1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit hat das Thema „Castiglione und della Casa im Lichte von Elias` Zivilisationstheorie“. Es handelt sich hierbei um zwei italienische Benimmbücher die im 16.Jahrhundert, im Zeitalter der Renaissance, geschrieben wurden und die in Zusammenhang mit der Zivilisationstheorie von Norbert Elias dargestellt werden. Um eine bessere Analyse der Zusammenhänge in Kapitel 5 vornehmen zu können, werden in den vorherigen Kapiteln die Bücher und die Zivilisationstheorie vorgestellt und zusammengefasst. Kapitel 2 befasst sich mit Baldassare Castiglione`s „Il libro del Cortegiano“. In Unterpunkten wird in Zusammenfassungen auf die Beschaffenheit eines perfekten Hofmannes und einer perfekten Hofdame eingegangen. Kapitel 3 gibt die wichtigsten Teile von Giovanni della Casa`s Buch „Il Galateo“ wieder. Kapitel 4 widmet sich dann der Zivilisationstheorie von Norbert Elias, bevor in Kapitel 5 die Analyse der Zusammenhänge vorgenommen wird.
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2. Baldassare Castiglione`s Buch „ Il libro del cortegiano“
Der italienische Schriftsteller und Diplomat Baldassare Castiglione (1478-1529) schrieb sein größtes Werk „Il libro del cortegiano“ in der Zeit von 1508-1516. Veröffentlicht wurde es erstmals im Jahre 1528. Es gehört zu den Hauptwerken der neuzeitlichen Literatur und beschreibt die Kultur der Renaissance in Italien. 1 Das Buch thematisiert die Vorstellung eines perfekten Hofmannes in der Zeit des 16.Jahrhunderts. Der Autor selbst bekam eine höfische Ausbildung an einem Hof in Mailand. Seine Karriere begann er als er an den Hof von Urbino kam, von wo aus er in diplomatischen Diensten die Höfe Europas bereiste 2 . „Il libro del cortegiano” ist in vier Bücher unterteilt, die an eben diesem Hof von Urbino ihren Schauplatz finden. Hier trifft sich die kulturelle Bildungselite aus ganz Italien, die sich aus „Dichtern, Musikern, unterhaltenden Männern jeder Art und den ausgezeichnetsten Vertretern jeden Berufs“ 3 zusammensetzt. An vier aufeinander folgenden Abenden wird über die „physischen und moralischen Eigenschaften und Anforderungen an den Hofmann“ (Buch 1), die „Bestimmung und Qualitäten seiner Begabungen“ (Buch 2), das „Idealbild der Hofdame“ (Buch 3) und das „Verhältnis zwischen Hofmann und seinem Fürsten“ (Buch 4) diskutiert. 4 Dabei entwirft die zusammengetroffene Gesellschaft das Idealbild des Hofmannes und die für die Zeit der Renaissance angemessenen Verhaltensregeln, derer er sich annehmen sollte um perfekt zu werden.
2.1 Beschaffenheit des perfekten Hofmanns in der Zusammenfassung
Auf die Frage welche Eigenschaften, Qualitäten und Fähigkeiten derjenige haben müsste, der den Titel eines vollkommenen Hofmannes tragen möchte werden im „Cortegiano“ folgende Antworten gegeben: Der Hofmann sollte aus einer guten, adeligen Familie stammen und tugendhaft sein. 5 Was die
1 Vgl. Microsoft ® Encarta ® Enciclopedia Premium. © 1993-2004 Microsoft Corporation
2 Vgl. Castiglione, Baldassare ( 2 2004): Der Hofmann. Lebensart in der Renaissance. Berlin: Wagenbach, S.6
3 Castiglione, Baldassare (1988): Il libro del cortegiano. Milano: Mursia, S.37
4 Castiglione, Baldassare ( 2 2004): S.7
5 Castiglione, Baldassare (1988): S.34
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physischen Fähigkeiten betrifft, so sollte er die Reitkunst, das Fechten, sowie das Waffenhandwerk im allgemeinen beherrschen. Er soll sich im Tanz, in Spielen und in der Musik der edeln höfischen Gesellschaft als würdig erweisen, so das er bei Turnieren oder anderen höfischen Veranstaltungen teilnehmen kann. Tapferkeit und Treue gegenüber seinem Herrn sollen ihn auszeichnen. 6 Er sollte stets versuchen mehr als seine Pflicht zu tun und nicht rau oder trotzig sein, sondern mutig, gesittet und bescheiden, wie es in einer vornehmen Gesellschaft gerne gesehen wird. Der Hofmann sollte intelligent und von Natur aus mit Schönheit beschenkt sein. Er sollte alles mit einer gewissen „Grazia“ (dt. Anmut) tun und keine Mühe zeigen, sondern immer den Anschein der „Sprezzatura“ (dt. Lässigkeit) wahren, auch wenn er in etwas nicht so gewandt ist. 7 Er sollte Konversation betreiben können, aber nicht prahlen oder fluchen. Er sollte ein anständiger und rechtschaffener Mann sein, darin inbegriffen sind Klugheit, Trefflichkeit, Tapferkeit und Besonnenheit. Der Hofmann sollte in humanistischen Wissenschaften gebildet sein und die Sprachen lateinisch und griechisch sprechen und über Kenntnisse der Malerei und Zeichenkunst verfügen. 8 Der junge Hofmann sollte singen können und sich bei all seinem Tun auf die anderen Menschen einstellen, sich und seine Taten nicht selbst loben und immer passend den Anlässen gekleidet sein, den allgemeinen Regeln folgen. 9 Was die Beziehung zu seinem Fürsten betrifft, so soll er ihn lieben, anbeten und selten oder gar nichts von ihm etwas für sich erbitten. 10 Er soll der Erzieher des Fürsten sein und dessen Natur und Neigungen ergründen. 11 Der perfekte Hofmann sollte sich seine Freunde gewählt aussuchen, unadlige Menschen meiden, denn er könnte mit ihnen verglichen werden. 12 Bei seinem Handeln oder Reden darf er die Ehre der Damen nicht verletzen. 13
6 Vgl. Castiglione, Baldassare (1988). S.51
7 Vgl. A.a.O.: S.54-69
8 Vgl. a.a.O. S.84-100
9 Vgl. a.a.O. S.111-133
10 Vgl a.a.O. S.123
11 Vgl. a.a.O. S.326
12 Vgl. a.a.O. S.135
13 Vgl. a.a.O. S.199
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2.2 Idealbild der Hofdame
Die Hofdame, die hauptsächlich in dem 3. Buch des „Cortegiano“ beschrieben wird, stellt eine weniger wichtige Figur dar als der Hofmann und ihre Rolle und Bedeutung in der Gesellschaft wird von den Gesprächsteilnehmern unterschiedlich gewertet. Die Damen werden u.a. als „animali imperfettissimi“ 14 (dt. die unvollkommensten Geschöpfe) bezeichnet. Dennoch soll eine Hofdame eine weiche und liebliche Zartheit an sich haben, die sich bei jeder ihrer Handlungen äußert. Auch Tugenden des Geistes, wie Klugheit, Hochherzigkeit, Sittsamkeit sind für die Hofdame so notwendig wie für den Hofmann. Sie soll adelig, anmutig, bescheiden, frei von Ziererei, klug, geistreich, ohne Stolz und Neid, nicht eitel, nicht streitsüchtig sein. Sie soll die anderen Menschen und ihre Herrin für sich gewinnen können. 15 Sie soll auch Kenntnisse in der Literatur, der Musik und der Malerei haben, tanzen und scherzen können, ihren guten Ruf wahren. Sie soll körperliche und geistige Liebe zu unterscheiden wissen. Wenn sie verheiratet ist, soll sie ihre Kinder erziehen, das Vermögen und zu Hause des Ehemanns in Ordnung halten und die Pflichten einer guten Hausfrau als selbstverständlich voraussetzen. 16
3. Giovanni della Casa`s Buch „Galateo“
Giovanni della Casa (1503-1556) schrieb den „Galateo“, ein Traktat über die guten Sitten, zwischen 1551-1555. Das Buch wurde 1559 das erste Mal als eigenständiges Buch veröffentlicht 17 .
Das Traktat handelt von einem alten, ungebildeten Mann der einen Jungen über die Sitten und Gebräuche des 16. Jahrhunderts, die er im alltäglichen Umgang mit den Menschen befolgen oder vermeiden sollte, aufklärt. 18 Im Jahre 1543
14 Vgl. Castiglione, Baldasssare (1988): S.198
15 Vgl. a.a.O. S.212
16 a.a.O.: S.212
17 Vgl. della Casa, Giovanni (1977): Galateo. Milano:Rizzoli, S. 5-8
18 Vgl. Microsoft ® Encarta ® Enciclopedia Premium. © 1993-2004 Microsoft Corporation
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übernahm Giovanni della Casa die Erziehung der Söhne seiner Schwester. Es wird vermutet, dass der „Galateo“ an einen der Söhne adressiert ist. 19 Der alte, ungelehrte Mann beginnt seine Erzählungen mit der Bedeutung des guten Benehmens. Es ist wichtig im Umgang mit anderen Menschen als tugendhaft, wohlerzogen und gesittet zu gelten, auch wenn man nicht von hohem Stand ist, da es einem immer von Nutzen sein kann. 20 So sollte man auch immer auf Andere Rücksicht nehmen und versuchen der Mehrzahl der Menschen zu gefallen, was bedeutet, dass man bei all seinem Tun und Handeln ein gewisses Mittelmaß finden muss. 21 Man sollte vermeiden in Gesellschaft zu husten, niesen, gähnen oder, wenn man eine unangenehme Stimme hat, zu singen. Noch sollte man schläfrig und müden Geistes sein, sich bei Tisch schnäuzen, kratzen, spucken, seine Nase in anderer Leute Glas stecken oder ihnen beim Sprechen zu nahe kommen. 22 All diese Dinge lösen bei den Menschen Unbehagen aus und sollten deswegen vermieden werden. Ein gesitteter Edelmann sollte auch in Gesellschaft keine Langeweile zeigen indem er einschläft, umherläuft, sich die Nägel schneidet, zappelt, trommelt oder etwas liest. Er sollte angemessen gekleidet sein und sich auch bei der Wahl der Frisur und der Bartlänge an der Mode orientieren, sich also nach der Allgemeinheit richten. 23 Weiterhin sollte man als Edelmann nicht hochmütig, ungebührlich und frech sein, nicht meckern und nicht empfindlich sein, denn die Empfindlichkeit ist den Frauen überlassen. 24 Bei Unterhaltungen ist es wichtig die Gesprächsthemen gut zu wählen und dabei nicht über die Fehler Anderer zu sprechen, zu spotten, Anderen ins Wort zu fallen, sie zu verbessern 25 oder ständig über die Familie und eigene Träume zu reden, noch sollte man schlecht über Gott sprechen. 26 Wenn man Witze erzählt sollten sie leichtfüßig und feinsinnig sein und nicht über Andere. 27 Bei Erzählungen ist es wichtig die
19 Vgl. della Casa, Giovanni (1977):S. 5-8
20 Vgl. a.a.O.: S.58
21 Vgl. a.a.O.: S.60
22 Vgl. a.a.O.: S.66
23 Vgl. a.a.O.: S.68f
24 Vgl. a.a.O.: S.75
25 Vgl. a.a.O.: S.155ff
26 Vgl. a.a.O.:S.76ff
27 Vgl. a.a.O.: S.100ff
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Übersetzerin Andrea Koschützke, 2006, Castiglione und Della Casa im Lichte von Elias Zivilisationstheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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