Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 2
2. Wirtschaftsgeschichtliche Einordnung 3
3. Polarisationstheoretische Ansätze 4
3.1 Polarisation versus Neoklassik 4
3.2 Das sektorale Wachstumspolkonzept von PERROUX 6
3.3 Regionale Polarisation 9
3.3.1 Polarisationshypothesen von HIRSCHMAN 9
3.3.2 Prinzip der zirkulär kumulativen Verursachung nach MYRDAL 11
3.4 Weiterentwicklungen 12
3.5 Zusammenfassung und Bewertung 15
4. „New Economic Geography“ 16
4.1 Zwei-Regionen-Modell von KRUGMAN 17
4.2 Zusammenfassung und Bewertung 21
Quellenverzeichnis 22
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1. Einleitung
Jeder Mensch fragt sich irgendwann in seinem Leben: möchte ich in einer Stadt oder auf dem Land leben? Möchte ich in einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum, oder in der bedächtigen und ruhigen Peripherie leben? Möchte ich die neueste Handytechnik besitzen oder reicht mir mein Festnetz? …
Diese privaten und sehr subjektiven Fragen spiegeln allerdings das Thema dieser Arbeit wider. Es gibt nun einmal im Raum (sei es ein Kontinent, ein Land, oder eine Region) keine gleichen Lebensbedingungen für alle Individuen. Der von der neoklassischen Wirtschaftstheorie beschriebene Gleichheitsmechanismus, wird in der Realität nirgends zu finden sein. Aufgrund empirischer Untersuchungen hat sich als Gegenbewegung zur Neoklassik die Polarisationstheorie entwickelt. Und aus ihren Ideen und Begrifflichkeiten die „New Economic Geography“ bedient. Diese beiden Theorien, oder zumindest theoretischen Ansätzen zur Regionalökonomik, werden in dieser Arbeit näher beschrieben und bewertet. Zunächst wird es eine kurze geschichtliche Einordnung beider Theorien geben, bevor dann im 3. Kapitel die polarisationstheoretischen Annahmen denen der neoklassischen gegenüber gestellt und letztendlich die wichtigsten Wissenschaften von PERROUX, HIRSCHMAN und MYRDAL erläutert werden. Im 4. Kapitel wird die vom Ökonomen Paul KRUGMAN entwickelte „New Economic Geography“ vorgestellt, die allerdings anders als der Name vermuten ließe eine neue neoklassische Wirtschaftstheorie darstellt, die im Grunde starke Ähnlichkeiten zur Polarisationstheorie aufweist, wenngleich differenzierte Betrachtungen zum Verständnis nötig sind.
Diese Arbeit bietet einen kleinen zusammenfassenden Einblick in zwei regionalökonomische Wirtschaftstheorien und ihren Weiterentwicklungen, die heute mehr denn je Anklang in der politischen Praxis finden.
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2. Wirtschaftsgeschichtliche Einordnung
Um diese beiden Theorien in den wirtschaftsgeschichtlichen Kontext einordnen zu können, wird in diesem Kapitel eine Übersicht zu den wichtigsten Wirtschaftstheorien gegeben. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts (Jh.) war die Wirtschaftsgeographie eine länderkundliche Beschreibung und Dokumentation. Die klassische Nationalökonomie wurde von Adam SMITH begründet und gilt erstmals als eigenständige Wissenschaftsdisziplin, die eben vor allem die Ökonomien der Nationalstaaten untersucht. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wandelte sich diese Wissenschaft. Es trat immer mehr das räumliche Verteilungsmuster von landwirtschaftlichen Produkten und anderen Rohstoffen in den Vordergrund und wie Produkte im internationalen Warenaustausch gehandelt werden. Nachdem also die Marxistische Wirtschaftstheorie die klassische Nationalökonomie ab ca. 1850 ablöste, wurden die „kapitalistische Gesellschaft“ und ihre ökonomische Funktionsweise untersucht. Etwa zwanzig Jahre später trat die Neoklassische Theorie in den Mittelpunkt der Wirtschaftswissenschaften und dominiert das ökonomische Denken bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Nachdem der Keynesianismus für einige Jahrzehnte eine dominierende Rolle einnahm, erlebte die Neoklassik in den 1970er Jahren eine Renaissance. Die Wirtschaftswissenschaftler des 20. Jh. beschäftigen sich also nun mehr mit dem Wirtschaftsraum. Es wurden zunächst modelltheoretische Ansätze zur allgemeinen Erklärung von Standorten und räumlicher Verteilung wirtschaftlicher Aktivitäten entwickelt, bevor in der zweiten Hälfte des 20. Jh. auch funktionale, verhaltenstheoretische und wohlfahrtstheoretische Ansätze die Wirtschaftswissenschaft bewegte. Die dominierende Wirtschaftstheorie der Neoklassik hatte allerdings auch viele Kritiker, sodass sich als eine Art Gegendarstellung die Polarisations-Ansätze entwickelten (siehe Kapitel 3.1). Die eigentliche Wirtschaftsförderung oder Regionalentwicklung, die über staatlich föderative Grenzen der Bundesländer hinausgeht, entstand erst nach dem Wirtschaftsboom der 1960er Jahre. Die anschließende Wirtschaftskrise im Bergbau in Westdeutschland machte es erstmals erforderlich, dass der Staat durch eine Zonenrandgebietsförderung die Wirtschaft länderübergreifend unterstützte. In den 1970er Jahren kam es zu einer gezielten Wirtschaftsförderung bestimmter Regionen, obwohl ein ausreichendes Wirtschaftswachstum vorhanden war. Dies förderte natürlich regionale Unterschiede. Nachdem es zur Krise des Fordismus (also der Massenproduktion) kam, entwickelte sich im Postfordismus die Ansicht, dass eine bestimmte Produktvielfalt wettbewerbsfähiger ist, als die pure Massenproduktion. Als dann die „Wende“ ein völlig neues staatliches System mit sich brachte, kam es zu einer starken Globalisierung. Die zunehmende Selektivität der Wirtschaftsräume spielte eine immer
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größere Rolle. Somit verlor der Staat an Bedeutung durch einen starken Handlungsverlust und die Regionen, als Wirtschaftsraum, gewannen an Wert. In den 1990er Jahren begründete der Ökonom Paul KRUGMAN die „New Economic Geographie“, als eine Art „2. Neoklassische Theorie“ und griff dabei auf einige Ideen und Begriffe der Polarisationstheoretiker zurück (siehe Kapitel 4). Es rückten also regionale Unterschiede immer mehr in den Blickpunkt der Wirtschaftswissenschaftler. Die nachfolgenden Kapitel erläutern polarisationstheoretische Ansätze und die „New Economic Geography“, als Theorien zur Erklärung differenzierter Regionalentwicklung.
3. Polarisationstheoretische Ansätze
Die Polarisationstheorie, welche Regionalentwicklung zum Forschungsobjekt macht, ist eine Ansammlung vieler Wissenschaften, die sich sowohl mit sektoralen wie auch mit räumlichen Ungleichgewichten/Disparitäten auseinandersetzen. Es wurde also nach Erklärungen abgelaufener Entwicklungen gesucht und versucht Strategien zur Initiierung des Entwicklungsprozesses zu erarbeiten. Dabei spielten sowohl Regionen der Entwicklungsländer, zunehmend aber auch der Industrieländer eine wichtige Rolle bei empirischen Untersuchungen und Erklärungsansätzen.
Zunächst von einander unabhängige Wissenschaften, wie das Wachstumspolkonzept von PERROUX, der die sektorale Polarisation untersuchte, und die Analysen regionaler Entwicklungsgefälle von HIRSCHMAN und MYRDAL, der das Prinzip der zirkulär kumulativen Verursachung entdeckte, sind später durch teils ältere Theorien, wie zum Beispiel die Zentrale-Orte-Theorie, weiterentwickelt wurden (Schilling-Kaletsch, S. 1ff).
3.1 Polarisation versus Neoklassik
All zu natürlich ist es nur, dass neue Ideen immer kritisch beäugt werden, weil nicht zuletzt Jeder im großen Spiel der Konzeptentwicklung mitwirken will. Demzufolge erlebte auch die Neoklassische Theorie ihre Kritiker. Neben dem Hauptkritikpunkt der inhärenten Tendenz zur gleichgewichtigen Wirtschaftsentwicklung im Raum, steht die Implikation, dass sich die Wirtschaftspolitik nicht in den Wirtschaftsprozess einmischen soll, sondern lediglich die Aufgabe hat die Funktionsfähigkeit des Marktmechanismus zu gewährleisten. Die folgende Tabelle 1 liefert eine Gegenüberstellung zweier gegensätzlicher Theorien.
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Tab. 1: Unterschiede theoretischer Erklärungsansätze des regionalen Wirtschaftswachstums.
Der theoretischen Annahme der Gleichgewichtstendenz der Neoklassik steht die Erfahrung gegenüber, dass im Wirtschaftsraum sowohl prosperierende als auch stagnierende oder schrumpfende Sektoren/Regionen nebeneinander auftreten. Durch empirische
Untersuchungen (induktive Ableitung) des Wachstums der Entwicklungsländer und benachteiligter Regionen in Mitteleuropa oder bestimmter Problemsektoren der Wirtschaft (z.B. Landwirtschaft, Schwerindustrie) kamen Zweifel an der Ausgleichsfunktion des Marktes auf. Dementsprechend gibt es Unterschiede in der Arbeitslosigkeit, dem Lohnniveau und der Produktpreise, die eben nicht einem Ausgleichsprozess unterliegen und sich dem Durchschnitt annähern, sondern ungleichgewichtige und divergierende Entwicklungspfade beschreiben.
Allen Argumenten der Polarisationstheoretiker stehen folgende Annahmen zu Grunde, die von MAIER, TÖDTLING und TRIPPL in ihrem Buch Regional- und Stadtökonomik 2 in drei Punkten zusammengefasst wurden.
• Produktionsfaktoren werden als heterogen und zumindest teilweise immobil angesehen. Dadurch können sie nicht vollständig substituiert werden, wodurch eine Tendenz zum Ausgleich von Faktorpreisen behindert wird.
• Die Märkte sind nicht durch vollständige Konkurrenz, sondern durch Monopole, Oligopole und Externalitäten geprägt.
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Arbeit zitieren:
Michael Wenzel, 2009, Polarisationstheoretische Ansätze und New Economic Geography, München, GRIN Verlag GmbH
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