INHALTSVERZEICHNIS
Kapitel 1 Einleitung 5
Kapitel 2 Wirtschafts- und entwicklungsgeschichtliche Retrospektive 7
Lateinamerika 7
2.1
S üdostasien 10
2.2
Kapitel 3 Wettbewerbsfähigkeit in Rahmen volkswirtschaftlicher Theorie 12
Innovation als Komponente internationaler Wettbewerbsfähigkeit 12
3.1
3.1.1 Definition und Determinanten 12
3.1.2 Technischer Fortschritt als entscheidender Wachstumsfaktor 13
3.1.3 Innovationsindikatoren 15
Internationale Wettbewerbsfähigkeit in der Theorie 16
3.2
3.2.1 Definition und Determinanten 16
3.2.2 Indikatoren und Messbarkeit 18
3.2.3 Systemische Wettbewerbsfähigkeit 19
3.2.4 Rankings und Indizes 21
3.2.4.1 The Global Competitiveness Index 21
3.2.4.2 The World Competitiveness Yearbook 23
A S e i t e
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. 1 Determinanten systemischer Wettbewerbsfähigkeit
Abb. 2 Struktur des GCI: Basic Requierements
Abb. 3 Struktur des GCI: Efficiency Enhancers
Abb. 4 Struktur des GCI: Innovation and Sophistication Factors
Abb. 5 Competitiveness Factors
Abb. 6 Computing the Rankings / Data Processing Methodology
Abb. 7 Innovation Statistics (LEDERMANN)
Abb. 8 Innovation Statistics (HALL)
Abb. 9 Ausgaben für F E / F E der Sektoren
Abb. 10 Competitiveness in Perspective (1997-2007)
Abb. 11 Overall-Ranking WCY 2008
Abb. 12 Global Competitiveness Index 2007/2008
Abb. 13 The most problematic factors (Lateinamerika)
Abb. 14 The most problematic factors (Südostasien)
Abb. 15 Competitiveness Landscape (Lateinamerika)
Abb. 16 Competitiveness Landscape (Südostasien)
Abb. 17 Stage of development (Alle Länder)
Abb. 18 Competitiveness Rankings (Lateinamerika)
Abb. 19 Competitiveness Rankings (Südostasien)
Abb. 20 Average GCI-Ranking (Südostasien)
Abb. 21 Average GCI-Ranking (Lateinamerika)
Abb. 22 Average Basic Requirements (Südostasien)
Abb. 23 Average Efficiency Enhancers (Südostasien)
Abb. 24 Average Innovation and sophistication factors (Südostasien)
Abb. 25 Average Basic Requirements (Lateinamerika)
Abb. 26 Average Efficiency Enhancers (Lateinamerika)
Abb. 27 Average Innovation and sophistication factors (Lateinamerika)
C S e i t e
EINLEITUNG
KAPITEL 1: Einleitung
„While there are some storm clouds on the horizon, an attitude of “cautious optimism” reigns”, 1 beschreibt die wirtschaftliche Lage Lateinamerikas wohl am zutreffendsten. Das Lateinamerika des 21. Jahrhunderts weist eine mit früheren Perioden verglichen solide mak- 5
roökonomische sowie institutionelle Struktur auf. Die Synergieeffekte demokratischer Regierungen und eines stetig besser werdenden Geschäftsklimas äußern sich demzufolge in den mit 5,6 % in 2004 gemessenen höchsten durchschnittlichen Wachstumsraten seit 1980. Durch unabhängige Zentralbanken und eine Politik der flexiblen Wechselkurse konnte das Inflationsproblem effektiv bekämpft werden und die kurzfristige Wirtschaftsentwicklung 10
scheint sich als vornehmlich positiv prognostizieren zu lassen. Doch sollte eine Wettbewerbsanalyse die „Gewitterwolken am Horizont“ nicht außer Acht lassen, denn ungeachtet des günstigen Wirtschaftsklimas wird die Region kontinuierlich von einigen scheinbar unüberwindbaren Problemen geplagt. Nachwievor leidet Lateinamerika unter einer hohen Schuldenbelastung, einer signifikanten Ungleichverteilung des Einkommens sowie anderen struk- 15
turellen Schwächen. Einer Vielzahl lateinamerikanischer Staaten ist somit langfristig keine Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition zu attestieren, vielmehr lässt sich Gegenteiliges vermuten. Insbesondere die zahlreichen Nationen Lateinamerikas, die wirtschaftlich vom Rohstoffexport abhängig sind und zurzeit von der intensiven Rohstoffakkumulation seitens China profitieren, machen Lateinamerika im Gegenzug empfindlich für externe Schocks wie 20
beispielsweise die amerikanische Finanz- und Immobilienkrise oder die Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums, die wiederum fallende Rohstoffpreise oder sinkende Primärgüternachfrage induzieren könnten. Darüber hinaus lassen die weltweit wohl am stärksten divergierende Einkommensverteilung, die nachwievor existierenden sozialen Spannungen und eine zunehmende Reformschwäche Lateinamerika stetig unattraktiver für 25
ausländische Direktinvestitionen erscheinen, so dass es fortwährend Anteilsverluste am Welthandel und Wettbewerbseinbußen entgegen anderer Entwicklungsregionen, wie beispielsweise Osteuropa oder Südostasien, kompensieren muss.
Nichtsdestotrotz findet ein „vorsichtiger Optimismus“ durch die stabile Entwicklung der realen GDP-Wachstumsraten der letzten Perioden seine Berechtigung. Nun ist es ist von 30
essentieller Bedeutung, sich den oben erwähnten Herausforderungen zu stellen, wichtige Reformen auf den Weg zu bringen, in Institutionen, Innovation und Entwicklung zu investieren, um ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum sowie eine Wohlstandsverbesserung der Bürger zu erreichen und letztendlich die Wettbewerbssituation Lateinamerikas zu stärken und zu verbessern. 2 35
1 WORLD ECONOMIC FORUM: Latin America@Risk, 2007, S. 6.
2 Vgl. SCHWAB: The Latin America Competitiveness Report, 2006, S.5f.
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EINLEITUNG
Diese Bachelorarbeit konzentriert sich im Folgenden auf die Wettbewerbsfähigkeit Lateinamerikas im Vergleich zu derjenigen Südostasiens, welches zwar kulturell gegensätzlich jedoch länderspezifisch strukturell durchaus vergleichbar ist. Des Weiteren soll nach einleitender geschichtlicher Retrospektive (vgl. 2) und theoretischer Definition (vgl. 3) anhand des Innovationspotentials als Komponente der Wettbewerbsfähigkeit (vgl. 3.1) sowie unter Be- 5
rücksichtigung spezifischer Indizes und Rankings (vgl. 3.2.4) die wirtschaftliche Leistungs-und Konkurrenzfähigkeit der beiden Regionen kritisch analysiert und anschließend vergleichen werden (vgl. 4). Die Analyse stützt sich dabei auf die Auswertung spezifischer Wettbe-werbsfaktoren des jährlich vom IMD veröffentlichten World Competitiveness Yearbook sowie den vom World Economic Forum herausgegebenen Global Competitiveness Report (vgl. 10
4.2). Besonderer Wert wird dabei auf die Aktualität der Daten gelegt, denn die Auswertungsergebnisse fungieren als regionaler sowie nationaler Benchmark, wodurch im abschließenden Fazit (vgl. 5) mögliche Chancen und Risiken beider Regionen aufgezeigt und abschließend die aktuell wirtschaftlich wettbewerbsfähigere Region eindeutig klassifiziert werden soll. Wegen des eingeschränkten Umfanges der Arbeit ist es leider nicht möglich, auf alle regi- 15
onszugehörigen Länder explizit einzugehen. Daher soll die Wettbewerbsfähigkeit Lateinamerikas sowie Südostasiens exemplarisch anhand einiger repräsentativer Länderbeispiele bestimmt werden.
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WIRTSCHAFTS- UND ENTWICKLUNGSGESCHICHTLICHE RETROSPEKTIVE
KAPITEL 2: Wirtschafts- und entwicklungsgeschichtliche Retrospektive
2.1 Lateinamerika
Der lateinamerikanischen Region lassen sich die Staaten südlich der USA zuordnen, in 5
denen die Amtssprache eine romanische Abstammung besitzt. Geographisch umfasst Lateinamerika das in Nordamerika gelegene und neben Brasilien wohl wirtschaftlich potenziell stärkste Land Mexiko, in Zentralamerika Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama, in der Karibik die Dominikanische Republik, Kuba, Puerto Rico und schließlich in Südamerika Argentinien, Bolivien, Brasilien, Venezuela, Ecuador, Kolumbien, 10
Paraguay, Peru, Uruguay und das im äußersten Süden gelegene Chile sowie Teile Guayanas.
Die Periodisierung der historischen sowie wirtschaftlichen Entwicklung Lateinamerikas konfrontiert den Historiker und Wirtschaftswissenschaftler mit vielfältigen Abgrenzungsschwierigkeiten. Die Wirtschaftsentwicklung Lateinamerikas zählt nachwievor zu den schein- 15
bar unlösbaren Rätseln der Wirtschaftswissenschaft, die sich unter der Berücksichtigung ausschließlich volkswirtschaftlicher Faktoren wohl nicht lösen lassen. So sind auch kulturelle Eigenheiten wie beispielsweise die häufig in lateinamerikanischen Ländern anzutreffenden Organisationsmängel, die schon bei der Pünktlichkeit beginnen, an der Bildung der Wettbewerbsposition beteiligt. Es erscheint darüberhinaus sinnvoll, sich vor der theoretischen Ana- 20
lyse der Wettbewerbsfähigkeit des heutigen Lateinamerikas (vgl. 4) kurz mit dessen wirtschaftspolitischer Geschichte zu befassen, um bereits in der Vergangenheit geschaffene Strukturen zu identifizieren und deren Wirkung auf die internationale Konkurrenzfähigkeit der Region deuten zu können. Auf einen detaillierteren geschichtlichen Exkurs muss angesichts des in dieser Arbeit gewählten Schwerpunktes (vgl. 1) an dieser Stelle allerdings verzichtet 25
werden. Vielmehr soll durch einen simplifizierenden geschichtlichen Überblick komprimiert über mögliche wirtschaftsgeschichtliche Einflussfaktoren bezüglich der heutigen Wettbewerbsfähigkeit informiert werden. 3
Konträr zu Europa, in dem die beiden Weltkriege oder beispielsweise die Wende in den 80er Jahren signifikante entwicklungsgeschichtliche Einschnitte darstellten, lassen sich für 30
Lateinamerika keine tiefgreifenden Zäsuren darstellen. Die bis ins 19.Jahrhundert vom europäischen Kolonialismus geprägten, zentralen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen blieben auch mit Beginn der Unabhängigkeit bis zu Beginn der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre nahezu unverändert. Die globale Depression der 30er Jahre stellt wohl den zentralsten Einschnitt dar, der in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht 35
3 Detaillierte Informationen über die geschichtliche und wirtschaftspolitische Entwicklung Latein-
amerikas von 1760 bis ins 20.Jahrhundert finden sich bei TOBLER (1992) und TOBLER (1996).
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WIRTSCHAFTS- UND ENTWICKLUNGSGESCHICHTLICHE RETROSPEKTIVE
für ganz Lateinamerika weitreichende Auswirkungen besaß und das Bestreben Lateinamerikas nach Unabhängigkeit wachsen lies. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts lässt sich angesichts der signifikanten Diversität und Differenzierung der lateinamerikanischen Staaten sinnvollerweise lediglich länderspezifisch und nicht als Ganzes betrachten. Daher können auch im späteren Ländervergleich nur ansatzweise Ergebnisse aus der Analyse einzelner 5
Staaten auf die gesamte Region übertragen werden (vgl. 4). 4 Wirtschaftlich lässt sich den wichtigsten Regionen Lateinamerikas, konträr zu den Schwellenländern Südostasiens, bis in die 90er Jahre ein deutlich geringeres und bisweilen durch die Verschuldungskrise in den 80ern sogar rückläufiges Wirtschaftswachstum attestieren. Trotz global betrachtet guten wirtschaftlichen Bedingungen, die den Aufholprozess ärmerer Länder scheinbar begünsti- 10
gen, 5 gelang es den lateinamerikanischen Staaten (LAC) nicht, das deutsch-japanische Wirt-schaftswunder zu adaptieren. 6 Handelspolitische Ursachen liegen geschichtlich möglicherweise in der engen Verbundenheit Lateinamerikas zu Europa und den Vereinigten Staaten, sowie in der bereits damals sehr hohen Exportquote von Rohstoffen und Nahrungsmitteln. So wurden die USA zwischen dem ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise wichtigster 15
Kapitalinvestor und Handelspartner einer zunehmenden Anzahl lateinamerikanischer Staaten. 7 Initiiert durch den ersten Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise gelang der Aufstieg der europäischen Staaten und der USA weitestgehend durch eine vom Protektionismus geprägte Handels- und Außenpolitik, die sich nachhaltig negativ auf die Entwicklung der Terms of Trade der LACs auswirkte. Zwar nahmen die Ausfuhren an Primärgütern auch im Zuge des 20
zweiten Weltkrieges weiter zu, doch durch die zunehmende Produktion von Rüstungsgütern und den Regionalismus und Protektionismus der Industriestaaten kamen die Exporte an wichtigen zivilen Manufakturen wie beispielsweise Produktionsmaschinen für die Landwirtschaft nahezu völlig zum Erliegen. Die LACs erkannten die Notwendigkeit des Aufbaus einer eigenen, vom Welthandel zunächst unabhängigen Industrie, die RAÚL PREBISCH und HANS 25
WOLFGANG SINGER mit ihrer 1949 aufgestellten Hypothese 8 über die strukturellen Nachteile rohstoffexportierender Länder, wirtschaftwissenschaftlich manifestierten. 9 Erst 1994 wurde mit der Entstehung des NAFTA (Nordamerikanisches Freihandelsabkommen) ein sukzessiver Liberalisierungsprozess in den beteiligten Volkswirtschaften eingeleitet, der auf eine Freigabe des Kapitalverkehrs sowie einen raschen Zollabbau zwischen 30
den USA, Kanada und den LAC, hier jedoch bisweilen lediglich Mexiko, abzielt. So sollen beispielsweise bis 2009 die meisten Zölle vollständig aufgehoben werden. Die NAFTA-Staaten scheinen sich seither in einer andauernden wirtschaftlichen Wachstumsphase zu
4 Vgl. TOBLER: Lateinamerika im 20. Jahrhundert, 1996, S. 3ff.
5 Siehe dazu auch JONES (1991), der das Wachstumswunder Europas näher erläutert.
6 Vgl. FODERS: Die ökonomische Entwicklung Lateinamerikas, 2001, S. 1-4.
7 Vgl. TOBLER: Lateinamerika im 20. Jahrhundert, 1996, S. 105-112.
8 Eine kritische Auseinandersetzung mit der Prebisch-Singer-Hypothese findet sich bei BAER (1961-
1962)
9 Vgl. Vgl. FODERS: Die ökonomische Entwicklung Lateinamerikas, 2001, S. 11-15.
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WIRTSCHAFTS- UND ENTWICKLUNGSGESCHICHTLICHE RETROSPEKTIVE
befinden und auch einige LAC wie beispielsweise Brasilien oder Argentinien scheinen den Umstieg auf die Industrialisierung vorerst vergleichsweise erfolgreich bewältigt zu haben. 10 Andere Bündnisse wie beispielsweise der Mercosur (Mercado Común del Sur) dem Argentinien, Brasilien, Paraguay sowie Uruguay angehören oder die Andengemeinschaft (Kolumbien, Ecudaor, Peru, Bolivien) verlieren in dem protektionistisch geprägten Lateinamerika 5
zunehmend an Attraktivität. Innerhalb der Bündnisse driften die Länder durch vereinzelte Schutzabkommen wie beispielsweise zwischen Argentinien und Brasilien, zunehmend aus-einander. Viele LACs versuchen sich als Einzelgänger beispielsweise am wirtschaftlich erfolgreichen Chile zu orientieren und sich auf bilaterale Freihandelsverträge etwa mit den USA, der EU oder asiatischen Staaten zu konzentrieren, 11 was sich wie sich im Folgenden 10
herausstellen wird nicht gerade produktiv auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirkt (vgl. 4). So gelang es zwar Chile sich in punkto Wettbewerbsfähigkeit deutlich zu steigern und sich mittlerweile als das wirtschaftlich stärkste der LAC zu präsentieren (vgl. 4.2.1), jedoch zählt auch Chile zu den Ländern, deren Exporte überwiegend auf Primärgütern und Rohstoffen wie etwa Kupfer oder landwirtschaftlichen Erzeugnissen basieren, die in hohem Maße von 15
sich im Aufschwung befindlichen asiatischen Staaten nachgefragt werden. Wie bereits erwähnt, besteht durch die wirtschaftlichen Abhängigkeit von Rohstoffen die Gefahr, dass die Exporte bei versiegen der Rohstoffvorkommen oder Nachfrageänderungen zum Erliegen kommen könnten, was das betroffene Land nachhaltig schwächen würde. Einen weiteren Erklärungsansatz für die Wachstumsschwäche Lateinamerikas könnte die 20
weitgehende weltwirtschaftliche Abkopplung Mitte des 20. Jahrhunderts und die daraus resultierende institutionelle Entwicklung liefern. In der Wirtschaftswissenschaft werden den institutionellen Rahmenbedingungen, d.h. dem Regelwerk einer Gesellschaft, fundamentale Wachstumswirkungen zugeordnet. 12 Möglicherweise lassen sich negative Einflüsse nach-wievor auf die Kolonialzeit zurückführen. Insbesondere in Ländern, die ausschließlich der 25
Förderung von Rohstoffen dienten, entwickelten sich Institutionen, die sich für nachhaltiges Wachstum als ungünstig erwiesen haben und beispielsweise unter Vernachlässigung wichtiger gesellschaftsbildender Institutionen lediglich auf die Ausbeutung bestimmter Regionen abzielten. 13
Analog zu der geschichtlichen Entwicklung Lateinamerikas wird im Folgenden insbeson- 30
dere die wirtschafts- und strukturpolitische Entwicklung Südostasiens näher beleuchtet, um so einen gemeinsamen Ausgangspunkt für die Vergleichbarkeit der beiden Regionen zu schaffen.
10 Vgl. PREUßE: NAFTA, 2000, S. 2-9.
11 Vgl. Onlinequelle [4].
12 Vgl. ebd., S. 29ff.
13 Vgl. EASTERLY: How endowments influence economic development, 2002, S. 7f.
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WIRTSCHAFTS- UND ENTWICKLUNGSGESCHICHTLICHE RETROSPEKTIVE
2.2 Südostasien
Als Region des asiatischen Kontinents umfasst Südostasien die Staaten südlich von China und östlich von Indien. Dazu gehören Brunei, Indonesien, Kambodcha, Laos, Malaysia, Myanmar ehemals Birma, Timor-Leste (Osttimor), die Philippinen, Singapur, Thailand und 5
das wirtschaftlich aufstrebende Vietnam. Auf einer Fläche von mehr als 4,5 Mio. km² finden sich die unterschiedlichsten Kulturen, Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme, die sich infolge technischen Fortschritts zum Teil grundlegend unterschiedlich entwickelt haben. So entwickelten sich beispielsweise in Singapur, nicht zuletzt durch den starken chinesischen Einfluss, sehr organisierte sowie strukturierte Institutionen, die den Stadtstaat international äu- 10
ßerst wettbewerbsfähig machen. Analog zu Lateinamerika wirkte sich eine enge Korrelation zwischen humangeografischen und topografischen Einflussfaktoren in Südostasien signifikant auf die Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung sowie den Grad an Zivilisierung aus. Die Geographie sowie die Wirtschaftsgeschichte gewähren demzufolge Zugang zum Verständnis der heutigen wirtschaftlichen Wettbewerbsposition Südostasiens, die im Folgenden 15
kontrastiv mit derjenigen Lateinamerikas verglichen werden soll (vgl. 4.2.3). 14 Ähnlich wie im Falle Lateinamerikas wurden aufgrund des Rohstoffreichtums und der damals wertvollen Gewürze alle südostasiatischen Staaten mit Ausnahme Thailands kolonialisiert. England, Holland und Spanien präsentierten sich damals als die größten Kolonialmächte mit uneingeschränktem Bestimmungsrecht über die Region. 15 Erst in den 50er Jahren gelang es einigen 20
südostasiatischen Staaten, die Unabhängigkeit zu erlangen. Geprägt durch den Korea-Krieg sowie die kommunistische Bedrohung durch das benachbarte China und die Sowjetunion versuchten die westlich orientierten Länder eine regionale Kooperation zu etablieren, was letztendlich erst zu Beginn der 90er Jahre erfolgreich umgesetzt werden konnte. Die südostasiatischen Nationen schlossen sich bereits 1967 zum ASEAN (Association of Southeast 25
Asian Nations) zusammen, um handelspolitische aber auch ökonomische und sicherheitspolitische Institutionen zu bilden, anfangs jedoch ohne international handelspolitische Erfolge vorweisen zu können. Seit den Bündniserfolgen der 90er Jahre gilt ASEAN als erfolgreichstes Länderbündnis neben der Europäischen Union. Aus der damit verbundenen Liberalisierung der südostasiatischen Märkte ist bereits an dieser Stelle der Region ein Wettbewerbs- 30
vorteil gegenüber Lateinamerika zu attestieren. Wie bereits einleitend erwähnt befindet sich beispielsweise Vietnam trotz langwieriger Unabhängigkeitsbemühungen sowie erheblicher Kriegsschäden, die im Zuge des Vietnamkrieges der 60er und 70er Jahre entstanden sind, in einer guten konjunkturellen Situation (vgl. 4.2.2). 16 Andere südostasiatische Provinzen wie beispielsweise Osttimor, welches auch in jüngster Zeit unter schweren Unruhen und Verwüs- 35
14 Vgl. DAHM: Südostasien-Handbuch, 1999, S. 23-33.
15 Vgl. CHESNEAUX: Geschichte Ost- und Südostasiens, 1969, S.16f.
16 Vgl. DAHM: Südostasien-Handbuch, 1999, S. 333-340.
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WIRTSCHAFTS- UND ENTWICKLUNGSGESCHICHTLICHE RETROSPEKTIVE
tung durch militärische Milizen zu leiden hat, haben konträr dazu noch einen schwierigen Weg vor sich, um wirtschaftliche und politische Stabilität zu erlangen. 17 Generell ist von einer neuzeitigen Rehabilitierung Südostasiens von den Auswirkungen der asiatischen Finanzkrise in den späten 90er Jahren, den weltpolitischen Veränderungen nach dem 11. September 2001, den wiederholten Terroranschlägen in indonesischen Touris- 5
tenorten und den jüngsten Naturkatastrophen auszugehen (vgl. 3.2.2). Wie zuvor angedeutet, stellen die südostasiatischen Länder wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich eine ähnlich heterogene Region wie Lateinamerika dar. 18 Daher wird sich ein Wettbewerbsvergleich der beiden Staatenbündnisse lediglich auf einzelne wirtschaftlich vergleichbare Staaten beschränken müssen (vgl. 4.2). Nach der definitorischen Abgrenzung der Innovation im 10
folgenden Kapitel wird die Wettbewerbsfähigkeit beider Regionen nachfolgend detaillierter betrachtet (vgl. 4).
17 Vgl. Onlinequelle [1].
18 Vgl. BERSICK: Südostasien, 2007, S. 3ff.
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WETTBEWERBSFÄHIGKEIT IM RAHMEN VOLKSWIRTSCHAFTLICHER THEORIE
KAPITEL 3: Wettbewerbsfähigkeit im Rahmen volkswirtschaftlicher Theorie
3.1 Innovation als Komponente internationaler Wettbewerbsfähigkeit
3.1.1 Definition und Determinanten 5
„An increasing number of industrial case studies has highlighted the importance of technological innovation for industrial competitiveness“. 19 Dem Zitat nach ist Innovation also eine entscheidende Komponente der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und wichtiger Be-standteil der Messung sowie Einschätzung der länderspezifischen Wettbewerbsposition (vgl. 4.2). Innovation steht in direkter Korrelation mit technischem Fortschritt, welcher sich nach 10
DOSI signifikant positiv auf die Produktivität und damit ebenfalls auf das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes auswirkt. 20 Diese Annahmen rechtfertigen die isolierte Betrachtung des Innovationspotentials als bedeutende Komponente der Wettbewerbsfähigkeit. „Innovation is essentially the creation of the knowledge of how to do something new“, 21 oder „Innovation concerns the search for, and the discovery, experimentation, development, 15
imitation, and adoptation of new products, new production processes and new organisational set-ups“. 22 Definitorisch bezeichnet Innovation also die durch die Entwicklung neuer Produkte, Produktionsverfahren oder Prozessoptimierungen implizierte Anwendung allgemeiner technologischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Verbesserungen. 23 Innovationen werden dabei bezüglich ihres Wirkungsbereiches in Prozess,- Produkt- und Sozialinnovationen 20
differenziert. Beispielsweise werden Modifikationen im Leistungserstellungsprozess eines Unternehmens, um leistungsfähigere Produkte effizienter, sicherer, umweltschonender und wirtschaftlicher zu produzieren, als Prozessinnovationen bezeichnet. Unter Produktinnovationen werden hingegen die Weiterentwicklungen und Verbesserungen an absetzbaren Produkten oder Dienstleistungen erfasst. Sozialinnovationen bilden schließlich die grundlegende 25
Basis für Prozess- und Produktinnovationen, indem durch eine Steigerung der Qualifikation und durch relevante Ausbildungsverbesserung der Arbeitskräfte eine Erhöhung des Humankapitals erreicht wird. 24
Neben dem Resultat des technischen Fortschritts stellt die Forschung und Entwicklung (F&E) einen wesentlichen Bestandteil der zuvor definierten Innovationsterminologie dar. F&E 30
bezeichnen die systematischen Bemühungen, neues, revolutionäres und innovatives Wissen zu akkumulieren und bereits angewandte Technologien mittels der neu gewonnenen Erkenn-
19 DOSI:The nature of the innovative process, 1988, S. 221.
20 Vgl. LEDERMANN / MALONEY: R&D and Development, 2003, S. 1ff.
21 HALL: Government policy for Innovation, 2005, S. 6.
22 DOSI: The nature of the innovative process, 1988, S. 222.
23 Vgl. CORSTEN: Überlegungen zu einem Innovationsmanagement, 1989, S. 2f.
24 Vgl. SCHUMPETER: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, 1931, S. 100ff.
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WETTBEWERBSFÄHIGKEIT IM RAHMEN VOLKSWIRTSCHAFTLICHER THEORIE
tnisse zu optimieren. 25 Mit der Durchführung von F&E befassen sich verschiedene Institution wie beispielsweise Bildungseinrichtungen, staatlich finanzierte Forschungsinstitute oder private Unternehmen. 26 Wie einleitend erwähnt, stellt technischer Fortschritt eine wichtige Determinante der Innovation und somit einen entscheidenden Wachstumsfaktor dar. 27
5
3.1.2 Technischer Fortschritt als entscheidender Wachstumsfaktor
Bei langfristigen Analysen der Wettbewerbsfähigkeit ist die Entwicklung des technischen Wissens, also der technische Fortschritt von essentieller Bedeutung (vgl. 3.2.1). Die totale Faktorproduktivität als Maß für die wirtschaftliche Produktivität eines Landes wird maßgeblich vom vorherrschenden technischen Fortschritt beeinflusst. Die Produktionstechnik legt 10
neben den Faktoreinsatzmengen die Größe und Art des zu erstellenden Outputs fest. Als Innovationskomponente ermöglicht technischer Fortschritt die Herstellung neuartiger Produkte und steigert die Effizienz bestehender Produktionsverfahren. Dabei kann sich der technische Fortschritt beispielsweise durch organisatorische Verbesserungen im Produktionsverfahren vergleichbar einer physischen Erhöhung der Faktoreinsatzmengen auswirken. Quali- 15
tät und Einsatzmenge der Produktionsfaktoren bleiben jedoch konstant. 28 Technischer Fortschritt wird als autonom bezeichnet, sofern er aus spontanen Produktinnovationen erfolgt. Resultiert der Aufbau von Humankapital, also die Akkumulation technischen Fortschritts jedoch aus zielgerichteten Aktivitäten wie beispielsweise Forschung, Ausbildung oder aus der Erfahrung durch die Ausübung einer Tätigkeit („Learning by doing“), so spricht man von in- 20
duziertem technischen Fortschritt aus prozessinnovatorischen Bemühungen. 29 Nach erfolgreicher Innovation kann es im Laufe der Zeit zur Diffusion des technischen Fortschritts kommen. Die Bedeutung des technischen Fortschritts in der Wachstumstheorie und dementsprechend für die Wettbewerbs- und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes wird aus der bereits seit Jahrhunderten andauernden Faszination renommierter Wirtschaftswissenschaft- 25
ler ersichtlich. 30 Wegweisend versuchte 1956 ROBERT M. SOLOW in einem dynamischen Modell den steigenden Lebensstandard sowie die langfristige Entwicklung auf Basis einer neoklassischen linear-homogenen Produktionsfunktion zu erklären, die das Niveau des technischen Fortschritts als über die Zeit konstant annahm. 31 Doch langfristig stößt eine Investitionserhöhung zur weiteren Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens an ihre Grenzen, so dass 30
diese Annahme äußerst unrealistisch und nicht dafür geeignet ist, das über mehrere Jahr-hunderte positive Pro-Kopf-Wachstum beispielsweise der USA zu erklären. So erkannten die Ökonomen der 50er und 60er Jahre, dass Innovation und der daraus resultierende technologische Fortschritt ein entscheidendes Kriterium für Wachstum ist und eine Zunahme der
25 Vgl. LEDERMANN: Innovation and Development around the world, 2005, S. 26.
26 Vgl. OECD: The Measurement of Scientific and Technological Activities, 1994.
27 Näheres zur Innovationsterminologie findet sich in DOSI und NELSON AND WINTER.
28 Vgl. UZAWA: Neutral Inventions and the Stabilizy of Groth Equilibrium, 1961, S.117-124.
29 Vgl. ARROW: Learning by Doing, 2003, S.155ff.
30 Vgl. LEDERMANN: Innovation and Development around the world, 2005, S. 1f.
31 Vgl. SALA-I-MARTIN: Wirtschaftswachstum, 1998, S. 19.
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WETTBEWERBSFÄHIGKEIT IM RAHMEN VOLKSWIRTSCHAFTLICHER THEORIE
Wachstumsraten nur in Folge technischen Fortschritts möglich sei. 32 Dieser impliziert beispielsweise eine Effizienzsteigerung der Produktion, macht also Arbeit produktiver. Nimmt man zu guter letzt an, dass technischer Fortschritt ein öffentliches Gut ist, welches allen Ländern international gleichermaßen zur Verfügung steht, so impliziert das um technischen Fortschritt erweiterte SOLOW-SWAN-Modell infolge bedingte Konvergenz, dass ärmere Länder 5
mit geringer Kapitalintensität zu den reichen Industrieländern aufschließen können. 33 Wachstum ist also nur in Folge technischen Fortschritts möglich, den SOLOW allerdings nicht endogenisiert. 34
Repräsentanten der neuen Wachstumstheorie wie beispielsweise ROMER, AGHION und HOWITT gehen entgegen SOLOWS Annahmen eher von einer endogenen Rate des techni- 10
schen Fortschritts aus und fokussieren sich bei ihren Studien auf die Interaktion zwischen Wachstum und Innovation. Konträr zu SOLOW erfolgt die Bestimmung des Wachstums innerhalb des Modells anstatt durch exogen wachsende Variablen durch den als endogen angenommenen technischen Fortschritt, der in vielen Modellen das Resultat privatwirtschaftlicher Forschungsbemühungen darstellt. Der Lebensstandard einer Region, definitorisch das Re- 15
sultat der Wettbewerbsfähigkeit (vgl. 3.2.1), wird also insbesondere durch die Schaffung neuen Wissens determiniert und resultiert aus den Innovationsanstrengungen der Wirtschaft. 35 Als äußerst unrealistisch gegenüber sonstigen mikroökonomischen Annahmen werden in der endogenen Wachstumstheorie jedoch Unternehmen mit identischen Produktions-faktoren und -funktionen angenommen. Trotz endogener Wachstumstheorien behält auch 20
das neoklassische Paradigma seine Gültigkeit, denn viele Wirtschaftswissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass sich ärmere Länder unter bestimmten Voraussetzungen schneller ihrem Steady-State (gleichgewichtigen Wachstumspfad) annähern, als reichere Länder. Trotzdem zeigt insbesondere die Entwicklung Lateinamerikas zurzeit des deutschjapanischen Wirtschaftswunders, dass sich ärmere Staaten ungeachtet wirtschaftlich guter 25
Bedingungen nicht zwingend analog zueinander entwickeln bzw. wirtschaftlich in der Lage sind, zu den Industrieländern aufzuschließen (vgl. 2.1). Wirtschaftliches Wachstum wird demnach durch eine Vielzahl politischer sowie wirtschaftlicher Faktoren wie beispielsweise die finanzielle Entwicklung, das Bildungsniveau und die Markt- und Handelsoffenheit eines Staates determiniert, von denen wiederum auch die Entwicklung des technischen Fort- 30
schritts, also das Maß an Innovation und nicht zuletzt die Wettbewerbsfähigkeit abhängen. 36 . Entgegen SOLOWS Annahmen ist weniger davon auszugehen, dass technischer Fortschritt jedem Land ohne Restriktionen frei zugänglich ist, sondern vielmehr ist es wahrscheinlich, dass es bestimmter Voraussetzungen bedarf, technischen Fortschritt erfolgreich zu über-
32 Vgl.ebd., S.38ff.
33 Vgl. LACHMANN: Volkswirtschaftslehre 1, 2003, S.192-199.
34 Vgl. SOLOW: The 1956 contribution to economic growth theory, 2007, S.15ff.
35 Vgl. ROMER: Endogenous Technological Change, 1990, S.1003-1006.
36 Vgl. LEDERMANN: Innovation and Development around the world, 2005, S. 1ff.
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Bastian Herrlich, 2008, Die Wettbewerbsfähigkeit Lateinamerikas im Vergleich zu derjenigen Südostasiens, München, GRIN Verlag GmbH
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