Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1 Grundlagen des Energiesystems im Rahmen einer nachhaltigen
Entwicklung 4
1.1 Zentrale Aspekte des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung 4
1.1.1 Gesamtvernetzung des ökonomischen, ökologischen und sozialen Systems 5
1.1.2 Dimensionen der Nachhaltigkeit 6
1.1.2.1 Ökonomische Dimension 6
1.1.2.2 Ökologische Dimension: 8
1.1.2.3 Soziale Dimension 9
1.1.2.3.1 Intragenerative Gerechtigkeit 10
1.1.2.3.2 Intergenerative Gerechtigkeit 10
1.1.3 Managementregeln der Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsstrategien 10
1.2 Zentrale Aspekte eines nachhaltigen Energiesystems 14
1.2.1 Charakterisierung des heutigen Energiesystems 14
1.2.2 Beurteilung der Nachhaltigkeit 16
1.3 Ziele eines nachhaltigen Energiesystems 19
1.3.1 Globale Handlungsziele 20
1.3.2 Handlungsziele der EU 21
1.3.3 Handlungsziele für Deutschland 22
1.4 Kriterien für die Bewertung von Energietechniken 23
1.5 Zwischenfazit 24
2 Grundlagen Erneuerbare Energien 25
2.1 Erneuerbare Energien in der Energieversorgung 25
2.1.1 Formen erneuerbarer Energien 26
2.1.2 Derzeitige Nutzung erneuerbarer Energien 27
2.2 Biomasse als regenerative Energie 29
2.2.1 Technische Grundlagen 30
I
2.2.1.1 Umwandlungstechnologien 30
2.2.1.2 Anlagen zur energetischen Nutzung 31
2.2.2 Politische Rahmenbedingungen 34
2.2.3 Rechtliche Rahmenbedingungen 34
2.3 Windenergie als regenerative Energie 37 2.3.1 Technische Grundlagen 37 2.3.1.1 Anlagentechnik 38
2.3.1.2 Energieertrag einer Windenergieanlage 39
2.3.2 Politische Rahmenbedingungen 39
2.3.3 Rechtliche Rahmenbedingungen 40
3 Analyse und Bewertung von Biomasse und Windenergie 42
3.1 Ökonomische Kriterien 42
3.1.1 Beschäftigung und Branchenumsatz 42 3.1.1.1 Biomasse 43 3.1.1.2 Windenergie 44 3.1.1.3 Bewertung 45
3.1.2 Wirtschaftlichkeit (betriebswirtschaftlich) 46 3.1.2.1 Biomasse 46
3.1.2.1.1 Investitionskosten 47
3.1.2.1.2 Stromgestehungskosten 48 3.1.2.2 Windenergie 49
3.1.2.2.1 Investitionskosten 49
3.1.2.2.2 Stromgestehungskosten 51 3.1.2.3 Bewertung 54
3.1.3 Kurzfristige Versorgungssicherheit 55 3.1.3.1 Biomasse 55 3.1.3.2 Windenergie 56 3.1.3.3 Bewertung 56 3.1.4 Technische Effizienz 57 3.1.4.1 Biomasse 57 3.1.4.2 Windenergie 58 3.1.4.3 Bewertung 59
II
3.2 Ökologische Kriterien 59 3.2.1 Klimaverträglichkeit 60 3.2.1.1 Biomasse 60 3.2.1.2 Windenergie 62 3.2.1.3 Bewertung 62
3.2.2 Gesundheitliche Risiken 65 3.2.2.1 Biomasse 65 3.2.2.2 Windenergie 66 3.2.2.3 Bewertung 66
3.2.3 Auswirkungen auf die Umwelt 67 3.2.3.1 Biomasse 67 3.2.3.2 Windenergie 69 3.2.3.3 Bewertung 71 3.2.4 Ressourceneinsatz 71 3.2.4.1 Biomasse 72 3.2.4.2 Windenergie 72 3.2.4.3 Bewertung 73
3.3 Soziale Kriterien 74
3.3.1 Gesellschaftliche Akzeptanz 74
3.3.1.1 Biomasse und Windenergie 75 3.3.1.2 Bewertung 76
3.3.2 Dauerhafte Versorgungssicherheit 77 3.3.2.1 Biomasse 78 3.3.2.2 Windenergie 80 3.3.2.3 Bewertung 80
3.3.3 Sicherheitsfreundlichkeit 82
3.3.4 Globale Konfliktvermeidung 82 3.3.4.1 Biomasse 82 3.3.4.2 Bewertung 83
4 Zusammenfassung und Ausblick 85
4.1 Zusammenfassung 85
4.2 Ausblick 90
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Anstieg der Treibhausgaskonzentration zwischen 1900 und 2000 ....... 8
Abbildung 2: Struktur des globalen Primärenergieverbrauchs im Jahr 2005............ 15
Abbildung 3: Struktur des Primärenergieverbrauchs in Deutschland 2007 .............. 16
Abbildung 4: Gesamter Endenergiebeitrag erneuerbarer Energien nach
Abbildung 5: Aufbau und Komponenten einer Windenergieanlage. ........................ 38
Abbildung 6: Primärenergieaufwendungen einer 1,5 MW Windenergieanlage
unterteilt nach Baugruppen.................................................................. 73
Abbildung 7: Erfahrung mit Erneuerbaren-Energien-Anlagen in der Nähe erhöht
Akzeptanz ............................................................................................ 75
Abbildung 8: 97% der Deutschen unterstützen den verstärkten Ausbau Erneuerbarer
Energien............................................................................................... 76
Abbildung 9: Hierarchie der Potentialbegriffe .......................................................... 77
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Statische Reichweite bei gegenwärtiger Förderung in Jahren (sicher
gewinnbar).................................................................................................. 19
Tabelle 2: Beitrag der EE an der Strom-, Wärme- u. Kraftstoffbereitstellung im Jahr
2007 ............................................................................................................ 28
Tabelle 3: Biomasse Stromeinspeisevergütung nach EEG 2009 und EEG 2004........ 35
Tabelle 4: Grundvergütung für Strom aus Onshore- und Offshore-
Windenergieanlagen ................................................................................... 41
Tabelle 5: Beschäftigung durch Biomasse in Deutschland 2007 ................................ 43
Tabelle 6: Investitions- und Betriebskosten verschiedener BHKW-Typen ................ 48
Tabelle 7: Spezifische Kosten der zentralen und dezentralen Stromerzeugung.......... 49
Tabelle 8: Berechnung der Stromerzeugungskosten für eine große WEA mit 77 m
Tabelle 9: Abschätzung der Stromerzeugungskosten für einen „küstenfernen“
Tabelle 10: Strohmgestehungskosten: BHKW-Anlage und WEA sowie EEG-
Vergütung ................................................................................................... 54
Tabelle 11: Wirkungsgrad unterschiedlicher Biomasse-Anlagen zur Wärme- und/ oder
Stromerzeugung.......................................................................................... 58
Tabelle 12: Kohlendioxidemissionen von Biomasse..................................................... 61
Tabelle 13: Kohlendioxidemissionen einer Windenergieanlage ................................... 62
Tabelle 14: Gesamte Treibhausgas-Emissionen von Stromerzeugungsoptionen (inkl. Vorgelagerter Prozesse und Stoffeinsatz zur Anlagenherstellung) ............ 63
Tabelle 15: Technisches (TP), wirtschaftliches (WP) und nachhaltiges Potential (NP) der Bioenergie aus verschiedenen Studien in EJ/a. .................................... 79
Tabelle 16: Langfristig realisierbares Nutzungspotential erneuerbarer Energien für die
Einleitung
Die Reichweite der fossilen Energieträger ist begrenzt und ihre Endlichkeit absehbar. Zudem konzentrieren sich die Reserven fossiler Energieträger in wenigen Regionen der Erde, in welchen die politische Lage häufig instabil ist. Einerseits ist dadurch die Versorgungssicherheit mit fossilen Energieträgern nicht immer gewährleistet, wie Knappheit von Öl und Gas in Krisenfällen wiederholt bewiesen hat (als Beispiel sei hier der aktuelle russisch-ukrainische Gasstreit genannt), andererseits beschränkt dies den Zugang zu Energie, vor allem für finanzschwache Regionen der Welt. Darüber hinaus führt die Nutzung fossiler Energien, wie Öl, Kohle und Gas zu einem erheblichen Ausstoß an CO 2 , das in Millionen von Jahren gebunden worden ist und heute in wenigen Jahrzehnten in die Erdatmosphäre gelangt. Dies führt zu einer ständig steigenden Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre und wird hauptsächlich verant-wortlich gemacht für den Anstieg der globalen Temperatur. 1
Bei den Weltgipfeln von Rio de Janeiro 1992 und Johannesburg 2002 wurden diese Probleme als Herausforderungen thematisiert, die einer weltweiten nachhaltigen Entwicklung entgegenstehen. Als Lösungsansätze wurden neben einer Verbesserung der Energieeffizienz insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien benannt. 2
Biomasse und Windenergie sind neben Sonne, Wasser und Erdwärme ein erneuerbarer Energieträger. Der Begriff Biomasse umfasst alle organischen Stoffe, die durch Pflanzen und Tiere aufgebaut werden oder aus deren Umsetzung entstehen. Sowohl Biomasse, als auch Windenergie basieren indirekt auf Sonnenenergie. Bei der Entstehung von Biomasse als Energieträger wird die Lichtenergie von Pflanzen aufgenommen. Windenergie basiert auf den durch Sonnenenergie verursachten Bewegungen der Luftmassen der Erdatmosphäre.
In Deutschland verlief der Ausbau der erneuerbaren Energien in den letzten Jahren außerordentlich dynamisch. Zwischen 1997 und 2007 konnte der erneuerbare Energien-Beitrag um nahezu das Dreifache gesteigert werden. Die Hauptträger dieses Wachstums waren Biomasse und Windenergie. 3
1 Simon, S. (2007): Szenarien nachhaltiger Bioenergiepotentiale bis 2030, Berlin., S. 15
2 Ebenda. S. 16
3 Vgl. BMU (2008c): Leitstudie 2008, S. 13.
1
Damit Biomasse und Windenergie zu einer nachhaltigen Energieversorgung beitragen können, muss auch die Erzeugung und Nutzung unter Aspekten der Nachhaltigkeit erfolgen.
Zielsetzung
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Nutzung von Windenergie und Biomasse einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des nationalen Energiesystems leisten kann. Ausgehend von der Beschreibung der allgemeinen Kriterien und Maßstäbe einer nachhaltigen Entwicklung, werden diese Kriterien auf die Ebene der Energieversorgung „heruntergebrochen“. Die durch Windenergie- und Biomassenutzung verursachten Effekte auf Mensch und Natur werden anhand der herausgearbeiteten Kriterien beschrieben und bewertet. Dabei wird insbesondere auf das Potential, das diese beiden regenerativen Energieträger zu einer nachhaltigen Energiesystems beitragen können, eingegangen. Zum Abschluss der Arbeit werden die Ergebnisse auch im Kontext zu den nationalen Handlungszielen einer nachhaltigen Entwicklung betrachtet.
Aufbau der Arbeit
In Kapitel 1 werden zunächst die zentralen Aspekte des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung vorgestellt. Nach der Charakterisierung des heutigen Energiesystems folgt ein Überblick über die Handlungsziele, die sich aus den Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung ergeben. Das Kapitel schließt ab mit der Festlegung von Kriterien, anhand derer die Bewertung der Nachhaltigkeit von Energietechniken erfolgen kann.
Das 2. Kapitel ordnet die erneuerbaren Energien in das derzeitige Energiesystem ein und gibt einen Überblick über die Nutzungsmöglichkeiten und Rahmenbedingungen, der Biomasse und der Windenergie.
Im zentralen 3. Kapitel erfolgt eine Analyse von Biomasse und Windenergie anhand der Kriterien zur Bewertung von Energietechniken. Die Bewertung von Biomasse und Windenergie im Hinblick auf die Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung erfolgt dabei gemeinsam für jedes Kriterium.
2
Abgrenzungen
Die Ausführungen beschränken sich vorrangig auf Deutschland, gehen aber soweit erforderlich auch auf die globale Situation ein. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn Potentiale, Konflikte oder auch Emissionen der Biomasse- und Windenergienutzung diskutiert werden. Da Biomasse ein sehr weit gefasster Begriff ist und es eine Vielzahl an unterschiedlichen Rohstoffen, Endprodukten und Energienutzungstechniken gibt, wird der Schwerpunkt der Analysen in dieser Arbeit in der Regel auf die Energietechniken zur Nutzung von flüssiger und gasförmiger Biomasse gelegt.
3
1 1 Grundlagen des Energiesystems im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung
1.1 Zentrale Aspekte des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung
Der Begriff Nachhaltigkeit entstammt ursprünglich der deutschen Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts. Eine steigende Holzknappheit machte die Entwicklung eines Nachhaltigkeitskonzeptes notwendig. Der Begriff der Nachhaltigkeit bezog sich darauf, einen möglichst hohen, gleichzeitig aber dauerhaften Holzertrag der Wälder zu erzielen, indem pro Jahr nicht mehr Holz geschlagen wird, als nachwächst. 4 Dies ist jedoch nur das originäre Begriffsverständnis; das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung ist nicht nur auf die ökologische Problematik beschränkt. In wissenschaftlichen Ansätzen haben insbesondere seit der Industriellen Revolution, Überlegungen zur Beständigkeit, zur Stabilität und zu Belastungsgrenzen von Wirtschaft und Gesellschaft eine gewisse Tradition. Mit dem 1987 vorgelegten Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ durch die Brundtland-Kommission für Umwelt und Entwicklung, wurde das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung global, auch der nicht wissenschaftlichen Öffentlichkeit näher gebracht. Darin wird eine nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung beschrieben, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen (Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, 1987). 5 Eine präzisere Begriffsbestimmung formulierte der Generalsekretär der WCED, McNeill, J. R. (1990). Ihm zufolge ist
„eine notwendige Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung (ist), dass sich die grundlegenden Bestände des natürlichen Kapitals einer Gemeinschaft oder eines Landes im Laufe der Zeit nicht verringern. Ein konstanter oder wachsender Bestand natürlichen Kapitals gewährleistet nicht nur die Deckung der Bedürfnisse der gegenwärtig lebenden Generation, sondern sichert auch ein Mindestniveau an Gerechtigkeit und Gleichberechtigung für zukünftige Generationen“. 6
Mit der UNCED-Konferenz in Rio 1992 hat das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung besondere institutionelle Bedeutung erlangt. So legten 178 Staaten eine nachhaltige Entwicklung als neues Entwicklungsziel der Menschheit in der Agenda 21 und der Rio-
4 Vgl.Grunwald, A.; Kopfmüller, J. (2006): Nachhaltigkeit, Frankfurt, S. 14.
5 Vgl. Bundesregierung (2002): Perspektiven für Deutschland. Unsere Strategie für eine nachhaltige Ent-
wicklung, Berlin, S.1.
6 Vgl. van Dieren, W. (1995): Mit der Natur rechnen: Der neue Club-of-Rome-Bericht, Basel, S. 106.
4
Deklaration fest. Seit 1994 ist das Prinzip der Nachhaltigkeit auch in Deutschland im Grundgesetz als Staatsziel verankert. 7
Nachhaltige Entwicklung ist jedoch kein fertig operrationalisiertes Konzept, sondern ein gesellschaftlich-politisches und damit normatives Leitbild. 8 Die individuellen Meinungen, aller Ebenen unserer Gesellschaft ergeben hierbei ein breites Spektrum an Definitionen einer nachhaltigen Entwicklung. 9 Die wesentlichen Charakteristika, die den meisten Definitionen inhärent sind, sind das ethische Postulat einer inter- und intragenerativen Gerechtigkeit und die Gesamtvernetzung des ökonomischen, des ökologischen und des sozialen Systems. 10
1.1.1 Gesamtvernetzung des ökonomischen, ökologischen und sozialen
Systems
Zwischen dem ökonomischen, dem ökologischen und dem sozialen System bestehen vielfältige Interdependenzen, die eine isolierte Betrachtung der einzelnen Systeme innerhalb einer Nachhaltigen Entwicklung unmöglich machen, vielmehr muss eine holistische Betrachtung erfolgen, in der alle Ziele, die sich aus den Handlungsstrategien der Systeme ergeben, integrativ zu betrachten sind. 11
Im physischen Sinne kann das ökonomische System als ein offenes Subsystem des endlichen, nicht wachsenden und materiell geschlossenen ökologischen Systems betrachtet werden. Demnach muss das geschlossene ökonomische System auf die Quellen und Senken des geschlossenen ökologischen Systems zurückgreifen. Die Wachstumsgrenzen für das ökonomische System werden somit durch die Grenzen des ökologischen Systems gebildet. 12 Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages für „Nachhaltige Energieversorgung unter den Bedingungen der Globalisierung und der Liberalisierung“ spricht auch von den Naturschranken des Ökosystems, die menschliche Aktivitäten und damit auch das wirtschaftliche Wachstum limitieren. 13 Auf diese Wachstumsgrenzen hatte schon 1972 der Club of Rome in seiner Studie „Limits to
7 Vgl. Rogall, H. (2002): Neue Umweltökonomie - Ökologische Ökonomie, Opladen, S. 37.
8 Vgl. Grunwald, A.; Kopfmüller, J. (2006): Nachhaltigkeit, Frankfurt, S. 7.
9 So stellt Tremmel in „Nachhaltigkeit als politische und analytische Kategorie“ 60 unterschiedliche Beg-
riffe der Nachhaltigkeit vor, die von Wissenschaftlern, die sich zu diesem Thema äußern benutzt werden.
10 Vgl. Linne, G.; Schwarz, M. (Hg.) (2003): Handbuch der Nachhaltigkeit, Opladen, S. 12.
11 Vgl. Grunwald, A.; Kopfmüller, J. (2006): Nachhaltigkeit, Frankfurt S. 53.
12 Vgl. Linne, G.; Schwarz, M. (Hg.) (2003): Handbuch der Nachhaltigkeit, Opladen,, S. 91.
13 Vgl. Enquete-Kommission des 14. Deutschen Bundestags „Nachhaltige Energieversorgung unter den
Bedingungen der Globalisierung und der Liberalisierung“ (2002): Endbericht, Bonn, S.124.
5
Growth“ (Die Grenzen des Wachstums) hingewiesen. Diese Grenzen scheinen teilweise schon erreicht zu sein, da der Einfluss des ökonomischen Systems mittlerweile dazu geführt hat, dass natürliche Kreisläufe und damit „auch die künftigen Lebens- und Wirtschaftsbedingungen der Menschen weltweit bedroht sind.“ 14
Das soziale System ist mit in die Betrachtung einzubeziehen, da sich nachhaltige Entwicklung auch auf die gerechte Verteilung sogenannter sozialer Grundgüter 15 bezieht und Umweltzerstörung nicht ausschließlich durch die nicht nachhaltige Produktions- und Konsumweise der Industriestaaten verursacht wird, sondern teilweise auch durch Armut bedingt ist. 16
1.1.2 Dimensionen der Nachhaltigkeit
Die Nachhaltigkeit erstreckt sich auf drei Dimensionen, die integrativ zu betrachten sind: die ökonomische, ökologische und die soziale Dimension. 17
Im Folgenden werden wesentliche Überlegungen aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Perspektive aufgeführt.
1.1.2.1 Ökonomische Dimension
Unser Wirtschaftssystem wird seit Adam Smith vom Menschenbild des Homo oeconomicus geprägt, gekennzeichnet durch Eigennutz als Triebkraft der Individuen und der Regelungsfunktion des Preismechanismus („invisible Hand“). Produzenten streben nach Gewinnmaximierung, Konsumenten nach Nutzenmaximierung. 18
Sowohl die Volkswirtschaftslehre, als auch die noch relativ junge wissenschaftliche Disziplin der Ökologischen Ökonomie setzen sich mit den Effekten, die Handlungen der Wirtschaftsakteure auf das ökologische System bewirken, auseinander. Stark ver-
14 Gebhard,M. (1999): Sustainable Development als Leitbild zur konzeptionellen Weiterentwicklung der
Umweltbildung, Münster, S. 4.
15 Zu den sozialen Grundgütern gehören das Leben selbst, Gesundheit, Grundversorgung mit Lebensmit-
teln, Kleidung und Wohnung und elementare politische Recht. Weiter werden auch Grundgüter, die sich
auf den dauerhaften Zusammenhalt der Gesellschaft beziehen dazugezählt. Dazu gehören z.B. Toleranz,
Solidarität, Integrationsfähigkeit, Rechts- und Gerechtigkeitssinn. (Grunwald, A.; Kopfmüller, J. (2006):
Nachhaltigkeit, Frankfurt, S.49).
16 Vgl. Enquete-Kommission des 13. Deutschen Bundestags „Schutz des Menschen und der Umwelt“
(1998): Konzept Nachhaltigkeit. Vom Leitbild zur Umsetzung. Abschlussbericht, Berlin, S. 35.
17 Vgl. Grunwald, A.; Kopfmüller, J. (2006): Nachhaltigkeit, Frankfurt, S. 47.
18 Vgl. Woll, A. (1990): Wirtschaftslexikon, München, S. 314.
6
kürzt lässt sich die, durch die Handlungen der Wirtschaftsakteure verursachte Problematik folgendermaßen zusammenfassen:
Umweltgüter, z.B. Wasser, Luft und Boden gehen entweder nicht, oder nicht mit ihren „wahren“ Kosten in die individuellen Optimierungskalküle der Wirtschaftsakteure mit ein, es kommt zu einer Überwälzung der bei der Produktion oder dem Konsum entstehenden sozialen und ökologischen Kosten auf Dritte 19 (obwohl zumindest auf nationaler Ebene Gesetze und Maßnahmen, wie zum Beispiel Emissionszertifikate oder auch die ökologische Steuerreform versuchen, dem entgegenzuwirken). 20 Das daraus resultierende Marktversagen führt zu einer Übernachfrage und damit Übernutzung der freien Quellen und Senken der Umweltgüter, was langfristig existenzgefährdende Auswirkungen auf das globale Ökosystem hat. Im kurzfristigen Nutzen- und Gewinnmaximierungskalkül der Wirtschaftsakteure wird meist vernachlässigt, dass diese Übernutzung im eklatanten Widerspruch zu der Tatsache steht, dass das Wirtschaftssystem langfristig nur auf Basis eines intakten ökologischen Systems existieren kann. Es herrscht damit ein Widerspruch zwischen ökonomischer und ökologischer Rationalität.
Eine weitere Problematik der Interdependenz zwischen ökonomischem und ökologischem System liegt in dem weltweit akzeptierten Ziel eines ständigen wirtschaftlichen Wachstums. Der Position, die Wachstum als wirtschaftspolitisch wichtigstes Ziel sieht, steht bisher nur eine Minderheitenposition gegenüber. 21
Quantitatives wirtschaftliches Wachstum führt in der Regel zu einer weiteren Übernutzung der natürlichen Ressourcen und ist deshalb mit einer nachhaltigen Entwicklung nicht vereinbar. Als unmittelbare Konsequenz für eine nachhaltige Entwicklung ergibt sich damit zunächst in Bezug auf das ökonomische System eine „…Abkehr vom traditionellen wirtschaftlichen Wachstums- und Fortschrittsmodell.“ 22 Die ökonomische Dimension des Leitbildes nachhaltiger Entwicklung verbindet traditionelle wirtschaftliche Ziele wie Vollbeschäftigung, Preisstabilität und außenwirtschaftliches Gleichgewicht mit einer Steigerung der Lebensqualität anstelle eines quantitativen wirtschaftlichen Wachstums. 23
19 Vgl. Rogall , H. (2008): Ökologische Ökonomie, Wiesbaden, S. 61.
20 Vgl. BMU (2004): Die Ökologische Steuerreform: Einstieg, Fortführung und Fortenetwicklung zur
Ökologischen Finanzreform, Berlin, S. 2
21 Vgl. Grunwald, A.; Kopfmüller, J. (2006): Nachhaltigkeit, Frankfurt, S. 73.
22 Vgl. Rogall, H. (2002): Neue Umweltökonomie - Ökologische Ökonomie, Opladen, S. 92.
23 Vgl. Rogall, H. (2004): Ökonomie der Nachhaltigkeit, Wiesbaden, S. 31.
7
1.1.2.2 Ökologische Dimension:
Im Mittelpunkt der ökologischen Zieldimension des Leitbildes nachhaltiger Entwicklung stehen der Erhalt des Naturkapitals und die Funktionsfähigkeit des ökologischen Systems. In der Vergangenheit hatte das menschliche Handeln meist nur Auswirkungen auf die regionale Umwelt. Die dadurch entstandenen negativen Auswirkungen konnten in der Regel durch angepasstes Verhalten, oder technologische Fortschritte bewältigt werden. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts, erstreckt sich menschliches Handeln jedoch auf das globale Ökosystem, dessen Tragekapazität wissenschaftlich noch nicht exakt bestimmbar ist. In Abbildung 1 ist beispielhaft der Anstieg der Treibhausgaskonzentration zwischen 1900 und 2000 dargestellt. Ab etwa 1960 ist ein deutlicher Anstieg dieser anthropogen verursachten Zunahme von Treibhausgasen in der Atmosphäre zu erkennen.
Abbildung 1: Anstieg der Treibhausgaskonzentration zwischen 1900 und 2000
Quelle: EEA 2004/02: Climate Report 2004. S. 7. URL: www.eea.europa.eu
In der nicht auch nur annähernd bestimmbaren Tragekapazität des Ökosystems liegt ein viel diskutiertes Problem, da nicht zuletzt ökonomische Aktivitäten an der Tragekapazität des Ökosystems ausgerichtet sein sollen (Vgl. Kap. 2.1.2). 24 Als Konsequenz hieraus wird ökologischer Substanzerhalt postuliert, es sollte lediglich von den „Zinsen“ gelebt und nicht der Naturkapitalstock angegriffen werden. 25 Dies läuft auf eine Nutzung
24 Vgl. Grunwald, A.; Kopfmüller, J. (2006): Nachhaltigkeit, Frankfurt, S. 41.
25 Diese Forderung entspricht der Position einer starken Nachhaltigkeit, die für eine dauerhafte Erhaltung
und nicht für einen optimalen Verbrauch natürlicher Ressourcen steht. Im Gegensatz dazu gehen Vertre-
8
nicht-erneuerbarer Ressourcen hinaus, die nur in dem Maße erfolgen darf, wie Substitutionsmöglichkeiten durch erneuerbare Ressourcen entwickelt werden können. Die natürlichen Quellen und Senken des Ökosystems dürfen nur in dem Umfang belastet werden, wie es ihre Tragfähigkeit zulässt.
Diese Ziele wurden in den sog. Managementregeln der Nachhaltigkeit formuliert die in Kapitel 1.1.3 näher erläutert werden.
1.1.2.3 Soziale Dimension
In seiner sozialen Zieldimension strebt das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung Gerechtigkeit und Verantwortung sowohl generationsübergreifend (intergenerativ), als auch innerhalb einer Generation (intragenerativ) an. 26 Anhand der Nachhaltigkeitsdefinition und den Zielen der sozialen Dimension, wird die hohe ethische Orientierung des Leitbildes nachhaltiger Entwicklung deutlich.
Die Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ (1998) nennt soziale Sicherheit, Wohlstand und ökologische Verantwortung, Frieden, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit sowie individuelle Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit als konkrete soziale Ziele bzw. Normen, die für eine nachhaltige Entwicklung unerlässliche Voraussetzungen sind. 27
Das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung ist immer begleitet von permanenten dynamischen wirtschaftlichen und strukturellen Veränderungen. Dies gilt im Besonderen für die soziale Dimension der Nachhaltigkeit. Die Entscheidung darüber, was als gerecht gelten kann bzw. was Gerechtigkeit bedeutet, erfolgt stets in Abhängigkeit von sich ändernden soziokulturellen Vorstellungen und Prämissen. 28 Nach Rawls (in Rogall, H. (2008) Ökologische Ökonomie S. 170) ist gerecht, was die Mehrheit der Menschheit als gerecht empfindet. Der Definition von Gerechtigkeit steht somit kein Anspruch auf Endgültigkeit zu, da sich Gesellschaften permanent im Wandel befinden und somit auch ihr Gerechtigkeitsverständnis.
ter der Position einer schwachen Nachhaltigkeit (neoklassische Position) davon aus, dass der natürliche
Kapitalstock substituierbar ist und durch technologischen Fortschritt Ressourcenprobleme und Belas-
tungsgrenzen beseitigt werden können. (Rogall, H. (2004): Ökonomie der Nachhaltigkeit, Wiesbaden, S.
32).
26 Vgl. Rogall, H. (2008): Ökologische Ökonomie, Wiesbaden, S. 172.
27 Vgl. Enquete-Kommission des 13. Deutschen Bundestags „Schutz des Menschen und der Umwelt“
(1998): Konzept Nachhaltigkeit. Vom Leitbild zur Umsetzung, Berlin, S. 27.
28 Vgl. ebenda, S. 28.
9
1.1.2.3.1 Intragenerative Gerechtigkeit
Intragenerative Gerechtigkeit bedeutet Verteilungsgerechtigkeit unter den heute lebenden Generationen. So wird beispielsweise in der „Dritten Welt“ diese Verteilungsgerechtigkeit als wichtigster Nachhaltigkeitsaspekt betrachtet. Während die Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung der Menschen in Entwicklungsländern nur beschränkt oder gar nicht gegeben sind, führt die Konsumweise der Industrieländer zu sozialen sowie ökologischen Problemen, die starke negative Auswirkungen auch auf die Entwicklungsländer haben. Ungerechte Verteilung von Ressourcen, Nahrungsmitteln oder auch Medikamenten, sind häufig Ursache globaler Problemlagen und Konflikte. Neben der Verteilungsungerechtigkeit auf globaler Ebene, stehen aber auch Gerechtigkeitsfragen hinsichtlich z.B. der Chancengleichheit in Bezug auf Bildung, Einkommen und Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen immer mehr im Mittelpunkt. 29
Das Prinzip der intergenerativen Gerechtigkeit strebt für alle Menschen gleich hohe ökologische, ökonomische und soziale Standards an und impliziert damit eine gerechte Verteilung der Lebenschancen und Entwicklungsmöglichkeiten zwischen allen lebenden Menschen. 30
1.1.2.3.2 Intergenerative Gerechtigkeit
Das Prinzip intergenerativer Gerechtigkeit strebt sowohl für heutige Generationen als auch für zukünftige Generationen hohe ökologische, ökonomische und soziale Standards an. Zukünftige Generationen sind nicht in der Lage ihre Ansprüche auf eine intakte Umwelt geltend zu machen Daraus folgt, dass keine Generation auf Kosten der zukünftiger Generationen höhere materielle Standards beanspruchen darf. Der Verbrauch natürlicher Ressourcen darf nur so hoch sein, wie die Managementregeln der Nachhaltigkeit dies zulassen. 31
1.1.3 Managementregeln der Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsstrategien
Um eine Leitorientierung für künftige Entwicklungspfade zu haben, wurden sogenannte Managementregeln der Nachhaltigkeit formuliert, die gleichzeitig auch als Prüfkriterien
29 Vgl. Grunwald, A.; Kopfmüller, J. (2006): Nachhaltigkeit, Frankfurt, S. 30.
30 Vgl. Rogall, H. (2008): Ökologische Ökonomie, Wiesbaden. S. 172.
31 Vgl. ebenda. S. 173.
10
für eine Bewertung der Ziele unter Nachhaltigkeitsaspekten dienen sollen. 32 Um die Managementregeln der Nachhaltigkeit und die daraus abgeleiteten Ziele zu erreichen, ist die Verfolgung unterschiedlicher Nachhaltigkeitsstrategien notwendig.
• Managementregeln:
Die Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ 33 hat auf Grundlage der ursprünglich von Daly (1990) formulierten Ziele vier sog. Managementregeln der Nachhaltigkeit formuliert: 34
1) die Abbaurate einer Ressource darf auf Dauer nicht größer sein, als ihre Regenerationsfähigkeit,
2) die Freisetzung von Stoffen darf auf Dauer nicht größer sein, als es die Tragfähigkeit bzw. Aufnahmenfähigkeit der Umwelt zulässt,
3) unvertretbaren Risiken und Gefahren für Mensch und Umwelt sind zu vermeiden, 4) es muss ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Zeitmaß anthropogener Eingriffe bzw. Einträge in die Umwelt und dem Zeitmaß für das Reaktionsvermögen der Umwelt relevanten Prozesse herrschen.
Um das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung zu konkretisieren und Anforderungen an eine ökonomisch, ökologisch und sozial ausgewogene Entwicklung festzulegen, sind in der nationalen Strategie der Bundesregierung die Managementregeln der Nachhaltigkeit wie folgt formuliert worden: 35
Die die den folgenden Regeln zugrundeliegende Prämisse besagt, dass jede Generation ihre Aufgaben selbst lösen muss und sie nicht der kommenden Generation aufbürden darf.
Akteure:
• Bürgerinnen und Bürger, Produzenten und Verbraucher, Wirtschaft und Gewerkschaften, Wissenschaft, Kirchen und Verbände sind mit dem Staat wichtige Akteure der nachhaltigen Entwicklung. Sie sollen sich am öffentlichen Dialog über das
32 Grunwald, Nachhaltigkeit, S. 56
33 Vgl. Enquete-Kommission des 13. Deutschen Bundestags „Schutz des Menschen und der Umwelt“
(1998): Konzept Nachhaltigkeit. Vom Leitbild zur Umsetzung, Berlin, S.25.
34 Vgl. Rogall, H. (2000): Bausteine einer zukunftsfähigen Umwelt- und Wirtschaftspolitik, S. 102.
35 Vgl. BMU(2007): Nachhaltige Entwicklung - Managementregeln der Nachhaltigkeit. URL:
http://www.bmu.de/nachhaltige_entwicklung/doc/38939.php.
11
Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung beteiligen. Auch sollen sie sich eigenver-antwortlich in ihren Entscheidungen und Maßnahmen an diesen Zielen orientieren.
• Die Unternehmen tragen für ihre Produktion und ihre Produkte die Verantwortung. Dazu gehört die Information der Verbraucher über gesundheits- und umweltrelevante Eigenschaften der Produkte sowie über nachhaltige Produktionsweisen. Der Verbraucher trägt die Verantwortung für die Auswahl des Produkts und dessen sozial und ökologisch verträgliche Nutzung.
Handlungsbereiche:
• Erneuerbare Naturgüter (wie zum Beispiel Holz- oder Fischbestände) dürfen auf Dauer nur im Rahmen ihrer Fähigkeit zur Regeneration genutzt werden. Nicht erneuerbare Naturgüter (wie zum Beispiele Mineralien oder fossile Energieträger) dürfen auf Dauer nur in dem Umfang genutzt werden, wie ihre Funktionen durch andere Materialien oder durch andere Energieträger nicht ersetzt werden können. Die Freisetzung von Stoffen oder Energie darf auf Dauer nicht größer sein als die Anpassungsfähigkeit der Ökosysteme: zum Beispiel des Klimas, der Wälder und der Ozeane.
• Gefahren und unvertretbare Risiken für die menschliche Gesundheit sind zu vermeiden.
• Der durch technische Entwicklungen und den internationalen Wettbewerb ausgelöste Strukturwandel soll wirtschaftlich erfolgreich sowie ökologisch und sozialverträglich gestaltet werden. Zu diesem Zweck sind die Politikfelder so zu integrieren, dass wirtschaftliches Wachstum, hohe Beschäftigung, sozialer Zusammenhalt und Umweltschutz Hand in Hand gehen.
• Energie- und Ressourcenverbrauch sowie die Verkehrsleistung müssen vom Wirtschaftswachstum entkoppelt werden. Zugleich ist anzustreben, dass der wachstumsbedingte Anstieg der Nachfrage nach Energie, Ressourcen und Verkehrsleistungen durch Effizienzgewinne mehr als kompensiert wird.
• Auch die öffentlichen Haushalte sind der Generationengerechtigkeit verpflichtet. Bund, Länder und Kommunen sollen möglichst bald ausgeglichene Haushalte aufstellen und in einem weiteren Schritt kontinuierlich den Schuldenstand abbauen.
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• Eine nachhaltige Landwirtschaft muss natur- und umweltverträglich sein. Sie muss die Anforderungen an eine artgerecht Tierhaltung und den vorsorgenden, insbesondere gesundheitlichen Verbraucherschutz beachten.
• Um den sozialen Zusammenhalt zu stärken, soll Armut und sozialer Ausgrenzung soweit wie möglich vorgebeugt werden. Allen Bevölkerungsschichten werden Chancen eröffnet, sich an der wirtschaftlichen Entwicklung zu beteiligen. Alle sollen am gesellschaftlichen und politischen Leben teilhaben.
• Die internationalen Rahmenbedingungen sind so zu gestalten, dass die Menschen in allen Ländern ein menschenwürdiges Leben nach ihren eigenen Vorstellungen führen können. Dabei sollen sie an den wirtschaftlichen Entwicklungen teilhaben. Umwelt und Entwicklung bilden eine Einheit. In einem integrierten Ansatz soll die Bekämpfung der Armut mit der Achtung der Menschenrechte, mit wirtschaftlicher Entwicklung, Schutz der Umwelt sowie verantwortungsvollem Regierungshandeln verknüpft werden.
• Nachhaltigkeitsstrategien:
Wie bereits erwähnt, existieren für das Erreichen der aus den Managementregeln der Nachhaltigkeit abgeleiteten Ziele unterschiedliche Nachhaltigkeitsstrategien. Die drei populärsten Nachhaltigkeitsstrategien sind die Effizienz-, die Konsistenz- und die Suffizienzstrategie.
• Effizienzstrategie: Ansatzpunkt der Effizienzstrategie ist eine Minimierung des Material- und Energieeinsatzes pro Produktionseinheit. Mit Hilfe neuen Wissens sollen Ressourcen, Energie und Flächen effizienter genutzt werden. Der Schwerpunkt dieser Strategie liegt auf einem technologieorientierten Effizienzkonzept. Mit Blick auf die globale Situation wird diese Strategie primär für die Industriestaaten eingefordert, um den Entwicklungsländern die für ihre Entwicklung erforderliche Ressourcennutzung zu ermöglichen. Um diese ebenfalls so effizient wie möglich zu gestalten, wird auch ein geeigneter Technologie-Transfer gefordert.
• Konsistenzstrategie: Die Konsistenzstrategie zielt auf die Anpassung der durch menschliches Wirtschaften erzeugten Stoffströme an die natürlichen Stoffwechselprozesse ab. Die Umsetzung dieser Strategie basiert vor allem auf der Substitution bestehender umweltschädlicher Stoff- und Energieströme durch den Einsatz umwelt-
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verträglicher Lösungen. Im Energiebereich fordert die Konsistenzstrategie beispielsweise den Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Energieträger. 36
• Suffizienzstrategie: Unter der Suffizienzstrategie wird eine umweltgerechte Änderung des Lebensstils verstanden. Gemeint ist damit, dass das Nachfrageverhalten der Wirtschaftsakteure kritisch hinterfragt wird und ggf. durch neue Rahmenbedingungen umweltverträglich gestaltet wird. 37
Im Mittelpunkt der drei Strategiepfade steht die Frage, wie eine Erhöhung der menschlichen Lebensqualität erreicht werden kann, ohne den Ressourcenverbrauch auszuweiten. Bei der Analyse dieser Strategien und den dazugehörigen Techniken ist zu überprüfen, welchen Beitrag sie zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele leisten können und ob sie die Anforderungen und Managementregeln der Nachhaltigkeit entsprechen. 38
1.2 Zentrale Aspekte eines nachhaltigen Energiesystems
Nachdem das Leitbild der Nachhaltigkeit in seinen wesentlichen Grundzügen skizziert wurde, soll im Folgenden das aktuelle Energiesystem unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit diskutiert werden. Das Energiesystem (eines Landes oder der Erde insgesamt) wird hierbei als die gesamte Struktur der genutzten Primärenergieressourcen verstanden. Dazu zählen die Infrastruktur für die Umwandlung in Endenergie und die Energieverteilung sowie die spezifischen Nachfragestruktur nach Energiedienstleistungen. 39
1.2.1 Charakterisierung des heutigen Energiesystems
Während bis Ende des 19. Jahrhunderts klassische erneuerbare Energien (z.B. Wasserkraft Windmühlen, Biomasse) den größten Energiebedarf der Menschheit deckten, stehen ab dem 20. Jahrhundert die fossilen Energieträger im Mittelpunkt der Energieerzeugung. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Anteil der fossilen Energieträger aufgrund einer stark ansteigenden Nachfrage nach Energie, deutlich ausgebaut. So deckte im Jahr 2000 der Anteil der fossilen Energieträger 81% des globalen Primärenergiebedarfs. Der Anteil von Wasserkraft und Atomkraft betrug jeweils etwa 6%, während der Anteil der Biomasse bei etwa 9% lag. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts stieg dann auch der Anteil der bisher eher wenig genutzten erneuerbaren Energien wie Windkraft und Solarenergie
36 Vgl. Grunwald, A.; Kopfmüller, J. (2006): Nachhaltigkeit, Frankfurt, S. 76.
37 Vgl. Fischer, A. (2000): Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, Bielefeld, S. 3.
38 Vgl. Rogall, H. (2004): Ökonomie der Nachhaltigkeit, Wiesbaden, S. 88.
39 Steger, U. et al. (2002): Nachhaltige Entwicklung und Innovation im Energiebereich, S. XIX.
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Arbeit zitieren:
Valentin Lenkewitz, 2009, Eine umweltoekonomische Bewertung von Biomasse und Windenergie, München, GRIN Verlag GmbH
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