IN NH HA AL LT T I
Einleitung 1
1 Der Lehrervortrag 3
2 Interpretation von Karikaturen 7
3 Umgang mit Statistiken und Tabellen 11
4 Textanalyse/ Methode Mind Map 16
5 Handlungsorientierte Methoden 20
6 Talk-Show „Direkte Demokratie“ 24
7 Die Pro-Contra-Debatte „Direkte Demokratie“ 29
8 Dilemmadiskussion 36
Schlussbemerkung 42
Einleitung
„Methode beschreibt die Grundintention, nach der ein Lehrer seine Schüler zur politischen Denk- und
Handlungsfähigkeit bringt.“ 1
„Ein geregeltes Verfahren, nach dem Unterrichtsstoffe unter Berücksichtigung aller didaktischen
Faktoren schülergerecht in Unterrichtseinheiten gegliedert werden, und eine Verfahrensweise, mit der
die unterschiedlichen Lernprozesse auf Grund vorgesehener Lernziele und Unterrichtsprinzipien
beeinflusst werden.“ 2
„ Unter Methodenkonzeption soll darum das reflektierte Arrangegement von Artikulationsshemata,
Unterrichtsform, Sozialform und Medien zum Nachvollzug und Erlernen didaktischer Fragen
3 verstanden werden.“
„ Am methodischen Handeln sind alle beteiligt, die am Unterricht teilnehmen. […] Gestaltung von
Unterricht wird so zu einer besonderen Aufgabe und muss durch methodisches Handeln auch der
Schüler zu einem gemeinsamen Lernprozess führen. Politische Bildung kann auf Selbsttätigkeit und
Aktivität der Schüler in der konkreten Unterrichtssituation schon deshalb nicht verzichten, weil es
ihren Auftrag entspricht, Schüler zu Selbstentfaltung, zur Eigenverantwortung und zum
Mitbestimmen zu befähigen.“ 4
Die verschieden aufgeführten Definitionen sollen die Wechselbeziehung, das Zusammenspiel und die Verknüpfung von Methodik und Didaktik aufzeigen. Die Zielsetzung für methodisches Handeln in der Politischen Bildung kann nur im Zusammenhang und in einer ständigen Wechselbeziehung mit didaktischen Überlegungen denkbar sein. Die Gründe sind vielfältig und man könnte noch sehr viel mehr solcher Definitionen hier anbringen, das Fazit bleibt in jedem Fall gleich. Schüler und Lehrer sollten methodisch geschult sein, die Methodik als eine Summe von Verfahrensweisen unterschiedlicher Reichweite ansehen und im bewussten Zusammenhang mit anthropogenen, soziokulturellen Voraussetzungen, Intentionalität, Thematik und Medienwahl anwenden. 5
1 Dosch, Roland, Lernzielorientierter Politikunterricht an berufsbildenden Schulen, Rinteln 1983, S. 26.
2 Köck, Peter/ Ott, Hans, Wörterbuch für Erziehung und Unterricht : 3100 Begriffe aus den Bereichen Pädagogik, Didaktik, Psychologie, Soziologie, Sozialwesen, 7. Auflage, Donauwörth 2002, S. 419.
3 Gagel, Walter, Unterrichtsplanung: Politik/Sozialkunde, Opladen 1986, S. 182.
4 Sandmann, Fritz, Zum Verhältnis von Methodik und Didaktik, in: Nitzschke, Volker/ Sandmann, Fritz (Hrsg.), Neue Ansätze zur Methodik des Politischen Unterrichts, Stuttgart 1982, S. 29.
5 Franke, Peter, Methoden und Medien aus der Sicht sozialer und politischer Bildung, 1
Donauwörth 1981, S. 11-13.
Im Gesamtrahmen geht es in Endeffekt darum, den Schülern Hilfen zu geben, ihnen Angebote zu machen, die sie aktuell und später befähigen, politische bzw. mündige Bürger zu sein. Die Hauptzielrichtung ist heute wie damals das Interesse zu wecken, Aktivität zu stärken, Handlungsfähigkeit entwickeln, die Abschätzung von Handlungsfolgen, Werte, Normen, Ziele zu reflektieren, Einsichten in die Strukturen der Gesellschaft erlangen und vor allem die Entwicklung von Eigenverantwortung, die Selbstkenntnis mit einschließt. 6
Die Wirksamkeit der politischen Bildung steht und fällt mit der Methodenkompetenz der Schüler und der Lehrenden 7 . Nur wenn Schüler und Lehrende wissen und durch Erfahrung abgesichert haben, wie sie zu Bewältigung der jeweiligen Aufgaben methodisch am besten vorzugehen haben, kann ein erfolgreicher, selbstständiger, zielstrebiger und nachhaltiger Unterricht in der Politischen Bildung etabliert werden.
Im Seminar wurden einige ausgewählte Methoden und Arbeitstechniken genauer erläutert und auch simuliert. Die Ergebnisse wurden in einer Arbeitsgruppe erstellt und sollen in den folgenden Kapiteln dargestellt werden. Die Kapitel stehen dabei größtenteils für sich und werden durch eine einleitende und abschließende Bemerkung eingerahmt. Der Arbeitsgruppe war auf der einen Seite die Erläuterung des konkreten Beispiels und auf der Anderen die theoretische Unterfütterung bzw. Reflexion der durchgeführten Unterrichtssimulation wichtig. Die Arbeit soll als in gewisser Weise als Seminarmappe dienen, welche unter der Thematik Chancen, Grenzen und Probleme bei der praktischen Umsetzung, die Veranstaltung Politikdidaktische Unterrichtsverfahren, Methoden und Arbeitstechniken zusammenfasst.
6 Nitzschke, Volker/ Sandmann, Fritz, Einleitung, in: Nitzschke, Volker/ Sandmann, Fritz (Hrsg.), Neue Ansätze zur Methodik des Politischen Unterrichts, Stuttgart 1982, S. 19-21.
7 Die Begrifflichkeit von Schüler und Lehrende sind in der gesamten Arbeit in femininen sowie maskulinen Zusammenhang zu sehen.
2
1. Der Lehrervortrag
Der Lehrervortrag, oft als methodisch veraltet verschrien, ist ein geeignetes Mittel, Informationen zu einem bestimmten Sachverhalt oder Thema in konzentrierter Form und gut strukturiert an die Schüler und Schülerinnen weiterzugeben.
Phase I - Einleitung (ca. 1 Minuten)
• Thema vorstellen sowie Interesse und Aufmerksamkeit der Schüler wecken • Bedeutung des Inhalts im Rahmen der Unterrichtsreihe deutlich machen, um Bereitschaft zum Zuhören zu bewirken
• Rückbezug auf den vorhergegangenen Unterricht herstellen (Anbindung) • Informationsquellen nennen • Gliederung des Vortrags vorstellen
Übergeordnetes Thema: Wirtschaft ( 9/10 Klasse Sek I )
Thema der Stunde: Konkurrenz von Tank und Teller
- Aufgrundvon Schülerfragen aus der letzten Stunde zu den steigenden Lebensmittelpreisen, einleitender Lehrervortrag zum Thema.
- Lebensmittelpreisewerden tägliche teurer, warum ist das so?
- DasSchicksal des Osterhasen (200 Gramm schwere Schokotier Preis: 79 Cent statt 69 Cent) hängt am Preis für Milchpulver, eine der Hauptzutaten, welche sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt hat. Das ist ein Trend für die gesamte Lebensmittelbranche.
Überschrift: „Konkurrenz von Tank und Teller“ (Nach Erarbeitung des Tafelbilds in Phase III anschreiben und Übergang zum Unterricht herstellen.)
Phase III - Schlussteil (ca. 1-2 Minuten)
• Zusammenfassung der wichtigsten Fakten und Ergebnisse • evtl. kurze Stellungnahme zum Thema • Diskussion zu inhaltlichen Punkten des Vortrags
• Übergang zum weiteren Vorgehen im Unterricht/ in der Unterrichtsreihe herstellen
- Diegrößere Konkurrenz von Anbauflächen bzw. um den Rohstoff Mai, Raps und Soja lassen die Preise steigen!
- Diesehöheren Preise wirken sich auf das Leben der Menschen aus
- Wieein Preis für ein Produkt entsteht und von welchen Faktoren dies anhängt, sollen euch die folgenden vier Texte zeigen - Gruppen bilden - Erörterung von Preisentstehung und Auswirkung die Bevölkerung
Allgemein kann der Lehrervortrag den Charakter einer Hinführung, Problematisierung, Verdeutlichung, Exemplifizierung oder Zusammenfassung haben. Er sollte nicht dem „Schreckbild von der monologisierten Lehrkraft“ entsprechen und zum stummen Zuhören verurteilen. Wie auch das Unterrichtsgespräch soll die Methode des Lehrervortrags nur in Verbindung bzw. Ergänzung gebraucht werden und zum Verständnis beitragen. In diesem Fall ergänzte sich der Lehrervortrag mit dem Tafelbild und visualisierte den erklärten Prozess. Das Tafelbild wurde in diesem Fall auch sehr kurz gehalten, so dass sich während des Lehrervortrages keine Eigendynamik entwickeln konnte. Wenn der Lehrer während des Vortrages sich laufend unterbricht, um etwas an die Tafel zu schrieben, so muss er immer wieder das Hauptgeschehen stören, die Aufmerksamkeitsrichtung der Schüler umlenken und die Hauptlinie des Geschehens verlassen. Eigentlich soll das Tafelbild ein Art Nebenprodukt sein, aber es kann einen zu hohen Stellenwert erlangen und kann zur Hauptsache werden. 8
Im bearbeiteten Fall der Arbeitsgruppe handelte es sich um einen vorbereiteten Lehrervortrag, bei dem wir bewusst auf eine übersichtliche Gliederung und möglichst direkten Weg zum Unterrichtsthema, gesetzt haben. D.h. ein mit wenigen Gedankengängen, Prägnanz und Einfachheit gestalteter Einstieg in die wirtschaftlichen Prozesse bzw. Entstehung von Preisen anhand des gewählten Beispiels. 9
8 Wenzel, Birgit, Das Gespräch im historisch-politischen Unterricht. ein Kurs für Studenten und Lehrer, München 1973, S. 82-92 ; Meyer, Hilbert, Unterrichtsmethoden II. Praxisband, Frankfurt am Main 1987,S.217-223; Gudjons, Herbert, Methodik zum Anfassen, Bad Heilbrunn 2000, S. 59-64.
9 Massing, Peter, Der Lehrervortrag, in: Methodentraining I für den Politikunterricht, Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2006, S.13-20.
5
Quellenmaterial für die Simulation:
(letzter Aufruf 29.04.08 15:07 Uhr)
Agrarprodukte - In den Tank statt auf den Teller?
April 2007 www.wirtschaftundumwelt.at
Merret, Gary, Marktwirtschaft in Schulbüchern, Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Berlin 2008.
http://www.fnst-freiheit.org/uploads/896/Martkw_Schulbuecher.pdf
(letzter Aufruf 14.08.08 14.05 Uhr)
2. Interpretation von Karikaturen
Definitionsversuche
Karikaturen...
... sind „satirische Darstellungen von Menschen oder gesellschaftlichen Zuständen.“ ... sind „ein subjektiver politischer Kommentar“ des Zeichners. ... sind „parteilich“ und durch eine durch die Verzerrung der gewohnten Wirklichkeit geschaffene Distanz wir die Chance eröffnet, „politisch-gesellschaftliche Alternativen“ zu denken. 10
... „betrachten Politik aus der Froschperspektive, sozusagen „von unten“ [...]“. 11 ... „spitzen Sachverhalte zu [...] und erhöhen damit ihre Wirkung“. Das didaktische Potential guter Karikaturen...
...resultiert aus dem „Spannungsverhältnis aus den eindeutigen Zeichen, die auf einen Blick erkannt werden, und der irritierenden Montage, die politisches Denken produziert“ 12
Gute Karikaturen bieten den Vorteil, „dass sie viele Ansatzpunkte für die folgende Analysebieten, die Hilfen für die weitere Unterrichtsplanung liefern können.“ 13 Da Karikaturen immer ein einseitiges politisches Urteil abbilden, muss die Position überprüft werden und um Gegenargumente relativiert werden (Kontroversitätsgebot). "Karikaturen sollten sowohl Mittel des Unterrichts sein (Motivationseinstieg, Veranschaulichung, Dokumente parteilicher historischer Standpunkte und Argumentationen, Reflexe auf politische Prozesse) als auch bewusst Gegenstand sein. Der erste emotionale Anstoß, die spontane Reaktion sind wichtig. Doch bleibt die Aufgabe, die Sicherheit im kritischen Umgang mit Karikaturen zu fördern, ein wichtiges Ziel. […]Dabei wird deutlich, dass politische Karikaturen nicht Selbstzweck sind, sondern zielgerichtete, satirische Kritik, die bei allem Lustgewinn etwas bewirken will, die über das Lachen betroffen, nachdenklich, im optimalen Fall politisch aktiv machen will." 14
10 George, Siegfried, Karikatur, in: Kuhn, Hans Werner/ Massing, Peter (Hrsg.), Methoden und Arbeitstechniken, Lexikon der politischen Bildung, Band 3, Schwalbach 2000, S. 85-86.
11 Kuhn, Hans Werner, Karikaturen, in: Methodentraining I für den Politikunterricht, Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2006, S. 24.
12 Ebenda S. 25.
13 Ebenda S. 27.
14 Grünewald, Dietrich, Bild und Karikatur, in: Wolfgang W. Mickel (Hrsg.), Handbuch zur politischen Bildung, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Band 358,
7
Bonn 1999, S. 456.
Ein Interpretationsmodell nach dem klassischen Stufenmodell der Hermeneutik
Erste Stufe: VERSTEHEN - Beschreibung
Thema, Anlass, Politikfeld, Problemstellung
Genaue Beschreibung aller Stilelemente der Karikatur (Schrift, Akteure, Symbole,
grafische Elemente (z.B. Perspektive, Zoomeffekte), Farbsymbolik)
Zweite Stufe: AUSLEGEN - Interpretation
Erkennen des Sinns und der Aussage der Karikatur
Ideen des Zeichners, seine Motive
Systematische Klärung der Einzelelemente (welche kulturell geprägt sind; einige der
Elemente kommen immer wieder vor kumulativer Lernprozess)
Dritte Stufe:
ANWENDEN - Überprüfung der Aussage der Karikatur Bündelung der Aussage der Karikatur, um sie anhand von Zusatzmaterialen zu
überprüfen Karikatur als Impuls, um in eine systematische Analyse eines Themas einzusteigen 15
Die Karikatur im Unterricht - praktische Tipps
A. Auswahl
Es wird empfohlen, sich ein eigenes Archiv - nach den Rahmenplanthemen sortiertanzulegen. Für die Auswahl benötigt man fachdidaktisches Bewusstsein und Wissen um Ziele des Unterrichts. Als Fundorte für so eine Auswahl können Karikaturen in Tageszeitungen, Karikaturenbände und die Archive der Karikaturisten im Internet dienen. Aufgepasst werden muss bei den Copyright Bestimmungen der jeweiligen Seite. www.stuttmann-karikaturen.de: Archiv geordnet nach Ereignissen, Ländern, Namen, Daten etc. suchen kann. Außerdem kann man die „Karikatur des Tages“ abonnieren (als Lesezeichen) http://www.karikatur-cartoon.de.
15 Vgl. Uppendahl, Herbert, Die Karikatur im historische-politischen Unterricht. Eine Einführung mit Unterrichtsbeispielen, Freiburg 1978, S. 23 ; Kuhn, Hans Werner, Karikaturen, in: Methodentraining I für den Politikunterricht, Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2006, S. 27.
8
Arbeit zitieren:
Sebastian Woye, 2008, Methoden und Arbeitstechniken im Politikunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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