1. Einleitung
1.1 Fragestellung
In der heutigen Zeit steht die Bildung der Gesellschaft immer mehr im Fokus der Politik. Es wird oft erwähnt, dass die Bildung für jeden Bürger Deutschlands zugänglich gemacht werden soll. Dies ist jedoch nicht immer einfach für den Staat und somit wird gelegentlich eine Überarbeitung des Bildungswesens veranlasst. Bei genauerer Betrachtung des frühen Mittelalters, um genau zu sein zur Regierungszeit Karls des Großen, wird schnell ersichtlich, dass sich im Bildungswesen, vor allem in Bezug auf den Klerus, viel umstrukturiert wurde. An diesem Punkt stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die Bildungspolitik Karls des Großen auf den Klerus hatte.
Um dieser Fragestellung nachzugehen wird ein Brief Karls des Großen, welcher Forderungen an das Kloster von Fulda beinhaltet, herangezogen und im Hinblick auf das Bildungswesen interpretiert.
1.2 Forschungsstand
Die ergiebige Recherche ergab, dass es ausreichend Literatur zum Kloster von Fulda und der Bildungspolitik Karls des Großen gibt. Die vorwiegend verwendeten Werke für diese Arbeit sind folgende drei: zum einen Leben am Hofe Karls des Grossen 1 von Siegfried Epperlein, welcher sich ausschließlich mit der Kaiserpfalz Aachen, deren Ämter, Hofgelehrten, Bildungspolitik und dem Ende der Herschaft Karls beschäftigt. Dies bot sich für dieses Thema sehr gut an, da Epperlein die einzelnen Themen sehr präzise unterteilt und die wichtigsten Aspekte auf verständliche Weise bündelt. Zum anderen wurde das Werk Karl der Grosse 2 von Josef Fleckenstein hinzugezogen, hier wird die Reform Karls zwar nur in einem kurzen Kapitel beschrieben, dafür ist dieses sehr gut geeignet um sich einen Überblick zu verschaffen und die neuere Literatur zu ergänzen. Letztere wichtige Publikation, die die Bildungspolitik Karls thematisiert ist Karl der Grosse - Vater Europas 3 , der Autor Barbero hat das Bildungsprojekt sehr umfangreich behandelt und greift einige Aspekte auf, die in keiner anderen vorliegenden Sekundärliteratur vorzufinden sind.
1 Epperlein, Siegfried: Leben am Hofe Karls des Grossen, Regensburg 2000.
2 Fleckenstein, Josef: Karl der Grosse, Göttingen [u.a.] 1962.
3 Barbero, Alessandro: Karl der Grosse. Vater Europas, übersetzt von Annette Kopetzki, Stuttgart 2007.
2
1.3 Vorgehensweise
Die vorliegende Arbeit befasst sich einleitend mit der Betrachtung und Beschreibung des Briefes Karls des Großen. Durch die äußere und innere Kritik wird die Quelle im Detail auf Echtheit, Herkunft, Originalität und Glaubhaftigkeit geprüft. Folgend wird der Brief in den historischen Kontext gesetzt, wobei zu erwähnen ist, dass als erstes die Politik Karls beschrieben wird und darauf ein kurzer Abriss der Geschichte des Klosters von Fulda folgt. Nach einer kurzen Vorstellung des Autors wird im Hauptteil der Inhalt der Quelle erfasst, um sich anschließend unter Berücksichtigung der Fragestellung mit dem Brief auseinanderzusetzen. Im letzten Punkt der Arbeit werden die Ergebnisse der Interpretation im Resümee zusammengefasst und die Fragestellung beantwortet.
2. Quellenkritik
2.1 Beschreibung der Quelle
Bei der vorliegenden Quelle handelt es sich um eine Traditionsquelle, welche einen Brief von Karl dem Großen, wahrscheinlich verfasst von Alkuin 4 , an den Abt Baugulf und die Mönche von Fulda darstellt.
Die Quelle liegt nicht als Original vor und wurde deshalb aus dem Werk von Peter Hilsch 5 entnommen.
Der Brief erstreckt sich über zwei Seiten, wobei auf der zweiten Seite lediglich die Quellenangabe aufgeführt ist. Des Weiteren ist die deutsche Übersetzung in dem Werk von Hilsch nicht mit Notizen oder Fußnoten versehen und wurde als Fließtext abgedruckt.
2.2 Äußere Kritik
Der genaue Entstehungsort des Briefes ist nicht bekannt. Weder in dem Werk von Hilsch noch in anderer Sekundärliteratur wird der Ort der Entstehung erwähnt. Das Konzipierdatum des Briefes ist nicht genau ersichtlich, da zum einen die Jahre 784/785 6 und zum anderen
4 Vgl. 2.5 Autor, S. 6f.
5 Hilsch, Peter/Barceló, Pedro (Hrsg.): Mittelalter. Grundkurs Geschichte, 2. Aufl., Weinheim 1995.
6 Vgl. Ebd., S. 107.
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787/788 7 datiert sind. Der Erhaltungszustand der Originalquelle ist nicht nachprüfbar, dawie schon in Punkt 2.1 erwähnt - der Originalbrief für diese Arbeit nicht zugänglich ist. Die Echtheit des Briefes ist jedoch nicht infrage zu stellen, da Alkuin, der voraussichtlich den Brief konzipierte, Karl aktiv in kirchlichen Angelegenheiten beriet und sich ein Großteil seiner Briefe mit Ermahnungen jeglicher Art befasste. 8
2.3 Innere Kritik
Der im Auftrag von Karl dem Großen erstellte Brief ist nur an einen bestimmten Personenkreis gerichtet. Dieser besteht aus dem Abt und den Mönchen von Fulda. In dem Schreiben wird ihnen verordnet, dass sie sich intensiver mit der Bildung auseinander setzen sollen, um die Heilige Schrift besser zu begreifen. 9 Eine absichtliche Verfälschung des Inhalts ist ausgeschlossen, da es sinnlos wäre, eine Anordnung zu verfälschen, die für Karl ausschließlich positive Aspekte hervorhebt. Des Weiteren ist festzuhalten, dass der Großteil des Briefs auf Forderungen an das Kloster basiert, was die Akzentsetzung und Absicht Karls widerspiegelt.
2.4 Historischer Kontext
Durch die Ausbeute der Eroberungskriege von Karl dem Großen und die nachfolgende Friedenszeit war es für ihn möglich, sich während der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert dem kulturellen Bereich zuzuwenden. 10
Karl konzentrierte sich folglich auf den Erlass von Kapitularien, welche sich neben dem politischen, wirtschaftlichen, kulturellen auch mit dem kirchlichen Spektrum befassten. Karl beabsichtigte mit den Kapitularien nicht das Alte beizubehalten oder zu begleichen, sondern „[…] das Vorhandene für die Zwecke seiner Herrschaft brauchbarer zu machen.“ 11 Vorwiegend verfolgte Karl das Ziel durch Reformen eine Vereinheitlichung im Gerichts-, Heeres- und Münzwesen zu erlangen. Neben diesen Reformen erfolgte ebenfalls eine große Kirchenreform, hierbei hat Karl die Anfänge der angelsächsischen Missionare und die seiner Vorfahren fortgesetzt. Die Kirchenreform in Franken gab Karl Anregungen, die
7 Vgl. Martin, Thomas: Gelehrte Bildung in Fulda. Das Kloster als mittelalterliches Bildungszentrum 744-1571.
Festvortrag zur 99. Jahresversammlung am 14. Juni 1998 in Fulda, München 2000, S. 12.
8 Vgl. Epperlein, Regensburg 2000, S. 85f.
9 Hilsch, Weinheim 1995, S. 107.
10 Vgl. Epperlein, Regensburg 2000, S. 104.
11 Fleckenstein, Göttingen [u.a.] 1962, S. 74.
4
Bildungspolitik im Reich zu modernisieren. Dies war unerlässlich, da der Rückschritt der Bildung im Reich auch mit dem Zerfall des geistlichen Lebens zusammenhing, somit war es von hoher Priorität für Karl neben der Kirche auch die Bildung zu reformieren. 12 Schließlich wurde im Jahr 789 die berühmte Admonitio generalis (lat. Allgemeine Ermahnung), welche einer intensiven Beratung mit Bischöfen und königlichen Räten unterlag, von Karl dem Großen erlassen. Diese Korrespondenz war an Klerus, weltliche Autoritäten und an das Volk gerichtet. Das Kapitularium bestand aus zwei wesentlichen Abschnitten, der erste war an den Klerus gerichtet und befasst sich mit der kirchlichen Ordnung. Der zweite Teil forderte die obigen Gruppen auf, die rechte Ordnung zu rehabilitieren und stellt praktisch das gesamte Reformprogramm Karls dar. 13 Das Kloster von Fulda, dessen Mönche nach der Benediktsregel lebten, war ein wichtiges Standbein für die Christianisierung der Sachsen, dies verhalf dem Kloster zum schnellen Anstieg von Ansehen und Macht. 14
Im Jahre 751 sicherte der Papst Zacharias dem Kloster die Exemtion zu, es wurde aus dem Herrschaftsbereich des Bischofs von Würzburg gelöst und unmittelbar dem Papst unterstellt. Zu beachten ist allerdings, dass das Kloster nicht vollständig von der Bistumsorganisation entnommen wurde, sondern einen Sonderstatus innerhalb der Diözese 15 bekam. 16 Das Kloster wurde 765 in den Schutz von König Pippin genommen und von ihm zur Reichsabtei ernannt, welche in weltlichen (vor allem wirtschaftlichen) Aspekten dem König untergeordnet war. Demzufolge war es für den Abt verbindlich, auf Anfrage die königlichen Truppen auszurüsten, den Königsanhänger Unterkunft zu gewährleisten und diverse Waren und Produkte beim König abzuliefern.
Die Unabhängigkeit des Klosters steigerte sich rapide, nachdem Karl der Große 774 den Mönchen das Recht gewährte, ihren Abt selbst zu ernennen und Karl zugleich die weltliche Verwaltung legerer handhabte. 17
Im 9. Jahrhundert wies das Kloster Landbesitz von Italien bis an die Küste der Nordsee vor, dies war vor allem dem wirtschaftlichen Freiraum und den reichhaltigen Schenkungen
12 Vgl. Ebd., S. 76-78.
13 Vgl. Fleckenstein, Josef: Artikel. „Admonitio Generalis“, in: Lexikon des Mittelalters, Band 1, München
1980, Sp. 156.
14 Heikkilä, Tuomas: Das Kloster Fulda und der Goslarer Rangstreit, Helsinki 1998, S. 34; Hussong, Ulrich: Die
Reichsabtei Fulda im frühen und hohen Mittelalter. Mit einem Ausblick auf das späte Mittelalter, in: Walter
Heinemeyer (Hrsg.)/Berthold Jäger (Hrsg.): Fulda in seiner Geschichte. Landschaft, Reichsabtei, Stadt, Marburg
1995, S. 90.
15 Diözese ist eine andere Bezeichnung für Bistum.
16 Vgl. Hussong, Marburg 1995, S.91.
17 Vgl. Heikkilä, Helsinki 1998, S. 36.
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Tobias Neuhaus, 2008, Die Bildungspolitik Karls des Großen in Bezug auf den Klerus, München, GRIN Verlag GmbH
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