Die Christianisierung Islands
I. Einleitung 1 II. Vorchristlicher Glaube und politische Situation 2 III. Quellen zur Christianisierung auf Island 3 IV. Missionierung
a. Von den ersten Missionierungsversuchen 4
b. Schiedsspruch auf dem Allthing 6 V. Von der ersten Zeit nach der gesetzlichen Annahme des Christentums, der Einrichtung von Bischofssitzen und der ersten Kirchenverfassung 7 VI. Entwicklung der Schriftkultur 10 VII. Fazit 11 VIII. Literaturverzeichnis/Quellenangaben 13 IX. Karte 14 X. Anhang 15
I. Einleitung
Island ist das jüngste Land der Erde. Erst vor 20 Millionen Jahren entstand die Insel durch Vulkanausbrüche im Atlantik und blieb bis heute eines der vulkanisch aktivsten Gebiete der Welt.
Bis ins 9. Jahrhundert war die Insel völlig unbewohnt. Mit der Besiedlung kamen vor allem norwegische Wikinger ins Land, die sich auf Island eine eigene Gesellschaft schufen. Durch die Entfernung zum Festland kam das Christentum erst später nach Island, als in die anderen skandinavischen Länder und es brauchte mehrere Versuche das isländische Volk zur Annahme des neuen Glaubens zu bewegen.
Im Rahmen dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit der ungewöhnlichen Christianisierung Islands. Ich werde untersuchen, wie sie vonstatten ging und wer sie vorangetrieben hat. Ferner soll angedeutet werden, inwiefern sie einen Sonderfall in der skandinavischen Missionsgeschichte darstellt. Auf die Auswirkungen der Christianisierung werde ich nur kurz eingehen. Weiterhin wird die Veränderung des Verhältnisses zwischen Politik und Religion nach der Christianisierung untersucht.
In meiner Arbeit werde ich zunächst die Ereignisse bis zum Einsetzen der Christianisierung beschreiben, die eine Grundlage für diese bilden. Dann werde ich auf die Quellen eingehen, die von der Christianisierung auf Island berichten, auf denen die Hausarbeit basiert, auch der Forschungsstand wird kurz umrissen.
Der nächste Punkt beinhaltet die ersten Versuche der Missionierung und die Umstände der Annahme des Christentums auf dem Allthing. Darauf aufbauend komme ich dann zur Durchsetzung des Christentums und abschließend zur Auswirkung, vor allem im kulturellen Bereich.
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II. Vorgeschichte
Die ersten Bewohner Islands waren irische und schottische Mönche, die nach der Ankunft der nordischen Wikinger in der Landnahmezeit (ca.880-930) flüchteten 1 . Auch machten die Wikinger viele, im Krieg gefangene, irische Christen zu Sklaven und unternahmen zudem zahlreiche Fahrten ins Ausland. So kamen die skandinavischen Siedler in Island schon früh in Kontakt mit dem Christentum und einige traten auch damals schon zum Christentum über. Die große Mehrzahl jedoch war heidnischen Glaubens.
Sie waren Anhänger einer polytheistischen Religion, deren wichtigste Götter Thor, Odin, Baldur, Frey und Freyja darstellten. Über die Kulte ist wenig bekannt, ein Kernelement sind jedoch Tieropfer gewesen 2 . Die Vorsteher einer Kultgemeinde wurden Goden genannt, sie führten die Kulthandlungen auf ihren eigenen Höfen durch und übernahmen auch juristische Aufgaben. Entstanden waren die Kultgemeinden in der Landnahmezeit, die großen Landareale der frühen Siedler wurden an Verwandte, Freunde und Gefolgsleute verteilt. So entstanden eng miteinander verknüpfte Clans, ihre Oberhäupter zeichneten sich durch Reichtum, Autorität und Gönnerschaft aus 3 .
Die Staatsgründung Islands fällt in das Jahr 930, in diesem Jahr wurde das landesumfassende Allthing eingesetzt. Auf dem Allthing in Þingvellir 4 versammelten sich einmal im Jahr alle freien, waffenfähigen Männer um über legislative, juristische und politische Angelegenheiten zu verhandeln (z.B. Eintreibung der Schafe auf offener Weide, entlaufene Sklaven, Streitigkeiten zwischen Mitgliedern, Totschläge). Das Allthing bestand aus allen Goden des Landes und je zwei Beratern, den Vorsitz dabei hatte der Rechtssprecher 5 . Die Macht des Allthing basierte völlig auf der bereitwilligen Akzeptanz von Gesetz und Ordnung, es besaß keine exekutiven Machtorgane und keine Kontrollinstanzen, was mitunter zu Amtsmissbrauch führte und einzelne Häuptlinge immer mächtiger werden ließ.
Die Goden erfüllten in der isländischen Gesellschaft verschiedenste weltliche Aufgaben, was sie in eine gehobene Machtposition versetzte, welche durch die heidnisch-kultische Funktion als Wächter über das religiöse Leben noch verstärkt wurde. Viele bauten ihre Macht und ihren Einflussbereich rücksichtslos aus, durch Heirat, Erbschaft oder sogar Kauf und Erpressung 6 .
1 Möbius, Arés Isländerbuch 1869, S.16.
2 Rowlinson, Island wird christlich 2004, S.37.
3 Magnusson, Wikinger 2003, S. 201.
4 Siehe Karte, Nr.1 und Anhang
5 Der Rechtssprecher wurde für eine Amtsperiode von 3 Jahren gewählt, er war der Bewahrer der Landesgesetze, als diese noch nicht schriftlich festgehalten wurden.
6 Magnusson, Wikinger 2003, S. 201.
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Die heidnische Religion wurde in Island sehr frei behandelt, so waren wahrscheinlich auch schon vor der Christianisierung einige Isländer Christen oder hatten zumindest einen gemischten Glauben 7 .
III. Quellen zur Christianisierung auf Island: die Íslendingabók von Ari Þórgilsson und die Kristnisaga
Als Quellen für die Vorgänge der Missionierung und Christianisierung Islands können vor allem die Íslendingabók des Ari Þórgilsson und die Kristnisaga genannt werden. Des weiteren berichten auch die Ólafs saga Tryggvasonar 8 und die Njáls Saga 9 von der Zeit, als Island christlich wurde. Die Íslendingabók entstand im 12.Jahrhundert, die Kristnisaga Anfang des 13. Jahrhunderts, die Ólafs saga Tryggvasonar 1230 und die Njáls Saga erst Ende des 13. Jahrhunderts. Der Autor der Kristnisaga und Snorri, der Verfasser der Ólafs saga Tryggvasonar beziehen sich auf Aris Geschichtswerk, von dem es noch eine ältere ausführlichere Ausführung gegeben hat. Es ist nicht klar, ob die jüngeren Quellen diese ältere Fassung genutzt haben und ob sie noch andere Überlieferungen kannten, die in der Íslendingabók nicht erwähnt wurden. Des weiteren wird heute angenommen, das sie zum Teil erfunden und ausgeschmückt sind 10 . Als sicherste und zuverlässigste Quelle gilt die nüchtern geschriebene und auf wesentliche Fakten beschränkte Íslendingabók. Sie entstand zwischen 1122 und 1133. In ihr schrieb Ari Þórgilsson die isländische Geschichte von der Besiedlung (ab 870 n.Chr.) bis ins Jahr 1120 nieder 11 .
Der Verfasser der Kristnisaga ist nicht bekannt. Überliefert wurde sie in der Hauksbók, einer großen Sammelhandschrift, die von Haukr Erlendsson 12 zum Teil selbst verfasst und die er zum anderen Teil hat schreiben lassen 13 . Ihr Inhalt wird zu größten Teil als glaubwürdig angesehen 14 .
Es war wohl Anfang des 12. Jahrhunderts, als das erste Gesetzbuch des isländischen Freistaates aufgezeichnet wurde. Es heißt Grágás 15 und vereinigte das bis dahin mündlich
7 Erzählt wird z.B. von Helgi, der Christ war, aber bei Seefahrten und in Notzeiten Thor um Hilfe bat. Magnusson, Wikinger 2003, S. 205.
8 Gehört zur Heimskringla, dem Hauptwerk der isländischen Sagaliteratur, verfasst von Snorri Sturluson (1178-1241).
9 In der Njáls Saga geht es um eine Fehde zweier ehemals befreundeten Familien, verfasst im 13. und 14. Jahrhundert.
10 Düwel, Die Bekehrung auf Island 1978, S. 259/260.
11 Golther, Ares Isländerbuch 1892, S.X., Strömbäck, conversion of Iceland 1975, S.18.
12 Isländischer Rechtsgelehrter, gestorben 1334.
13 Kahle, Kristnisaga 1905.
14 Düwel, Die Bekehrung auf Island 1978, S. 260
15 Grágás heißt im Deutschen Graugans, der Ursprung dieses Namens für den Gesetzestext ist unbekannt. Sigurdsson, Kirchenrecht 1986, S. 41.
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Arbeit zitieren:
Stefanie Mnich, 2007, Die Christianisierung Islands, München, GRIN Verlag GmbH
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