INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 3
2. Die Behavioral Finance Forschung unter Einfluss der Volition 4
2.1. Die Annahmen der Behavioral Finance Forschung 4
2.1. Der Prozess der Willensbildung 5
2.2. Handlungskontrolle nach Kuhl 6
3. Studien zur mentalen Determination 7
3.1. Einführung in die Neurowissenschaften - Visualisierte Denkprozesse 7
3.2. Unterschiedliche Strategien - unterschiedliche Auffassungen 8
3.3. Über die Antizipierbarkeit des Anlageverhaltens 9
3.4. Neuroökonomie: Das Ende des freien Willens? 11
4. Resümee 13
LITERATURVERZEICHNIS
ERKL ÄRUNG DES VERFASSERS
1. Einleitung
Die Motivationsforschung betrachtet in der Wirtschafts- und Sozialpsychologie die Ursachen konkreter Verhaltensweisen und lehnt an einer nahezu humanistischen Sicht an den menschlichen Willen an. Dennoch ist bis dato die Frage ungeklärt Ä>«@, ob zentrale VerhaltensPXVWHUDQJHERUHQRGHUHUOHUQWVLQG³(Fischer & Wiswede, 2002, S. 95). Auch wenn diese Frage ihren Ursprung in den sozialwissenschaftlichen Disziplinen hat, entstammen die jüngsten Versuche einer Beantwortung den Naturwissenschaften; Insbesondere der Neurobiologie. Diese naturwissenschaftliche Sicht auf den menschlichen Willen basiert auf biologisch gegebenen Determinanten menschlichen Verhaltens und deren Messbarkeit. Mit anderen Worten: Das Bild von dem souveränen Willen steht dem des prädiktiven Willens gegenüber. Dieser Analysetrend spiegelt sich in aktuellen Begebenheiten wider: War die Frage nach den Motiven krimineller Handlungen bisher psychologischer und soziologischer Natur, so wandelt sie sich jetzt in eine Ursachenforschung mit biologischem Ansatz. Gehirne von für schuldig befundenen Personen werden in internationaler Zusammenarbeit mittels der Computertomographie untersucht. Die zentralen Fragen lauten: Gibt es ein erkennbares Merkmal für kriminelles Verhalten? Ist eine Art innerer Zwang oder der freie Wille ausschlaggebend für die kriminelle Handlung?
Jüngste Untersuchungen zeigen auch, dass sich diese biologischen Determinanten des Willens im Bereich der Wirtschaftspsychologie anwenden lassen. Denn ökonomische Entscheidungen sind komplexe Entscheidungen und sollten daher in erster Linie rational getroffen werden (Roth, 2001, S. 453). Investitionen hängen beispielsweise von den verfügbaren finanziellen Mitteln, dem Vertrauen in das Investitionsobjekt und soziodemographischen Merkmalen ab. Aber nicht jede ökonomische Entscheidung ist erfolgsbringend; Manchmal sogar mit Verlusten verbunden. Daher ist die Frage nach den Auslösern und Katalysatoren solcher Investitionsentscheidungen von entscheidender Bedeutung.
Diese Seminararbeit beschäftigt sich daher mit der Abwägung, ob ökonomische Rationalität ihren Ursprung in bewusst getroffenen Entscheidungen oder möglicherweise in reflexhaften und messbaren Reaktionen hat. Daher soll der Behavioral Finance Forschung die deterministische Sicht auf den Willen zur Seite gestellt werden, um der Frage nachzugehen, ob menschliches Anlageverhalten ein Resultat der freien Willensbildung, der natürlichen Prädiktion oder vielleicht auch einer Interaktion beider Ansätze ist.
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2. Die Behavioral Finance Forschung unter Einfluss der Volition
In diesem Abschnitt werden wesentliche Grundlagen der Behavioral Finance Forschung und der Volitionspsychologie betrachtet und auf einen ökonomischen Kontext übertragen. Besonders die Theorie der Handlungskontrolle von Kuhl (1983) wird dabei Basis ökonomischen Verhaltens sein. Auf andere Ausführung der volitionalen Grundlagen wird im Zuge der Verständlichkeit nicht weiter eingegangen; Diese sind aber in einschlägiger Literatur umfassend vertreten.
2.1. Die Annahmen der Behavioral Finance Forschung
Die Behavioral Finance Forschung ist ein Teilbereich der Kapitalmarktforschung und legt den Fokus auf die psychologischen Komponenten von individuellen Anlageentscheidungen. Eine der Kernaussagen der Behavioral Finance Forschung ist, dass menschliches Verhalten selbst in ökonomisch rationalen Kontexten Urteilsfehlern unterliegen kann (Wiswede, 2007, S. 184). Heuristiken sind ein eindringliches Beispiel solcher Urteilsfehler. Ausschlaggebend für dieses Verhalten ist die menschliche Empfänglichkeit für plausibel erscheinende Assoziationen in unsicheren Entscheidungssituationen. So wird beispielsweise in einem Glücksspiel mit einer überhäufigen Abfolge roter Spielkarten dazu tendiert, im nächsten Zug ebenfalls die Farbe Rot zu antizipieren. Mit anderen Worten: Menschen können trotz einer besseren Kenntnis mittels ihrer Wahrnehmung zu falschen Schlussfolgerungen gelangen. Praktisch gesehen bedeutet dies, dass Personen nur unter Umständen rationale Entscheidungen treffen können. Ein weiteres Beispiel ist das zyklische Anlegerverhalten: Obwohl die rationale Maxime auf Kapitalmärkten gemäß dem antizyklischen Anlegerverhalten einen Einkauf zu niedrigen und einen Verkauf zu hohen Kursen nahe legt, entspricht das überwiegende Verhalten der Anleger dem zyklischen Verlauf der Kurse. So wird in steigende Kurse investiert, obwohl diese ihren maximalen Anstieg möglicherweise bereits hinter sich gelassen haben, so dass keine weiteren Gewinne mehr zu erwarten sind. Umgekehrt werden fallende Kurse aus dem Portfolio entfernt, so dass diese keinen Gewinn mehr abgeben konnten. In beiden Beispielen wurden rationale Denkprozesse durch irrationale Annahmen ersetzt. Überspitzt formuliert lautet diese Annahme, das handelnde Individuum wisse es besser als die eigene Vernunft. Doch woher kommt diese Irrationalität? Es bleibt zu untersuchen, in welcher Art sich die Verhaltensstrategien von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Anlegern unterscheiden, oder ob erfolgreiche Anleger unter Umständen nur ein Zufallsprodukt sind.
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Weiterhin ist die Frage interessant, ob vielleicht die individuellen Unterschiede der Anleger, in physiologischer und psychologischer Hinsicht, das Anlageverhalten determinieren. Vielleicht neigen spezifische Individuen erhöht zu einem irrationalen Verhalten. Ähnlich wie in der Kriminalpsychologie und Neurobiologie ließe sich ein Zusammenhang zwischen physiologischer Ausprägung des Gehirns und psychologischer Struktur der Handlungsorientierungen untersuchen. Um dieser Frage nachzugehen, ob Personen ihre Anlagestrategien souverän und bewusst bedenken, oder ob die Art der Entscheidungsfindung, oder gar die Entscheidung selbst, bereits festgelegt sind, wird im nächsten Abschnitt der Prozess der Willensbildung, die Volition, behandelt.
2.2. Der Prozess der Willensbildung
Volition lässt sich am ehesten mit einem Beispiel beschreiben: Wenn sich ein Individuum entschließt, seine Ernährung auf eine gesündere Basis umzustellen, dann werden alle kognitiven Prozesse, Strategien und Handlungen, die dieser Umsetzung dienlich sind, als volitional bezeichnet. Somit beschreibt Volition die komplexe Aufgabe, das eigene Verhalten bewusst, also durch den eigenen Willen, zu steuern (Fischer & Wiswede, 2002, S. 123). An dem oben genannten Beispiel wird deutlich, dass Volition auch darauf abzielt, die Ausführung dominanter Verhaltensreaktionen zu beeinflussen. Dominante Verhaltensreaktionen kennzeichnen sich durch die Ähnlichkeit der Handlungen und werden meistens spontan aufgerufen; Beispielsweise die Suche nach dem Lichtschalter an einer vertrauten Position beim Betreten eines dunklen Raums.
Gerade die Möglichkeit der Volition ist ein Ausdruck für den freien Willen von Personen; Und doch liegt zwischen der Motivation und der daraus resultierenden Handlung oftmals eine nicht unwesentliche Diskrepanz. Gescheiterte Vorsätze von Personen sind Ausdruck dieser Diskrepanz. Darum ist die Stärke der Intention für den Prozess der Willensbildung nicht unerheblich. Sie bestimmt die Möglichkeit, für die beabsichtigte Handlung die nötigen Ressourcen zu mobilisieren und Anstrengungen in die richtige Richtung zu lenken. Darüber hinaus gilt ein weiteres Kriterium für die Intention im Prozess der Willensbildung: Die Abrufbarkeit. Wenn die Intention nicht stark genug internalisiert wurde, dann kann sie schlichtweg vergessen werden. Zur Verdeutlichung kann man in einem kleinen Selbstexperiment versuchen, sich an seine letzten Neujahresvorsätze zu erinnern. Weiterhin können situative Faktoren neue Präferenzen schaffen, so dass die Intention unerheblich oder vermindert wird.
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Arbeit zitieren:
Dennis Klinkhammer, 2008, Neurobiologische Determinanten der Volition: Einfluss auf die Behavioral Finance Forschung, München, GRIN Verlag GmbH
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