Gliederung
1 Zum Werk 3
2 Analyse „En bateau“ 3
2.1 grobformale Analyse 3
2.2 Analyse: erster Teil 4
2.3 Analyse: zweiter Teil 5
2.4 Analyse: dritter Teil / Reprise 7
3 Zusammenfassung. 8
4 Quellenverzeichnis 9
2
1 Zum Werk
Claude Debussy (1862 - 1918) komponierte die Petite Suite im Laufe des Jahres 1888; es handelt sich also um ein Frühwerk. Am ersten März 1889 spielte Debussy diese zum ersten Mal im privaten Rahmen: In einem Pariser Salon führte er sie gemeinsam mit Jacques Durand, dem Sohn des Verlegers Durand auf, der sie bereits im Februar 1889 verlegt hatte. Der Titel „Suite“ ist typisch für die Vorliebe des jungen Debussys, weil er gerne Tänze frei aneinander reihte und angeblich dadurch die Sonatenhauptsatzform - wegen ihrer komplizierten Durchführungen - mied. 1 Allgemein lässt sich bei den französischen Komponisten 2 nach 1880 die Tendenz zu einer „Renaissance“ des 17. Jahrhundert erkennen. Diese Rückbesinnung auf alte, schlichte Formen steht im Gegensatz zur Gefühlsübersteigerung und Überfrachtung der Musik Wagners. Interessanterweise bezeichnet Debussy den ersten Satz dennoch mit einem außermusikalischen Titel En bateau („Im Boot“) wie nach Art eines romantischen Charakterstücks. War das Stück ursprünglich noch fünfsätzig konzipiert, so verzichtete er auf den mittleren Satz; und so stehen nun also: En bateau, Cortège, Menuet, und Ballet.
Erst nach Debussys kompositorischem Durchbruch mit Pelléas et Mélisande (1892-1902) erfreute sich die Petite Suite immer größerer Beliebtheit und wurde schließlich mehrfach für unterschiedliche Besetzungen bearbeitet und transkribiert. Die berühmteste Orchesterfassung stammt von Henri Büsser.
2 Analyse „En bateau“
2.1 grobformale Analyse
Der erste Satz „En bateau“ ist mit Andantino bezeichnet und steht im 6/8 Takt. Passend zum Titel verwendet Debussy Barkarolen-Rhythmus. Der Satz ist in drei etwa gleichlange Teile ABA´ gegliedert (A von Takt 1-30, B von Takt 31-76, A´ von Takt 77-109). Teil A und A´ sind überwiegend in G-Dur gehalten, der Mittelteil B in der Dominanten-Tonart D-Dur. Dieser klar proportionierte, traditionelle Aufbau - eine dreiteilige Liedform - unterstreicht den cantablen Charakter des Satzes und ist darüber hinaus typisch für den ersten Satz einer herkömmlichen Suite.
1 Vgl. Porten, Zum Problem der „Form“ bei Debussy, in: Schriften zur Musik, Seite 106 f, 1974.
2 Dazu zählen auch Chabrier, Fauré, Ravel, Satie.
3
Auffallend sind die relativ kurzen Phrasen, die oft wiederholt und aneinander gereiht werden, und ebenso auffallend sind die kleinen harmonischen Kühnheiten, die Debussy sehr sachte und immer äußerst charmant eingebaut hat.
2.2 Analyse: erster Teil
Der erste Teil in G-Dur beginnt mit dem 10-taktigen Thema in pianissimo, das durch eine strahlende Dur-Terz am Anfang und durch lang ausgehaltene Noten charakterisiert wird. Das Motiv der ersten beiden Takte (6 Achtel h´´, 4 Achtel g´´, jeweils ein Achtel a´´ und g´´), das sich durch eine sehr einfache Melodik auszeichnet, wird gleich darauf in den Takten 3 mit 4 genau wiederholt. Debussy beginnt seine Reihungstechnik also gleich zu Beginn der Stückes. Er setzt die einstimmige Melodie in die rechte Hand des Primo und lässt diese von gebrochenen Sechzehntel-Dreiklängen im Secondo, die durch die linke Hand des Primo vollendet werden, begleiten. Das erste Thema in G-Dur endet in C-Dur und ließe sich noch funtionstheoretisch wie folgt darstellen: T, Tp, T, Tp, d, d, d, d/T7 mit vorweggenommener Terz S. Jedoch lässt sich hier bereits erkennen, dass Debussy sich von der üblichen Kadenzform gelöst hat und die reizvolle, mediantische Rückung (G-Dur e-moll) auskostet.
Im folgenden Abschnitt (Takt 10-16) durchbricht Debussy den Legato-Charakter durch ein kurzes, wiederkehrendes Staccato-Motiv (abspringende Terz hinunter, klein in Takt 10 und groß in den Takten 12, 13, 14, 15), das auch im Secondo auftritt und sich gegen Ende der Phrase verdichtet. Zusätzlich zur Änderung der Artikulation gestaltet Debussy auch den Rhythmus neu und, indem er als Antagonismus zum regelmäßigen Metrum des 6/8 Taktes Duolen im Secondo bringt, die gegen die Triolen im Primo gesetzt sind. Erstmals an dieser Stelle arbeitet Debussy auch mit Dissonanzen und harmoniefremden Tönen, die sich aber sehr weich einfügen (im Takt 10 der F-Dur Akkord im Secondo gegen den Sextklang g´-e´´´ im Primo und im Takt 13 ff die Reibung des H-Dur Akkords des Primo mit der Sekunde cis´-dis´ im Secondo). Relativ autonom behandelt Debussy die Harmonien der einzelnen Takte und entzieht sich dem gängigen Komponieren nach Funktionen. Ab Takt 17 ff folgt eine kurzen Wiederkehr des Themenkopfes, allerdings reichert Debussy den Satz durch Dis (dis, dis´,dis´´) im e-moll Dreiklang an. Wie schon zuvor wird auch diese Dissonanz nicht entsprechend der klassischen (und romantischen) Harmonik aufgelöst, sondern Debussy lässt wie schon zu Beginn die Rückung nach G-Dur folgen. Die Melodie wird bei der Wiederkehr parallel mit zwei Oktaven Abstand geführt, wodurch sich die Stimmen und die Hände der Spielenden kreuzen.
4
Arbeit zitieren:
Mag. Art; Mag. Phil Heike Sauer, 2005, Debussy - Petite Suite: En bateau , München, GRIN Verlag GmbH
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