Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis................................................................................................................................... 2
1. Einleitung 3
2. Der Propagandabegriff 4
2.1 Theoretische Herleitung 4
2.2 Propaganda als medienvermittelte Beeinflussung. 5
2.3 Formen von Propaganda. 6
3. Feindbilder, Stereotypen, Mittel und Methoden: Der Kalte Krieg als Propagandakrieg 7
4. Der Ost-West-Konflikt als Propagandakrieg im geteilten Deutschland von 1945 bis 1961 9
4.1 Institutionelle Einflussnahme 9
4.1.1 Propagandaorgane in der DDR. 9
4.1.2 Propagandaorgane in der Bundesrepublik Deutschland. 10
4.2 Der Kalte Krieg als Ätherkrieg 11
4.3 Rundfunkpropaganda aus dem Westen - RIAS. 12
4.4 Rundfunkpropaganda aus dem Osten. 14
4.4.1 Der Deutschlandsender. 14
4.4.2 Berliner Rundfunk und Berliner Welle 15
4.4.3 Radiopropaganda durch die Geheimsender Deutscher Freiheitssender 904 und Deutscher
Soldatensender 935 16
4.5 Fallbeispiel: Der Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 im Radio und in anderen Medien 17
5. Fazit und Ausblick 19
Literaturverzeichnis. 22
Abbildungsverzeichnis 26
2
1. Einleitung
„Während viele Einwohner der stark zerstörten Stadt Koblenz in erdrückenden Wohnverhältnissen leben müssen, wird in Kürze ein Großbau für das alliierte Sicherheitshauptamt, die Dachorganisation der westlichen Besatzungsmächte für die Industriespionage, in Angriff genommen. Für den Wohnungsbedarf dieses Sicherheitshauptamtes müssen jetzt das Koblenzer Schloß mit seinen Nebentrakten, das Schloßrondell, die Villenkolonie in den Rheinanlagen sowie Wochenendhäuser auf der Rheininsel Oberwerth aufgebaut werden. Ferner werden Golfplätze angelegt. Die Kosten, die allein für das Schloß 17 Millionen DM betragen, müssen aus Steuergeldern aufgebracht werden. (…) Greifen wir uns auch heute aus der Fülle der vorliegenden Meldungen einige Beispiele heraus: In der am meisten zerstörten thüringischen Stadt Nordhausen werden 100 Wohnungen, eine Landesverwaltungsschule, ein Lehrlingswohnheim und ein Jugendheim gebaut. (…) In Potsdam wird der stark zerstörte Bahnhof wieder aufgebaut, ferner 500 Wohnungen und ein Kulturhaus errichtet (…). Das ehemalige Schloß Pomssen im sächsischen Kreis Grimma wurde in ein Kindererholungsheim umgebaut.“ (zitiert aus dem Programm des Deutschlandsenders, Februar 1950; Arnold 2002: 285)
Im Osten des geteilten Deutschlands wird - dem Sozialismus sei Dank - der zivile Wiederaufbau vorangebracht, während sich im bundesrepublikanischen Koblenz die westliche Besatzungsmacht nicht der miserablen Wohnsituation der Bürger, sondern dem Aufbau eigener Spionageanlagen annimmt. Diese noch eher gemäßigte, subtile Art der Agitation ist eines von unzähligen Beispielen für die Propaganda, wie sie zu Beginn des Kalten Krieges, von 1945 bis 1961 üblich war. Gemäßigt deshalb, weil Propaganda auch in Form von übelster Feind-Diffamierung stattfand. Der „antifaschistische Schutzwall“ ist dabei sicherlich als Euphemismus eine der prägnantesten Schöpfungen der SED-Propaganda. Doch auch in der Bundesrepublik griff man auf Propaganda zurück, um die eigene Machtposition abzusichern und die Ostbevölkerung von den eigenen Positionen zu überzeugen. Deutschland war als Frontlinie des Kalten Krieges dabei der ideale Ort insbesondere um Rundfunkpropaganda zu betreiben, konnte man doch, gelegentlich durch Störsender behindert, das Gebiet des jeweiligen Klassenfeindes problemlos erreichen(vgl. u.a Arnold 2004; Lindenberger 2004; Stöver 2004).
Die zentralen Fragen, die im Rahmen dieser Arbeit geklärt werden sollen, sind dabei: Was ist Propaganda, inwiefern wurde Propaganda zu Beginn des Kalten Krieges in Deutschland eingesetzt, welche Rolle spielte dabei das Radio und welche staatlichen Institutionen steckten hinter der Ostbzw. Westpropaganda?
Um diese Fragen abschließend zu beantworten, wird dabei zunächst das Augenmerk auf den Propagandabegriff, dessen theoretische Herleitung sowie verschiedene Formen der Propaganda gelenkt. Da sich die Arbeit schwerpunktmäßig mit der Radiopropaganda auseinandersetzt, wird Propaganda zudem als medienvermittelte Art der Beeinflussung vorgestellt. Darauf folgend wird kurz skizziert, was den Kalten Krieg als Propagandakrieg auszeichnete, indem die gängigen Feindbilder, Stereotypen und Mittel beziehungsweise Methoden eingeführt werden.
Während im Osten zunächst die Sowjetische Militäradministration (SMAD) bestimmte, entstand nach
3
DDR-Gründung die Abteilung Agitation und Propaganda beim Zentralkomitee der SED. Welchen Einfluss dieser Apparat und als westliches Pendant das Ministerium für gesamtdeutsche Fragen auf die jeweilige Propaganda hatten, wird in Abschnitt vier der Arbeit geklärt, ehe anschließend die Rundfunkpropaganda des wichtigen Mediums Radio im so genannten „Ätherkrieg“ erörtert wird. Dabei wird der Blick insbesondere auf den „Rundfunk im amerikanischen Sektor“ (RIAS) auf Seiten des Westens und auf Berliner Rundfunk und Deutschlandsender seitens SED gelenkt. Ehe mit Fazit und Ausblick die Arbeit beschlossen wird, soll das Fallbeispiel des Arbeiteraufstands vom 17. Juni 1953 in Ostberlin und die Rolle der Medien, insbesondere des Rundfunks, vorgestellt werden.
2. Der Propagandabegriff
2.1 Theoretische Herleitung
Der Begriff der Propaganda wurde verschiedenartig definiert und hat dabei selbst eine bewegte Geschichte durchlaufen. Geprägt wurde der Begriff (lat. ausstreuen, ausbreiten fortpflanzen) erstmals durch die katholische Kirche als Terminus für die Missionstätigkeit der Kirche. Eine erste negative Konnotation des Propagandabegriffs erfolgte mit der Aufklärung, als der Congregatio de propaganda, einem adeligen Geheimbund, die Fremdbestimmung anderer Menschen zu Last gelegt wurde. Mit dem 19. Jahrhundert erlebte der Begriff einen Aufschwung. Vor allem die Vorstellungen der Jakobiner, die Werte der französischen Revolution in Nachbarländern publik zu machen, wurden als Propa-ganda bezeichnet. Auch im Rahmen der deutschen Revolution 1848/49 hielt der Propagandabegriff im Rahmen der öffentlichen Bekanntgabe der Programme bzw. Meinungen der verschiedenen Konfliktparteien Einzug. Eine positive Konnotation erhielt der Propagandabegriff in der Arbeiterbewegung des späten 19. Jahrhunderts. Wie später im real existierenden Sozialismus wurde hier Propaganda vielmehr synonym mit Worten wie Aufklärung oder Schulung verwendet (vgl. Bussemer 2005: 24ff.).
Eine entscheidende Wendung in der Propaganda ging mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges einher. Die Beeinflussung des Feindes durch Diffamierung oder Rechtfertigung der eigenen Ziele, machte Propaganda zu einer militärischen Aufgabe.
Die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Propagandabegriff begann mit den 1920er Jahren. Der deutsche Soziologe Johann Plenge definierte Propaganda als „Verbreitung geistiger Antriebe, die Handlungen auslösen sollen“ (zit. nach Bussemer 2005:27). Plenge hielt fest, dass Propa-ganda vielmehr eine Idee sei, die jedoch auf konkrete Veränderungen in der Realität abziele. Ferner stellte sich für ihn Propaganda als Werbung um Zustimmung dar. Einen weiteren Definitionsversuch lieferte der Public Relations-Pionier Edward Bernays, der zwischen historischer und moderner Pro-paganda unterschied und die moderne Variante als Konzeption darstellte, die der Planung bedürfe und durch wissenschaftliche Erkenntnisse der Sozialwissenschaften gespeist werden müsse. Als Managementaufgabe sah der Pionier der Propagandaforschung, Harold D. Lasswell, die Propaganda an. Sein definitorischer Fokus lag dabei auf der Steuerung von Einstellungen großer sozialer Gruppen sowie
4
auf der semiotischen Betonung von Symbolen, Bildern, Gesten und deren Relevanz für Propaganda mittels Manipulation (vgl. Bussemer 2005: 27f.).
Während sich seit den 1920er Jahren definitorische Abhandlungen des Propagandabegriffs soweit ausdifferenziert hatte, dass er heute noch in der Sozialwissenschaft Gültigkeit besitzt, lieferte Gerhard Maletzke 1972 eine umfassende Definition. Er beschrieb Propaganda als geplante Versuche, mittels Kommunikation Meinungen und Verhaltensweisen von Zielpersonen unter politischer Zielsetzung zu beeinflussen. Somit ist Propaganda nicht als an einen etwaigen Erfolg gekoppelt sondern als reine Absicht definiert. Durch die Betonung der gezielten Beeinflussung setzt sich der Begriff hier eindeutig von bloßer Wissensvermittlung ab. Gleichzeitig ist Propaganda ähnlich wie bei Bernays hier ein Prozess, der der Planung und Organisation bedarf. Zu guter Letzt sagt Maletzkes Definition aus, dass der Terminus eine Veränderung von Einstellungen durch Kommunikation meint, die ohne äußeren Druck von statten geht und diese Einstellungsänderung auch durchaus durch medienvermittelte Kommunikation hervorgerufen werden kann (vgl. ebd.:28). „Die Einbeziehung von Zielgruppen in die Definition streicht heraus, dass nur bestimmte Publika für die jeweiligen Zwecke der Propa-gandisten interessant sind und dass diese mittels analytischer Verfahren identifizierbar sind.“(ebd.)
2.2 Propaganda als medienvermittelte Beeinflussung
In jüngster Vergangenheit ist der Definitionsdiskurs vor allem durch den Ansatz von Klaus Merten neu begründet worden. Propaganda sei „seine Technik zur Akzeptanz angesonnener Verhaltensprämissen, bei der die kommunizierte Botschaft durch Reflexivisierung generalisierte Wahrheitsansprüche erzeugt, deren Akzeptanz durch Kommunikation latenter Sanktionspotenziale sichergestellt wird.“ (Merten 2000: 161) Merten zufolge ist Propaganda an kein bestimmtes Medium gekoppelt, sondern eine kommunikative Machtausübung, die „nur als mehrstellige Relation (zwischen Kommu-nikator, Rezipient und Situation) zufriedenstellend zu erklären ist.“(ebd.) Ferner drückt diese Definition aus, dass die Kunst der Propaganda darin besteht, ungewöhnliche Positionen als normal und richtig darzustellen. Merten führt auch an, dass Propaganda als Zwangskommunikation bei Ablehnung sanktioniert werden kann. Die angedrohte Sanktionierung, die mit negativen Konsequenzen verbunden ist, ist dabei Teil der Propaganda und deren Kommunikation (vgl. Bussemer 2005: 29). Führt man die genannten Definitionen zusammen so lässt sich zum Begriff Propaganda sagen, dass er Kommunikation meint, die nicht reale sondern die kognitiven/subjektiven Realitätsstrukturen von Menschen verändert. Dabei ist Propaganda medial oder symbolisch. Durch die verursachten Realitätsveränderungen existieren auch noch dann die propagandistischen Botschaften, wenn propagandistische Einflüsse bereits nicht mehr wirken. Des Weiteren basiert Propaganda als Technik auf einer Strategie, deren Ziel die Umsetzung von politischen Zielen ist. Um solche Botschaften wirksam zu streuen, ist Propaganda auf Medien angewiesen. Hintergedanke ist dabei, dass die öffentliche Meinung nur durch Medien beeinflusst werden kann und diese wiederum Einfluss auf politische Entscheidungen ausübt. Zusätzlich lässt sich festhalten, dass Propaganda auf Überredung abzielt. Men-
5
schen sollen vom Einnehmen einer spezifischen Meinung zu einem Thema und von einem entsprechenden Handeln überzeugt werden. Gleichzeitig ist auch die Bestärkung von Menschen bei bestehenden Meinungen als Propaganda zu bezeichnen. Zentral für Propaganda ist die Nutzung von Bildern und Sprache, welche manipuliert werden, sodass im Laufe der Rezeption neue Verbindungen zwischen vorhandenen positiven und negativen Einstellungen und bestimmten Sachverhalten hergestellt werden. Funktionieren tut dies mittels semiotischer Kopplungen („Schotten sind geizig“) oder mittels der Fakten-Verfälschung. (vgl. Bussemer 2005: 30).
Medien spielen in der Propaganda eine entscheidende Rolle, sie haben eine sehr große Reichweite. Wie bereits angesprochen, macht man sich zunutze, dass Medien mit ihrer Themenagenda die öffentliche und damit individuelle Themenagenda bestimmen. Es handelt sich um sogenannte Agendasetter. Somit nehmen Rezipienten Nachrichten erst aus zweiter Hand auf. Ferner ist es für Propaganda reizvoll, diese Agenda auch durch die mediale Überrepräsentation bestimmter Eliten (Politiker, Militärs) zu beeinflussen. Propaganda geht dabei meist von einem politischen System aus, ist auf den Erhalt und den Gewinn von Macht ausgerichtet und kann dabei durchaus auch durch Zwangsmaßnahmen wie der Gleichschaltung der Medien oder der Zensur erfolgen. Propagandistische Nachrichten sind hierbei größtenteils ideologisiert und transportieren ein bestimmtes Weltbild. Dass man sich auf das Publikum, welches man erreichen will, durch eine Anpassung an deren Meinungen, Rezeptionsgewohnheiten und Erwartungen orientiert ist eine weitere Facette der Propaganda, wobei es festzuhalten gilt, dass Propaganda keinesfalls der echten Wahrheit verpflichtet ist. Vielmehr wird Wahrheit gezielt dort gestreut, wo es eigene Vorhaben untermauert (vgl. ebd.:31f.).
2.3 Formen von Propaganda
Propaganda lässt sich vielschichtig unterscheiden. Wird beispielsweise im Krieg versucht, die Moral in der Heimat zu stärken, die Beziehungen zu Verbündeten propagandistisch heroisiert und die zu Feinden bekämpft, so spricht man von Kriegspropaganda. Auch die reine Diffamierung des Feindes kann als Propaganda bezeichnet werden. Diese Form wird größtenteils militärisch durchgeführt. Dies macht sich nicht zuletzt im Begriff der psychologischen Kriegsführung deutlich. Eine weitere Unterscheidung lässt sich in Form von weißer, durch klar erkennbare Medien kommunzierte, und schwarzer, durch nicht erkennbare Medien wie nicht identifzierbare Radiostationen, Propaganda treffen. Mit dieser Art der Propaganda ließen sich beispielsweise, wie in dieser Arbeit in Form von DDR-Geheimsendern noch vorgestellt wird, Zielgruppen erreichen, die die offene, also weiße Propaganda kategorisch nicht wahrnehmen, während diese nicht klar erkennbare Propaganda eher aufnehmen. Auch der Reiz des Geheimen kann hierbei im Sinne der Propagandisten förderlich sein. (vgl. Bussemer 2005: 31f).
Bussemer (2005) unterscheidet überdies vier verschiedene Verständnisarten der Propaganda. Mit dem polemischen Verständnis ist der relativ oberflächliche Sprachgebrauch des Wortes gemeint, die zumeist eine sehr subjektive Wahrnehmung der Realität als Propaganda meint. Das „kurfristig-
6
taktische“ Verständnis ist insbesondere in militärischen Kreisen verbreitet und sieht Propaganda als Werkzeug an, dass kurzfristig angewandt wird. Mit dem Kampagnenverständnis ist hingegen eine Propagandastrategie gemeint, die den Fokus auf ein festes Ziel wie beispielsweise die Wahlkämpfe der Nationalsozialisten in den 1930er Jahren richtet. Zu guter letzt führt Bussemer Propaganda als primäre Integrationsagentur der Gesellschaft und Propaganda als Normalmodus gesellschaftlicher Kommunikation an. Ersteres meint, dass Propaganda mittels Kommunikation der Integration von Personen in ein Gesellschaftssystem dient. Diese Art kann entweder institutionell geplant als auch unbewusst durch Gesellschaftsmitgliedern geschehen. Die zweitgenannte Form der Propaganda meint, dass eine medienzentrierte Öffentlichkeit und gesellschaftlicher Pluralismus Propaganda automatisch hervorbringen, da unterschiedliche Interessensgruppen um Aufmerksamkeit kämpfen. Öffentlichkeit ist durch Propaganda geformt und wird durch sie auch zusammengehalten. Propaganda wird somit als strukturierendes Element der Massenkommunikation gedacht (vgl. ebd.: 33f.).
3. Feindbilder, Stereotypen, Mittel und Methoden: Der Kalte Krieg als Propagandakrieg Wenngleich der Ost-West-Konflikt militärisch zwischen den beiden damaligen Supermächten USA und UDSSR nicht eskalierte und man daher vom Kalten Krieg spricht, lieferten sich die konkurrierenden Ideologien gerade durch Massenmedien einen erbitterten Schlagabtausch der Propaganda. Massenmedien dienten dabei im Kalten Krieg häufig als Elemente von Propaganda und Gegenpropa-ganda und somit als ideologische Botschaften der Konfliktparteien. Während man im Westen zu Begriffen wie „Antikommunismus“, „Antibolschewismus“, „Freiheitskampf“ und „christlichem Abend-land“ tendierte, kamen aus dem Osten die Schlagworte „Antiimperialismus“, „Antifaschismus“, „Friedenskampf“ und „Sozialismus“. Letztlich beanspruchten beide Seiten der anderen ideologisch überlegen zu sein, wahrhaft humanistische, aufklärerische Werte zu vertreten und den kulturellen Fortschritt anzustreben (vgl. Lindenberger 2004: 28f). Derartiges propagandistisches Agieren war gleichzeitig an ein Reagieren auf den Gegner gekoppelt. Auf beiden Seiten versuchte man daher vor allem in den eigenen Reihen einer Freund-Feind-Logik folgend vorzugehen. In Amerika zeigte sich dies durch den McCarthyismus, der einer antikommunistischen Hexenjagd ähnelte, in der UDSSR war es vor allem die „Zwei-Lager-Theorie“ des sowjetischen Chefideologen Schdanow, wonach es nur Antiimperialismus und Imperialismus beziehungsweise Kommunismus und Antikommunismus gäbe. In der kommunistischen Hemisphäre machte sich diese Haltung vor allem durch die „Schdanowschtschina“ bemerkbar, womit die ideologische-kulturelle Säuberungskampagne Schdanows gemeint ist, in deren Folge alles westlich Anmutende entfernt wurde (vgl. ebd.).
Sowohl der Westen als auch der Osten bemühten sich, sich medial Gehör zu verschaffen. Wie bereits erwähnt erfolgte dies intern, um die eigene Position zu stärken, und extern um die Bevölkerung des Feindes zu überzeugen. In den USA wie in der UDSSR bildeten sich schnell hierarchische Strukturen, die für Propaganda verantwortlich wurden. So stelle der Smith-Mund-Act von 1948 die gesetzliche Grundlage für den Aufbau von Informationsdiensten in den USA dar. Ziel war die Kommunikation
7
der US-Positionen zur Weltpolitik. Vor allem die CIA unterhielt alsbald zahlreiche Abteilungen zur psychologischen Kriegsführung. Aufgaben waren hier unter anderem auch das „Emotionsmangement der latent vom Atomtod bedrohten Bevölkerung zu Hause [sowie] die internationale Zersetzungsarbeit.“ (Bussemer 2005:339). Weitere Einrichtungen wie das Bureau of Public Affairs oder das United States Information Agency (USIA) entstanden in den frühen Jahren des Ost-West-Konflikts und erhielten ihre Vorgaben direkt von US State Department. Eines der wichtigsten Propagandaorgane der Vereinigten Staaten war dabei der Radiosender Voice of America (VOA) (vgl. Bussemer 2005: 339). In der östlichen Hemisphäre wurde die Propaganda vornehmlich durch die kommunistische Partei mit vielschichtigen speziellen Propagandaabteilungen organisiert, wobei in der Sowjetunion der Begriff der Agitation, also vielmehr der politischen Aufklärungsarbeit in leninistischer Tradition gebraucht wurde. Während auch die Sowjetunion zum propagandistischen Mittel Medien griff, wurde hier die Stärke der sozialistischen Ideologie auch durch Massenaufmärsche inszeniert. Dabei appellierte man vornehmlich an die kommunistische Internationale und diffamierte den Westen in den bereits anfangs beschriebenen Stereotypen (vgl. Merten 2001: 147ff.).
Ein besonderes Mittel der Ost- sowie der Westpropaganda war die Stilisierung von Feinbildern und die Nutzung persuasiver Botschaften. Hiermit versuchte man die eigene ideologische Gemeinschaft gegen den jeweiligen Konkurrenten abzuschließen um innere Stabilität zu gewinnen (vgl. Engels 2004: 68). Typisch für diese Form der Propaganda war die Verwendung von Schlagwörter, Neologismen und Metaphern. Schlagwörter dienten dabei meist der programmatischen Festlegung, Metaphern der Simplifizierung der abstrakten Welt (vgl. Pörksen 1999: 62ff.). Die drei häufigsten Varianten des persuasiven, also überzeugenden, Sprachgebrauchs sind Krankheitsmetaphorik, die Metaphorik der Theaterwelt sowie Militär- und Kampfmetaphorik. Auch diese Formen der Propaganda wurden als Mittel zum Aufbau eines starren Freund-Feind-Bildes im Kalten Krieg genutzt, wie beispielsweise Plakate wie „Moskau will das Ruhrgebiet“ (siehe Abbildung 1, Abbildungsverzeichnis) oder „Von den Sowjetmenschen lernen heißt siegen lernen“ (siehe Abbildung 2) mit ihrer Angst schürenden Darstellungsweise dokumentieren. Diese Beispiele zeigen, dass die Nutzung von Feinbildern an eine negative, schimpfwortartige Bezeichnung des Feindes gekoppelt ist. Nicht selten wurde dabei auch unterschwellig ein Tötungsaufruf gesendet, beispielsweise durch die Darstellung von Ungeziefer (siehe Abbildung 3). Auch die Ausnutzung von Ängsten (Angst vorm Atomkrieg, Angst vorm Feind) wurde hier gezielt eingesetzt (siehe Abbildung 4 & 5) (vgl. Pörksen 1999: 68ff.). Doch auch die Glorifizierung eigener Errungenschaften oder die Darstellung der Überlegenheit der westlichen Welt bzw. der Sowjets wurden propagandistisch zur Schau gestellt (siehe Abbildung 6). Am Beispiel der Stereotypen des transportierten Feindbildes in den Zeitungen Neues Deutschland und in Zeitungen des Springer-Konzerns lassen sich die jeweiligen Feindbilder nachvollziehen. So schreibt das Neue Deutschland von West-Berlin als „Rattennest“ und „Frontstadt“ sowie vom Westen als „Faschisten“, „Banditen“, „Ultras“, „OAS-Banditen“, „Kreaturen“, während Springer Ost-Berlin als „Ullbrichts KZ“ und die DDR als „KZ-Schergen“, „KZ-Wächter“, „Mauerbauer“, „Regime“,
8
„Grenzpolizei“, „Menschenjäger“ bezeichnet. In der Ost-Presse spricht man vom „antifaschistischen Schutzwall“, im Westen vom „Schandwall“, „Ulbricht-Mauer“, „Todesstreifen“ (vgl. Engels 2004: 124 bzw. 114).
Eine weitere Methode der wirksamen Propaganda war im Osten wie im Westen die Konstruktion von Heldenfiguren. Insbesondere in kommunistischen Staaten diente die Hochstilisierung von Helden zur Integration und Anleitung der Gesellschaft. Der Held als solcher sollte dabei das Vertrauen der Massen gewinnen und fungierte als ideologische Werbefigur. In der DDR waren dies vor allem Kulturhelden wie der Held der Arbeit. Der politische Führer-Held sowie Kriegerhelden wurden insbesondere zur Legitimation der eigenen Politik genutzt. Diese Heldenverehrung war eng mit den Schriften Maxim Gorkis verbunden, der in den 1920er Jahren entscheidend den sozialistischen Heldenkult prägte. Eine derart staatlich bestimmte Heldenverehrung gab es im Westen indes nicht. So feierte man die Opfer des 17. Juni. Der durch DDR-Grenzsoldaten erschossene Peter Fechter wurde zur Symbolfigur für den DDR-Unrechtsstaat (vgl. Engels 2004: 70ff.).
4. Der Ost-West-Konflikt als Propagandakrieg im geteilten Deutschland von 1945 bis 1961
4.1 Institutionelle Einflussnahme
4.1.1 Propagandaorgane in der DDR
Bis 1949 wurde auf dem Gebiet der späteren DDR eine Kontrolle durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) ausgeübt. Für strenge Zensur stand dabei die Propagandaabteilung unter Sergei Tjulpanow. Medien unterlagen der Lizensierung und wurden für sowjetische Propaganda genutzt. In der DDR selbst unterlagen sämtliche Medien einer strengen Kontrolle. Die Überwachung der SED-Presse erfolgte durch die Abteilung Agitation und Propaganda beim Zentralkomitee der SED. Hier wurde Vorzensur betrieben, in dem nicht alle Information an die Presse weitergeben wurde. Die Machtfülle der Abteilung Agitation war nahezu unbeschränkt, so bestimmte man in den 1980ern Jahren nahezu über den kompletten gesendeten Inhalt und Ablauf der Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“. Weitere Medienlenkungsgremien waren das Presseamt (beim Vorsitzenden des Ministerrats, das Staatliche Komitee für Rundfunk und später das Staatliche Komitee für Fernsehen). Das Presseamt beschäftigte sich maßgeblich mit der Lizensierung der Presse. Wer ein Presserzeugnis in der DDR herausgeben wollte, musste eine Genehmigung einholen (siehe Abbildung 7: Lizensie-rungsurkunde der Volkszeitung). Diese Lizenz konnte jederzeit eingezogen werden. Des Weiteren nahm das Presseamt Einfluss auf die Bestimmung der Auflage, des Papierkontingents, inhaltlicher und sprachlicher Regelungen sowie Nachzensur, sprich Indizierung. Das Staatliche Komitee für Rundfunk beim Ministerrat übernahm die Kontrolle der Programmplanung und -überwachung von Hörfunk und bis 1968 auch von Fernsehen. Danach entstand das Staatliche Komitee für Fernsehen, was sich allein den Fernsehinhalten widmete (vgl. Holzweißig 2002).
Als das „wichtigste und effektivste Instrument der SED-Informationsdiktatur“ beschreibt Holzweißig (1999: 584) den Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst (ADN), der direkt durch das Presseamt
9
Arbeit zitieren:
Martin Höfelmann, 2009, Der Ost-West-Konflikt als Propagandakrieg: Ost- und Westpropaganda im geteilten Deutschland von 1945 bis 1961 mit Schwerpunkt Radiopropaganda, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Punk in der DDR. Wahre Rebellion oder Spaßnische
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit, 26 Seiten
Akzente Waltherscher Minnekonzeption
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 32 Seiten
Mittelalterliche Literatur im Unterricht
Moderne Lyrik im Themenspektru...
Hausarbeit (Hauptseminar), 36 Seiten
Rock'n'Roll vs. Lipsi - the Influence of American Popular Cult...
Amerikanistik - Kultur und Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Louis Althussers Verständnis von Ideologie in seinem Aufsatz 'Ideo...
Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe
Seminararbeit, 22 Seiten
Die Rolle der Frau in der Reinmar-Walther-Fehde
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 19 Seiten
Eine Untersuchung zum Punk unter Berücksichtigung der Foucaultschen Ma...
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Seminararbeit, 24 Seiten
Tradtitionen utopischer Staatsentwürfe und Robinsonaden
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Kulturpolitik in der DDR am Beispiel der Literatur
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Facharbeit (Schule), 25 Seiten
Thomas Bernhards „Die Macht der Gewohnheit“ - Untersuchung der Einflüs...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Arten und Darstellungsmittel sexueller Interaktion am Beispiel eines W...
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Sprechakte - was tun wir, wenn wir sprechen?
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 24 Seiten
Literarische Konstrukte - Untersuchungen zur Reinmar-Walther-Fehde
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Marlen Haushofers "Die Wand" - Eine Robinsonade?
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 20 Seiten
Zu: "Die Wand" von Marlen Haushofer
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Martin Höfelmann's Text Der Ost-West-Konflikt als Propagandakrieg: Ost- und Westpropaganda im geteilten Deutschland von 1945 bis 1961 mit Schwerpunkt Radiopropaganda ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Martin Höfelmann hat den Text Der Ost-West-Konflikt als Propagandakrieg: Ost- und Westpropaganda im geteilten Deutschland von 1945 bis 1961 mit Schwerpunkt Radiopropaganda veröffentlicht
Martin Höfelmann hat einen neuen Text hochgeladen
Der institutionelle Wandel der KSZE/OSZE nach dem Ende des Ost-West-Ko...
Formen und Wandel von Sicherhe...
Eva Maria Velickovic
Entdecken und Verstehen Heft 5. Vom Ost-West-Konflikt bis zur Gegenwar...
Arbeitsheft mit Lösungsheft
Hagen Schneider
Die neue Ost-West-Arbeitsteilung
Arbeitsmodelle und industriell...
Ulrich Jürgens, Martin Krzywdzinski
0 Kommentare