Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis II
Abk ürzungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis II
1. Einführung in die Problemstellung 1
2. Theorie der Kooperation und Netzwerkstrukturen 2
3. Einflussfaktoren der Mikrofinanzwirtschaft 4
3.1 Beschreibung der Grundstrukturen des Mikrofinanzmarktes 4
3.2 Produkte und Dienstleistungen des Mikrofinanzsystems 6
4. Analyse der Kooperation in regionalen Mikrofinanznetzwerken 8
4.1 Untersuchung regionaler Wirtschaftsstrukturen des Mikrofinanzsektors 8
4.2 Interaktionsmuster und Kooperation als Grundlage des Finanzmanagement 12
4.3 Implementierung evolutorischer Entwicklungsansätze in der Mikrofinanzökonomie 15
5. Ergebnisse ökonomischer Modellbetrachtung 19
5.1 Schlußfolgerungen praktischer Anwendungskonzepte 19
5.2 Vergleich theoretischer Entwicklungsansätze und empirischer Beobachtung 22
6. Zusammenfassung und Ausblick 24
Literaturverzeichnis 26
Eidesstattliche Erklärung 29
B
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Strukturen des Mikrofinanzmarkts 5
Abbildung 2: Eine Soziale/kommerzielle Hybridwelt 8
Abbildung 3: Interaktionsmuster des Mikrofinanzsektors 13
Abbildung 4: Determinanten des Moral Hazard Problems bei Mikrokrediten 17
Abbildung 5: Backward induction des Interaktionsmuster zwischen MFI und MFU 18
Abbildung 6: Mikrofinanznetzwerk des DMI 20
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Kreditbedarf anhand der Existenzgründungen innerhalb der BRD 21
Abkürzungsverzeichnis
Bzw. Beziehungsweise DMI Deutsches Mikrofinanzinstitut Etc. Etcetera KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau MFU Mikrofinanzunternehmer MFI Mikrofinanzinstitution MFInv Mikrofinanzinvestor NGO Non-Governmental Organization z.B. Zum Beispiel
II
1. Einführung in die Problemstellung
Der Mangel an Arbeit und das Fehlen von sozialen Netzwerken in Entwicklungsländern führte zu einem Bedarf nach einer neuen Form von Finanzinstituten. Ihre Aufgabe besteht in der Vergabe kleinerer Kredite an einkommensschwache Unternehmer und Existenzgründer. Das heutige Vorbild einer Mikrofinanzinstitution folgt dem sogenannten Grameen Ansatz des Friedensnobelpreisträgers Muhammed Yunus. Die Theorie der Mikrofinanzwirtschaft ist in diesem Sinne einer der wenigen Ansätze mit dem Ziel der Armutsbekämpfung unter Berücksichtigung der Stärke der Armen anstatt ihrer Defizite. 1 Sein Konzept spiegelt das Bedürfnis nach einfachen und kosteneffizienten Methoden wieder, ärmere Teile der Bevölkerung für einen gemeinsamen Mehrwert der Gesellschaft in bestehende Wirtschaftsstrukturen zu integrieren. Während traditionelle Entwicklungsprogramme oftmals ohne ein anhaltendes Ziel der Wohlstandssicherung arbeiten, besitzt der moderne Ansatz der Mikrofinanzwirtschaft die Aufgabe durch wirtschaftlichen Erfolg die Menschen von der Abhängigkeit nach privaten bzw. öffentlichen Zuwendungen zu befreien. Die regionalen Netzwerke des Mikrofinanzsektors sind in diesem Zusammenhang ein Resultat der Interaktionsmuster zwischen den einzelnen Akteuren des Mikrofinanzmarkts. Der Konflikt innerhalb der Mikrofinanzwirtschaft ergibt sich nun aus der richtigen Gestaltung dieser Netzwerke für ein möglichst erfolgreiches, nachhaltiges Finanzmanagement. Während traditionelle Mikrofinanzinstitute durch Spenden finanziert werden und ihre Aufgabe in der reinen Armutsbekämpfung sehen, gibt es unabhängige Mikrofinanzinstitute deren Ziel in der Erwirtschaftung der eigenen Kapitalreserven zu Gunsten einer freizügigen Kreditvergabe an ärmere Bevölkerungsteile besteht. Die Analyse dieser unterschiedlichen Ansätze bestimmt auch die Ausprägung der Beziehungen zwischen den Akteuren der unterschiedlichen Finanznetzwerke. Die Analyse der Netzwerkstrukturen ergibt sich hierbei aus dem wirtschaftswissenschaftlichen Charakter der Kreditvergabe zu Gunsten einer verstärkten Kooperation zwischen den Akteuren. 2 Die Aufgabe sollte daher in der Generierung von Netzwerken als Maßnahme der Armutsbekämpfung oder Wettbewerbssteigerung mit dem Ziel einer nachhaltigen finanziellen Förderung der Akteure innerhalb der Region darstellen. Die unterschiedlichen Ausprägungen von Mikrofinanznetzwerken und ihrer Einflussfaktoren innerhalb des Mikrofinanzsektors stellen nicht nur die Kreditgeber und Kreditnehmer vor neue Entscheidungsprobleme sondern ebenso die Mikrofinanzinstitutionen für eine Verbesserung ihrer Leistungen auf dem Mikrofinanzmarkt.
1 Vgl. Counts, A. (2008) S. 2
2 Vgl. GTZ (2002) S. 35
1
2. Theorie der Kooperation und Netzwerkstrukturen
Innerhalb der Wirtschaftswissenschaften ist die Betrachtung der Kooperation von individuellen Akteuren ein Bereich der Analyse von Interaktionsbeziehungen. Als Grundlage dient in der institutionellen Analyse eine Betrachtung von interdependenten Beziehungen zwischen Akteuren in einer sozialen Entscheidungssituation bei der durch Kooperation eine gemeinsame superiore Situation hergestellt werden kann. 3 Es besteht hierbei zwar der Anreiz zu einem einseitigen Abweichen jedoch ist allen Akteuren bewusst, dass bei beidseitigem Abweichen das gemeinsame Ergebnis niedriger ist als bei gegenseitiger Koordination. Die Bedeutung von sozialen Entscheidungssituationen ergibt sich nun aus einem reziproken Charakter der Interaktion zwischen den Akteuren in der die Entscheidung von einem Akteur nicht nur eine Auswirkung auf den Akteur selbst sondern auch auf seine Interaktionspartner besitzt. Somit führt ein Entscheidungsproblem zur Bildung einer Institution wenn die Vorteile durch die Kooperation des Anderen größer sind als die Kosten der Kooperation für den Akteur selbst. 4
Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Unsicherheit für die Bildung von Kooperationsbeziehungen. Die Bedeutung von echter strategischer Unsicherheit für die Prognose von Verhaltensweisen ergibt sich aus der Beschreibung von zukünftigen sozialen Situationen in einem wechselseitigen Entscheidungsproblem. Die Situation der echten Unsicherheit kann beschrieben werden als einen Zustand der nicht vorhergesagt werden kann oder nicht mit einer möglichst genauen Wahrscheinlichkeit bzw. Risikofaktor vorhersagbar ist. Mögliche Verhaltensweisen können beeinflusst werden zugunsten einer gemeinsamen Kooperationsbereitschaft ohne das weitere Abhängigkeiten oder ein Anreiz nach einem allgemeinen Altruismus vorhanden sein müssen. Das Ergebnis ist eine Kooperation auf der Grundlage einer individuellen, nutzenmaximierenden Entscheidungssituation, welche unter bestimmten Restriktionen wie z.B. einem eingeschränkten Vertrauensniveau zu einer Förderung von
Koordinationsbeziehungen innerhalb einer stabilen Institution beitragen kann. Das Resultat ist somit die Bildung von Institutionen im Rahmen von Entscheidungsprozessen von individuellen Akteuren für die Verbesserung der Zukunftserwartungen und der Bewertung möglicher zukünftiger Entscheidungsprozesse zu Gunsten eines langfristig besseren Ergebnisses. 5 Die Beeinflussung von Institutionen kann daher durch die Beeinflussung der individuellen Kosten der Akteure geschehen welche aus den Kooperations- bzw.
3 Vgl. Elsner, W. (2001) S. 68
4 Vgl.Axelrod, R. (2005) S. 156
5
2
Opportunitätskosten zusammengesetzt werden. Gemeinsam bildet sie in dem Verhältnis von Kooperationskosten zu Opportunitätskosten einen Diskontfaktor der die Wahrscheinlichkeit oder Bedeutung der Zukunftserwartung wiederspiegelt.
Wen wir nun die Bedeutung von Akteuren für die Bildung von Institutionen betrachten, lassen sich hier Entwicklungen von Netzwerkbildung als Grundlage einer fortschreitenden Segregation innerhalb der Mehrheit von Individuen erkennen. 6 Anders als traditionelle Netzwerktheorien bedeuten Interaktionsmuster in diesem Zusammenhang nicht nur die Vernetzung einzelner Akteure sondern eine gleichzeitige wechselseitige Interaktion zwischen den Individuen eines Netzwerks. Die Kooperanten sind hierbei als Minderheit der Gesamtpopulation anzusehen deren fortschreitende Interaktion zu einer Bildung von Clustern bzw. Netzwerken beiträgt und somit eine fortschreitende Koordination innerhalb des Netzwerkes fördert. Man könnte in diesem Zusammenhang die Entwicklung von kritischen Mengen an Kooperanten im Verhältnis zur Gesamtheit folgern abhängig von ihren individuellen Verhaltensweisen, wodurch eine kritische Menge ein Kennzeichen für emergente Institutionen darstellt. 7 Innerhalb der traditionellen Netzwerktheorie bedeutet dies eine Verknüpfung von Opportunitätsstrukturen in ein System von weiteren Einflussfaktoren wie Politik, Lebensstil etc. für die Integration wirtschaftlicher Strukturen in ein Gesamtbild des gesellschaftlichen Systems. Als Ergebnis lassen sich Netzwerke konstruieren, die Verbindungsstrukturen anzeigen und als Schnittstelle für unterschiedliche soziale Systeme dienen. Sie bilden nicht mehr nur Verbindungen zwischen einzelnen Akteuren eines Netz sondern dienen als Entscheidungsalternativen der Akteure unter Berücksichtigung von wirtschaftlichen Entscheidungskalkülen. Die Problematik besteht nun ob Netzwerke lediglich ein externer Effekt von gesellschaftlichen Systemen darstellt oder stattdessen als ein immanentes Produkt des individuellen, sozialwirtschaftlichen Handelns der Systembildung fungiert. Somit wäre die Darstellung von Kooperation mit Hilfe der Interaktion in und zwischen Systemen eine Abbildung von Institutionen als Netzwerke auf der Grundlage von Handlungsalternativen. Die Netzwerke sind nun Formen der Ordnungsbildung über reflexive Kontakte die sich innerhalb und zwischen den Systemen herausbilden. 8 Das Ziel für die Analyse müsste es nun sein sozialwirtschaftliche Netzwerke zu konstruieren, die nicht nur die Bedeutung der individuellen Akteure beinhaltet sondern stattdessen ein Gefüge von Handlungsalternativen repräsentiert die eine tatsächliche Verhaltensweise der Netzwerkmitglieder untereinander abbildet.
6 Vgl. Schelling, T. C. (1969) S. 1ff.
7 Vgl. Elsner, W. S. 32
8 Vgl. Holzer, B. (2008) S. 162
3
3. Einflussfaktoren der Mikrofinanzwirtschaft
3.1 Beschreibung der Grundstrukturen des Mikrofinanzmarktes
Das Prinzip der modernen Mikrofinanzwirtschaft ist kein neues Konzept der Finanzwelt sondern entstand durch eine Anpassung traditioneller informeller Spar- und Kreditmodelle an die Bedürfnisse der ärmeren Bevölkerung früherer Gesellschaftsformen. 9 Im historischen Vergleich sind hier einige bekannte Finanzierungsansätze zu erwähnen, wie das Modell der irischen „Loan Funds“ und die Bemühungen der deutschen Sparkassen- und Raiffeisenbanken. Die Aufgabenstellung des Mikrofinanzmarktes besteht nun in der sozialverträglichen Finanzierung von Kleinunternehmern durch Darlehen mit angemessenen Zinsen und minimalen rechtlichen und wirtschaftlichen Beschränkungen. Im Vordergrund stehen die Betreuung ärmerer Kreditnehmer sowie die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen für Personen ohne einen konventionellen Zugang zu Finanzmitteln. Die Nachfrage von Kleinkrediten ergibt sich im Besonderen aus dem Bedürfnis nach Finanzmitteln durch sozial schwächer gestellte Individuen der heutigen Gesellschaft. Vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten der Entwicklungs- und Schwellenländer profitieren in großem Maße durch die Unterstützung mittels kostengünstiger Mikrokredite. Es ist jedoch ein steigender Bedarf von Individuen zu verzeichnen welche nicht in Armut leben jedoch Probleme haben Kredite von regulären Stellen zu erhalten, sei es aus politischen oder gesellschaftlichen Gründen, z.B. Emigranten oder Frauen mit fehlenden Sicherheiten. 10 Wenn wir nun den modernen Mikrofinanzmarkt betrachten ist hierbei eine Vielzahl unterschiedlicher Finanzierungsformen hinzugekommen welche das traditionelle Bankensystem erweitert bzw. unterstützt oder auch als direkte Konkurrenz dient. Die eindimensionale Struktur zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer ist hierbei eine Form der Finanzinvestition die zunehmend in den Hintergrund für die Förderung kleiner und Mittelständischer Unternehmen gerät. Die inflexible und eingeschränkte Beratung durch Großbanken fördert hierbei die Entwicklung kleinerer Institute für die Vergabe von Krediten auf Basis einer anhaltenden Unternehmensberatung. Dabei sind nicht nur bezüglich der Finanzkredite sondern ebenso der Geschäftstätigkeit des Kreditnehmers neue Entwicklungen zu verzeichnen die zu einem verbesserten Finanzmanagement beitragen. Die Struktur des modernen Finanzmarktes lässt sich daher wie folgt zusammenfassen. Als Grundlage der Vermittlung von Finanzierungen dient hierbei die Nutzung von Finanzsystemen aufbauend
9 Vgl. Felder-Kuzu, N. (2008) S. 21
10 Vgl. Robinson, Marguerite S. (2001) S. 18
4
auf wechselseitigen Vergabesystemen von Krediten und Rückzahlungen zwischen Investoren, Kreditinterrmediären und Kreditnehmern, beispielhaft in Abbildung 1 dargestellt.
Abbildung 1: Strukturen des Mikrofinanzmarktes
Quelle: Eigene Darstellung
Die Investoren dienen als Kreditgeber für die Bereitstellung von Finanzmitteln auf dem Mikrofinanzmarkt. Sie agieren direkt mit den Kreditintermediären, welche für die Kreditnehmer verhandeln und stellvertretend einen Teil oder das gesamte Risiko der Finanzierung übernehmen. Diese Kreditintermediäre dienen daher als Referenz für die Kreditvergabe und informieren die Investoren über die Einzelheiten des Finanzierungsprojektes. Sie verwalten die Finanzmittel im Sinne der Investoren und Kreditnehmer. Die Kreditnehmer selbst stehen dabei nicht direkt in Verhandlung mit den einzelnen Kreditgebern sondern interagieren direkt nur mit den Finanzintermediären. Dies hat einerseits den Vorteil, dass fachspezifisches Wissen über Modalitäten der Kreditvergabe nur begrenzt benötigt werden und anderseits eine stärkere Beziehung zu den Kreditnehmern aufgebaut werden kann.
Innerhalb des Mikrofinanzmarktes herrscht daher nur ein begrenzter Austausch von Finanzmitteln und Informationen zwischen den einzelnen Akteuren was zu einem Problem der Risikobewertung und Informationweitergabe führen kann.
5
3.2 Produkte und Dienstleistungen des Mikrofinanzsystems
Innerhalb des Mikrofinanzsystems lassen sich unterschiedliche Formen der Finanzierung und Finanzdienstleistung unterscheiden. Anders als traditionelle Finanzinstitute liegt der Focus von Mikrofinanzinstituten nicht ausschließlich in einer marktkonformen Übertragung von Finanzmitteln sondern in einer nachhaltigen Beratung der Kreditnehmer und Unterstützung des Finanzierungsprojektes durch zusätzliche Tätigkeiten und Leistungen. Es lassen sich vier unterschiedliche Formen von Finanzdienstleistungen innerhalb des Mikrofinanzsektors eingrenzen, Mikrokredite, Spareinlagen und -dienstleistungen, Zahlungsdienstleistungen sowie Versicherungsdienstleistungen. 11
Die sogenannten Mikrokredite sind die eigentlichen Finanzmittel des Mikrofinanzinstituts. Sie dienen als Grundlage für die Förderung von Unternehmern mit einem Bedarf nach kleinen oder mittleren Darlehen für die Neugründung oder Sicherung von Unternehmensaktivitäten. Um Kredite an unvorteilhafte Kreditnehmer zu vergeben ist eine besondere Aufmerksamkeit und Beziehung zwischen den Akteuren auf dem Finanzmarkt notwendig. Um Finanzierungsrisiken auf dem Mikrofinanzmarkt zu koordinieren wird ein besonders gutes Verhältnis zwischen Kreditintermediär und Kreditnehmer notwendig welches durch eine Verhältnis von reziproken Vertrauensverhältnissen zwischen den Akteuren gefördert wird. 12 Traditionell sind hierbei NGOs involviert doch durch die zunehmende Entwicklung von alternativen Mikrofinanzinstituten sind auch vermehrt neue Institutionen mit sozialem und kommerziellem Hintergrund anzutreffen. Die Produkte der Mikrofinanzinstitute sind hierbei vielfältig von Darlehen über Mikroleasing, Mikrofranchising bis hin zu Mikrokapitalbeteiligungen.
Eine weitere Form der Dienstleistung auf dem Mikrofinanzmarkt ist die Sammlung und Sicherung von Spareinlagen von Mikrofinanzprojekten der Kreditnehmer. Im Besonderen ist dies interessant für ärmere Bevölkerungsgruppen welche unabhängig von fragwürdigen Kreditgebern werden und somit eine größere Sicherheit für ihren erwirtschafteten Wohlstand erreichen können. Die Bereitstellung von Sparkonten mit speziellen Leistungen für die Kreditnehmer fördert hierbei die Planungssicherheit welche besonders im Bereich der Unternehmungen von ärmeren Bevölkerungsteilen durch sehr unregelmäßige Zahlungen relativ niedrig ist. Die Sparmodalitäten umfassen hierbei einen weiten Bereich von Funktionen der vertraglichen und freiwilligen Form der Spareinlage. Unter vertraglichen Zwangseinlagen werden prozentuale Einlagen in Form von Sparguthaben der Kreditnehmer
11 Vgl. La Torre, M.; Vento, G. A. (2006) S. 8ff.
12 Vgl. Stegbauer, Christian (2002) S. 158
6
gesehen während unter freiwilligen Einlagen Sicherungsbeiträge verstanden werden welche wie bei traditionellen Sparkonten für die Bedürfnisse der Kreditnehmer im Rahmen der Mikrofinanzprojekte angepasst werden können. Die Anforderungen welche durch die Bedürfnisse von Spareinlagen als Analageform der Kreditnehmer einhergeht bedeutet einen erheblichen Aufwand an Ressourcen von Personal, Informationen und Technologie welche verbunden werden mit regulatorischen Ansprüchen der modernen Finanzwelt oftmals due Möglichkeiten von informellen und sozialen Institutionen übersteigt. Daher ist ein weiterverbreitetes Mittel die Transformation von Mikrofinanzinstitutionen oder eine Kooperation mit sogenannten Mikrofinanzbanken. 13
Die Hilfestellung bei der Organisation des Zahlungsverkehrs ist ein weiterer Bereich der Dienstleistung von Institutionen des Mikrofinanzmarktes. Die Bedeutung der Zahlungsmethoden lässt sich im selben Verhältnis wie das der Spareinlagen betrachten. Die besonderen Risiken die mit der Sammlung von Finanzmitteln einhergehen, steigert das Bedürfnis in ärmeren Bevölkerungsgruppen neutrale und sichere Wege zu suchen für die Übermittlung von Zahlungsanweisungen an Freunde oder Familie. 14 Da dies zumeist die Möglichkeiten von traditionellen Mikrofinanzinstituten übersteigt ist in diesem Zusammenhang die Kooperation mit Geschäftsbanken eine häufiger Lösungsansatz. Zu guter letzt ist die Bereitstellung von Versicherungsdienstleistungen eine Form der Hilfeleistung die besonders für die nachhaltige Vorsorge der ärmeren Kreditnehmer eine besondere Bedeutung besitzt. Das Versicherungsmanagement von Risiken ist in diesem Zusammenhang eine weitverbreitete Möglichkeit für die Vorbeugung von Rückzahlungsausfällen. Die häufigsten Formen der Versicherung ist die der Gesundheits- und Lebensversicherung für eine Vorsorge im Falle von Lohnausfall für Familie, Partner und Kreditgeber. 15 Das besonders hohe Risiko in Entwicklungsländern führt hierbei zu einem größeren Risiko aufgrund der Notwendigkeit in halblegalen Wirtschaftsektoren zu operieren. Die Förderung von Kooperationen mit Versicherungsdienstleistern vor Ort ist hierbei eine häufig praktikable Möglichkeit die zusätzlichen Ansprüche an die Mikrofinanzinstitute zu verringern.
Da die Bedeutung für Finanzdienstleistungen wächst ist besonders im Bereich des Mikrofinanzmarktes eine zunehmende Vernetzung von Mikrofinanzinstitutionen mit regulären Stellen der Finanzwirtschaft und sonstigen Dienstleistern ein zunehmend wichtiger Faktor für die Nachhaltige Förderung von Mikrofinanzprojekten.
13 Vgl. Japonica InterSect. (2005) S. 13
14 Vgl. CGAP (2008) S. 17
15 Vgl. IFPRI (2002) S. 2
7
4. Analyse der Kooperation in regionalen Mikrofinanznetzwerken
4.1 Untersuchung regionaler Wirtschaftsstrukturen des Mikrofinanzsektors
Innerhalb der letzten 30 Jahre der Mikrofinanzwirtschaft lässt sich ein verstärktes Bedürfnis nach kostengünstiger Unterstützung für Unternehmer und Existenzgründer verzeichnen. Im Besonderen die Förderung ärmerer Bevölkerungsteile und die damit einhergehende Bekämpfung der Armut ist nicht mehr nur ein Problem der Entwicklungs- und Schwellenländer sondern betrifft im selben Maße auch die gesellschaftlichen Strukturen der vermeintlich höher entwickelten Industrienationen. Gerade innerhalb der heutigen Problemstellung des gesellschaftlichen Konflikts zwischen Arm und Reich bietet die Mikrofinanzwirtschaft Hilfestellung bei einer Vermittlung zwischen karitativer und unternehmerischer Wirtschaftsförderung für einen Brückenschlag zwischen sozialer und kommerzieller Welt. 16
Während einige Mikrofinanzierer als rein sozialorientierte Unternehmungen anzusehen sind, werden heutige Mikrofinanzstrukturen, wie in Abbildung 2 dargestellt, als eine Synthese uneigennütziger Fördermaßnahmen sozialer Spender und ökonomischer Investitionskalküle der unternehmerischen Geschäftswelt beschrieben.
Abbildung 2: Eine soziale/kommerzielle Hybridwelt
Quelle: Felder-Kuzu, N. (2008) S. 46
Die Relevanz regionaler Wirtschaftsstrukturen liegt nun in der richtigen Analyse des zu fördernden Wirtschaftsraumes und seiner Akteure. Anders als traditionelle Wirtschaftstheorien beinhaltet das Mikrofinanzwesen nicht abstrakte Wirtschaftssubjekte sondern hat den Anspruch möglichst realitätsnahe Individuen innerhalb der Wirtschaft
16 Vgl. Felder-Kuzu, N. (2008) S. 46
8
anzusprechen und zu fördern. 17 Folglich lassen sich einzelne Merkmale von Regionen und Personengruppen für eine zielgerichtete Auswahl von Finanzierungsmodellen und Finanzdienstleistungen identifizieren. Die unterschiedlichen Eigenschaften von Kreditnehmern, Finanzintermediären und Kreditgebern dienen als Voraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung regionaler Förderprogramme des Mikrofinanzsektors. 18 Im Unterschied zu konventionellen Fördermaßnahmen besteht hierbei die Herausforderung in der Integration der zu berücksichtigenden Umweltzustände einzelner Akteure für eine
Verbesserung der Kommunikation und Koordination innerhalb des Finanznetzwerkes. Das Mikrofinanzwesen unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen drei Formen von unterschiedlichen Akteuren.
Zu Beginn lassen sich die Kreditnehmer als die schlussendlichen Mikrofinanzunternehmer (MFU) des Netzwerkes untersuchen. Die unterschiedlichen Einflussfaktoren auf die Nachfrage und Bedürfnisse der MFU sind abhängig von ihren individuellen Lebens- und Umweltzuständen. Hierbei sind wesentliche Eigenschaften die sozialwirtschaftlichen Aspekte des täglichen Lebens wie Geschlecht, sozialer Status, Infrastruktur, ethnische, religiöse und politische Herkunft.
Das Geschlecht als offensichtliches Merkmal des MFUs ist besonders hinsichtlich der Förderung sozial schwacher Gesellschaftsgruppen zu berücksichtigen. Vor allem Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern gründen aus sozial schwächeren Gesellschaftsgruppen neue Unternehmen. Die spezielle Betreuung von Frauen bezüglich ihrer Geschlechterrolle in der Gesellschaft sowie die besondere Berücksichtigung ihrer familiären Verpflichtungen wie z.B. Kinderbetreuung, gelten als ein wichtiger Einflussfaktor für den Erfolg eines Mikrofinanzprojektes. Frauen sehen sich und ihren Fähigkeiten besonders starken Vorurteilen gegenüber konfrontiert. Die hohe Motivation der Unternehmerinnen bezüglich ihrer Existenzgründung ist jedoch häufig einer ihrer wesentlichen Vorteile für die Mikrofianznetzwerke und ermöglicht durch ihre spezielle Förderung eine direkte Einwirkung auf die Haushalte ärmerer Bevölkerungteile und somit die Gestaltung einer nachhaltigen Familienförderung. 19
Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist der soziale Status oder der Grad der Armut des MFU. Während in wirtschaftlich schwachen Regionen das Mikrofinanzwesen vorwiegend zu einer Verbesserung der Lebensumstände und einer einhergehenden Minderung der Armut beiträgt, kann in wirtschaftlich stärkeren Wirtschaftsräumen der Bedarf nach günstigen
17 Vgl. Yunus, M. (2008) S. 66
18 Vgl. Ledgerwood, J. (1999) S. 37
19 Vgl. Armendáriz, B.; Morduch, J. (2005) S. 190
9
Finanzdienstleistungen zunehmend für die Förderung bereits bestehender Unternehmen eingesetzt werden. Als Beispiel profitieren in Südamerika, Afrika und Asien vor allem ärmere Bevölkerungsschichten durch Neugründungen von Unternehmen wie der „Grameen Bank“ oder „Grameen-Bitek“ durch neue Arbeitsplätze, günstige Produkte und nachhaltiger Kooperation der Beteiligten. Innerhalb Europas und den USA besteht ebenfalls der Bedarf nach Unterstützung jedoch aufgrund der besseren Infrastruktur können in diesem Zusammenhang im Besonderen kleinere Handwerksbetriebe, Einzelhandelsunternehmen und Existenzgründer von den Leistungen der Mikrofinanzwelt profitieren. 20 Die kostengünstige finanzielle Betreuung erhöht die Chance auf eine positive wirtschaftliche Entwicklung und Bildung eigener Wettbewerbsvorteile der Akteure innerhalb ihrer Regionen. Abschließend sind noch als wichtiges Merkmal die Infrastruktur des Wirtschaftsraumes sowie die religiösen und ethnischen Besonderheiten der MFU zu nennen. Besonders die Unterschiede städtischer und ländlicher Fördergebiete unterliegen einzelnen gravierenden Vor- und Nachteilen. Während städtische Bereiche Vorteile besitzen bezüglich ihrer geringeren Transaktionskosten und dem größeren Wissen über finanzwirtschaftliche Zusammenhänge kann jedoch die Nähe der einzelnen MFU innerhalb der Region selbst zu Konflikten bezüglich des Absatzes und Kooperationsstrukturen führen. Ein erhöhtes Risiko für die Kreditrückzahlungen der MFU wäre die Folge. Im Gegensatz hierzu besitzen ländliche Gebiete anders geartete Problemstellungen. Ein verstärktes Risiko aufgrund einer erhöhten Abhängigkeit von angesprochenen Förderprogrammen sowie einer schwächeren finanzwirtschaftlichen Infrastruktur und dem dadurch schwieriger zu erreichenden Erfolgszielen tragen zu einer höheren Unsicherheit der Akteure der Mikrofinanzprojekte bei. 21 Zusätzlich hierzu sind ethnische und religiöse Merkmale der MFU zu beachten. Das Verständnis der Kultur und Sprache der Kreditnehmer für eine fortgeschrittene Kommunikation und Koordination ist essentiell für eine erfolgreiche Förderung der einzelnen Akteure des Netzwerkes.
Als weitere wichtige Gruppe des Mikrofinanzwesens sind die Mikrofinanzinstitutionen (MFI) als Finanzintermediäre des Netzwerkes zu nennen. Ihre besondere Eigenschaft besteht in der Vermittlung zwischen Kreditgebern und Kreditnehmern für eine enge, nachhaltige und erfolgreiche Förderung einzelner Finanzierungsprojekte. Außer in der Bereitstellung von Finanzmitteln besteht ihre Hauptaufgabe in der Betreuung und Kommunikation mit den einzelnen MFU des Netzwerkes um positive Effekte durch Lernprozesse einzelner MFU für
20 Vgl. Vondrak, T.; Schallauer, C.; Zdrahal-Urbanek, J. (2005) S. 28
21 Vgl. Ledgerwood, J. (1999) S. 41
10
das Netzwerk nutzbar zu machen. Innerhalb der Mikrofinanzwelt lassen sich hierbei bezüglich der regulatorischen Grenzen von Institutionen drei unterschiedliche Arten von MFI identifizieren. 22
Informelle Institutionen sind die am schwierigsten zu untersuchende MFI des Mikrofinanzwesens. Ihre Mitglieder bestehen zumeist aus Selbsthilfegruppen, Interessensverbände, Familien oder individuellen Geldverleihern welche auf freiwilliger Basis Finanzierungsmittel für Projekte zur Verfügung stellen. Eine Regulierung ist aufgrund ihres informellen Charakters zumeist nicht notwendig oder sehr schwer durchzuführen und würde bei einer zu starken Regulierung zu einer Destabilisierung der Kooperationsbeziehungen innerhalb des Netzwerkes beitragen. 23
Halbformelle Institutionen der MFI sind eingetragene Körperschaften die allen rechtlichen Gesetzen und Regelungen unterliegen. Ihre Aufgaben beschränken sich vorwiegend auf die Bereitstellung finanzwirtschaftlicher Leistungen und einer Beratung hinsichtlich einzelner Mikrofinanzprojekte. Ihre Vielfalt umfasst einen weiten Bereich nichtstaatlicher Organisationen, privaten Kooperativen oder Banken in Form von Sparkassen. Während früher vorwiegend nichtstaatliche Organisationen hierbei als Institutionen für die Bereitstellung von Mikrokrediten unter Zuhilfenahme von ehrenamtlichen Helfern für eine technische und sozialorientierte Unterstützung der Kreditnehmer eingesetzt wurden, ist in jüngster Vergangenheit eine Entwicklung von Hybrid-Unternehmen zu verzeichnen mit sozialem Engagement unter Berücksichtigung eines modernen Finanzmanagements mit Hilfe finanzwirtschaftlicher Investitionskalküle.
Formelle Institutionen innerhalb des Mikrofinanzwesens sind dabei registrierte Geschäftsbanken mit einer Fokussierung auf Bankgeschäfte des Mikrofinanzmarktes. Hierbei lassen sich unterschiedliche Grade der Diversifikation in Bezug auf das Bankengeschäft und der notwendigen Dienstleistungen für Mikrofinanzprojekte identifizieren. In diesem Zusammenhang lassen sich sowohl reine Entwicklungsbanken wie auch die KfW Entwicklungsbank als auch Privatbanken wie die Commerzbank finden. 24 Gründe für Geschäftsbanken für ihr Engagement im Mikrofinanzmarkt sind unter anderem die Risikobegrenzung als auch die Nutzung freier Kapazitäten für unterentwickelte Finanzmärkte. Als schlussendlich letzte Gruppe von Akteuren des Mikrofinanzsektors sind die Mikrofinanzinvestoren (MFInv) zu nennen. Außer den traditionellen Investoren des Mikrofinanzmarktes wie soziale Spender und Regierungsorganisationen lässt sich in neuester
22 Vgl. La Torre, M.; Vento, G. A. (2006) S. 5
23 Vgl. Ledgerwood, J.; White, V. (2006) S. 27
24 Vgl. Baechle, J. (2004) S. 35
11
Zeit eine voranschreitende Entwicklung von Mikrofinanzfonds verzeichnen. Der Begriff des Mikrofinanzfonds wird in diesem Zusammenhang als ein Zusammenschluss von nichtkommerziellen, kommerziell orientierter oder kommerzieller Investoren beschrieben, welche man nach Zielsetzung, Investorenart und Anlageform unterscheidet. 25 Unter nicht-kommerziellen Mikrofinanzfonds werden hierbei Entwicklungsorganisationen, Stiftungen und staatliche Entwicklungsbanken verstanden die rein soziale Interessen verfolgen und keine finanzielle Rendite anstreben. Dagegen werden kommerziell orientierte MFInv als an langfristigen finanziellen Renditen interessierte Institutionen mit dem Ziel der unabhängigen Finanzierung der Mikrofinanzinstitute und der Gründung eigenem Finanzierungskapitals angesehen. Als letztes sind kommerzielle Mikrofinanzfonds zu nennen, durch kurzfristige Investitionen mit dem Ziel einer kurzfristigen finanziellen Rendite innerhalb des Mikrofinanzmarkts wird das Ziel verfolgt risikoreichere Portfolio-Investitionen anderer Sektoren auszugleichen.
4.2 Interaktionsmuster und Kooperation als Grundlage des Finanzmanagement
Im Anschluss an die Analyse der Akteure ist es nun möglich die Strukturen des modernen Finanzmanagement innerhalb des Mikrofinanzwesens zu untersuchen. Während traditionelle Finanzierungsmodelle vorwiegend auf einer einseitigen Kommunikation und Interaktion zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer aufbaut, fördert das Mikrofinanzwesen die Nutzung reziproker Interaktionsmuster zwischen den Akteuren als Grundlage eines umfassenden nachhaltigen Finanzmanagements. Dies umfasst einerseits die richtige Auswahl der Investoren bzw. Mikrofinanzfonds, die Nutzung der richtigen MFI für eine möglichst effektive Arbeit innerhalb einzelner Finanzierungsprojekte der Regionen sowie einer Auswahl der richtigen MFU anhand sozialer und wirtschaftlicher Indikatoren. Das Ergebnis ist hierbei eine überwältigend hohe Rückzahlungsquote von über 95% in Mikrofinanzprojekten. 26 Weiterführend lässt sich in diesem Zusammenhang die Interaktion zwischen den Akteuren analysieren, hierbei zeigen sich Formen unterschiedlicher formeller und informeller Kooperationsbeziehungen innerhalb des Mikrofinanznetzwerkes. Während formelle Kooperationen gekennzeichnet sind durch vertraglich festgelegte Regelungen von Gesetzen, Normen und Standards, werden informelle Kooperationen im Besonderen durch persönliche Beziehungen zwischen den einzelnen Akteuren des Finanznetzwerkes bestimmt. 27
25 Vgl. Felder-Kuzu, N. (2008) S. 53
26 Vgl. Wydick, B. (2008) S. 115
27 Vgl. Zentes, J.; Swoboda, B.; Morschet, D. (2005) S. 549
12
Die einzelnen Kooperationsbeziehungen des Mikrofinanzsektors lassen sich somit zurückführen auf das Bedürfnis der Kreditnehmer nach einer eigenständigen unternehmerischen Tätigkeit und einem größerem Wohlstand. Ein Mikrofinanzprojekt ist somit nicht nur ein altruistisches Prinzip der sozialen Marktwirtschaft sondern folgt einem Bedürfnis der gegenseitigen Koordination und Kooperation im Rahmen einer wirtschaftlichen Unternehmung. In der Mikrofinanzwirtschaft entstehen in diesem Sinne wechselseitige Vorteile durch Kooperation, wenn Vorteile aus der Kooperation des einen größer sind als die Kosten der Kooperation des anderen. 28 Die zielgerichtete Förderung von MFU führt somit dann zum Erfolg wenn die Vorteile der Kooperation durch die MFU größer ist als die Summe der Projektkosten für die einzelnen MFI und im Gegenzug die Kooperation der MFI einen größeren Vorteil bietet als die Finanzdienstleistungen an Kosten für die MFU verursachen, entsprechend ließe sich die Kooperationsbeziehung zwischen MFInv und MFI beschreiben. Um diesen Zusammenhang zu verdeutlichen ist es notwendig die einzelnen Wechselwirkungen zwischen den Akteuren genauer zu untersuchen. Die Interaktionsmuster zwischen den drei wichtigsten Gruppen von Akteuren sind entsprechend der Abbildung 3 darstellbar.
Abbildung 3: Interaktionsmuster des Mikrofinanzsektors
Quelle: Eigene Darstellung
Zu Beginn jedes Projektes steht die Beratung der MFU im Vordergrund. Die Bereitstellung von Finanzmitteln ist hierbei nur eine von vielen Aktivitäten die zwischen den Kreditnehmern und den einzelnen Mikrofinanzinstituten koordiniert werden müssen. Im Blickpunkt stehen
28 Vgl.Axelrod, R. (2005) S. 156
13
die Definition des Projektziels, Erstellung eines Geschäftsplans und der damit einhergehenden Auswahl der zu fördernden Unternehmung. Hierbei besteht für die Kreditnehmer wie auch für die MFI die Herausforderung in der richtigen Wahl des Finanzierungsmodells. Der Wirkungsbereich des Finanznetzwerkes besitzt somit besondere Merkmale bezüglich der Kooperation in Mikrofinanzprojekten. Das Prinzip einer gemeinsamen Koordination für einen größeren Erfolg von Finanzierungsprojekten baut dabei auf einem Prinzip der anhaltenden Kooperation und zunehmenden Vertrauensbildung durch spezielle Formen der Finanzierung auf, z.B. Gruppenkredite (Group lending, etc.). Das Resultat ist ein auf Vertrauen basierendes Finanzmanagement einer wechselseitigen Kooperation zu Gunsten einer nachhaltigen Finanzwirtschaft. 29 Innerhalb des Mikrofinanzwesens setzt dies eine dauerhafte, anhaltende Zukunftserwartung der Akteure voraus, gefördert durch kürzere Finanzierungszeiten und einer Erhöhung der Beziehungsintensität zwischen den einzelnen Projektpartnern. Dabei ist die Bewertung von Projekterfolgen bezüglich sozialorientierter Mikrofinanzprojekte gesondert zu betrachten. Die Nutzung von vertrauensbildenden Maßnahmen führt hierbei einerseits zu einer Stärkung der Unternehmung durch eine erhöhte Rückzahlungsquote und andererseits zu einer zusätzlichen Rendite durch die Generierung von zusätzlichem Sozialkapital. 30 Während traditionelle Finanzprojekte den Erfolg an der Höhe der finanzwirtschaftlichen Rendite festlegen, besitzt das Mikrofinanzwesen eine weitere Form von Erfolgsindikator in Höhe einer zusätzlichen sozialen Rendite. Dies führt zu einer Verringerung der Kooperationskosten und einer höheren Kooperationsbereitschaft der Akteure, eine höhere Zukunftserwartung und eine langfristige Kooperation sind die Folge. Bei abweichendem Verhalten käme es innerhalb des Netzwerkes nicht nur zu einem Verlust an Einkommen und Rendite sondern zusätzlich zu einem Verzicht auf Sozialkapital. Alternativ könnte man argumentieren, die Opportunitätskosten sinken im Verhältnis zu den Kooperationskosten wodurch ein negativer Effekt auf die Bereitschaft der Akteure zur Defektion generiert wird und der Diskontfaktor der Zukunftserwartung sinkt. Wenn wir nun die Beziehung zwischen MFInv und MFI untersuchen lassen sich hierbei ebenfalls besondere Formen von Kooperationsbeziehungen bezüglich der Beschaffung und Verteilung von Finanzmitteln beobachten. Die besondere Stellung der MFI als Vermittler innerhalb des Mikrofinanzmarktes führt hierbei zu der Frage der richtigen Institution für den Zweck der Förderung. Wie bereits beschrieben lassen sich Wechselwirkungen zwischen der Aufgabe von MFI und der Art ihrer Investoren beobachten. Die Aufgaben
29 Vgl. Ravicz, R. M. (1998) S. 1
30 Vgl. Van Bastelaer, T (2000) S. 4
14
Mikrofinanzinstituten haben sich in der Mikrofinanzwirtschaft enorm gewandelt. Während früher zumeist der Bedarf an Finanzmitteln für Mikrokredite durch soziale Spender oder Hilfsorganisationen bzw. durch NGOs gedeckt wurde, zeigte sich ein zunehmender Bedarf an zusätzlichem Finanzkapital für eigenständige Organisation der MFI. Der limitierte Zugriff und die kürzeren Planungsphasen aufgrund eines beschränkten Kapitalzugangs, bedeuten eine negative Beeinflussung von Mikrofinanzprojekten bezüglich ihrer zusätzlichen Dienstleistungsaspekte, welche eine Kooperation für die MFU erst lohnenswert macht. Die Fragestellung für MFI besteht nun in der Attraktivität für Investoren zu steigern ohne ihre eigentliche Aufgabe der Unterstützung von MFU bzw. Aufgabe der Armutsbekämpfung zu vernachlässigen. Ein weitverbreiteter Entwicklungsansatz ist die Transformation von informellen MFI in regulierbare und somit auf gesetzlichen Bestimmungen aufbauende MFI der Finanzwirtschaft. Hierbei gilt es einerseits die Bedürfnisse der MFU zu bedenken als auch die neuen Anforderungen der Mikrofinanzinvestoren mit einzubeziehen. Die Entwicklung eines übergreifenden Kodex für die Einbindung von halbkommerziellen und kommerziellen Kreditgebern ist hierbei eines der wesentlichen Anliegen in der Transformation von MFI. Einer der weitverbreiteten Ansätze ist die Entwicklung von verschiedenen Formen von Fiduciary Governance (Treuhänder Kontroll- und Steuerungsstrukturen) für die Vermittlung unternehmerischer Ziele innerhalb des Mikrofinanznetzwerkes. Diese Steuerungsstrukturen beschäftigen sich mit der Beziehung zwischen den Eigentümern und der Investoren bezüglich ihrer Schulden oder Finanzaktivitäten auf dem Mikrofinanzmarkt. 31 Das Ziel hierbei kann lediglich sein auf beiden Ebenen ein größeres Verständnis für die Bedürfnisse von Mikrofinanzprojekten zu fördern. Auf der einen Seite ist hierbei den Investoren zu vermitteln das ein Engagement im Mikrofinanzmarkt ein längerfristig bindendes Finanzgeschäft mit einem anhaltenden Investitionscharakter betrifft, wodurch der Rückzug aus dem Finanzgeschäft erschwert wird. Anderseits unter den MFI das System von Kreditbewertungen weiterentwickelt werden muss um Finanzinvestoren eine breitere Basis für ihre Kalkulationentscheidungen auf dem gesamten Finanzmarkt zu bieten als es heute der Fall ist.
31 Vgl. Pouloit, R. (2006) S. 161; CGAP (1997) S. 2ff
15
4.3 Implementierung evolutorischer Entwicklungsansätze in der Mikrofinanzökonomie
Die Entwicklungsansätze moderner Evolutionsökonomie bilden einen wesentlichen Beitrag für moderne Finanzierungsmethoden in der Mikrofinanzwirtschaft. Folgende drei Theorieansätze sind hierbei entscheidende Analyseverfahren für die Untersuchung von Mikrofinanznetzwerken. Der Begriff des Vertrauens für die Bildung von Sozialkapital, Informationsasymmetrien für die Entscheidungsfindung bei der Vergabe von Mikrokrediten sowie spieltheoretische Analysemethoden in der Mikrofinanzwirtschaft. Das Vertrauen als Grundlage der Mikrofinanzwirtschaft ist eine der wesentlichen Ideen für die Bildung nachhaltiger Beziehungen innerhalb des Finanzmanagements. Ein berühmter Ansatz ist der Gedanke, dass Arme gerade aufgrund dessen als kreditwürdig anzusehen sind, da sie besonders vertrauenswürdig seien. Dies baut im Allgemeinen auf der Prämisse eines Eigeninteresses der Akteure auf. Das Ziel ist hierbei die Nutzenmaximierung durch eine Vergrößerung des finanziellen Wohlstands. Während in traditionellen Finanzierungssystemen dies als Rechtfertigung für die Förderung des Vertrauensniveaus durch Standards und Kodizes dient, baut das Mikrofinanzsystem vor allem auf einem Prinzip der Förderung von Vertrauen durch eine Generierung von zusätzlichem Sozialkapital auf. Unter dem Begriff Sozialkapital ist hierbei die Förderung eines “Horizontalen Interessensverband” von sozialen Netzwerken und gemeinschaftlichen Normen zu verstehen, die einen Effekt auf die Produktivität der Gesellschaft haben. 32 Das besondere des Vertrauens für die Förderung des Sozialkapitals als Indikator für den Erfolg eines Mikrofinanznetzwerkes ergibt sich aus der Gestaltung von Institutionen als Grundlage der Netzwerkbildung. Mit einem zunehmenden Vertrauensniveaus steigt die Vernetzung der Bevölkerung dies trägt zu einer Förderung von Interessensgruppen bei mit der Bildung von Institutionen. Die Folge ist eine bessere Koordination als es ohne Kooperationsformen in der vollkommenen Konkurrenz der freien Marktwirtschaft möglich wäre. Auch wenn dies zu einem Problem von Machtpositionen beiträgt ist besonders für die ärmere Bevölkerung dies eine Möglichkeit sich in bestehende Wirtschaftsstrukturen zu integrieren. Für bestehende Unternehmen ist Vertrauen in Mikrofinanznetzwerken besonders als Grundlage für die Verbesserung von Wertschöpfungsprozessen von Interesse. Als Beispiel hierfür ist die Bedeutung der „Lean-production“ als Grundlage der Förderung von Vertrauen für die Verbesserung von logistischen Prozessen und Funktionen für eine zunehmende Integration einzelner Ablauf- und Netzwerkstrukturen innerhalb eines Unternehmens. 33 Ein
32 Vgl. Holzer, B. (2006) S. 15; Lin, N. (2001) S. 184
33 Vgl. Fukuyama, F. (1995) S. 258
16
zunehmendes Vertrauensniveau zwischen den einzelnen Akteuren innerhalb des Finanznetzwerkes kann somit zu einer verbesserten Interaktion in der Umsetzung von Mikrofinanzprojekten beitragen.
Die Analyse von Informationsasymmetrien bildet hierbei eine weitere Basis für eine neue Form der Kreditvergabe und Regulierung mittels reziproker Interaktionsmuster. Die Bedeutung von Informationen für die Vergabe von Mikrokrediten lässt sich vereinfacht in der Darstellung 4 betrachten.
Abbildung 4: Determinanten des Moral Hazard Problems bei Mikrokrediten
Quelle: F. Simtowe, M. Zeller, A. Phiri
Die Bedeutung von Informationsasymmetrien in der Mikrofinanzwirtschaft lassen sich in diesem Sinne anhand des Zeitpunkts der Risikoübernahme untersuchen. 34 Der Unterschied von einseitigen und beidseitigen Informationsdefiziten bildet hierbei die Grundlage für die die Analyse von Problemstellungen bei der Kreditvergabe durch MFI im Laufe der Kreditvergabe. Wie bereits dargestellt besteht das anfängliche Risiko in der Wahl der richtigen Kreditnehmer auf Grundlage eines Auswahlverfahrens der MFI. Dies führt zu einer Problematik der Adversen Selektion von guten zulasten von schlechten Risiken. In einem schlechten Fall würden nur noch Kreditnehmer bevorzugt welche eine möglichst hohe Sicherheit und Rückzahlungsmöglichkeit versichern könnte wodurch ärmere Gruppen von
34 Vgl. Simtowe, Franklin; Zeller, Manfred; Phiri, Alexander (2006) S. 3ff
17
Kreditnehmern ohne Sicherheiten von der Kreditvergabe wiederum ausgeschlossen würden. Innerhalb von MFI wird versucht diesem Phänomen vorzubeugen durch eine möglichst intensive Analyse der Anspruchsgruppen. Eine weitere Problematik bezüglich der Informationsweitergabe besteht in der Moral Hazard Problematik bei der Investierung in einzelne Mikrofinanzprojekte. Die begrenzte Verantwortung der einzelnen Kreditnehmer führt zu einem verstärkten Risiko des Projektfehlschlags, dies jedoch gemindert durch die Vergabe von Gruppenkrediten unter der Förderung von Vereinbarungen mit den Kreditnehmern. 35 Schlussendlich lässt sich in Zusammenhang der Rückzahlung von Krediten eine weitere Form der Moral Hazard Problematik identifizieren. Die Verweigerung der Rückzahlung von Krediten führt insbesondere bei größeren Gruppen zu einem Problem der langfristigen Kreditvergabe. Innerhalb der Vorgabe von Mikrokrediten wird diesem Problem vorgebeugt durch die Bereitstellung von Sanktionsmöglichkeiten für die einzelnen Gruppenmitglieder, z.B. ein Ausschluss aus dem sozialen Netzwerk. Desweiteren ist in der Untersuchung von Mikrofinanznetzwerken die Bedeutung von spieltheoretischen Analyseverfahren zu betrachten. Die Spieltheorie besitzt in der Analyse von individuellen Entscheidungsmerkmalen eine besondere Stellung für die Analyse von Netzwerken. Innerhalb der Mikrofinanznetzwerke lassen sich hierbei unterschiedliche Anreizstrukturen untersuchen, wie in Abbildung 5 dargestellt.
Abbildung 5: Backward induction des Interaktionsmuster zwischen MFI und MFU
Quelle: Games in Economic Development; Bruce Wydick
35 Vgl. Van Bastelaer, T (2000) S. 18
18
In diesem Beispiel werden die möglichen Auszahlungen der Akteure bei
unterschiedlichem Verhalten der Kreditnehmer betrachtet Hierbei sind die
bekannten „Pay off“ - Strukturen von Gruppenkrediten unter Unsicherheit der Entscheidungssituation zu untersuchen. 36 Das Ergebnis ist die Bedeutung der
unterschiedlichen Anreizstrukturen für eine nachhaltige
Rückzahlungsbereitschaft von Gruppenkrediten. Dies lässt sich innerhalb des
folgenden Terms zusammenfassen:
Dies bedeutet für die Kreditnehmer, dass dann eine Rückzahlung vorteilhaft
erscheint wenn der Nutzen der Kooperation durch gemeinsame Rückzahlung
größer ist als die Auszahlung bei einseitigem Abweichens abzüglich der
Sanktion durch die restlichen Mitglieder. Dies fördert einerseits die
Verringerung von Informationsasymmetrien und hilft bei der Bildung von
Institutionen durch die gemeinsame Versicherung für eine gemeinsame soziale
Regel zu Gunsten einer wechselseitigen Koordination. Das Ziel sollte daher sein
einerseits die individuellen Ergebnisse bei gemeinsamer Rückzahlung zu fördern
und anderseits die Sanktion durch die Gruppenmitglieder effektiv zu gestalten.
5. Ergebnisse ökonomischer Modellbetrachtung
5.1 Schlußfolgerungen praktischer Anwendungskonzepte
Um eine möglichst umfassende Betrachtung von praktischen Anwendungsmöglichkeiten des Mikrofinanzwesens zu gewährleisten, lassen sich die Anwendungsbeispiele in zwei Kategorien aufteilen. Einerseits lassen sich Netzwerke in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie Finanzierungsnetzwerke in Industrieländern unterscheiden. Das vielleicht prominentestes Beispiel eines Mikrofinanznetzwerkes ist die Entwicklung des ersten modernen Mikrofinanzinstituts der „Grameen bank“ und dessen Folgen durch
36 Vgl. Wydick, B. (2008) S. 117
19
Muhammed Yunus im Jahre 1983. Die Gründung dieses Mikrofinanzinstituts dient der Bereitstellung günstiger Finanzierungskredite für Kleinunternehmer in der Region Bangladesch. Es folgt dem Prinzip der Mikrofinanzwirtschaft einer alternativen Kreditvergabe mit Hilfe von Gruppenkrediten und dem Ziel der Wohlstandsgenerierung. 37 Die Bildung der „Grameen bank“ ist eine Folge des Bedarfs nach einem offiziellen Rahmen für die Vergabe von Mikrokrediten an Existenzgründer ohne Zugang zu regulären Finanzmitteln in Entwicklungsländern. Das Mikrofinanzinstitut der „Grameen Bank“ dient hierbei als Koordinationsplattform für die Vernetzung der einzelnen Kreditnehmer für eine gemeinschaftliche Generierung von Wohlstand in Form eines neuen Sozialkapitals. Das Prinzip der Vertrauensförderung für ein nachhaltiges Finanzmanagement wird hierbei angewendet durch die vertragliche Festlegung von Verhaltensstandards von Kreditnehmern innerhalb des Netzwerkes. Um die Kreditnehmer für ein nachhaltiges Finanzmanagement zu verpflichten ist es notwendig dies mit einfachen und leicht verständlichen Katalog von Verhaltensweisen zu verknüpfen die einen nachhaltigen Einfluss für den Lebensstandard der Kreditnehmer besitzen. Innerhalb der „Grameen Bank“ wird dies durch die sogenannten „16 Entscheidungen“ vermittelt die als Grundlage der Durchführung eins Mikrofinanzprojektes von jedem Kreditnehmer unterstützt werden müssen. 38 Das Ergebnis ist eine Rückzahlungsquote von 98% und im Besonderen einer Beteiligung von Frauen von bis zu 95% an den Finanzdienstleistungen des Instituts. Die unabhängige Refinanzierung der „Grameen Bank“ durch die Spareinlagen der Kreditnehmer führt hierbei zu einer zunehmenden Eigenständigkeit des früher stark von Spenden und Regierungskrediten abhängigen NGO. Die zunehmende Unabhängigkeit fördert die sozialwirtschaftliche Orientierung der „Grameen Bank“, das Resultat ist eine Ausweitung des Kreditangebots mit zunehmend sinkenden Kosten für die Geschäftstätigkeit. Der große Erfolg des Mikrofinanzinstituts führte in diesem Zusammenhang zu zahlreichen Gründungen anhand dieses Unternehmenskonzepts welche innerhalb des „Grameen Trust“ zusammengefasst wurden.
Als Vergleich zu den Mikrofinanznetzwerken mit vorwiegend sozialorientierten Aufgabenstellungen in Entwicklungsländern lassen sich Finanznetzwerke in regionalen Wirtschaftstrukturen der Industrieländer betrachten. Die Aufgabe der Armutsbekämpfung tritt bei diesen Mikrofinanzinstituten häufig in den Hintergrund zu Gunsten einer Sicherung der regionalen Wirtschaftlichkeit. Das Ziel ist eine nachhaltige Förderung von Kleinunternehmern
37 Vgl. Latifee, H. I. (2008) S. 3
38 Vgl. Counts, A. (2008) S. 385
20
und Existenzgründern für die Verbesserung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit. Als Beispiel ist hierbei das relativ junge Konzept des Deutschen Mikrofinanzinstituts (DMI) zu nennen. Seit 2005 gibt es innerhalb Deutschland die Initiative des DMI, welche versucht die Vorteile in der Vergabe von Mikrokrediten für die Bedürfnisse industrieller Wirtschaftstrukturen nutzbar zu machen. 39 Das Prinzip der deutschen Vergabe von Mikrokrediten beinhaltet eine Integration der neuen Mikrofinanzinstitute in traditionelle finanzwirtschaftliche Strukturen. Während in traditionellen Mikrofinanzmodellen eine einschichtige Gliederung von MFI besteht mit direkten Interaktionen zwischen den Kreditnehmer, lassen sich innerhalb des deutschen Netzwerks zwei Stufen von MFIs unterscheiden welche einerseits das DMI mit seinen regulativen Aufgaben umfasst und andererseits regionale Mikrofinanzierer die schlussendlich die Aufgabe der Betreuung der Kreditnehmer übernehmen, beispielhaft dargestellt in der Abbildung 6.
Abbildung 6: Mikrofinanznetzwerk des DMI
Quelle: Microfinance Fund Germany - KfW Entwicklungsbank
Die Besonderheiten dieses Mikrofinanznetzwerkes besteht in der Integration traditioneller Geschäftsbanken in den Prozess der Kreditvergabe aufbauend auf einer fachspezifischen Empfehlung durch MFI erster Ordnung (DMI) und der Risikoübernahme durch MFI zweiter Ordnung (Mikrofinanzierer). Schlussendlich besteht hierbei die Interaktion der Kreditnehmer mit den MFI in der Kooperation mit den einzelnen regionalen Mikrofinanzierern während die Finanzmittel von regulären Geschäftsbanken gestellt werden.
39 Vgl. KfW Bankengruppe (2007) S. 22
21
Wenn in diesem Zusammenhang der Bedarf nach Mikrokrediten innerhalb der
Bundesrepublik Deutschland betrachtet werden soll kann aus Tabelle X gefolgert werden das bei einer Gesamtheit von 1,4 Mio. Existenzgründungen im Jahre XXXX bereits 47% der Unternehmer eine Unterstützung durch Kredite in der Größenordnung von Mikrofinanzprojekten begrüßen würden, wie in Tabelle 1 dargestellt..
Tabelle 1: Kreditbedarf anhand der Existenzgründungen innerhalb der BRD
Quelle: Microfinance Fund Germany - KfW Entwicklungsbank
5.2 Vergleich theoretischer Entwicklungsansätze und empirischer Beobachtung
Wenn nun ein Vergleich zwischen Theorieansätzen der Mikrofinanzwirtschaft und praktischer Anwendungskonzepte gezogen werden soll, lassen sich hierbei Kritikpunkte an der Nutzung von Mikrofinanznetzwerken untersuchen. Die Bildung von sozialen Netzwerken durch eine zunehmende Integration von ärmeren Bevölkerungsteilen in Entwicklungs- und Schwellenländern ist in diesem Zusammenhang nicht unumstritten. Das Grundprinzip der Veränderung von Wirtschaftsstrukturen in Sozialsystemen umfasst dabei die Schaffung von kleineren Interessensgruppen mit dem Ziel der Institutionsbildung zu Gunsten einer Gesellschaftsform. 40 nachhaltigen sozialwirtschaftlichen Die Struktur dieses
Mikrofinanznetzwerkes umfasst im Gegensatz zu marktgesteuerten Gesellschaftsformen ein Prinzip der dezentralisierten Koordination der Marktteilnehmer durch nichtmarktbezogene Interaktion. Einzelne Sozialsysteme werden mittels wirtschaftlicher Netzwerke als Grundlage
40 Vgl. KfW Bankengruppe (2007) S. 27
22
einer beziehungsfördernden Netzwerkbildung für die Generierung von Sozialkapital genutzt. In der praktischen Anwendung stellt der angestrebte Strukturwandel die einzelnen Mikrofinanzinstitute jedoch vor erhebliche Probleme. Das Verhalten der Kreditnehmer kann durch die MFI nur indirekt beeinflusst werden, daher besitzt die Mitarbeit der Kreditnehmer und die Interaktion zwischen den Akteuren ein erhöhtes Risiko für das Finanzmanagement im Mikrofinanzsektor. Während die MFI eine Sicherheit für die Beziehung zwischen den Akteuren des Mikrofinanzmarkts bietet besteht immer noch eine erhöhte Unsicherheit in der tatsächlichen Wirkungsweise der Investitionen. Tatsächlich besteht ein Problem in der Bewertung des Erfolges von Mikrofinanzprojekten. Ein Beispiel hierfür das Problem das auch durch Mikrokredite die ärmsten Teile der Bevölkerung, die Armen der Armen, auch durch Mikrokredite nicht gefördert werden können. 41 Die Bekämpfung der Armut kann daher nur relativ gemessen werden anhand der angestrebten Projektziele der Mikrofinanzinstitute und nicht durch die Verringerung oder der marginalen Veränderung der Armut aller Mitglieder der ärmeren Bevölkerungsgruppen. Auch in den ärmeren Bevölkerungsteilen der Entwicklungsländer entsteht dabei das Problem das „Reiche reicher und Arme ärmer werden“. Die zunehmende Liberalisierung fördert hierbei nicht die Integration ärmerer Bevölkerungsteile in den regulären Finanzmarkts sondern verstärkt vielmehr auch noch den Rückzug der Geschäftsbanken aus dem Bereich der Kleinkredite und Existenzgründungen. 42 Auch wenn die Bemühungen der Mikrofinanzinstitute das Ziel haben dies zu kompensieren lassen sich insgesamt sinkende Kreditvergaben durch Geschäftsbanken verzeichnen. Der Erfolg der Mikrofinanzwirtschaft hat somit einen negativen Effekt für die Gesamtheit der ärmeren Bevölkerungsgruppen. Bei einem schwindenden Verantwortungsbewusstsein der Geschäftsbanken führt die alleinige Unterstützung durch Mikrofinanzinstitutionen zu einer zunehmenden Isolation sozialer Randgruppen. Ein nachhaltiges Finanzmanagement für die Bekämpfung der Armut sollte daher aus einer Synthese aus Mikrofinanzprojekten und bewährten sozialen Förderprogrammen unter Einbindung des traditionellen Finanzwesens bestehen.
Innerhalb der Wirtschaftstrukturen von Industrienationen lassen sich hingegen andere Problemstellungen für den Erfolg von Mikrofinanznetzwerken feststellen. Obwohl eine höhere Nachfrage nach Kleinkrediten als Angebot durch traditionelle Geschäftsbanken besteht, sind viele Unternehmer immer noch gezwungen sich durch traditionelle Kreditformen und Darlehen zu finanzieren. Dies liegt einerseits an traditionellen Förderprogrammen mit
41 Vgl. Islam, T. (2007) S. 123
42 Vgl. ebd. (2007) S.124
23
festgelegten Konditionen für kleine und mittelständische Unternehmen und anderseits an einer zu geringen Flexibilität der Dienstleistungen von Geschäftsbanken für sich verändernde Bedürfnisse der Kreditnehmer. Hierbei treffen Unternehmer in ihrem Umfeld zumeist auf bürokratische Hemmnisse und eine fehlende Betreuung durch kompetente Stellen. Die fehlende Infrastruktur für die flächendeckende Bereitstellung von Kleinkrediten führt im Besonderen zu einer zunehmenden Standardisierung von Förderprogrammen für Geschäftsbanken und Regierungsstellen. Das Ziel ist ein möglichst hoher Anteil von Unternehmen abzudecken durch standardisierte Finanzierungsprogramme. Die wohlgemeinte Anpassung führt jedoch zu einem Problem welches sich durch eine höhere Ausfallrate von Unternehmensgründungen bzw. höheren Kreditausfällen von einer Vielzahl von Existenzgründern und Kleinunternehmern äußert. Gerade innerhalb eines schwierigeren wirtschaftlichen Umfelds benötigen Existenzgründer eine fortschreitende Betreuung mit einer individuellen Finanzierung für einen nachhaltigen Erfolg der Unternehmensgründung. Dies gilt in einer umfassenden Wirtschaftsförderung von Mikrofinanzinstitutionen nicht nur für Existenzgründer sondern im selben Maße für kleine und mittelständische Unternehmen in Zusammenhang einer Refinanzierung oder Unternehmensausweitung. Das Ziel der regionalen Wirtschaftsförderung sollte daher eine Synthese von Gründungs-und
Entwicklungsfinanzierung für eine interaktive Wirtschaftspolitik und einer aktiven Gestaltung für eine Umsetzung von regionalen Förderprogrammen sein. 43
6. Zusammenfassung und Ausblick
Abschließend lässt sich die Mikrofinanzwirtschaft als eine neue Form der Wirtschaftsförderung beschreiben, welche durch alternative Finanzierungsformen eine neue Möglichkeit der Unterstützung von Kleinunternehmern und Existenzgründern bedeutet. Die besondere Stellung von Mikrofinanznetzwerken ergibt sich hierbei aus der Interaktion und der Vernetzung der einzelnen Akteure innerhalb des Mikrofinanzsektors. Während in traditionellen Kreditgeschäften eine möglichst große Distanz zwischen den Akteuren des Finanzmarkts gewahrt wird, für eine neutrale Bewertung von Finanzierungsprojekten, werden in Mikrofinanzprojekten bewusst besonders enge Beziehungen angestrebt um eine erfolgreiche Förderung von Mikrofinanzprojekten zu gewährleisten. Es stehen nicht mehr nur die Kreditvergabe im Vordergrund sondern die spezielle Betreuung der Kreditnehmer und die Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Dienstleistungen. Die Entwicklung von Mikrofinanznetzwerken ist hierbei nicht mehr beschränkt auf die Armutsbekämpfung sondern
43 Vgl. Börner, C. J.; Grichnik, D. (2005) S.121ff
24
umfasst ebenso die Förderung regionaler Wirtschaftstrukturen als eine Synthese von Gründungs- und Entwicklungsfinanzierung.
Diese Veränderung der traditionellen Methoden zu Gunsten von Kleinunternehmern und Existenzgründern ist jedoch nicht unproblematisch. Einerseits ist besonders die Vergabe von Krediten in wirtschaftlich schwachen Regionen durch zusätzliche Risiken gekennzeichnet andererseits ist die Förderung von bestehenden Unternehmen in Industrieländern ebenso geprägt durch das Problem einer fehlenden Infrastruktur neuer Mikrofinanznetzwerke. Zusammengefasst werden somit zukünftige Mikrofinanznetzwerke sowohl interdisziplinäre, nachhaltige und integrierte Netzwerkstrukturen beinhalten müssen für eine Verbesserung der Finanzierung von Mikrofinanzprojekten. 44 Besonders die Transformation von Mikrofinanzinstitutionen steht hierbei im Blickfeld, die sich zunehmend selbstragende Geschäftstätigkeit der Institutionen bedarf einer regulierten Unternehmensform um sich innerhalb des allgemeinen Finanzmarkts einfügen zu können. Das Ziel wäre beispielhaft eine Verbesserung der Netzwerkstrukturen durch die Integration von Stellen anderer Fachbereiche wie des Versicherungswesens und der Geschäftsbanken für eine Ausweitung der Dienstleistungen der Mikrofinanzinstitute. Um dies zu erreichen werden spezielle Produkte und Beratungsverfahren benötigt welche spezielle für die Akteure angepasst werden müssen. Innerhalb des Mikrofinanzwesens lassen sich hierbei unterschiedliche Strömungen unterscheiden, wie die des Mikrofranchising oder des „Mainstreaming“ durch Internetportale wie KIVA. Die Nutzung des Franchising für eine unkomplizierte Art der Integration von standardisierten Finanzprodukten in Zusammenhang mit spezielle entwickelten Produkten für eine ärmere Käuferschicht, dies ist häufig die einzige Möglichkeit für die Versorgung von großen Teilen von ärmeren Bevölkerungsgruppen. Eine weitere Möglichkeit ist Nutzung moderner Kommunikationsmittel wie des Internets für eine größere und zugleich bewusstere Art der Mikrofinanzierung. Zukünftige Mikrofinanznetzwerke werden somit zunehmend immer stärker auf die individuellen Bedürfnisse einzelner Wirtschaftstrukturen und Eigenschaften der Kreditnehmer angepasst um den Akteuren in den einzelnen Wirtschaftsräumen einen größtmöglichen Nutzen zu bieten.
44 Vgl. Vondrak, T.; Schallauer, C.; Zdrahal-Urbanek, J. (2005) S. 44
25
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Eidesstattliche Erklärung
Ich versichere hiermit, die vorliegende Arbeit selbstständig ohne fremde Hilfe verfasst und keine anderen als die im Literaturverzeichnis angegebenen Quellen genutzt zu haben. Sämtliche Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus veröffentlichten oder noch nicht veröffentlichten Quellen entnommen wurden, sind von mir als solche kenntlich gemacht worden.
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Diese Arbeit wurde in gleicher oder ähnlicher Form noch bei keinem anderen Prüfer oder einer Prüfungsbehörde als Prüfungsleistung eingereicht.
Bremen, den 01.03.2009
30
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Fabian Greher, 2009, Analyse der Kooperation in regionalen Netzwerken anhand des Mikrofinanzmarktes, München, GRIN Verlag GmbH
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