Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Quellenlage. 4
2.1 Die Karthagischen und Griechischen Geschichtsschreiber. 5
2.2 Die Römische Geschichtsschreibung 6
3 Karthagos Niederlage im ersten Punischen Krieg. 8
3.1 Der Friedensvertrag von 241. 9
3.2 Der Libysche Krieg und die Wegnahme Sardiniens 9
4. Die Barkiden in Spanien 11
4.1 Die ersten Jahre in Spanien unter Hamilkar. 11
4.2 Hasdrubal als Nachfolger Hamilkars in Spanien 13
5 Die Römischen Aktionen in Übersee zwischen 1. und 2. punischen Krieg. 14
5.1. Der Keltenkrieg in Oberitalien (232-222) 14
5.2 Das Römische Eingreifen in Illyrien ab 219 15
6 Der Ebrovertrag. 16
6.1 Die Datierung des Vertrages 16
6.2 Die Überlieferungen und Inhalte des Ebrovertrages 17
6.3 Die Saguntklausel und die Beziehungen zwischen Rom und Sagunt 18
6.3.1 Die Darstellung des Polybios 18
6.3.2 Die Darstellung des Livius. 20
6.4 Die Lokalisierung des Flusses Ebro 20
6.5 Die Gründe des Vertragsabschlusses 22
7. Die Diplomatie Roms und Karthagos in den Jahren 221-219. 23
7.1 Die Belagerung von Sagunt 219. 23
7.2 Die Kriegserklärung 24
8. Zusammenfassung. 26
Literaturverzeichnis : 28
Quellen : 28
2
1 Einleitung
Der zweite Punische Krieg, von 218 - 203 vor unserer Zeit, zählt sicher zu den spannendsten Episoden innerhalb der langen Geschichte des Aufstiegs Roms zur antiken Weltmacht. Dem Karthagischen Feldherrn Hannibal war es nicht nur gelungen den Römern vor allem in den Anfangsjahren des Krieges eine Niederlage nach der anderen beizubringen, nein schlimmer noch; dies alles geschah auf italienischem Boden. Noch Jahrhunderte später erschreckten römische Mütter ihre Kinder mit der Geschichte des „Hannibal ad portas“, der Punier vor den Toren Roms. Schauermärchen aus jenen Tagen, als das Überleben Roms einzig in den Händen der Tyche zu liegen schien, vergleichbar nur mit dem „Gallierschreck“, der den Römern seit jener erschütternden Niederlage gegen die Kelten an der Allia im Jahre 387 in den Gliedern saß. Doch konnte Hannibal den Römern nie ein „vae victis“ entgegnen und mit Gold beladen dem geschlagenen Rom den Rücken kehren. Gleichwohl hallten die Erfolge des jungen Karthagers weit mehr in unsere Zeit hinein, als die des Brennus. Noch heute gilt Hannibal als Ahnherr des Bewegungskrieges, der durch sein taktisches Geschick Inspiration für moderne Feldherrn von Napoleon bis Schliefen war. Doch der Hannibal`sche Krieg steht nicht zusammenhangslos im Raum der Geschichte. Seit ihrer Niederlage im ersten Punischen Krieg gegen Rom 241, sahen sich die Karthager den Ansprüchen der neuen Großmacht im zentralen Mittelmeer ausgesetzt. Rom legte den Punieren gewaltige Kriegskontributionen auf, bemächtigte sich fast aller Karthagischen Besitzungen im Mittelmeer und zwang so die Nordafrikanische Großmacht, sich nach neuen Einnahmequellen umzusehen. Das folgende Karthagische Engagement in Spanien kumulierte schließlich im Angriff auf Sagunt im Jahre 219, und dem Zug Hannibals nach Italien im Frühjahr 218. Die Diskussion um die Kriegsschuldfrage setzte bereits mit Fabius Pictor ein. Dieser Römische Senator sah „als erste die Belagerung von Sagunt durch die Karthager, als zweite ihre vertragswidrige Überschreitung des (...) Iberos (Ebro) genannten Flusses“ 1 als Kriegsursachen an.
Hier kommt zum ersten Mal der sogenannte Ebrovertrag von 226 zwischen Rom und Karthago ins Spiel. Als gesichert gilt, daß der Ebrofluß als Nordgrenze des Karthagischen Einflußgebietes in Spanien fixiert wurde. Doch schon an der Frage nach der Lage des Ebro scheiden sich auch heute noch die Geister. Und wie stand
1 Fabius Pictor bei P III 6 S. 193.
3
es mit der Gültigkeit des Vertrages? Den Römern galt er als verbindliches Dokument, der Karthagische Rat jedoch verweigerte dem Werk die Anerkennung, „als entweder gar nicht abgeschlossen (...), oder als unverbindlich für sie selbst“ 2 . Und was hatte es mit der berühmt, berüchtigten Saguntklausel auf sich? Eine Erfindung der Römischen Annalisten, um das Vorgehen Hannibals gegen diese Stadt, welcher die „Freiheit belassen werden“ 3 sollte, als cassus belli darzustellen? Aus welchen Gründen wurde der Vertag geschlossen? Als Rückversicherung der Römer für die Dauer ihres Kampfes gegen die Kelten Oberitaliens, als offizielle Anerkennung der Karthagischen Position in Spanien?
Diese Fragen gilt es im Verlauf dieser Arbeit zu klären. Das Thema erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit unter den modernen Historikern, und alle Meinungen darzustellen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Dennoch sollen unterschiedliche Kontoversen zu Wort kommen, und beurteilt werden.
Die Arbeit beginnt mit einer Darstellung der Quellenlage zum Thema, es folgt eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse bis 226, insbesondere das Wirken der Barkiden in Spanien, und schließlich die Diskussion über den Ebrovertrag selbst sowie seine Rolle bei den Verhandlungen unmittelbar vor Kriegsausbruch. Alle Jahreszahlen beziehen sich auf vor Christi Geburt, die Ausnahmen sind entsprechend kenntlich gemacht. Die verwendete Polybios Übersetzung gibt leider nur die Kapitel an, nicht aber die Abschnitte, deswegen steht teilweise nach dem Kapitel die Seitenzahl der Zitate in den Fußnoten.
2 Die Quellenlage
Die historischen Quellen zum zweiten Punischen Krieg sind gemäß des Stellenwertes, den dieser Konflikt für die damalige antike Weltordnung besaß, relativ vielfältig. Für die Rekonstruktion der Vorgeschichte dieses Konfliktes liegen jedoch nur wenige und leider stark tendenziöse Berichte der einschlägigen antiken Historiker vor. Eine moderne Geschichtswissenschaft, wie man sie heute kennt, und die objektiv nach Ursachen, Begleitumständen und Folgen von Ereignissen forscht gab es in früher Zeit noch nicht. Lediglich Polybios kommt diesem Ideal etwas nahe, bleibt jedoch im Geist seiner Zeit gefangen, wie noch zu zeigen ist. Prinzipiell muß man feststellen, daß die meisten Überlieferungen aus Römischer Feder stammen und sich in ihrer
2 P III 21,1.
4
Darstellung der Ereignisse, insbesondere derer, die zum Kriegsausbruch führten eher Römerfreundlich ausnehmen.
Neben den schriftlichen Quellen gibt es einige weitere, zu denen auch die Münzen gehören. Von Bedeutung sind hierbei besonders jene, die während der Zeit der Barkiden in Spanien geprägt wurden, da diese Rückschlüsse auf die Stellung der Karthagischen Strategen zu ihrer Regierung zulassen. So werden beispielsweise einige Münzbilder als königsgleiche Darstellung des Hasdrubal angesehen (mit Diadem nach dem Vorbild hellenistischer Herrscher). Doch besteht bei der Interpretation der Münzbilder die Schwierigkeit, daß es sich bei diesen häufig um eine „bewußt vom Prägeherren gesteuerte programmatisch-propagandistische“ 4 Aussage handelt. Inschriften über die Geschehnisse kurz vor dem zweiten Punischen Krieg sind nicht bekannt. Es existieren lediglich einige Darstellung über spezielle Ereignisse im Rahmen der späteren Kämpfe in Italien.
2.1 Die Karthagischen und Griechischen Geschichtsschreiber
Komplett erhaltene Punische Geschichtswerke im Original sind nicht bekannt, vermutlich behinderte die Punische Sprache deren Verbreitung, außerdem ist anzunehmen, daß ein Großteil dieser Werke bei der Zerstörung Karthagos 146 verloren gingen. Von den beiden griechischen Historikern, die Hannibal auf seinen Feldzügen begleiteten 5 , nämlich Silenos aus Kaleakte und Sosylos aus Sparta sind nur Fragmente erhalten. Den Bericht des Sosylos tut Polybios zwar als „Geschwätz aus den Barbierstuben und von der Gasse“ 6 ab, doch bescheinigt ihm die moderne Forschung „Sachlichkeit und Genauigkeit“ 7 . Des weiteren dem Namen nach bekannt sind Eumachos aus Neapel, Xenophon und Chairaes, den Polybios negativ beurteilt, doch ist von deren Werken nichts bekannt. Darüber hinaus lag aufgrund der Gegnerschaft zwischen Griechenland und Karthago kein Interesse an der Karthagischen Geschichte aus griechischer Sicht vor.
Vom Werk des Polybios selbst sind nur die Bücher I-III erhalten, welche die Zeitspanne von 264 bis zur Schlacht von Cannae 216 abdeckt. Als Vorlage dienten ihm aller Wahrscheinlichkeit nach Sosylos, Silenos, Chairaes und Fabius Pictor.
3 L XXI 2,7.
4 Seibert, S. 8
5 Hannibal war selbst publizistisch tätig, doch ist von seinen Schriften nichts erhalten.
6 P III 20,5.
5
Der ehemalige Hipparch des Achäischen Bundes, welcher nach dem dritten Makedonischen Krieg zusammen mit 1000 anderen Landsleuten als Geisel nach Rom verbracht wurde, hatte nicht nur Zugang zum Familienarchiv der Scipionen 8 , er konnte überdies auch noch lebende Zeitzeugen des Hannibal`schen Krieges, wie den alten Massinissa befragen.
Im Gegensatz zu Livius forderte der Historiker aus Megalopolis, strikt „zwischen Anfang einerseits, Ursache und Vorwand andererseits“ 9 zu unterscheiden, was sich vor allem aus der Sicht der modernen Forschung anzurechnen ist. Besonders für die Betrachtung der Verhandlungen zwischen Rom und Karthago ab 226 ist Polybios, „den Verträge und diplomatische Hilfsmittel stärker interessierten, als Titus Livius“ 10 , seinem Kollegen aus der frühen Kaiserzeit vor zu ziehen.
2.2 Die Römische Geschichtsschreibung
Ähnlich wie im Falle Karthagos sind keine offiziellen römischen Akten über die Vorgeschichte des Hannibal`schen Krieges vorhanden. Die Forschung geht sogar davon aus, daß es im 3. Jahrhundert noch kein römisches Staatsarchiv gab 11 . Lediglich die Adelsgeschlechter sammelten in Privatinitiative Material über ihre Ahnen um deren Taten zu verherrlichen und somit ihre eigene Stellung im römischen Herrschaftssystem zu legitimieren. Diese Überlieferungen wurden meist mündlich weitergegeben und waren deswegen häufig mit Übertreibungen und Verfälschungen behaftet. Generell setzt die römische Geschichtsschreibung erst zu Beginn des zweiten Punischen Krieges ein, als es von Nöten schien, den umliegenden Nationen ein positiveres Bild von Rom zu vermitteln 12 . Vorreiter dieser „Bewegung“ ist Fabius Pictor - der Senator, der an den Keltenkriegen (232-222) teilnahm und nach der vernichtenden Niederlage von Canae nach Delphi reiste, um das Orakel über die Zukunft Roms zu befragen. Fabius, dessen Werk auch von Polybios verarbeitet wurde, „glänzt“ durch seine einseitige prorömische Darstellung der Ereignisse, begründet durch seine pro-pagandistische Absicht, und seiner Herkunft aus dem Geschlecht der Fabier.
7 Seibert, S. 12.
8 Polybios machte in Rom die Bekanntschaft von Publius Cornelius Scipio Aemilianus und war u. a. dessen
militärischer Berater während des dritten Punischen Krieges
9 P III 6, S. 193.
10 Lancel, S. 196.
11 Bis dahin gab es lediglich Verzeichnisse über die Besetzung der Magistrate, über Fest- und Werktage, Erdbe-
ben, Seuchen, u. ä.
12 In Krisenzeiten des Staates ist so ein Vorgehen ja auch heute noch normal.
6
Die als gemäßigt geltenden Fabier hatten bis zum Ausbruch des zweiten Punischen Krieges fast durchgehend die Magistrate inne, und befanden sich in innenpolitischer Gegnerschaft zu den aufstrebenden Corneliern und Aemiliern. Wobei letztere besonders nach dem Sieg des Konsuls Lucius Aemilius Papus gegen die Kelten bei Kap Telamon, 225, immer mächtiger wurden. Die teilweise verzerrte Darstellung der Ereignisse bei Fabius erfolgte also eher aus taktischen Zwängen, gleicht in ihrem Ergebnis jedoch den Arbeiten der späteren römischen „Annalisten“ wie Livius oder Appian 13 . Auch Polybios selbst kritisiert das Werk des Fabius, indem er die Leser auf den „Widersinn (seiner) Behauptungen“ 14 aufmerksam macht, und fordert, „nicht auf den Titel, sondern auf die Tatsachen zu sehen“ 15 .
Titus Livius, dem Geschichtsschreiber aus Patavium haben wir die einzige erhaltene vollständige Darstellung des zweiten Punischen Krieges zu verdanken. Livius schrieb sein Werk „ab urbe condita“ zur Zeit des Kaisers Augustus, und gilt als klassischer Vertreter der „Annalisten“ 16 , jener Historiker, welche die Darstellung der Römischen Geschichte teilweise bewußt verfälschen, um ein Römerfreundlicheres Bild zu zeichnen. Obwohl seine schriftstellerischen Qualitäten unbestritten sind, ist sich die Forschung über den historischen Stellenwert seiner Darstellungen uneinig. Während einige moderne Historiker den kritischen Umgang des Livius mit seinen Quellen betonen 17 , werten ihn andere nur als Übersetzer „und manchmal noch als einen schlechten“ 18 .
Dennoch stellt Livius neben Polybios die zweite Quelle zu dieser Arbeit dar, da er vor allem mit seinem Buch XXI eine umfangreiche Darstellung der Vorgeschichte zum zweiten Punischen Krieg liefert.
13 Seibert, S. 121: „Im Allgemeinen findet der kaiserzeitliche Historiker bei den modernen Forschern wenig
Zustimmung“
14 P III 3,1.
15 Ebd.
16 Eine Methode dieser Historiker ist z. B. die „Satisfaktion“ -auf eine Römische Niederlage muß ein Sieg folgen
17 So die Philologische Forschung um E. Burck oder auch K. Witte.
18 Seibert, S. 33.
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Arbeit zitieren:
Oliver Löser, 2005, Der Ebrovertrag, München, GRIN Verlag GmbH
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