Inhaltsverzeichnis
1. Repräsentation - Eine Begriffsklärung und Einleitung. 3
2. Anzuwendende Theoretische Modelle 5
3. Edmund Burke und Henry Cruger - Historischer Hintergrund 6
4. Das imperative Mandat mit Focus auf den District - vertreten durch Henry Cruger 8
5. Das Freie Mandat mit nationalem Focus - Vertreten durch Edmund Burke 10
6. Einordnung der Theorie in die Repräsentationsmodelle 11
7. Fallanalyse: Repräsentativprinzip in der Satzung der Studierendenschaft der TU Dresden 13
7.1 Untersuchung 15
7.2 Auswertung 16
Bibliographie. 17
2
1. Repräsentation - Eine Begriffsklärung und Einleitung
Rein etymologisch betrachtet, bedeutet Repräsentation wörtlich „wieder-präsentieren“ 1 Allerdings hat bereits das Seminar „Politische Repräsentation“ am Politische Theorie Lehrstuhl der TU Dresden klar gemacht, wie schwierig es ist diesen - oberflächlich betrachtet so klaren -Begriff dann definitorisch genauer zu erfassen und inhaltlich auszugestalten. In der Tat ist die einschlägige Literatur keineswegs einig was unter dem Term eigentlich zu subsumieren ist. Dieser Tatsache ist dabei keineswegs neu, bereits im Jahre 1978 beklagte Eulau 2 - in äußerst kritischem Ton - dass „ mistaken interpretations are rampant“ welches seiner Meinung nach teilweise der Tatsache geschuldet waren, dass „ there are several major descriptive and normative theories which, if not clearly distinguished, make for ambiguity and confusion“.
In der Tat hat sich die Situation in den vergangen Jahren nicht gebessert, vielmehr dokumentiert die Literatur eine stetig fortschreitende Ausdifferanzierung der Materie. Jane Mansbridge, um nur ein Beispiel zu geben, identifiziert in der Arbeit „ Rethinking Represenation“ gleich drei neue Formen von Repräsentation: „anticipatory“ (Basiert auf dem Prinzip des „retrospective voting“: Repräsentanten versuchen die Interessen ihrer Wähler bei der nächsten Wahl zu antizipieren und konzentrieren sich auf diese statt auf die eigenen Versprechen der letzten Wahl), „gyroscopic“ ( Der Repräsentant basiert seine Entscheidung auf eigenem Empfinden und Werten mit deren Hilfe er versucht common sense - Entscheidungen zu fällen) und „surrogate“ ( Repräsentanten vertreten Wählerschaften die außerhalb ihres Wahlkreises liegen) 3 .
Es ist demnach bisher nicht gelungen eine allseits zufrieden stellende und erschöpfende Begriffsklärung zu finden und kann auch im Rahmen dieser Arbeit nicht geleistet werden. Allerdings soll der Fokus ebendieser auch nur auf einem Teilaspekt von Repräsentation liegen, nämlich auf der Rolle von Abgeordneten gegenüber ihren Wählerschaften. Dies im Auge behaltend scheint es ausreichend sich auf die äußerst reduzierte Begriffsklärung Pittkins zu stützen. Demzufolge wird die grundlegende Definition von Repräsentation dieser Arbeit lauten: „Representation, taken generally, means the making present in some sense of something which is nevertheless not present literally or in fact. Now, to say that something is
1 Fairlie, S. 230
2 Eulau: Politics of Representation, S.16
3 Mansbridge, S. 515
3
simultaneously both present and not present is to utter a paradox and thus a fundamental dualism is built in the meaning of representation”. 4
Diese Arbeit wird sich zunächst mit den diametral entgegensetzten Repräsentationsvorstellungen - bezogen auf das Verhältnis von Abgeordneten und ihren Wahlkreisen - von Henry Cruger und Edmund Burke beschäftigen und diese sowohl ein einem - für diesen Zweck ausgezeichneten - Modellrahmen verorten sowie aus den Grundpositionen der beiden Politiker die intendierten Handlungspfade extrapolieren.
Im Anschluss gilt es ein - mikrosoziologisches - repräsentatives System auf seine repräsentativen Eigenschaften hin zu überprüfen und in Bezug auf die Positionen von Edmund Burke und Henry Cruger zu verorten.
4 Eulau, Politics of Representation S. 16
4
2. Anzuwendende Theoretische Modelle
Es wurde bereits erwähnt, dass die Konzepte von Burke und Cruger zur Frage des Prinzips politischer Repräsentation in dieser Arbeit herausgestellt werden sollen. Um dies erfolgreich und möglich aussagekräftig zu tun, bedarf es allerdings eines theoretischen Rahmens innerhalb welcher man die Ansätze verorten und bewerten kann.
Dieser Arbeit sollen zu ebendiesem Zweck zwei Modelle zugrunde gelegt werden. Zum einem möchte ich auf die - auf Abgeordnete abstellende - Arbeit von Eulau et al. verweisen. Ihre empirischen Untersuchungen 5 ergaben, dass man unterscheiden muss zwischen der Art und Weise wie Abgeordnete repräsentieren und der Frage wen sie dabei repräsentieren. Im Ergebnis prägten sie die Begriffe von Focus und Style, wobei „Focus“ die Frage nach dem Adressaten der Repräsentationsbemühungen des Vertreters beinhaltet und „Style“ sich auf die Art und Weise dieser Bemühungen bezieht. In Bezug auf die Ideen von Burke und Cruger soll hier bereits eine Eingrenzung insofern vorgenommen werden, als dass die möglichen Antwortkategorien auf die Fragen „wen und wie wird repräsentiert“ beschränkt sind. Der Fokus kann indes lokal oder national ausgerichtet sein, der Style indes der eines wei-sungsgebundenen Vertreters („Delegate“) oder eines freien Treuhänders („Trustee“) entsprechen. Focus und Style können weiterhin voneinander unabhängig ausgestaltet sein. So sind laut Eulau vier verschiedene Kombinationen möglich: ein lokal oder national handelnder wei-sungsgebundener Mandatar bzw. ein lokal oder national handelnder treuhänderisch tätiger freier Abgeordneter.
Das zweite Modell - genannt Müller-Strokes-Modell 6 oder „Diamanten Model der Repräsentation“ - beschäftigt sich indes mit den Handlungspfaden die die Entscheidung der Repräsentanten prägen.
Als abhängige Variable ist im Modell das Abstimmungsverhalten des Abgeordneten verankert welche durch drei unabhängige Variablen erklärt werden sollen. Diese sind zum einen die Politikpräferenz der Bürger im jeweiligen Wahlkreis, zum zweiten die Position des Abgeordneten zu einer zu entscheidenden Frage und zum dritten wie und was er persönlich als dominante Position im Wahlkreis zu eben dieser Frage empfindet.
Es ergeben sich drei vier denkbare Entscheidungspfade, zwei davon sollen - da sie für die spätere Einordnung der Prinzipien Burke/Cruger relevant sein werden - im Folgenden be-
5 EulauH.: The Role of the Representative S.744-750
6 Thomassen S. 260-261
5
Arbeit zitieren:
Michael Moschke, 2009, Edmund Burke und Henry Cruger im Vergleich - Oder: Das Imperative vs. das Freie Mandat, München, GRIN Verlag GmbH
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