteller Jules Verne eine Reise zum Mond und fünf Jahre danach die Reise um den Mond. 1 Jules Verne´s Visionen lieferten bereits Inspirationen für die spätere Raumfahrt: Es lässt sich eine auffallende Ähnlichkeit der von Jules Verne beschriebenen Raumfähre, zu derjenigen aus den Apollo Missionen in den 60er und 70er Jahren feststellen. 2 Im Jahr 1902 wurde ein Film namens „From the Earth to the Moon“ mit den ersten Spezialeffekten veröffentlicht, der Jules Verne´s Reise zum Mond beschrieb. 3
Realistische wissenschaftliche Theorien in der Raumfahrt wurden allerdings erst von dem russischen Lehrer Konstantin Tsiolkovsky (1857-1935) aufgestellt, welcher im Jahr 1903 mit seinen grundlegenden mathematischen Formeln die Funktionsweise einer Rakete beschrieb. 4 Erst in den 30er Jahren wurden Versuche unternommen Tsiolkoskovskys Theorien umzusetzen. 5
Theoretische Ansätze wurden 1923 auch von dem Autor Hermann Oberth in seinem Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen“ formuliert, welches eine Reihe von deutschen Jungingenieuren dazu inspirierte, eigene Raketenexperimente durchzuführen. 6 Daraufhin gelang es Fritz von Opel im Jahr 1928 das erste raketenbetriebene Flugzeug zu entwickeln, welches in der Lage war, Geschwindigkeiten von 200 km/h zu errei-
1 Vgl. Stone,B. A., www.spacefuture.com, 05.05.2008.
2 Vgl. Lammer H. / M., Wendepunkt 2000, 2000, S.35.
3 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.92.
4 Vgl. Bellis, M., www.about.com, 05.05.2008.
5 Vgl. o. V., www.nasa.gov, 06.05.2008.
6 Vgl. Glover, L. K., Die große National-Geographic-Enzyklopädie Weltall, 2005, S.187.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 4
chen. 1 Im Jahr 1935 durchbrach schließlich erstmalig die von dem Amerikaner Robert Goddard konstruierte Rakete die Schallgeschwindigkeit 2 und erreichte eine Flughöhe von 1,5 km. Da die amerikanische Regierung zu diesem Zeitpunkt nicht an den Möglichkeiten dieser neuen Technologie und Goddard nicht an der Veröffentlichung seiner Theorien interessiert war, wurde diese Entwicklung allerdings nicht weiter verfolgt. 3 Einigen jungen deutschen Raketenwissenschaftlern gelang es daraufhin im Jahr 1942 eine 14 Meter lange Rakete mit einer Geschwindigkeit von 5.300 km/h in eine Höhe von 90 km zu befördern. 4 Gefördert wurden die jungen Forscher von dem bekannten Raketeningenieur Wernher von Braun. Obgleich es den Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg untersagt war, Waffen jeglicher Art zu bauen, umging das Militär diese Einschränkung mithilfe von Braun. 5 Abgesehen hiervon wurde in Deutschland unter strengster Geheimhaltung weiter geforscht. Am Ende des Zweiten Weltkrieges suchten die sowjetische, die britische und die amerikanische Armee nach deutschen Raketen. Darüber hinaus versuchten sie an Entwürfe, Pläne und Hardware von Raketen zu gelangen sowie deutsche Ingenieure für sich zu gewinnen, was den Kalten Krieg noch verstärkte. 6 Es gelang den Amerikanern, Ingenieure wie von Braun dazu zu bringen, für sie zu arbeiten sowie 341 Waggons Raketenausrüstung aus dem Harz zu schmuggeln, be-vor die Region an die Sowjetunion abgegeben werden musste. Die sowjetischen Besatzungskräfte fanden nur noch einige Überbleibsel und sowohl die USA als auch die Sowjetunion verstärkten ihre Forschungen in dem Bereich der Raketentechnik. Die hohe Priorität, die dieser Erforschung beigemessen wurde, war einer der Hauptgründe des Kalten Krieges. 7
2.1.2. Beginn der Raumfahrt
Aufgrund extensiver Forschungen gelang es der Sowjetunion im Jahr 1957 den ersten künstlichen Erdsatelliten „Sputnik“ in die Erdumlaufbahn zu befördern. Die Reaktion der Allgemeinheit auf die Sputnik war überwältigend; Amerika hingegen fühlte sich in
1 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.93.
2 Hier gemeint ist die Schallgeschwindigkeit der Luft, welche 331 m/s beträgt (Vgl. o. V., www.lexikon.meyers.de (d), 18.08.2008.
3 Vgl. o. V., www.nasa.gov, 06.05.2008.
4 Vgl. Hänel, M., www.planet-wissen.de, 07.05.2008.
5 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.93.
6 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.94.
7 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.95.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 5
seinen Bestrebungen auf diesem Gebiet herabgesetzt. 1 Daraufhin reagierten die Amerikaner mit dem Start der „Juno-1“ Rakete, welche einen großen Erfolg mit sich brachte. 2 In der Zwischenzeit hatte die Sowjetunion eine Sputnik 2 mit der Hündin „Laika“ an Bord ins All gesandt; Amerika´s Antwort darauf war die Entsendung des Schimpansen „Ham“ im Januar 1961. 3
Nur wenige Monate später, am 12. April 1961, wurde Juri Gagarin mit der Rakete „Wostok I“ als erster Mensch in den Weltraum entsandt; damit hatte die damalige Sowjetunion das Weltraumrennen gewonnen. Mit diesem Flug begann ein neues Zeitalter und ein erheblicher Konkurrenzkampf zwischen den USA und der Sowjetunion, die den USA immer einen Schritt voraus war. Nur drei Wochen später flog der erste Amerikaner Alan Shepard mit der „Mercury Redstone“ in den Weltraum. 4 Daraufhin wurde 1963 mit Walentina Tereshkowa die erste Frau in den Weltraum entsandt. In den frühen 60er Jahren folgten mit größeren Raumkapseln, wie der „Gemini“, der „Sojus“, der bekannten „Apollo“ neue technische Errungenschaften. Die erste Raumstation „Sajut I“ wurde im Jahr 1969 in Betrieb genommen; weitere Weltraumstationen wie die „Mir“ und das „Skylab“ folgten und wurden ebenfalls als Forschungsstationen benutzt. 5 Im gleichen Jahr, am 20. und 21. Juli 1969, konnten 500 Mio. Menschen im Fernsehen die erste Mondlandung mit den Astronauten Neil Armstrong und „Buzz“ Aldrin (Edwin Aldrin) ansehen. 6 Fünf weitere Mondmissionen mit den Apollo-Raketen wurden bis 1972 ebenfalls mit großer Spannung verfolgt. 7 Die Pläne der National Aeronautics and Space Administration (NASA) 8 von weiteren Mondmissionen verflüchtigten sich nach den Apollo Expeditionen. Anlässe hierfür waren primär finanzieller Art, aber auch praktische Gründe spielten eine Rolle. Zu damaliger Zeit war sogar noch geplant, bis 1966 einen militärischen Stützpunkt auf dem Mond zu errichten. Die Basis mit dem Projektnamen HORIZON wurde jedoch nie verwirklicht. 9
1 Vgl. Dähn, A. / Engelbrecht, H.-R., Die Eroberung des Weltraums, 2007, S.32.
2 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.95.
3 Vgl. Dähn, A. / Engelbrecht, H.-R., Die Eroberung des Weltraums, 2007, S.33.
4 Vgl. Anderson, E. et al., The Space Tourist´s Handbook, 2005, S.11.
5 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.97.
6 Vgl. Metzler, R., www.geschichte.aero, 29.04.2008.
7 Vgl. Künzel, W., www.stern.de, 02.06.2008.
8 US- amerikanische Raumfahrtagentur
9 Vgl. Lammer H. / Lammer M., Wendepunkt 2000, 2000, S.44.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 6
Das Weltraumrennen der 60er Jahre zwischen der Sowjetunion und den USA wurde anschließend nicht mehr im selben Tempo fortgesetzt. 1 Abgesehen von ein paar Satellitenstarts in den USA existierte bis in die 80er Jahre keine kommerzielle Raumfahrtindustrie. Schließlich gründete man mit „Arianspace“ in den 80er Jahren die erste kommerzielle Weltraumservice-Organisation. Einen Rückschritt für die kommerzielle Raumfahrtindustrie bedeutete es hingegen, dass Nutzlasten 2 privater Unternehmen an Bord von NASA´s „Space Shuttle“ gebannt wurden, 3 welches in den 80er Jahren in Betrieb genommen wurde. 4
Das Jahr 1996 stellte einen Meilenstein in der Geschichte des Weltraumtransportes dar. In diesem Jahr übertrafen die weltweiten Einnahmen aus dem kommerziellen Weltraumgeschäft erstmals die Ausgaben der amerikanischen Regierung - die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 77 Mrd. USD 5 . 6
Heutzutage liegt die Anzahl der kommerziellen Raketenstarts bei 70 bis 80 pro Jahrverglichen mit dem kommerziellen Luftverkehr ist es folglich sehr schwer, mit dieser geringen Anzahl an Starts Profit zu erzielen. 7
Nach beinahe fünf Jahrzehnten menschlicher Ausflüge in den Weltraum werden Weltraumflüge noch immer als etwas Besonderes angesehen. Flüge in der Sojus-Kapsel oder dem Space Shuttle, welche im Anhang in den Abbildungen 16 und 17 dargestellt werden, sind nur einer kleinen, elitären, hochtrainierten und sorgfältig ausgewählten Gruppe von Menschen zugänglich. 8 Dennoch sind mittlerweile sieben Nationen und deren Raumfahrtbehörden in der Lage, eigene Raketen ins All zu entsenden. 9 Trotz allem haben es bis heute insgesamt nur etwa 500 westliche und chinesische Astronauten sowie russische bzw. sowjetische Kosmonauten in den Weltraum geschafft; lediglich zwölf davon haben den Mond betreten. 10
1 Vgl. Anderson, E. et al., The Space Tourist´s Handbook, 2005, S.11.
2 Bezeichnet die im Verkehrswesen als gegen Bezahlung beförderte Last bzw. Fracht (Vgl. o. V., www.lexikon.meyers.de (c), 18.08.2008.)
3 Vgl. Baird, S., Space: The new frontier, 2008, S.14.
4 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.97.
5 Wechselkurs: 1 USD entspricht 0,78266 Euro, Stand: 29.10.2008 (Vgl. o. V., www.xe.com, 29.10.2008).
6 Vgl. Beardsley, T., The way to go in space, 1999, S.82.
7 Vgl. Goehlich, R. A., Space Tourism (a), 2002, S.2.
8 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.3; auch o. V., Boldly go, 2007, S.10.
9 Vgl. Dähn, A. / Engelbrecht, H.-R., Die Eroberung des Weltraums, 2007, S.38.
10 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.3; auch o. V., Boldly go, 2007, S.10.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 7
2.2.Weltraumtourismus
2.2.1.Begriffsdefinition
Es gibt zwei unterschiedliche Definitionen von Weltraumtourismus: Erstere vertritt die Ansicht, dass ein Weltraumtourist den Weltraum tatsächlich erreichen muss, z. B. mittels Suborbital- oder Orbitalflügen 1 , welche in der folgenden Graphik dargestellt sind. Zweitere umfasst lediglich die Teilnahme an sekundären Aktivitäten, die mit Weltraumtourismus im Zusammenhang stehen. Die zweite Definitionsweise betrachtet den Weltraumtourismus aus der Perspektive eines Destinationsmodells. Die Tourismusindustrie rund um den Weltraum beinhaltet somit auch Attraktionen, bei welchen der Weltraum nicht erreicht wird, wie z. B. bei den in der Graphik abgebildeten Parabelflügen, bei welchen durch die Flugparabeln eine kurzfristige Schwerelosigkeit erzeugt wird. Derartige Aktivitäten können desweiteren der Besuch von Weltraum-Themenparks und Welt-
EigeneDarstellung
Abbildung 1: Darstellung von Parabelflügen, Suborbitalflügen und Orbitalflügen
2.2.2. Thematischer Rahmen
Bei der Zuordnung des Weltraumtourismus in ein bestimmtes Segment kann man feststellen, dass sich dieser sowohl den Abenteuerreisen zuordnen lässt, aber auch als eigene Nische angesehen werden kann. 3
1 Bei Orbitalflügen müssen Mindestgeschwindigkeiten von 7,8 km/s erreicht werden, um den nötigen Auftrieb zu erlangen, bei Suborbitalflügen lediglich 1 km/s, da diese nur bis kurz über den Rand der Erdatmosphäre aufsteigen (Vgl. Goehlich, R. A., Space Tourism (a), 2002, S.18).
2 Vgl. Goehlich, R. A., Space Tourism (b), 2007, S.215.
3 Vgl. Swarbrooke, J. et al., Adventure Tourism, 2003, S.4.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 8
2.2.2.1. Abenteuertourismus
Eine genaue Definition für den Begriff Abenteuer existiert nicht, da dieser einer individuellen Sichtweise unterliegt. Im Grimm´schen Wörterbuch wird ein Abenteuer mit einem „ungewöhnlichen, seltsamen, unsicheren Ereignis“ 1 oder Wagnis gleichgesetzt. Zudem werden Abenteuerreisen oft mit Risiken, Spannung, Überwindung oder gar Ängsten 2 sowie mit physischen, aber auch psychischen Herausforderungen verbunden. 3 Oft ist es der Gewinn einer wertvollen neuen Erfahrung, der die Touristen dazu bewegt, sich derartigen Herausforderungen freiwillig gegenüberzustellen. 4 Ein weiteres Charakteristikum für Abenteuertourismus ist der vergleichsweise hohe Preis der Reisen, im Gegensatz zu konventionellen Pauschalreisen. 5 Aufgrund des Wer-tewandels hin zu einer erlebnisorientierten Gesellschaft in den Industrienationen gewinnt diese neue Art von Urlaub trotz des steigenden Preisniveaus zunehmend an Bedeutung. Eine Studie hat ergeben, dass im Jahr 2020 u. a. besonders einmalige Reisen, sogenannte „once in a lifetime - Reisen“ 6 bevorzugt werden. Die Touristen wünschen sich Genuss, Spaß und Abwechslung - Attribute, die sich durch Abenteuerreisen realisieren lassen. 7
Der Markt der Abenteuerreisen wird zumeist von großen Firmen dominiert, da diese im Stande sind, ein weites Spektrum an derartigen Reisen anzubieten. 8 Als Reisebeispiele sind Aktivitäten wie Ballonsport, Bergsteigen, Fallschirmspringen, Höhlenwanderungen, Klettern, Snowboard fahren, Wildwasserrafting und natürlich weltraumtouristische Aktivitäten aufzuführen. 9
Weltraumtourismus lässt sich hierbei als die extremste Form des Abenteuertourismus bezeichnen, da es ein Schritt in ein völlig unbekanntes Territorium ist. 10 Der Weltraum hat Abenteuertouristen viel zu bieten: Einen aufregenden Flug ins All, einen atemberaubenden Blick auf die Erde und das einzigartige Gefühl der Schwerelosigkeit. 11
1 Fuchs, W. et al., Lexikon Tourismus, 2008, S.3.
2 Vgl. Swarbrooke, J. et al., Adventure Tourism 2003, S.7.
3 Vgl. Fuchs, W. et al., Lexikon Tourismus, 2008, S.3.
4 Vgl. Swarbrooke, J. et al., Adventure Tourism, 2003, S.14.
5 Vgl. Beedie, P., Adventure Tourism, 2003, S.210.
6 Kljajic, M. / Schwitzer, M., www.tourismusforschung.at, 05.05.2008.
7 Vgl. Kljajic, M. / Schwitzer, M., www.tourismusforschung.at, 05.05.2008.
8 Vgl. Beedie, P., Adventure Tourism, 2003, S.209.
9 Vgl. Buckley, R. / Cater, C., Adventure Tourism, 2007, S.2.
10 Vgl. Swarbrooke, J. et al., Adventure Tourism, 2003, S.268.
11 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.3.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 9
2.2.2.2. Der Weltraum als Nische
Der Nischentourismus ist eine Form des maßgeschneiderten Tourismus; ein Nischenmarkt als solcher lässt sich schwer in noch kleinere Segmente unterteilen. 1 Die Größe eines Nischenmarktes, wie der des Weltraumtourismus, kann variieren. Der Markt muss jedoch groß genug sein, um ein ausreichendes Geschäftspotenzial aufzuweisen, hingegen wiederum klein genug, um überschaubar für Konkurrenzbetriebe zu bleiben. 2 Im Weltraumtourismus wird das Bedürfnis nach Eingehen von Risiken erfüllt, welches sehr häufig im Zusammenhang mit Nischentourismus vorzufinden ist. Viele Nischen weisen Formen von touristischen Aktivitäten auf, die Gefahrenelemente oder sogar Sicherheitsmängel beinhalten. Diese wirken für die Touristen des Öfteren als Motivator. Ferner repräsentiert Weltraumtourismus Reisen in und zu einer besonders sensiblen Umwelt; diese Eigenschaft teilt sich der Weltraumtourismus mit vielen anderen Nischenarten, wie z. B. Ökotourismus. 3 Nischentourismus beinhaltet ein Konzept zu nachhaltigerem Tourismus, welcher fähig ist, Touristen zu begeistern, die bereit sind, viel Geld auszugeben. 4 Zumindest in den letzten Jahren hat sich Nischentourismus als das Gegenteil des Massentourismus herauskristallisiert. 5
Derzeit ist der Weltraum noch als Nische zu betrachten, es bleibt jedoch abzuwarten, ob dieser als Destination und Medium einzigartige Erlebnisse für einen Nischenmarkt bietet, oder ob er ein weiteres Opfer des Massentourismus wird und folglich erhebliche Umweltschäden mit sich bringt. 6 Die Frage, ob Weltraumtourismus als Nischentourismus langfristig Bestand hat, hängt auch von der zukünftigen Nutzung der Ressourcen, den teilnehmenden Touristen und den ausgeführten Aktivitäten ab. 7 Ein Schlüsselfaktor, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten, scheint die Privatisierung des Marktes zu sein. Kleinere Unternehmen sind häufig besser in der Lage auf den Markt und die Umweltbegebenheiten zu reagieren. 8
1 Vgl. Novelli, M. / Robinson M., Niche Tourism, 2005, S.6.
2 Vgl. Novelli, M. / Robinson M., Niche Tourism, 2005, S.5.
3 Vgl. Duval, D. T., Space Tourism, 2005, S.214.
4 Vgl. Novelli, M. / Robinson M., Niche Tourism, 2005, S.1.
5 Vgl. Novelli, M. / Robinson M., Niche Tourism, 2005, S.5.
6 Vgl. Duval, D. T., Space Tourism, 2005, S.214.
7 Vgl. Novelli, M. / Benson, A., Niche Tourism, 2005, S.250.
8 Vgl. Novelli, M. / Benson, A., Niche Tourism, 2005, S.249.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 10
2.2.3. Die Geschichte des Weltraumtourismus
Es ist schwierig einen genauen Zeitpunkt für den Beginn des Weltraumtourismus festzulegen, da die Schlüsselereignisse von jedem Beobachter unterschiedlich interpretiert werden. Infolgedessen muss man zwischen der Idee, der Motivation und der Realisierung, in den Weltraum zu reisen, unterscheiden. 1
Das Bedürfnis in den Weltraum zu reisen, ist keins der jüngsten Vergangenheit. 2 Es gab bereits Ende der 60er Jahre touristische Ansätze, als der Präsident der Airline „Pan Am“ während einer Fernseh-Sendepause über die Apollo 8-Mission auf den Mond verkündete, dass seine Firma beginnen würde, Reservierungen für zukünftige Mondflüge entgegen zu nehmen. Die konkurrierende Airline TWA nahm daraufhin ebenfalls Reservierungen entgegen. Zu dieser Zeit war sogar der Weltraumexperte Wernher von Braun davon überzeugt, dass Mondflüge noch vor dem Jahr 2000 für die Öffentlichkeit möglich sein würden. Als „Pan Am“ 1971 seine Reservierungsliste schloss, enthielt diese 93.000 Namen, u. a. auch den des zukünftigen Präsidenten Ronald Reagan zur damaligen Zeit. 3 Der Flug in den Weltraum kam jedoch nie zustande. 4 Auch in den 70er Jahren gab es Unternehmer und Investoren, die in das Geschäft des Weltraumtourismus einsteigen wollten. Diese waren jedoch oft Science-Fiction begeisterte Visionäre mit mangelndem technischen Verständnis, die folglich nicht in der Lage waren, ihre Visionen in die Realität umzusetzen. 5
Des Weiteren bot das Reedereiunternehmen „Society Expeditions“ im Jahr 1985 orbitale Flüge an Bord der Rakete „Phoenix E“ für den Preis von 50.000 USD pro Passagier an. Die amerikanische Firma nahm 250 Anzahlungen von jeweils 7.000 USD entgegen, doch die Phoenix E wurde nie gebaut - 2.000 USD der 7.000 USD an geleisteten Anzahlungen wurden nicht zurückbezahlt. 6
Aufgrund dieser Ereignisse und der Tatsache, dass nur Russland, bzw. die ehemalige Sowjetunion und die amerikanische NASA in der Lage waren, Menschen in den Weltraum zu senden, mangelte es in den 90er Jahren noch deutlich an Glaubwürdigkeit. 7
1 Vgl. Goehlich, R. A., Space Tourism (b), 2007, S.215.
2 Vgl. Duval, D. T., Space Tourism, 2005, S.213.
3 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.34.
4 Vgl. Goehlich, R. A., Space Tourism (b), 2007, S.215.
5 Vgl. Klerkx, G., The alt.space race, 2007, S.55; auch Baird, S., Space: The new frontier, 2008, S.18.
6 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.34.
7 Vgl. O´Neil et al., General public space travel and tourism, 1998, S.3.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 11
Ab den 90er Jahren gab es lediglich Geschäftsreise-touristische Ansätze, als der Japaner Toyohiro Akiyama von seinem Arbeitgeber (TV-Station TBS) für zwölf Millionen USD zur Mir gesandt wurde. Dennoch wird er nicht als der erste Weltraumtourist angesehen, da er die Reise nicht zu privaten Erholungszwecken antrat und sie nicht selbst bezahlte. Sein Flug demonstrierte, dass normale und verhältnismäßig untrainierte Menschen fähig sind ins All zu fliegen.
Seit Ende der 90er Jahre wurden stetig mehr öffentliche Veranstaltungen zum Thema Weltraumtourismus ins Leben gerufen: Im März 1997 wurde das erste Internationale Symposium in Bremen abgehalten; die erste Weltraumtourismusmesse fand im Juli 1998 in Long Beach (USA) statt. 1
Nach fast einem halben Jahrhundert Raumfahrtgeschichte wurde es nun auch für „gewöhnliche“ Menschen möglich, ins All zu fliegen. Die ersten Touristen unternahmen Kurzurlaube auf der ISS und Weltraumtourismus wurde von Raumfahrtunternehmen endgültig ernst genommen. 2 Dennis Tito erreichte 2001 als der erste Mensch mittels eines privat finanzierten Tickets das Weltall. 3 Bis Oktober 2008 gab es mit Mark Shutt-leworth, Gregory Olsen, Anousheh Ansari, Charles Simonyi 4 und Richard Garriot fünf weitere Weltraumtouristen, die zur ISS flogen. 5 Jedoch ist diese Möglichkeit für Touristen auch zukünftig begrenzt, da nur zwei Sojus-Raketen jährlich die ISS anfliegen. 6 Vor dem Jahr 2004 gab es bis auf die fünf Touristen keine privat finanzierten, bemannten Flüge in den Weltraum. 7 Am 01. April 2004 erteilte die amerikanische Regierung schließlich die erste Startgenehmigung an ein privates Unternehmen namens Scaled Composites; daraufhin fand am 08. April dessen erster Testflug mit dem „Space Ship One“ (SS1) statt. Anschließend wurde am 17. Juni 2004 auch der erste private Weltraumflughafen in Mojawe (USA) von der U.S. Regierung bewilligt. 8 Laut Will White-horn, dem Präsidenten von Virgin Galactic, begann die Geschichte des kommerziellen Weltraumfluges erst dort. 9
1 Vgl. Collins, P. / Yonemoto, K., Legal and Regulatory Issues, 1998, S.1.
2 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.3.
3 Vgl. Goehlich, R. A., Space Tourism (b), 2007, S.215.
4 Vgl. Benczenleitner, P., www.space.com, 03.05.2008.
5 Vgl. Garriot, R., www.richardinspace.com, 12.10.2008.
6 Vgl. Wade, D., A zoom with a view, 2006, S.29.
7 Vgl. Baird, S., Space: The new frontier, 2008, S.16.
8 Vgl. James, A., www.seattlepi.nwsource.com, 15.06.2008.
9 Vgl. o. V., Starship Enterprise, 2008, S.66.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 12
2.2.4. Faszination Weltraum
„Je geheimnisvoller und unerreichbarer etwas scheint - desto faszinierender und begehrenswerter ist es auch“ 1 - diese Aussage verdeutlicht den Ursprung des Interesses am Weltraumtourismus. Jährlich bewerben sich eine halbe Million Amerikaner darum, Astronauten zu werden, 2 aber auch der Wunsch seitens der normalen Bevölkerung nach Reisen in den Weltraum wird stetig lauter. 3
2.2.4.1. Motivation der Weltraumtouristen
Ein Tourist zu sein und sich den Ort
und den Ablauf seiner Ferien auszuwählen, hat viel mit der persönlichen Identität zu tun. 4 Anhand der diversen Motive, eine Weltraumreise anzutreten, lassen sich sieben verschiedene Typen von Konsumenten segmentieren, die in der zugehörigen Abbildung dargestellt werden: 5
Zunächst existieren die Weltraum-„Romantiker“, die den Weltraum mit einer schwärmerischen Vorstellung assoziieren. Für sie liegt die Motivation darin, im schwerelosen Raum die Aussicht auf die Erde zu genießen und sich als ein Teil mitten im Universum zu fühlen. Dieses Gefühl würde durch die gegebene Schwerelosigkeit sogar an die Zeit der eigenen Geburt erinnern. 7 Faszinierend für die „Romantiker“ ist ebenso die Möglichkeit, aus dem Weltraum 16 Sonnenaufgänge und -untergänge an einem Tag zu betrachten. 8
1 Oschmann, D., www.weltraum.de, 08.05.2008.
2 Vgl. Yeoman, I., Tomorrow´s Tourist, 2008, S.234.
3 Vgl. Oschmann, D., www.weltraum.de, 08.05.2008.
4 Vgl. Novelli, M. / Robinson M., Niche Tourism, 2005, S.7.
5 Vgl. Planet, J. T., www.spacetourismsociety.com, 09.05.2008.
6 Vgl. Planet, J. T., www.spacetourismsociety.com, 09.05.2008.
7 Vgl. Collins, P., www.morgenwelt.de, 11.05.2008.
8 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.3.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 13
Phantasien fiktionaler Art verbinden auch die als solche titulierten „Realisten“ mit dem Weltraum, die des Öfteren Science-Fiction-Anhänger sind und den Weltraum als möglichen Lebensraum betrachten. Eher sentimentale Motive damit verbinden die anstrebenden Astronauten, die sich philosophisch mit dem Weltraum auseinandersetzen. Ebenfalls gefühlvolle Gedanken hegen die „Sentimentalisten“, die eine emotionale Verbindung zu vergangenen Weltraummissionen verspüren. 1
Als weitere Motive sind die Abenteuerlust und der Nervenkitzel zu sehen, die der Konsument bei den weltraumtouristischen Aktivitäten erleben will. 2 Der erlebnisorientierte Charakter der Gesellschaft lässt sie nach neuen und ungewöhnlichen Erfahrungen streben, für die sie bereit sind, große körperliche und seelische Mühen sowie finanzielle Belastungen auf sich zu nehmen. 3
Der Tourist wird voraussichtlich bis zum Jahr 2030 bereit sein, weitaus mehr Geld für neuartige Erlebnisse und Erkenntnisse auszugeben, die eine intellektuelle oder kulturelle Bereicherung versprechen, als für materielle Güter. 4 Der Luxusmarkt ist häufig der Schlüsselreiz, welcher die Attraktivität einer solchen Weltraumreise für die Menschen steigert, die damit einen gewissen Status repräsentieren wollen. 5 Luxus ist zunehmend experimentell und individualistisch; er hat sich vom materiellen zum emotionalen Gut gewandelt. 6 Die in der Graphik dargestellten „Status-Suchenden“ verfolgen genau solche Motive, die ihnen zusätzliches Ansehen verschaffen sollen. 7 Desweiteren ist die Faszination des Weltraumtourismus auch auf den Vorreitergedanken zurückzuführen: In der nahen Zukunft können sich Touristen wie Pioniere einer neuen Attraktion fühlen und an Orte reisen, die noch kein anderer Tourist zuvor gesehen hat. 8 Der Reiz dieser Urlaubsform liegt für sie in der Unendlichkeit des Weltraums, der noch immer weitestgehend unerforscht ist. 9 Verlockend für all diejenigen, die dem Massentourismus entfliehen möchten, ist die Vorstellung, dass Menschenmengen hier nicht vorhanden sind. 10
1 Vgl. Planet, J. T., www.spacetourismsociety.com, 09.05.2008.
2 Vgl. Yeoman, I., Tomorrow´s Tourist, 2008, S.236.
3 Vgl. Bittner, R., Tourismus der Zukunft, 2006, S.101.
4 Vgl. Yeoman, I., Tomorrow´s Tourist, 2008, S.234.
5 Vgl. Yeoman, I., Tomorrow´s Tourist, 2008, S.233.
6 Vgl. Yeoman, I., Tomorrow´s Tourist, 2008, S.242.
7 Vgl. Planet, J. T., www.spacetourismsociety.com, 09.05.2008.
8 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.3.
9 Vgl. Bittner, R., Tourismus der Zukunft, 2006, S.101.
10 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.4.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 14
Das Freizeitverhalten gestaltet sich mittlerweile individualistischer und die tiefe Sehnsucht, Neues zu erleben, reicht so weit, dass sich eine Art „Checklisten-Mentalität“ bildet, was bedeutet, dass man manche Dinge nur ein einziges Mal ausprobiert, um sie erlebt zu haben. 1
Die Berichte vieler Astronauten, die das Gefühl bei einer Mission ins All als das beeindruckendste Erlebnis beschreiben, verstärken das Bedürfnis, diese Erfahrung selbst zu machen. 2
In der heutigen Zeit des Klimawandels hat man bereits mit der Suche nach neuen Lebensräumen begonnen und mit dem Gedanken der Emigration Richtung Weltall. Für diese Vision setzt Weltraumtourismus einen wesentlichen Grundstein. 3 Mithilfe eines Ausflugs in den Weltraum können Menschen losgelöst von der Erde aus einer völlig neuen Perspektive auf ihren Heimatplaneten blicken. Durch die Betrachtung der Erde ohne geographische Grenzen wird kommt bei so manchem die Frage auf, ob nicht diese künstlichen Linien all die Kriege und Miseren in der Geschichte verursacht haben. 4 Aus diesem Grund denken viele Menschen, dass besonders Politiker die Erde einmal von oben anschauen sollten, weil es dann vermeintlich weniger Kriege gäbe und man sich zudem mit kritischeren Gedanken über unsere Umwelt auseinandersetzen würde. 5
2.2.4.2. Die Rolle der Medien
Die Debatte, ob die Medien einen Einfluss auf die Menschen haben, bleibt unendlich. Viele Autoren stimmen mit der Aussage überein, dass die Medien unser Wissen über die Welt beeinflussen können und dass sie eine wichtige Quelle für Denkansätze sowie für Meinungen der Menschen darstellen. 6
Andere gehen so weit zu behaupten, dass die Medien den Tourismus sowohl begünstigen aber auch behindern können. 7 Folglich hätte „die Medienberichterstattung […] ei-
1 Vgl. Yeoman,I., Tomorrow´s Tourist, 2008, S.235.
2 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.5.
3 Vgl. Dinkin, S., www.thespacereview.com, 05.05.2008; auch Koelle, H., Modeling Space Tourism, 2002, S.2.
4 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.4.
5 Vgl. Kubrick, S., 2001: A Space Odyssey, 1968.
6 Vgl. Burton, G., More than meets the eye, 1990, S.1; auch Lemmerich, C., Mediendemokratie, 2007, S.10.
7 Vgl. Beeton, S., Film-induced tourism, 2005, S.117.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 15
nen erheblichen Einfluss auf die Wirkung eines Ereignisses, speziell auf künftige Reiseentscheidungen.“ 1
Science-Fiction hat bereits Generationen von Lesern und Zuschauern inspiriert. Schon die frühen Werke von Jules Verne oder Herbert George lieferten jungen Forschern Eingebungen für bahnbrechende Entwicklungen. 2 Science-Fiction-Geschichten beeinflussen menschliche Gedanken und Vorstellungen über die Zukunft des Weltraums, sie geben Anregungen und machen die Menschen mit dem Thema Weltraum vertraut. 3 Die Sendungen wie „Star Wars“ und „Star Trek“ haben seit Jahrzehnten hohe Zuschauerzahlen. 4 Einer der ersten einflussreichen Filme wurde 1968 von Stanley Kubrick veröffentlicht: 2001: „A Space Odyssey“ generierte mit seinen Beschreibungen einer Welt der menschlichen Evolution, neuer Technik und außerirdischen Lebens bei vielen Menschen romantische Vorstellungen bezüglich des Weltraums. 5 Der Zeitpunkt des Erscheinens hätte nicht besser gewählt sein können, denn nur ein Jahr später - im Juli 1969 - fand die erste Mondlandung statt. 6
Von jenem kleinen Schritt, der einen „Riesensprung für die Menschheit“ 7 bedeuten sollte, wurden im Juli 1969 eine halbe Milliarde Fernsehzuschauer Zeugen. In den Medien wurden dennoch zahlreiche Verschwörungstheorien diskutiert, welche die Existenz einer Mondlandung anzweifeln. 8
Der noch bis Ende der 90er Jahre selbst von Raumfahrtmanagern als „unseriöse Phantasterei“ 9 abgewertete Weltraumtourismus hat nicht zuletzt durch diverse Internetforen und Webseiten wie spacefuture.com enorm an Glaubwürdigkeit gewonnen. 10 Sogar Buchungen von weltraumtouristischen Aktivitäten wie der Besuch von Space Camps, bis hin zu Vormerkungen für alsbald beginnende Raumflüge sind im Internet bei spaceadventures.com, incredible-adventures.com oder auch weltraumtouristik.de möglich. 11
1 Fuchs, W., Lexikon Tourismus, 2008, S.628.
2 Vgl. Stone, B. A., www.spacefuture.com, 05.05.2008.
3 Vgl. Cox, K. J., www.nasa.gov, 06.05.2008.
4 Vgl. Young, A., www.thespacereview.com, 05.05.2008.
5 Vgl. Beeton, S., Film-induced tourism, 2005, S.240.
6 Vgl. Young, A., www.thespacereview.com, 05.05.2008.
7 Neil Armstrong in Künzel, W., www.stern.de, 02.06.2008.
8 Vgl. Moffet, J., Did we land on the moon?, 2001.
9 Illinger, P., Last Minute, 1997, S.136.
10 Vgl. Collins, P., The Space Tourism Industry in 2030, 2000, S.595.
11 Vgl. o. V., www.incredible-adventures.com, 11.05.2008; auch o. V., www.spaceadventures.com, 11.05.2008; auch o. V. www.weltraumtouristik.de, 11.05.2008.
Grundlagen der Raumfahrt und des Weltraumtourismus 16
Die Anzahl der Internetpräsenzen und Serviceangebote auf dem Weltraummarkt wächst stetig und die Massenmedien bewältigen ihre Aufgabe, den Weltraumtourismus aufregend und spannend zu gestalten, hervorragend. 1
Beispielsweise der neueste Werbefilm von Richard Branson´s Virgin Galactic-Projekt gestaltet sich wie ein emotionaler Hollywoodfilm, der urmenschliche Instinkte der Neugier und des Entdeckungsdrangs anspricht. Zeugen berichten hier über das Wunder und das Hochgefühl, welches die Touristen auf seinen Flügen erleben können. Der britische Milliardär Richard Branson selbst verspricht seinen Gästen, dass sie mit seinem Flug das wundervollste und faszinierendste Ereignis ihres Lebens erfahren werden. 2 Auch das Unternehmen Rocketplane Kistler versucht durch Romantik an seine zukünftigen Kunden zu appellieren und plant die erste Weltraumhochzeit. Die Braut und der Bräutigam müssen sich jedoch beeilen, da Rocketplane´s Suborbitalflüge lediglich vier Minuten Schwerelosigkeit versprechen. 3 Die dazu passende Hochzeitsmode kann man bereits von Designern wie Eri Matsui 4 oder Misuzu Onuki erwerben, die sogar schon eine Fashion-Show zum Thema Weltraum ins Leben gerufen hat. 5 Dies lässt die Vermutung entstehen, dass hierbei das Ziel verfolgt wird, die weitaus weniger am Weltraum interessierten Frauen für die Thematik zu begeistern.
Es verstärkt sich auch die Annahme, dass die Medien im Fall der heranwachsenden Weltraumtourismusindustrie genutzt werden, um versierte Überzeugungsarbeit auf diesem noch weitgehend unerforschten und unsicheren Gebiet zu leisten. Um diese Überzeugung zu gewährleisten, dürften keine Kosten bei dem Einsatz der treffenden Medien gescheut werden, um Skeptiker und potenzielle Kunden für sich zu gewinnen.
1 Vgl. Collins, P. et al., www.spacefuture.com, 11.05.2008.
2 Vgl. Branson, R., www.youtube.com, 08.05.2008.
3 Vgl. Belfiore, M. www.airspacemag.com, 03.06.2008.
4 Vgl. o. V., www.dailygalaxy.com, 20.08.2008.
5 Vgl. Mangu-Ward, K., Space Travel for Fun and Profit, 2007, S.46.
Die äußere Umwelt des Marktes 17
3. Die äußere Umwelt des Marktes
3.1. Öffentliche und private Interessenvertreter
Im folgenden Kapitel werden die zahlreichen Lobbyisten in der Weltraumbranche, welche von sowohl Akteure aus dem öffentlichen, als auch aus dem privaten Bereich sein können, beschrieben. Ferner unterscheidet man primäre und sekundäre Segmente, wobei die Ersteren sich aus der Angebots- und Nachfrageseite zusammensetzen. Gegenüber stehen sich die Touristen auf der Nachfrageseite und die Weltraumreiseveranstalter auf der Angebotsseite, welche zusätzlich auf die Fabrikanten angewiesen sind. Die sekundären Segmente umfassen rechtliche Richtlinien, Investoren und diverse Organisationen. 1
Eigene Darstellung:
Abbildung 3: Äußere Umwelt des Marktes 3
3.1.1. Der öffentliche Sektor
Der öffentliche Sektor setzt sich hauptsächlich aus der heutigen US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA und der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos zusammen. Außerdem in die Raumfahrt involviert sind Japan, China und Europa. Trotz der Pläne einer baldigen Mondmission sind die Errungenschaften Japans und Chinas in der Raumfahrt bis zum heutigen Zeitpunkt weniger von Bedeutung. 4 Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos verzeichnete seit dem „Mondrennen“ 5 jede Menge Fehlschläge und verlor somit den Anschluss zur NASA. 1 Obgleich die NASA
1 Vgl. Goehlich, R. A., Space Tourism (a), 2002, S.3.
2 Vgl. Koelle, H., Modeling Space Tourism, 2002, S.50.
3 Vgl. Goehlich, R. A., Space Tourism (a), 2002, S.3.
4 Vgl. o. V., www.abcnews.go.com, 07.05.2008.
5 Der Wettstreit zwischen USA und Sowjetunion, bei dem jede der beiden Mächte darum kämpfte, zuerst den Mond zu erreichen. (Vgl. Anderson, E. et al., The Space Tourist´s Handbook, 2005, S.11.)
Die äußere Umwelt des Marktes 18
bahnbrechende Entwicklungen initiiert hat, ist sie in zu viele Unternehmungen gleichzeitig involviert, um in allen Bereichen Erfolg zu haben. Seit den Apollo Missionen hat sich bei der NASA wenig entwickelt; viele der Missionen scheiterten, wie z. B. das kaputte „Hubble“ Weltraumteleskop und zwei misslungene Mars-Roboter-Missionen. 2 Die NASA baut noch immer auf die Technik der 60er und 70er Jahre auf, da neue Forschungen und Entwicklungen zu riskant sind. 3 Die Scheu vor Risiken entspringt nicht zuletzt der Tatsache, dass die NASA als öffentliche Behörde bei Misserfolgen einen Ruf zu verlieren hat. 4 Zudem argumentiert die NASA, es sei nicht die Aufgabe einer Behörde, den Weltraum zu kommerzialisieren, sondern lediglich die Technik und Recherche für dessen Erforschung bereit zu stellen. 5
Verglichen mit den Ansätzen des privaten Sektors sind die realisierten Projekte im öffentlichen Sektor wesentlich kostspieliger und folglich weniger effizient, weshalb eine Partnerschaft zwischen beiden Sektoren sehr von Nutzen sein kann. 6 Die NASA arbeitet bereits zunehmend mit dem privaten Sektor zusammen, um von dessen Erfolgen aus neuen Forschungsergebnissen zu profitieren. 7 Diese Kollaboration wurde der NASA nicht zuletzt von der US-amerikanischen Regierung nahegelegt. 8 Am Weltraumtourismus hegt die NASA allerdings kein kommerzielles Interesse, bestätigte jedoch in einem Report, dass dieser den vielversprechendsten Markt im Weltraum darstellt. 9 Interesse am Weltraumtourismus zeigte bisher nur die russische Weltraumagentur Roskosmos, welche bereits mehreren Touristen mittels der Sojus-Kapsel Zugang zur ISS gewährte. 10 Die EU-Kommission lehnt Weltraumtourismus gänzlich ab, da es laut EU Kommissar Günther Verheugen „immer nur eine sehr privilegierte Art des Tourismus sein wird“. 11
1 Vgl. Wagner, D., www.hr-online.de, 08.05.2008.
2 Vgl. Mangu-Ward, K., Space Travel for Fun and Profit, 2007, S.42.
3 Vgl. Balaker, T., www.reason.com, 25.06.2008.
4 Vgl.Collins, P., www.spacefuture.com, 10.05.2008.
5 Vgl. Shiels, M., www.news.bbc.co.uk, 03.07.2007.
6 Vgl. Ashford, D.M., Prospect for space tourism, 1990, S.104.
7 Vgl. Foust, J. (b), www.thespacereview.com, 06.07.2008.
8 Vgl. President´s Commission, A journey to inspire, innovate and discover, 2004, S.19.
9 Vgl. Collins, P., The Space Tourism Industry in 2030, 2000, S.595.
10 Vgl. Wade, D., A zoom with a view, 2006, S.29.
11 Schubert, C., www.faz.net, 01.07.2008.
Die äußere Umwelt des Marktes 19
3.1.2. Der private Sektor
Angesichtes der Tatsache, dass das monopolistische Verhalten der Raumfahragenturen weltweit wenig dazu beigesteuert hat, Innovationen zu fördern, ist es wichtig, dass private Firmen das Geschäft wieder beleben. 1 Die neue private Branche bezeichnet sich intern als „alt.space“, oder auch als „New Space“ Industrie. Deren Unternehmer glauben daran, dass sie - und nicht die NASA - die wahre Zukunft des Weltraums bedeuten. 2 Leitfiguren dieser neuen Industrie, die sich seit den späten 90er Jahren etabliert hat, 3 sind sowohl Fabrikanten von Raumfahrzeugen, als auch Non-Profit Organisationen, neue Weltraumfahrtzentren, Reiseveranstalter und weitere Organisationen, die die Entwicklung des neuen Industriezweiges aktiv unterstützen. 4
Die Unternehmen der New Space Industrie haben bereits viel erreicht und beginnen zunehmend, sich gegenseitig als Konkurrenten anzusehen. Deren Ziele sind eher kurzfristig und bescheiden. Diese Bescheidenheit wird jedoch durch Aussagen wie die von Robert Bigelow widerlegt, der die Auffassung vertritt, die New Space Industrie würde sich ähnlich entwickeln wie die Computerwelt, welche sich alle 18 Monate vervielfacht. 5 Bewahrheitet sich diese Hypothese, so könnten bereits in acht Jahren mehr wertvolle Informationen durch private Unternehmen existieren, als durch die NASA. 6
3.2. Geographische Voraussetzungen
Die Reise in den Weltraum kann in den meisten Fällen nicht von einem gewöhnlichen Flughafen aus beginnen. Globale Weltraumflughäfen sind meist in Äquatornähe situiert, da die Erdrotation dort am stärksten ausgeprägt ist und startende Raumfahrzeuge von einem zusätzlichen dort herrschenden Auftrieb profitieren. 7 Die zunehmende Anzahl der Raumfahrtzentren ist ein Zeichen für die stetig wachsende kommerzielle Raumfahrtindustrie. Neue Raumfahrtzentren entstehen insbesondere in
1 Vgl. Mangu-Ward, K., Space Travel for Fun and Profit, 2007, S.42.
2 Vgl. Klerkx, G., The alt.space race, 2007, S.55.
3 Vgl. Mangu-Ward, K., Space Travel for Fun and Profit, 2007, S.40.
4 Vgl. Boyle, A., www.msnbc.com, 03.07.2008.
5 Vgl. Mangu-Ward, K., Space Travel for Fun and Profit, 2007, S.40.
6 Vgl. Klerkx, G., The alt.space race, 2007, S.57.
7 Vgl. Anderson, E. et al., The Space Tourist´s Handbook, 2005, S.34.
Die äußere Umwelt des Marktes 20
den USA, aber darüber hinaus auch in Europa, Kanada, China, Australien 1 sowie in Asien, wo derzeit der Spaceport Singapore errichtet wird. 2 In der Abbildung 20 des Anhangs A veranschaulicht eine Karte die weltweit betriebsamsten Raumfahrtzentren in Cape Canaveral (USA), Vandenberg (USA), Baikonur (Kasachstan), Plesetsk (Russland), Kourou (Französisch-Guayana), Tanegashima (Japan), Jiuquan (China), Xichang (China) und Sriharikota (Indien). 3 Eine besondere Bedeutung für den Weltraumtourismus stellt das „Baikonur Kosmodrome“ dar, welches das damalige sowjetische und heutige russische Raumfahrtzentrum in Kasachstan ist. Von hier aus starteten bereits der erste Astronaut Juri Gagarin und auch alle bisherigen Touristen in den Weltraum. Das Raumfahrtzentrum wurde von den Russen streng geheim gehalten und erschien bis Mitte der 90er Jahre auf keiner Karte. 4 Der australische Weltraumflughafen in Woomera, der in Zukunft von der Firma Rocketplane Kistler operiert werden soll, 5 diente bisher hauptsächlich als Trainingszentrum für Suborbitalflüge. 6
Weitere bedeutende Weltraumflughäfen sind in den USA vorzufinden. Hierzu ist im Anhang in der Abbildung 22 eine Karte zur Veranschaulichung der US-amerikanischen Raumfahrtzentren abgedruckt. Wie dort abgebildet, existieren sechs lizensierte Raumfahrtzentren. 7 Als primäres Raumfahrtzentrum in den USA gilt das Kennedy Space Center in Cape Canaveral (USA). Das Zentrum ist eine beliebte Touristenattraktion und war die Stätte, von welcher der erste Mondflug erfolgte. 8
Außerdem existieren laut Federal Aviation Administration (FAA) 9 in den USA sieben private Weltraumflughäfen, die nicht vom Militär oder der NASA betrieben werden; mindestens weitere neun sind in Planung. So z. B. südlich von der Stadt „Truth or Consequences“ im Bundesstaat Neu Mexiko (USA), wo derzeit im Auftrag von Sir Richard Branson der Spaceport America gebaut wird. 10 Neu Mexiko bietet als Standort hervorragende Bedingungen: Aufgrund des militärischen Sperrgebiets wird der Luftraum nicht
1 Vgl. Baird, S., Space: The new frontier, 2008, S.15.
2 Vgl. Pisani, J., Space Travel: Science Fiction made real, 2006, S.20.
3 Vgl. o. V., www.spacetoday.org, 07.07.2008.
4 Vgl. Anderson, E. et al., The Space Tourist´s Handbook, 2005, S.36.
5 Vgl. Sietzen, F., www.space.com, 08.07.2008.
6 Vgl. Anderson, E. et al., The Space Tourist´s Handbook, 2005, S.37.
7 Vgl. Baird, S., Space: The new frontier, 2008, S.15.
8 Vgl. Anderson, E. et al., The Space Tourist´s Handbook, 2005, S.34.
9 US-amerikanische Luftfahrtaufsichtsbehörde
10 Vgl. Klerkx, G., The alt.space race, 2007, S.55.
Die äußere Umwelt des Marktes 21
durch Linienflüge behindert und zudem werden mögliche Startprobleme infolge bestimmter Wetterkonditionen hier nicht erwartet. 1
Die Kosten dieses Projekts belaufen sich auf 225 Mio. USD, 2 wovon 100 Mio. USD von der Regierung bezuschusst werden. Dank dieser Förderung kann der Weltraumflughafen 2009/2010 in Betrieb genommen werden. Hinter diesen staatlichen Investitionen steht ein großes Rückgewinninteresse. Bereits nach fünf Jahren erhofft man sich einen Beschäftigtenstatus von 2.300 Personen auf dem Flughafen. 3 Der Spaceport Amerika ist mit seinen vier Quadratkilometern und den exklusiven Besuchertribünen und Wartungshallen der am weitesten entwickelte Weltraumraumflughafen für Suborbitalflüge. Nach dessen Inbetriebnahme wird Virgin Galactic die Planung weiterer Projekte dieser Art in Schweden fortsetzen. 4
Noch vor einem Jahrzehnt wäre die Errichtung eines derartigen Flughafens undenkbar gewesen; heute entstehen Projekte wie diese auf der ganzen Welt. 5
3.3. Technische Voraussetzungen
Um Weltraumtourismus für den Massenmarkt machbar zu gestalten, werden neue su-borbitale, aber auch orbitale Flugzeuge benötigt. Es wird dabei großer Wert auf Wiederverwendbarkeit gelegt, anders als bei nicht-kommerziellen Raumfahrten. 6
3.3.1. Orbitale Entwicklungen
3.3.1.1. Entwicklungen bis zum heutigen Zeitpunkt
Zu Beginn des Raketenbaus wurden Wernher von Braun´s Entwicklungspläne für ein wiederverwendbares Vehikel nicht weiter verfolgt, stattdessen wollte man schnelle technische Fortschritte erzielen, indem man auf einfach nutzbare Raumfähren umstieg. Dies geschah allerdings auf Kosten der Effizienzentwicklung. 7 Erst in den 90er Jahren wurden die Baupläne für ein wiederverwendbares Raumschiff von der NASA intensiver
1 Vgl. Heuer, S., Privat ins All?, 2007, S.24.
2 Vgl. o. V., Boldly go, 2007, S.10.
3 Vgl. Klerkx, G., The alt.space race, 2007, S.55.
4 Vgl. Heuer, S., Privat ins All?, 2007, S.24.
5 Vgl. Klerkx, G., The alt.space race, 2007, S.55.
6 Vgl. Goehlich, R. A., Space Tourism (a), 2002, S.7.
7 Vgl. van Pelt, M., Space Tourism, 2005, S.104.
Arbeit zitieren:
Romy Freitag, 2008, Weltraumtourismus - Wahnsinn oder Wirklichkeit?, München, GRIN Verlag GmbH
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