Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der propagandistischen Instrumentalisierung eines Fußballvereins durch das nationalsozialistische Regime im Dritten Reich. Thematischer Hintergrund dessen sind die in der jüngeren Vergangenheit und auf Druck einiger Zeitgenossen erschienen Veröffentlichungen zum Fußballsport im nationalsozialistischen Deutschland. Hierzu werden im Vorfeld auf die Folgen der Gleichschaltung durch das nationalsozialistische Regime für den deutschen Sport eingegangen und die Konsequenzen der Machtübernahme für die jüdischen Sportler in Deutschland erörtert. Weiter werden die Entwicklung des deutschen Fußballs bis 1933 sowie die Rolle des Fußballs und seiner Verantwortlichen im Nationalsozialismus thematisiert. Im Anschluss an diese beiden grundlegenden Abhandlungen wird am Beispiel des FC Schalke 04 verdeutlicht, dass entgegen der in der gängigen Literatur kolportierten einseitigen Sichtweise durchaus differenziertere Ansatzpunkte zu finden sind, die für den vorliegenden Fall auf einen starken Zusammenhang zwischen ‚instrumentalisiert werden’ und ‚sich instrumentalisieren lassen’ schließen lassen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zieldefinition
1.2 Vorgehensweise
1.3 Quellendiskussion
2 Sport im Dritten Reich
2.1 Der Weg des Sports in den Nationalsozialismus
2.1.1 Die Anfänge der Neuordnung des Sports
2.1.2 Der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen
2.1.2.1 Die regionale Gliederung des DRL
2.1.2.2 Die Rolle des Vereins im nationalsozialistischen Sport
2.1.2.3 Der Einsatz des Dietwesens
2.1.2.4 Die Vereinheitlichung der Anrede- und Grußformen
2.2 Die Funktion des Sports im Nationalsozialismus
2.3 Exkurs: Das Ende des jüdischen Sports im Nationalsozialismus
2.4 Zusammenfassung
3 Fußball im Dritten Reich
3.1 Die Entwicklung des deutschen Fußballs bis 1933
3.2 Organisation und Administration des Fußballs im Dritten Reich
3.3 Fußball während des Krieges
3.3.1 Der Ligabetrieb
3.3.2 Die Nationalmannschaft
3.4 Exkurs: Der Untergang des jüdischen Fußballs im Dritten Reich
3.5 Zusammenfassung
4 Die Instrumentalisierung des FC Schalke 04
4.1 FC Schalke 04, der ‚Vorzeigeverein’ im Dritten Reich
4.2 Die Instrumentalisierung durch das nationalsozialistische Regime
4.2.1 Perspektive I: Die Nationalsozialisten
4.2.2 Perspektive II: Der FC Schalke 04
4.2.3 Perspektive III: Die Bevölkerung
4.3 Das Mehrfaktorenmodell der Instrumentalisierung des FC Schalke 04
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die propagandistische Instrumentalisierung des FC Schalke 04 durch das nationalsozialistische Regime. Dabei wird analysiert, wie ein aus der Arbeiterschicht stammender Verein zu einem Hauptinstrument der NS-Propaganda wurde und welche Faktoren – jenseits der bloßen sportlichen Erfolge – diese Entwicklung begünstigten.
- Strukturelle Umgestaltung des deutschen Sports durch die Nationalsozialisten.
- Die Rolle des Fußballs als Massensport und seine Nutzung für propagandistische Zwecke während des Zweiten Weltkriegs.
- Das Ende des jüdischen Sports und die Auswirkungen der „Arierparagraphen“ auf Fußballvereine.
- Die spezifische Fallstudie des FC Schalke 04 unter Einbeziehung verschiedener Perspektiven (Partei, Verein, Bevölkerung).
- Entwicklung eines Mehrfaktorenmodells zur Erklärung der erfolgreichen Instrumentalisierung des FC Schalke 04.
Auszug aus dem Buch
Die Instrumentalisierung durch das nationalsozialistische Regime
Für den FC Schalke 04 hingegen begann mit dem ‚Inkrafttreten’ des Dritten Reiches eine Epoche der sportlichen Erfolge und des Ruhmes, weit über die Grenzen des Ruhrgebietes hinaus. Was den Vorzeigeverein aus Gelsenkirchen von den anderen Fußballvereinen, die vier genannten ‚Nazi-Vereine’ eingeschlossen, unterschied und wie die Reichsregierung den FC Schalke 04 im Sinne der nationalsozialistischen Idee für ihre Zwecke einspannte, steht im Fokus der weiteren Ausführungen. Darüber hinaus werden die Umstände, die zu der erfolgreichen Instrumentalisierung des Vereins beitrugen, skizziert. Für die vorliegende Arbeit wird dazu eine multiperspektivische Ansicht eingenommen; die Vereinnahmung des Vereins lediglich auf die sportlichen Erfolge Schalkes zurückzuführen, erscheint in diesem Zusammenhang als unzureichend.
Der FC Schalke 04 war zunächst wie alle anderen Sport- und Fußballvereine von der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der damit verbundenen Gleichschaltung des Sports betroffen: Als Mitglied im Westdeutschen Spielverband waren die Spieler des Vereins bereits seit Mai 1933 dazu verpflichtet, den Hitlergruß vor und nach den Spielen durchzuführen. Die Vereinsführung übernahm Fritz Unkel am 24. Juni 1933, der am 6. August 1939 von Heinrich Tschenscher abgelöst wurde. Das Dietwesen wurde laut Zeitzeugenberichten nicht installiert, womit der FC Schalke 04 allerdings nicht alleine stand: Die Stelle des Dietwartes war bis Ende 1936 bei ungefähr 28 Prozent der Fußballvereine nicht einmal besetzt. In Hinblick auf die regionale Neugliederung ist festzuhalten, dass die Schalker nach der Gleichschaltung dem Gau IX (Westfalen) zugeordnet wurden, um mit neun anderen Vereinen die Gaumeisterschaft auszuspielen.
Ähnlich der Frankfurter Eintracht und dem FC Bayern München wurde auch der FC Schalke 04 von jüdischen Geschäftsleuten unterstützt bzw. von Männern jüdischen Glaubens in wichtigen Ämtern geführt. Über die Intensität, mit der man sich dieser Menschen entledigte bzw. sich von ihnen distanzierte, lässt sich vor dem Hintergrund der Quellenlage jedoch keine verlässliche Aussage treffen. Fest steht, dass der zweite Vorsitzende, Dr. Eichengrün und der Leiter des Presseausschusses, Nathan, ihre Ämter niederlegten. Ebenso wurde der Kontakt zu zwei bedeutenden Förderern, den Metzgermeistern Kahn und Sauer, abgebrochen. Über die Schicksale der genannten Personen ist bis heute nichts bekannt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert die Forschungsfrage und erläutert die methodische Herangehensweise sowie die Quellengrundlage der Arbeit.
2 Sport im Dritten Reich: Beschreibt die Gleichschaltung des deutschen Sports und die Rolle von Organisationen wie dem DRL sowie das Schicksal jüdischer Sportler.
3 Fußball im Dritten Reich: Analysiert die Entwicklung des Fußballs bis 1933, seine Organisation im NS-Staat und den Länderspielbetrieb während des Krieges.
4 Die Instrumentalisierung des FC Schalke 04: Untersucht anhand verschiedener Perspektiven das Zusammenwirken von politischem Druck und der Bereitschaft des Vereins, sich als Propagandainstrument einzusetzen.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Synthetisiert die Ergebnisse im Mehrfaktorenmodell und diskutiert die Wechselwirkung zwischen Fußball und Politik.
Schlüsselwörter
FC Schalke 04, Nationalsozialismus, Sportpropaganda, Gleichschaltung, Fußballsport, Ernst Kuzorra, Fritz Szepan, DFB, Instrumentalisierung, Antisemitismus, Sportgeschichte, Drittes Reich, Arbeiterfußball, Volksgemeinschaft, Dietwesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Verhältnis von Sport und Politik im Nationalsozialismus, wobei der Fokus gezielt auf der propagandistischen Instrumentalisierung des Fußballvereins FC Schalke 04 liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Umstrukturierung des Sports ab 1933, das Schicksal jüdischer Sportler, die Organisation des Fußballs während des Zweiten Weltkriegs und die spezifische Rolle des FC Schalke 04 als „Vorzeigeverein“.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Wie konnte es dazu kommen, dass ein aus der Arbeiterschicht stammender Fußballverein wie der FC Schalke 04 zu einem Hauptbestandteil nationalsozialistischer Propaganda avancierte?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine breite Quellenbasis aus Fachpublikationen, Dissertationen und Archivmaterialien, um das Phänomen mittels einer multiperspektivischen Analyse und der Erstellung eines Mehrfaktorenmodells zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des allgemeinen Sports im NS-Regime, die Analyse des Fußballsports zwischen 1933 und 1945 sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Erfolgen und der politischen Vereinnahmung des FC Schalke 04.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind FC Schalke 04, Nationalsozialismus, Instrumentalisierung, Gleichschaltung, Fußball, Arbeiterverein und Propaganda.
Warum galt der FC Schalke 04 als „Vorzeigeverein“ der Nationalsozialisten?
Schalke war aufgrund seiner sportlichen Dominanz, seiner Herkunft aus der Arbeiterschicht und der Identifikation der Spieler mit dem Verein ein ideales Objekt, um die nationalsozialistische Ideologie der „Volksgemeinschaft“ zu propagieren.
Welche Rolle spielten die beiden Spieler Ernst Kuzorra und Fritz Szepan dabei?
Sie fungierten als Aushängeschilder und „Mythos“-Träger des Vereins. Ihre persönliche Loyalität gegenüber dem Verein, ihr beruflicher Hintergrund im Ruhrgebiet und ihre Verstrickung in NS-Strukturen machten sie zu zentralen Figuren der Instrumentalisierung.
Gab es eine aktive Beteiligung des Vereins an der NS-Politik?
Ja, der Verein passte sich durch den Ausschluss jüdischer Mitglieder an, und einzelne Spieler beteiligten sich durch Wahlaufrufe oder Parteibeitritte aktiv an der politischen Inszenierung des Regimes.
- Quote paper
- David Bender (Author), 2007, Fußballsport und Politik im Dritten Reich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126279