Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 4
2. DEFINITION VON KRANKHEIT IN DER TRADITIONELLEN HEILKUNDE 5
3. DIE WOLOF IM SENEGAL 6
3.1. Soziale Strukturen 6
3.2. Wirtschaft 7
3.3. Religion 7
4. TRADITIONELLES HEILWESEN DER WOLOF 8
4.1. Krankheit im gesellschaftlichen Kontext 8
4.2. Ursachen von Erkrankungen 9
4.3. Die Rolle der Familie 10
4.4. Funktion des Heilers 11
4.5. Behandlungsmethoden 12
4.6. Riten 14
4.6.1. Die Riten im Kontext 14
4.6.2. Die Ausübenden des Rituals 15
4.6.3. Versionen des Rituals 15
5. TRADITIONELLES HEILWESEN IN ANDEREN AFRIKANISCHEN
GESELLSCHAFTEN 16
5.1. Die Mende und Temne in Sierra Leone 16
5.2. Die Dendi in Benin 18
5.3. Die Amhara in Äthiopien 18
5.4. Weiter traditionelle Afrikanische Gesellschaften 19
6. TRADITIONELLE MEDIZIN IN DER GEGENWART 19
7. ZUSAMMENFASSUNG 21
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8. LITERATURANGABEN 22
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1. Einleitung
Lange bevor man sich mit der Heilkunde Afrikas beschäftigte gab es schon vereinzelt Aufzeichnungen und Reisebereichte aus den verschiedenen Regionen, vor allem von sudanesischen und beninischen Gebieten. Al-Idris, Mediziner am sizilianischen Königshof, verfasste im 12.Jahrhundert eine Beschreibung von Afrika, in der er unter anderen Beschneidungen im Sudan erwähnte und auf die naturkundigen Frauen an den Ufern des Nigers hinwies (Kerharo 1978; 2294). Dennoch befasst sich kaum eine schriftliche Quelle näher mit den medizinischen Praktiken in Afrika, auch in den zahlreichen arabischen Chroniken des 12. bis 15. Jahrhunderts befinden sich nur wenige Informationen über die Medizin Afrikas (Kerharo 1978: 2296). Jedoch war das Wissen über die Wirkungen von verschiedenen Pflanzen, dass in den einzelnen Ethnien die Medizinmänner und Hexen besaßen, den Europäern bekannt. Den Reisenden folgten um 1750 der ersten Botaniker, die sich mit der afrikanischen Pflanzenwelt beschäftigten. Unter ihnen war Michel Adansen, der 1749 eine Sammlung über 500 verschiedene Nutzpflanzen zusammenstellte, und Charles-Pierre Thunberg, der erste fachkundige Reisende 1 , der sich zwischen 1771 und 1773 in Südafrika mit dem Gebrauch von medizinischen Pflanzen beschäftigte (Kerharo 1978: 2299). Die verschiedenen Aufzeichnungen über die Pflanzenwelt Afrikas und ihre medizinische Wirkung setzte sich bis in das 19. Jahrhundert fort, dieser Abschnitt endet 1888 mit dem Verzeichnis "Materia Medica Afrikas“ 2 über 137 südafrikanischen Heilmitteln von Andrew Smith.
Erst einige Zeit nachdem man sich mit dem naturwissenschaftlichen Aspekt der afrikanischen Heilkunde befasst hatte, versuchte man das medizinische System in einen sozialen und kulturellen Kontext zu sehen. Jedoch macht die Abgrenzung der heilkundlichen Methodik zu anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens große Probleme, da die Auffassung von Krankheit und Gesundheit in afrikanischen Gesellschaften nicht mit der westeuropäische Definition 3 vergleichbar ist. Durch die Verknüpfung von Krankheiten mit religiösen und sozialen Phänomenen, existieren verschiedene Möglichkeiten eine Krankheit zu behandeln. Die
1 Ch.-P. Thunberg war Doktor der Medizin und späterer Professor der Botanik an der Universität von Upsala
2 Das Verzeichnis wurde weitergeführt und dient nun als grundlegendes Buch der Arzneikunde vorr afrikanischen
Völkern (Kerharo 1978: 2303)
3 "Krankheit ( ... ) ist eine vor allem im den Industriegesellschaften verbreitete Kategorie für abweichendes
Verhalten, die sich auf unterschiedlichste Stadien körperlicher oder seelischer Veränderungen bezieht". (Hauschild
20002: 133)
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Verbindung von Heilkunde und Religion wurde auch durch den Einfluss des Islams und der westlichen Medizin, vor allem während der Kolonialzeit, nicht aufgehoben. Es entstand vielmehr ein medizinischer Pluralismus, durch das Einbinden der verschiedenen Heilungsmethoden in das traditionelle Gesundheitswesen, der auch zu Konflikten zwischen den einzelnen medizinischen Systemen führte. Jedoch werde ich hier vorwiegend auf die traditionellen Heilungsmethoden eingehen, die Ethnie der Wolof dient als Hauptbeispiel. Denn auch schon vor dem Einfluss des Islams und der Kolonialisten aus Europa existieren verschieden Möglichkeiten der Behandlung von Krankheiten.
2. Definition von Krankheit in der traditionellen Heilkunde
Wie bereits erwähnt wird in der traditionellen Heilkunde Krankheit immer in einem sozialen und religiösen Kontext gesehen und bildet somit ein geschlossenes Ganzes. Sie wird nicht nur auf die körperliche Erkrankung bezogen, "sondern als Teil eines umfassenden Begriffes von >Krise<, >Leiden< oder >Bedrängnis< registriert" (Hauschild 2000 2 :133). Die verschiedenen Aspekte, auf die sich der Begriff "Krankheit"' beziehen kann, versuchte Kleinmann zu differenzieren, indem er zwischen disease, illness und sickness unterscheidet. Illness bezieht sich auf die Wahrnehmung und Interpretation der Krankheit durch den Patienten. Disease beschreibt die organischen und psychischen Krankheitssymptome, wie sie in der naturwissenschaftlichen Medizin erklärt werden. Sickness stellt schließlich die Verbindung von illness und disease dar, somit die Innen- und Außenansicht einer Krankheit (Hauschild 2000 2 : 134).
Die Ursachen für eine Erkrankung kommen von Außen und werden dem Wirken übernatürlichen Kräften zu geschrieben. Der Patient ist Opfer eines Geistes oder eines Schadenzaubers. Da die Krankheit immer in einem gesellschaftlichen Kontext gesehen wird, löst sie sich meist von dem individuellen Bezug zu einer Person und wird zu Problem einer gesamten Gruppe, der Familie, die auch in den Heilungsprozess mit einbezogen wird. Behandelt wird der Patient abhängig von der Art der Krankheit und dem Grund der Erkrankung. Um den Grund der Krankheit heraus zu finden, zieht der Patient und seine Familie einen Spezialisten zu rate, der durch verschiedene rituelle Handlungen, bei denen Magie ein übergeordnetes Prinzip bildet, versucht die Ursache zu finden. Je nachdem welche Ursache der Erkrankung zugrunde liegt, zeigt der Heiler einen Weg zur Heilung auf. Da die Krankheit immer in einem sozialen oder religiösen Kontext steht, ist auch
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das Ziel der Heilung das Gleichgewicht des sozialen und religiösen Kosmos wieder herzustellen.
3. Die Wolof im Senegal
Die Wolof sind die größte ethnische Gruppe um Senegal. Ihr Gebiet wird im Norden durch den Senegalfluss von Mauretanien getrennt und im Westen bildet der Atlantik die Grenze. Die Serer grenzen das Gebiet im Süden ab und die Ethnie der Peul im Osten. Das Gebiet der Wolof wurde stark durch die muslimischen Berber, mit denen die sie Handelsbeziehungen unterhlten, und durch die Franzosen, während der Besetzung in Kolonialzeit, beeinflusst. Dieser Einfluss wirkte sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche bei den Wolof aus. Neben den sozialen und religiösen Wandel wurde auch die traditionelle Heilkunde durch die islamische und westliche Medizin verändert.
3.1. Soziale Strukturen
Im 13. Jahrhundert entstand aus den einstigen Reichen von Kayor, Walo, Baol und Sine-Saloum das Großreich Djolof. Die soziale Struktur des Reiches basierte auf einer Pyramide, bei der die Gruppe der Sklaven (dyaqm) die unterste Schicht bildete, diese wiederum von der Schicht der Zimmerleute und Schmiede (nyenyo) beherrscht wird. Die mittlere Stufe der Pyramide bilden die freien Menschen (geer dyambaur). Der König (baur) und die Adligen (garrni) stehen an der Spitze der Pyramide. Das Großreich Djolof zerfiel im 16. Jahrhundert wieder in seine früheren Königreiche, jedoch blieb die starre soziale Schichtung der Gesellschaft erhalten. Die königliche Familie legitimierte ihrer Herrschaft durch Geburt, Heirat und Tradition und wird von der matrilinearen Deszendenz des Königs bestimmt (Artmeyer 1999:22). Erst nach der Abschaffung der Sklaverei durch Frankreich, am Ende des 19. Jahrhundert, fanden große soziale Umwälzungen statt. Es entstanden Dörfer mit patrilinearer Erbfolge, in denen der Gründer oder dessen Nachfolger das Oberhaupt 4 waren. Durch die Urbanisierung des Gebietes zerfielen die festen gesellschaftlichen Strukturen und nur noch in ländlichen Gegenden existiert das verzweigte Netz verwandtschaftlicher Beziehungen.
4 Falls es keinen Mann gab der sich auf die Abstammung von dem Dorfgründer berufen konnte, wurde
dem Dorfältesten die Position übertragen.
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Arbeit zitieren:
Kristin Müller-Wenzel, 2004, Pluralismus im traditionellen Heilwesen Afrikas, München, GRIN Verlag GmbH
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