Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Karlstadt und sein Verhältnis zu Luther bis 1521 4
2.1 Luthers Lehrer und Bewunderer 4
2.2 Der gemeinsame Kampf. 5
2.3 Erste Differenzen. 6
3 Luther auf der Wartburg - Karlstadt neuer Anführer? 7
3.1 Der Vorwurf des subjektiven Verständnisses 7
3.2 Karlstadts Rolle in der Wittenberger Bewegung. 8
3.2.1 Karlstadts Neuerungen 8
3.2.2 Die Ankunft der Zwickauer Propheten 9
3.3 Luther verurteilt Karlstadt. 9
4 Karlstadt in Orlamünde 10
4.1 Die Pfarrei unter Karlstadt 10
4.2 Der Beginn der Streitschriften. 11
4.3 Die Vertreibung Karlstadts auf Initiative Luthers. 12
5 Der Abendmahlstreit zwischen Karlstadt und Luther 13
5.1 Kontroverse Theorien - Realpräsenz oder Symbolik 13
5.1.1 Luthers Theorie der Realpräsenz. 13
5.1.2 Karlstadts Abendmahlslehre 14
5.2 Der Streit 15
5.3 Die Auswirkungen. 15
6 Fazit. 16
7 Literaturverzeichnis. 17
Ablage : 18
2
1 Einleitung
Martin Luther ist bekannt als der große Reformator und Widersacher der römischkatholischen Kirche. Doch wie verhielt sich Luther gegenüber seinem engsten sozialen Umkreis? Anhand seines Verhältnisses zu Andreas Bodenstein aus Karlstadt versucht diese Arbeit Martin Luther genauer zu erfassen. Seine Person ist dem heutigen Publikum eher als Verursacher und brutaler Agitator der Wittenberger Unruhen bekannt. Jochen Horst spielt in dem 2003 erschienen Film „Luther“ einen Bodenstein, der sich gänzlich gegen die Ansichten Luther stellt und von diesem als schlechter Geist vertrieben wird. Doch wie sehr gibt diese Interpretation der Drehbuchautoren Camille Thomasson und Bart Gavigan die wahre Person Karlstadts wieder? Ich werde mich mit der Beziehung zwischen Andreas von Bodenstein, auch Karlstadt genannt, und Luther derart auseinandersetzen, dass ich nicht nur Luthers Biographen „befrage“, sondern vielmehr ein neutrales und unverfälschtes Bild dieser sozialen Interaktion aufzeigen werde.
Ich werde zunächst die erste Begegnung der beiden Protagonisten und den gemeinsamen Kampf gegen die katholische Kirche erörtern. Der Abschnitt über die Hintergründe der Entzweiung wird aufgrund der differierenden Forschungsansichten schwer zu greifen sein. Bei den Untersuchungen ist deutlich geworden, dass der Lutherhistoriker das Bild Karlstadts als Sündenbock präsentiert. Dieser einseitigen Darstellungsweise wird meine Arbeit entgegenwirken. Ich werde daher versuchen einen Überblick der Ursachen für den Streit zu liefern - wobei ich mehr auf die Karlstadthistoriker eingehen werde. Ein plausibles Ergebnis verlangt einen kurzen Nachweis der einzelnen Theorien anhand einschlägiger Quellen. Leider wird die Quellenarbeit aufgrund des äußerst begrenzten Rahmens nur einen geringen Teil einnehmen können. Die beiden großen, schriftlich ausgetragenen Diskussionen über die Feier der Eucharistie und dem subjektiven, beziehungsweise objektiven Bibelexegese, können leider nur kurz erläutert werden, ohne jedoch die einzelnen Schriften genauer zu inspizieren. Ich werde meine Arbeit nahezu chronologisch aufbauen, um auf die Weise einen nachvollziehbaren Abriss der Ereignisse zu liefern.
3
2 Karlstadt und sein Verhältnis zu Luther bis 1521
Der Folgende Abschnitt soll das frühe Verhältnis Andreas Bodensteins zu Martin Luther aufzeigen. Der 1486 im fränkischen Karlstadt am Main bei Würzburg geborene Andreas Rudolf Bodenstein „machte nach Studien in Erfurt, Köln und Wittenberg (1499 - 1505; 1501 Baccalareus artium; 1505 Magister artium) schnell Karriere an der kursächsischen Universität (1510 Priesterweihe und Promotion zum Doktor der Theologie; 1511 Theologieprofessor in Wittenberg).“ 1 Karlstadt und Luther begegneten sich auf diesem Weg erstmals in Wittenberg.
2.1 Luthers Lehrer und Bewunderer
Seit September 1516 vertrat Martin Luther in öffentlichen Disputationen die These, „daß man das im Neuen Testament zu findende Wort Gottes nicht durch philosophische Spekulationen verfälschen und pervertieren dürfe.“ 2 Dieser Angriff traf den überzeugten Scholastiker Karlstadt. Der 13. Januar 1517 ist für Karlstadt der entscheidende Wendepunkt in seiner frühen theologischen Entwicklung. An diesem Tag sei er nach Leipzig gereist, um sich dort eine Ausgabe der Schrift Augustins „Opera Omnia“ zu kaufen. In der Folge exzerpierte er nahezu ausschließlich aus dieser Schrift. Er beabsichtigte Luther genau mit der Schrift zu widerlegen, die es ihm zuvor ermöglichte gegen die Scholastik vorzugehen. Bei genaueren Studien gewinnt Karlstadt für sich die Erkenntnis, dass er „in tausend scholastischen Überzeugungen getäuscht sei - ein Esel in der Mühle, ein Blinder am Stein, […] [dass er] völlig gedankenlos bisher geredet habe.“ 3 Die erste Gemeinsamkeit Karlstadts mit Luther war, „dass er auch die Scholastik des Thomas und Scotus zwar sehr gründlich studirt, aber auch bald als unfruchtbar und unbefriedigend erkannt hatte und ein eifriger Anhänger der damals so weit verbreiteten Mystik geworden war.“ 4 Hierbei bahnte sich aber zugleich das Problem des späteren „Reformationsführers“ Karlstadt, denn „…seine Mystik [wurzelte] weniger im Herzen und Gefühle, wie bei Luther, als im Verstande und in der Erkenntnis…“ 5 - eine undenkbare Konstellation für einen, der die Massen bewegen sollte. 6
1 Kaufmann, Thomas: Reformatoren, Göttingen 1998, S. 59
2 Bubenheimer, Ulrich: Andreas Rudolf Bodenstein von Karlstadt. Sein Leben, seine Herkunft und seine innere Entwicklung, in: Joestel, Volkmar (Hg.): Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt. Schwärmer und Aufrührer?, 1. Aufl., Wittenberg 1980, im Folgenden als: Bubenheimer: Karlstadt. Sein Leben, S. 12
3 Karlstadts 151 Thesen „Über Natur, Gesetz und Gnade“ vom 26.4.1517, entnommen aus: Barge, Hermann: Andreas Bodenstein von Karlstadt (Bd.1), Leipzig 1905, S. 74
4 Goebel, M.: Andreas Bodenstein, von Carlstadt, nach seinem Charakter und Verhältnis zu Luther, in: Theologische Studien und Kritiken 14 (1841), im Folgenden als: Goebel: Carlstadt, nach seinem Charakter und Verhältnis zu Luther, S. 91
5 Goebel: Carlstadt, nach seinem Charakter und Verhältnis zu Luther, S. 91
6 Karlstadts Denkweise und die Unvereinbarkeit mit dem Dasein eines erfolgreichen Reformators erläutert Goebel ausführlich am Beispiel „Karlstadt und Luther“ auf den Seiten 91f des Aufsatzes: Goebel, M.: Andreas
4
Karlstadts 151 Thesen „Über Natur, Gesetz und Gnade“ vom April 1517 stoßen auf enormes Lob seitens Luthers, was Luthers Brief an den Nürnberger Reformationsanhänger Christoph Scheurl (6.5.1517) eindeutig belegt. Barge charakterisiert Luthers Denken über Karlstadt während dieser Zeit sehr treffend, indem er behauptet, dass Luthers Lob „über wohlwollende Anerkennung weit hinaus [geht], aus seinen Worten spricht nicht nur die Freude, dass ein einstiger Gegner für seine Anschauungen gewonnen sei, sondern der Respekt vor einer großen geistigen Leistung.“ 7 Luther wird in seinen Schriften dieses Jahres noch häufig Karlstadts Thesen zitieren.
Es bleibt festzuhalten, dass Karlstadt Luthers Anschauungen vorangetrieben hat. 8 Luther übertrifft jedoch Karlstadt an reformatorischem Verhalten - er ist der Frontmann der Bewegung. „Mit Luther verband Karlstadt seit der Veröffentlichung seiner 151 Thesen treue Bundesgenossenschaft.“ 9 Außerdem wurden „ihre Namen [oft] zusammen genannt, und die verehrungsvollen Ausdrücke, in denen Luther wiederholt von Karlstadt in seinen Briefen spricht, lassen auf einen regen geistigen Gedankenaustausch zwischen beiden schließen.“ 10
2.2 Der gemeinsame Kampf
Karlstadt und Luther unterstützten sich gegenseitig in ihren reformatorischen Aktionen. Der gemeinsame Feind schweißte sie zusammen und offenbarte sogleich die Unterschiede der beiden Freunde. Die Schrift „Obelisci“ des Ingolstädter Theologen Johannes Eck leitete einen heftig geführten Streit ein. „Carlstadt wurde Luther’s erster öffentlicher und erklärter Anhänger und tüchtigster Vorkämpfer in Schrift und Wort (gegen Eck), und Luther spendete dafür seinem Genossen wiederholt das entschiedenste Lob und den unzweideutigsten Beifall.“ 11 „Der Streit sollte in einer öffentlichen Disputation entschieden werden. Diese fand im Juni und Juli 1519 auf der Leipziger Pleißenburg statt.“ 12
In der Disputation erwies sich Eck als besserer Redner und ordnete seine Gedanken logischer und schneller als Karlstadt, dieser ließ sich verunsichern und „schlug immer wieder in Büchern nach und raschelte mit Zetteln.“ 13 Er wollte einfach nichts behaupten, was er nicht mit Büchern belegen konnte. „Als sich die Disputation festfuhr, trat schließlich Luther auf den
Bodenstein, von Carlstadt, nach seinem Charakter und Verhältnis zu Luther, in: Theologische Studien und Kritiken 14 (1841)
7 Barge, Herrmann: Andreas Bodenstein von Karlstadt (Bd. 1), Leipzig 1905, im Folgenden als: Barge: Karlstadt (Bd. 1), S. 83f
8 Vergleiche hierzu Luthers Schriften vom Beginn des Jahres 1517
9 Barge: Karlstadt (Bd.1), S. 89
10 Ebd., S. 90
11 Goebel: Carlstadt, nach seinem Charakter und Verhältnis zu Luther, S. 95
12 Bubenheimer: Karlstadt. Sein Leben, S. 19
13 Bubenheimer: Karlstadt. Sein Leben, S. 19
5
Arbeit zitieren:
Michael Gorissen, 2008, Andreas Bodenstein zu Karlstadt und Martin Luther, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Unterrichtseinheit: Der Seelenvogel von Michael Snunit und Na´ama Golo...
Theologie - Religion als Schulfach
Unterrichtsentwurf, 12 Seiten
Unterrichtsstunde: „Du empfängst mich mit offenen Armen.“ (UPP Religio...
Ein Unterrichtsentwurf zum Gle...
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Unterrichtsentwurf, 26 Seiten
Unterrichtseinheit: Verben (2. Klasse)
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 16 Seiten
Das Konzil von Trient und der Reformkatholizismus
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Johannes Calvins "Antidotum" gegen das Rechtfertigungsdekret...
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 32 Seiten
Martin Bucers und Johannes Calvins Auffassungen vom Abendmahl im Vergl...
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Eine Bildergeschichte als Erzähl- und Schreibanlass
Unterrichtsentwurf, 17 Seiten
Der Fall Argentinien im Spiralmodell. Die argentinische Diktatur 1976 ...
Politik - Internationale Politik - Region: Mittel- und Südamerika
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Unterrichtsstunde: Berufe und Arbeiten zur Zeit Jesu (1. Klasse)
Theologie - Religion als Schulfach
Praktikumsbericht / -arbeit, 22 Seiten
"Elfchen" - Kennenlernen der Gedichtform und Produktion von ...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 22 Seiten
Sallusts Sicht der älteren römischen Geschichte
Klassische Philologie - Latinistik - Literatur
Seminararbeit, 13 Seiten
Die lutherisch-reformierten Abendmahlsgespräche nach dem Zweiten Weltk...
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Examensarbeit, 83 Seiten
Gott mit uns. Die Deutung des Ersten Weltkriegs im deutschen Katholizi...
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Kreatives Schreiben - Schreibanlässe für das Verfassen fantastischer G...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 31 Seiten
Predigtarbeit und Gottesdienst zu Lukas 16,19-31 (Reicher Mann und arm...
Theologie - Praktische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 88 Seiten
Michael Gorissen's Text Andreas Bodenstein zu Karlstadt und Martin Luther ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Michael Gorissen hat den Text Andreas Bodenstein zu Karlstadt und Martin Luther veröffentlicht
Michael Gorissen hat einen neuen Text hochgeladen
The Road to Financial Reformation: Warnings, Consequences, Reforms
Henry Kaufman, Niall Ferguson
Die Beziehungen des dänischen ...
Martin Schwarz-Lausten, Dietrich Harbsmeier
Justus Jonas (14931555) und seine Bedeutung für die Wittenberger Refo...
Irene Dingel, Johannes Hund, Hans-Otto Schneider
Studien zur Theologie Martin L...
Karl-Heinz Zur Mühlen, Athina Lexutt, Volkmar Ortmann
Die Entscheidung deutscher Länder für oder gegen Luther
Studien zu Reformation und Kon...
Walter Ziegler
Luther und Calvin. Alte und Ne...
Heiko Augustinus Oberman, Christian Wiese
0 Kommentare