Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
1. Die Ausgangslage 4
1.1 Die Situation im römischen Reich zum Regierungsbeginn des Kaisers Decius 4
1.2 Religiöse und gesellschaftliche Tendenzen 4
1.3 Politische Maßnahmen des Kaisers vor dem Opferedikt. 5
2. Das Opferedikt des Kaisers Decius. 6
3.1 Die Quellenlage. 6
2.2 Inhalt. 7
2.3 Anwendung und Maßnahmen. 8
3. Gleichberechtigung oder Vetorecht? - Die Kompetenzfrage. 8
3.1 Bewahrung und Erneuerung der alten Kulte 8
3.2 Neustrukturierung und Zentralisierung der Religion 10
3.3Verfolgung der Christen ? 12
Fazit 15
Literaturverzeichnis 17
2
Einleitung
Das Konservative und Traditionelle hat in Zeiten der Krise Hochkonjunktur. Die Menschen sehen gerade dann gern auf die vermeintlich goldenen Zeiten vergangener Epochen zurück und wünschen sich diesen alten Glanz zurück. Positive wie negative Beispiele für solche Versuche der Anknüpfung und Erneuerung sind in der Geschichte immer wieder anzutreffen. So erleben auch wir gerade in wirtschaftlich und gesellschaftlich schwieriger Zeit einen Trend zugunsten konservativer Werte und Ideale. Die Umsetzung und Übermittlung erfolgt dabei jedoch immer mittels gegenwärtiger Methoden. So ist es auch zu verstehen, dass Religion und Kirche, wie z.B. die Euphorie beim Besuch des Papstes zeigt, nach langer Zeit wieder regen Zulauf zu verzeichnen haben. In der Antike war gerade die Religion das zentrale Element zur Weltdeutung und es war in unserem heutigen Wortsinne fortschrittlich auf althergebrachte Werte und Normen zurückzugreifen. So ist das Opferedikt des Kaisers Decius, das die gesamte Reichsbevölkerung zwangsweise dazu auffordert, den traditionellen Göttern zum Zeichen der Verehrung zu opfern, durchaus als Rückgriff auf althergebrachte Sitten in Form einer nie da gewesenen staatlichen Maßnahme anzusehen. Ziel dieser Arbeit ist es das nicht wörtlich überlieferte Edikt dahingehend zu untersuchen, ob es von seinen Gedankenhintergrund den konservativen religiösen Tendenzen seiner Entstehungszeit folgt, oder aber neue Strukturen für die Religionsausübung und deren Überwachung im römischen Reich schafft. Dementsprechend widmet sich der erste Teil dieser Ausarbeitung den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Regierungszeit des Kaisers Decius und somit einigen möglichen Hintergründen für die religionspolitischen Maßnahmen des Kaisers, die sich in seinem allgemeinen Opferedikt manifestieren. So werden auch einige Aktionen des Kaisers vorgestellt, die bereits in die Richtung des Opferediktes weisen. Der zweite Teil der Hausarbeit richtet das Augenmerk auf das Opferedikt selbst. Hier wird zunächst die ambivalente und sehr dünne Quellenlage rund um das nicht erhaltene Dokument dargestellt, die sich aus den christlichen Quellen der Regierungszeit des Decius sowie späterer Zeit und entdeckten amtlichen Opferbescheinigung aus dem Jahre 250 n. Chr. ergibt. Weiterhin wird anhand der Quellen der mutmaßliche Inhalt des Opferediktes dargestellt, sowie die staatlichen Maßnahmen beim Verstoß gegen das Opfergebot. Im dritten Teil dieser Arbeit werden drei gängige, jedoch in der Forschung zum Teil heftig umstrittene Thesen zu den Absichten und Auswirkungen des Opferediktes erläutert. Hierfür werden einige der Grundlagen aus den ersten Abschnitten noch einmal in detaillierterer Form aufgegriffen. Im abschließenden Fazit werden die wichtigsten Punkte der Darstellung noch einmal knapp bewertend zusammengefasst.
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1. Die Ausgangslage
1.1 Die Situation im römischen Reich zum Regierungsbeginn des Kaisers Decius
In der Zeit, in der Decius zum Kaiser erhoben wird, befindet sich das römische Reich innen- wie außenpolitisch in einer ernsthaften Krise. Im Inneren hatte das römische Reich seit längerem mit einem schleichenden Rückgang der Wirtschaft zu kämpfen, der mit strukturellen Veränderungen in Produktion und Handel einherging. Zusätzlich wurde seit der Zeit der Severer der Silbergehalt der römischen Münzen kontinuierlich reduziert, was die Währung auf längere Sicht nahezu wertlos werden ließ. Die Folge beider Faktoren war eine zunehmende Verarmung der Bevölkerung. Außenpolitisch stand das römische Reich vor noch größeren Problemen. Der letzten großen römischen Expansion unter den Adoptivkaisern folgte nun der Einfall von Germanen, Goten, und Sasaniden über die so sicher geglaubten Reichsgrenzen, im besonderen Maße in den östlichen Provinzen des Reiches. Die Unfähigkeit der severischen Kaiser diese Probleme vollends zu lösen und die damit einhergehenden Usurpationen, die in den Ereignissen des Sechskaiserjahres 238 n. Chr. gipfelten, ließen die Legitimität der Machtinstanz Kaiser ins bodenlose sinken. Auch Decius’ Amtsvorgänger, Philippus Arabs, der sich durch die Truppen die Macht von seinem Vorgänger Gordian III. erschlichen hatte, konnte seine Macht nicht konsolidieren, da er bereits zu Beginn seiner Regierung im Jahre 244 n Chr. einen für Roms Überzeugungen unhaltbaren Frieden mit den Sasaniden geschlossen hatte und der Lage in den von den Goten überrannten Donauprovinzen nicht Herr werden konnte. Dieser hatte Decius, der selbst aus diesem Gebiet stammte, dorthin entsandt, um eine aufkommende Usurpation niederzuschlagen. Decius schlug diese nieder, wurde nun aber selbst 249 n. Chr. von den Truppen zum Kaiser erhoben. In dem folgenden Machtkampf setzte sich Decius gegen Philippus durch. Nun war es die Aufgabe des Kaisers Decius zu versuchen die Krise des römischen Reiches zu lösen 1 .
1.2 Religiöse und gesellschaftliche Tendenzen
Dass Decius im Folgende versuchte diesen reichsweiten Problemen vornehmlich mit einer zentral angeordneten religionspolitischen Maßnahme zu begegnen, ist in der wichtigen Rolle, die die traditionelle heidnische Religion in Staat und Gesellschaft des römischen Reiches spielte, begründet. Religiöse Überzeugung, die vor allem in Form von Opferhandlungen oder Festen gezeigt wurde, war auch gleichzeitig Loyalitätsbekundung gegenüber Staat und Politik. So verehrte man traditionell die Götter um das Heil des Kaisers zu gewährleisten, damit dieser die Geschicke des Imperiums immer in die besten Bahnen lenken konnte. Menschen und Götter
1 Hermann Bengtson: Römische Geschichte: Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr. München 6 1988, S. 382 ff.;
Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit: von Augustus bis zu Konstantin. München 4 2002, S. 659 ff.;
Michael Sommer: Die Soldatenkaiser. Darmstadt 2004, S. 42 - 45, 71 ff.
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standen somit in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis. Infolgedessen waren die Götter für die Römer für den Erfolg und die Ausdehnung Roms von Anbeginn verantwortlich und bildeten den Kern ihrer Weltanschauung und ihrer Moralvorstellungen 2 . Den polytheistischen Grundstock bildete das seit urrömischer Zeit verehrte capitolinische Götterdreigestirn Jupiter, Juno und Minerva. Mit der Expansion Roms und der damit verbundenen Akkulturation auch im religiösen Bereich vergrößerte sich die Anzahl der verehrten Gottheiten. Viele wurden mit den alten Göttern gleichgesetzt. Hinzu traten seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert vor allem orientalische Kulte und Gottheiten, Magien und Zauber, Philosophien und streng andersgläubige Religionen. Grundsätzlich war man gegenüber allen neuen Kulten aufgeschlossen und tolerant, solange sie mit dem Polytheismus und den moralischen Staatsvorstellungen des römischen Reiches vereinbar waren. Des Weiteren mussten die traditionellen Gottheiten die zentralen Staatsgötter bleiben 3 . Hierdurch aber wurde die Verbundenheit zu den althergebrachten Göttern immer schwächer. Die Vermischung der Kulte und der damit verbundene Niedergang der überlieferten Götter wurden durch die lokale Ausprägung und Ausübung der Religion verstärkt. Die Götter vor Ort waren greifbarer und eine Instanz für eine zentralrömische Religion fehlte 4 . Mit dem langsamen Auftreten der Krisensymptome Ende des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts besann man sich langsam wieder auf traditionelle römische Götter und Werte. Insbesondere in senatoriellen Kreisen und in den krisengeplagten und soldatenreichen Grenzprovinzen, die noch nicht lange zum römischen Reich gehörten, herrschte eine konservative Grundstimmung 5 . Decius selbst stammte aus diesen Milieus und pflegte gute Kontakte zu den Traditionalisten.
1.3 Politische Maßnahmen des Kaisers vor dem Opferedikt
Nachdem Decius seine Macht gegenüber seinem Vorgänger durchgesetzt hatte, machte er sich sofort daran Maßnahmen zur Legitimierung seiner Macht und zur Lösung der schwerwiegenden Probleme zu ergreifen. Neben militärischen Aktionen zur Stabilisierung der Lage in den bedrohten Grenzprovinzen führte Decius auch zahlreiche innenpolitische Maßnahmen durch, die die oben genannten konservativen Strömungen in Sachen Religion aufgriffen und in Richtung Opferedikt deuten. Exemplarisch sollen hier zwei der bekannteren Maßnahmen vorgestellt werden.
2 Christ, Kaiserzeit, S. 562 ff.; Sommer, Soldatenkaiser, S. 114 f.
3 Christ, Kaiserzeit, S. 562 ff.; Géza Alföldy: Die Krise des Imperium Romanum und die Religion Roms. In: Eck,
Werner (ed.): Religion und Gesellschaft in der römischen Kaiserzeit. Kolloquium zu Ehren von Friedrich
Vittinghoff. Köln; Wien 1989, S. 94 ff.; Karl Strobel: Das Imperium Romanum im „3. Jahrhundert“: Modell einer
historischen Krise? Zur Frage mentaler Strukturen breiterer Bevölkerungsschichten in der Zeit von Marc Aurel bis
zum Ausgang des 3. Jh. n. Chr. Stuttgart 1993, S. 334 ff.
4 Christ, Kaiserzeit, S. 700 f.; Sommer, Soldatenkaiser, S. 114 f.
5 Alföldy, Krise, S. 99 ff.; Joachim Molthagen: Der römische Staat und die Christen im zweiten und dritten
Jahrhundert. Göttingen 2 1975, S. 74 f.
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Arbeit zitieren:
Marco Kunze, 2005, Das Opferedikt des Kaisers Decius und seine Auswirkungen - restaurative Religionspolitik oder Innovationsmodell?, München, GRIN Verlag GmbH
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