Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Biographisches 4
3. Die Quellen. 4
3.1. Die Prüfeninger Vita 6
3.2. Die Vita Ottonis des Mönches Ebo 7
3.3. Der Dialog Herbords 7
4. Armutsbegriff und Armut im Mittelalter 9
5. Die Armenfürsorge Ottos von Bamberg. 11
6. Schlussbetrachtung 16
7. Bibliographie. 17
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1. Einleitung
„ Zum großen Heyl der Welt hat Gott dich auff diese Welt gesandt und durch dich mehr Guts ausgewürckt, als die Welt dir vergelten kann. O du Sitffter der Klöster, du Ernährer der Armen, du Apostel der Pommern, du Glori des Bamberger Bistumbs und Exemplar aller frommen Bischoffen; wer kann dich würdiglich loben und alle deine Tugenden völlig außsprechen?“ 1
Dieser Auszug stammt aus einem Gebet, dass in einem Büchlein zur Ottoverehrung aus dem Jahre 1714 stammt. Obwohl es über 500 Jahre nach seinem Tod gedruckt wurde, ist zu erkennen, dass Bischof Otto I. von Bamberg nicht nur in seiner Rolle als Bischof eine herausragende Person seiner Zeit gewesen sein muss. Viele seiner Eigenschaften waren offenbar so außergewöhnlich, dass er 1189, fünfzig Jahre nach seinem Tod, heilig gesprochen wurde. In verschiedensten Quellen, Urkunden, Legenden, Bildern und anderen Darstellungen sowie in der Forschung ist Otto von Bamberg vor allem als Reichsbischof zwischen Kaiser und Papst, als Politiker, Territorialherr, Pommernmissionar, Bauherr, Klostergründer und Klosterreformer beschrieben und gewürdigt worden. 2 Neben diesem habe er sich, so beschreiben es die Quellen, immer wieder durch Fürsorge und Versorgung von Mittellosen und Kranken hervorgetan.
Die Armenfürsorge war ein wesentlicher Aspekt des Amts- und Selbstverständnisses der mittelalterlichen Bischöfe. 3 Sie umfasste weit mehr als das Verteilen von Almosen oder Getreide in Zeiten von Hungersnöten. Die bischöfliche caritas bestand aus der Versorgung und Pflege von Kranken, Alten, Witwen, Waisen und Schwachen und ihrer Unterbringung in Hospizen und Spitälern. Es musste für Nahrung und Kleidung gesorgt werden und für eben alles, was diese Menschen zum Leben brauchten und es musste finanziert werden.
1 Auszug aus einem Gebet zum heiligen Bischof Otto. Diese stammt aus einem Büchlein mit folgendem Titel: „Heiliger mit vielen lobreichen Tugenden, rühmlichen Verdiensten und herrlichen Wunderwercken leuchtender Lebenswandel Des Heil. Bambergischen Bischoffs und der Pommeren Apostel Ottonis, Glorwürdigsten Patrons des Kayserlichen Hohen Stits und Bisthumbs Bamberg. Allen Tugend- liebenden Seelen zu eyfferiger Christlicher Nachfolg und sonderbaren Hertzens- Trost Aus unterschiedlichen bewehrten Scribenten mit möglichsem Fleiß in einem kurtzen Begriff zusamen getragen und auff vieler Begehren dem geneigten Leser mit Genehmhaltung der Oberen vorgestellet Von denen Pp. Benedictinis des Kayserlichen Stiffts und Closters St. Michaelsberg ob Bamberg, Bamberg 1714“
2 Freiherr von Guttenberg, E.: Das Bistum Bamberg I (Germania Sacra II), Berlin 1937 Guth, K.: Kreuzzug, Heidenfahrt, Missionsreise. Die Pommernmission Bischof Ottos I von Bamberg im Horizont der Kreuzzugsbewegung im 11./12. Jahrhundert, in: Bauer, Lothar; Bittner, Franz; Braun, Lothar; Machilek, Franz (Hrsg.): Bischof Otto I. von Bamberg. Reformer- Apostel der Pommern- Heiliger. Gedenkschrift zum Otto-Jubiläum 1989, Bamberg 1989, S.147-159
Giese, Wolfgang: Otto von Bamberg und der Speyerer Dombau, in: ebd., S.105-115
3 Laudage Marie- Luise: Caritas und Memoria mittelalterlicher Bischöfe, Köln, Weimar, Wien 1993, S. 307
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Mit der caritas des Bischofs Otto von Bamberg wird sich die vorliegende Arbeit beschäftigen. Sie beginnt mit einer kurzen Übersicht über den Lebensweg Ottos. Nach der Darstellung der Quellen und ihrer Problematik soll an konkreten Beispielen aufgezeigt werden, wie der Bischof die Armenfürsorge (bis über seinen Tod hinaus) organisierte und durchführte. Im Vorfeld wird es im vierten Kapitel einen kurzen Exkurs über die Armut im Mittelalter und den Armutsbegriff geben.
2. Biographisches
Otto von Bamberg wurde 1060 oder 1062, wohl aus schwäbischem Adel, geboren. Seine kirchliche Karriere entsprach der eines Reichsbischofs, beinhaltete also folgende traditionelle Elemente: Er war adeliger Herkunft, seine Mutter stammte aus dem Stauferhaus, er erhielt eine Ausbildung wahrscheinlich im Kloster Wilzburg bei Eichstätt und war anschließend einer Hofkapelle zugehörig. 1088 ging er als Hofkaplan der Schwester Heinrichs IV., Judith, nach Polen. 1090 vom Kaiser mit dem Dombau in Speyer betraut, wurde er bald darauf zum königlichen Kaplan und Kanzler berufen, bevor Heinrich IV. ihn 1102 zum Bischof von Bamberg ernannte. Die Investitur erfolgte 1103 durch den Kaiser, geweiht wurde Otto von Bamberg 1106 in Agnani von Papst Paschalis II.. Otto von Bamberg fiel immer wieder die Vermittlerrolle zwischen König und Papst zu. Im Investiturstreit setzte er sich mit Erfolg für die Versöhnung beider Parteien ein und bereitete das Wormser Konkordat mit vor. 1124/1125 und 1128 war er auf Missionsreisen in Pommern, dies brachte ihm nach schon zu Lebzeiten den Titel „Apostel der Pommern“ ein.
Otto war bis zu seinem Tode am 30.06.1139 Bischof von Bamberg. Auf seinen Wunsch hin wurde er nicht im Bamberger Dom, sondern in der Klosterkirche St. Michael beigesetzt. 1189 wurde er heilig gesprochen.
3. Die Quellen
Das Quellenmaterial über Otto von Bamberg lässt sich trotz seines großen Umfangs in zwei Gruppen unterscheiden: Zum einen die biographischen Berichte, vor allem in Form der Viten, zum anderen Quellen zur Papst- und Reichsgeschichte, Urkunden von Klostergründungen und Urbare.
Für die vorliegende Arbeit soll nun die erstgenannte Gruppe, also die Viten, maßgeblich als Quelle dienen. Die Gattung der Viten spielt vor allem für die Personengruppe der Bischöfe eine besondere Rolle. Denn der Begriff der Vita
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bezeichnet zweierlei: das tatsächlich gelebte Leben eines Menschen und die literarische Darstellung eben dieses Lebens. 4 Natürlich wird hierbei immer die Frage nach dem Verhältnis zwischen dem gelebten und dem dargestellten Leben gestellt werden müssen. Viele Viten sind zudem nicht einfach historischen Persönlichkeiten wie den Bischöfen gewidmet, sondern christlichen Heiligen, weshalb sie immer auch hagiographische Elemente enthalten. Diese Darstellung von „Sein und Sein - Sollen“ findet sich auch in den Viten über Otto von Bamberg, obwohl dieser erst nach der Entstehung der wichtigsten Viten heilig gesprochen worden ist. Die Frage, ob nun die Verfasser der Viten eine Kanonisierung forcieren wollten, kann hier nicht behandelt werden, wird von der Forschung aber natürlich nicht ausgeschlossen. 5 Jedenfalls stehen auch in den Viten Ottos historisch überprüfbare und theologische Wahrheiten nebeneinander oder sind so ineinander verwoben, sodass in jeder Einzelaussage und in jeder Vita von der Forschung das „Mischungsverhältnis“ neu bestimmt werden muss. Bei der Beurteilung und Bewertung dieser Viten Ottos sollte also stets im Vordergrund stehen, dass sie -streng genommen- hagiographische Quellen sind. Und der Autor einer Heiligenvita verfasste diese natürlich sowohl im Hinblick auf das Bischofsideal seiner Zeit, der Lebenszeit des Bischofs als auch im Hinblick auf die (eventuell auch erst kurz bevorstehende) Heiligsprechung. So bleiben auch in Bezug auf die Ottoviten viele „historische“ Fragen offen, die bei einer hagiographischen Quelle zuerst einmal nicht im Vordergrund stehen. Erst der Fund neuer Zeugnisse wird dann vielleicht zuverlässigere Interpretationen, bzw. Aussagen möglich machen.
Im folgenden werden die drei wichtigsten Quellen, die Prüfeninger Vita, die Vita Ottonis des Mönches Ebo und der Dialog Herbords vorgestellt. Diese Viten entstanden alle innerhalb eines Zeitraumes von zwanzig Jahren nach Ottos Tod und fallen damit, wie bereits erwähnt, in den Zeitraum vor seine Heiligsprechung. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass neben den Viten kurz nach dem Tod Ottos zwei kleinere Schriften entstanden sind, die das Wirken Ottos als Bischof und Klostergründer beschreiben. Das ist zum einen die Relatio de piis operibus Ottonis episcopi Bambergensis, wahrscheinlich verfasst durch den Michelsberger Prior Tiemo und zum anderen die Commendatio pii Ottonis Babenbergensis episcopi, die
4 Haarländer, Stephanie: Vitae Episcoporum, Stuttgart 2000, S.1
5 Laudage Marie- Luise: Caritas und Memoria mittelalterlicher Bischöfe, Köln, Weimar, Wien 1993, S. 265
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Arbeit zitieren:
M.A. Tanja Gawlich, 2006, Der Bischof als Vater der Armen: Otto von Bamberg, München, GRIN Verlag GmbH
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