

Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - II Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
im Geschäftsbericht 2001 der Siemens AG
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - III Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
Vorwort
Mit der vorliegenden Arbeit beende ich das Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Konstanz. Auf diesem Weg - vom Elektroniker zum Kaufmann - haben mich eine Reihe von Menschen begleitet und unterstützt. Dafür möchte ich mich in erster Linie bei meinen Eltern und Großeltern bedanken. Mein besonderer Dank gilt außerdem Ingrid Hausmann.
Die Optimierung des Bestehenden ist ein Grundproblem in der Betriebswirtschaftslehre. Damit verbunden ist immer auch ein Wandel. Die Bewältigung des Wandels unter ausdrücklicher Berücksichtigung von menschlichen Werten ist eine Herausforderung, der ich mich zukünftig stellen möchte. Die Lehrenden an der Fachhochschule Konstanz haben mir vermittelt, dass nicht immer alles gut ist, was möglich erscheint.
In diesem Zusammenhang möchte ich mich für die aktive Unterstützung im Rahmen der Erstellung dieser Arbeit bei Herrn Prof. Dr. Kröner, Herrn Trebes und Herrn Egbring bedanken.
Konstanz, im Januar 2002 Tobias Tissberger
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation -
IV
Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
Inhaltsverzeichnis
Vorwort III
Inhaltsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VIII
Tabellenverzeichnis. IX
Formelverzeichnis X
Abkürzungsverzeichnis XI
1 Einführung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung 2
1.3 Vorgehensweise. 2
1.4 Abgrenzung des Themas 3
2 Theoretische Aufarbeitung der Problemstellung 5
2.1 Kostenmanagement mit der Prozesskostenrechnung 5
2.1.1 Grundlagen des Kostenmanagements 5
2.1.2 Kostenermittlung und Kostenverteilung. 7
2.1.2.1 Kostenermittlung mit der Kostenarten- und
Kostenstellenrechnung 8
2.1.2.2 Kostenverteilung in der Leistungskalkulation 8
2.1.2.3 Systematisierung der Prozesskostenrechnung. 10
2.1.3 Kostenanalyse und Kostengestaltung mit der
Prozesskostenrechnung. 13
2.2 Organisation. 15
2.2.1 Aufbauorganisation - Gebildestruktur 16
2.2.1.1 Aufgabenanalyse 16
2.2.1.2 Aufgabensynthese 16
2.2.1.3 Organisationseinheiten 17
2.2.1.4 Organisationsformen. 18
2.2.2 Ablauforganisation - Prozessstruktur. 24
2 2 2 1 Arbeitsanalyse 24
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation -
V
Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
2.2.2.2 Arbeitssynthese 24
2.2.2.3 Prozessorganisation 24
2.2.2.4 Organisationsformen. 25
2.2.3 Zusammengefasste Darstellung der Organisationsformen der
Aufbau- und Ablauforganisation 26
2.3 Interdependenzen zwischen Kostenmanagement und
Organisation. 27
2.3.1 Interdependenzen aus Sicht des Kostenmanagements 27
2.3.1.1 Einfluss der Kostenermittlung auf die Organisation 27
2.3.1.2 Zusammenhang zwischen der Kostenverteilung mit
der Zuschlagsrechnung und der Organisation 28
2.3.1.3 Zusammenhang zwischen der Kostenverteilung mit der
Prozesskostenrechnung und der Organisation 29
2.3.1.4 Kostenanalyse und Kostengestaltung mit der
Prozesskostenrechnung in der Aufbauorganisation. 31
2.3.2 Interdependenzen aus Sicht der Aufbauorganisation. 32
2.3.2.1 Schnittstellenidentifikation mit dem Prozess-
Organisations-Diagramm (PO-Diagramm) 33
2.3.2.2 Schnittstellenreduzierung mit dem Input-Process-
Output-Diagramm (IPO-Diagramm) 34
2.3.3 Gegenüberstellung von Thesen zu den Interdependenzen
aus der Literatur 35
2.3.4 Konsequenzen der Interdependenzen zwischen der
Prozesskostenrechnung und der Aufbauorganisation 37
2.4 Prozessmanagement als Bindeglied zwischen Kostenrechnung
und Organisation 39
2.4.1 Organisatorische Implementierung des Prozessmanagements 39
2.4.1.1 Organisationsformen im Prozessmanagement 40
2.4.1.2 Organisatorische Institutionen im Prozessmanagement 43
2.4.2 Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements 44
2 4 2 1 Kundenzufriedenheit 45
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation -
VI
Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
2.4.2.2 Prozesszeit und Termine 46
2.4.2.3 Prozessqualität 49
2.4.2.4 Prozesskosten 51
2.4.3 Prozesssteuerung 52
2.4.4 Widerstände bei Reorganisationen 54
2.5 Kriterienkatalog für die Beschreibung und Analyse des
Untersuchungsgegenstands sowie die Gestaltungsempfehlung. 55
2.5.1 Kriterien für die Beschreibung und Analyse des
Untersuchungsgegenstands. 55
2.5.2 Kriterien für die Gestaltungsempfehlung 56
3 Beschreibung und Analyse des Untersuchungsgegenstands 57
3.1 Vorstellung des Unternehmens Siemens Dematic AG 57
3.1.1 Kostenmanagement bei der SD EA 58
3.1.2 Organisation der SD EA. 59
3.2 Die Beschaffung bei der SD EA 63
3.2.1 Kostenmanagement in der Beschaffung 63
3.2.1.1 Ermittlung und Verteilung der Beschaffungskosten 64
3.2.1.2 Analyse und Gestaltung der Beschaffungskosten 64
3.2.2 Organisation der Beschaffung. 66
3.2.2.1 Die Gebildestruktur der Beschaffung 66
3.2.2.2 Die Prozessstruktur der Beschaffung. 68
3.2.2.3 Zusammengefasste Darstellung der Organisation der
Beschaffung. 69
3.3 Analyse der Interdependenzen zwischen dem Kostenmanagement
mit der Prozesskostenrechnung und der Aufbauorganisation
in der Beschaffung. 70
3.3.1 Interdependenzen aus Sicht des Kostenmanagements in der
Beschaffung 70
3.3.2 Interdependenzen aus Sicht der Aufbauorganisation in der
Beschaffung 71
3 3 2 1 Anwendung des PO-Diagramms auf die Beschaffung 72
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation -
VII
Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
3.3.2.2 Anwendung des IPO-Diagramms auf die Beschaffung 73
4 Gestaltungsempfehlung - Prozessmanagement in der Beschaffung 78
4.1 Schlussfolgerungen aus der Analyse des
Untersuchungsgegenstands. 78
4.1.1 Anpassungen im Kostenmanagement. 78
4.1.2 Anpassung der Aufbauorganisation 80
4.2 Stellgrößen im Beschaffungsprozess -
Prozessmanagement mit der Balanced Scorecard 83
4.2.1 Kundenorientierung und Zufriedenheit 84
4.2.2 Prozesszeit und Termine in der Beschaffung. 85
4.2.3 Prozessqualität in der Beschaffung 86
4.2.4 Prozesskosten in der Beschaffung 87
4.2.5 Implementierung zusätzlicher Kennzahlen. 87
5 Schlussbemerkung 89
Literatur 91
Anhang 95
Ehrenwörtliche Erklärung 96
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation -
VIII
Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Leitfaden durch die Arbeit
Abbildung 2: Bestandteile des Kostenmanagements und deren
Bedeutung
Abbildung 3: Aufbau- und Ablauforganisation.
Abbildung 4: Schema der funktionalen Organisation.
Abbildung 5: Schema der divisionalen Organisation
Abbildung 6: Schema der Matrixorganisation
Abbildung 7: Prozessorientierte Organisationsformen.
Abbildung 8: Ausschnitt eines Produktdefinitionsprozesses,
dargestellt mit dem PO-Diagramm.
Abbildung 9: Wertschöpfungskette nach Porter.
Abbildung 10: Prozess-Funktion-Matrix
Abbildung 11: BSC zur integrativen Prozessteuerung und
Strategieumsetzung
Abbildung 12: Regelkreis zur Steuerung von Prozessen.
Abbildung 13: Geschäftsgebiete der Siemens Dematic AG 2001.
Abbildung 14: Organisatorische Implementierung der PBs
Abbildung 15: Beteiligte Stellen im Beschaffungsprozess
Abbildung 16: Gebildestruktur der Beschaffung
Abbildung 17: Verantwortung im Beschaffungsprozess.
Abbildung 18: PO-Diagramm zur Schnittstellenidentifikation.
Abbildung 19: Gestaltungsempfehlung: Aufbauorganisation der
Beschaffung
Abbildung 20: BSC für die Beschaffung
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation -
IX
Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Durchgeführte Anpassung der Organisationsstruktur 30
Tabelle 2: Grad der Prozessverantwortung 30
Tabelle 3: Muster des IPO-Diagramms. 34
Tabelle 4: Funktionen und Kostentreiber 64
Tabelle 5: Organisatorische Merkmale der Beschaffung 67
Tabelle 6: Funktionsziele und Kostenwirkung. 70
Tabelle 7: Erster Schritt: Die Eingangstabelle für die IPO-Darstellung 74
Tabelle 8: Zweiter Schritt: IPO-Matrix mit eingetragenen Daten. 75
Tabelle 9: Dritter Schritt: Cluster-Bildung 76
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation -
X
Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
Formelverzeichnis
Formel 1: Kundenbeanstandungen als Indikator für Kundenzufriedenheit 46
Formel 2: Zeiteffizienz eines Prozesses 47
Formel 3: Statistische Zykluszeit 47
Formel 4: Ermittlung der Termintreue 48
Formel 5: Messung der Prozessqualität mit dem FPY. 50
Formel 6: Ermittlung der Fehlerrate 50
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - XI Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
Abkürzungsverzeichnis
# Anzahl AG Aktiengesellschaft BAB Betriebsabrechnungsbogen Banf Bestellanforderung BPR Business Process Reengineering BSC Balanced Scorecard Bsl Bruchsal bspw. beispielsweise
Bz Bearbeitungszeit bzw. beziehungsweise ca. cirka D Daten d.h. das heißt E Erzeugung e Ergebnis EA Electronic Assembly Systems EA 1, 2, 3, 4 Geschäftszweige der EA EK Einkauf ERP Eingangsrechnungsprüfung ff fortfolgende FGK Fertigungsgemeinkosten fhP fehlerhaftes Prozessergebnis fP fertiggestellte Prozessergebnisse fPoN fertiggestellte Prozessergebnisse ohne Nacharbeit fPoT fertiggestellte Prozesse ohne Terminverzug FPY First Pass Yield FR Fehlerrate FuE Forschung und Entwicklung G Gebrauch
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - XII Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
ggf. gegebenenfalls GJ Geschäftsjahr GZ Geschäftszweig IMS Integriertes Management System IPO-Diagramm Input-Process-Output-Diagramm IPO-Matrix Matrix zur Erstellung des IPO-Diagramms Kb Kundenbeanstandungen Kzf Kundenzufriedenheit Ltg. Leitung MA Mitarbeiter Mch München MEK Materialeinzelkosten MGK Materialgemeinkosten Mio. Million P P r o z e s s PB Product Board Pdz Prozessdurchlaufzeit
PE PK PM Product Management PO-Diagramm Prozess-Organisations-Diagramm ppm parts per million PV Prozessverantwortlicher / Prozesseigner QM Quality Management
ROI Return on Investment
Σ Summenzeichen SAP R3 Betriebswirtschaftliche Standardsoftware SD AG Siemens Dematic AG SD EA 1 BA kaufmännische Leitung der EA 1 SD EA 1 P siehe SD EA P&Q, darin Produktion SD EA 1 P&Q Produktion und Qualitätsmanagement der EA 1
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - XIII Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
SD EA 1 QM siehe SD EA 1 P&Q, darin Qualitätsmanagement SD EA 2 BA kaufmännische Leitung der EA 2 SD EA AC Rechnungswesen und Controlling der EA SD EA BA kaufmännische Leitung der EA SD EA OIL Abteilung für Organisation, Information, Processing, Logistics SD EA OIL WM RC siehe SD EA OIL, darin Warenannahme SD EA OIL WM WO siehe SD EA OIL, darin Lager SD EA PU Einkauf der EA Sipl. Siplace SP Solution Provider SZz Statistische Durchlaufzeit t Z e i t TA Transportauftrag TT Termintreue u.a. und anderen u.U. unter Umständen usw. und so weiter V Veränderung vgl. vergleiche VVGK Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten WA / WE Warenannahme / Wareneingang WEP Wareneingangsprüfung z.B. zum Beispiel Ze Zeiteffizienz
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - 1 Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
1 Einführung
Seit Jahren werden Unternehmen mit Veränderungen der Umwelt konfrontiert, die sich in zunehmendem Maße so verschärfen, dass der ausgeübte Wettbewerb als stärker empfunden wird. Schlagworte wie „Globalisierung“, der „Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt“ oder eine „zunehmende Individualisierung der Kunden“ werden öffentlich diskutiert und beschreiben die Dynamik der Veränderungsprozesse in Unternehmen. Diese Dynamik kann am Beispiel der Lebenszyklen von Produkten in der Elektronikbranche anschaulich dargestellt werden. Während 1980 48% der Produkte der Siemens AG jünger als fünf Jah- 1 Diere waren, stieg der Anteil bis 1985 auf 55%. Heute liegt er bei 75%. ten Worte vom Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG dokumentieren die Bemühungen der Unternehmen, sich der Umwelt anzupassen, um mit der Dynamik Schritt halten zu können. Durch den härteren Wettbewerb sind Unternehmen ständig gezwungen ihre Kosten zu senken. Dabei rücken die Gemeinkosten immer stärker in den Mittelpunkt der Betrachtung. Die klassische Zuschlagsrechnung scheint den Anforderungen bezüglich der Verrechnung der Gemeinkosten nicht mehr gerecht zu werden. Um diesen Umstand zu eliminieren, wird die Prozesskostenrechnung als verursachungsgerechtere Methode zur Verrechnung der Gemeinkosten angesehen und inzwischen in vielen Unternehmen in unterschiedlicher Ausprägung eingesetzt.
1.1 Problemstellung
Durch die Einführung der Prozesskostenrechnung stellt sich die Frage, welchen Einfluss diese Kalkulationsmethode auf die Aufbauorganisation eines Unternehmens hat und ob durch ein verändertes Kalkulationsverfahren die Aufbau-
organisation angepasst werden muss.
1 vgl. Kohlöffel, K., Strategisches Management, 2000, S. 10
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - 2 Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
1.2 Zielsetzung
Vor dem Hintergrund dieser Problemstellung ist das Ziel der Arbeit, die Prozesskostenrechnung als strategisches Instrument des Kostenmanagements darzustellen. Um den Einfluss der Prozesskostenrechnung in diesem Rahmen zu bestimmen, werden die Interdependenzen zwischen dem Kostenmanagement und der Organisation untersucht. Für einen ganzheitlichen Ansatz zur Integration von Kostenmanagement und Organisation werden Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements aufgezeigt.
1.3 Vorgehensweise
Die Arbeit ist in fünf Blöcke gegliedert. Nach der Einführung folgt im zweiten Block die theoretische Aufarbeitung der Problemstellung. Dabei wird zunächst das Kostenmanagement allgemein vorgestellt. Wegen der Relevanz für diese Arbeit findet die Systematisierung der Prozesskostenrechnung eine besondere Berücksichtigung. Im Anschluss daran wird das Themengebiet der Organisation behandelt, wobei der Schwerpunkt in der Aufarbeitung der Struktur der Unternehmensorganisation liegt. Die Interdependenzen zwischen Kostenmanagement und Organisation führen zum Prozessmanagement als Bindeglied zwischen Kostenmanagement und Organisation, da das Prozessmanagement einen ganzheitlichen Ansatz zur Steuerung von Unternehmen liefert. Zur Steuerung werden Kennzahlen benötigt, die aus den Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements abgeleitet werden. Im Themenkomplex des Prozessmanagements wird zusätzlich auf Widerstände bei Organisationsveränderungen eingegangen, weil deren Überwindung ein elementarer Faktor für ein erfolgreiches Implementieren des Geschäftsprozessmanagements ist. Ein kurzer Kriterienkatalog für den praktischen Teil der Arbeit beschließt die theoretische Aufar- beitung der Problemstellung.
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - 3 Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
Im dritten Block werden das Unternehmen und die Beschaffung hinsichtlich des Kostenmanagements und der Organisation beschrieben und analysiert. Mit der Interdependenzanalyse endet der dritte Block.
Die Analyseergebnisse münden in die Gestaltungsempfehlung, den vierten Block. Dieser beinhaltet, neben den Schlussfolgerungen aus der Interdependenzanalyse, Vorschläge für ein aktives Prozessmanagement in der Beschaffung. In der Schlussbemerkung werden die Untersuchungsergebnisse zusammengefasst.
1.4 Abgrenzung des Themas
Die vorliegende Arbeit ist keinem betriebswirtschaftlichen Fachgebiet vollständig zuzuordnen. Die Prozesskostenrechnung ist dem Fachgebiet der Kosten-und Leistungsrechnung zugewiesen, die Aufbauorganisation findet sich als Begriff in der Organisationslehre wieder. Das Ermitteln von und Steuern durch Kennzahlen ist methodisch dem Controlling zuzurechnen. Die Beschränkung der Behandlung in dieser Arbeit auf den Bereich der Beschaffung erfolgt aufgrund der Tatsache, dass das Unternehmen die Prozesskostenrechnung eben erst in der Beschaffung eingeführt hat.
Die Abbildung auf der folgenden Seite stellt den Aufbau der Arbeit dar und er- möglicht beim Lesen eine bessere Orientierung.
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - 4 Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
Abbildung 1: Leitfaden durch die Arbeit
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - 5 Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
2 Theoretische Aufarbeitung der Problemstellung
„Die wachsenden Anforderungen an Zeit, Qualität, Kosten und Flexibilität können Unternehmen nur erfüllen, wenn sie den Wandel als permanente Heraus- 2 forderung und kontinuierlichen Prozess betrachten.“
Dieser Wandel bezieht sich auf alle Bereiche des Unternehmens und schließt die Bereiche Kostenmanagement und Organisation mit ein.
2.1 Kostenmanagement mit der Prozesskostenrechnung
„„Kostenmanagement“ steht für alle Maßnahmen der zielorientierten Kostenge- 3 Kostenmanagement demnach die Kostenermittlung, Kostaltung.“ 4 stenverrechnung , die Analyse von Kostenstrukturen und Kostenverhalten, sowie die Beeinflussung von Kosten mit Hilfe von Instrumenten, wie z.B. dem Target Costing, dem Benchmarking, der Begleitkalkulation, der Gemeinkostenwertanalyse oder einem prozessorientierten Kostenmanagement. Dabei geht es beim Kostenmanagement nicht nur um eine Kostenreduzierung, sondern um die Möglichkeit, die Kosten planen zu können.
2.1.1 Grundlagen des Kostenmanagements
Der Schwerpunkt des Kostenmanagements ist eine nachhaltige Beeinflussung der Kosten. Es wird zwischen einem operativen und strategischen Kostenmanagement unterschieden. Operatives Kostenmanagement soll eine kurzfristige
2 Schmelzer, H. J. & Sesselmann, W., Geschäftsprozessmanagement in der Praxis, München, 2001, S. 2
3 Burger, A., Kostenmanagement, 3. Auflage, München, 1999, Vorwort 4 Als Kostenverrechnung wird hier die Kostenträgerstückrechnung bezeichnet und nicht die innerbetriebliche Leistungsverrechnung
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - 6 Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
Beeinflussung der Kosten ermöglichen, strategisches Kostenmanagement ist auf eine langfristige Kostengestaltung ausgelegt.
Abbildung 2: Bestandteile des Kostenmanagements und deren Bedeutung
Damit grenzt sich das Kostenmanagement von der Kostenrechnung ab. So wird von Schweitzer/Küpper festgestellt: „Bei den bislang verfügbaren Systemen der Kosten- und Erlösrechnung ist eine im echten Sinn strategische Orientierung
5 Eine Weiterentwicklung bestehender Kostenrechnungssy- kaum erkennbar.“
steme sowie die Anwendung und Implementierung bestehender Instrumente der Kostenrechnung erlauben es allerdings schon, dem Kostenmanagement 6 Abbildung 2 fasst die Bereiche der eine strategische Bedeutung beizumessen.
Kostenrechnung und des Kostenmanagements zusammen und verbindet die operativen und strategischen Perspektiven der Kostenrechnung und des Kostenmanagements.
Die Notwendigkeit zur Einführung eines strategischen Kostenmanagements liegt in der Tatsache begründet, dass „der Anteil kurzfristig disponierbaren Ko- 7 sten an den Gesamtkosten tendenziell abnimmt.“
5 Schweizer, M., Küpper, H.-U., Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, 7. Auflage, München, 1998 S. 76
6 vgl. Schweizer, M., Küpper, H.-U., Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, 7. Auflage, München, 1998, S. 694
7 Burger, A., Kostenmanagement, 3. Auflage, München, 1999 S. 9
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - 7 Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
Die Gesamtkosten eines Unternehmens lassen sich differenzieren in Einzel- 8 und Gemeinkosten einerseits und variable bzw. fixe Kosten andererseits.
Der Anteil der Gemeinkosten an den Gesamtkosten ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Diese Steigerung der Kosten bei der indirekten Leistungserstellung bedeutet eine abnehmende Transparenz bei der Analyse von Kostenstrukturen und -verhalten. „Das Verhältnis der Einzelkosten zu den Gemeinkosten von 70% zu 30% aus den 60er Jahren ist heute geradezu umgedreht wor- 9 Vor Hintergrund dieser Entwicklung den auf weniger als 40% zu 60%.“
werden neue Anforderungen an die Kostenrechnung gestellt. Ziel ist es, die Transparenz der indirekten Leistungsbereiche zu erhöhen und geeignete Be- 10 Dabei zugsgrößen zur Ermittlung und Verrechnung von Kosten zu finden. lässt sich das Problem der Verrechnung der Gemeinkosten auf den Bereich der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung und den der Produktkalkulation ein- 11 schränken.
2.1.2 Kostenermittlung und Kostenverteilung
Kurze Ausführungen zur Kostenermittlung und -verteilung sind an dieser Stelle notwendig, um die Prozesskostenrechnung in dem notwendigen Umfang systematisieren zu können.
8 Der Unterschied zwischen Einzel- und Gemeinkosten liegt in deren Zurechnfähigkeit zu einer Bezugsgröße. Während Einzelkosten einer Bezugsgröße direkt zurechenbar sind, ist eine Zurechnung der Gemeinkosten zu einer Bezugsgröße nicht möglich. Das Unterscheidungskriterium für die Einteilung in variable und fixe Kosten ist deren Abhängigkeit von der Beschäftigung. Verändern sich Kostenbestandteile bei einer variierten Beschäftigung nicht, so bezeichnet man diese als fixe Kosten. Variable Kosten hingegen sind vom Beschäftigungsgrad direkt abhängig zu machen. vgl. auch Coenenberg, A. G., Kostenrechnung und Kostenanalyse, 4. Auflage, Landsberg a.L., 1999, S. 53 ff.
9 Remer, D., Einführen der Prozesskostenrechnung, Stuttgart, 1997, S. 17 10 vgl. Schweizer, M., Küpper, H.-U., Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, 7. Auflage, München, 1998 S. 333
11 vgl. Coenenberg, A. G., Kostenrechnung und Kostenanalyse, 4. Auflage, Landsberg a.L., 1999, S. 220
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - 8 Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
2.1.2.1 Kostenermittlung mit der Kostenarten- und
Kostenstellenrechnung
Zur Kostenermittlung stehen die Kostenartenrechnung und die Kostenstellenrechnung zur Verfügung. Die Kostenartenrechnung beschreibt, welche Kosten angefallen sind. Dabei werden sämtliche angefallenen Kosten nach Kriterien gegliedert, bspw. Personalkosten, Sach- und Dienstleistungskosten oder Kapitalkosten
Die Kostenstellenrechnung liefert Transparenz darüber in welchen Bereichen des Unternehmens die Kosten angefallen sind und bereitet diese zur Verrechnung in der Kostenträgerrechnung auf. Bei der Kostenstellenrechnung wird das Unternehmen in Abrechnungsbezirke gegliedert. „Als Gliederungskriterien können funktionale, räumliche, organisatorische und rechnungstechnische Ge- 12 DieseGliederung sollte sich zweckmäßig an der Untersichtspunkte dienen.“
nehmensstruktur orientieren. Für jede Kostenstelle wird eine Person zur selbständigen Leitung der Kostenstelle bestimmt. Dies ermöglicht es, eine Kostenstellenleitung für die Entwicklung der Kostenstellenkosten bei einer Plan-Ist-Abweichung verantwortlich zu machen.
2.1.2.2 Kostenverteilung in der Leistungskalkulation
Die Kostenverteilung auf Produkte und Leistungen erfolgt in der Kostenträgerstückrechnung. Mit der Kostenträgerzeitrechnung wird das Betriebsergebnis über das Gesamtkosten- oder Umsatzkostenverfahren ermittelt.
Durch nicht verursachungsgerechte Kostenverrechnung können Fehler in der Produkt- und Preispolitik entstehen, die den Erfolg strategischer Entscheidun- 12 Schweizer,M., Küpper, H.-U., Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, 6. Auflage, Mün- chen, 1995 S. 128
Einfluss der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - 9 Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements
13 gen gefährden. Damit wird der Kostenverrechnung, also der Kalkulation, eine entscheidende Rolle für den Fortbestand eines Unternehmens beigemessen. Die Kostenverrechnung kann nach verschiedenen Prinzipien erfolgen, die sich 14 unterteilen in „ursachenorientierte Prinzipien“ , dem „Durchschnittsprinzip“ und
15 Diese Prinzipien finden sich auch in der Art der dem „Tragfähigkeitsprinzip“.
Kostenverrechnung auf die Produkte wieder. Wesentliche Kalkulationsverfahren sind die Divisionskalkulation, Kuppelkalkulation und Zuschlagskalkulation.
In der Zuschlagskalkulation werden die Kosten nach dem Verursachungs- und Proportionalitätsprinzip verrechnet. Die Einzelkosten werden direkt dem Produkt zugerechnet, die Gemeinkosten werden über Zuschläge zu den Einzelkosten auf die Kostenträger verrechnet. Die Kostenverrechnung von den Kostenstellen zum Kostenträger wird mittels des Betriebsabrechnungsbogens durchgeführt, wobei als Rechnungsgrundsatz ein Kalkulationsschema zu Grunde gelegt wird.
16 Ein proportionaler Zusammenhang wird hergestellt zwischen
• dem Materialgemeinkosten-Zuschlag (MGK-Zuschlag) und dem Ferti-
• dem Fertigungs-GK-Zuschlag (FGK-Zuschlag) und dem Fertigungslohn so-
• den Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten (VVGK) und den Kosten für
Forschung und Entwicklung (FuE) auf die Herstellkosten.
Die Zuschlagskalkulation ist wohl die meist verwendete Vorgehensweise bei der Verrechnung der Gemeinkosten auf die Kostenträger.
13 Coenenberg, A. G., Kostenrechnung und Kostenanalyse, 4. Auflage, Landsberg a.L., 1999, S. 220
14 dazu zählen: Verursachungsprinzip, Identitätsprinzip, Proportionalitätsprinzip, Leistungsentsprechungsprinzip
15 vgl. Schweizer, M., Küpper, H.-U., Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, 6. Auflage, München, 1995 S. 89 ff
16 vgl. Coenenberg, A. G., Kostenrechnung und Kostenanalyse, 4. Auflage, Landsberg a.L., 1999, S. 95
Arbeit zitieren:
Tobias Tissberger, 2002, Einfluß der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Strategische und operative Beschaffung
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Seminararbeit, 53 Seiten
Wirtschaftliche Betrachtung des Aufbaus von Shared Service Centern im ...
Diplomarbeit, 76 Seiten
Kaizen als Ansatz in der Phase der Verstetigung
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Evaluation von BPM-Tools unter besonderer Berücksichtigung des Einsatz...
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Diplomarbeit, 171 Seiten
Geschäftsprozessoptimierung im Rahmen der DIN ISO/TS 16949 - Beschaffu...
BWL - Personal und Organisation
Diplomarbeit, 133 Seiten
Prozessanalysen - Analysemethoden und organisatorische Implikationen z...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Zentralisierung vs. Dezentralsierung der Einkaufsfunktion
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Hausarbeit, 15 Seiten
Chancen und Risiken von e-Procurement
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Seminararbeit, 40 Seiten
Tobias Tissberger hat den Text Einfluß der Prozesskostenrechnung auf die Aufbauorganisation - Stellgrößen eines aktiven Prozessmanagements veröffentlicht
Tobias Tissberger hat einen neuen Text hochgeladen
Produktionseigenarten der chemischen Industrie, ihr Einfluss auf Kalku...
Zugleich eine Studie für Vielp...
Bernhard Weblus
Eltern sein - Das Kind und sein Einfluss auf eine Partnerschaft
Transformation Partnerschaft-E...
Florian Fischer
Das Bundesverfassungsgericht und sein Einfluss auf die Entwicklung der...
Ein Beitrag zur politikwissens...
Hilde Neidhardt
Globale Geologie und ihr Einfluss auf das Denken von Eduard Suess: Der...
A. M. Celâl Sengör
Gemütssymptome bei Schwangeren und ihr Einfluss auf den Fötus / Bettnä...
Farokh J. Master, Susanne Isphording
Die Intensität von Fernsehkonsum und ihr Einfluss auf die Lebenszufrie...
Ein quantitativer Vergleich vo...
Anja Strejcek
0 Kommentare