Natsuho Hayauchi Bonn, den 28. Oktober 1999 Japanologie, 3. Fachsemester
Proseminararbeit: Feudalismus als universalhistorisches Phänomen
Proseminar: Verfassungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte Japans
Wintersemester 1998/1999
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Feudalismuskonzeptionen und Rezeptionen 4
1.1. Die Feudalismuskonzeption bei Otto Hintze -
die sozio-historische Rezeption 4
1.2. Die Feudalismuskonzeption von Max Weber -
Feudalismus als Herrschaftsform 9
1.3. Die Feudalismusrezeption von Karl Marx -
Feudalismus aus historisch- materialistischer Sicht 12
2. Feudalismus-Diskussion in der DDR 14
Schlusswort 18
Literaturverzeichnis 19
2
Einleitung
Feudalismus ist ein Begriff, der in der geschichtlichen, wirtschaftlichen und soziologischen Forschung für kontroverse Meinungen sorgte. Daraus resultierte eine lang andauernde Diskussionsreihe. Das Hauptproblem bestand darin, dass es keine klare, eindeutige Definition des Begriffs und des Wesens des Feudalismus gab. Feudalismus wurde oftmals unter den engen Begriff des Lehnswesens gefasst. In der deutschen Mittelalter-forschung befasste man sich mit dem „Lehnswesen“ als rechtliches und politisches Phänomen. Das Interesse entstand während der Erforschung der Teilung des deutschen Reiches. Man führte die Zersplitterung auf ein dezentralisiertes Gesellschafts- und Herrschaftssystem zurück, was zur Tiefenforschung des Mittelalters, unter besonderer Berücksichtigung der sozialen und politischen Situation führte. Drei wesentliche Feudalismuskonzeptionen werden von Otto Hintze, Max Weber und den Marxisten-Leninisten vorgelegt. Die verschiedenen Auffassungen unterscheiden sich vor allem in der Betrachtungsweise des Feudalismus-Begriffs bzw. in der unterschiedlichen Vorgehensweise der jeweiligen Feudalismuskonzeptionen. Fundierte Analysen dieser Konzepte von Historikern, deren Arbeits- und Denkweise durch derzeitige Strömungen in der Wissenschaftswelt beeinflusst wurde, bildeten die vier wichtigsten Schulen der bürgerlichen Geschichtsschreibung. Sie geben die verschiedenen Rezeptionen von Feudalismus wieder. Die politisch-typologische, die sozialgeschichtliche, die formaljuristische und die west-deutsche „Gegenwartsschule“. In meiner Darstellung möchte ich weniger auf die einzelnen Schulen eingehen, viel mehr möchte ich die drei wesentlichen Feudalismuskonzeptionen vorstellen. Otto Hintze soll hier als Vertreter der politisch-typologischen Schule bzw. der sozio-historischen Rezeption fungieren. Max Weber repräsentiert eine konkrete Auffassung von Feudalismus als Herrschafts-form. Des weiteren werde ich kurz die Gedanken Karl Marx´ vorstellen, der die historisch-materialistische Betrachtungsweise vertritt. Schließlich werde ich zum Abschnitt: „Feudalismusdiskussion in der DDR“ überleiten. (Kuchenbuch: 199)
3
1. Feudalismuskonzeptionen und Rezeptionen
1.1. Die Feudalismuskonzeption bei Otto Hintze - die sozio-historische Rezeption
Für O. Hintze stellt sich Feudalismus zum einen „substantiell und statisch [...] als ein geschlossenes, in sich zusammenhängendes System von Einrichtungen“, und zum anderen „funktionell und dynamisch [...] als eine mehr oder minder vollständig sich auswirkende Tendenz, als ein typisches Prinzip der Staats- und Ständebildung“ dar (Hintze 1929: 13). Bei seiner Analyse bedient er sich einer Methode, die schon Max Weber in seinen Ausführungen verwendet hat, nämlich der „Typenbildung“. Durch die Beschreibung des „Idealtypus“ versucht er das Problem der begrifflichen Definition von Feudalismus zu umgehen. Der Idealtypus soll der „anschaulichen Abstraktion“ dienen, wobei weniger die Frage nach dem Wesen im Vordergrund steht, doch erscheint es ihm als notwendig für die weitere Vorgehensweise. Im wesentlichen konzentriert sich seine Arbeit auf zwei Fragestellungen: erstens, ob Feudalismus ein entwicklungsgeschichtliches Stadium ist, „welches jeder Staat oder jedes Volk einmal durchzumachen gehabt“ hat, und zweitens „ ob und mit welchen Gründen die Anwendung des Wortes ,Feudalismus’ oder ,Feudalstaat’ auch auf andere Völker und Kulturen gerechtfertigt werden“ können (Hintze 1929: 13). Hintze nimmt in seiner Arbeit ganz konkret Stellung zu Gedanken von Georg von Below, der seiner Meinung nach Feudalismus zu wenig auf die Funktionalität untersuchte und sich zu sehr auf das Deutsche Reich beschränkt habe.
Hintze sieht den Ursprung des Feudalismus in „der feudalen Verfassung des fränkischen Reiches und seiner Nachfolge- oder Nachbarstaaten“, also im „romanisch-germanischen Völkerkreis des Mittelalters.“. Im wesentlichen findet man drei charakteristische Züge im fränkischen Reich, von ihm abstammend das Deutsche Reich vor, die man als Vorbedingungen für den späteren Feudalismus kennzeichnen kann. Erstens, ein partikularistischer Zug, der nicht einer planmäßigen „Dezentralisation“ entspringt, sondern auf eine unvollständige Integration der einzelnen Reichsteile zu einem Staat zurückzuführen ist. Der Partikularismus bewirkte eine Art (Ver-)Teilung der Staatsgewalt zwischen Herrscher und Partikularobrigkeiten, eine „Teilung nicht nach Funktionen der Staatsgewalt [...], sondern nach ihrem Objekt, nach Land und Leuten[...]“ (Hintze 1929: 14). Zweitens, die Verdinglichung der Herrschaft. Herrschaft zu dieser Zeit ist persönlicher und nicht anstaltlicher Natur, was auf die germanische Auffassung von Herrschaft als
4
persönliches Recht zurückgeht. Die persönliche Herrschaft des Königs gewährt ihm eine hausherrschaftliche und grundherrschaftliche Machtstellung. Das ist vor allem in einer Zeit schlechter Verkehrsverbindungen, überwiegender Naturalwirtschaft und bei „Mangel rationaler anstaltlicher Einrichtungen“ möglich. „Das führt zur Verdinglichung der Herrschaft, statt zur Versachlichung wie beim modernen Staat. Die Verdinglichung aber bedeutet den traditionalistischen Patrimonialstaat, während die Versachlichung den rationalistischen Anstaltstaat bedeutet.[...] Hier liegt auch die Erklärung für jene eigentümliche Teilung der Staatsgewalt nach dem Objekt, nach den partes regni, statt nach den Funktionen: das eine ist patrimonial und traditionalistisch gedacht, das andere rational und anstaltlich.“ (Hintze 1929: 15)
Der dritte wesentliche Zug ist der hierarchische. Die Verbindung von Kirche und Staat ist sehr eng und die Grenzen zwischen der weltlichen und geistlichen Welt unklar. Der Staat gliedert sich in das hierarchische System der Kirche ein; „seine Ordnung ist von der Vorstellung beherrscht, dass alle Herrschergewalt von Gott stammt und den Inhabern nur leihweise übertragen ist auf verschiedenen Stufen.“ (Hintze 1929: 15). Der fränkische Staat beruhte nun auf der römisch-germanischen „Kultursynthese“, indem der germanische Wesenszug eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung zum Feudalismus spielte. Germanisch „ist vor allem der persönliche Charakter der politischen Herrschaft und der Herrschaftsmittel.“, nicht zu letzt wirkte sich dieses Prinzip in der Erblichkeit von Lehen aus. Römisch war vor allem die Verwaltungsorganisation in Form eines Beamtenstaates in dem die kirchliche Hierarchie zum tragen kam. Zur Ausbildung des romanisch-germanischen Feudalismus konnte es seiner Meinung nach nur durch konterkarierende Entwicklungen in den jeweiligen „Kulturkreisen“ kommen. Die antike Gesellschaft bewegte sich zurück in die Naturalwirtschaft mit allen Konsequenzen wohingegen sich eine progressive Bewegung der germanischen Sippen- und Stammesverfassung zu einer festen Staats- und Gesellschaftsordnung abzeichnete. Insbesondere das Zwischenstadium von der Stammes- zur Staatsordnung bewertet Hintze als ausschlaggebend für die endgültige Richtung hin zum Feudalismus als die Phase des großen Umbruchs. Für ihn stellt sich Feudalismus als ein dreidimensionales soziopolitisches System dar, bei dem alle Faktoren (Dimensionen) gegeben sein müssen.
1. Der militärische Faktor.
Es bildet sich ein berittener, „berufsmäßiger Kriegerstand“ aus, dessen Existenzgrundlage auf einem „typischen Privatvertrag“ beruht. Die Vasallität und das Benefizium bil-
5
Arbeit zitieren:
Hayauchi Natsuho, 1998, Feudalismus als universalhistorisches Phänomen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Max Weber und sein Bürokratiemodell
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 27 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Hayauchi Natsuho hat den Text Feudalismus als universalhistorisches Phänomen veröffentlicht
Hayauchi Natsuho hat einen neuen Text hochgeladen
Feudalismus in den Artusepopöen Hartmans von Aue?
Kritik der Schriften Otto Brun...
Thomas Lutz Schweier
Folk Religion in Japan Folk Religion in Japan Folk Religion in Japan: ...
Ichiro Hori, Alan L. Miller, Joseph Mitsuo Kitagawa
Productivity Growth in Japan and the United States Productivity Growth...
Charles R. Hulten
Revolution and Subjectivity in Postwar Japan Revolution and Subjectivi...
J. Victor Koschmann
Made in Japan: Revitalizing Japanese Manufacturing for Economic Growth
Japan Commission on Industrial, Japan Commission
Unbeaten Tracks in Japan: The Firsthand Experiences of a British Woman...
Isabella Lucy Bird
0 Kommentare