1. Einleitung
Stress hat in der heutigen Generation einen sehr großen Bedeutungscharakter gewonnen. Er ist für viele zu einem zentralen Thema geworden, weil er u. a. den Lebensrhythmus massiv beeinflussen kann. Viele Menschen spüren, dass das Leben schneller verläuft und damit für sie unüberschaubar geworden ist. Dieses kann langfristig zu körperlichen, aber auch zu psychischen Problemen führen. In meiner Ausarbeitung möchte ich den Stress schwerpunktmäßig thematisieren und einen Bezug zur Schule und Schulunterricht nehmen, da ich denke, dass der Stress in Schule und Schulunterricht massiv die Entwicklung eines Heranwachsenden verändern kann. Im primären Teil dieser Ausarbeitung werde ich den Stress und Stressbelastung vorstellen: Stressarten, Hormonelle Regulation, Sinn und Zweck von Stress (und was daraus entstehen kann), Stress in psychosozialer Funktion, sowie der (wichtige) Bezug zum Selbstwertgefühl und Selbstkonzept. In diesem ersten Abschnitt geht es darum den Stress kennen zu lernen und ihn zu verstehen. Im folgenden Hauptteil geht es um den Stress in Schule und Schulunterricht, wobei ein Fallbeispiel als Ausgangspunkt dient. Im dritten Teil dieses Elaborates sollen Methoden der Stressbewältigung vorgestellt werden, die u. a. auch in der Schule oder im Schulunterricht angewandt werden können. Ein Fazit zum Thema rundet dann diese Ausarbeitung ab.
2. Begriffsbestimmung „Stress und Stressbelastung“
Stress und auch die Stressbelastungen sind zurzeit ein wichtiges Thema, mit denen sich nicht nur Manager und Kaufleute auseinandersetzen, auch Schüler und Schülerinnen sind heute einer Vielzahl von Stressfaktoren (Stressoren) ausgesetzt. Stress kann sehr vielfältig sein und besitzt nicht immer ein klar erkennbares Bild, ob er z.B. negativ oder positiv ist. Stress ist ein sehr weit fassbarer Begriff. „Stress“ (engl. Druck, Belastung, Spannung) wird nach dem Bertelsmann-Universal-Lexikon als „anhaltende (Über-) Beanspruchung“ und auch als „geprägte Beziehung für die Belastung, die der Körper durch zu lange oder ihm unangemessene Reize und schädigende Einflüsse erfährt“ (1994, S. 871). Nach Selye beschreibt Stress den „Zustand eines Organismus, der durch ein spezifisches Syndrom gekennzeichnet und durch verschiedenartige unspezifische Reize (z.B. durch Infektionen,
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Verletzungen, Verbrennungen, Strahleneinwirkungen, aber auch durch Ärger, Freude) bedingt ist“ (In: Pschyrembel 1994, S. 1150). (Anmerkung: 1936 hatte der Zoologe Hans Selye den Begriff aus der Physik entlehnt, um die „unspezifische Reaktionen des Körpers auf jegliche Anforderungen“ zu benennen. Stress definiert in der Werkstoffkunde den Zug oder Druck auf ein bestimmtes Material (Spannung, Materialermüdung)). Der Stress besitzt also eine charakteristische Form, aber keine spezifische Ursache.
2. 1 Eu-Stress und Dis-Stress
Stress wird nach Schäffler/Menche in den so genannten Eu- und Dis-Stress eingeteilt (1998, S.245). Der Eu-Stress wird von einem Individuum als positiv erlebt: es wird eine Grundspannung und Erregung aufgebaut, die für die Bewältigung schwieriger Aufgaben notwendig ist. Der Dis-Stress wird meist von einem Menschen als schädlich und unangenehm empfunden und führt je nach Dauer und Intensität zu körperlichen und psychischen Krankheitssymptomen.
2. 2 Hormonelle Regulation des Stresses
„Stressoren“ bewirken eine Aktivierung bestimmter Hormone, die durch das vegetative Nervensystem gesteuert werden. Besonders aktiv sind dabei der Sympathikus und die Hypophyse. Die Sympathikuserregung führt zu einer Ausschüttung der Hormone Adrenalin und Noradrenalin aus dem Nebennierenmark (ins Blut); die Hypophyse produziert auf einen Reiz das so genannte ACTH (Adreno-Cortico-Tropes Hormon oder auch Corticotropin), dass insbesondere zu einer vermehrten Glukokortikoidausschüttung der Nebennierenrinde führt
(Glukosteroidsekretion). Die Hormone gelangen dann über das Blut zu den jeweiligen Zielorganen und führen dann sekundär zu einer:
- Erhöhung des Blutdrucks,
- Erhöhung des Pulses (und damit des Herzminutenvolumens, HMV),
- stärkeren Muskeldurchblutung,
- Mobilisation von Fettreserven, sowie von Kohlenhydraten (Zuckern),
- gesteigerten Blutgerinnung,
- gesteigerter Durchblutung der Eingeweide, sowie der Haut.
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Weiterhin werden die Sexualfunktionen einer Person gehemmt und die Synapsen im Gehirn blockiert (führt zu einer Denkblockade).
2. 3 Sinn und Zweck von Stress (und was daraus entstehen kann)
Diese Reaktionen waren vor Jahrtausenden von Jahren überlebensnotwendig. Der Körper wurde nach Notlage kurzzeitig in einen Alarmzustand versetzt und konnte somit einer drohenden Gefahr mit Flucht oder Kampf begegnen (Anmerkung: Angst war z. T. fester Bestandteil und Voraussetzung einer darauf folgenden Handlung)in der heutigen Zeit ist der Körper durch allgemein-gesellschaftliche Anforderungen eher in einen „Daueralarm-Zustand“ versetzt. Das bedeutet, dass in unserer heutigen Zivilisation körperliche Reaktionen meist untersagt bleiben (z.B. Bürotätigkeit, Maschinenersatz). Dieses führt zwangsläufig zu biologischen Frustrationen des Körpers und damit z.B. zu Schädigungen des Kreislaufs, oder des Verdauungstraktes, sowie des Immunsystems (vgl. Schäffler/Menche, 1998, S.245f). Brenner und Trappe erwähnen, dass die durch die Stressreaktion ausgelösten Fette und Zucker (Kohlenhydrate) im Blut nicht mehr abgebaut werden und es dann zu Ablagerungen kommen kann, sowie zu ständig erhöhten (krankhaften) biochemischen Werten (1998, S. 213). Laut Krück führen Belastungen über längere Zeiträume zu einer vermehrten ACTH-Ausschüttung und damit zu einer stärkeren Stimulierung der Nebennierenrinde (1994, S.640). Der Körper kann sich dem dauernden Stress anpassen. Die Gesamtheit der Anpassungsreaktionen des Organismus auf länger andauernde äußere Einwirkungen nennt man „Adaptionssyndrom“. Dieses können nicht nur reflektorische Mechanismen sein (z.B. Kreislaufreaktionen) sondern auch neuro-hormonale Regulationsmechanismen (v. a. über den Hypothalamus-Hypophysenvorderlappen-Nebennierenlappen) - der Dauererregungszustand wird für den Körper also irgendwann normal. Früher oder später kann dann der Organismus nur krank werden, weil die Anpassungsmöglichkeiten des Körpers auf Zeit begrenzt sind. Die physiologischen Vorgänge werden dann pathophysiologisch. Eine aktuelle Studie der Medizinischen Fakultät Charite´ der Humboldt-Universität Berlin (2003) bestätigt die pathophysiologischen Einflüsse des Stresses auf den Organismus. Demnach wirkt sich der psychische Stress nicht nur auf das Netz der Abwehrzellen des Körpers aus,
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sondern direkt auf die Blutgefäße. Es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung so genannter Adhäsionsmoleküle auf der Oberfläche von Immunzellen. Das wiederum erleichtert deren Anheftung an die Innenwand von Blutgefäßen und begünstigt dadurch die Entwicklung der Arteriosklerose.
2. 4 Psychosozialer Stress
Laut Bloss haben sich heutzutage die Art der Gefahr und die Art der Gegenreaktionen gewandelt. In der heute hoch industrialisierten Gesellschaft stellen die seelischen-psychischen Belastungen die modernen Stressfaktoren dar. Die organischen Reaktionen Flucht oder Kampf sind heute nicht mehr gegenwärtlich, so kommt z.B. der Spannungszustand einer Person nicht mehr zur Entladung (z.B. durch Einhaltung der Normen der Gesellschaft). Für Condrau/Gassmann bedeuten diese Normen den Verlust von Freiheit, dem freien Verhältnis zu einer Sache. Auch das führt (langfristig) zu einer dauernden Angespanntheit und schließlich zur Krankheit (Anmerkung: Krankheit soll hier nicht negativ assoziiert werden, sondern vielmehr als Chance gesehen werden, um die (negative) Stresssituation zu erkennen, sie besser wahrzunehmen und gegebenenfalls anschließend eliminieren zu können). Die heutigen externen (negativen) Stressfaktoren können z.B. Konflikte und Spannungen innerhalb der Familie sein, aber auch Missstände in Ehe und Beruf. Der Herzinfarkt ist nach einer Studie des amerikanischen Wissenschaftlers Dr. Rubermann nicht mehr die Krankheit von Managern und Kaufleuten, sondern eine psychosoziale Krankheit (der Herzinfarkt soll hier als eine der schlimmsten Formen als Folge von negativem Stress dargestellt werden). Es wurde herausgefunden, dass die soziale Schicht ebenfalls eine Rolle spielt. Das Ergebnis der Studie war, dass die Heilungschancen je nach sozialem Status stark variieren, unabhängig von einer medikamentösen Behandlung. Nach einer Analyse von Mortalitätsraten und Morbiditätsdaten fand man heraus, dass die Unterschicht häufiger von einem Herzinfarkt betroffen ist, sowie Männer häufiger als Frauen erkranken (vgl. o. A., o. J). Bloss ergänzte: „Wer mit seiner gegenwärtigen sozialen Situation unzufrieden ist, an seinem Arbeitsplatz unter starkem Druck steht und sich permanent überfordert, der ist Infarkt gefährdet. Denn in allen diesen Stresssituationen verengen sich die lichten Öffnungen der Herzkranzgefäße, bis im schlimmsten Fall die Durchblutung des Herzmuskels total abgeschnürt ist und der Herzinfarkt eintritt“ (1986, S.93). Das
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bedeutet, dass der Herzinfarkt unmittelbar mit der eigenen Persönlichkeit, der persönlichen Einstellung, sowie dem Umgang mit dem Stress zusammen hängt. Einige andere Autoren (z.B. die beiden kalifornischen Wissenschaftler und Herzforscher R. H. Rosemann und M. Friedmann) verweisen hierzu auf Grundverhaltensmuster vom Typ-A, im Gegensatz zum Typ-B. Der A-Typ ist ehrgeizig, aggressiv, ungeduldig, gereizt, feindselig und hat ein ausgeprägtes Konkurrenz- und Rivalitätsdenken (häufig als Antwort auf Stress). Der A-Typ ist permanent angespannt und unter Druck. Willms meint, dass diese Menschen äußerlich einen überlegenen und sicheren Eindruck machen, innerlich aber sehr unsicher und sich minderwertig fühlen (1998, S.52). Der B-Typ ist das Gegenstück vom A-Typ. Der B-Typ ist lockerer, geduldiger und entspannter als der A-Typ. Der B-Typ weiß, was er kann, ist selbstsicher und muss sich nicht unbedingt hervorheben. Condrau/Gassmann ergänzen, dass der B-Typ dem (heutigen) Idealbild eines gesunden Menschen entspricht (1995, S. 95). Hier ist aber nicht zu vergessen: der C-Typ. Dieser ist ängstlich, agiert flüchtend, und verhält sich stets anpassend. Condrau/Gassmann erwähnen zudem eine noch größere Differenzierung des C-Typ vom A-Typ (1995, S. 95). Nach Willms kommen diese Typen nicht in Reinform vor, sondern ergeben sich vielmehr viele erdenklichen Mischformen (1998, S.52) Insgesamt ist aber zu sagen, dass eine genaue Abgrenzung der Verhaltensstrukturen schwer durchzuführen ist. Die Typisierung versucht eine Norm zu finden und beruht dabei auf eine grobe Einteilungsform von Verhaltensmustern. Fakt ist aber, dass Personen, die hauptsächlich die Verhaltensstrukturen des A-Typs aufweisen, dreimal häufiger einen Herzinfarkt erleiden, als die Menschen mit versierterem B-Typ-Verhalten.
Willms sieht den Stress gesellschaftskritisch: er führt eine psychosoziale Erkrankung auf das Konsumverhalten eines Volkes zurück (1998, S.52). Eine Konsumgesellschaft ist durch Materialismus und Besitzdenken gekennzeichnet. Demnach ist die Industriegesellschaft eine „Maschinengesellschaft“, bei dem der Mensch in der Anonymität verloren geht und folglich seine Eigenartigkeit und Individualität - also seine Identität - verliert. Entfremdung und Misstrauen können dann als Folge aus der Materialisierung entstehen, die wiederum die Stimmung innerhalb der Familie (oder der ehelichen Beziehung) in Mitleidenschaft ziehen können. Das kann dazu führen, dass es zu einem veränderten Rollenverständnis
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kommt, oder gar das sexuelle Verhalten zwischen Mann und Frau beeinflusst. Willms sieht darin die Ursachen von körperlichen, geistigen und auch psychosomatischen Krankheiten, die anscheinend immer mehr zunehmen (weil auch die Menschen sich immer mehr voneinander entfernen). Er fügt hinzu, dass „der Herzinfarkt die Krankheit des Mannes ist, der nicht leiden darf“ (1998, S.52). Mit dem Zeitalter der Emanzipation begann die Rate stress-bedingter Herzinfarkte bei Frauen zu steigen (vgl. Willms 1998, S.52). Willms geht davon aus, dass die Emanzipation die Lage der Frauen nicht unbedingt verbessert hat, sondern dass sie vielmehr in die Vermännlichung (der Gesellschaft) eingetaucht sind. Das bedeutet, dass Frauen dem o. g. Typisierungsmuster ebenfalls eingegliedert werden könnten. Umständlich ist aber, dass Frauen entwicklungsgeschichtlich eher emotional orientiert sind und in der „robusten“, ja manchmal emotional-feindlichen Männerwelt, dem Stress eher ausgesetzt sind, da es häufig zu einer Unterdrückung der eigenen Emotionalität kommt. Laut Willms ist das Verhalten der Frauen (durch die Emanzipation) das Resultat dieser industrialisierten Leistungsgesellschaft, mit seinem Streben nach Macht, Ansehen und Sozialprestige (1998, S.47). Der (negative) Stress wirkt sich langfristig gesehen negativ auf die Gesundheit eines einzelnen Menschen aus, ob Manager, Hausfrau, Student, Schüler oder Mutter von zwei Kindern. Toynbee ergänzt: „Schon die ältesten Indizien der Geschichte zeigen, dass die Menschheit nicht nur in Bewegung geraten ist, sondern sich immer schneller bewegt. Dieses Crescendo der Geschwindigkeit dauert noch heute an. In unserer Generation ist es vielleicht das schwierigste und gefährlichste Problem, vor dem die Menschheit steht“ (A.Toynbee zitiert in Willms, 1998, S.47). Dieses Zitat zeigt, dass der Mensch in einer sehr schnelllebigen Zeit lebt und so seine Probleme damit hat, weil er gar nicht dafür ausgerichtet ist. Wie schon physiologische Stressreaktionen zeigen, reagieren wir Menschen noch so, wie vor Tausenden von Jahren und leben heute in einer Welt der Superlative, sowie hoch entwickelter Technik. Dass dieses nur Folgen auf die Gesundheit der Menschen haben kann, ist mehr als offensichtlich. Im folgendem soll eine kurze Übersicht psychosozialer Stressfaktoren dargestellt werden, die sich negativ auf (stressanfällige) Personen auswirken können:
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Arbeit zitieren:
Dipl. Ghl. Thomas Mansholt, 2006, Auswirkungen von Stress und Stressbelastungen innerhalb der Schule und wie sich diese beheben lassen, München, GRIN Verlag GmbH
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