Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis IV
1 Einleitung 1
1.1 Ziel der Arbeit und Fragestellung 4
1.2 Aufbau und Struktur der Arbeit 6
1.3 Begriffsklärung 7
2 Chile 9
2.1 Wirtschaft 10
2.2 Klima 11
2.3 Interregionale Beziehungen 13
2.3.1 Die Beziehungen zu Argentinien 14
2.3.2 Die Beziehungen zu Bolivien 14
2.4 Gegenwärtiger Entwicklungsstand des Energiesektors 15
2.5 Zusammenfassung 18
3 Die chilenische Regierung 19
3.1 Energiepolitische Leitsätze 19
3.2 Staatliche Akteure 24
3.2.1 Die Umweltkommission CONAMA 28
3.2.2 Die Wirtschaftsförderungsinstitution CORFO 28
3.3 Die Positionen der politischen Parteien 30
3.4 Zusammenfassung 32
4 Nichtstaatliche Akteure 34
4.1 Organisation des Energiesektors 35
4.2 Energieversorgungsstruktur und zukünftige Projekte 38
4.3 Der chilenische Energiemarkt 44
4.3.1 Marktakteure 45
4.3.2 Das Kupferunternehmen CODELCO 47
4.4 Umweltverbände 48
4.4.1 Chilenische Vereinigung für alternative, erneuerbare Energien (Acera) 49
4.4.2 Chile Sustentable. 49
4.4.3 Nationale Gesellschaft für Solarenergie und Nichtkonventionelle
Erneuerbare Energien (ANES Chile) 50
4.5 Entwicklungszusammenarbeit 51
4.5.1 Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) 51
II
4.5.1.1 Fördermaßnahmen im Rahmen des Public Private Partnership 52
4.5.1.2 Das GTZ-Projekt „Erneuerbare Energien“ 54
4.5.1.3 Das GTZ-Projekt „Förderung der Energieeffizienz“ 55
4.5.2 Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 55
4.5.3 Kyoto-Regelungen 57
4.6 Zusammenfassung 60
5 Zusammenfassung und Fazit 63
6 Literaturverzeichnis 70
7 Anhang 75
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Organe des chilenischen Elektrizitätssektors 26
Abb. 2: Der Elektrizitätssektor in Chile: Allgemeiner Überblick (Juli 2007) 37
Abb. 3: Primärenergieverbrauch 2006 39
Abb. 4: Energiematrix/ Installierte Kapazitäten 1995 und Juni 2007 40
Abb. 5: Lieferungsunterbrechungen Erdgas 41
Abb. 6: Installierte Kapazität Erneuerbare Energien in Chile 42
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Auflistung aller sich in der Planung befindlichen Projekte 43
III
Abkürzungsverzeichnis
Acera Asociación de Energías Renovables, dt.: Chilenischer Verbund der Erneuerbaren Energien ANES Chile Asociación Nacional de Energía Solar y Renovables No Convencionales,
Annex-I-Bezeichnung für alle Industrie- und Transformationsländer, die sich zu Staaten Maßnahmen zur Emissionsminderung in der Klimarahmenkonvention verpflichtet haben BIP Bruttoinlandsprodukt CBC Corporación de Desarrollo Tecnológico de Bienes de Capital, dt.: Kapitalgesellschaft für technologische Entwicklung CDEC Centro de Despacho Económico de Carga, dt.: Lastverteilungszentrum bzw. Betriebszentrale CDM Clean Development Mechanism, Mechanismus für umweltfreundliche Entwicklung im Rahmen des Kyoto-Protokolls Chilectra Chilena de Electricidad, dt.: chilenisches Unternehmen im Bereich der Stromverteilung CNE Comisión Nacional de Energía, dt: Nationale Energiekommission CODELCO Corporación del Cobre, dt.: Staatliche Kupfergesellschaft Colbún Chilenisches Erzeugungsunternehmen CONAMA Comisión Nacional del Medio Ambiente, dt.: Nationale Kommission für Umwelt CORFO Corporación de Fomento de la Producción, dt.: Wirtschaftsförderungsinstitution der chilenischen Regierung DEG Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft GmbH DFL Decreto con fuerza de Ley, dt.: Dekret mit Gesetzeskraft DNA Designated National Authority, Nationale Behörde des CDM-Gastlandes,
ENAP Empresa Nacional del Petróleo, staatliches Erdölunternehmen Endesa Empresa Nacional de Electricidad Sociedad Anónima ERNC Energías renovables no convencionales, dt.: nicht-konventionelle erneuerbare Energien EZ Entwicklungszusammenarbeit GTZ Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GmbH) GWh Giga Watt Stunden; Energieverbrauchseinheit Hz Hertz, Maßeinheit für Frequenz. Ein Hertz entspricht einer Schwingung pro Sekunde. KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau kV Kilovolt; das tausendfache der Einheit für elektrische Spannung Volt kW Kilowatt, 1000 Watt, das Tausendfache der physikalischen Einheit der Leistung
MERCOSUR Mercado Común del Sur, dt.: Gemeinsamer Markt des Südens MIDEPLAN Ministerio de Planifiación, dt.: Planungsministerium MW Megawatt; Einheit für Leistung (Physik) RE-RE = Renewable Energy, Technologien im Bereich der erneuerbaren Ener-Technologien gien RIDES Recursos e Investigación para el Desarollo Sustentable, dt.: Ressourcen und Forschung für nachhaltige Entwicklung SEC Superintendencia de Electricidad y Combustibles, dt.: Aufsichtsbehörde für Elektrizität und Brennstoffe SEQUA Stiftung für wirtschaftliche Entwicklung und berufliche Qualifizierung Gemeinnützige Gesellschaft mbH SERNAGEO-Servicio Nacional de Geología y Minería, dt.: Staatliches Institut für Geolo-MIN gie und Bergbau SIC Sistema Interconectado Central, dt.: Stromverbund Zentralchiles SING Sistema Interconectado del Norte Grande, dt.: Nördliches Verbundnetz
V
SOFOFA Sociedad de Fomento Fabril, dt.: Zusammenschluss der Industrie Chiles PPP Public Private Partnership, dt.: öfftentlich-private Zusammenarbeit
PRIEN
PSE Politica Seguridad Energetica, dt.: Politik der energetischen Sicherheit
UNFCCC
US$MM US-Dollar auf dem Weltfinanzmarkt (engl.: MM = Money Market) VAD Valor Agregrado de Distribución; Vertriebs-Mehrwert. Der Mehrpreis, den
Einleitung
1 Einleitung
Chile gehört heute zu den führenden Industrienationen Südamerikas und konnte in den vergangenen sechszehn Jahren ein hohes Wirtschaftswachstum mit fast durchgehend hohen Wachstumsraten von um 5 % jährlich verzeichnen. Der Energiebedarf in Chile steigt aufgrund der hohen Wachstumsraten in der Produktion stetig an. Zwischen 1990 und 2004 stieg dass BIP um 108 % (OECD 2005). Mit dem Wirtschaftswachstum stieg gleichzeitig der Primärenergiebedarf Chiles um jährlich 5,02 % und die Nachfrage nach Elektrizität um 8,2 %. Für die kommenden Jahre wird ein Wirtschaftswachstum von 5 % erwartet, das mit einer Steigerung der Nachfrage nach Strom von 6 % einhergeht (vgl. AHK: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Chile, 2007: S. 8).
Das größte Problem der wachsenden Volkswirtschaft sind mangelnde Energieressourcen. Das Land selbst besitzt im Vergleich zu den anderen Ländern Südamerikas nur sehr begrenzte eigene Ressourcen, mit der Ausnahme der Wasserkraft. Chiles Stromversorgung basiert derzeit auf ca. 60 % importierten fossilen Energieträgern (größtenteils Erdgas und Kohle) und zu ca. 40 % auf eigener Wasserkraft. Die Importe fossiler Energieträger stammen dabei überwiegend aus Argentinien. Die energiewirtschaftliche Abhängigkeit ist somit gravierend. Die hohe Abhängigkeit von zwei Energieträgern resultiert daraus, dass Unternehmen bisher frei in ihrer Entscheidung waren und von ihnen bisher die wirtschaftlich günstigsten Energieträger gewählt wurden. Der Nachteil des hohen Wasserkraftanteils zeigte sich zuletzt deutlich in den Jahren 1998/99 und 2001, da es aufgrund von Trockenperioden zu Engpässen in der Strom-versorgung kam. Wasserkraftwerke konnten zeitweise nur ein Drittel der benötigten Strommenge erzeugen (vgl. Schlabbach: Elektrizitätswirtschaft in Chile, 2005: S. 3).
1
Einleitung
Seit 2004 kürzt das Nachbarland Argentinien die Erdgaslieferungen nach Chile. Erdgas wurde seit den 1990er Jahren zum zweitwichtigsten Energieträger, um den wachsenden Energiebedarf zu decken. Die Energieversorgung wurde damit von Politik und Wirtschaft zunehmend auf aus Argentinien stammendes billiges Erdgas verschoben. Die Kürzungen der Erdgaslieferungen erreichten zeitweise einen Umfang von 50 % und haben bis heute nicht mehr die vertraglich vereinbarte Menge erreicht. Gründe dafür sind interne Engpässe Argentiniens. Die Erdgaslieferungen nach Chile wurden vertragswidrig gekürzt und die Energiekrise damit auf Chile abgewälzt. Sie erhöhen derzeit die Gefahr von Kapazitätsengpässen in der privatisierten Stromversorgung, wo der Verbrauch überdurchschnittlich wächst. Der Energiesektor ist damit mit zwei Problemen konfrontiert, die auf die Unausgewogenheit der Energiematrix zurück zu führen sind, erstens wiederholte Trockenperioden aufgrund des hohen Wasserkraftanteils am Energiemix und zweitens den Restriktionen der Erdgaslieferungen aus Argentinien. Die Folgen sind eine unzureichende und unzuverlässige Stromversorgung, sowie eine Einschränkung von Wirtschaftswachstum und Beschäftigung (vgl. KfW: Deutsche EZ mit Chile, 2007: S. 2). Die Beziehungen zu den Nachbarländern waren während der letzten Jahre infolge von Argentiniens Beschränkung seiner Gas-Exporte nach Chile im Jahr 2004 und der in Zweifel gezogenen langjährigen bilateralen Grenzabkommen mit Bolivien und Peru problematischer als gewöhnlich. Zu Bolivien, dem Land mit den zweitgrößten Erdgasressourcen Südamerikas, unterhält Chile seit 1978 keine vollen diplomatischen Beziehungen mehr (vgl. Husar/ Maihold: Konfliktstoff Erdgas, 2007: S. 131). Diese liegen wegen Grenzstreitigkeiten seit langem auf Eis und der Import von Erdgas aus Bolivien gilt damit in naher Zukunft als undenkbar (vgl. Schlabbach: Elektrizitätswirtschaft in Chile, 2005: S. 4). Die anhaltenden Spannungen zu den Nachbarländern gelten als Gefahr für die Versorgungssicherheit des Landes. Im Zuge der Gaslieferungsengpässe mussten die neuen Kraftwerke bereits auf andere Energieträger und Brennstoffe wie zum Beispiel Kohle, Wasserkraft, Erdöl oder Flüssiggas zurückgreifen, was außerdem zu einer Verteuerung der Energie führte. Für die chilenischen Haushalte stiegen die Energiekosten in den letzten sechs Jahren um 65 %. Steigende Energiepreise gefährden das energiepolitische Prinzip der Regierung und zudem die Wettbewerbsfähigkeit der chilenischen Exportindustrie (vgl. AHK: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Chile, 2007: S. 8).
Die argentinische Energiekrise und ihre Folgen für Chile prägten in 2004 zunehmend die chilenische Innenpolitik (vgl. Hanns-Seidel-Stiftung e.V.: Monatsbericht Chile, 2004: S. 1). Seit den Erdgaskürzungen ist der Energiesektor wieder in den Fokus von Politik und Wirtschaft
2
Einleitung
gerückt. Es erfolgt ein Umdenken in der Energiepolitik des Landes durch die Akteure in Wirtschaft und Politik, die zuvor noch eine Erhöhung der Gas- und Energieimporte aus Argentinien vorgesehen hatten (vgl. Chile Energy Data, .http:// www.eia.doe.gov, 19.11.2007: S. 1). Die chilenische Regierung zeigt derzeit ein hohes Interesse an einer Diversifizierung der Energiequellen des Landes.
Dazu hat sie bereits mit einer „Politik der Energetischen Sicherheit“ (Politica de Seguridad Energetica - PSE) auf die Energieengpässe reagiert und dafür Finanzmittel im Haushalt 2007 zur Verfügung gestellt. Diese Politik soll kurz- und mittelfristig zu einer Diversifizierung der Energiematrix in Bezug auf Energieträger und Lieferanten, einer Steigerung der Energieeffizienz und damit zur Erhöhung der Energieversorgungsautonomie beitragen. Hierbei sollen die nicht-konventionellen erneuerbaren Energien eine zunehmend bedeutsame Rolle spielen (vgl. AHK: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Chile, 2007: S. 8 ff.). Mit Ausnahme der großen Wasserkraftwerke in Chile, die zu den konventionellen Energien gezählt werden, ist der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung trotz großer Potenziale bisher nur marginal, mit nur einem Windpark (2 MW) und einigen kleinen Biomasse-und Wasserkraftwerken. Eines der Hauptgründe dafür sind ökonomische Hemmnisse. Der Strommarkt Chiles ist seit den 1980iger Jahren liberalisiert und die Stromerzeugung erfolgt nach den Regeln des freien Wettbewerbs. Die staatliche Regulierung im Stromsektor ist in Bezug auf Energiequellen und Technologiewahl neutral. Die nicht konventionellen Energien müssen daher mit den konventionellen Energien unter ähnlichen Bedingungen frei konkurrieren. Durch die eben stark liberal ausgerichtete Wirtschaft ist staatliche Förderung so gut wie ausgeschlossen. Weitere Hemmnisse ergeben sich daraus, dass bisher kaum gesicherte Informationen über die wirtschaftlich nutzbaren Potenziale vorliegen (vgl. GTZ: Erneuerbare Energien, http://www.gtz.de/de/praxis/8956.htm, 13.11.2007). Außerdem ist der Ausbau der erneuerbaren Energien in Chile mit hohen Anfangsinvestitionen in diese Anlagen und bestehender Unsicherheit über Projektrückflüsse verbunden. Deshalb sind private Unternehmen nicht bereit zu investieren. Diese sind zudem in Chile noch relativ unbekannt, was Technologie, Anwendbarkeit, Eigenschaften und Umweltverträglichkeit betrifft. Die erneuerbaren Energien haben in Chile allerdings auch unter dem Versorgungssicherheitsaspekt in der Diskussion an Bedeutung gewonnen, da Chile bei bestehenden Wirtschaftsdaten seinen Energiekonsum alle zehn Jahre verdoppeln würde und die bisher sicher geglaubten Gaslieferungen aus Argentinien und Bolivien ausbleiben.
3
Einleitung
Ziel der neugewählten Regierung ist es im Zeitraum von 2006 bis 2010 15 % der neuerzeugten Kapazitäten (derzeit 2,6 %) aus nicht-konventionellen erneuerbaren Energieträgern zu erzeugen. Dabei wird der Ausbau auch von staatlicher Seite gefördert. Mit Änderung des Elektrizitätsgesetzes von 2004 (Ley Corta I) und 2005 (Ley Corta II) und der damit verpflichtenden Einspeisung von Energie aus erneuerbaren Energiequellen (bis 9 MW), konnte bereits eine gesetzliche Besserstellung der erneuerbaren Energien erreicht werden (vgl. AHK: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Chile, 2007: S. 9).
1.1 Ziel der Arbeit und Fragestellung
Der Energiemarkt Chiles wurde bereits Anfang der 1980er Jahre liberalisiert. Die Liberalisierung zog ausländische Investoren an, die den Strom- und Wärmesektor weiter ausbauten. Investitionsentscheidungen sind bisher hauptsächlich von privatwirtschaftlichen Akteuren getroffen worden (vgl. KfW: Regenerative Energien und Energieeffizienz, 2006: S. 1). Es wurden stets konsequent die wirtschaftlich günstigsten Energieträger gewählt. Der steigende Energiebedarf ist in den 1990er Jahren mit Erdgas aus Argentinien abgedeckt worden. Erdgas hat sich damit nach Erdöl in wenigen Jahren zum zweitwichtigsten Energieträger entwickelt (vgl. Schlabbach: Elektrizitätswirtschaft in Chile, 2005: S. 1).
Die starke Abhängigkeit Chiles von Importen - Chile importiert derzeit 72 % der Primärenergie in Form von Öl, Gas und Kohle (vgl. Gobierno de Chile: Chile´s Energy Security Policy, 2006: S. 1) - macht das Land anfällig für internationale Preisschwankungen und Lieferungsunterbrechungen.
Die politischen Auseinandersetzungen konzentrieren sich dabei auf die Veränderung der Energiematrix in Bezug auf Lieferanten und Energieträger. Damit soll ein höheres Maß an Energieversorgungsautonomie erreicht werden. Die Regierung hat sich dazu bereits entschieden Flüssiggasimporte aus anderen Ländern weiter voranzutreiben, um damit die Exportrestriktionen für Erdgas zu umgehen (vgl. GTZ: Energiepolitische Rahmenbedingungen, 2007: S. 1). Auch die Nutzung erneuerbarer Energien nimmt in diesem Kontext an Wichtigkeit zu, da dadurch die im eigenen Land vorhandenen Ressourcen genutzt werden könnten. Die vorliegende Arbeit untersucht den chilenischen Energiesektor und stellt die aktuellen Probleme der Energieversorgungssituation vor dem Hintergrund der stark wachsenden Wirtschaft dar.
4
Einleitung
Ziel der Arbeit ist es aufzuzeigen, welche Strategien die chilenische Regierung zur Sicherung der Energieversorgung betreibt.
Außerdem werden in diesem Zusammenhang die Möglichkeiten der durch die Klimadiskussion vorangetriebenen Nutzung erneuerbarer Energien in Chile dargestellt.
Meine These lautet:
Die politischen Akteure Chiles - insbesondere die Regierung (Energieminister, Präsidentin, Außenminister, Wirtschaftsminister) sowie internationale Energiefirmen (Endesa, AES Gener, Colbún) und die Kupferindustrie mit der staatlichen Kupfergesellschaft Codelco bevorzugen die Nutzung von konventionellen Energien (Öl, Erdgas, Kohle, Diesel). Selbst die einzige be-vorzugte erneuerbare Energie sind Großwasserkraftwerke. Zwar wird aufgrund von internationalen Einflüssen (Kyoto-Protokoll) die Diskussion über erneuerbare Energien gefördert, aber dies hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Strategien der chilenischen Regierung. In Chile ergeben sich aufgrund natürlicher Bedingungen (Wind, Wasser, Geothermie, Sonne) große Potentiale um die Energieversorgung zu sichern. Trotz hoher Anfangsinvestitionen wäre der Einsatz von erneuerbaren Energien langfristig wirtschaftlich. Für ´arme Länder` spielen aufgrund der begrenzten Kreditwürdigkeit und der damit verbundenen hohen Zinssätze diese Anfangsinvestitionen eine große Hürde. Insgesamt nutzt die chilenische Regierung das Potential der erneuerbaren Energien - trotz ihres Zieles von 15 % bis 2010 - nicht ausreichend, vielleicht auch weil durch traditionelles Denken in den chilenischen Eliten konventionelle Energien präferiert werden, und die Interessen multinationaler Konzerne und die bestehenden Energieversorgungsnetze sich politisch gegen die schwachen Interessenvertreter von erneuerbaren Energien (Umweltverbände, GTZ etc.) durchsetzen und das gegenwärtige System reproduzieren.
5
Einleitung
Entsprechend hat man es mit folgenden aufeinander aufbauenden Fragestellungen zu tun: (1.) Wie kann Versorgungssicherheit gewährleistet werden? (2.) Welche Strategien wählen/ wählten die politischen Akteure in Chile? (3.) Wie kann Versorgungssicherheit - in den Vorstellungen der politischen Akteure Chiles - gewährleistet werden?
Methodisches Vorgehen bei der Arbeit:
Energiepolitisches Prinzip der Regierung Chiles ist die Bereitstellung von Energie zu den geringsten Erzeugungskosten. Dabei ist die staatliche Regulierung in Bezug auf Energiequellen und Technologiewahl neutral. Die Stromerzeugung erfolgt nach den Regeln des freien Wettbewerbs. Technischer Fortschritt und neue Gesetze werden aktiv von Menschen bzw. politischen Gruppen geschaffen, um konkrete Ziele zu erreichen. Die Analyse der ökonomischen und politischen Interessen ist damit der Schlüssel zum Verständnis des „Regulierungssystems Energiemarkt“. Die wichtigsten Akteure des chilenischen Energiesektors werden mit ihrer Haltung dargestellt und hieraus wird analysiert, welche Strategien in Bezug auf die Energie-versorgung gewählt werden.
1.2 Aufbau und Struktur der Arbeit
Die Arbeit ist in vier Abschnitte gegliedert: Der erste Teil der Arbeit beinhaltet die Einleitung der Arbeit mit Fragestellung, Thesen und methodischem Vorgehen. Der zweite Teil der Arbeit führt in das Land Chile ein, gibt Informationen zu den Rahmendaten, zeigt den interregionalen Kontext des Landes auf und beschreibt den gegenwärtigen Stand der Energieversorgung. Der dritte Teil gibt Informationen zu den energiepolitischen Zielen der Regierung. Zudem werden die wichtigsten Institutionen des chilenischen Energiesektors dargestellt. Im vierten Teil werden die Energieversorgungsstruktur und zukünftige Projekte zur Energieversorgung in Chile beschrieben. Außerdem werden der Energiesektor, Aufbau der Stromversorgung, Organisation des Energiesektors, sowie die großen privatwirtschaftlichen Akteure des Energiesektors dargestellt. Im fünften Teil erfolgt die Zusammenfassung und das Fazit.
6
Einleitung
1.3 Begriffsklärung
Für die Arbeit ist die Definition folgender Begriffe notwendig, auf die ich mich in meiner Arbeit beziehen werde. Das ist zum einen die Definition des Begriffs „erneuerbare Energien“, des Begriffs „Nachhaltigkeit“ bzw. „nachhaltige Entwicklung“ und die Definition von „Ver-sorgungssicherheit“.
Definition nichtkonventionelle erneuerbare Energien (span: Energías Renovables No Convencionales; Abkürzung: ERNC):
Im Allgemeinen gelten Energieträger als erneuerbar, wenn sie für menschliche Maßstäbe unerschöpflich sind. Als erneuerbare Energien verstehen sich alle Primär- und Sekundärformen der Sonnenenergie, das heißt passive und aktive Solarenergiegewinnung, sowie Wind-, Wasser- und Bioenergie. Andere Formen erneuerbarer Energien sind Gezeiten- oder Geothermalenergie (vgl. DEG: Chancen in Emerging Markets, 2002: S. 9). In Chile sind das erneuerbare Energien auf der Basis von Technologien, die einen geringen Verbreitungsgrad aufweisen wie Kleinwasserkraft (< 20 MW), Biomasse, Solarenergie, Windenergie, Geothermie und Meeresenergie (Wellen, Gezeiten- und Strömungsenergie). International wird außerdem nach kommerziell und nichtkommerziell eingesetzten Energieträgern unterschieden. In Chile gibt es hierbei eine eigene Unterteilung erneuerbarer Energien: konventionell und nichtkonventionell (vgl. Schlabbach/ Neumeyer: Energiewirtschaft in Chile, 2005: S. 34).
Die großen Wasserkraftwerke werden in Chile zu den konventionellen Energien gezählt (vgl. GTZ: Rahmenbedingungen für die Entwicklung Erneuerbarer Energien in Chile, 2006: S. 11). Diese sind seit Anbeginn der Elektrizitätsnutzung in Chile so gut wie die wichtigste nationale Energiequelle. Auch Biomasse in ihrer traditionellen Nutzungsform, wie Brennholz und in Form von Holzabfällen für Kraftwerke zur Einspeisung ins öffentliche Stromnetz, zählen zu den konventionellen erneuerbaren Energien (vgl. Schlabbach/ Neumeyer: Energiewirtschaft in Chile, 2005: S. 34).
7
Einleitung
Definition Nachhaltigkeit: Ich beziehe mich in meiner Arbeit auf folgenden Begriff der Nachhaltigkeit, wobei Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien in Zusammenhang stehen, da erneuerbare Energien zur Nachhaltigkeit beitragen:
Nachhaltigkeit, genauer: nachhaltige Entwicklung, ist ein Hauptthema der internationalen Diskussion um eine umweltverträgliche und gerechte wirtschaftliche und soziale Entwicklung für die gesamte Menschheit. Eine gebräuchliche Definition für Nachhaltigkeit hat hierbei die Brundtland-Kommission geliefert, nach der Entwicklungen nachhaltig sind, „die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigen, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihr Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Energie, ihre Verfügbarkeit, die Art ihrer Erzeugung und Nutzung, hat eine Schlüsselstellung für die Entwicklung von Gesellschaften und die Qualität der Umwelt. Eine besondere Rolle spielen dabei erneuerbare Energien (vgl. Ifeu: Erneuerbare Energien kompakt, 2007: S. 8).
Definition Versorgungssicherheit: Die Verfügbarkeit der fossilen und nuklearen Energieressourcen ist begrenzt. Die Mehrzahl der Ressourcen ist auf wenige Regionen der Welt konzentriert, die zum Teil politisch instabil sind. Der Energiebedarf der Schwellenländer steigt extrem. Die Folgen sind Versorgungsengpässe, steigende Energiepreise und teils kriegerische Auseinandersetzungen um Ressourcen. Demgegenüber sind erneuerbare Energien fast überall gewinnbar. Es kann jedoch nicht jede Art an jedem Ort mit gleicher Effizienz erzeugt werden. Die konkrete Wahl für eine Region hängt technisch von klimatischen und geologischen Gegebenheiten, Bodenqualität u. a. ab, sozial von Besitzverhältnissen, etablierten Wirtschafts-formen usw. Unabhängig davon sind aber die meisten erneuerbare Energien-Technologien in relativ kleinen Anlagen dezentral zu betreiben. Erneuerbare Energien sind damit unter verschiedenen Aspekten vorteilhaft für die Versorgungssicherheit: Sie können zum Aufbau einer sicheren Energieversorgung in unterentwickelten Regionen beitragen. Mittels großer vernetzter interkontinentaler Stromverbünde können sonnenreiche Regionen ohne energetische Bodenschätze zu Lieferländern elektrischer Energie werden. Erneuerbare Energien können zudem bei akuten Verknappungen konventioneller Energieträger am Markt stabilisierend wirken (vgl. Ifeu: Erneuerbare Energien kompakt, 2007: S. 8).
8
Chile
2 Chile
Die Herkunft des Wortes Chile ist nicht eindeutig nachgewiesen. Die verbreitetste Erklärung ist, dass sich das Wort aus der Sprache der Aymara herleitet. Dort bedeutet das Wort chilli „Land, wo die Welt zu Ende ist“.
Das chilenische Staatsgebiet erstreckt sich auf dem Festlandstreifen Südamerikas zwischen den Anden und dem Pazifik. Mit einer Fläche von rund 757.000 km² ist Chile so gut wie doppelt so groß wie die Bundesrepublik Deutschland.
Im Norden grenzt Chile an Peru, im Nordosten an Bolivien und im Osten an Argentinien. Nach Süden hin erstreckt sich das Land bis zum Ende des lateinamerikanischen Kontinents und ist somit der südlichste Staat der Erde.
Chile gilt als Land der Extreme. Mit seinem über 4.300 km langgestrecktem Territorium, das jedoch nur eine Breite von 250 km hat, besitzt es außer den Tropen alle Klimazonen. Das Land reicht über naturräumliche Zonen von heißen und trockenen Wüsten im Norden, subtropischen Regionen in der Mitte, dem eher mitteleuropäischem Klima mit entsprechender Vegetation im ´kleinen Süden` und dem ewigen Eis der Antarktis ganz im Süden, bis hin zu den flach abfallenden Landstrichen im Westen und den deutlich im Kontrast stehenden höchsten Gipfeln der Anden im Osten des Landes. Diese Ausmaße reichten in Europa von Skandinavien bis in die Sahara.
Dasselbe gilt für Chile auch in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Es ist derzeit das wirtschaftlich stärkste Land Lateinamerikas. Mit der demokratischen Konsolidierung und dem wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt ist es zu einem Beispiel für die Region Südamerikas geworden (vgl. Imbusch/ Messner/ Nolte: Chile-Land der Extreme in: Chile heute, 2004: S. 11).
Chile befindet sich zur Zeit im Um- und Aufbruch. Es ist dabei, nach langen Jahren der Militärdiktatur Pinochets (von 1973 bis 1990) und der Stagnation, den Staat zu modernisieren. Seit der Rückkehr zur Demokratie und aufgrund der großen wirtschaftlichen Erfolge hat sich Chile in den 1990er Jahren grundlegend gewandelt. Es regiert seit 1990 eine Mitte-Links-Koalition aus Christdemokraten und den SI-Mitgliedsparteien Partido Socialista (PS), Partido Por la Democracia (PPD) und Partido Radical-Socialdemócrata (PRSD) (vgl. Friedrich Ebert Stiftung: Chile heute, www.fes.de/lateinamerika/in:la/chil_2.htm; 04.12.2007). Seit dem
9
Chile
11. März 2006 ist mit Michelle Bachelet von der sozialistischen Partei erstmals eine Frau Präsidentin der Republik und Regierungschefin.
Chile wird heute als Schwellenland eingestuft. Der fortgeschrittene wirtschaftliche Entwick-lungsstand macht sich jedoch nicht in allen Bereichen bemerkbar, wodurch die weitere, sozial ausgewogene und nachhaltige Entwicklung z. T. gehemmt wird. So sind die hohen jährlichen Wachstumsraten zwar positiv, haben aber zum Beispiel zu hohen Umweltbelastungen geführt, vor allem in Nord- und Zentralchile. Dazu wurde im März 2007 mit der Neueinrichtung eines eigenständigen Umweltministeriums dieser Problematik Rechnung getragen (vgl. BMZ: Chile Länderbericht, 2007: S. 4).
In Bezug auf die Umwelt befindet sich Chile in einer typischen Dilemmasituation eines Schwellenlandes. So werden große Anstrengungen unternommen, um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben, während dabei die ökologische Nachhaltigkeit der Entwicklung vernachlässigt wird (vgl. BMZ: Chile Länderbericht, 2007: S. 9).
2.1 Wirtschaft
Chile besitzt derzeit eine der robustesten und offensten Wirtschaften Südamerikas. Die Wirtschaft Chiles war in den letzten 16 Jahren fast durchgehend von hohen Wachstumsraten um 5 % geprägt. In 2005 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 6,3 % und folgte damit dem bisherigen Wirtschaftswachstum von 2004 mit 6,2 % (siehe Energy Information Administration: Chile Energy Data, Statistics and Analysis, http:// www.eia.doe.gov, 19.11.2007). Auf-grund der guten wirtschaftlichen Entwicklung steigt der Energiebedarf der Wirtschaft und der Haushalte rasant an.
Die chilenische Wirtschaftsstruktur ist marktwirtschaftlich ausgerichtet und weltmarkt-orientiert. Der Wandel von einer staatlich gesteuerten zu einer privatwirtschaftlichen, wettbe-werbsorientierten Wirtschaftsordnung wurde bereits während der Militärdiktatur in den siebziger und achtziger Jahren eingeleitet. Die Erschließung neuer Absatzmärkte ist seither durch Marktöffnung und Freihandelsabkommen von allen chilenischen Regierungen erfolgreich fortgesetzt worden. Eckpfeiler der chilenischen Wirtschaftspolitik sind makroökonomische und finanzpolitische Stabilität einschließlich der Inflationsbekämpfung, verlässliche Rahmenbedingungen, Wachstumsorientierung, konsequente Liberalisierung und Privatisierung und eine offensive Außenwirtschaftspolitik (vgl. http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Chile/Wirtschaft.html#t2, 19.11.2007).
10
Chile
Das Land ist ein assoziiertes Mitglied des Common Market of the Southern Cone (MERCO-SUR-gemeinsamer südamerikanischer Markt) und ein ordentliches Mitglied der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC-asiatisch-pazifische Wirtschaftskooperation). Chile ist Mitglied bei einer ganzen Reihe von Freihandelsabkommen (FTAs) mit verschiedenen Ländern, wie zum Beispiel Kanada, Mexiko, Südkorea, USA und der EU. Das Freihandelsabkommen mit den USA trat im Januar 2004 in Kraft und wird innerhalb von 12 Jahren zur vollständigen Liberalisierung des Handels führen (vgl. Chile Energy Data, http:// www.eia.doe.gov; 19.11.2007).
Die meisten Bereiche sind liberalisiert und privatisiert. Die Staatsquote ist mit 22 % nur wenig mehr als die der USA. Chile ist exportstärkstes Land Südamerikas und sehr abhängig von Exporten. Sie machen etwa ein Drittel des BIP aus (was etwa der deutschen Exportquote entspricht). Exportiert werden vor allem Rohstoffe, in erster Linie Kupfer, und landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Wein, Holz und Fischereiprodukte. Die chilenische Exportwirtschaft wird schon seit dem frühen 20. Jahrhundert vom Kupferabbau dominiert. Das Land verfügt über die größten bekannten Kupfervorkommen der Welt (ca. 40 %) und ist der weltgrößte Kupferexporteur, was die Wirtschaft extrem abhängig vom Kupferpreis macht. Der Kupfer-export ist damit Chiles wichtigstes Exportprodukt. Die Kupferindustrie stellte im Jahr 2004 15 % der Staatseinnahmen.
Hauptursache für das starke chilenische Wirtschaftswachstum sind gegenwärtig die günstigen außenwirtschaftlichen Faktoren, da chilenische Exportprodukte derzeit zu Höchstpreisen ge-handelt werden, allen voran Kupfer (vgl. BMZ: Chile Länderbericht, 2007: S. 8).
2.2 Klima
Da Chile auf der Südhalbkugel der Erde liegt, sind die Jahreszeiten um ein halbes Jahr im Vergleich zur Nordhalbkugel der Erde verschoben und Sonne, Mond und Sterne am Firmament wandern dadurch anders herum.
Durch die extreme Nord-Süd-Ausdehnung und die unterschiedlichen Höhenlagen weist Chile sämtliche Klima- und Vegetationszonen auf. Diese geben jeder der 13 Verwaltungsregionen 1 ein eigenes Antlitz. Das Land lässt sich klimatisch in drei Zonen einteilen: Nord-, Mittel- und Südchile.
1 Chile gliedert sich in 13 Verwaltungsregionen: Die Regionen I bis XII (von Nord nach Süd) und die Haupt-
stadtregion Región Metropolititana, siehe auch Abbildung 2
11
Arbeit zitieren:
Antje Dieckmann, 2008, Die Energiepolitik Chiles seit den 1990er Jahren, München, GRIN Verlag GmbH
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