© 2008 Schweizerische Kriminalprävention, www.skppsc.ch Dieses E-Book / PDF erhalten Sie gratis unter: www.den-trick-kenn-ich.ch
Autor: Hajo Michels, EvolutioNET GmbH, www.evolutionet.ch Illustrationen: Catherine Harrel, www.catherineharrell.com Gestaltung des PDFs: Michael Löbens, www.loebens.de
Es gibt eine Buchausgabe, welche unter dem Titel „Den Trick kenne ich“, Autor: Hajo Michels, ISBN: 978-3-940445-36-0 erschienen ist und im Buchhandel bezogen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort der Schweizerischen Kriminalprävention 11
Einleitung des Autors 13
1. Betrugsmerkmale 16
1.1. „Nur noch heute “ 21
1.2. „Zu schön, um wahr zu sein “ 25
1.3. „Gratis kann teuer sein “ 29
1.4. „Auch Heuchler müssen sterben. “ 33
1.5. „Haben Sie doch ein Herz. “ 37
1.6. „Das machen alle so. “ 41
1.7. „Gemeinsamkeit kann verbinden oder fesseln “ 45
1.8. „Mehr Schein als Sein. “ 49
1.9. „Entwaffnende Ehrlichkeit. “ 53
1.10. „Nur für Sie. “ 57
1.11. „Ich beschütze Sie. “ 61
2. Opfermerkmale 64
2.1. „Das steht mir zu “ 68
2.2. „So was gibt es doch nicht “ 70
2.3. „Ist das echt so einfach?“ 72
2.4. „Ich bin ein Glückskind “ 74
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Inhaltsverzeichnis
2.5. „Alle Menschen sind gut “ 76
2.6. „Mir passiert schon nichts “ 78
„Mich kann keiner hereinlegen “ 2.7. 80
„Den Trick kannte ich noch nicht “ 2.8. 82
„Ja, Sie haben recht: 2 2 5 “ 2.9. 84
„Mir macht keiner was vor “ 2.10. 86
„Immer passiert mir so was “ 2.11. 88
„Ich bekomme ja nie, was mir zusteht “ 2.12. 90
„Irgendwann wird es mir fi nanziell auch besser 2.13. 92
gehen Oder werde ich auch mal Glück haben“
2.14. „Ich will auch, was alle anderen haben “ 94
„No Risk, no Fun “ 2.15. 96
3. Betrugsanfälligkeit 98
3.1. Finanzielle Krise 100
3.2. Krisen 102
3.3. Stress, Eile, Zeitdruck 104
3.4. Langeweile 106
3.5. Ferien 108
3.6. Grosser Gewinn / Erbe 110
8 Mehr Informationen unter www den-trick-kenne-ich ch
Inhaltsverzeichnis
3.7. Grosser Verlust 112
3.8. Grosse Sorgen / Ängste 114
Grosse Freude (Hochzeit, Geburt) 3.9. 116
Betrugsdelikte 4. 118
Finanzbereich 4.1. 120
Anlagebetrug 4.1.1. 122
Projektbetrug 4.1.2. 128
Kreditvermittlungsbetrug 4.1.3. 134
Vorschussbetrug / Nigerianische Betrügerbanden 4.1.4. 138
Bargeldanweisungen (Western Union) 4.1.5. 144
Geschenkkreise 4.1.6. 150
Falschgeld 4.1.7. 156
Angeblicher Lotteriegewinn 4.1.8. 160
Internet 4.2. 166
Auktionen 4.2.1. 170
4.2.2. Kauf 176
4.2.3. Auto-/Motorradkauf 182
4.2.4. Nigeria Connection 188
4.2.5. „Gratis“ Angebote und Abonnements 194
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Inhaltsverzeichnis
4.2.6. Phishing 198
4.2.7. Unseriöse Arbeitsangebote 202
4.2.8. Angeblicher Lotteriegewinn „Loteria Primitiva“ 208
4.3. Tricks und Fallen 210
4.3.1. Enkeltrick 212
4.3.2. Seniorenfahrten 216
4.3.3. Scharlatane / Lebensberater 220
4.3.4. Angeblicher Lotteriegewinn 226
4.3.5. Eintrag in Firmenregister 232
4.3.6. Timesharing 234
Nachwort 240
Literaturverzeichnis 241
10 Mehr Informationen unter www den-trick-kenne-ich ch
„Ich habe bisher über 50‘000.— einbezahlt, damit mein Gewinn endlich ausbezahlt wird. Glauben Sie, dass ich noch auf eine Auszahlung meines Gewinns zählen kann?“ So oder ähnlich tönt es immer wieder von Menschen, die bei der Schweizerischen Kriminalprävention anrufen und um Rat fragen. Wöchentlich erhalten wir mehrere Anrufe von Menschen, die auf immer neue Formen von Betrug hereingefallen sind; oft unterscheiden sich die Betrugsformen nur geringfügig voneinander und sind seit Jahren bekannt - auffallend häufi g wird der Betrug übers Internet initiiert.
Erstaunlicherweise sind die meisten Betrugsopfer extrem anfällig für Betrugsversuche aus dem Internet. Alle Vorsicht wird da vergessen und freiwillig werden Adressdaten, Kontodaten und viele intime Kenntnisse weitergegeben, um an vermeintlich grosse Gewinne zu gelangen. Dabei vergessen die Opfer dann, dass die Täter diese Informationen weitergeben können und sie dadurch noch einmal bedeutend anfälliger für neue Betrugsaktionen sind: Die Täter können eine grosse Vertrautheit mit dem Opfer vorlügen, und das Opfer wähnt sich in vermeintlicher Sicherheit.
Oft werden wegen einiger Franken mehr beim Verkauf eines alten Autos dubiose Arrangements mit dem Käufer eingegangen: Käufer aus Afrika senden einen Scheck über einen viel höheren Betrag als beim Verkauf des Autos abgemacht und bitten, den Überschuss dem Spediteur mitzugeben. Und der Verkäufer fi ndet dann heraus, dass der Scheck überhaupt nicht gedeckt war: Das Auto ist weg und damit auch noch der Geldbetrag, der dem Spediteur mitgegeben wurde.
Lotteriegewinne aus dem Ausland bringen die Betrugsopfer häufi g dazu, grosse Geldsummen ins Ausland zu zahlen, damit der Gewinn endlich aus dem Ausland in die Schweiz ausbezahlt werden kann: Aber keines der Betrugsopfer fragt sich, wieso eine ausländische Lotterie einen Gewinn in die Schweiz ausbezahlen sollte, auch wenn das Opfer nie ein Los bei dieser Lotterie gekauft hat.
Ganz viel Geld wird „investiert“, um grosse Vermögen aus einem Land zu bringen. Dabei wird das Betrugsopfer gebeten, ein Bankkonto in der Schweiz zur Verfügung zu stellen, auf welches dann Millionen von Franken gebucht würden. Von diesem Bankkonto werde das Geld dann weiterverschoben, aber „die Dienstleistungen“ würden mit einem hohen Prozentsatz, typischerweise mit 10% des Vermögens „vergütet“. Bis das „Vermögen“ aus dem Ausland in der Schweiz eintrifft, sind dann oft Zahlungen für Anwaltskosten, Banktransfer etc. zu leisten. Viele Opfer haben hundert-
tausende von Franken ins Ausland geschickt und dann auf den erhofften Geldsegen gewartet - und nie haben die Opfer auch nur einen Rappen des versprochenenen Geldes gesehen.
Vielfach werden sich die Opfer des Betrugs bewusst. Scham ist einer der Gründe, wieso nicht häufi ger über solche Vorfälle gesprochen wird. Über Einbruch oder Diebstahl wird oft diskutiert und auch darüber, wie man sich schützen kann. Aber Scham über seine eigene Gier, die einen dazu verleitet hat, auf einen ganz unverschämten Betrug hereinzufallen, lässt das Opfer schweigen. Viele Betrugsversuche werden nicht bei der Polizei angezeigt, auch weil der Betrug im Ausland stattgefunden hat und die Betrüger gar nicht mehr zu fi nden sind. Dabei gibt es offenbar viele Betrugsopfer: Diese könnten sich organisieren und gemeinsam versuchen, gegen die Betrüger vorzugehen oder wenigstens darüber zu informieren, wie die Betrüger vorgegangen sind, damit solche Betrugsformen in der Schweiz zukünftig keine Chance mehr haben.
Obschon wir keine statistischen Daten über den Umfang der Betrugsvorfälle besitzen, stellen wir immer wieder fest, dass viele Menschen Opfer eines Betrugsfalls geworden sind. Wir können nicht mehr über alle Betrugsdelikte informieren, es sind mittlerweile zu viele. Deshalb haben wir uns überlegt, wieso Menschen zu Betrugsopfern werden: Es ist immer eine Kombination von Betrugsmerkmalen, -situationen und Persönlichkeitsmerkmalen, welche eine Person für einen Betrugsversuch verwundbar machen.
Im Folgenden haben wir für Sie diese Betrugsmerkmale, Betrugssituationen und Persönlichkeitsmerkmale zusammengestellt, welche auch Sie vielleicht eines Tages zu einem Betrugsopfer machen können. Lesen Sie sich unsere Informationen aufmerksam durch und wenn Sie das nächste Mal das Gefühl haben, ohne grossen Aufwand schnell sehr reich werden zu können, erinnern Sie sich hoffentlich an unsere Informationen. Nehmen Sie sich Zeit und überdenken Sie noch einmal, wieso gerade Sie so unverhofft profi tieren können. Lassen Sie sich nicht drängen und stimmen Sie einem Vertragsabschluss erst zu, wenn Sie mindestens eine Nacht darüber geschlafen haben. Am nächsten Tag sieht der unverhoffte Gewinn dann vielleicht gar nicht mehr so interessant aus.
Martin Boess Schweizerische Kriminalprävention
Einleitung des Autors
Als ich 2006 das erste Mal mit der SKP darüber diskutiere, die Stopp-Betrugskampage zu überarbeiten, wurde sehr schnell klar, dass wir etwas anderes entwickeln wollten, als nur Delikte aufzählen und sagen, was man nicht tun soll. Dies war auch schon alleine auf Grund des Einfallsreichtums der Gauner nicht sinnvoll. Diese erfi nden neue Methoden und Abwandlungen schneller, als Sie und ich ein Hemd wechseln. Wir suchten also nach einer besseren Lösung, nach etwas Grundlegenderem.
Schliesslich kam uns die Idee das Thema wie folgt zu gliedern:
• Betrugssignale, also Täterstrategien;
• Opfermerkmale, also welche Eigenschaften die Opfer haben;
• Betrugsanfälligkeit, in welchen Situationen ein Betrug besonders häufi g vorkommt, und die
• Betrugsdelikte selbst.
Unsere Arbeitsthese für diese Kampagne ist, wenn bestimmte Betrugssignale mit bestimmten Opfermerkmalen in einer bestimmten Situation zusammentreffen, ist die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Delikt, bzw. Deliktart erhöht.
Beim Versuch der Vermittlung der Bereiche merkten wir dann auch sehr schnell, dass eine alleinige verbale Darstellung diese Inhalte nicht ausreichend transportieren würde. So entwickelten wir das vorliegende System, in dem wir uns auch auf die Bildsprache der Illustrationen und die Kraft der Zitate abstützen. Es war erstaunlich zu sehen, wie viele Zitate es zum Thema Betrug gibt. Es musste also etwas sein, dass die Menschen beschäftigt. Im Bereich Betrugssignale führten wir dann noch die Bilder mit optischen Täuschungen ein, um die Leser zum Nachdenken und zum Hinterfragen des „Offensichtlichen“ anzuregen. Da die ehrliche Refl ektion über vielleicht nicht so „schöne“ Charaktereigenschaften, welche aber letztendlich ein Betrogen werden begünstigen, uns etwas schwierig erschien, haben wir im Bereich der Opfermerkmale mit Slogans und Fabeln gearbeitet.
Das vorliegende Buch können Sie von vorne nach hinten lesen, einfach durchstöbern, einzelne Seiten aufschlagen und lesen oder kapitelweise durchgehen. Ganz wie es Ihnen gefällt.
Hinweis für Leser, die nicht aus der Schweiz sind: Grundsätzlich sind die Aussagen dieses Buches unabhängig vom Wohnsitz gültig. Täter- oder Op-
fermerkmale, bzw. Situationen kennen keine Ländergrenzen. Nur bei den Empfehlungen, ob man Anzeige erstatten soll oder nicht, haben wir uns an die gängige Schweizer Praxis gehalten.
Unser Hauptanliegen ist es, Sie als Leser selbst zum Nachdenken anzuregen, Situationen und Ereignisse zu hinterfragen, hinter das „Offensichtliche“ zu blicken und Sie zu Empowern mit potentiellen Betrugssituationen umgehen zu können und vielleicht sagen zu können: „Nicht mit mir, denn den Trick kenne ich!“
Besuchen Sie auch die aktualisierte Webseite zur Kampagne mit vielen weiteren nützlichen Informationen, Links, Adressen und Downloads unter: www.den-tick-kenne-ich.ch
Hajo Michels EvolutioNET GmbH
1. Mögliche Betrugsmerkmale
In diesem Kapitel geht es darum, Ihnen die möglichen Betrugsmerkmale vorzustellen. Betrüger benutzen immer wieder die gleichen Muster und Strategien, um ihre Opfer zu hintergehen. Die Kenntnis dieser Strategien und das gehäufte Vorkommen mehrerer dieser Strategien sollten Sie misstrauisch machen. Dabei sollen Ihnen gerade auch die Fragen und die Zitate helfen, das Thema selbst aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Die optischen Täuschungen sollen Sie inspirieren, das „Offensichtliche“, die „Realität“ zu hinterfragen!
1.1. „Nur noch heute, daher greifen Sie jetzt sofort zu...“ „Verpassen Sie nicht das Angebot Ihres Lebens!“ „Ich hab sofort gespürt, wenn Entscheidungen falsch waren - auch in der Brieftasche.“ Karl Handl
•
Lesen Sie hierzu mehr auf Seite 21.
1.2. „Zu schön, um wahr zu sein!“
„Gier ist meine Lieblingssünde, damit bekomme ich sie alle.“ Angeblich der Teufel
Lesen Sie hierzu mehr auf Seite 25.
1.3. „Gratis kann teuer sein!“
„There is no such thing like a free lunch“ Amerikanisches Sprichwort „Nichts ist teurer als das, was du umsonst bekommst.“ Aus Japan
• Warum sollte mir jemand, den ich nicht kenne, etwas schenken?
• Warum erhalte ich von einer mir fremden Person plötzlich ein Geschenk?
• Welchen Hintergedanken verfolgt mein Gegenüber? Lesen Sie hierzu mehr auf Seite 29.
1.4. „Auch Heuchler müssen sterben...“
„Das Zeichen eines Heuchlers ist ein dreifaches: Wenn er spricht, lügt er; wenn er verspricht, hält er nicht; und wenn er vertraut, fürchtet er.“ Mohammed
• Wieso will eine mir fremde Person sich plötzlich bei mir einschmeicheln?
• Ist mein Gegenüber extrem freundlich, verständnisvoll und überschwänglich?
• Gebraucht mein Gegenüber übermässig viele Superlative? Lesen Sie hierzu mehr auf Seite 33.
1.5. „Haben Sie doch ein Herz...“
„Die grossartigste Schwäche des Menschen ist sein Mitleid.“ Thomas Niederreuther
Wird übermässig an Ihre Hilfsbereitschaft appelliert? •
Ist es wirklich für einen guten Zweck? •
Sie könnten wirklich helfen und etwas Gutes tun! •
Lesen Sie hierzu mehr auf Seite 37.
1.6. „Das machen alle so...“
„Kaufen Sie Scheisse, Milliarden Fliegen können nicht irren ...“ Unbekannt
• • • „Sogar der „DJ Bobo“ benutzt das!“ Lesen Sie hierzu mehr auf Seite 41.
1.7. „Gemeinsamkeit kann verbinden oder fesseln!“
„Gleich und Gleich gesellt sich gern.“ Deutsches Sprichwort
• • „Meine Oma kommt von da!“ •
Lesen Sie hierzu mehr auf Seite 45.
1.8. „Mehr Schein als Sein...!“
„Das ist ein bisschen wie in Hollywood: Eine grosse Fassade, aber nichts dahinter.“ Rudolf Kaske
Versucht Ihr Gegenüber, Sie mit Titel, Kleidung, grossem Auto oder • Büro zu beeindrucken?
Lesen Sie hierzu mehr auf Seite 49.
1.9. „Entwaffnende Ehrlichkeit...“
„Mit seiner Ehrlichkeit brachte er die Wahrheit jedes Mal in Verlegenheit und zwang sie zu einer Notlüge.“ Nikolaus Cybinski Ist Ihr Gegenüber wirklich so ehrlich? •
Handelt Ihr Gegenüber selbstlos? •
Ist Ehrlichkeit nur eine Masche? •
Lesen Sie hierzu mehr auf Seite 53.
1.10. „Nur für Sie...“
„Dummheit ist auch eine Form der Exklusivität.“ Moritz Heimann Gibt Ihnen Ihr Gegenüber exklusive Informationen, die er angeblich • nur Ihnen gibt? Gilt das Angebot nur für Sie? •
Sind Sie der Einzige, dem dieses Geschäft angeboten wird? •
Lesen Sie hierzu mehr auf Seite 57.
1.11. „Ich beschütze Sie...“
„Vorsicht und Misstrauen sind gute Dinge, nur sind auch ihnen gegenüber Vorsicht und Misstrauen nötig.“ Christian Morgenstern
• Jagt Ihnen Ihr Gegenüber zuerst Angst vor etwas ein und bietet dann eine Lösung für diese Angst?
• „Gegen die kleine Gebühr von …“
• „Natürlich ist es nicht ganz einfach, daher …“ Lesen Sie hierzu mehr auf Seite 61.
1.1. „Nur noch heute!“
„Nur noch heute, daher greifen Sie jetzt sofort zu... Verpassen Sie nicht das Angebot Ihres Lebens!“
Versucht man Sie zu hastigen und übereilten Entscheidungen zu drän• gen?
Ist eine Offerte nur heute gültig? •
Gibt es den Sonderpreis nur bis morgen? •
Muss eine Zusage unbedingt jetzt erfolgen? •
Kann der Abschluss nur sofort getätigt werden? •
Knappheit = Hoher Preis
Sicherlich wissen Sie, warum Platin so viel kostet. Genau, weil es sehr selten ist. Daraus folgt, wenn es etwas selten gibt, ist es für uns kostbar und hat einen hohen Preis! Das ist eine uralte Regel, die den Menschen wie instinktmässig eingepfl anzt ist. Wenn man es also schafft, Sie glauben zu machen, dass etwas sehr selten ist, so sind Sie eher geneigt einen höheren Preis dafür zu zahlen.
Wenn jemand es schafft, Ihnen einzureden, das geschliffene Glas sei ein Diamant, so bekommt es für Sie einen ganz anderen, nämlich höheren Wert.
In dieser Kategorie der möglichen Betrugsmerkmale gibt es noch die Variante Zeitdruck.
Nur kurze Zeit zu diesem Preis = Keine Möglichkeit den Preis zu verglei-
chen
h b lh b h Die Dauer eines sehr günstigen Angebotes zeitlich zu begrenzen ist nichts anderes, als eine Verknappung des Gutes herbeizuführen. Allerdings versucht der potentielle Betrüger hier, Sie glauben zu machen, dass sein Angebot besonders günstig sei. Der Zweck des Zeitlimits ist immer, Ihnen zu verunmöglichen, das Angebot zu prüfen und zu vergleichen. Und wie sagte schon der alte Publilius Syrus: „Nichts kann gleichzeitig hastig und klug erledigt werden.“!
Das Keks-Experiment
Im Rahmen einer Marktforschungsstudie bekamen die Teilnehmer Kekse zur Geschmacksbeurteilung. Dabei wurden die gleichen Kekse ein Mal jedem Teilnehmer in einer Schale mit 2 Keksen serviert und ein anderes Mal in einer Schale mit 8 Keksen. Das Ergebnis war, dass alle Teilnehmer die in der 2-Kekse-Schale dargebotenen Kekse als eindeutig schmackhafter und besser beurteilten. (Worchel, Lee Adewole, 1975)
1.2. „Zu schön, um wahr zu sein!“
Klingt das Geschäft zu gut, um wahr zu sein? •
Ist die Rendite marktunüblich hoch bei „geringem bis keinem Risiko“? •
So ein „Zufall“, dass gerade Sie dieses Angebot bekommen. •
Sehen Sie einen Würfel? Er ist nicht wirklich da! Betrüger nähren die Illusionen, Dinge zu sehen, die nicht da sind!
Plötzlichen Reichtum gibt es nur im Märchen
Leider ist es nur allzu wahr, dass einer der häufi gsten Gründe, warum Menschen Opfer von Betrügern werden, in ihrer eigenen Gewinnsucht liegt. Das hat sicher auch damit zu tun, dass Konsum und materieller Besitz in unserer Gesellschaft einen derart hohen Stellenwert haben. Wenn man dann so richtig in diese Gier hineingekommen ist, wirkt diese wie ein Wahrnehmungsfi lter. Es wird nur noch wahrgenommen, was in das eigene Denkschema passt. Goethe sagte schon: „Ein jeder sieht nur das, was er zu sehen vermag.“ Menschen tun dann Dinge, die sie normalerweise nicht tun würden. Glücklich, der gute Freunde hat, die einen darauf aufmerksam machen.
Wikipedia defi niert Habgier: Habgier oder Habsucht ist das übersteigerte, rücksichtslose Streben nach materiellem Besitz, unabhängig von dessen Nutzen, und eng verwandt mit dem Geiz, der übertriebenen Sparsamkeit und dem Unwillen zu teilen.
Ganz nebenbei ist im Christentum die Habgier auch eine der sieben Todsünden.
Aber kann man wissenschaftlich erklären, warum Menschen habgierig Aber kann man wissenschaftlich erklären warum Menschen habgierig sind? Warum Wirtschaftsbosse sich immer mehr in die Tasche stecken und Politiker meinen, es stünde ihnen zu abzusahnen?
Geld als Suchtmittel
Zum einen könnte man die Suchttheorie zurate ziehen, denn vieles von dem, wie sich gierige Menschen gegenüber Geld verhalten, ähnelt diesen Kriterien: 1. Zwanghaftes Benutzen einer Substanz oder Verhaltensweise, die nicht wirklich hilft. 2. Der/die Abhängige beeinträchtigt und schädigt sein/ihr eigenes Leben. 3. Die Sucht führt zur Entfremdung von sich selbst, von anderen und von der Welt. 4. Sucht unterscheidet sich von Gewohnheit u.a. dadurch, dass keine freie Entscheidung mehr möglich ist, das Verhalten zu ändern. 5. Das ganze Glück scheint daran zu hängen, dass der/die Süchtige das Suchtmittel bekommen kann. 6. Die Sucht wird verleugnet. 7. Jegliche Eigenverantwortung für die Sucht wird abgeschoben. (Quelle: Ingrid Suprayan: Geld als Droge?)
Diese Merkmale von Sucht fi nden sich auch in unserem Umgang mit Geld wieder. Zu denken wäre dabei an den häufi gen Charakter des Konsums als Ersatzhandlung zum Ausgleich einer inneren Leere. Das Leben insgesamt wird massiv geschädigt. Die Entfremdung von sich, von anderen und von der Welt zeigt sich u.a. im Zockertum an den Börsen. ‚Sachzwänge‘ engen den freien Umgang mit Geld und Vermögen mit der Folge ein, dass das Bewusstsein der eigenen Verantwortung für den Umgang mit Geld verloren geht. Und die allgemeine Tabuisierung des Geldes zeigt, wie sehr unsere Abhängigkeit von der Droge Geld verleugnet wird.
Motivationstheorie
Eine andere These ist die der Motivationstheoretiker. Diese besagt, dass das Streben nach Macht einem der Grundantriebe des Menschen entspricht. Geld wird in unserer Kultur vielfach mit Macht gleichgesetzt oder es bringt Macht. Beim Essen verspüren wir irgendwann ein Sättigungsgefühl und können nichts mehr essen. Bei der Sexualität ist auch rein physisch irgendwann ein Zustand erreicht, wo nichts mehr geht. Nur bei der Gier nach Macht/Geld tritt kein wirklicher Sättigungs-, bzw. Befriedigungsgrad ein. (Psychologie Heute 8/2004)
Wahrnehmungsstörung
Andere Spekulationen gehen in die Richtung, dass gierige Menschen einfach die Realität nicht mehr richtig wahrnehmen können. Auch das ist sehr plausibel, denn gierige Menschen handeln oft genug absolut unlogisch, bzw. hören selbst auf die wohlgemeinten Ratschläge von besten Freunden nicht mehr.
bekommen?
•
1.3. „Gratis kann teuer sein!”
• Warum sollte mir jemand, den ich nicht kenne, etwas schenken?
• Warum erhalte ich von einer mir fremden Person plötzlich ein Geschenk?
• Welchen Hintergedanken verfolgt mein Gegenüber?
Gratis ≠ Umsonst
Die etwas Älteren unter den Lesern kennen sie vielleicht noch, diese „Hare Krishna“ Jünger in ihren orangen Gewändern, die unermüdlich durch Fussgängerzonen und Flughäfen zogen und ihr „Hare Krishna Rama Rama“ erschallen liessen. Sie kamen freudestrahlend auf einen zu, drückten einem ein Buch in die Hand und sagten: „Dies ist ein Geschenk von uns, mein Freund“. Ähm ja, so stand man dann da und hatte plötzlich ein Buch in der Hand, das man gar nicht wollte. Und wehe dem, der jetzt dachte mit Danke und Ade wäre es getan und sich davon machen wollte. Mitnichten, denn jetzt trieb der Jünger unsere Schuld ein und liess nicht locker, bis man eine „Spende“ in der ihm angemessen scheinenden Höhe machte.
Die Hare Krishnas hatten, wohl unbewusst, das Gesetz der Reziprozität entdeckt und zur „perfekten“ Anwendung gebracht.
Reziprozität, keiner kennt sie, aber sie wirkt so zuverlässig wie die Erdanziehungskraft. Diese von uns verinnerlichte Gesetzmässigkeit besagt: „Wenn dir jemand etwas gibt, so musst du ihm etwas zurückgeben!“ Das lernen wir von Kind an! Es ist eine wichtige Norm, welche das Zusammenleben in einer Gemeinschaft erleichtern soll. Das ist auch z.B. in Form von Nachbarschaftshilfe eine hervorragende Sache. In orangen Gewändern, als Hare Krishnas, kann sie jedoch schnell zu den apokalyptischen Reitern werden.
Das Joe-gibt-ne-Cola-aus-Experiment
Versuchspersonen wurden unter dem Vorwand, an einer Untersuchung zum Thema Kunstverständnis teilzunehmen, mit Joe, einem anderen vermeintlichen Teilnehmer, zusammengebracht. Irgendwann musste Joe mal den Raum verlassen, kam wieder zurück und brachte einem anderen Teil-
nehmer eine Cola mit. „Er habe sie gerade im Flur gesehen und gedacht, der Andere möge sicher auch eine.“ Das „Experiment“ lief ab und als es zu Ende war, bat Joe die andere Person darum, ihm einen Gefallen zu tun. Er verkaufe Lose und man könne ein Auto gewinnen. Wenn er mehr Lose verkaufe als die anderen, bekomme er eine Prämie.
Das Ergebnis war: Diejenigen, die eine Cola bekommen hatten, kauften doppelt so viel Lose von ihm, wie die Teilnehmer aus der Kontrollgruppe, welche keine Cola bekommen hatten. Noch erstaunlicher aber war, dass das auch funktionierte, wenn die Teilnehmer, die eine Cola bekommen hatten, zu Protokoll gaben, dass Ihnen Joe eigentlich unsympathisch war.
Menschen sind Energiesparmodelle, sie möchten einen grösstmöglichen Nutzen mit dem geringsten Aufwand erzielen. Das ist normal und OK so. Das Wort „Gratis“ hat für uns eine fast magische Wirkung und ist immer ein Blickfang.
1.4. „Auch Heuchler müssen sterben...“
• Wieso will eine mir fremde Person sich plötzlich bei mir einschmeicheln?
• Ist mein Gegenüber extrem freundlich, verständnisvoll und überschwänglich?
• Braucht er übermässig viele Superlative?
Allzu grosse Freundlichkeit = Vorsicht „Die Kunst zu gefallen, ist die Kunst zu täuschen.“ Marquis de Vauvenargues
Tupperpartys sind die nichtbetrügerische Art, sich das Sympathieprinzip zu Nutze zu machen. Eine Freundin lädt Freundinnen ein, und da sie einen Teil des Erlöses erhält, kauft Frau eigentlich bei der Freundin. Nur dadurch ist Tupperware so erfolgreich geworden. Dort hat man erkannt, dass Sympathie das beste Verkaufsumfeld ist.
Sympathie kann man vor allem auch durch Angleichung erreichen. So wird ein potenzieller Betrüger also „rein zufällig“ schon da in den Ferien gewesen sein, wo Sie waren. •
in der gleichen Stadt gewohnt haben oder einen Verwandten haben, • der da wohnt. das gleiche Hobby haben. •
Kinder mit dem gleichen Namen wie Sie haben. • usw. •
Wohlgemerkt, es geht nicht darum, Misstrauen gegen freundliche Menschen zu schüren. Freundlichkeit gehört für einen Kaufmann dazu, nicht umsonst sagen die Chinesen: “Wer kein freundliches Gesicht hat, darf keinen Laden aufmachen.“
Experiment: Komplimente und Schmeicheleien Männer mussten sich die Kommentare anderer Männer anhören, welche von ihnen einen Gefallen erwarteten. Einige Männer hörten nur positive Stellungnahmen, andere positive und negative Statements zur eigenen Person und die letzte Gruppe nur Negatives. Drei Ergebnisse kamen dabei heraus:
Die Personen, die nur Positives gesagt hatten, waren am beliebtesten. Auch wenn den Hörern klar war, dass man ihnen das nur sagte, damit sie
einem den Gefallen taten, so machte das fast keinen Unterschied. Auch wenn die Komplimente gar nicht zutrafen, verfehlten sie doch nicht ihre Wirkung.
1.5. „Haben Sie doch ein Herz...“
• Wird übermässig an Ihre Hilfsbereitschaft appelliert?
• „Es ist für einen guten Zweck...“
• „Sie könnten wirklich helfen und etwas Gutes tun.“
„Die Menschen sind da, um einander zu helfen, und wenn man eines Menschen Hilfe in rechten Dingen nötig hat, so muss man ihn dafür ansprechen. Das ist der Welt Brauch und heisst noch lange nicht betteln.“ Gotthelf
Mitleid und Mitgefühl werden nur allzu gern von potenziellen Betrügern geweckt
Das Vortäuschen einer Notlage oder eines grossen Unglücks ist eine be-D V tä h i N tl d i U lü k i t i b
liebte Methode von Betrügern. Es lässt sich auch einfach erklären, warum das immer wieder so erfolgreich ist. Wir werden als Menschen konditioniert, Mitgefühl zu haben und anderen Menschen in Notlagen zu helfen. Dies ist ein notwendiges Programm für das Miteinanderleben in einer Gemeinschaft. Als Christ ist man zur Nächstenliebe und Hilfe geradezu „verpfl ichtet“. Moslems ist die Hilfe an Bedürftigen genauso anerzogen. Mitunter sind ungeschriebene Gesetze die stärksten.
Menschen reagieren mit einem «Klick-surr» Verhalten wenn sie die Stichworte „für einen guten Zweck“ oder „...Helfen Sie...“ hören. «Klick-surrs» sind Programme, welche wir alle in uns tragen, welche von einem Schlüsselreiz ausgelöst werden und dann eine bestimmte Handlungsfolge aktivieren. Beispiele:
Reiz : rote Ampel; Handlungsabfolge: Sie bleiben stehen. Reiz: Kondukteur kommt; Handlungsabfolge: Sie zücken Ihren Fahrschein.
Reiz: Jemand schreit Hilfe; Handlungsabfolge: Sie gehen und helfen.
Experiment Keksverkauf
Für einen guten Zweck sollten auf einem Unigelände Kekse verkauft werden. Der Stand wurde aufgebaut, aber ganz wenige blieben stehen oder kauften gar.
Eine junge Frau wurde damit beauftragt, Passanten anzusprechen und zu fragen: „Möchten Sie gerne einen Keks kaufen?“ Das Ergebnis: Nur 2 von 30 kauften etwas.
Anschliessend fragte die junge Frau die Passanten: „Möchten Sie gerne einen Keks kaufen, es ist für einen guten Zweck, das Poverello Haus.“
Arbeit zitieren:
Hajo Michels, 2008, Den Trick kenne ich - Eine Kampagne zur Betrugsprävention der Schweizerischen Kriminalprävention, München, GRIN Verlag GmbH
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