Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis. III
Tabellenverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis V
1 Einleitung. 1
1.1 Problemstellung und Hintergrund. 2
1.2 Zielsetzung. 3
2 Begriffliche Grundlagen. 3
2.1 Der Begriff Armut 3
2.2 Armutskonzepte 4
2.2.1 Absolute vs. relative Armut 4
2.2.2 Transitorische vs. strukturelle Armut 5
3 Ursachen für Armut 6
3.1 Allgemeine Ursachen für Armut. 6
3.2 Personengruppenbezogen Armutsgründe 6
3.3 Ursachen der Kinderarmut. 8
4 Konsequenzen von Armut. 9
5 Kinderarmut in Europa 10
5.1 Relevante Daten. 10
5.2 Sozialpolitische Rahmenbedingungen. 11
5.3 Die Offene Methode der Koordinierung - ein geeignetes Instrument zur
europaweiten Bekämpfung von Kinderarmut? 13
6 Deutschland 15
6.1 Relevante Daten. 15
6.2 Sozialpolitische Rahmenbedingungen. 18
6.3 Instrumente der Familienpolitik. 19
6.3.1 Unterstützung durch Geldleistungen 19
Inhaltsverzeichnis II
6.3.2 Unterstützung durch Sachleistungen 20
6.4 Konkrete Maßnahmen zur Beseitigung von Kinderarmut: Der Nationale
Aktionsplan. 22
6.5 Mögliche Maßnahmen zur Beseitigung von Kinderarmut 25
7 Schweden 26
7.1 Relevante Daten. 26
7.2 Sozialpolitische Rahmenbedingungen. 28
7.3 Instrumente der Familienpolitik. 29
7.3.1 Unterstützung durch Geldleistungen 29
7.3.2 Unterstützung durch Sachleistungen 29
7.4 Konkrete Maßnahmen zur Beseitigung von Kinderarmut: Der Nationale
Aktionsplan. 30
8 Schlussfolgerungen 32
9 Fazit/ Ausblick. 34
Literaturverzeichnis 36
Monographien 36
Aufs ätze. 38
Internetquellen 39
Abbildungen 39
Tabellen 39
Abbildungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Kinderarmut in Industrieländern .............................................................. 39
Abbildung 2: Veränderung der Kinderarmut 1995-2005 ............................................... 39
Abbildung 3: Sozialschutzausgaben in Prozent des BIP, 2000 und 1990 ...................... 39
Abbildung 4: Sozialschutzausgaben in Prozent des BIP, 2001 ...................................... 39
Abbildung 5: Ist Armut ein geerbter oder erworbener Zustand? Nach Altersgruppen
(EU27) ............................................................................................................................ 39
Abbildung 6: Top 5 Gründe warum Menschen arm sind oder aus der Gesellschaft
ausgegrenzt (subjektive Armut)...................................................................................... 39
Abbildung 7: Geburtenziffern im europäischen Vergleich, 1980 und 2005................... 39
Abbildung 8: Kinderarmutsquoten im Vergleich mit den Gesamtarmutsquoten in der
EU-15 (%), 2003............................................................................................................. 39
Abbildung 9: Prozentsatz der Bevölkerung, die von Armut bedroht sind, nach Sozialtransfers, und Prozentsatz der Bevölkerung, die von dauerhafter Armut bedroht
sind, 2001 (Erhebungsjahr)............................................................................................. 39
Abbildung 10: Sach- und Barleistungen für Familien 2000, in % des BIP .................... 39
Abbildung 11: Anteil der Barleistungen für Familien (in % an den gesamten
Sozialleistungen)............................................................................................................. 39
Abbildung 12: Kinderarmut in der EU-15 vor und nach kinderbezogenen Einkünften, Sozialleistungen sowie Sozialleistungen und Steuervergünstigungen ........................... 39
Abbildung 13: Der Einfluss von Steuern und Transferleistungen auf die
Kinderarmutsquote.......................................................................................................... 39
Abbildung 14: Kinder- und Altersarmut im Vergleich, 2001......................................... 39
Abbildung 15: Sozialleistungen nach Funktionsgruppen in Prozent der
Gesamtleistungen, 2001.................................................................................................. 39
Abbildung 16: Gewünschte und ausgeübte Erwerbsmuster von Paarhaushalten mit
Kindern unter 6 Jahren, 1998.......................................................................................... 39
Abbildung 17: Kinderarmutsquoten in Deutschland, 1991 bis 2001 (60%-Median) ..... 39
Tabellenverzeichnis IV
Abbildung 18: Armutsquoten nach Altersgruppen (Westdeutschland), 1973-1998; Armutsschwelle: 60% vom Median des Nettoäquivalenzeinkommens; neue OECD-
Skala................................................................................................................................ 39
Abbildung 19: Armutsquoten nach Altersgruppen, 1997-2004; in % der Bevölkerung; Armutsschwelle: 60% vom Median des Nettoäquivalenzeinkommens (Datenbasis:
SOEP) ............................................................................................................................. 39
Abbildung 20: Gruppenspezifische Armutsquoten nach Haushaltstypen
(Westdeutschland), 1973-1998; Armutsschwelle 60% vom Median des
Nettoäquivalenzeinkommens; neue OECD-Skala .......................................................... 39
Abbildung 21: Öffentliche Ausgaben für Familen in % des BIP, 1998 ......................... 39
Abbildung 22: Verteilung von Steuern und Transfers unter Altersgruppen, Deutschland
(Gesamtbevölkerung)...................................................................................................... 39
Abbildung 23: Verteilung von Steuern und Transfers unter Altersgruppen, Deutschland (Bevölkerung mit einem Einkommen von 50% Median-Einkommen) .......................... 39
Abbildung 24: Anteil der schwedischen Kinder, die bedarfsgerechte Unterstützung erhalten und/oder in Haushalten mit niedrigem Einkommen leben ............................... 39
Abbildung 25: Anteil der in Armut lebenden Kinder nach familiärem Hintergrund ..... 39
Abbildung 26: Verteilung von Steuern und Transfers unter Altersgruppen, Schweden
(Gesamtbevölkerung)...................................................................................................... 39
Abbildung 27: Verteilung von Steuern und Transfers unter Altersgruppen, Schweden (Bevölkerung mit einem Einkommen von 50% Median-Einkommen) .......................... 39
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Das Wohlergehen von Kindern im europäischen Vergleich ......................... 39
Tabelle 2: Indikatoren zur Familienpolitik in Europa .................................................... 39
Tabelle 3: Instrumente der Familienpolitik Deutschland/Schweden.............................. 39
Tabelle 4: Kinderbetreuungsangebot in Deutschland, 2002........................................... 39
Tabelle 5: Kinderbetreuungsangebot in Schweden, 2004 .............................................. 39
Abkürzungsverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis
AWO Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e. V.
BMAS Bundesministerium für Arbeit und Soziales
BPI Bruttoinlandsprodukt
bspw. beispielsweise
bzgl. bezüglich
bzw. beziehungsweise
d. h. das heißt
ESSPROS European System of integrated Social Protection Statistics
et al. et altera
etc. et cetera
EU Europäische Union
GfK Gesellschaft für Konsumforschung
ggf. gegebenenfalls
Einleitung 1
1 Einleitung
Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Hypothese, dass die Instrumente der schwedischen Sozialpolitik besser geeignet sind, zur Bekämpfung von Kinderarmut beizutragen, als es die Maßnahmen der deutschen Sozialpolitik vermögen.
Kinderarmut charakterisiert die Armut von Personen eines bestimmten Altersrahmens 1 und
ist längst kein Phänomen der Entwicklungsländer mehr, sondern auch in Industrieländern zu einem ernst zu nehmenden Problem geworden (vgl. Abb. 1). So ist sie inzwischen auch auf internationaler Ebene ein beständig diskutiertes Thema, und ihre Bekämpfung zu einer der zentralen Aufgabenstellungen der Sozialpolitik geworden (Strengmann-Kuhn 2006: 439). Gemäß einer regelmäßig für die OECD-Länder durchgeführten Studie der UNICEF ist die Zahl der in von Armut betroffenen Lebensverhältnissen lebenden Kinder von 1995 bis 2005 in 17 der untersuchten Staaten angestiegen, während nur in sieben der OECD-Länder ein Absinken zu verzeichnen ist (vgl. Abb. 2) (UNICEF 2005: 5). 2 Auch auf EU-
Ebene wird „die Erhebung der Beseitigung von Kinderarmut und der sozialen Ausgrenzung von Kindern in den Rang einer Schwerpunktaufgabe“ verstärkt (Rat der EU 2005: 6-7). Die Zahl der in den vergangenen Jahren erfolgten Veröffentlichungen zeigt auch für Deutschland die zunehmende Brisanz der Thematik. 3 Vor allem die Veränderung
der Armutsstruktur in den vergangenen Jahrzehnten, zu Gunsten der Älteren und zugleich zu Lasten von Familien und Kindern ist als ursächlich für diese Entwicklung anzusehen. Aber auch die Priorisierung der Bekämpfung von Kinderarmut auf EU-Ebene, basierend auf der Tatsache, dass Kinder sich nicht selbst aus einer solchen Notlage befreien können, haben diese Entwicklung begünstigt. Besondere Dringlichkeit kommt der Bekämpfung von Kinderarmut darüber hinaus aufgrund einer Zahl von gesellschaftlichen Folge- und vor allem Langzeitwirkungen zu, da die weitere Entwicklung und mögliche Chancen sich aus der Lebenslage in der Kindheit ergeben. Letztlich sind auch die Auswirkungen von Armut auf die Gesundheit von Kindern ein weiterer Grund, die Bekämpfung voranzutreiben.
1 Als Kinder werden i. d. R. Personen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres bezeichnet.
2 Dabei ist zu berücksichtigen, dass in sechs der sieben Länder mit einer abnehmenden Kinderarmutsquote
von einem vergleichsweise hohen Ausgangsniveau auszugehen ist. Nur Norwegen verzeichnet eine geringe
und andauernd absinkende Kinderarmutsquote.
3 Vgl. dazu u. a. Butterwegge (2000), Butterwegge/Klundt (2003), Butterwegge et al. (2005), Hock et al.
(2000), Klocke/Hurrelmann (2001), Zander (2005).
Einleitung 2
1.1 Problemstellung und Hintergrund
Nachdem zunehmend auch Industrieländer von hoher Kinderarmut betroffen sind, ist die eine neue Dringlichkeit in der Bekämpfung respektive Beseitigung derselben zutage getreten.
Besonders beunruhigend ist dabei zudem die Tatsache, dass die durchschnittliche Armutsrate der Bevölkerung vergleichsweise weniger stark und schnell ansteigt als die der Kinder. Aber auch die Tatsache, dass besonders Kinder, die bei Alleinerziehenden oder in Großfamilien leben, von Armut betroffen sind und dies in der Regel auch länger bleiben, bedarf besonderer Beachtung. So sind auf EU-Ebene lediglich in Schweden und Deutschland Kinder, die in Großfamilien leben, nicht stärker von einem Armutsrisiko betroffen als in anderen Familienformen (vgl. EC 2008: 20). Doch auch Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund sind besonders stark und zunehmend von Armut betroffen (vgl. UNICEF 2005: 5 und Butterwegge 2000: 150 ff.). So erreichte der Anteil der von Armut gefährdeten Kinder, die in Migrationsfamilien und in erwerbslosen Haushalten leben in Deutschland rd. 55-60%, in Schweden 45-50% (EC 2008: 65).
Auch auf EU-Ebene ist die „Bekämpfung von sozialer Ausgrenzung“ - auch und vor allem mit Bezug auf Kinder - durch Art. 118 Abs. 2 des Amsterdamer Vertrages seit 1999 als wichtige Zielsetzung der Sozialpolitik definiert (vgl. EG 1997). Um den Zielsetzungen dieser politischen Agenda im Sinne einer Bekämpfung sozialer Ausgrenzung und Armut gerecht zu werden, wurden seitens der EU-Mitgliedsländer sog. ‚Nationale Aktionspläne’ entwickelt. Diese bilden zugleich die Grundlage des ‚Aktionsprogramms der Gemeinschaft zur Bekämpfung der sozialen Ausgrenzung 2002-2006’, das dem Ziel folgt, „die Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung bedrohten Menschen bis 2010 erheblich zu senken“ 4 .
Insbesondere die Befürchtungen möglicher langfristiger Wirkungen, aber auch ein Gefühl der Betroffenheit und des Mitgefühls, kennzeichnen den Umgang mit Kinderarmut in der Gesellschaft. 5
Ergänzend zu den unterschiedlichen Problemlagen oder aber auch teilweise ursächlich dafür, sind unter anderem die verschiedenen Vorstellungen darüber, wie und in welchem Umfang Kinder betreut werden sollten. Diese wiederum sind eng verknüpft mit der
4 Siehe Rat der Europäischen Union, Schlussfolgerungen des Vorsitzes, Barcelona, 15./16.3.2002, Bulletin v.
18.3.2002, Dokument PE 316.165, Punkt 24.
5 Langfristig können durch Armut aufgestaute Emotionen u. a. in Kriminalität münden. Vgl. Butterwegge et
al. (2003).
Begriffliche Grundlagen 3
jeweiligen Kultur und dem Verhältnis von Staat und Gesellschaft (Veil 2003: 12).
1.2 Zielsetzung
Ziel dieser Arbeit ist es, die Wirkungen der sozialpolitischen Maßnahmen von zwei europäischen Ländern zu untersuchen, mit denen versucht wird, Kinderarmut einzudämmen bzw. zu vermeiden. Verglichen werden Deutschland, bevölkerungsstärkstes Land der EU-25 und Schweden, das flächenmäßig knapp ein Drittel vor Deutschland liegt (BMAS 2007: 4). Als weiterer Auswahlfaktor wurde das Wohlergehen herangezogen, das in Deutschland als konservativ geprägtem Wohlfahrtsstaat im Vergleich zu Schweden als sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat deutlich geringer ausfällt (vgl. Tab. 1). Doch auch die Indikatoren der Familienpolitik bilden einen Anhaltspunkt zum Vergleich beider Länder, so ist bspw. die Geburtenrate in Deutschland im Vergleich deutlich geringer als in Schweden, die Sozialausgaben beider Länder sind jedoch vergleichbar (vgl. Tab. 2). Als weiterer Indikator für die Auswahl dieser Länder wurde die vergleichbare Kaufkraft je Einwohner beider Länder herangezogen. 6
2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Der Begriff Armut
Armut als solche existiert nicht als einheitliche wissenschaftliche Kategorie, es gibt vielmehr historische, aber auch empirische Orientierungen, die jeweils unterschiedliche Ziele verfolgen (vgl. Dietz 1997: 16 f.).
Aus ökonomischer Sicht bezeichnet Armut grundsätzlich einen Mangel, insbesondere an grundlegenden Gütern des täglichen Lebens, wie bspw. Lebensmittel, Unterkunft, Bekleidung oder soziale Absicherung (vgl. Brodbeck 2005: 59).
In der sozialökonomische Betrachtungsweise wird Armut als Zustand schwer wiegender sozialer Benachteiligung definiert (vgl. Reinhold 2000: 32 ff.). Während ökonomische Konzepte ausschließlich eine mangelnde Versorgung mit materiellen Gütern und Dienstleistungen als Indikator für Armut heranziehen, thematisiert die soziokulturell ausgerichtete Sicht ebenso nicht-materielle Bedürfnisse und deren Befriedigung. 7
6 Vgl. GfK (2007): Kaufkraft Deutschland 18.055 EUR pro Jahr (Platz 10) und Schweden 17.217 EUR (Platz
11).
7 Vgl. Heidelberger Online-Lexikon der Politik, http://www.politikwissen.de/lexikon/armut.html
(04.03.2008).
Begriffliche Grundlagen 4
Kinderarmut bezeichnet die ökonomische Armut von Kindern. Als Kinder werden in diesem Zusammenhang von der Geburt bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres angesehen.
Vom Begriff der Armut zu unterscheiden ist das Armutsrisiko, welches die Gefahr, in Armut zu geraten, ausdrückt.
2.2 Armutskonzepte
Armut als solche ist nach Meinung einiger Autoren weniger als Ursache, sondern vielmehr als Ergebnis sozialstaatlicher Entwicklungen anzusehen. Sie definiert sich demnach über die von sozialstaatlicher Seite gewährten Unterstützungen (Dietz 1997: 16). Die auf EU-Ebene am häufigsten herangezogenen Indikatoren zur Messung von Armut und sozialer Ausgrenzung stützen sich zumeist auf einen monetären Ansatz. In einer erweiterten Herangehensweise schlägt Eurostat ein Konzept vor, bei dem die in den Indikatoren subsumierten Informationen abgerundet werden durch die Betrachtung „absoluterer“ Messgrößen, basierend auf verschiedenen Dimensionen („ökonomische Anspannung“, „unfreiwilliger Mangel an Gebrauchsgütern“ und „Wohnen“) (vgl. dazu ausführlich Eurostat 2005).
2.2.1 Absolute vs. relative Armut
Versteht man Armut als Lebenslage, deren Folgeerscheinung soziale Ausgrenzung sein kann, bedarf es, um diese zu begreifen, auch ihrer Bestimmung. Es existieren verschiedene Ansätze zur Messung von Armut. Als wichtigstes Abgrenzungsmerkmal dienen dabei die Begriffe der absoluten und relativen Armut. Geht man davon aus, dass Armut eine absolute Größe ist, bedarf es entsprechender Maßstäbe. Geht es eher darum, die relative Position armer Menschen zu verbessern, spricht man von relativer Armut (vgl. Lachmann 1994, Bd. 1: 36).
Absolute Armut bezeichnet ein „Leben am äußersten Rand der Existenz“, von dem Menschen betroffen sind, die „in einem Zustand von Verwahrlosung und Entwürdigung ums Überleben kämpfen“ (Singer 1994: 279). Die sog. ‚absolute Armutsgrenze’ ist eng an den Begriff absoluter Armut angelehnt; sie ist definiert als Einkommens- oder Ausgabenniveau, welches den betroffenen Menschen eine erforderliche Ernährung und den Erwerb lebensnotwendiger Bedarfsartikel des täglichen Lebens nicht mehr ermöglicht (vgl. Huster 1996: 22 und Gabriel/Holtmann 2005: 80). Als absolut arm gelten nach der
Begriffliche Grundlagen 5
Definition der Weltbank Menschen, die über weniger als 1 USD (Kaufkraft) pro Tag verfügen können. 8 Von absoluter Armut sind nach aktuellen Schätzungen rd. 2 Milliarden
Menschen betroffen, was ca. 23% der gesamten Weltbevölkerung entspricht (Worldbank: 9).
Während absolute Armut eher in sog. ‚Entwicklungsländern’ vorzufinden ist, wird die in industrialisierten Gesellschaften auftretende Armut im Allgemeinen als relative Armut bezeichnet. Das Konzept der relativen Armut stellt nicht auf allein auf die physische Existenz ab, sondern vielmehr auf soziale Ungleichheit und bezieht über Aspekte des materiellen Wohlstands hinaus auch soziale und kulturelle Faktoren ein (vgl. Benz 2004: 98). Definiert ist sie jedoch als Einkommensarmut und bemisst sich am Durchschnittseinkommen der Gesellschaft. Während auf internationaler Ebene eine Armutsgrenze von 50% des jährlichen Netto-Äquivalenzeinkommens zugrunde gelegt wird (vgl. etwa alte OECD-Skala), gilt auf Ebene der EU als arm bzw. von Armut bedroht, wer über weniger als 60% des Durchschnittseinkommens verfügt (Destatis 2006: 5).
Kinderarmut bezeichnet demnach die relative Einkommensarmut von Personen unter 18 Jahren.
2.2.2 Transitorische vs. strukturelle Armut
Es gibt nicht nur hinsichtlich der Intensität, sondern auch bezüglich der Dauerhaftigkeit verschiedene Erscheinungsformen von Armut. Dabei unterscheidet man zwischen vorübergehender (transitorischer) und andauernder (struktureller) Armut. Bei transitorischer Armut wird davon ausgegangen, dass sich diese im Zeitablauf wieder ausgleicht, indem sich Zeiten, zu denen die Grundbedürfnisse befriedigt werden können und solche, zu denen dies nicht der Fall ist, einander abwechseln. Als Indikator wird hier vor allem die Dauer des Sozialhilfebezugs zu Grunde gelegt (Huster 1996: 25 f.). Wie Abb. 5 verdeutlicht, wird auf EU-Ebene nach subjektiver Betrachtung deutlich eher eine (vorübergehend) erworbene Armut angenommen.
Gehört eine Person jedoch zu einer gesellschaftlichen Randgruppe, deren Mitglieder insgesamt von Armut betroffen sind, ist von einer strukturellen Armut auszugehen. Dieser sog. ‚Teufelskreis der Armut’, der besonders häufig in Elendsvierteln vorzufinden ist, setzt
8 Worldbank Overview „Understanding Poverty“,
http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/TOPICS/EXTPOVERTY/0,,contentMDK:20153855~me
nuPK:373757~pagePK:148956~piPK:216618~theSitePK:336992,00.html (04.03.2008).
Ursachen für Armut 6
sich in der Regel auch in nachkommenden Generationen fort (vgl. Butterwegge et al. 2003: 223). Aber auch der familiäre Hintergrund spielt im Zusammenhang mit sog. ‚verfestigter Armut’ eine besondere Rolle (vgl. dazu ausführlich Groh-Samberg 2007: 177).
Insgesamt bedarf es aber bei der Armutsbekämpfung aber auch der Berücksichtigung der sog. ‚verdeckten’ Armut, die sich auf Personen bezieht, die zwar grundsätzlich einen Anspruch auf Leistungen zur Grundsicherung hätten, dieser aber aus unterschiedlichen Gründen nicht geltend machen. Man spricht daher auch von der ‚Dunkelziffer der Armut’ (vgl. Butterwegge 2000: 227).
3 Ursachen für Armut
3.1 Allgemeine Ursachen für Armut
Wenngleich eine Vielzahl verschiedener Theorien existiert, die sich mit den möglichen Ursachen von Armut beschäftigt, kann man doch grundsätzlich zwischen soziologisch orientierten Ansätzen, die vor allem auf die Ursachenforschung abzielen, und der reinen Armutsforschung, deren Ziel die Unterstützung der Betroffenen ist, unterscheiden.
Es kann ferner unterschieden werden zwischen länderbezogenen und personengruppenbezogenen Ansätzen. Da diese Arbeit auf die Untersuchung einer bestimmten Personengruppe abstellt und sich ferner die untersuchten Länder nicht elementar in ihren geographischen und demographischen Bedingungen unterscheiden, soll an dieser Stelle nur auf mögliche Ursachen der Armut einzelner (Personen)gruppen einer Gesellschaft eingegangen werden. 9
3.2 Personengruppenbezogen Armutsgründe
Die personengruppenbezogene Herangehensweise ist vor allem durch strukturelle Theorien geprägt, die gesellschaftliche Strukturen als Begründung für Armut begreifen. Demnach wären gesellschaftliche Veränderungen ein geeignetes Mittel zur Bekämpfung der Armut.
Die strukturellen Theorien wiederum untergliedern sich in eine Vielzahl unterschied-licher Herangehensweisen.
So stellt bspw. Lewis als Vertreter der sog. ‚Kultur der Armut’ darauf ab, dass angeeignete Lebensweisen von Denk-und Handlungsmustern geprägt sind, die
9 Vgl. zu den strukturellen Ursachen der Armut auch Butterwegge (2000), S. 233 ff.
Ursachen für Armut 7
generationenübergreifend weitergegeben werden. Ferner zeichnet sich diese Kultur der Armen dadurch aus, dass eine umgehende Bedürfnisbefriedigung angestrebt wird, was zugleich impliziert, dass Bedürfnisse nicht zurück gestellt werden, von denen zu einem späteren Zeitpunkt profitiert werden könnte. In die eigene Bildung und Ausbildung und auch in die der Kinder wird demnach kaum oder gar nicht investiert. Folglich ist auch die nachfolgende Generation mit den gleichen geringen Mitteln und Fähigkeiten ausgestattet und lebt damit in Armut. Einzig ein Eingriff von außen scheint hier ein geeignetes Mittel, um Armut entgegenzuwirken (Palentien 2004: 36). Dieses von Lewis entwickelte Konzept wurde später auf die USA und andere westliche Industrieländer übertragen, dem Ansatz folgend, dass eine höhere Wertschätzung der Gegenwart gegenüber der Zukunft einen Verfall der Familie zur Folge haben wird, was wiederum eine ungünstige Sozialisation der Kinder armer Personen mit sich bringt (Vgl. dazu ausführlich Moynihan 1965).
Des Weiteren wird Diskriminierung als eine mögliche Ursache für die Armut bestimmter Personengruppen angesehen. Diese kann direkter Natur sein, wenn bspw. aufgrund ethnischer Herkunft oder der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht der Zugang zu monetären Mitteln beschränkt ist. Weit häufiger findet sich heutzutage jedoch die indirekte Diskriminierung, die sich bspw. auf einem bestimmten Habitus begründet. Diese Definition mittelbarer Diskriminierung findet sich auch auf EU-Ebene wieder, wonach der bloße Anschein für eine Annahme von Benachteiligung herangezogen wird (vgl. EU 2000: Art. 2 Abs. 2).
Arbeitslosigkeit und daraus resultierende Armut können aber auch durch Verschiebungen in der wirtschaftlichen Struktur hervorgerufen werden. Diesem Ansatz folgt die ‚Theorie des wirtschaftlichen Strukturwandels’. Sie besagt, dass der Wandel hin zu einer Informationsgesellschaft zu einer Verlagerung von Arbeitsplätzen gering Qualifizierter in das Ausland führt (Lemke/Hermeier 2006: 18). Gleichzeitig wird festgestellt, dass das Bildungsniveau der Bevölkerung keine entsprechende Steigerung hin zu mehr Qualifikation erfährt (vgl. NZZ Online 2006). Die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Geringqualifizierten im Vergleich zur Quote bei den Akademikern im Zeitablauf stützt diese These einmal mehr (vgl. IAB 2007: 18). 10 Daraus abgeleitet führt
geringere Qualifikation zu höherer Arbeitslosigkeit und in der Folge zu einer steigenden Armutsquote (vgl. Butterwegge/Klundt 2002: 330). 11 Aus Abb. 6 wird deutlich, das auch
10 Während die Arbeitslosenquote ‚ohne Berufsabschluss’ 1975 bei rd. 5% lag, betrug sie 2005 26%,
während nur 4,1% der Akademiker von Arbeitslosigkeit betroffen waren (1975: rd. 2,5%).
11 Vgl. zum Zusammenhang von Langzeitarbeitslosigkeit und Armut auch Butterwegge (2000), S. 197 ff.
Ursachen für Armut 8
als subjektiv empfundene Ursache für Armut Langzeitarbeitslosigkeit über alle Bevölkerungsgruppen hinweg als stärkster Einflussfaktor gesehen wird.
Eine weitere Sicht auf Armut wagt der Sozialdarwinismus, der auf die Angepasstheit der in einer Gesellschaft lebenden Individuen abstellt. Während dabei gut angepassten Individuen attestiert wird, dass sie es einmal ‚weit bringen’, wird den Armen unterstellt, sich aufgrund ihrer schlechten Angepasstheit in Armut zu befinden (Kessl et al. 2007: 111). Darüber hinaus stellt der Sozialdarwinismus auf Intelligenz als wichtigen Einflussfaktor auf Armut oder Reichtum einer Person ab. Diese These hat in weiteren Untersuchungen zu stark abweichenden und somit nicht eindeutig belegenden Ergebnissen geführt. 12
Eine weitere Theorie konstatiert, dass Arme unter erlernter Hilflosigkeit leiden, was aufgrund ihrer Lebensumstände dazu führt, dass sie die Relevanz persönlicher Entscheidungen nicht hinreichend wahrnehmen. Insbesondere in unteren Schichten werden häufiger negative Erfahrungen gemacht, was zu Resignation führt, Handlungskompetenzen werden nicht wahrgenommen (Salentin 2002: 56).
3.3 Ursachen der Kinderarmut
Während Erwachsenen die Verantwortung für ihre Armut häufig selbst zugeschrieben wird, ist diese Argumentation für Kinder nicht haltbar. Als ursächlich für Kinderarmut werden vielmehr strukturelle Zusammenhänge sowie die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie leben, angesehen. Aber auch bestimmte Ereignisse können als Auslöser für einen sozialen Abstieg sorgen oder diesen unterstützen. Insgesamt sind Kinder von den vorgenannten Ursachen wie bspw. dem wirtschaftlichen Strukturwandel (Globalisierung) und der zunehmenden Individualisierung in der Gesellschaft ebenso, aber viel stärker betroffen als ihre Eltern, da sie kaum bzw. keinen Einfluss auf ihre eigene Lebenslage haben.
Auf internationaler Ebene stellt die UNICEF-Studie aus dem Jahr 2005 eine wichtige Referenz hinsichtlich der Kinderarmut in Industrieländern dar. Sozialpolitik, soziale Trends und der Arbeitsmarkt werden dabei als Schlüsselbereiche für die Zahl der von Armut betroffenen Kinder herausgestellt (vgl. UNICEF 2005). Hinsichtlich der Sozialpolitik weist die Studie einen positiven Zusammenhang zwischen der Höhe der staatlichen Sozialleistungen und dem Anteil von Armut betroffener Kinder nach. So leben in Ländern, die weniger als 5% ihres BIP für Sozialleistungen aufwenden, mehr als 15%
12 Vgl. dazu ausführlich Herrnstein, R./ Murray, C. (1994) und Zagorsky, J. (2007).
Arbeit zitieren:
Jean Knödel, 2008, Kinderarmut in Schweden und Deutschland – ein Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Wie gehen die Fachkräfte im Jugendamt mit dem Struktuproblme von Hilfe...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 25 Seiten
Qualitätsmanagement im Krankenhaus - KTQ und EFQM im Vergleich
Hausarbeit, 22 Seiten
Friedemann Schulz von Thun: Das Modell vom "inneren Team" - ...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Klassische Vertragstheorien (Hobbes, Rousseau, Kant)
Seminararbeit, 22 Seiten
Eine Form sozialer Gerechtigkeit: Gerechtigkeit als Fairness (John Raw...
Theologie - Systematische Theologie
Seminararbeit, 15 Seiten
Kindeswohlgefährdung - Unterstützung in Konfliktsituationen
Leistungen und Handlungsmöglic...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 19 Seiten
Schüler als Täter und Opfer von Mobbing in der Schule
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Ausarbeitung, 22 Seiten
John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit von 1971 - Eine kritische Rekons...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 18 Seiten
Wie wirken sich Arbeitslosigkeit und Demographie auf den Wohlfahrtssta...
Ein Vergleich zwischen Deutsch...
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Bachelorarbeit, 38 Seiten
Demokratie Lernen im Sachunterricht: Ansätze und Konzeptionen
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Examensarbeit, 100 Seiten
Armut bei Kindern und Jugendlichen - geschlechtsspezifische Unterschie...
Soziologie - Kinder und Jugend
Hausarbeit, 31 Seiten
Luhmann - Keine Kommunikation ohne Bewußtsein und doch: ohne das Bewuß...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Seminararbeit, 8 Seiten
Genese und Grundpfeiler der Reformpädagogik im Kontext der gesellschaf...
Seminararbeit, 20 Seiten
Jean Knödel hat den Text Kinderarmut in Schweden und Deutschland – ein Vergleich veröffentlicht
Jean Knödel hat einen neuen Text hochgeladen
Lebensbedingungen von Familien in Deutschland, Schweden und Frankreich
Ein familienpolitischer Vergle...
Tanja Mühling, Johannes Schwarze
Das europäische Schutzgebietssystem NATURA 2000. Band 3. Arten der EU-...
Ökologie und Verbreitung von A...
Börsenprospekthaftung der Leitungsorgane von Emittenten in Deutschland...
Florian Engelhardt
Verfassung und Verfassungsgericht: Deutschland und Brasilien im Vergle...
Die Rolle von Verfassung und V...
Rainer Schmidt, Virgílio Afonso da Silva
Die Bildungsausgaben der Bundesländer im Vergleich
Welche Faktoren erklären ihre ...
Frieder Wolf
Deutschland und Frankreich in der europäischen Integration: 'Motor' od...
Heinrich Siedentopf, Benedikt Speer
Kinderarmut und Generationengerechtigkeit
Familien- und Sozialpolitik im...
Christoph Butterwegge, Michael Klundt
0 Kommentare