Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
1 Einleitung. 1
1.1 Einleitung 1
1.2 Aufbau der Arbeit. 2
2 Das Leben Ibn Khalduns. 3
2.1 Khalduns Werke 6
2.2 Thesen und Aussagen über die Ökonomie 9
2.3 Khaldun und der Staat 12
3 Ökonomie aus islamischer Sicht. 16
3.1 Spekulation und Hortung. 16
3.2 Handel, Zinsen. 17
3.3 Zakat (Armensteuer) 18
4 Khaldun und ökonomisch theoretische Ansätze - ein Vergleich. 19
4.1 Die tableau économique von Francois Quesnay. 20
4.2 Die Arbeitsteilung von Adam Smith 21
4.3 Staatsintervention nach Adam Smith und David Ricardo. 24
4.4 Arbeitswerttheorien 26
5 Khaldun´ s Thesen in der heutigen Zeit 31
6 Schlusswort. 34
Quellennachweis. IV
Literaturquellen IV
Internetquellen VI
Anhang VIII
II
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Südeuropa und Nordafrika um das Jahr 1400.
Abb. 2 Laffer- Kurve
Abb. 3 Bedürfnispyramide nach Maslow
III
1. Einleitung
1.1. Einleitung
Ibn Khaldun war Historiker, Philosoph, Soziologe, Kulturwissenschaftler, Ökonom, Lehrer und Richter. 1 In manchen arabischen Ländern wurde Ibn Khaldun als Feind der arabischen Nation gesehen. Die Feindschaft reicht so weit das man im Irak seine Bücher verbrennen und sein Grab schänden wollte 2 . Ein Grund für diese Haltung war die Beschuldigung seitens Khalduns gegen die Araber. Er beschuldigte die Araber, soweit ihr Macht dazu ausreicht, überall Zerstörung und Ruin zu verursachen 3 und dass Araber nicht viel von Politik, handwerklichen Aktivitäten und der Industrie 4 verstanden. In der westlichen Welt - vor allem in Deutschland- war er wie viele islamischer Denker und Wissenschaftler nicht bzw. kaum bekannt. Der Grund hierfür hat viele Ursachen, die in dieser Arbeit keine Rolle spielen und daher auch nicht beachtet werden. Die vorliegende Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht Ibn Khaldun vorzustellen, seine Thesen zu erläutern und mit der Theorie anderer Ökonomen zu vergleichen. Hierbei werden seine ökonomischen Thesen aus der Muqaddima in den Vordergrund gestellt, die den Hauptteil der Arbeit darstellen. Die in der Vergangenheit verfassten Ausarbeitungen wurden zumeist in türkischer, arabischer und französischer Sprache verfasst, was die Aufarbeitung der Theorien erschwerte und den Informationsumfang einschränkt, hierbei handelt es sich meist um ausgewählte Auszüge aus der Muqaddima. Eine komplette Übersetzung seines Hauptwerks fehlt, zudem gibt es keine genaue Untersuchung zu den ökonomischen Thesen Ibn Khalduns. Ein Versuch über die tunesische und ägyptische Botschaften in Berlin an Informationen über Ibn Khalduns Theorien zu gelangen ist aus verschiedenen Gründen ohne Erfolg verlaufen, auf die nicht weiter eingegangen wird. Weiterhin fehlgeschlagen ist ein Versuch zur Erstellung eines Fragebogens, die der anfangs in Betracht bezogen wurde. Der Fragebogen sollte von Lehrkörpern in der Türkei beantwortet werden; dies scheiterte sowohl an der zeitlichen Begrenzung, als auch an der geographischen Entfernung.
1 Vgl. Exenberger 2001.
2 Vgl. Assaf (1993), S. 72.
3 Vgl. Pätzold (1992), S. 99ff.
4 Vgl. Pätzold (1992), S. 221.
1
1.2. Aufbau der Arbeit
In Kapitel 2 der vorliegenden Arbeit wird der Ökonom selbst vorgestellt sowie sein Leben, seine Werke und seine Thesen. Am Schluss des Kapitels werden seine Gedanken über den idealen Aufbau des Staates erläutert. In dem darauf folgenden Kapitel 3 werden die islamischen Grundsätze über die Ausgestaltung der Ökonomie unter Bezugnahme auf einige Suren aus dem Quran dargestellt und untersucht. In Kapitel 4 erfolgt auf den ersten Blick insofern eine Zäsur, als dass Ibn Khaldun mit klassischen Wirtschaftstheoretikern wie etwa Adam Smith oder David Ricardo verglichen wird. Hierbei werden sowohl Unterschiede als auch die Gemeinsamkeiten von Ibn Khaldun und einigen wichtigen westlichen Ökonomen aus dem 18. und 19 Jahrhundert festgestellt werden. Einige Unterschiede sind dem recht großen Zeitabstand in der Entwicklung der Theorien der verschiedenen Ökonomen geschuldet, andere dem islamischen Hintergrund Ibn Khalduns und dem christlichen Hintergrund der anderen Theoretiker. Auffällig ist hierbei, das bei der Betrachtung ihrer Gemeinsamkeiten, Ibn Khaldun in mancher Hinsicht geradezu als Vorgänger für die westlichen Wirtschafts- und Staats-theoretiker gesehen werden kann, was den Anstoß zu dieser Arbeit gab. Hierin kommt ein zentrales Anliegen dieser Arbeit zum Ausdruck: Diese Arbeit ist bestrebt, den Blick auf den zentralen klassischen Wirtschafts- und Staatstheoretiker aus einem anderen Kulturkreis zu lenken. So wird einerseits gezeigt, dass zentrale moderne Vorstellungen viel älter sind als gemeinhin angenommen und sich trotz aller kultureller Differenzen der westlichen und östlichen Welt eine Übereinstimmung in der Beurteilung und Erklärung der Grundprinzipien von Wirtschaft und Staat ergeben hat. Damit soll nicht behauptet werden, dass Ibn Khaldun weltweit der Erste war, der Thesen über die Ökonomie aufstellte, sondern es soll vor allem der eurozentristische Blick um eine Komponente bereichert werden. Dabei muss aufgrund der Quellenlage leider die Frage außen vor gelassen werden, ob und wenn ja, inwieweit die klassischen westlichen Theoretiker Ibn Khaldun kannten und in welchem Maße er sie beeinflusste.
In Kapitel 5 wird anschließend die Relevanz von Khalduns Thesen für die heutige Zeit untersucht. Die Arbeit schließt mit einem zusammenfassenden Schlusswort.
2
2. Das Leben Ibn Khalduns
Ibn Khaldun wurde am 27. Mai 1332 in Tunis (Tunesien) geboren. Sein vollständiger Name lautet Abu Zaid ´Abd ar- Rhaman Ibn Mohammed Ibn Khaldun Wali ad- Din at-Tunisi al- Hadrami al- Isbili al- Maliki, 5 wobei es keine eindeutige Schreibweise des Namens gibt. Bei den Recherchen stößt man auf die verschiedensten Schreibweisen, so etwa Ibn Haldun, Ibn Chaldun, Ibn Kaldun und Ibn Khaldoun. In der vorliegenden Arbeit wird die Schreibweise Ibn Khaldun verwendet.
Sein Leben ist für die damalige Zeit sehr gut dokumentiert, da er eine Autobiographie (al-ta`rIf bi-ibn Haldun wa-rihlatuhu garban wa-^sarqan hrsg. von Muhammad ibn Tâwît al-Tanjî Kairo 1951) hinterlassen hat, in der er zahlreiche Dokumente, sein Leben als Angehöriger verschiedener Institutionen betreffend, wörtlich zitiert. Aussagen, die sein Privatleben betreffen, liegen dagegen kaum vor, so dass man nur sehr wenig über seine familiären Verhältnisse erfährt.
Ibn Khaldun stammte aus einer Familie, die im 8. Jahrhundert aus dem Jemen nach Spanien emigrierte, von wo sie im Zuge der Reconquista nach Nordafrika flohen 6 . In seiner Autobiografie führt Ibn Khaldun seine Abstammung bis in die Zeit des Propheten Mohammed auf einen arabisch-jemenitischen Stamm aus Hadramut zurück 7 . Die meiste Zeit lebte seine Familie in Tunis. Ibn Khaldun kam aus einer sehr einflussreichen arabisch-andalusischen Familie. Sein Vater genoss in Tunis hohes Ansehen als Kenner des Korans, des islamischen Rechts, der Grammatik und der Poesie. Er legte sehr viel Wert auf eine gründliche Ausbildung seiner Kinder. Durch die Kontakte seines Vaters zur Hafasidendynastie lernte Khaldun bereits in seiner Kindheit auf Kombination von Bildung und staatsmännischer Ansicht näher kennen.
Ibn Khaldun genoss eine traditionelle Ausbildung in der arabischen Philologie und studierte Theologie, Philosophie, Logik, Mathematik, Geometrik, Metaphysik, Astronomie und Musik 8 zusätzlich führte ihn sein Vater in die Rechtswissenschaft und in die Poesie ein.
Seine Karriere begann als Unterschriftsberechtigter und Kalligraph am Hofe Tunis. In dieser beratenden Funktion wurde er in alle Regierungsgeschäfte eingeweiht. Obwohl er
5 Vgl. Daiber (2000), S. 34.
6 Vgl. ebenda.
7 http://www.eslam.de/begriffe/i/ibn_chaldun.htm .
8 Vgl. Exenberger 2001.
3
sehr gute Aussichten auf eine politische Karriere am Hofe Tunis hatte, wechselt er im Jahre 1354, dank der Beziehungen seiner Familie zu den merinidischen Herrschern, nach Fez 9 . Einer der Gründe hierfür lag darin, dass er infolge einer verheerenden Seuche sowohl seine Eltern als auch einen Großteil seiner Lehrer und Freunde verloren hatte 10 . Ein anderer Grund war, dass der merindinische Herrscher Abu Inan in dieser Zeit die Wissenschaft sehr förderte und viele Gelehrte um sich versammelte. Durch den entstehenden Kontakt zu den Gelehrten konnte Khaldun seine Ausbildung optimieren. Neun Jahre lebte Ibn Khaldun in Fez 11 . In dieser Zeit war er kurzfristig als Sekretär in der Verwaltung tätig.
Das bewahrte ihn aber im Jahre 1357 nicht davor, aufgrund seiner Freundschaft zu Abu Abdallah, einem Widersacher Abu Inans, für 21 Monate inhaftiert zu werden. Ein Grund hierfür wird nirgends aufgeführt. Erst nach dem Tode des Herrschers endete seine Haft 12 . Da Khaldun ständig den Bruder Abu Inans, Abu Salim, der der nächste Herrscher Marokkos wurde, unterstützt hatte, dankte dieser es Khaldun, indem er ihm die Position des Staatssekretärs zusprach und ihn mit der Regelung des Teils der Rechtsprechung betraute, der nicht von islamischen Vorschriften erfasst war. Nach dem Tode Abu Salims fühlte sich Khaldun in Fez nicht mehr sicher und wanderte nach Granada aus. Khaldun, der mittlerweile ein hohes Ansehen in der arabischen Welt hatte, wurde durch Mohammed V., dem Herrscher Granadas, mit der Ratifizierung eines Friedensvertrages zwischen Kastilien und den Muslimen beauftragt. Bei dem Treffen mit Khaldun, schlug ihm der christliche Herrscher, Pedro der Grausame, bei dieser Gelegenheit vor, an seinem Hofe tätig zu werden. Als Anerkennung würde Khaldun die Besitzeigentümer seiner Familie in Sevilla zurückbekommen. Ibn Khaldun lehnt jedoch ab 13 .
Um die Rivalität zwischen ihm und seinem Freund, dem Wesir Ibn al- Hatib, nicht weiter anzufachen, lässt sich Khaldun im Jahre 1365 in Bougie 14 nieder. Dort übernimmt er den Posten eines Kämmerers und hält nebenher juristische Vorlesungen. Als eine militärische Auseinandersetzung zwischen dem Herrscher von Bougie und seinem Vetter entsteht, flieht Ibn Khaldun und lässt sich im Jahre 1366 in Biskra 15 nieder. Als Ibn
9 Vgl. Daiber (2000), S. 35.
10 http://www.aurora-magazin.at/gesellschaft/patriarca_khaldun_frm.htm .
11 Stadt im heutigen Marokko.
12 Vgl. Daiber (2000), S. 35.
13 Vgl. ebenda.
14 Stadt im heutigen Algerien.
15 Stadt im heutigen Algerien.
4
Khaldun aufgrund gespannter Verhältnisse beschließt zu den Meriniden, nach Spanien zu gehen, wird er vom Herrscher Abd al-Aziz daran gehindert und zum Kontaktmann zwischen ihm und den arabischen Stämmen gemacht. Als er nach zweijähriger Tätigkeit den Auftrag von Abd al- Aziz erhielt mit seiner Familie von Biskra nach Fez zu wechseln, erreicht ihn die Nachricht vom Tod al-Azizs. Er setzt seine Reise dennoch fort, beschließt aber nach seiner Ankunft in Fez, wegen den dortigen politischen Unruhen nach Spanien auszuweichen. Die Regierung in Granada bittet, nach Fez zurückzukehren 16 .
Nach seinen Reisen zwischen Fez und Granada zieht er sich aus dem öffentlichen Leben zurueck und lässt sich mit seiner Familie in der Provinz Oran 17 in der einsamen Burg Qalaat Ibn Salama für drei Jahre nieder. Dort beginnt er, sein Hauptwerk kitab al-`ibAr zu schreiben. Im Jahre 1378 verlässt Khaldun die Burg, weil ihm dort keine Bibliothek zur Verfügung steht und reist nach Tunis. Dort angekommen, erlaubt ihm der dortige Herrscher, juristische Vorlesungen zu halten. Aufgrund seines enormen Wissensumfanges und weltläufigen Auftretens zog er dort den Neid der anderen Gelehrten auf sich. Um dieser Situation zu entfliehen, bittet er den Herrscher um Erlaubnis, die Pilgerfahrt nach Mekka machen zu dürfen 18 . Unter diesem Vorwand zieht er sich aus dem öffentlichen Leben in Tunis zurück und erreicht auf dem Seeweg im Jahre 1382 Alexandria, um von dort nach Kairo weiterzureisen 19 . In Ägypten lässt er sich bis zum Ende seines Lebens nieder, abgesehen von einigen Reisen in den Osten. Seine Familie, die er auf dem Seeweg von Tunis nach Kairo nachreisen lässt, kommt bei einem Unwetter ums Leben 20 .
In den darauf folgenden Jahren besitzt Ibn Khaldun in Ägypten Lehrbefugnisse an verschiedenen Universitäten und Lehranstalten 21 . Im Jahre 1400 begleitet er den Herrscher Ägyptens auf eine Expedition nach Damaskus, das von Timur Lenk belagert wird 22 . Dort trifft er sich als Unterhändler im Jahre 1401 mehrmals mit Timur, der ihm anbietet, in seine Dienste zu treten, was Khaldun aber ablehnt 23 . Als Eroberer interessiert sich Timur für Khalduns Kenntnisse über den Westen 24 und dessen Geographie. Umgekehrt
16 Vgl. Daiber (2000), S. 36 .
17 Liegt im heutigen Algerien.
18 Vgl. ebenda.
19 Vgl. Pätzold (1992), S. 11.
20 Vgl. ebenda.
21 Vgl. ebenda.
22 Vgl. ebenda.
23 Vgl. ebenda.
24 Westen bezeichnet hier nicht Europa, sondern alles was geographisch westlich von Damaskus liegt.
5
nutzt Ibn Kahldun die Gelegenheit, um aus erster Hand Informationen über die östlichen Völker und ihren Herrscher Timur zu erhalten um diese für eigene Zwecke bzw. die seines Herrschers zu gebrauchen. Ibn Khaldun, der am 17.03.1406 starb, wurde insgesamt sechsmal als oberster Richter ein- und abgesetzt 25 . (Siehe Abb.1)
Ibn Khaldun wurde in der modernen Literatur vorgeworfen, ein Opportunist gewesen zu sein, der die Parteien ständig wechselte. Dieser Vorwurf ist für Severs völlig ungerechtfertigt, da Ibn Khaldun in einer Gesellschaft lebte, in der ein Parteiwechsel nicht ungewöhnlich war. In dieser Zeit waren die Gesellschaften Nordafrikas in Stämme und ihre Gefolgsleute gegliedert, in denen die Gefolgsleute zum Dienst bei wechselnden Herrschern verpflichtet waren und die Herrscher für die Sicherheit ihrer Gefolgsleute ver-antwortlich waren 26 . Hierzu führt Assaf auf, dass Khaldun sehr bemüht war, in seiner Autobiographie seine Parteiwechsel zu rechtfertigen, und dass er so lange loyal war, bis seine Sicherheit durch Arglist oder Tod des jeweiligen Herrschers nicht mehr gewährleistet war 27 .
2.1. Khalduns Werke
"Ibn Khaldun ist der einzige Lichtpunkt in seinem Bereich des Firmaments ... Er hat eine Philosophie der Geschichte entwickelt und zu Papier gebracht, die zweifelsohne die größte Leistung ihrer Art ist, die jemals durch einen Kopf zu irgendeiner Zeit und an einem Ort erbracht worden ist" (Toynbee) 28 .
Im Zentrum des Werkes Ibn Khalduns stehen, anders als bei den meisten arabischen Wissenschaftlern, zahlenmäßig nur wenige Arbeiten. Ohne Zweifel ragt aus seinem Opus die Universalgeschichte kitab al-`ibAr heraus. Auffällig ist, dass Ibn Khalid in seiner Autobiographie keine weiteren Werke erwähnt, was den Schluss nahe legt, dass er sich einzig als Historiker begriff, wodurch die Autorschaft an der Universalgeschichte für ihn natürlich einen besonderen Stellenwert besaß. Dennoch berichten ergänzende Quellen über weitere Werke, die er vornehmlich während der Zeit in Nordafrika und Spanien verfasst hat bzw. die dort ihren Ursprung haben. Sein wissenschaftliches Renommee gründet sich, wie auch Emam Assaf betont, aber vor allem auf das universalen
25 Vgl. Pätzold (1992), S. 11.
26 Vgl. von Severs (1968), S. 19.
27 Vgl. Assaf (2000). 128.
28 Vgl. Bliss 2000.
6
Arbeit zitieren:
B. A. Turhan Kurt, 2008, Die Muqaddima - Ibn Khalduns ökonomische Theorien im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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