Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Leben und Musik James Jamersons 5
3. Stil und Sound 10
4. Resümee 13
5. Quellen und Sekundärliteratur 15
2
1. Einleitung
Im Jahr 1989 wurde eine Bassschule veröffentlicht, die Leben und musikalisches Schaffen eines Bassisten ins Licht der Öffentlichkeit rückte, der bis dahin der überragenden Mehrheit selbst seiner „Kollegen“ völlig unbekannt war. Wenn es hier heißt unbekannt, so ist damit seine Identität, sein Name gemeint. Sein Bassspiel allerdings dürfte so ziemlich jeder Musikrezipient der westlichen Kulturhemisphäre schon einmal gehört haben, denn er goss seinen Groove für die Plattenfirma Motown in mehr als dreißig Nummer 1 Hits der Pop-Charts und mehr als siebzig der R&B-Charts in den USA 1 . Den Praxisteil eben erwähnter Bassschule eröffnet Paul McCartney mit den Worten: „I’m very honored to have been asked to MC the introduction to this James Jamerson memorial tape. I’m honored for a couple of reasons: mainly because his style of bass playing for Motown was one of my major influences when I was learning electric bass, and I know that a lot of the people who are playing and demonstrating his technique on this tape have also been influenced by him.” 2
Die „people“, namentlich Bassisten, von denen Paul McCartney an dieser Stelle spricht, sind ebenso wie er selber Größen auf ihren Instrumenten, deren Namen auch Außenstehenden ein Begriff sind, bzw. die zu ihren Zeiten Personen erhöhter öffentlicher Aufmerksamkeit waren, wie John Entwistle („The Who“) und die mit ihren virtuosen Techniken Grenzen verschoben haben, wie bspw. Marcus Miller, Anthony Jackson oder Francis Rocco Prestia („Tower of Power“). Es stellt sich also die Frage, warum sie diesem Bassisten, der auch heute noch für viele ein unbeschriebenes Blatt ist, ihre Achtung zollen, indem sie ihr Können in eine Linie mit seinem Einfluss stellen. Die nächste Frage ist, warum James Jamerson von seinen ersten Aufnahmen 1959 bis zum Erscheinen seiner Biografie 1989 und des gleichnamigen Films über seine Mitmusiker bei Motown im Jahr 2002 geradezu namenlos war. Das gleiche gilt übrigens für die meisten seiner damaligen Kollegen bis heute, auch wenn sie für das Label weniger unersetzbar waren, wie sich noch zeigen wird.
Der erste Teil dieser Hausarbeit wird sich mit der wechselvollen Biografie dieses R&B-Ausnahmemusikers beschäftigen, seinem atemlosen Aufstieg folgte ein langsamer und schmerzhafter Abstieg. Was von Dauer ist, sind die unzähligen Motown-Hits, an deren Erfolg er beteiligt war. Der Begriff „Zeitlosigkeit“ mag heutzutage in einer Welt
1 http://www.arsenalfilm.de/motown/inmusik.htm, 28.08.2007.
2 Dr. Licks (Allen Slutsky): Standing In the Shadows of Motown. The Life and Music of Legendary Bassist
James Jamerson. Milwaukee, WI: 1989, S. 102.
3
milliardenschwerer Musikindustrie und Millionen verfügbarer Songs als komprimierte Daten im Internet eine bislang nie da gewesene Inflation haben. Die in einem kleinen Studiokeller in Detroit Ende der 50er bis Anfang der 70er Jahre geborene Musik hat ihre Wirkung, ihre emotionale Botschaft dennoch nicht verloren. Im zweiten Teil der Arbeit folgt eine Untersuchung Jamersons individuellen Stils, der auf eindrucksvolle Weise die Basslinien der Motownsongs mit Hilfe des Jazz aus ihrem Grundton-Quinte-Korsett befreite und sie zu lebendigen Melodien ausformte. Die Eigenarten seiner Stilistik werden anhand von Notenbeispielen veranschaulicht.
4
2. Leben und Musik James Jamersons
Die Lebensgeschichte Jamersons beginnt mit einem kuriosen Geburtsdatum. Jahrelang galt der 29. Januar 1938 als Tag seiner Geburt, auch seiner eigenen Auffassung nach, doch bemerkte er in den späten 70er Jahren, nachdem er seine Geburtsurkunde gesehen hatte, dass er bereits zwei Jahre früher, also am 29. Januar 1936 geboren wurde. Wie dieses Missverständnis überhaupt erst entstehen konnte, wird wohl in alle Zukunft ein Rätsel bleiben. In Charleston, South Carolina, also im Süden der USA, aufgewachsen, kam er über seine Großmutter und seine Tante mit Musik in Kontakt. Aber der Einfluss beider kann mit dem Zeitpunkt, als er anfing sich selbst das Klavierspiel beizubringen, als eher marginal eingeschätzt werden. Seine späteren Mitmusiker bemerkten an ihm absolutes Gehör. 3 Über den Rahmen von Auftritten in der Kirche geht diese Zeit aber nicht hinaus. Kurz vor seinem zehnten Geburtstag hatte er einen schweren Fahrradunfall, infolgedessen er beinahe seine Füße verlor. Sie konnten zwar auf chirurgischem Wege gerettet werden, doch blieben seine körperlichen Fähigkeiten damit eingeschränkter als bei seinen Altersgenossen, er schämte sich für seine missförmigen Füße und musste zeitlebens orthopädische Schuhe tragen. Seine späteren Weggefährten und Angehörigen berichteten von seinem mitunter aufbrausenden Charakter, seiner Isolation und seiner Clownerie. 4 Möglicherweise liegt in dieser Kindheitserfahrung eine der Ursachen für seine erst Jahre später beginnende Selbstzerstörung. Vielleicht liegt hier aber auch der Urgrund für den Ehrgeiz auf seinem Instrument. Als weiterer Punkt vermutet man, dass ihn auch der Eindruck, er habe für einen Afroamerikaner eine zu helle Hautfarbe, zu einem Einzelgänger werden ließ. 5 Das Jahr 1953 brachte zwei für Jamersons Zukunft wesentliche Ereignisse mit sich. Zum einen zog seine Mutter nach Detroit, wohin er ihr ein Jahr später folgte, zum anderen eröffnete der spätere Motown-Gründer Berry Gordy einen Plattenladen. Im Musikraum der Highschool kam er mit dem Kontrabass in Kontakt, wie sich sein Schulfreund und Schlagzeuger Clifford Mack erinnert: „[...] James noticed the upright bass laying on the floor [...]. He picked it up and started strummin’ and he said, ‚I’ll be playing this within six months.’“ 6 Von den Legenden, er habe den Kontrabass praktisch mit dem Aufheben des Instrumentes beherrscht, ist freilich wenig zu halten. Nichtsdestotrotz scheint er mit einer beeindruckend schnellen Auffassungsgabe gesegnet durch das Abhören und Nachspielen
3 Uriel Jones: “When he came to a asession or a gig, he tuned his instrument up to itself just using his ear-no
keyboard or nothin’.” In: Dr. Licks (Allen Slutsky): Standing In the Shadows of Motown. S. 27.
4 Dr. Licks (Allen Slutsky): Standing In the Shadows of Motown. S. 8.
5 Ebd., S. 3f.
6 Dr. Licks (Allen Slutsky): Standing In the Shadows of Motown. S. 5.
5
Arbeit zitieren:
Toralf Schrader, 2007, Leben, Werk und Wirkung eines Anonymus – Bassist James Jamerson , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Freinet-Pädagogik im Überblick
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 34 Seiten
Pop Politics - Soul und das Civil Rights Movement in den USA der 1960e...
Diplomarbeit, 120 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Toralf Schrader's Text Leben, Werk und Wirkung eines Anonymus – Bassist James Jamerson ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Toralf Schrader hat den Text Leben, Werk und Wirkung eines Anonymus – Bassist James Jamerson veröffentlicht
Toralf Schrader hat einen neuen Text hochgeladen
Valentin Tomberg. Band 1. Leben - Werk - Wirkung
Leben-Werk-Wirkung 1900-1944
Elisabeth Heckmann
Annemarie Schwarzenbach. Werk, Wirkung, Kontext
Akten der Tagung in Sils/Engad...
Mirella Carbone
Heinz Mack. Leben und Werk. Ein Buch vom Künstler über den Künstler 19...
Heinz Mack, Ute Mack
0 Kommentare