Pressefreiheit kennen sowie die Arbeit des Presserates. In der dritten Stunde der Einheit beschäftigten sich die Schüler mit der Frage „Wie unterscheiden sich öffentlich-rechtliche und private Sender? In der Stunde, die der heutigen voranging, wurde die Frage „Internet - Chance oder Gefahr?“ behandelt. Heute geht es um die Problematik von Gewalt in den Medien. In der folgenden Stunde werden sich die Schüler selbstständig mit der Kampagne „Schau hin“ der „alten“ Bundesregierung beschäftigen und eine eigene Meinung zu der Frage „Medien - Fluch oder Segen?“ formulieren.
4. Sachanalyse
Nach dem Amoklauf von Emsdetten im November vergangenen Jahres häuften sich die Forderungen von Politkern nach einem Verbot so genannter Killerspiele. Diese werden häufig als Auslöser solcher Taten gesehen, denn schon nach dem Amoklauf 2002 in Erfurt sahen einige Experten darin die Ursache. Allerdings sind sich Wissenschaftler und Experten nicht immer einig darüber, ob gesehene Gewalt Gewalt erzeugt. Je nach Art der Durchführung der Studie - zum Teil auch nach dem Auftraggeber der Studie - unterscheiden sich die Ergebnisse. In den Medien und der wissenschaftlichen Forschung werden folgende Thesen vertreten: Auf der einen Seite stehen die These der Wirkungslosigkeit und die Katharsis-Hypothese (Betrachtung von Gewalt verringert die Gewalt), auf der anderen Seite stehen die Habitualisierungsthese (Gewaltdarstellungen führen zu einer Gewöhnung an Gewalt oder zu einer Abstumpfung) und die Stimulationsthese (Modelle können aggressives Verhalten fördern). Sicher ist, dass es gerade für Jugendliche schwer ist, zwischen fiktiver und reeller Gewalt zu unterscheiden. Jugendliche, die nach Konfliktlösungsansätzen suchen, können durch einseitig dominierende Lösungsmuster in Form von Gewalteinsatz zu einer Verstärkung ihrer Gewaltbereitschaft veranlasst werden. 2 In jüngster Zeit gehen die Studien zu diesem Thema in Richtung der Doppelten-Dosis-Hypothese. Diese berücksichtigt von vornherein besonders stark das Umfeld des Betrachters. So scheint es, dass jene die schon in der Familie viel reale Gewalt erfahren und zusätzlich noch viel Gewalt in den Medien erleben, besonders anfällig sind, selbst Gewalt auszuüben. Das heißt, dass die Medien allein vermutlich nicht gewalttätig machen. Ihre Wirkung kann aber zusammen mit anderen Ursachen die Wahrscheinlichkeit einer Gewaltanwendung erhöhen.
5. Didaktische Überlegungen
Das Thema der heutigen Stunde betrifft vor allem die Altersklasse der Schüler, da sie die Konsumenten solcher Spiele sind und die gefährdete Gruppe darstellen. Sie sollen sich deshalb in dieser Stunde mit dem Problem von Gewalt in den Medien auseinandersetzen und sich Möglichkeiten überlegen, was Familie, Politik und Schule dagegen tun können.
Das Thema ist der Lehrplaneinheit 1 „Der einzelne in der Gesellschaft“ zugeordnet. In der Unterrichtseinheit „Massenmedien in der modernen Gesellschaft“ sollen die Schüler einen kritischen und verantwortungsvollen Umgang mit dem Medienangebot lernen. Deshalb wird das heutige Thema erst behandelt, nachdem die einzelnen
2 Bundeszentrale für politische Bildung - Druckversion: Massenmedien (Heft 260), S. 12
2
Medienangebote genauer betrachtet wurden. Allerdings kann das Thema nicht in der Ausführlichkeit behandelt werden, wie dies die Wissenschaft tut. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema würde die Schüler überfordern und könnte auch nicht in einer Schulstunde behandelt werden. Deshalb soll die Diskussion der Experten nur angeschnitten werden und die Fachbegriffe der einzelnen Thesen außer Acht gelassen werden.
6. Methodische Überlegungen
Die Stunde beginnt mit der Erzählung der Geschehnisse am 26. April 2002 in Erfurt. Dies soll die Aufmerksamkeit der Schüler wecken. Der Lehrer nennt dann die Zielsetzung der Stunde „Erzeugt gesehene Gewalt Gewalt?“. Dann sollen erste Reaktionen und Gefühle der Schüler auf diese Tat eingefangen werden. Dies soll einen Bezug zur Lebenswirklichkeit der Schüler herstellen. Die Schüler sollen nun ihre Meinung zu der Stundenfrage äußern.
In der folgenden Erarbeitungsphase sollen die Schüler in Einzelarbeit arbeitsteilig je eine Quelle zu dem Thema erarbeiten. Auf diese Weise soll die eigenständige Texterarbeitung geübt werden. Danach werden die erarbeiteten Ergebnisse im Unterrichtsgespräch vom Lehrer an der Tafel festgehalten und von den Schülern abgeschrieben. Anschließend soll die Frage im Mittelpunkt stehen, was man tun kann, um der Gewalt vorzubeugen. Diese Frage wird arbeitsteilig mit der Placemat-Methode erarbeitet. Die Methode ist den Schülern zwar bekannt, aber sie wird in der heutigen Stunde leicht abgeändert, da sie arbeitsteilig erfolgt, deshalb werden die Arbeitsanweisungen auch auf Folie gegeben. Die Methode läuft folgendermaßen ab: Es bilden sich 4er bzw. 3er Gruppen. Jede Gruppe bekommt ein vorgefertigtes DIN A 3 Blatt, auf dem sich 4 bzw. 3 Felder befinden und in der Mitte des Blattes ein Viereck bzw. Dreieck abgebildet ist. Jeder Schüler hat nun ein Schreibfeld zur Verfügung, in das er seine Gedanken in Stickworten zu der Frage äußern kann. Anschließend wird das Blatt gedreht und der nächste Schüler kann die Äußerungen lesen. Es wird solange gedreht, bis alle in der Gruppe von jedem die Beiträge gelesen haben. Danach haben die einzelnen Gruppen Zeit, über die Beiträge zu diskutieren und sich auf ein Ergebnis zu einigen, das in das Viereck bzw. Dreieck geschrieben wird.
Diese Methode eignet sich hervorragend für den Gemeinschaftskundeunterricht, da sich hierbei jeder Schüler zu einem Thema Gedanken machen und diese schriftlich äußern muss.
Daran anschließend diskutieren die Schüler in den Gruppen und präsentieren ihr Ergebnis der Klasse. Der Lehrer schreibt bei der Präsentation an der Tafel mit und die Schüler übernehmen das Tafelbild in ihr Heft.
6. Lernziele der Stunde Die Schüler sollen
• sich selbst eine Meinung über das Thema bilden
• Expertenmeinungen zu dem Thema diskursiv erarbeiten
• ihre eigene Meinung reflektieren
• Lösungsansätze für Politik, Familie und Schule finden
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Arbeit zitieren:
2007, Massenmedien in der modernen Gesellschaft: Erzeugt gesehene Gewalt Gewalt? , München, GRIN Verlag GmbH
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