Inhalt
I. Einleitung: Die Auseinandersetzungen Friedrichs II. mit den Päpsten 3
II. Ausgangslage: Friedrich II. und Innozenz III. 4
III. Aufbruch ins Reich: neue Zugeständnisse 8
III.1 Imperium und Regnum. 9
IV. Die Kaiserkrönung 14
V. Wieder Sizilien: Der Konflikt gewinnt an Kontur 15
V.1 Friedrich, die Sarazenen und die Kurie 17
V.2 Mittelitalien, der Lombardenbund und der Kirchenstaat 18
VI. Kreuzzug, kein Kreuzzug: die erste Exkommunikation Friedrichs II. 20
VII. Schlussfolgerung: Friedrich und die Päpste - wer war schuld am Konflikt? 22
VIII. Bibliographie 24
VIII.1 Quellenverzeichnis 24
VIII.2 Literatur 24
VIII.2.1 Monographien 24
VIII.2.2 Unselbständige Veröffentlichungen 25
2
Die Krisen in der Biographie Friedrichs II. beschränken sich nicht auf den Konflikt mit den Päpsten, weswegen es wenig Sinn macht, sie als vollständig isolierte Phänomene in seiner Biographie zu betrachten. Allerdings, und das ist gleich zu Anfang auch schon eine der Thesen dieser Arbeit, finden die Konflikte Friedrichs II. mit den Päpsten nicht nur 1245 in Lyon ihren Höhepunkt oder gar entscheidendes Ende, sondern stellen auch schon vorher einen entscheiden Bereich dar, der Friedrichs Herrschaft charakterisiert. Zwar war der ständig schwelende Konflikt mit den lombardischen Städten mehr als ein einfaches Ärgernis, über die persönliche oder gar emotionale Bedeutung der Revolte seines Sohnes Heinrich lässt sich sicher viel spekulieren, und der päpstliche Bann eines Kaisers war im Hochmittelalter vieles, aber sicher kein Unikum. Nichtsdestotrotz nimmt der Konflikt zwischen Kaiser und Kurie eine zentrale Rolle in Friedrichs Herrschaft ein, in Sizilien noch mehr als im Reich, und ist darüber hinaus schon in seinen ersten Herrscherjahren sichtbar und bricht immer wieder aufso die These dieser Arbeit.
Dieser Linie folgend versucht diese Arbeit, folgende Abschnitte zu problematisieren und zu analysieren: die Zugeständnisse Friedrichs an seinen Vormund Innozenz III. hinsichtlich der Besetzung der sizilischen Bistümer 1 , und damit die Machtfrage in der sizilischen Kirche, die Frage der Personalunion bei gleichzeitiger Trennung zwischen Sizilien und Reich, eine Trennung, auf die die Kirche großen Wert legte, 2 sowie die Kreuzzugsfrage. In diesen Fragen hatte es Friedrich mit so unterschiedlichen Päpsten wie Innozenz III., Honorius III., Gregor IX., und am Schluss Innozenz IV. zu tun, sowie ganze 18 Tage lang mit Coelestin IV. Die vorliegende Arbeit beschränkt sich allerdings auf die Zeit bis zum ersten Bann Friedrichs 1227, und zwar aus folgenden Gründen: auf inhaltlicher Seite, dass die These dieser Arbeit lautet, dass der päpstlich-kaiserliche Konflikt schon vor seiner Eskalation ein zentrales Merkmal von Friedrichs Herrschaft war. Dies lässt sich am besten herausarbeiten durch die Analyse zu einer Zeit, in der der Konflikt noch ohne Propagandaschlachten und in etwas leiseren Tönen ausgetragen wurde. Die Konfliktfelder sizilische Kirche, Einheit Regnum-Imperium sowie der Kreuzzug standen dabei ohnehin schon fest. Auf pragmatischer Seite dagegen ist das Argument für die zeitliche Beschränkung die lange Herrschaft
1 W. Stürner, Friedrich II. Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Darmstadt, 2003, 141.
Fortan: Stürner (2003), Bd. I. Siehe auch MGH Const. 2, 542-544, Nr. 411-413; RI V (1. Abt.), 170f., Nr. 651-
653.
2 W. Lammers, Friedrich II. (1212-1250), in: H. Beumann (Hg.), Kaisergestalten des Mittelalters, München,
1991, 201 f.; siehe auch W. Stürner (2003) Bd. I, 131 f.
3
Friedrichs und der Umfang der damit verbundenen Analyse. Mehr als 40 Jahre auf weniger al
40 Seiten zu analysieren, mit unterschiedlichen persönlichen Konstellationen, hieße an Tiefe
in der Analyse über Gebühr zu verlieren. Es erscheint daher sinnvoller, aufgrund der
inhaltlichen Vertretbarkeit der Begrenzung auf die Jahre bis 1227, die rechtlichen
Vorbedingungen, die durch Heinrich VI., seine Frau Konstanze und Innozenz III. geschaffen
wurden mit zu berücksichtigen, um dann die zentralen Konfliktfelder offen zu legen.
Was diese Arbeit dabei zu leisten sucht, ist, den Konflikt zwischen Kaiser und Päpsten
nachzuzeichnen und zu analysieren. Andere Fragen, wie etwa der Lombardenbund, fallen
dabei heraus und werden nur erwähnt, wo sie zentral in die päpstlich-königlich/kaiserlichen
Beziehungen hineinspielen, wie etwa 1226. Dies liegt unter anderem daran, dass keine von
beiden Konfliktparteien, also weder Krone noch Kurie, die lombardischen Städte als
wichtigen Machtfaktor auf ihre Seite zu ziehen vermochte, was angesichts gewisser
antiklerikaler Strömungen 3 in Oberitalien schon beinahe zu überraschen vermag.
Vom Forschungsstand her orientiert sich diese Arbeit an der Analyse Wolfgang Stürners, der
die gängigen Autoren zum Thema zusammenfasst und berücksichtigt, bezieht aber
selbstverst ändliche auch weitere mit ein, wie etwa David Abulafia und Thomas van Cleve,
letzteren im besonderen deshalb, weil ihm Stürner in einigen Punkten widerspricht.
II. Ausgangslage: Friedrich II. und Innozenz III.
Die Verbindung, oder schon besondere Verbindung, des späteren Kaisers mit dem Papsttum
beginnt bereits bevor Friedrich überhaupt Christ war, also in der Frage seiner Taufe. Laut dem
Willen seines Vaters, wie die Marbacher Annalen zu berichten wissen, sollte Friedrich
n ämlich von keinem Geringeren als dem Papst selbst getauft werden:
Interim missis legatis suis, imperator cepit cum apostolico de concordia ageret volens,
quod filium suum baptizeret - nondum enim baptizatus erat - et quod in regem
ungeret. 4
Damit verfolgten Heinrich und Konstanze nicht etwa rein das Ziel einer umso festlicheren
Taufe , sondern verbanden mit der Taufe die Hoffnung, dass Friedrich gleichzeitig zum König
gesalbt werden möge, eine Hoffnung, die der Papst jedoch nicht zu erfüllen bereit war, da er
die Umklammerung seines Territoriums von Norden und Süden fürchtete. 5 Innozenz III.
3 Ibid., 146.
4 Während er seine Legaten schickte, weil er mit dem Apostolischen Stuhl vereinbaren wollte, dass er seinen
Sohn taufe - er war nämlich noch nicht getauft worden - und dass er ihn zum König salbe. (Eigene Übersetzung)
Annales Marbacenses Qui Dicuntur, hg. v. H. Bloch, Hannover, 1907, 68.
5 W. Stürner (2003), Bd. I, 51 61.
4
schien in vielen Hinsichten die Gunst der Stunde nutzen zu wollen, seinen eigenen Machtbereich auf Kosten des Reiches auszudehnen, und er hatte während der Kindheit Friedrichs II. einen günstigen Zeitpunkt gefunden, dies in die Tat umzusetzen. Zumindest aber setzte er vieles daran, den jungen Friedrich nach dessen Amtsübernahme nicht zu schnell zu groß werden zu lassen. 6 Noch aber kam es nicht zum offenen Konflikt mit Innozenz, sei es, weil Friedrich, gerade erst mündig, zur Kraftprobe noch zu vorsichtig war, oder sei es, weil sein politisches Handeln noch nicht weit genug zurückreichte, um überhaupt großes Konfliktpotential mit dem Vatikan zu erzeugen.
Ein vorprogrammierter Streitpunkt aber war sicherlich die Frage der Hoheit über die sizilische Kirche, die nicht zwischen Friedrich II. und Innozenz III. begann, sondern schon viel weiter zurückreichte, und hier lohnt es sich, die Entwicklung in einer Rückblende anzusehen, um die jeweiligen Rechtsposition zu verstehen. Während Wilhelm I. gegenüber Papst Hadrian IV. die königliche Kontrolle der sizilischen Kirche und der Besetzung ihrer Bistümer aus einer starken Position der Krone heraus durchsetzen konnte, 7 gewann die Kurie diese Befugnis in ihrem Moment der Stärke 1192 zurück, als die königliche Position schwächer war und der Legitimität bedurfte, nämlich in Form des Konkordates zwischen Coelestin III. und König Tankred: De appellationibus quidem ita: Appelationes libere fient ad Romanam ecclesiam in toto regno Sicilie. 8
Friedrichs Mutter protestierte, nachdem ihr Mann Tankred besiegt hatte, denn auch am 3. Oktober 1195 in einem Brief aus Palermo gegen die päpstliche Einmischung in Kirchenfragen auf Sizilien, 9 womit sie sich jedoch nicht durchsetzen konnte. Beide Seiten beriefen sich auf unterschiedliche Rechtsbestände, beide verständlicherweise auf diejenigen, die ihnen jeweils die günstigere Position einräumten. 10 Jedoch starb Konstanze während der Verhandlungen mit der Kurie, und hinterließ einen für Friedrich denkbar ungünstigen Status. Konstanze leistete ihm den Vasalleneid, 11 musste Sizilien als Lehen der Kirche hinnehmen, 12 und in der Kirchenfrage erhielten die Könige von Sizilien lediglich ein beschränktes Zustimmungsrecht, 13 was bedeutete, dass kirchliche Wahlen kanonisch durchgeführt und
6 T.C. van Cleve, The Emperor Frederick II of Hohenstaufen. Immuator Mundi, Oxford, 1972, 64.
7 MGH Const. I, 590f., Nr. 414, sowie J. Deér (Hg.), Das Papsttum und die süditalienischen Nationalstaaten
1053-1212, Historische Texte Mittelalter 12, Göttingen, 1969, 92 f.
8 Über die Berufungen aber dies: Die Berufungen zur römischen Kirche seien frei im ganzen Reich Sizilien
(eigene Übersetzung), MGH Const. I, 593, Nr. 417, sowie J. Déer (1969), S. 97 f.
9 P. Kehr (Hg.), das Briefbuch des Thomas von Gaeta. Justitiar Friedrichs II., Rom 1905, S. 50-52, sowie Déer
(1969), S. 100 f.
10 G. Baaken, Die Verhandlungen zwischen Kaiser Heinrich VI. und Papst Coelestin III. in den Jahren 1995-
1997, in: DA 27 (1971), 489; siehe auch W. Stürner (2003) Bd. I, 55.
11 J. Deér (1969), 102 f.
12 P. Kehr (1905), 57-59.
13 O. Hageneder, A. Haidacher, Die Register Innozenz III., Bd. 1, Graz, Köln, 1964, 616 f., Nr. 411.
5
umgehend publik gemacht wurden, wobei der König von Sizilien dem Ergebnis zustimmen musste, jedoch ohne das Recht, eben jene Zustimmung zu verweigern. 14 Zumindest erreichte Konstanze damit die Anerkennung ihrer bzw. Friedrichs Herrschaft über Sizilien, und mit der Überantwortung Friedrichs in päpstliche Vormundschaft 15 war der Grundstein für jene oben bereits erwähnte, beinahe schicksalhafte Verbindung Friedrichs mit dem Papsttum gelegt worden. Konstanze hatte sich damit Stabilität für ihren Sohn erhofft, 16 und während dieser Zug angesichts der vorausgegangenen Debatten über kirchenrechtliche Fragen wie eine Kapitulation aussehen mag, lassen sie sich auch als äußerst geschickte Realpolitik deuten. Das schwierige Erbe Siziliens könnte dem 4-jährigen Friedrich schnell Schwierigkeiten bereiten, und es bis zu seiner Mündigkeit durch die stärkste kirchliche (und nach späterer Auffassung des apostolischen Stuhls auch weltlichen) Autorität verwalten zu lassen war wohl aus damaliger Sicht der beste Garant dafür, Friedrich eines Tages ein regierbares Reich zu hinterlassen. In anderen Worten: Die Schlacht um die Oberhoheit der sizilischen Kirche war vorerst verloren, aber nun bestand die Möglichkeit, wenigstens den Rest nicht auch noch zu verlieren.
Aus päpstlicher Sicht kann die Unterstützung Friedrichs in Sizilien nicht ganz uneigennützig gewesen sein, insbesondere vor dem Hintergrund der Kehrtwende in der päpstlichen Deutschlandpolitik. Mit dem Tod Phillips von Schwaben 1208 entstand die für Innozenz III. bequemere Position, sich nur noch einem gegenüberzusehen, der die Kaiserkrone beanspruchte. 17 Darüber hinaus bedeutete die Unterstützung für Otto im Reich und diejenige für Friedrich auf Sizilien, Imperium und Regnum erfolgreich zu trennen, und die von der Kurie gefürchtete Konzentration von Macht um ihre Grenzen herum von Norden und Süden in einer Hand zu vermeiden: Divide et impera. Diese Konstante in der päpstlichen Politik zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Friedrich später, als er dem Ruf seiner Wahl nach Deutschland folgte, seinen Sohn auf päpstlichen Wunsch hin als König in Sizilien zurückließ. 18 Dass Innozenz die Aufteilung der Macht in Europa auf zwei Köpfe lieber gewesen wäre als die Wahl Friedrichs zum deutschen König zeigt sich dann des weiteren wohl auch im Zögern Innozenz’ bis zur letzten Minute, den Beschluss zur Exkommunikation Ottos publik zu machen, und ihm damit die volle Wirkung zu verleihen. 19 Die Notwendigkeit, Sizilien gegen Otto zu verteidigen, machte aus Friedrich und Innozenz in der Bedrängnis zwar
14 W. Stürner (2003) Bd. I, 85.
15 Ibid., 86.
16 Ibid.
17 Ibid., 122.
18 D. Abulafia, Frederick II. A Medieval Emperor, London, 1988, 114.
19 W. Stürner (2003) Bd. I, 127 f.
6
Verbündete, 20 aber der Papst hatte selbst während dieser Phase enger Zusammenarbeit bereits Konflikte mit Friedrich als König von Sizilien auszutragen, namentlich den um die Besetzung des sizilischen Bistümer, und damit um eine wichtige kirchliche Machtfrage. Friedrich wiederum hatte bereits 1208 versucht, sich aktiv in Personalfragen einzumischen, als er, ohne Innozenz zu konsultieren, den Bischofssitz in Palermo neu besetzte. 21 Dies beantwortete Innozenz - erfolglos - mit einem Schreiben, in dem er Friedrich an die Vereinbarung mit seiner Mutter Konstanze aus dem Jahre 1198 erinnerte. 22 Vor diesem Hintergrund, nämlich dass selbst in einer Phase enger Kooperation zwischen König und Kurie Konfliktpunkte bestanden, wie Wolfgang Stürner bemerkt, 23 scheint es nur verständlich, dass Innozenz zögerte, sofort uneingeschränkt und mit allen Mitteln gegen Otto IV. vorzugehen, und versuchte, diesem noch einen Hinterausgang zu bieten, zumal die Erfahrung lehrt, dass ein Mensch mit dem Rücken zur Wand versucht, nach vorne zu flüchten. Bezeichnenderweise wartete Innozenz mit der breiten Publikation seines Bannes gegen Otto dann auch bis zum 31. März 1211. 24
Otto trat trotzdem die Flucht nach vorn an, indem er versuchte, Sizilien militärisch zu erobern. Damit ließ er weder Innozenz noch Friedrich eine Wahl. Aus Friedrichs Sicht ist es ohnehin keine Frage, dass er sein angegriffenes Territorium zu verteidigen hat. Innozenz III. stellte mit der Verkündung des Bannes gegen Otto IV. am 18. November 1210 25 den Katalysator für die Wahl Friedrichs zum deutschen König dar. Damit hatte Innozenz zwar die gefürchtete Umklammerung seines Staates von Nord und Süd in Person Friedrichs II., doch erstens ließ er diesen seinen Sohn Heinrich in Sizilien zurücklassen, und zweitens ist es nur verständlich, dass er einen Kaiser vorzog, mit dem ihn viel verband und von dem ihn bislang nur wenig trennte, gegenüber einem Otto als Kaiser und erfolgreichem Eroberer Siziliens, der Innozenz gegenüber mehrfach wortbrüchig geworden war. Nichtsdestotrotz muss der Vorfall um Palermo 1208 sowie um Friedrichs Kanzler Walter von Pagliaria, den Friedrich gegen Innozenz’ Rat abgesetzt hatte, 26 Innozenz Anlass zur Sorge gegeben haben. Noch aber konnte er in Friedrich einen Verbündeten sehen, auf den er zufrieden blicken konnte im Sinne des Einflusses, den er auf ihn ausübte, hatte er doch mit Konstanze von Aragon Friedrich eine Ehe vermittelt, die den Vorteil hatte, dass Friedrich keine „deutsche“ Frau hatte, was seine Bande zum Imperium nur noch gestärkt hätte, und darüber hinaus mit der Verbindung nach Aragon
20 Ibid., 121.
21 W. Stürner (2003) Bd. I, 116.
22 Van Cleve (1972), 65.
23 W. Stürner (2003) Bd. I, 141.
24 Ibid., 129; T. van Cleve (1972), 75.
25 W. Stürner (2003), Bd. I, 129.
26 W. Stürner (2003) Bd. I, 132.
7
Arbeit zitieren:
Nicholas Williams, 2007, Die Konflikte zwischen Friedrich II. und den Päpsten bis zur 1. Exkommunikation Friedrichs 1227, München, GRIN Verlag GmbH
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