Ein Begriff, den erstmals die Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts gebrauchte, hat seit kurzem eine unverhoffte Konjunktur: die Nachhaltigkeit ist heute in aller Munde. Kein Politiker, der gegen den Begriff der Nachhaltigkeit argumentieren würde, kein Wahlkampf, in dem nicht auch die Nachhaltigkeit politischen Handelns beschworen würde. Handelt es sich bei dem Begriff der Nachhaltigkeit vielleicht nur um ein Gummiwort? Ist er Pflichtbestandteil der politischen Rhetorik? Und sonst nichts weiter? Ist das Konzept der Nachhaltigkeit ein politisches Konzept mit Tragkraft? Ist Nachhaltigkeit eine angemessene Zukunftsstrategie? Ursprünglich galt der Begriff der Nachhaltigkeit einer Bewirtschaftungsform von Wäldern, die darauf ausgerichtet war, dass auf einer Forstfläche in einem bestimmten Zeitraum nur so viele Bäume gefällt werden, wie im selben Zeitraum nachwachsen können. Neben der Forstwirtschaft erlebt der Begriff der Nachhaltigkeit seit den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts in einem ganz anderen Zusammenhang eine Renaissance: Umwelt-, Sozial-, und Wirtschaftspolitik werden seitdem immer sträker unter dem Blickwinkel ihrer Nachhaltigkeit betrachtet und unter diesem Blickwinkel bewertet. Nachhaltig ist in diesem Zusammenhang jede Handlungsweise, die eigene Bedürfnisse befriedigt und zugleich darauf ausgerichtet ist, dass auch nachkommende Generationen die Möglichkeit haben, ihre Bedürfnisse in derselben Weise zu befriedigen.
Dies ist kein Zufall: durch die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft, immer kostengünstigere und schnellere globale Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten ist die kurzfristige globale Konkurrenzfähigkeit von Wirtschaften und Staaten zunehmend in den Vordergrund des politischen und wirtschaftlichen Interesses gerückt. Der enorme globale Konkurrenzdruck befördert Systeme, die auf Ausbeutung und damit auf einer unnachhaltigen Struktur beruhen. Ganz gleich, wer ausgebeutet wird, ob Einzelne Arbeiter (sozial unnachhaltig), ganze Staaten (wirtschaftlich unnachhaltig) oder Ökosysteme (ökologisch unnachhaltig): unnachhaltiges Wirtschaften über Jahrzehnte hinweg hat verschiedene Entwicklungen beschleunigt, die in dieser Form nicht mehr lange aufrecht zu erhalten sind. Die Folgen der sozialen, ökonomischen und ökologischen Ausbeutung tragen wir selbst nur zu einem kleinen Teil. Unsere nachfolgenden Generationen hingegen haben die Last mehrerer Generationen zu tragen, die sich Jahrzehnte vor ihnen nicht um nachhaltige Sozial-, Wirtschafts- und Umweltstrukturen bemüht haben.
Im Jahr 2002 plädierte die Enquetekommission des Deutschen Bundestages in ihrem Schlussbericht deshalb dafür, Nachhaltigkeit zu einem integrativen Bestandteil der Gesellschaftspolitik zu machen. Auch wird der Konflikt der Offenheit der regulativen Idee nachhaltiger Entwicklung einerseits und der Verbindlichkeit konkreter Implementations-
Arbeit zitieren:
Konrad Gähler, 2007, Nachhaltigkeit – eine angemessene Zukunftsstrategie?, München, GRIN Verlag GmbH
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