Inhaltsverzeichnis
1 PROTOTYPEN - Der Vogel in unserem Kopf 3
2 WAHRNEHMUNGS- UND ASSOZIATIONSPRINZIPIEN 4
2.1 Familienähnlichkeiten 4
2.2 Übersummativität 5
2.3 Figur-Grund Prinzip 5
2.4 Similarität und Kontrast 6
2.5 Kontiguität 6
3 EXPERIMENTELLER ANSATZ NACH BERLIN UND KAY 7
4 CUE VALIDITY 9
5 HEDGES 10
6 BASIC LEVEL TERMS 10
7 ERWEITERTE PROTOTYPENTHEORIE 11
8 KRITIK 13
9 LITERATURVERZEICHNIS 14
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1 PROTOTYPEN - Der Vogel in unserem Kopf
Eine kleine Aufgabe zu Beginn. Antworten Sie spontan auf folgende Frage: „Was ist für Sie ein typischer Vogel?“. Die meisten Europäer würden wohl Spatz, Amsel, Schwalbe oder Rotkehlchen als Antwort geben. Warum fällt die Wahl aber selten auf Pinguin, Strauß oder Kiwi, zumal diese ebenso zur Gattung VOGEL gehören? Die zuletzt Genannten scheinen weniger typische Repräsentanten für jene Gattung zu sein. (vgl. Blank 2001: 47)
Mit dieser Problematik beschäftigt sich die Prototypensemantik bzw. -theorie, die ich in dieser Hausarbeit darstellen möchte.
Die von E. ROSCH begründete Prototypentheorie stellt ein sprachpsychologisches Bedeutungskonzept dar, das besagt, dass Wortinhalte im menschlichen Bewusstsein an Referenten gebunden sind, die sich als die besten Vertreter der jeweiligen Klasse auszeichnen. So ist der Spatz aus obigem Beispiel ein prototypischerer Vertreter der Kategorie VOGEL als der Strauß, da vom Befragten zuerst an ein kleines flugfähiges Tier gedacht wird anstatt an ein großes flugunfähiges und in der natürlichen Umgebung des Sprechers nicht vorkommendes Tier. Laut dieser Theorie existieren im Gedächtnis der Mitglieder einer Sprachgemeinschaft dauerhafte und relativ stabile überindividuelle semantische Repräsentationen. (vgl. Ulrich 2002: 234)
Die Prototypentheorie stellt keine direkte Alternative zur Merkmalstheorie dar, sondern vielmehr eine Ergänzung. Sie gibt eine Erklärung für eine Reihe von Phänomenen, die im Rahmen der Merkmalstheorie nicht erfaßt werden.(Schwarz 2007: 53)
Man fragt also nicht primär nach den definierenden Merkmalen (wie z.B. „flugfähig“, „legt Eier“, „hat Federn“, „hat einen Schnabel“), sondern man berücksichtigt von vornherein eine Variation der zu untersuchenden Gegenstände, die unter den betreffenden Begriff fallen könnten. Irgendwo wird eine Vagheitszone erreicht, aufgrund derer man typische Vertreter in typischem Kontext heraussucht. Im Endeffekt erhält man eine größere Anzahl stereotypischer Merkmale über den gesamten Anwendungsspielraum. (vgl. Wunderlich 1991: 126f) Ein Teil des Wortschatzes kann so an typischen Referenzbeispielen erlernt werden und daraufhin auf ähnliche Referenten übertragen werden.
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2 WAHRNEHMUNGS- UND ASSOZIATIONSPRINZIPIEN
Um über die Prototypentheorie diskutieren zu können, muss man zunächst einige biologische Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung darstellen, da diese mit der Sprachnutzung in direktem kausalem Zusammenhang stehen.
2.1 Familienähnlichkeiten
Abb. 1: Familienähnlichkeiten Die fünf Töchter der Familie Schmitt (vgl. Blank 2001: 38)
Der Begriff der Familienähnlichkeit geht auf L. WITTGENSTEIN zurück und bezeichnet strukturelle Beziehungen zwischen diversen Referenten eines Wortes, ohne jedoch, dass alle über ein gemeinsames Merkmal verfügen. So genügt es, wenn jedes Referenzobjekt über ein (oder mehrere) Merkmal(e) zu einem anderen Referenzobjekt verfügt. (vgl. Ulrich 2002: 86f)
In Abbildung 1 sieht man fünf Zeichnungen von Mädchenköpfen, die die Töchter der (Beispiel-) Familie Schmitt darstellen sollen. Vergleicht man die erste Tochter (von links nach rechts) mit der letzten, so stellt man fest, dass sich diese in keinem Merkmal gleichen. Betrachtet man nun die erste und zweite Tochter, ist als gemeinsames Merkmal die Augenform zu erkennen; bei der zweiten zur dritten ist es die Nase, die die Ähnlichkeit ausmacht; bei der dritten zur vierten sind es die Kopfhaare und bei der vierten zur fünften Tochter ist es der Mund. Nach dieser Kette von Merkmalen (eine sogenannte chain category) könnte man sagen, dass die erste Tochter der letzten Tochter indirekt gleicht, da diese Mädchen insgesamt eine Struktur höherer Ordnung bilden und für den Betrachter eine Zugehörigkeit erkennen lassen, obwohl sie optisch nur indirekt miteinander verbunden sind.
2.2 Übersummativität
Das zweite Prinzip, das der Übersummativität lässt uns einen kognitiven Mehrwert bilden. Das heißt im konkreten Beispiel, dass man aus einer Reihe verschiedener Töne eine Melodie formt oder wie in Abbildung 2 nicht nur die vier gleichmäßig verteilten Punkte sieht, sondern zugleich das somit geformte Quadrat, worin jeder der vier Punkte eine Ecke des Quadrats markiert. Die Figur ist also etwas Eigenes und nicht nur die Summe seiner Teile. Hier reiht sich ein weiteres Beispiel ein: der Mond. Dieser ist objektiv gesehen eine helle Scheibe mit dunklen Flecken. Je nach Tradition sehen wir darin überdies den „Mann im Mond“, einen Jaguar (in südamerikanischer Kultur) oder ein Kaninchen (in asiatischer Kultur). Wir erkennen also das, was wir gelehrt wurden, darin zu sehen. (vgl. Blank 2001: 38f)
2.3 Figur-Grund-Prinzip
Das Figur-Grund-Prinzip ist eine lebensnotwendige Wahrnehmungsfunktion. Diese lässt uns bei gegebener Abbildung 3 entweder ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund sehen, oder ein weißes Kreuz auf schwarzem Grund. Beides zugleich zu erfassen, ist dem Menschen nicht möglich. Jedoch lässt uns genau dieses vermeintliche Unvermögen ein herannahendes Auto vor einem komplexen und wenig differenzierten Hintergrund erkennen, um die komplexe Situation schnell und richtig analysieren zu können. Dies gilt sowohl für alltägliche wie nichtalltägliche Situationen. Diese spezielle Art der Wahrnehmung kann gravierende Auswirkungen auf unsere Sprache haben. (vgl. Blank 2001: 41)
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Arbeit zitieren:
Mariana Schüler, 2009, Prototypensemantik, München, GRIN Verlag GmbH
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Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Seminararbeit, 15 Seiten
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