Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Verrat 4
2.1 Umstände des Verrats 4
2.2 Motive der Verräter 5
3. Gotteszeichen 7
3.1 Vorbemerkungen 7
3.2 Konkrete Gotteszeichen 8
3.2.1 Gott als Kraftspender 8
3.2.2 Wiederauferstehung 9
4. Martyrium 11
4.1 Vorbemerkungen 11
4.2 Vergleich der Martyrien Rolands und Jesu Christi 11
4.2.1 Vergleich der Bestrafungen der Verräter 11
4.2.2 Vergleich der Reaktionen auf das bevorstehende Martyrium 11
4.2.3 Vergleich der konkreten Leidensgeschichten 13
4.2.4 Vergleich der beiden Todesszenen 14
4.2.5 Vergleich der Naturerscheinungen nach dem Tod 15
5. Zusammenfassung 18
6. Literaturverzeichnis 20
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1. Einleitung
Das Rolandslied des Pfaffen Konrad ist eines der bekanntesten Epen der mittelhochdeutschen Sprachepoche. Als Adaption der französischen „Chanson de Roland“ schildert es den Kreuzzug der Gefolgschaft Karls des Großen nach Spanien gegen die dort ansässige heidnische Bevölkerung. Seinem Ziel - der vollkommenen Bekehrung der spanischen Bevölkerung - sehr nahe, widersträubt sich nur noch die Stadt Saragossa unter der Herrschaft des Königs Marsilie seiner Unterwerfung. Im Mittelpunkt der Erzählung, die schließlich im Sieg der Christen über die heidnischen Heerscharen endet, steht bis zu seinem Tod der Kreuzritter und Neffe Karls: Roland.
In Folge einer hinterhältigen Intrige Geneluns, dem Stiefvater Rolands - der sich mit den Heiden verbündet und diese zu einem scheinheiligen Unterwerfungsangebot überredet hat - wird Roland zum Stadthalter Saragossas ernannt. Er soll die scheinbar bekehrte Bevölkerung noch weiter überwachen um Karl die Garantie für den wirklichen Erfolg seiner Mission geben zu können.
Genelun, der Roland eher feindselig gegenübersteht, hat im Zuge seiner Verhandlungen mit den Heiden in bösartiger Berechnung darauf spekuliert, dass Karl nach einer erfolgreichen Unterwerfung der Heiden einen Stadthalter für Saragossa abordnen würde. Diesen - mitsamt den ihm unterstellten Truppen - hatte er den Heiden als potenzielles Opfer für einen späteren Überfall zugedacht. Mit seinem eindrucksvollen Monolog vor Karl 1 , in dem er ihn davon zu überzeugen versucht, Roland mit der Aufgabe des Stadthalters zu betrauen (was Karl schlussendlich auch tut), rächt sich Genelun an Roland, der wiederum einst Genelun Karl für den Botengang zu den Heiden empfahl.
Roland tritt im Verlauf der Handlung in eine verbitterte Schlacht mit den heidnischen Kriegern und kann trotz seiner außerordentlichen Fertigkeiten und seiner als geradezu übernatürliche dargestellten Kräfte nicht alle von ihnen besiegen und stirbt schließlich am Rande des Kampfplatzes den Märtyrertod.
1 Richter, Horst: Das Rolandslied des Pfaffen Konrad. [enthält eine nhd. Nacherzählung des Rolandsliedes] Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft,1981. V. 2929-2957.
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Besonders mit der Thematik des Martyriums und der Gottesgegenwart im Kampf Rolands und seiner Mitstreiter gegen die Heiden soll sich diese Arbeit befassen. Vor allem die direkten Parallelen des Epos zur Heiligen Schrift der Bibel sollen aufgedeckt und erörtert werden. Neben dem Verrat Geneluns und dem märtyrerischen Tod Rolands gilt es dabei auch die beschriebenen Himmelszeichen und Naturgewalten Gottes während der Schlacht zu untersuchen und eventuelle Bezüge zu biblischen Beschreibungen zu klären.
Ich möchte zu Beginn vor allem auf die hauptsächlich interpretatorische und erörternde Absicht dieser Arbeit hinweisen, die sich nicht auf eine große Anzahl von Sekundärquellenbezügen stützt, sondern viel mehr darauf bedacht ist, sich der Primärquelle, dem ursprünglichen Text - in direktem Bezug zur Passionsgeschichte des Neuen Testaments - sensibel zu nähern.
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2. Verrat
Ein zentrales Motiv und zugleich unabdingbarer Katalysator der Handlung beider Werke - sowohl des Rolandsliedes als auch der Passionsgeschichte Jesu Christiist der Akt des Verrats.
2.1 Umstände des Verrats
Während Jesus Christus im Bericht der Bibel durch einen seiner Jünger, Judas Iskariot, an seine Widersacher, die Schriftgelehrten und Hohepriester der Juden „überliefert“ 2 wird, so verrät Roland sein eigener Stiefvater an den Heidenkönig Marsilie. Beide Verräter bindet also ein scheinbar sehr enges Verhältnis an die Verratenen 3 , jedoch unterscheidet sie ihre wirkliche innere Haltung gegenüber jenen deutlich: Judas, der Jesus gegenüber zuvor an keiner Stelle der biblischen Erzählungen als abgeneigt oder untreu beschrieben wird, tritt demnach in Kontrast zu Genelun, der während der gesamten Diskussion über einen möglichen Boten nach Saragossa gegen Roland redet und dessen Einfluss auf Karl gar als schlecht darstellt. 4
Die Vereinbarungen über die genauen Umstände und „Konditionen“ des Verrats an Jesus zwischen Judas Iskariot und den Hohepriestern schildert der Evangelist Matthäus folgendermaßen:
Dann ging einer von den Zwölfen, der Judas Iskariot genannt war, zu den Hohepriestern und sprach: Was wollt ihr mit geben, und ich werde ihn euch überliefern? Sie aber stellten ihm dreißig Silberlinge fest. Und von da an suchte er Gelegenheit, auf daß er ihn überliefere. 5
Die analoge Bibelstelle im Markus-Evangelium berichtet des Weiteren von der Freude, die die Hohepriester empfanden, als sie Judas’ Angebot empfingen: „Sie [die Hohepriester] aber freuten sich, als sie es hörten“ 6 .
2 Die Einheitsübersetzung der Bibel spricht noch nicht, wie die Lutherische Übersetzung, von „Verrat“ sondern nutzt noch den Terminus der „Überlieferung“. (vgl. Die Heilige Schrift. Aus dem Grundtext übersetzt. Wuppertal: Brockhaus Verlag, 1975, 57. Auflage.)
3 Hier spielt auch die Zahl 12 eine besondere Rolle, da sie sowohl die Anzahl der Roland zur Verfügung stehenden Paladine, als auch die Anzahl der Jünger Jesu darstellt und somit einen klaren Bezug des Rolandsliedes auf die biblische Tradition offenbart.
4 vgl. V. 1138: „Rǒlant zerstôret dir [Karl] alle dîn êre“, vgl. V. 1390: „mit boesen geisten bist du [Ro-
land] gemůt. / nu ist iz aller êrist her ûz erblůt, / daz du mir ie rîte an den lîb.“
5 Matthäus 26, 14-16
6 Markus 14, 10-11
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Den direkten Bezug zur biblischen Erzählung nimmt der Autor des Rolandsliedes in Form eines direkten Vergleichs Geneluns mit Judas auf und erzählt gar den Verrat an Jesus in eigenen Worten nach: Genelun geriet michel nôt. den armen Judas er gebildôt: dô unser herre ze merde gesaz unde er mit ime tranc unde az, in den trûwen er in verriet widir die meintaetige diet. er verchouphte in mit gedinge umbe drîzzic phennige. daz imbe sît vil uble irgienc, wander sich selben erhienc. 7
Jedoch wird direkt im Anschluss deutlich gemacht, dass der Verrat Geneluns den des Judas im Ausmaß seiner Opfer weit übertrifft: Während Judas den Juden ja lediglich eine Einzelperson, nämlich Jesus Christus überliefert, verrät Genelun Ro-land samt dem ihm zur Sicherung Saragossas unterstellten Gefolge an die Heiden. 8
2.2 Motive der Verräter
Betrachtet man die Motive der beiden Verräter, so fällt auf, dass über Judas keine Berichte überliefert sind, in denen man seine Beweggründe für den Verrat nachvollziehen könnte. Aufschlussreicher zeigt sich hier hingegen das Rolandslied: Auf seinem Weg zu den Heiden verleiht Genelun seinem Zorn über Roland und dessen treue Begleiter Olivir und Bischof Turpin, sowie seine 12 Paladine in einer Unterhaltung mit Blanscandiz Ausdruck: Genelun dô sprach: ’wir haben grôz ungemach von Rǒlante unde von Olivir. zwâre sag ich iz dir, si sint des můtes,
sine gesatent sich niemmir menneschen blůtes. die zwelve helfent in alle dar zů, swaz sie zwêne wellent tůn, unde alle Kaerlinge, habent zû in minne, alte unde junge. si phlegent grôzzer zerunge. si drônt deme kunige von Babilonie. sô si den erslahent dâ, sô varent si hin ze Persia, danne ze Luvin.
7 V. 1924-1933
8 vgl. V. 1936-1939
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Arbeit zitieren:
Markus Mehlig, 2009, Martyrium in Rolandslied und Neuem Testament - Ein Vergleich , München, GRIN Verlag GmbH
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