Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Rilkes Begegnung mit dem Künstler Rodin. 4
3 Die Auswirkungen Rodins und seiner Kunst auf Rilke und dessen Dichtung. 5
3.1 Die Neuen Gedichte und Der neuen Gedichte anderer Teil 6
4 Der „Archaische Torso Apollos“ 8
5 “Pietà “Christus und Magdalena 11
6 Schluss. 14
7 Anhang 15
7.1 “Archaischer Torso Apollos 15
7.2 “Pieta 15
7.3 “Christus und Magdalena 16
8 Literaturverzeichnis. 17
2
1 Einleitung
Den Hauptgegenstand dieser Hausarbeit soll die Wirkung des französischen Bildhauers Auguste Rodin auf den deutschen Dichter Rainer Maria Rilke darstellen. „Die Beziehung ist auf jeden Fall einzigartig und eher der Mentalität der Klassiker verwandt, etwa dem Goetheschen ‘Gegen große Vorzüge eines anderen gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe‘, als der von Zeitgenossen wie Thomas Mann oder Gottfried Benn.“ 1 In welcher Beziehung stand Rodin zu Rilke und wie äußerte sich diese in seinem dichterischem Werk zu Beginn des 20. Jahrhunderts? Inwieweit gewann die Kunst Rodins Einfluss auf den empfindsamen Dichter, welchem eine „Rodin-Besessenheit“ 2 zugeschrieben wurde? Diese Wirkung zeigt sich vor allem in den Neuen Gedichten und Der neuen Gedichte anderer Teil, welche an jeweils einem Beispiel aus diesen Gedichtbänden hier aufgezeigt werden soll.
Als Nachweis sollen dabei insbesondere die Werke „Archaischer Torso Apollos“, aus Der neuen Gedichte anderer Teil und „Pietà“, aus den Neuen Gedichten, bei welchem Rodins Skulptur „Christus und Magdalena“ als Vorbild diente, untersucht werden. „In Rilkes dichterischem Werdegang bedeutete die Aufnahme, Deutung und Umdeutung von Rodins neuer Plastik einen ersten Höhepunkt. Das Bildwerk aus Stein - der psychisch und physisch nackte Körper - sprach mit der Stimme von Mund und Gesicht. Rodin übersetzte Geschichten von Menschen in festes Material: antike Sagen, Dantes Inferno, Szenen aus Baudelaires Fleurs du Mal -, und Rilke zog seine Lehren daraus.“ 3
1 Wolfgang Leppmann: Rilke. Sein Leben, seine Welt, sein Werk. 2.Auflage. Bern und München: Scherz 1993. S.255.
2 Ralph Freedman: Rainer Maria Rilke. Der junge Dichter 1875 bis 1906. Frankfurt am Main und Leipzig: Insel 2001. S.268.
3 Ebd. S.258f.
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2 Rilkes Begegnung mit dem Künstler Rodin
Im Frühjahr 1902 erhält Rainer Maria Rilke den Auftrag eine Monographie über Auguste Rodin zu verfassen, dieser lädt ihn nach einer schriftlichen Anfrage Rilkes freundlich zu ihm nach Meudon bei Paris ein. „Das ist der Auftakt zu einer Freundschaft, an deren Wechselfällen sich eine ganze Phase in Rilkes Leben verfolgen läßt. Rilke hat von Rodin sehr viel, Rodin von Rilke fast nichts zu lernen. Der eine, siebenundzwanzig Jahre alt, ist ein noch wenig gelesener und in Paris völlig unbekannter Dichter, der andere, zweiundsechzig, ein seit langem berühmter Bildhauer […] Auch Rilke bewundert ihn von Anfang an und wird in seiner Verehrung des Künstlers selbst dann nicht schwankend, als der Mensch Rodin in seinen Augen an Statur einbüßt.“ 4
Es stößt auf Verwunderung, dass Rilke, an dieser entscheidenden Wendephase seines Lebens, einen berühmten französischen Bildhauer als Mentor wählt und nicht etwa einen bekannten deutschen Dichter.
Rilke lernt nicht nur Rodins Familie kennen, er erhält außerdem einen Einblick in dessen künstlerisches Schaffen. „Die große Halle mit den ‘weißen, blendenden Figuren‘ ist ‘ein ungeheuer großer und seltsamer Eindruck‘. Übergroß dünkt ihn hier alles: ‘Man sieht, noch ehe man eingetreten ist, daß alle diese hundert Leben ein Leben sind‘.“ 5 Rilke trifft Rodin beinah täglich und nimmt eine verehrende geradezu demütige Haltung ihm gegenüber ein. Sie betreiben jahrelang einen regen Briefwechsel, wobei Rilkes Briefe immer sehr gefühlsbeladen und ehrerbietig klingen und das trotz seiner anfänglich starken Sprachprobleme, wogegen Rodins Briefe eher knapp und hart erscheinen. In einem Brief fragt Rilke Rodin wie man leben müsse und seine Antwort lautete immer: Mit harter Arbeit. In Rodin sieht er den einzigen Menschen der sich in vollem Gleichgewicht und mit ganzer Kraft in seinem Werk auferbaue.
Somit wird durchaus ersichtlich, dass Rodin eine starke Veränderung in Rilke hervorrief, beispielsweise der unentwegte Wille zur Arbeit. Rodin forderte von ihm ständige Arbeit und nicht mehr das sehnsüchtige Warten auf Inspiration. Auch bei der von Rilke eingeführten Dingdichtung, spielte Rodins Einfluss eine tragende Rolle.
Rainer Maria Rilke hält einige Rodin-Vorträge und ist geraume Zeit als dessen Privatsekretär tätig, bis dieser ihn 1906 aufgrund eines Missverständnisses schroff entlässt. „Gleichwohl ist der Bruch vollständig, auch wenn Rodin die Verbindung im nächsten Jahr wieder anknüpft.“ 6
4 Leppmann: Rilke. Sein Leben, seine Welt, sein Werk. S.203.
5 Else Buddeberg: Rainer Maria Rilke. Eine innere Biographie. Stuttgart: Metzler 1955. S.62.
6 Leppmann: Rilke. Sein Leben, seine Welt, sein Werk. S.256f.
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3 Die Auswirkungen Rodins und seiner Kunst auf Rilke und dessen Dichtung
Die Begegnung mit Rodin vermittelte Rilke Sinn für Körperlichkeit und Gegenständlichkeit, für Ausdruck und Formung, sowie für Dasein und Arbeit.
„Rilkes Reise zu Rodin nach Paris war eine Reise über mehrere Grenzen hinweg: Zum einen wurden damit die Grenze zwischen zwei Kunstbereichen überschritten und die Grundregeln und -erkenntnisse der einen für die andere Disziplin als verbindlich erklärt.“ 7 „In den Strömen und Gegenströmen von Rodins Kunst fand er Konflikte gespiegelt, die seine eigene Psyche und Arbeit in ähnlicher Weise verfolgten. […]. Unter dem Einfluß von Paris und Meudon hat Rilkes Leistung trotz seelischer Belastung ein bedeutend höheres Niveau erreicht.“ 8
Rilke meinte Rodin habe ihn sehen, folglich auf eine andere objektivere Art wahrnehmen gelehrt. Somit trat nun ein Verlust der Subjektivität in Rilkes Werk ein. Doch dabei verlor sich auch das Gefühl einer romantischen Einbezogenheit, welche die bisherige Quelle seiner lyrischen Inspiration darstellte.
Rilke absolvierte bei seinem Meister eine strenge Schule des Sehens. Dies geschah vor allem anhand der griechischen Antike und den Kathedralen des Mittelalters, doch besonders an den Skulpturen Rodins. „Das ‚Schauen‘, das genaue, nach außen gewendete, der Wirklichkeit der ‚Dinge‘ zugekehrte Wahrnehmen wurde ihm so zu einem wesentlichen Bestandteil des dichterischen Aktes. Vor allem aber orientierte sich Rilke an Rodins Ästhetik des plastischen Kunstwerks mit ihrem Prinzip der Selbstständigkeit und Abgeschlossenheit nach außen. Eben hier gewann er seinen Begriff des ‚Kunst-Dings‘ als Steigerung und Überbietung der Dinge in der Natur.“ 9
„Rilkes Deutung drängt die allegorischen Aspekte von Rodins Werk in den Hintergrund. Statt bestimmten mythologischen Figuren als Bedeutungsträgern erkennt er in Skulpturen Gebärden, in denen sich das Leben als solches ausspricht. Eine Plastik, die ‘sich auf sich selbst besinnt‘, darf nicht literarisierend Bedeutungen in ihre Körper einschreiben, sondern muß sich an deren Oberflächen halten. Dort kann sie das Leben zeigen, statt nur von ihm zu sprechen.“ 10
7 Rainer Maria Rilke/ Auguste Rodin. Der Briefwechsel und andere Dokumente zu Rilkes Begegnung mit Rodin. Hrsg. von Rätus Luck. Frankfurt am Main und Leipzig: Insel 2001. S.17f.
8 Freedman: Rainer Maria Rilke. Der junge Dichter 1875 bis 1906. S.255.
9 Manfred Engel, Ulrich Fülleborn: Rainer Maria Rilke. GEDICHTE 1895 bis 1910. Band 1. Frankfurt am Main und Leipzig: Insel 1996. S.906 f.
10 Michael Kahl: Lebensphilosophie und Ästhetik. Zu Rilkes Werk 1902-1910. Freiburg im Breisgau: Rombach 1999. S.114f.
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Arbeit zitieren:
Rebecca Tille, 2007, Die Wirkung Auguste Rodins auf Rainer Maria Rilke – am Beispiel der Werke „Archaischer Torso Apollos“ und „Pietà“, München, GRIN Verlag GmbH
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