sich das Buch, indem zuerst die Angriffsarten der Mobber genannt werden, daraufhin die Mobbingphasen und die Bekämpfung des Mobbings dargestellt werden. 2. Die Angriffsarten der Mobber
Leymann untergliedert den Mobbingbegriff in Angriffe auf die Möglichkeit, auf die sozialen Beziehungen, auf das soziale Ansehen, auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation und auf die Gesundheit. Danach bringt er eine Liste von 45 Mobbinghandlungen, auf denen auch der von ihm entwickelte Fragebogen basiert, mit dessen Hilfe untersucht werden soll, ob es in einem Betrieb Mobbingfälle gibt. Aus heutiger Sicht ist zu kritisieren, dass es keine vollständige Liste aller Mobbingangriffe geben kann, weil jeder Mensch unterschiedliche Handlungen als Angriffe auf sich empfindet und unmöglich alles Denkbare explizit aufgelistet werden kann. Daher verwendet beispielsweise der 2002 veröffentlichte Mobbingreport von Meschkutat, Stackelbeck und Langenhoff einen anderen Frageansatz. Er unterteilt die Angriffe lediglich in „Angriffe auf der Arbeitsebene“ und „Angriffe im sozialen Kontakt“ und fragt dann in einer offenen Kategorie nach der konkreten Art der Angriffe. 3. Phasen und Definition von Mobbing
Leymann definiert Mobbing, „wenn eine oder mehrere von 45 genau beschriebenen Handlungen über ein halbes Jahr oder länger mindestens einmal pro Woche vorkommen“. Die ist aus heutiger Sicht viel zu starr und unflexibel. Um erst einmal überhaupt Grund in ein neu zu beackerndes Gebiet zu bekommen, war der Ansatz jedoch wegweisend. Weiterhin führt er vier Phasen an: 1. Die täglichen Konflikte, 2. Mobbing etabliert sich, 3. Destruktive Personalverwaltung und 4. Der Ausschluss. Diese Einteilung ist heutzutage immer noch Standard, wenngleich sie meistens etwas anders formuliert wird, z.B. im Mobbingreport als 1. Konflikte, einzelne Vorfälle, 2. Der Psychoterror setzt ein, 3. Der Fall wird offiziell, arbeitsrechtliche Sanktionen und 4. Der Ausschluss. 4. Wie oft kommt Mobbing vor, wo und wie geschieht es am häufigsten? Hierzu gibt es heutzutage wesentlich genauere Untersuchungen und Statistiken als zu Leymanns Zeit, der hier einer der Pioniere war und in Schweden eine detaillierte Umfrage durchführen ließ. Viele seiner Erkenntnisse sind jedoch immer noch gültig. So zeigen Männer und Frauen als Mobber ein anderes Verhalten. Männer ziehen psychologisch gesprochen passive Handlungen vor, wie das Einstellen der Kommunikation oder die Einteilung des Opfers zu immer neuen Arbeiten. Frauen verbreiten aktiv falsche Gerüchte oder kritisieren ständig die Arbeit. Jüngere Arbeitnehmer und Auszubildende haben ein höheres Risiko gemobbt zu werden als ältere. In das Mobbing sind fast immer auch Vorgesetzte involviert, sei es aktiv oder durch Wegsehen bzw. Unterlassen. Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen und zeigt exemplarisch wie grundlegend Leymanns Werk ist. 5. Zusammenfassung
Leymanns Arbeiten stellen immer noch das Fundament der Mobbingforschung im
deutschsprachigen Raum dar. Die Arbeitswelt ist in den beiden Jahrzehnten seit den Forschungen Leymanns noch deutlich härter geworden, nicht zuletzt durch die aktuelle Finanzkrise aber auch durch langfristige Entwicklungen wie die Theorie des Shareholder Value. Mit diesen Veränderungen in der Arbeitwelt stiegen Zahl und Intensität der Mobbingübergriffe in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Die neuen Entwicklungen in der Arbeitswelt bedürfen einer ständig aktuellen wissenschaftlichen Aufarbeitung. Heinz
Leymann und dem von ihm verfassten, hier gewürdigten Buch gebührt dabei das Verdienst, ein festes Fundament der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Mobbing geschaffen zu haben. Aktuelle Forschung und Mobbingprävention ohne die bahnbrechenden Erkenntnisse aus dem Buch „Mobbing, Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man dagegen wehren kann“ ist schlicht nicht vorstellbar. Dr. jur. Frank Sievert 23.April 2009
Kontakt:
Rechtsanwaltskanzlei Dr. jur. Frank Sievert Alsterkamp 26 20149 Hamburg Telefon/ Fax: 040 / 51 97 94
Arbeit zitieren:
Dr. jur. Frank Sievert, 2009, Mobbing als Rechtsbegriff, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Mobbing: Der Ruf nach dem Gesetzgeber
Besprechung der Dissertation d...
Jura - Zivilrecht / Arbeitsrecht
Rezension / Literaturbericht, 3 Seiten
Mobbing en el trabajo en la España actual
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit, 18 Seiten
Mobbing - Psychoterror am Arbeitsplatz
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 31 Seiten
Ausgewählte Anreize und deren Implikation für die Leistungsmotivation ...
BWL - Personal und Organisation
Diplomarbeit, 51 Seiten
Ursache, Erscheinungsformen und Auswirkungen von Mobbing
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 17 Seiten
Frank Sievert hat den Text Mobbing als Rechtsbegriff veröffentlicht
Frank Sievert hat einen neuen Text hochgeladen
Mehrsprachigkeit aus neurolinguistischer Sicht
Eine empirische Untersuchung z...
Gerda Videsott
Mehrsprachigkeit aus neurolinguistischer Sicht
Eine empirische Untersuchung z...
Gerda Videsott
Aus anderer Sicht / The Other View
Die frühe Berliner Mauer / The...
Annett Gröschner, Arwed Messmer, Martin Hager
"Deshalb ist mir um meinen Ruhm nicht bange..." - Zum 100. Todestag de...
Zum 100. Todestag des deutsch-...
Elena Roussanova
Markets, Mobs & Mayhem: A Modern Look at the Madness of Crowds
Robert Menschel, Howard Means, William Safire
0 Kommentare