„Das Labyrinth der Einsamkeit“ als existenzialistisches Essay Einleitung
Im Rahmen der Lehrveranstaltung Literaturwissenschaftliches Proseminar II „Sor Juana Inés de la Cruz und Octavio Paz - Siglo de Oro und Moderne in Mexiko“ haben wir uns mit dem Werk „Das Labyrinth der Einsamkeit“ von Octavio Paz auseinandersetzt. In unserer Arbeit möchten wir Parallelen zwischen dem Werk und der philosophischen Strömung des Existentialismus anhand einzelner Begriffe herausarbeiten. Nach einem kurzen Gesamtüberblick über die Strömung gehen wir auf die Themen Einsamkeit, Entfremdung, der Andere und Tod genauer ein und vergleichen Octavio Paz' Ansichten, die er in besagtem Werk darlegt, mit denen namhafter Vertreter aus der Philosophie. Wir möchten darauf hinweisen, dass wir uns auf einzelne Begriffe beschränkt haben, da, wie bereits aus dem Gesamtüberblick hervorgeht, die philosophische Denkrichtung zu vielfältig und komplex ist, um sie in einer Proseminarsarbeit gänzlich abzudecken.
Der Existentialismus
Der Begriff Existentialismus ist ein Neologismus der aus dem Substantiv „Existenz“ abgeleitet ist. Man bildete aus dem Wort die Adjektive existentiell und existential, denen die Nachsilbe „ismus“, welche eine Anerkennung eines gewissen Vorrangs darstellt (Vergleich bspw. Sozialismus) angehängt wurde. Der Existentialismus ist eine einflussreiche subjektiv-idealistische und irrationalistische Strömung der Philosophie. Es geht vor allen Dingen um das „Sein“ um die Existenz, oder vielmehr um die Existenz des Existierenden. Seine Anfänge findet er in den dreißiger Jahren zur Zeit der Weltwirtschaftskrise zunächst in Deutschland und Frankreich. Nach dem zweiten Weltkrieg breitet er sich dann vor allem in den westeuropäischen, kapitalistischen Ländern aus. Als seine Vorläufer gelten Sören Kierkegaard und Friedrich Nietzsche. Weitere wichtige Vertreter sind zum Beispiel: Jean-Paul Sartre, Karl Jasper oder Martin Heidegger. Grundsätzlich muss man erwähnen, dass man den Existentialismus nicht wirklich einfach erklären kann, da die verschiedenen Vertreter unterschiedliche Terminologien, Darstellungsweisen und Methoden verwenden. Es wird zum Beispiel zwischen christlich-religiös motiviertem und nicht religiösem Existentialismus unterschieden. Es gibt jedoch Aspekte und Grundannahmen die von allen Existenzialisten in gleicher Weise vertreten werden. Es wird vom Begriff der Existenz ausgegangen, der jedoch nie näher bestimmt wird. Man kann aber sagen, dass es sich immer um die individuelle Existenz des Menschen handelt, weil Dinge nicht „existieren“. Wissenschaftliches Seite 2 von 13
„Das Labyrinth der Einsamkeit“ als existenzialistisches Essay Denken und die Wissenschaft überhaupt wird verachtet und durch das Erleben und den Eklektizismus ersetzt. Für den Existenzialismus ist ausserdem kennzeichnend, dass es einen durchgängigen Bruch mit der philosphischen Tradition und Überlieferung gibt. Desweiteren werden psychisch abnorme Zustände wie Angst oder Ekel als zentral behandelt und werfen wesentliche Fragen der Philosophie auf.
Der Existentialismus setzt „Erleben“ und „Denken“ gleich. Die Triebkraft des Erlebens der objektiven Realität ist vornehmlich die Angst und die Denkensweise ist gewollt irrationalistisch. Die Vertreter des Existenzialismus geben an, zum Begriff der Existenz durch ein sogenanntes existenzielles Erlebnis zu gelangen. Heidegger versteht darunter die Erfahrung des Todes bzw. den Vorlauf zum Tode. Für Satre spiegelt sich dieses Erlebnis im Ekel wider. Jasper wiederum nennt Grenzsituationen wie Leiden, Schuld oder Tod als solche.
Im Allgemein ist der Existentialismus eine dramatische Auffassung vom Schicksal des Menschen, mit einem zutiefst pessimistischen Charakter.
Entfremdung
Der Begriff Entfremdung nimmt im Existentialismus eine zentrale Stellung ein. 1 Sie ist eine „als beängstigend erfahrende Abstandnahme von sich selbst und der Welt, eine Vergleichgültigung von Bedeutsamkeitsbezügen“. 2 Die existentialistische Definition und Auslegungen dieses Begriffs sind vielseitig. Um „Entfremdung“ bzw. Heimatlosigkeit mit dem Werk Octavio Paz vergleichen zu können, schien mir unter anderem die Auslegungen von Robert Musil und Karl Jasper am passendsten. Octavio Paz schreibt:
„Plantado en su arisca soledad, espinoso y cortés a un tiempo, todo le sirve para defenderse: el silencio y la palabra, la cortesía y el desprecio, la ironía y la resignación. Tan celoso de su intimidad como de la ajena, ni siquiera se atreve a rozar con los ojos al vecino: una mirada puede desencadenar la cólera de esas almas cargadas de electricidad.“ 3
Im Vergleich dazu stellt Robert Musil folgendes fest: „Unsere eigenen Gefühle können uns fremd vorkommen, als ob sie ein anderer empfände oder als ob sie beziehungslos irgendwo in der Welt
1 Vgl. Mounier (1949), S. 53.
2 Großheim (2007), S. 63.
3 Paz (1997), S. 50. Seite 3 von 13
„Das Labyrinth der Einsamkeit“ als existenzialistisches Essay
umhertrieben.“ 4 Deutlich feststellbar ist hier die Aufspaltung oder besser die Trennung der eigenen Gefühle und dem Denken/dem Geist der sie von außen betrachtet. Die eigenen Gefühle werden nicht als die Eigenen gesehen, sonder aus fremder Sicht betrachtet.
Paz schreibt:
“En suma, entre la realidad y su persona establece una muralla, no por invisible menos infranqueable, de impasibilidad y lejanía. El mexicano está lejos, lejos del mundo y de los demás. Lejos, también de sí mismo.“ 5
Karl Jasper:
„Obgleich ich in der Welt bin, vermag ich mich allem gegenüberzustellen. In einer erstaunlichen, wenn auch leeren Unabhängigkeit setze ich mich selbst auch meinem eigenen Dasein wie einem Fremden gegenüber. Ich bin als ich selbst wie außerhalb meines daseinenden Lebens.“ 6
Diese Entfremdung kann demnach zum Rollenspiel in „unverbindlicher Unabhängigkeit“ genutzt werden, sie ist aber in der Regel auf Dauer nicht zu ertragen und führt Jaspers zufolge zu krampfhaften und gewaltsamen Versuchen, Halt zu finden im „Gehäuse“ einer Weltanschauung, Religion oder Menschgruppe.
Genau dies findet sich bei den Pachucos wieder. Sie schließen sich in Banden (also Gruppen) zusammen und wollen unbedingt ihre Eigenheiten behalten. Das drücken sie zum Beispiel durch ihre Kleidung, die sich von der, der nordamerikanischen Bevölkerung unterscheidet, aus. Die Pachucos schämen sich für ihre Herkunft und wollen nicht so sein wie ihre Vorfahren. Auch die Eingliederung in die nordamerikanische Gesellschaft finden sie nicht erstrebenswert. Sie spalten sich von der Gesellschaft ab, sind von ihr unabhängig oder zumindest nicht bewusst beeinflusst. Sie errichten eine Mauer um sich herum und lassen niemanden an sich heran. 7
4 Großmann (2007), S. 64.
5 Paz (1997), S. 51.
6 Großmann (2007), S. 64.
7 Vgl. Paz (1997), S. 29-49. Seite 4 von 13
Arbeit zitieren:
Hanna Silbermayr, 2008, „Das Labyrinth der Einsamkeit“ von Octavio Paz als existenzialistisches Essay, München, GRIN Verlag GmbH
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Adolfo Castanon, Adolfo Castaanon, Beatriz Zeller
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