Verfasser: Michael Bergmann
Matr. Nr. :
Fachgebiet: Tierproduktion
Referentin:
Korreferent:
Abgegeben am: 03.05.2007
Inhaltsverzeichnis
Verzeichnis der Tabellen III
Verzeichnis der Abbildungen V
Verzeichnis der Abkürzungen VI
1 Einleitung 1
2 Bedeutung und derzeitige Situation der Nutzungsdauer, 3
Lebensleistung und Lebenseffektivität
2.1 Wirtschaftliche Situation 3
2.2 Bedeutung von Nutzungsdauer, Lebensleistung und 4
Lebenseffektivit ät
2.3 Derzeitige Situation und Entwicklung der Nutzungsdauer, 12
Lebensleistung und Lebenseffektivität
3 Einfluss auf die Lebenseffektivität und Nutzungsdauer 18
3.1 Selektionsentscheidungen 18
3.2 Milchleistung 22
3.2.1 Milchleistung und Gesundheit 26
3.2.2 Milchleistung und Management 30
3.2.3 Persistenz 31
3.2.4 Milchleistung in der ersten Laktation 34
3.2.5 Milcheiweißgehalt 39
3.3 Exterieur 40
3.3.1 Beurteilung und Merkmale des Exterieurs 41
3.3.2 Einfluss und Bedeutung des Exterieurs auf die Nutzungsdauer 44
3.4 Gesundheitsmerkmale 49
3.5 Kuhfamilen und Bullenlinien 52
4 Zuchtziel 56
4.1 Gewichtung der einzelnen Merkmale in der Zuchtwertschätzung 56
5 Material und Methode 64
5.1 Material 64
5.2 Methode 65
I
6 Ergebnisse und Diskussion 67
6.1 Situationsbeschreibung der analysierten Tiere im 67 Osnabrücker Zuchtgebiet 6.2 Merkmalsbeziehungen zur Lebenseffektivität
6.2.1 Merkmale zum Tier 6.2.2 Exterieur 6.2.3 Jungkuhleistung 6.2.4 Abstammung der Tiere 83 7 Schlussfolgerungen 87 8 Zusammenfassung 91
Literaturverzeichnis 94 Anhang 101
II
Verzeichnis der Tabellen
Tab. 1: Kosten für die Bestandsergänzung 5
Tab. 2: Reproduktionskosten bei unterschiedlichen Abgangsraten 6
Tab. 3: Leistungen die für eine hohe Lebensleistung nötig sind 11
Tab. 4: Zahl der 100.000 kg Kühe 14
Tab. 5: Zahl und Anteil der Kühe mit über 50.000 kg Lebensleistung 14
Tab. 6: Überlebensrate der Kühe in verschiedenen Zuchtgebieten 16
Tab. 7: Bei welcher Milchleistung eine weitere Besamung sinnvoll ist 20
Tab. 8: Abgangsursachen 22
Tab. 9: Effekt steigender Milchleistung auf die Stückkosten 23
Tab. 10: Klassifizierung des Zyklus von Kühen in Abhängigkeit von 26 der Leistungshöhe
Tab. 11: Einfluss von Gesundheitsstörungen auf die Länge des 28 produktiven Lebens
Tab. 12: Höheres Krankheitsrisiko durch negative Energiebilanz 29
Tab. 13: Leistungsanstieg von der ersten zu folgenden Laktation 38 in Prozent
Tab. 14: Mittlere Erkrankungs- und Abgangsrate (%) von Jungkühen 40
mit unterschiedlichem Eiweißgehalt bei gleicher Milchleistung
Tab. 15: Exterieurmerkmale und Heritabilitäten 44
Tab. 16: Relativzuchtwerte der Exterieurkomplexe und RZE von 45
Bullen mit extremen Zuchtwerten für direkte Nutzungsdauer
Tab. 17: Genetische Korrelationen zwischen Milchtyp, und 47
spezifischen Krankheiten von Töchtern amerikanischer Vererber in Dänemark
Tabelle 18: Beziehung verschiedener Merkmale zur Nutzungsdauer 51
Tab. 19: Genetische Vorgaben und relative Gewichtung der 57 Merkmalskomplexe im RZG
III
Tab. 20: Durchschnittliche Nutzugsdauer bei verschiedenen 61 RZN Werten
Tab. 21: Datenentwicklung nach Ausschluss 65
Tab. 22: Entwicklung der Leistung nach Abgangsjahren 67
Tab. 23: Mittelwert, Standardabweichung, Minimum, Maximum der 69 Exterieureinstufung
Tab. 24: Erstkalbealter, Nutzungsdauer, Lebensleistung und 70
durchschnittliche Leistung je Lebenseffektivitätsklasse
Tab. 25: Differenz der Exterieureinstufung von Tieren mit langer 72
Nutzungsdauer im Vergleich zum Durchschnitt
Tab. 26: Differenz der Exterieureinstufung von Tieren mit hoher 73
Lebenseffektivität im Vergleich zum Durchschnitt
Tab. 27: Unterschiede im Exterieur bei ähnlich geringer Leistung in der ersten Laktation und unterschiedlicher Leistung je Lebenstag 79
Tab. 28: Leistung, Nutzungsdauer und Lebenseffektivität bei 81
überdurchschnittlicher und unterdurchschnittlicher Leistungssteigerung von der ersten Laktation zur Höchstleistung in der dritten Laktation
Tab. 29: Mittelwerte für Nutzungsdauer, Lebenseffektivität und 81
Leistung innerhalb Klassen nach Leistungssteigerung
Tab. 30: Entwicklung des Exterieurs bei unter- und 83
überdurchschnittlicher Leistungsentwicklung
Tab. 31: Vergleich der Vererbung von Laktationskurve und 85
Leistungsentwicklung von den 15 am häufigsten vorkommenden Bullen in der höchsten Lebenseffektivitätsklassen mit der Referenzkurve
IV
Verzeichnis der Abbildungen
Abb. 1: Bedeutung der Nutzungsdauer 6
Abb. 2: Entwicklung der Leistung 7
Abb. 3: Bedeutung der Lebensleistung, Leistungen und Kosten 9
Abb. 4: Bedeutung der Lebensleistung, Herdengesundheit und 10 Managementparameter
Abb. 5: Lebensleistung und Nutzungsdauer der Schwarzbunten 13 Holstein in Westdeutschland
Abb. 6: Lebensleistung und Nutzungsdauer der Rotbunten Holsteins 13
Abb. 7: Entwicklung der Lebenseffektivität 15
Abb. 8: Anteil der Kühe in den Laktationen und Leistung 17
Abb. 9: Zuchtwerttrend RZM der Besamungsbullen Schwarzbunt 25
Abb. 10: Entwicklung der Milchleistung je Kuh 25
Abb. 11: Wahrscheinlichkeit des Auftretens verschiedener 27
Gesundheitsstörungen in der dritten Laktation in Abhängigkeit der 30 Tage Milchleistung
Abb. 12: Darstellung verschiedener Laktationsverläufe 32
Abb. 13: Leistungsentwicklung zu Laktationsbeginn innerhalb 33
Klassen nach Lebenseffektivität
Abb. 14: Altersbedingter Leistungsverlauf der 25 % 37
leistungsstärksten Kühe nach erster, zweiter und dritter Laktation
Abb. 15: Gewichtung der Informationsquellen im RZN 60
Abb. 16: Entwicklung der Kreuzhöhe von 1990 bis 2003 68
Abb. 17: Mittelwerte der ersten Laktation innerhalb der Klassen nach 76 Lebenseffektivität
Abb. 18: Beziehung Milchmenge in der ersten Laktation und 77 Lebenseffektivität
Abb. 19: Mittelwerte der 305 Tagesleistung der ersten Laktation 78
innerhalb Klassen nach Nutzungsdauer
V
Verzeichnis der Abkürzungen
ADR Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter e.V.
DHV Deutscher Holstein Verband
EKA Erstkalbealter
MLP Milchleistungsprüfung
OHG Osnabrücker Herdbuch Genossenschaft
ÖZW Ökologischer Gesamtzuchtwert
RZE Relativzuchtwert Exterieur
RZG Gesamtzuchtwert
RZM Relativzuchtwert Milch
RZN Relativzuchtwert Nutzungsdauer
RZS Relativzuchtwert Zellzahlen
RZZ Relativzuchtwert Zuchtleistung
VIT Vereinigten Informationssysteme Tierhaltung
VI
1 Einleitung
1 Einleitung
Während bei Haustieren wie selbstverständlich zum Teil sehr hohe Altersgrenzen erreicht werden, ist bei landwirtschaftlichen Nutztieren der natürliche Tod aufgrund von wirtschaftlichen Gründen nahezu unbekannt. Das physiologische Alter, das die heutigen Kühe erreichen könnten, beträgt jedoch durchaus 20- 25 Jahre. Über Einzelfälle von 30 bis zu 40 Jahren wurde berichtet. In der landwirtschaftlichen Praxis erreichen die Kühe dagegen nur noch ein Alter von gut fünf Jahren (ZIEGLER 2005). In den letzten Jahrzehnten schieden die Milchkühe aus gesundheitlichen und leistungsabhängig Gründen sogar immer früher aus den Betrieben aus. Dies führte in der Bevölkerung und insbesondere bei den Verbrauchern zu einem Vertrauensverlust in die moderne Milchviehhaltung.
Eine geringe Nutzungsdauer der Kühe belastet jedoch besonders die Rentabilität der Milchviehbetriebe. Die Gesundheit und Lebensdauer der Milchkühe sind wichtige Einflussfaktoren auf die Wirtschaftlichkeit. Die Aufmerksamkeit der Landwirtschaft an einer Erhöhung der Lebensdauer bzw. Nutzungsdauer der Kühe ist in jüngster Vergangenheit stark gestiegen. Auch in den gesamten deutschen wie internationalen Zuchtprogrammen ist die Notwendigkeit der Zucht auf Nutzungsdauer erkannt worden und scheint in den Zuchtprogrammen der neue Schlüsselbegriff zu sein (SCHNEIDER 2003).
Neben der Nutzungsdauer steht aber nach wie vor die Milchleistung der Kühe im besonderen Interesse der Milchviehhalter. Die Milchleistung beeinflusst die Erlöse und die Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung unmittelbar. In der Beratung wird neuerdings der Begriff der Lebenseffektivität verwendet. Die Lebenseffektivität beschreibt die Milchleistung je Lebenstag und beinhaltet somit sowohl die Milchleistung als auch die Nutzungsdauer.
In der vorliegenden Arbeit soll die Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und des neuen Parameters Lebenseffektivität in Deutschland dargestellt werden. In einem Literaturteil werden Ursachen und Möglichkeiten zur Verbesserung der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität vorgestellt. An-
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1 Einleitung
schließend werden anhand einer Datenauswertung von 103.464 Kühen aus dem Osnabrücker Zuchtgebiet Tiere mit einer hohen Lebenseffektivität analysiert. Ziel ist es, diese Kühe zu charakterisieren, vor allem im Hinblick auf das Exterieur und der Leistungsentwicklung. Produktionstechnische und haltungsbedingte Aspekte bleiben hierbei unberücksichtigt. Vielmehr sollen züchterische Möglichkeiten aufgezeigt werden. Weiterhin sollen für den praktischen Landwirt Selektionshilfen dargestellt werden.
Da die Holstein Friesians (Schwarzbunt und Rotbunt) die bedeutendste Rasse in der deutschen Milchviehpopulation darstellt, beziehen sich die Angaben in der Arbeit - wenn nicht anders vermerkt - auf diese Rasse.
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
2 Bedeutung und derzeitige Situation der Nutzungsdauer,
Lebensleistung und Lebenseffektivität
2.1 Wirtschaftliche Situation
Die Milchviehhaltung in Deutschland befindet sich in einer schwierigen Phase. Der Milcherzeugerpreis ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen und wird selbst unter optimistischen Marktanalysen zufolge in den nächsten Jahren nur geringfügig steigen. Schrittweise Senkungen der Interventionspreise für Butter und Magermilchpulver, die mengenmäßige Begrenzung der Butterinterventionen sowie die Abschaffung der Milchquote lassen sogar einen Preisrückgang erahnen. Auf den Faktormärkten ist dagegen ein gegensätzlicher Trend zu beobachten. Die Kosten für Vorleistungen, Personal-, Gemein- und Futterkosten sind in den letzten Jahren gestiegen (WANGLER und HARMS 2006 S. 37f). Unter Vollkostenbedingungen erzielen eine Vielzahl von Betrieben in Deutschland kein positives Betriebszweigergebnis (HEIDEMANN 2003, OVER 2006 S. 47f).
Um exemplarisch die wirtschaftliche Situation der milchviehhaltenden Betriebe in Westdeutschland kurz zu umschreiben, werden in diesem Kapitel die Betriebsauswertungen der Rinderspezialberatung aus Baden-Württemberg herangezogen. Im jährlich erscheinenden Rinderreport Baden-Württemberg wird besonders auf die Nutzungsdauer und Lebensleistung der Kühe in den Betriebe eingegangen. Die dort ausgewerteten 374 konventionell wirtschaftenden Betriebe mit durchschnittlich 56 Kühe je Betrieb und einer Milchleistung von 7.205 kg ECM/Kuh liegen bezüglich der produktionstechnischen und wirtschaftlichen Ergebnisse deutlich über dem Landesdurchschnitt. Im Wirtschaftsjahr 2004/2005 konnten in Baden-Württemberg unter Vollkostenbedingungen nur die ausgewerteten Betriebe des oberen Viertels ein positives kalkulatorisches Betriebseinkommen von 0,8 ct/kg Milch erwirtschaften. Der Durchschnitt aller Betriebe erzielte ein negatives Betriebseinkommen von -3,8 ct/kg Milch (OVER 2006 S. 47f).
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
Die Milchviehhalter werden daher gezwungen sein, die Produktionskosten je kg Milch zu senken, um erfolgreich am Markt bestehen zu können. Verschiedene regionale Betriebszweigauswertungen zeigen, dass vor allem bei den variablen Kosten Einsparpotenziale bestehen. Die erfolgreichen fünf-undzwanzig Prozent der Betriebe können mit wesentlich niedrigeren variablen Kosten produzieren als der Durchschnitt (MEYER 2003). Die größten Reserven bei den variablen Kosten sehen verschiedene Autoren in den Kosten der Bestandsergänzung (HEIDEMANN 2003, MEYER 2003 LÜHRMANN 2005 a). Der Rinderreport Baden-Württemberg 2005 bestätigt, dass die Bestandergänzungskosten nach den Kraftfutterkosten den größten Kostenblock der variablen Kosten darstellen (N.N. 2005 a S. 3) und dort die größten Einsparmöglichkeiten liegen (MEYER 2003).
2.2 Bedeutung von Nutzungsdauer, Lebensleistung und Lebenseffektivität
In Bezug auf die Kosten der Bestandsergänzung wird in der Literatur neben einer Verringerung der Aufzuchtkosten auf die Bedeutung der Parameter Nutzungsdauer, Lebensleistung und Lebenseffektivität hingewiesen.
Bedeutung der Nutzungsdauer
Der Zeitraum vom ersten Abkalben einer Kuh bis zum Abgang des Tieres wird als Nutzungsdauer oder produktives Leben bezeichnet. Die Bestandsergänzungskosten je Liter Milch ergeben sich aus den Aufzuchtkosten bzw. Zukaufkosten aller im Wirtschaftsjahr eingestallter Färsen, korrigiert um die zur Zucht verkauften Färsen, dividiert durch die abgelieferte Milchmenge. Entscheidend für die Beurteilung der Bestandsergänzung sind allerdings die Kosten der Nettobestandsergänzung. Bei dieser Kennzahl werden von den Bestandsergänzungskosten die Altkuherlöse bzw. Schlachterlöse je Liter Milch subtrahiert. Die Schere zwischen dem Erlös für die Schlachtkuh und den Kosten für die Ersatzfärse sind in den letzten Jahren stark auseinander gegangen. Bei milchtypischen Rassen wie z.B.: Jersey, Holsteins Schwarzbunt oder Rotbunt sind die Kosten für die Nettobestands-
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
ergänzung bedingt durch den geringeren Schlachterlös höher wie bei fleischbetonten Rassen wie z.B. Fleckvieh (LÜHRMANN 2005 b). Ökonomische Berechnungen zeigen, dass mit einer hohen Abgangsrate bzw. niedrigen Nutzungsdauer in einem Betrieb deutlich höhere Nettobestandsergänzungskosten entstehen. Die Abgangsrate ergibt sich aus dem um Zuchtviehverkäufe korrigierten Anteil von Kühen die innerhalb eines Jahres aus dem Betrieb abgegangen sind, dividiert durch den Jahresdurchschnittsbe-stand an Kühen (MANSFELD 2006).
In Berechnung von HEIDEMANN (2002) werden Färsenaufzuchtskosten von 1250 Euro und ein Schlachterlös von 350 Euro je Altkuh unterstellt. HEIDEMANN sieht gerade bei einer Reduzierung von Zwangsabgängen infolge von Erkrankungen (geringerer Schlachterlös) und Totalausfällen (kein Erlös) Einsparungspotenziale (vgl. Tabelle 1).
Tabelle 1: Kosten für die Bestandsergänzung
LÜHRMANN (2005 b) unterstellt die Kosten für die Färsenaufzucht mit 1,50 Euro je Aufzuchtstag (Vollkosten) und den Altkuherlös mit rund 500 Euro je Altkuh. Bei einer Nutzungsdauer von weniger als zwei Jahren ist jedes erzeugte kg Milch mit Nettobestandsergänzungskosten von gut 5,6 Cent belastet. Dagegen sinken diese bei einer Nutzungsdauer von mehr als vier Jahren deutlich unter zwei Cent je kg Milch. GROTTENSTRÄTER (2001) verdeutlicht in Berechnungen mit Annahme von 1.200 Euro Färsenkosten und 400 Euro Schlachtkuherlös die Auswirkungen verschiedener Abgangsraten auf die Kostenbelastung im Betrieb (vgl. Tabelle 2).
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
Tabelle 2: Reproduktionskosten bei unterschiedlichen Abgangsraten
Auch die Auswertungen aus dem Rinderreport Baden-Württemberg 2005 verdeutlichen, dass eine geringere Abgangsrate im Betrieb zu einem Anstieg des Deckungsbeitrages je Kuh bei ähnlicher Milchleistung führen (vgl. Abbildung 1). Eine lange Nutzungsdauer der Kühe hat somit eine wirtschaftliche Bedeutung für die Milchviehhaltung (HEIDEMANN 2002, LÜHRMANN 2005 b, OVER 2006 S.44 ff)
Abbildung 1: Bedeutung der Nutzungsdauer
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
Das physiologische Leistungsmaximum der Kühe wird erst in späteren Laktationen erreicht. Die Ergebnisse der Leistungen in den einzelnen Laktation vom Vereinigten Informationssysteme Tierhaltung (VIT) (VIT 2007 S.24) zeigen, dass der Peak der Leistungsspitze erst mit der dritten bis vierten Laktation erreicht wird (vgl. Abbildung 2). Nach GRAVERT (1994) liegt das Leistungsoptimum in der fünften Laktation, PAPENDIECK (1943 zitiert in LEIBER 2003 S. 12) fand die höchsten Leistungen in der siebten Laktation. Durch das Erreichen einer höheren Nutzungsdauer steigert sich demnach die durchschnittliche Milchleistung in der Herde (LÜHRMANN 2005 b). Nach einer umfassenden Betrachtung der Nutzungsdauer kommt SCHUMANN (1960 zitiert in KLUG et al. 2004 S. 195) zu dem Ergebnis, dass der Rinderhaltung durch das nicht Erreichen des Leistungsmaximums ein großer Schaden entsteht.
Abbildung 2: Entwicklung der Leistung
Weiterhin können mit einer steigenden Nutzungsdauer die Nebenerlöse erhöht werden. Bei einer niedrigeren Remontierungsrate besteht die Möglichkeit, Kälber oder Färsen, die nicht zur eigenen Nachzucht benötigt werden, auf dem Zuchtviehmarkt abzusetzten (OVER 2006 S. 45). Auch die für die Zucht wichtige Selektionsmöglichkeit nimmt zu, wenn nicht alle Tiere aus der eigenen Nachzucht aufgestallt werden müssen. Besonders im Selektionspfad Mutter- Tochter ergeben sich Vorteile. Denn bei einer län-
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
geren Nutzungsdauer stehen pro Kuh ein größerer Anteil an weiblichen Nachkommen zur Verfügung (POSTLER 2002 S. 33).
POSTLER (2002 S. 34) gibt weiterhin zu bedenken, dass bei einer kurzen Nutzungsdauer eine stärkere Fluktation in der Herde stattfindet. Der Betreuer und die Herde sind hierdurch zusätzlichem Stress ausgesetzt. Letztendlich könnte sich durch langlebigere und gleichzeitig gesündere Kühe die Akzeptanz der Tierhaltung und Tierzucht in der Bevölkerung verbessern und verloren gegangenes Vertrauen zurück gewonnen werden (BÜNGER et al. 2003).
Die optimale Länge des produktiven Lebens wird in der Literatur sehr unterschiedlich gesehen. RENKENA und STELWAGEN (1979 in KLUG et al. 2004 S. 196) sehen eine betriebeswirtschaftliche optimale Nutzungsdauer von 10 bis 14 Laktationen. WOLF und LEHMANN (1987 in Klug et al. 2004 S. 197) errechneten einen steilen Anstieg im Gewinn je Kuh mit steigender Nutzungsdauer bis zur vierten Laktation. Mit einer weiter steigenden Nutzung flacht die Gewinnkurve ab. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt SIMIANER (2003 in WANGLER und HARMS 2006), der eine ökonomisch optimale Nutzungsdauer von vier Laktationen errechnete.
Bedeutung der Lebensleistung
Die Kosten für die Aufzucht müssen letztendlich mit der Milch der Tiere zurückverdient werden. Die Lebensleistungen ist ein Produkt aus Milchleistung und Nutzungsdauer bzw. geringen Abgangsraten.
Die Aufzuchtsphase eines Tieres stellt erhebliche Kosten dar. Verschiedene Berechnungen gehen mit Kosten von 1.100 bis 1.790 Euro Kosten je aufgezogener Färse aus (VEAUTHIER 2000 a). Durch eine verkürzte Aufzuchtphase ergeben sich Kostenvorteile. Eine verlängerte Aufzuchtphase erhöht die Aufzuchtkosten. Färsen mit einem Erstkalbealter von 24 bis 26 Monaten weisen weiterhin ein geringeres Abgangsrisiko auf, als Färsen mit einem höheren Erstkalbealter. Die Voraussetzungen für eine lange Nutzungsdauer und wirtschaftliche Milchproduktion werden bereits in einer optimalen Jungviehaufzucht gelegt (LÜHRMANN 2005 b).
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
Je nach Kostenstruktur und Höhe der Milchleistung des Betriebes beginnt der Verdienst erst in der dritten Laktation. Mit der Milch aus den ersten beiden Laktationen der Kuh werden erst die Aufzucht- und Futterkosten abverdient. Eine Kuh erwirtschaftet demnach einen höheren Gewinn, je höher die Lebensleistung des Tieres ist (KESTING 2005).
Im Rinderreport Baden-Württemberg 2004 wurden erstmals die Nettoabgangsraten und die hieraus kalkulierte Lebensleistung ausgewertet. Aus der Auswertung (Abbildung 4) wird ersichtlich, dass bei steigender Lebensleistung der Herde die Deckungsbeiträge je Kuh deutlich ansteigen (Differenz bis zu drei Cent). 11 Prozent der ausgewerteten Betriebe erreichten mit 5,5 Jahren Nutzungsdauer je Kuh 48.854 kg kalkulierte Lebensleistung. Die durchschnittlich abgelieferte Milchleistung dieser Herden liegt bei knapp 8.000 kg energiekorrigierte Milch (ECM). Also bei sehr guten Milchleistungen, aber nicht unbedingt im absoluten Hochleistungsbereich.
Die Tierarztkosten dieser Betriebe sind nicht erhöht. Sie haben die geringsten Kälberverluste, die höchsten Abkalberaten und Zuchtvieherlöse. Letzteres zeigt, dass diese Betriebe deutlich mehr Kalbinnen verkaufen und ihre alten Kühe als Leistungsträger im Stall halten (N.N. 2005 a).
Abbildung 3: Bedeutung der Lebensleistung, Leistungen und Kosten
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
Abbildung 4: Bedeutung der Lebensleistung, Herdengesundheit und Managementparameter
In der Literatur werden für eine wirtschaftliche Milchproduktion Lebensleistungen von mindestens 30.000 kg Milch gefordert (KESTING 2005, ZIEGLER 2005).
Bedeutung der Lebenseffektivität
Einzeln betrachtet sind allerdings sowohl die Nutzungsdauer als auch die Lebensleistung der Kühe keine geeigneten Parameter zur Beurteilung des Tiereinsatztes und der Wirtschaftlichkeit (ESSL 1982 S. 271, LÜHRMANN 2005 a, WANGLER und HARMS 2006 S. 12). Eine Kuh A, die eine Lebensleistung von 60.000 kg Milch in sechs Laktationen erbracht hat, war rentabler als eine Kuh B, die eine Lebensleistung von 60.000 kg Milch in neun Laktationen leistete.
Eine lange Nutzungsdauer bzw. hohe Lebensleistung führt allein nicht zu wirtschaftlichen Tieren. Die Tiere müssen auch eine entsprechende durchschnittliche Milchjahresleistung erbringen.
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
Ein geeigneter Parameter, der die Leistung je Zeiteinheit widerspiegelt, stellt die Lebenseffektivität da. Die Lebenseffektivität zeigt die ermolkene Milchleistung je Lebenstag. Errechnet wird diese Kennziffer aus der Lebensleistung dividiert durch die Lebenstage von Geburt bis Abgang (LÜHRMANN 2005). Im Gegensatz zur Nutzungseffektivität bzw. Leistung je Nutzungstag (Lebensleistung dividiert durch Melktage plus Trockenstehtage) wird bei der Lebenseffektivität die Aufzucht mitberücksichtigt. Wie bereits erläutert dürfen die Kosten für die Aufzucht in einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einer Kuh nicht unberücksichtigt bleiben, denn die Gewinnphase beginnt erst wenn die Kuh ihre Aufzuchtkosten amortisiert hat. Wenn sich bei gleicher Leistung die Aufzucht verkürzt d.h. das Erstkalbealter (EKA) verringert, steigt die Lebenseffektivität leicht an (WANGLER und HARMS 2006 S. 12f). Weiterhin ist die Leistung je Lebenstag für jedes Einzeltier anhand der Milchleistungsdaten einfach zu ermitteln. Die Nutzungs- und Lebenseffektivität wird bereits bei der Milchleistungsprüfung (MLP) in den Zwischenberichten des Vereinigten Informationssysteme Tierhaltung (VIT) bei der Gesamtleistung der Herde -lebende und in letzten zwölf Monaten gemerzte Tiere- ausgewiesen (LÜHRMANN 2005 a).
Auswertungen von WANGLER und HARMS (2006 S. 7) sowie LÜHRMANN (2005 a) haben ergeben, dass die Lebenseffektivität bei einer langen Nutzungsdauer tendenziell besser wird.
Eine lange Nutzungsdauer führt aber nicht zwangsläufig zu einer höheren Lebenseffektivität. Eine entsprechende Lebensleistung ist hierzu ebenso er-forderlich. Bei einer langen Nutzungsdauer ist die Wahrscheinlichkeit einer hohen Lebenseffektivität aber deutlich höher (vgl. Tabelle 3) (LÜHRMANN 2005 a).
Tabelle 3: Leistungen die für eine hohe Lebensleistung nötig sind
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
Eine höhere Lebenseffektivität der Kühe führt zu geringeren Bestandsergänzungskosten. Weiterhin wird die Effektivität je Stallplatz deutlich erhöht (LÜHRMANN 2005 a). Ökonomische Berechnungen von WANGLER (2007) haben ergeben, dass unter zukünftigen Rahmenbedingungen Kühe erst ab einer Leistung von 15 kg Milch je Lebenstag ein positives kalkulatorisches Betriebszweigergebnis erreichen werden.
2.3 Derzeitige Situation und Entwicklung der Nutzungsdauer, Lebensleistung und Lebenseffektivität
In der Bundesrepublik Deutschland betrug 1970 der Anteil aller MLP angeschlossenen Kühe mit sechs Jahren und älter 37,7 Prozent, 1980 jedoch nur 29,1 Prozent (ESSL 1982). Im abgeschlossenen Kontrolljahr 2005/2006 beträgt der Anteil der geprüften Kühe mit sechs Jahren und älter lediglich 15 Prozent (VIT 2007).
In Zusammenarbeit mit dem VIT hat der Deutsche Holstein Verband eine Auswertung über die Entwicklung der Nutzungsdauer von 1993 bis 2003 vorgenommen. Die Daten beruhen auf allen verfügbaren Abgangsdaten von MLP- Kühen der Rasse Holsteins. Die Auswertung erfolgte getrennt von Holsteins in West- und Ostdeutschland sowie von Holsteins der Farbrichtung Rotbunt. In Westdeutschland hat sich das Abgangsalter vom 1994 bis 2003 um 1,5 Monate reduziert. Bei der Nutzungsdauer fällt der Rückgang mit 0,7 Jahren geringer aus, da auch das Erstkalbealter (30,5 Monaten) leicht gesunken ist. Durch das ständig gestiegene Leistungspotenzial der Kühe ist allerdings ein kontinuierlicher Aufwärtstrend in der Entwicklung der Lebensleistung zu verzeichnen (TOPF 2004).
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
Abbildung 5: Lebensleistung und Nutzungsdauer der Schwarzbunten Holstein in Westdeutschland
Bei den Rotbunten Holsteins ist in den letzten zehn Jahren die Nutzungsdauer um 5,1 Monate auf 34,6 Monate gestiegen. Die Lebensleistung stieg in den letzten zehn Jahren um 4.580 kg und lag in 2003 bei 19.858 kg Milch. Diese hohe Lebensleistungssteigerung der Rotbunten Holsteins hängt zum einen mit der niedrigen Ausgangsbasis zusammen, zum anderen aber auch mit dem in den letzten Jahren zum Tragen gekommenen Umzüchtungsprozess in Richtung milchbetonte Rotbunte Holsteins.
2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
Abbildung 6: Lebensleistung und Nutzungsdauer der Rotbunten Holsteins
Die Herden in den neuen Bundesländern haben von 1994 bis 2003 im Bereich der Züchtung und Management einen drastischen Umbauprozess erlebt. Dadurch stieg die Nutzungsdauer in den letzten zehn Jahren um 8,6 Monate auf 33,3 Monate (2,5 Laktationen) mit einer Lebensleistung von 20.816 Milch kg im Jahr 2003 (TOPF 2004).
Die Tabellen 4 und 5 zeigen, wie sich die Zahl der lebende Dauerleistungskühe seit 1991 entwickelt hat. Die Zahlen basieren auf Abfragen der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter (ADR).
Erfreulich ist, dass die Zahl der 100.000 Liter Kühe permanent zugenommen hat. Des weiteren wird diese Grenze immer früher überschritten. Mittlerweile gibt es Kühe, die diese Grenze bereits nach vier, fünf oder sechs Laktationen
Tabelle 4: Zahl der 100.000 kg Kühe
Tabelle 5: Zahl und Anteil der Kühe mit über 50.000 kg Lebensleistung Quelle: TOPF (2006)
Von 2004 auf 2005 ist die Zahl der lebenden MLP- Holsteinkühe beider Farbrichtungen mit einer aktuellen Lebensleistung von über 50.000 kg um 14.048 Kühe gestiegen. Insgesamt erreichen in Deutschland 7,1 Prozent der Holstein Kühe eine Lebensleistung von über 50.000 kg. Der Durchschnitt aller
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
Milchrassen liegt bei 5,8 Prozent. Während die ausgewerteten Fleckviehkühe bei einem Wert von 3,1 Proznet liegen und das Braunvieh einen Anteil von 7,3 Prozent erreichen (Topf 2006).
Die Lebenseffektivität ist von 1994 bis 2003 sowohl bei den Schwarzbunten in West- und Ostdeutschland als auch bei den Rotbunten gestiegen. In Westdeutschland stieg die Lebenseffektivität bei den Schwarzbunten bedingt durch die höhere Lebensleistung und einer Verringerung des Erstkalbealters um 0,9 kg Milch je Lebenstag an. Bei den Rotbunten und besonders bei den Schwarzbunten in Ostdeutschland sind die Steigerungsraten der Lebenseffektivität infolge der Steigerung der Nutzungsdauer und Lebensleistung deutlich höher ausgefallen. Im Jahre 2003 lag die Lebenseffektivität bei 9,9 kg Milch je Lebenstag bei den Rotbunten. Bei den Schwarzbunten in West-deutschland lag die Leistung bei 11,4 kg/Lebenstag und in Ostdeutschland bei 11,1 kg/Lebenstag (TOPF 2004).
Abbildung 7: Entwicklung der Lebenseffektivität
Die Abgangsrate der MLP Kühe lag im bundesweiten Schnitt im Jahr 2007 bei 36,3 Prozent (VIT 2007). HEIDEMANN (2003) und LEHNERT (2005) berich-
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
ten, dass in einigen Betrieben die Abgangsraten über 40 Prozent liegen und die eigene Nachzucht nicht ausreicht, um die Herde zu remontieren. BRADE (2005) bestätigt die regionalen Unterschiede in den Abgangsraten.
Tabelle 6: Überlebensrate der Kühe in verschiedenen Zuchtgebieten
Die durchschnittliche Gesamtleistung aller im Prüfungsjahr 2005/2006 gemerzten MLP Kühe liegt bei 22.763 kg Lebensleistung (Vorjahr 21.958 kg). Die Nutzungsdauer liegt derzeit bei 34,3 Monaten (Vorjahr 34 Monate) (VIT 2007).
Beim Altersaufbau aller im VIT 2005/2006 geprüften Schwarzbunten Kühe wird deutlich, dass sich 34,1 Prozent der Milchkühe in der ersten Laktation befinden und sogar 78,7 Prozent in den ersten drei Laktationen. Nur 10,7 Prozent der Kühe verbleiben über die vierte Laktation hinaus noch im Milchviehstall. Bei vielen Kühen kann daher das Leistungspotential nicht voll ausgeschöpft werden (VIT 2007).
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2 Bedeutung und Situation der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität
Abbildung 8: Anteil der Kühe in den Laktationen und Leistung
Aus züchterischer wie auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird die aktuelle Situation der Nutzungsdauer, Lebensleistung und Lebenseffektivität als zu gering angesehen (u.a. KESTING 2005, WANGLER und HARMS 2006 S. 45, VIT 2007 S. 5).
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3 Einfluss auf die Lebenseffektivität und Nutzungsdauer
3 Einfluss auf die Lebenseffektivität, Nutzungsdauer
Um die Milchproduktion auch in Zukunft rentabel zu gestalten, sollte die Lebenseffektivität der Kühe bzw. die mit der Lebenseffektivität in Verbindung stehende Nutzungsdauer und Milchleistung/Lebensleistung gesteigert werden (u.a LÜHRMANN 2005 b, KESTING 2005, WANGLER und HARMS 2006 S. 45). Im Folgenden soll auf bedeutende Einflussmöglichkeiten eingegangen werden.
3.1 Selektionsentscheidungen
Die aktuelle Nutzungsdauer der Milchkühe hängt stark von den Merzungsentscheidungen der Betriebsleiter ab (VOLEMA 1998 S. 3). Der Landwirt muss fast täglich entscheiden, ob sich die noch zu erwartende Milchmenge einer Kuh durch ein Ersatztier (Färse) günstiger produzieren lässt. Die Faktoren, die bei dieser Entscheidung eine Rolle spielen, sind sehr komplex. Zu den wichtigsten Kriterien zählt der Zuchtfortschritt und damit die höhere Produktionserwartung des Ersatztieres (Färse) sowie die Leistung der Altkuh innerhalb der Herde bzw. die zu erwartende Leistung der Kuh (GROTTENSTRÄTER 2001). Weiterhin spielt die subjektive Wertschätzung des Pedigrees durch den Betriebsleiter, der Gesundheits- und Fruchtbarkeitsstatus sowie funktionale Merkmale wie Exterieur, Temperament und Melkbarkeit eine Rolle. Von Bedeutung sind weiterhin die ökonomischen Faktoren Schlachtkuhpreis, Färsenpreis bzw. Aufzuchtkosten, die betriebsspezifische Remontierungsrate und der Umfang der weiblichen Nachzucht. Letztendlich hat auch die Erfüllung der Milchquote einen Einfluss (BÜNGER 1999 S. 5).
DUCROCQ et al. (1988 in Bünger 1999 S.7) bezeichnen eine vom Betriebesleiter gewollte Merzung einer gesunden Kuh wegen zu geringer Leistung als freiwillige Merzung. Zwangsmerzungen aufgrund von mangelnder Gesundheit und Fitness werden als unfreiwillige Merzung bezeichnet. Eine Senkung der unfreiwilligen Merzungen innerhalb des Betriebs führt nach Untersuchung von van ARENDONK (1985 in BÜNGER 1999 S. 6) aber nicht zwangsläufig zu einer Erhöhung des durchschnittlichen Herdenalters. Viel-
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Arbeit zitieren:
Dipl. -Ing (FH) Michael Bergmann, 2007, Analyse der Nutzungsdauer und Lebenseffektivität von Milchkühen, München, GRIN Verlag GmbH
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