GLIEDERUNG
GLIEDERUNG 2
I Das weite Feld des Indigenismus 3
a) Einleitung 3
b) indio und indígena. 3
c) Geschichte und Definition des modernen Indigenismus. 5
II Indigenismus in Mexiko. 6
III Zeichen des Umbruchs 9
Die Deklarationen von Barbados I und II 9
IV Schluss. 10
V Quellen/Bibliographie 11
Internet 11
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I Das weite Feld des Indigenismus
a) Einleitung
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beginnt in Lateinamerika ein regional unterschiedlich ausgeprägter und dem Wandel der jeweiligen politischen und kulturellen Leitbilder unterworfener Prozess, der den Umgang mit dem ethnischen Erbes des Kontinents betrifft. Die sich herausbildende mestizische Mittelschicht beginnt sich in neuer Form mit dem „unteren Ende“ ihrer genealogischen Herkunft zu beschäftigen: kulturell, und in zunehmendem Maße politisch, setzt man sich mit der Lage, der von den wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungsprozessen ausgeschlossenen indigenen Bevölkerungsgruppen auseinander. Der Indigenismus wird zum Instrument politischer Interessen und Assimilierungsbestrebungen der mestizisch geführten fortschrittsorientierten Staaten. Anhand des Beispiels von Mexiko hat sich die Hausarbeit zum Ziel gesetzt, die paternalistischen Bestrebungen zur Assimilierung der „Rückständigen“ im 20. Jahrhundert zu skizzieren. Die Betrachtung soll dabei nach der mexikanischen Revolution einsetzen und die Entwicklung bis zu den Konferenzen von Barbados beleuchten. Nach einem sich auf definitorische Zusammenhänge konzentrierenden Kapitel, sollen die mit dem Begriff Indigenismus verbunden Entwicklungen und seine Eigenschaften kurz erklärt werden. Anhand eines sich besonders auf Günther Maiholds ausführlicher Arbeit zu diesem Thema stützenden Teils, wird im zweiten Teil der Arbeit die Institutionalisierung des Indigenismus in Mexiko aufzeigt.
b) indio und indígena
Allen Bezeichnungen für die von den Ureinwohnern Amerikas abstammenden Bevölkerungsgruppen, wurzeln natürlich zunächst im Irrtum des Christopher Kolumbus, er habe den Weg in jene Weltgegend entdeckt, die damals als Indien bezeichnet wurde. Alle Bezeichnungen des hispanophonen Raums - von indio bis indígena - werden auch zur Zeit der spanischen Kolonialherrschaft verwendet, sind Bestandteil der kolonialen Herrschaftsideologie. Die Eroberten werden damals unter der Bezeichnung indio rechtlich und sozial zusammengefasst. Die Kolonialisierten finden sich am untersten Ende der neuen Gesellschaftshierarchie eingeordnet. Die Fremdbezeichnungen für die Ureinwohner stellen soziale und politische Konstrukte dar. (Ströbele-Gregor 2006: 6) Das rassistische Element dieser in einer gesellschaftlichen Teilungsmaßnahme wurzelnden Termini, erklärt ihren bis heute negativ konnotierten Charakter. Die Figur des indio - unter welcher Eigenbezeichnung
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auch immer in den einzelnen Ländern des Kontinents bekannt - bleibt bis heute Bürger 3. Klasse. Während die Verwendung der Begriffe von indio und indígena von Staat zu Staat differiert, teilweise auch innerhalb eines Staates, existieren für alle indigenen Gruppen natürlich auch die von ihren Mitgliedern verwendeten Eigenbezeichnungen. Die indigenen Akteure besitzen zum größten Teil auch kein gemeinsames politisches Bewusstsein. Der rassistische Gehalt des Begriffes indio wird von heute von einigen Indigenen umgemünzt, um die Fremdbezeichnung selbstbewusst als politischen Kampfbegriff zu verwenden. Die Bezeichnung indígena hingegen ist zur Selbstbezeichnung der Akteure in politischen Angelegenheiten geworden. Einerseits betont sie die kulturellen Gemeinsamkeiten der Gruppen gegenüber europäischstämmigen und mestizischen Bevölkerungsteilen, spiegelt aber andererseits die Ablehnung gegen die Assimilierungspolitik des von Mestizen geführten Staates wieder. Weiterhin erfuhr der Begriff durch seine Verwendung in der Sprache der internationalen Institutionen - indigenous peoples - die Eigenschaft der political correctness. Wie verhält es sich nun - in verallgemeinerter Form - mit der Verwendung dieser Bezeichnungen im alltäglichen Leben durch die Betroffenen selber? Juliana Ströbele-Gregor bemüht hier das Konzept der multiplen Identitäten: das Indígena-Sein kann als soziales Konstrukt verstanden werden, welches in den Interaktionen mit gesellschaftlichen Institutionen oder Auseinandersetzungen mit anderen Identitäten konstruiert, gepflegt oder betont wird. (2006: 7) Wie in anderen Teilen der Erde, wird die gerade als vorteilhaft oder wichtig erscheinende Identitätskomponente von ethnischer Gruppe, Herkunftsgebiet oder Geschlecht in den Vordergrund gerückt.
Die recht unterschiedlich verwendeten Begriffe von Indianismus und Neoindigenismus beziehen sich entweder auf künstlerischen Strömungen, oder dienen zur Benennung der sich nach 1968 entwickelnden heterogenen neuen Ansätze in der indigenistischen Politik.
Die 40 bis 50 Millionen Einwohner Lateinamerikas, die zu den Indigenen gerechnet werden, verteilen sich auf über 400 ethnische Gruppen. Bolivien, Guatemala, Peru und Ecuador besitzen mit Anteilen von ca. 60-30% an der Gesamtbevölkerung die größten indigenen Gemeinschaften in Meso- und Südamerika. Mexiko besitzt mit 12% eine relativ kleinen, aber kulturell sehr vielfältigen, indigenen Bevölkerungsanteil. Ähnlich verhält es sich mit den 210 ethnischen - sich größtenteils im Gebiet des Amazonas befindlichen - Gruppen in Brasilien, die lediglich 1-2 % der Bevölkerung des riesigen Staates repräsentieren. Kolumbien und Venezuela hingegen besitzen relativ kleine Anteile indigener Bevölkerungen.
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Arbeit zitieren:
Franz Thiel, 2009, Vom modernen Indigenismus zum Beginn des Indianismus, München, GRIN Verlag GmbH
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