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Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
1. Allgemeine Vorbemerkungen zur Raumordnungspolitik 5
2. Raumordnungskonzepte bis zum Zweiten Weltkrieg
2.1. Ausgangssituation der Raumordnung in Japan 7
2.2. Die Ausbildung einer Raumordnungspolitik
in Japan bis zum Zweiten Weltkrieg 8
3. Die Raumordnungspolitik von 1945 bis zur Gegenwart
3.1. Die Raumordnungspolitik in Japan in der Nachkriegszeit 9
3.2. Die Phase des wirtschaftlichen Hochwachstums (1960-1973)
3.2.1. Die Ausgangssituation. 11
3.2.2. Der erste Plan zur umfassenden Landesentwicklung 12
3.2.3. Die Revision - Landesentwicklungsplan Nr. 2. 14
3.3. Die Phase wirtschaftlicher Stagnation und neue sozio-ökonomische
Rahmenbedingungen (1973-1983)
3.3.1. Der dritte Landesentwicklungsplan. 17
3.3.2. Wirtschaftliche Stagnation und der Wandel der industriellen Struktur 19
3.3.3. Das Technopolis-Gesetz 22
3.4. Multipolare Dispersion und das „Global-City-Konzept“
3.4.1. Die Bedeutung des Technopolis-Gesetzes für die Raumordnung. 26
3.4.2. Der vierte Landesentwicklungsplan 27
3.5. Landesentwicklungsplan Nr. 5 30
Schlussbetrachtung 34
Literaturangaben 37
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Einleitung
Ein Merkmal Japans stellt die besondere geographische Beschaffenheit dar. Aufgrund der stark gebirgigen Oberflächenstruktur sind nur ca. 25% der Gesamtfläche nutzbar, so dass die effektive Ausnutzung des begrenzten Nutzraumes von immenser Bedeutung und natürlich Gegenstand raumplanerischer Überlegungen ist. Die heute bedeutsamen Agglomerationsräume Osaka-Kobe-Kyoto, Nagoya und Tokyo, denen Bezeichnungen wie Tôkaidô-Industrie-Gürtel oder Osaka-Tokyo-Megalopolis zu Teil werden, sind nicht ausschließlich Produkt der Modernisierung, sondern Ergebnis einer sich schon in der Edo-Zeit (1600-1868) ausgebildeten Route regen Waren-, Personen- und Finanzverkehrs. Mit Einzug des industriellen Fortschritts in Japan zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Weichen für einen raschen Wandel der Produktions- und somit der sozio-ökonomischen Raumstruktur gestellt. Die überwiegend agrarwirtschaftlich produzierende Bevölkerung profitierte von den neuen technischen Möglichkeiten in der Form, dass Textilmanufakturen oder Fabriken der Schwermetallindustrie errichtet wurden, die neue Erwerbsmöglichkeiten schafften. Als Folge ist eine heute in der gravierendsten Form vorliegende (Über-) Konzentration in den oben genannten Verdichtungsräumen zu nennen, welche aus der kontinuierlich andauernden Land-Stadt-Migration resultiert. Eine breite räumliche Verteilung verschiedener Kerngebiete an Standorte mit natürlichen Ressourcen oder günstiger Verkehrslage im Verlauf des Industrialisierungsprozesses wären sicherlich mit ökonomisch-rationalen Anreizen zu begründen (Baron 1973: 37). Tatsächlich blieb ein solches Szenario aus, es kam zu Agglomerationen rund um Osaka und Tokyo, obwohl sich diese Gebiete nicht durch natürliche Standortvorteile auszeichnen. Der Verdichtungsraum Tokyo bildet, nicht nur auf grund der geographisch zentralen Lage, das Herzstück der japanischen Politik und Wirtschaft, so dass von einer „Einpunktkonzentration“ (ikkyoku shûchû) auf den Agglomerationsraum Tokyo die Rede ist (Lützeler 1998: 276).
Welche Faktoren führten zu einer derartigen Fokussierung auf den Verdichtungsraum rund um die Hauptstadt Japans, die, trotz erheblicher raumpolitischer Maßnahmen zur Dezentralisierung, zur Auflockerung der Megalopolisorientierung durch die japanische Regierung, im wesentlichen erhalten geblieben ist?
Um dieser Fragestellung nachzugehen werde ich im Folgenden, in chronologischer Reihenfolge, bisherige Maßnahmen seitens der Regierung in Form von Landesentwicklungsplänen (zenkoku sôgô kaihatsu keikaku), deren aktuellste Fassung im März 1998 vom Kabinett verabschiedet wurde, auf deren Aufgabenstellung, die Zielsetzung und deren Wirksamkeit hin untersuchen. Dabei werde ich im Vorfeld kurz
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auf die allgemeinen Ansätze in der regionalpolitischen Wissenschaft eingehen und auch auf die Ausgangssituation der japanischen Raumordnung zu sprechen kommen. Abschließend wird die Frage nach der Wirksamkeit der japanischen Raumordnungspolitik im Sinne der Ziel-Mittel-Konsistenz diskutiert.
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1. Allgemeine Vorbemerkungen zur Raumordnungspolitik
Im Zuge der Modernisierung, die als globaler Entwicklungsprozess zur Ausbildung von sozialstaatlichen Demokratien geführt hat, kam es seit Ende des 19. Jahrhunderts zu starken sozio-ökonomischen Veränderungen und allgemeinem Wertewandel innerhalb der industrialisierten Gesellschaften. Dies zeigt sich im Wandel vom Agrarstaat zum Industriestaat, welcher nachhaltige Folgen beispielsweise in der Erwerbsstruktur, der demographischen Stratifikation und Raumordnung hervorruft. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, erzeugt Strukturwandel, also auch die wirtschaftliche Entwicklung von Industriestaaten, keinen Wachstumsprozess der sich gleichmäßig über den gesamten Raum verteilt, sondern es kommt zu regionalen Disparitäten (Hoppe und Voelzkow 2000: 17). Mit dem Entstehen von regionalen Ungleichgewichten wuchs der Handlungsbedarf von übergeordneten Instanzen, das Produkt aus sozialer Gerechtigkeit und ökonomischer Effizienz allen Wirtschaftssubjekten zu Teil werden zu lassen. In der Literatur findet man, im Hinblick auf Regionalpolitik als Teildisziplin der Wirtschaftspolitik, im wesentlichen zwei Ansätze der Zielsetzung: die Maximierung wirtschaftlicher Erträge einer Volkswirtschaft durch die Förderung bestimmter Kernstandorte oder die gerechte Verteilung von Sozialkapital auf den gesamten Wirtschaftsraum. Letzterer Ansatz trifft auf fortgeschrittene Volkswirtschaften zu (Baron 1973: 14). Baron vertritt die These, dass in Japan, zu Beginn ernsthafter regionalpolitischer Aktivitäten, der Fokus auf der Maximierung des Sozialproduktes lag. Dieses Ziel sollte durch die spezielle Förderung der bereits vorhandenen Kerngebiete erreicht werden, so dass weitere Strategien zur wirtschaftlichen Stärkung peripherer Regionen, nicht zu letzt vom ökonomischen Erfolg der Agglomerationsräume abhingen. Dementsprechend sieht er in der einseitigen Orientierung damaliger regionalpolitischer Aktivitäten weniger die Lösung, als viel mehr die Festigung regionaler Disparitäten begründet.
Ausgleichsorientierte Regionalpolitik dient, wie der Name schon sagt, dazu räumliche Disproportionalitäten auszugleichen oder zu begrenzen. Allerdings hat sich die strikte Trennung der Ziele nach ausschließlich wirtschaftlicher Effizienz oder wohlfahrtstaatlichen Gesichtspunkten in Japan als schwierig erwiesen, da beide Faktoren in wechselseitigem Verhältnis stehen, so dass sich bei der Ausformulierung von Raumordnungsplänen eine Verknüpfung beider Elemente durchgesetzt hat. Auch die globale Entwicklung regionalpolitischer Strategien weist gegenwärtig, unter dem Schlagwort der „nachhaltigen Entwicklung“ (sustainable development), eine Mischung beider Elemente auf, nichts desto trotz genießt das Wirtschaftsparadigma größere Aufmerksamkeit in der Diskussion. Die Vereinten Nationen forderten 1992 in
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der „Agenda 21“, dass bis 1996 in den einzelnen Ländern, durch die Partizipation der Bürger am kommunalen Verwaltungsprozess, Entwicklungskonzepte, u.a. zur sozial-, wirtschafts- und international verträglichen Raumentwicklung, auf konsensualer Ebene geschaffen werden sollen, die zur Implementierung in die „weltgesellschaftliche“ Raumordnung geeignet sind (Wirtschaftspolitische Diskurse Nr. 95 1997: 4). Der Ansatz, welcher hier verfolgt wird, beruht auf der Idee, „Globalisierung“ auch als Chance und nicht nur als destruktives Moment zu begreifen, so dass das übergeordnete Ziel der „kommunalen Agenda 21“ auf die Exportierbarkeit verschiedener Konzepte, und flexible Anwendbarkeit auf verschiedenen Teilen des Globus ausgerichtet ist (Wirtschaftspolitische Diskurse Nr. 95 1997: 4). Insgesamt stehen die Länder der „Ersten Welt“ vor dem Problem der ineffizienten Ausnutzung des Raumes und den Schwierigkeiten einer sozialgerechten Verteilung öffentlicher Investitionen, deren zukunftstaugliche Lösung eine große Herausforderung darstellt. Altbekannte Faktoren, wie z.B. die Schaffung von Anreizen vor allem für private Investoren in periphere Regionen und der Ausbau einer Infrastruktur, welche wiederum „Incentives“ für Standortentscheidungen zu Gunsten strukturschwacher Räume schaffen sollen, erfreuen sich ungebremster Brisanz bei Raumordnungsdebatten. Hinzu kommen gegenwärtige Veränderungen der demographischen Struktur, die unter dem Schlagwort der „alternden Gesellschaft“ zu fassen sind, sowie sozial unverträgliche Arbeitslosenzahlen oder die depressive Weltwirtschaftslage, nur um einige Aspekte zu nennen, welche die großen Industriestaaten zusätzlich zu bewältigen haben. Angesichts aktueller Länder immanenten Strukturproblemen und globalen Widrigkeiten kommt der Raumplanung, nicht nur auf nationaler Ebene, eine Wichtigkeit zu, nämlich in der Form, dass die Lösung oben genannter Probleme und Aufgaben in beträchtlichem Maße von klugen Strategien abhängen, um im Kontext der Globalisierung eine „nachhaltige Entwicklung“ voranzutreiben.
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2. Raumordnungskonzepte bis zum Zweiten Weltkrieg
2.1. Ausgangssituation der Raumordnung in Japan
Mit der Öffnung des Landes im Jahr 1868 beginnt die Industrialisierung in Japan. Aufgrund einer rigorosen Isolationspolitik, die über 250 Jahre andauerte, setzte diese weltweite Entwicklung in Japan um etwa 30 Jahre versetzt ein. Die politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und natürlichen
Rahmenbedingungen in Japan vor der Industrialisierung waren günstig, so dass technische Innovationen aus dem Ausland schnell umgesetzt werden konnten und Japan sich binnen kürzester Zeit zu einer, vom „Westen“ anerkannten Macht, etablierte. Als Beweis wird in der Literatur der Sieg über Russland 1905 angeführt. Während der Zeit der Abschließung (sakoku-jidai) bildete sich eine inländische Wirtschaft aus, die, gepaart mit geographischen Gegebenheiten, zu einer starken Ansiedlung von wirtschaftlich bedeutsamen Akteuren entlang der Pazifik-Küste und im Inland zwischen Osaka und dem damaligen Edo führten (Obermauer 1996a: 18). Obermauer sieht den heutigen Agglomerationsraum Osaka-Nagoya-Tokyo in dieser Phase begründet.
Die Wirtschaftsstruktur der Vor-Meiji-Zeit zeichnet sich durch die weite räumliche Streuung der Bevölkerung und Handwerksbetriebe aus.
Durch die Industrialisierung ballten sich die Produktivkräfte rund um Osaka und Tokyo, und auch in der Folgezeit bildeten sich keine Kerngebiete außerhalb dieses Wirtschaftsgürtels aus. Ein Grund des rasanten Wachstums nach der Öffnung des Landes, speziell von Tokyo, liegt in deren Funktion als Hauptstadt (Alden und Abe 1994: 15). Ein weiterer Grund liegt, nach Baron, in den starken Investitionsaktivitäten des öffentlichen Sektors in die Rüstungs-, Maschinenbau- und chemischen Industrie zur Ankurbelung der nationalen Wirtschaft in den Gebieten Osaka und Tokyo, deren traditionelle Bedeutung als wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentren schon zum damaligen Zeitpunkt günstige Faktoren für eine rasche Entwicklung darstellten. So war bereits zu Beginn der Meiji-Zeit das Gebiet zwischen Osaka und Tokyo stark bevölkert. Durch die aktiven Investitionen der öffentlichen Hand wurden Anreize für Privatinvestitionen geschaffen, die wiederum durch das vorhandene Finanznetzwerk gestützt wurden. Der Ausbau der Infrastruktur durch den Staatssektor stellte die Weiterentwicklung eines gut funktionierenden Verkehrssystems zwischen den beiden Großstädten sicher, wodurch sukzessive die Standortbedingungen verbessert wurden, so dass sich außerhalb dieses Agglomerationsgürtels keine nennenswerten Privatinvestitionen ereigneten (Baron 1973: 40).
Arbeit zitieren:
Hayauchi Natsuho, 2002, Der Transformationsprozess der Raumordnungspolitik in Japan, München, GRIN Verlag GmbH
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