Name und Anschrift des Autors: Manfred Schmidt, Erasmusstrasse 24, 40223 Düsseldorf
Satz und Layout: Manfred Schmidt
Druckvorstufe: Page Maker 6.5, Illustrator 9.0 Schriftart: Arial, Palatino
Alle Rechte vorbehalten, Manfred Schmidt,
Erasmusstrasse 24, 40223 Düsseldorf, 2009
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Inhalt
Vorweg gesagt 11
Ortnamen die Furcht einjagen: Die Angstmacher 15
Fit wie ein Turnschuh: Die sportlichen Ortsnamen 25
Wer den Pfennig nicht ehrt: Die sparsamen Ortsnamen 29
Die Neinsager: Ablehnende Ortsnamen 33
Tach Herr Doktor: Die medizinischen Ortsnamen 37
Hab ’ ich ja noch nie gehört: Die seltsamen Ortsnamen 49
David und Goliath: Die großen und die kleinen Ortsnamen 53
Verliebt, verlobt, verheiratet: Familiäre Ortsnamen 57
H öhere Mathematik: Zählbare Ortsnamen 61
Hund , Katze Maus: Die tierischen Ortsnamen 65
Spa ß muss sein: Die witzigen Ortsnamen 77
Gute Besserung: Die erholsamen Ortsnamen 83
Immer hübsch angezogen: Die modischen Ortsnamen 87
Ausrufe : Die verbalen Ortsnamen 91
Sch öner wohnen in. : Ortsnamen mit Wohnwert 95
Des Häuslebauers Alptraum: Ortsnamen ohne Besuchswert 101
Die Kieferbrecher: Schwierig auszusprchnente Ortsnamen 107
Schlechte Karten: Ortsnamen ohne Chance 111
Kraut und Rüben: Die leckeren Ortsnamen 115
Die Geographischen: Erdkundeunterricht mit Ortsnamen 123
Bitte noch einmal - aber ganz langsam: Die doppelten
und dreifachen Ortsnamen 139
Quellen 143
Kein Vorwort, daher schon lesenswert
Moment mal - Bremsen quietschen, der Wagen mit dem Kölner Kennzeichen fährt rechts ran. Der Fahrer steigt aus, um zu gucken, ob er da auch richtig gelesen hat. Er hat. Das Ortsschild ist unscheinbar aber wirkungsvoll. Wer des Öfteren mit der notwendigen Aufmerksamkeit durch deutsche Lande fährt, dessen Blick wird wie bei unserem Fahrer aus der Domstadt irgendwann einmal auf eine Ortseingangstafel fallen, deren Beschriftung im ersten Moment beim Betrachter eine leichte Heiterkeit aufkommen lässt. Denn so selten sind sie gar nicht, die deutschen Städte, Stadtteile und Gemeinden mit den kuriosen Ortsnamen. Nachdem über Namen wie Lederhose, Bösgesäß, Linsengericht, Katzenhirn oder Siedichum herzhaft gelacht wurde, stellt sich der eine oder andere Zeitgenosse doch ernstlich die Frage, wie es zu solch eigentümlichen Namensgebungen gekommen ist. Heißt der Ort Sumpfohren vielleicht deshalb so, weil man beim Aufenthalt in demselben bis zu beiden Ohren im Sumpf versinkt, oder können die karitativen Verbände davon ausgehen, dass die Spendenbereitschaft in der Ortschaft Habenichts gleich Null sein wird und ist es ratsam, den Ort Prügel nur mit einem Panzer zu durchfahren?
Selbstverständlich treffen alle Überlegungen nicht zu, genauso wenig wie die Annahme, der Rekonvaleszent habe im Kurort Elend definitiv keine Erholungschance und man könne in Saurasen keinen erquickenden Waldspaziergang machen. »Nomen est omen« - der Name sagt alles, behauptete einst Plautus, ein Lustspieldichter im alten Rom. Dass dem nicht immer so ist, zeigt sich am Beispiel der kuriosen deutschen Ortsnamen, von denen die meisten einen ganz anderen etymologischen* Hintergrund besitzen und dieser dann häufig bei weitem nicht so spektakulär ist, wie der Ortsname selbst. Genauso wenig spektakulär sind die Größenverhältnisse der Orte, was ihre Einwohnerzahl und Gemarkungsfläche betrifft und ein Stromausfall ist oft das aufregendste, was die Bewohner dort je erlebt haben. Aber der exotische Name des Ortes - der macht neugierig!
Aber nicht unbedingt die, die dort wohnen. Schon immer hatten die Bewohner von Orten mit seltsamen Ortsnamen unter den zu Missdeutung und Hänselei verleitenden Namen zu leiden. Folglich ist es nicht immer leicht, taktlosen Fremden zu entgegnen, wenn die sich über den Namen lustig machen.
So z. B. für die Einwohner von Eime, einem kleinen Örtchen im Kreis Hildesheim. Ihnen sind die Witze über sie weder neu noch irgendwie besonders lustig. Allen, die den Ortsnamen noch nie gehört haben - und das dürften die meisten sein - entlockt er aber immer wieder ein Grinsen. Warum? Eime - ist doch gar nicht so schlimm. Nun, jeder Bewohner des Fleckens (so die richtige Gemeinde-Bezeichnung) ist ein Eimer.
Und wer schon länger dort wohnt, kann sich mit Fug und Recht als »alter Eimer« fühlen. Eimer veranstaltet auch einen Volkslauf, den »Eimer-Külf-Lauf«. Würde ein Einheimischer diesen Lauf gewinnen, so wäre als Schlagzeile in der Lokalpresse zu lesen: »Eimer gewinnt Volkslauf«.... dasselbe gilt für die ca. 230 Bewohner von Alzheim (Gemeideteil zu Mayen/Eifel).....
Derartige Eimer voller Spott hat einige Verantwortliche zum Äußersten getrieben: zur Ortsnamensänderung. Klar - ist eine einzelne Person mit einem auffälligen Namen gestraft, betrifft es halt nur diese Unglückliche. Ein kurioser Ortsname kann gleich eine ganze Sippe nerven. Schon 1924 stellte die Gemeindevertretung des Kurortes Elend einen Antrag auf Namensänderung. 1923 änderte das damalige Fickingen (1220 erstmals unter »Fuckina« erwähnt) gemäß Verordnung der Regierungskommission Saargebiet seinen Namen in Saarfels. 1971 hat sich die Gemeinde Blödesheim im Landkreis Alzey-Worms den neuen Namen Hochborn gegeben, im selben Jahr hat sich Pissighofen im Rhein-Lahn-Kreis in Hainau umbenannt. In Blödesheim kam noch »erschwerend« hinzu, dass verschiedene Einwohner den Familiennamen »Ochs« habenmachen Sie mal mit dieser Kombination Weinwerbung!
* Etymologie = Lehre von der »wahren« Bedeutung der Wörter, d. h. vom Ihrem Ursprung und ihrer Grundbedeutung
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Die Gemeinde Rosenheim trug bis zum Mai 1963 den Namen »Kotzenroth«. Der Dichter Friedrich Rückert ärgerte sich derart über den Namen seines Geburtsorts Schweinfurt, dass er sich sogar in einem besonderen Gedicht Luft machte. Dabei beinhaltet dieser Ortsname überhaupt nichts »tierisches«, sondern bedeutet schlicht: »Die Furt am Sumpfwasser (= swin)«. Das wusste der Barde wahrscheinlich damals noch nicht. Also, zu dem Namen stehen, oder ihn ändern - wohl von Fall zu Fall unterschiedlich. Nebenbei bemerkt, in anderen Ländern sind die Bewohner von Orten mit kuriosen Ortsnamen teilweise noch »schlimmer dran«. Beispielsweise in der Türkei, im Örtchen Deliler = »Die Verrückten« oder in der ungarischen Ortschaft Bugyi = »Damenunterhose«.
Vorweg - eines der Hauptziele dieses Buches, der etymologische Vergleich zwischen den »gewöhnlichen« Ortsnamen und der kuriosen Ortsnamen - ergab, dass die Herkunft sehr vieler kurioser Ortsnamen häufiger unbekannt ist. Das Bestreben bei der Namensgebung ist es, etwas persönliches, oder eine Spezies ohne zusätzliche Anhaltspunkte zu identifizieren, das heißt, von gleichartigem Profil zu differenzieren. Ein Name kann vorläufig aus der Benutzung einer Bezeichnung hervorgehen - so sind viele Ortsnamen und die meisten Familiennamen entstanden. Wenn beispielsweise jemand sagt, »ich gehe in die »Molkerei« und de facto in eine Molkerei geht, dann hat er den Ort, den er meint, charakterisiert. Nennt er aber den Ort immer noch die Molkerei, obwohl die Molkerei dort schon nicht mehr vorhanden ist, dann hat sich diese Bezeichnung schon größtenteils zu einem Namen entwickelt. Wenn dann auch Leute, die überhaupt gar keine Informationen darüber besitzen, dass dort einmal eine Molkerei existierte, ihn als die Molkerei benennen, dann ist der Übergang zu einem Ortsnamen realisiert. Primär erhielt der Begriff seine identifizierende Kraft durch die Ausgangslage, weil man zur einzigen Molkerei im Umkreis einfach die Molkerei sagte, ohne genauere Bezeichnungen zuzusetzen. Hier könnte man von einer Namensentfaltung sprechen. Dazu gegensätzlich steht die ausdrückliche Namengebung. In diesem Fall wird einem Individuum durch einen Einzelnen oder durch eine kleine Gruppe eine Lautfolge als Name zugeteilt. Bei der Namengebung sind ebenfalls wieder zwei Fälle zu differenzieren: einerseits die Namenwahl, andererseits die Namenprägung; im ersten Fall wird aus einer Zahl schon existierender Namen einer ausgesucht und dem Individuum als Name zugeordnet. Das trifft etwa auf unsere Vornamen zu. Im zweiten Fall wird ein neuer Name gebildet, beispielsweise ein neuer Ortsname. Bei der Namensgestaltung von Ortsnamen hat die in der betreffenden Gegend ansässige Gesellschaft eine Art Vorrecht: Sie wird gefragt, wie der betreffende See, Berg, Bach, das Tal, die Landspitze usw. heißt. Das hat zur Folge, dass sich deren zufällige Namen gebungen durchsetzen können, sodass sich Ortsnamen in großem Umfang auf so zufällige Namenmotive beziehen, dass sie nach einiger Zeit nicht mehr durchschaut werden können.
Dies macht nun die etymologische Aufbereitung von Ortsnamen zu einer schwierigen Angelegenheit. Bei Namen, die der uns bekannten am Ort gesprochenen Sprache angehören, können wir zunächst eine Reihe von Motiven finden, die so banal sind, dass wir uns weitere Untersuchungen sparen können: Der Gewässername Mühlbach beispielsweise sagt lediglich aus, dass von dem betreffenden Bach zumindest eine Mühle angetrieben wurde - und das ist für die frühere Zeit von jedem größeren Dorfbach vorauszusetzen. In anderen Fällen muss eine Realprobe durchgeführt werden. Es muss vor Ort nachgeprüft werden, ob das vermutlich zur Benennung verwandte Merkmal tatsächlich vorhanden ist (etwa, dass sich der Name des Berges Busenberg bei dessen Betrachtung aus einer bestimmten Richtung verstehbar, der Namenbegriff also bekannt ist), denn die Möglichkeiten der Namensmotive sind so vielfältig, dass bloßes Vermuten nur mit äußerst geringer Wahrscheinlichkeit das Richtige trifft. Was hat zum Beispiel der Ort Faulebutter mit fauler Butter zu tun. Roch es hier häufig nach fauler Butter? Oder musste eine Abgabe in Butter geleistet werden? Oder erhielt man an dieser Stelle
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ein minderwertiges Milchprodukt? Das alles und noch viel mehr ist denkbar. In einem solchen Fall ist ja nicht einmal bekannt, ob tatsächlich das Wort Fett zugrunde liegt, oder ob es sich nicht eher um eine nachträgliche Umdeutung handelt. Wenn keine dieser Möglichkeiten wahrscheinlich gemacht werden kann, sollten sie trotzdem, nämlich zum Zwecke weiterer Studien, Erwähnung finden.
Noch kritischer ist es mit den dunklen Namen, die aus der am Ort gesprochenen Sprache (auch unter Berücksichtigung der frühen Belege und der regionalen Formen) nicht verstehbar sind. Hier muss zunächst - da Ortsnamen ja bodenständig sinddamit gerechnet werden, dass sie aus einer anderen, früher am Ort gesprochenen Sprache stammen. Man könnte also etwa bei einem dunklen Namen in der Schweiz oder in Süddeutschland mit der Möglichkeit rechnen, dass er von den Kelten übernommen wurde. Das bedeutet aber noch nicht unbedingt, dass er damit keltisch ist, denn auch die Kelten könnten ihn ja von noch früheren Einheimischen übernommen haben. Deutungen als Übernahme aus einer früheren Sprache können dann wahrscheinlich gemacht werden, wenn wir die Namengebung in dieser Sprache einigermaßen beurteilen können, oder wenn sich bestimmte wiederkehrende Namentypen feststellen lassen. So zeigt sich etwa bei der Gewässernamengebung Europas innerhalb bestimmter Grenzen ein Namengebungssystem, das eine bestimmte Anzahl von Elementen in wechselnden Kombinationen aufweist.
Können wir einen Namen an ein solches System anschließen, dann ist zunächst Noch kritischer ist es mit den dunklen Namen, die aus der am Ort gesprochenen Sprache (auch unter Berücksichtigung der frühen Belege und der regionalen Formen) nicht verstehbar sind. Hier muss zunächst - da Ortsnamen ja bodenständig sind - damit gerechnet werden, dass sie aus einer anderen, früher am Ort gesprochenen Sprache stammen. Man könnte also etwa bei einem dunklen Namen in der Schweiz oder in Süddeutsch-land mit der Möglichkeit rechnen, dass er von den Kelten übernommen wurde. Das bedeutet aber noch nicht unbedingt, dass er damit keltisch ist, denn auch die Kelten könnten ihn ja von noch früheren Einheimischen übernommen haben. Deutungen als Übernahme aus einer früheren Sprache können dann wahrscheinlich gemacht werden, wenn wir die Namengebung in dieser Sprache einigermaßen beurteilen können, oder wenn sich bestimmte wiederkehrende Namentypen feststellen lassen. So zeigt sich etwa bei der Gewässernamengebung Europas innerhalb bestimmter Grenzen ein Namengebungssystem, das eine bestimmte Anzahl von Elementen in wechselnden Kombinationen aufweist. Können wir einen Namen an ein solches System anschließen, dann ist zunächst die Herkunft aus der früheren Sprache wahrscheinlich gemacht - die Entstehung des Namens im engeren Sinn haben wir damit noch nicht geklärt, und können dies auch nur in ganz besonders günstigen Fällen tun. Die Zurückführung solcher Namen auf Wörter früherer (auch erschlossener) Sprachen wie Keltisch, Indogermanisch usw. ist deshalb nicht selten eine bloße Spekulation, oftmals aber auch der einzige Ausgangspunkt, den wahren Ursprung des Ortsnamens vielleicht doch noch zu ergründen.
Ortsnamen, die zum Kreis der geographischen Namen gehören, sind auch oftmals deshalb schwer zu deuten, weil sie verschiedenen Gruppen angehören (Städte-, Dörfer-, Güter-, Insel-, Berg-, Gewässer- und Flurnamen) und ein Name innerhalb dieser Gruppen in eine andere Gruppe hinüberwechseln kann. Ein Landschaftsname kann beispielsweise zu einem Ortsnamen werden. Umgekehrt kann auch ein Ortsname zu einem Landschaftsnamen werden, z. B. Schleswig als Bezeichnung des Herzogtums. Häufig kommt es vor, dass ein alter Gewässername an einer Siedlung haften bleibt, der Wasserlauf selbst aber einen neuen Namen erhält. So bezeichnete der Name Angeln ursprünglich wohl die Schlei. Nach der Wilster (au) hat wiederum die Stadt Wilster ihren Namen. Ein Flurname kann zu einem Ortsnamen werden, wenn auf der betreffenden Flur ein Siedlung erwächst, aber auch ein Ortsname zu einem Flurnamen, wenn eine Ortschaft eingeht, also eine Wüstung entsteht, der Ortsname aber als Flurname weiterlebt.
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Es ist übrigens nicht verkehrt, wenn der Namensforscher auch gleichzeitig Geograph ist, oder sich zumindest geographisch orientierten kann. Auch bei eigentlich durchsichtigen Namen können Schwierigkeiten hinzukommen, die eine etymologische Untersuchung erschweren oder verfälschen. So haben wir etwa bei alten Ortsnamen, wie auch bei Götter- und Völkernamen häufig eine Überlieferung, die berichtet, wie es zu dem betreffenden Namen gekommen ist, eine so genannte Herkunftslegende. In manchen dieser Herkunftslegenden mag ein durchaus richtiger Kern stecken, in der Regel sind sie aber - in vielen Fällen sogar nachweislich - erst aus dem Namen herausgesponnen worden, das heißt, man hat den Namen an ein ähnliches Wort angeschlossen und dann eine Geschichte dazu erfunden. Solche Herkunftslegenden sind für die Etymologie ziemlich ungeeignet, und eine große Gefahr obendrein, denn es kommt vor, dass die Namen nachträglich stärker an die Geschichte angepasst werden, dass Umschreibungen auftauchen, die die falsche Etymologie zu stützen scheinen, und anderes mehr.
Eine andere Gefahr besteht in den Namenübertragungen, dem Vorgang, dass ein bereits bestehender Ortsname auf eine andere Örtlichkeit übertragen wird, besonders wenn Neusiedler Namen aus ihrer alten Heimat mitbringen. So ist ein großer Teil der Ortsnamen in Amerika von den europäischen Siedlern mitgebracht worden. In diesen Fällen würde das Namenmotiv, wenn es erkennbar ist, nicht notwendigerweise auf den bezeichneten Ort zutreffen, sodass die richtige etymologische Erklärung für diesen Namen lediglich aus der Feststellung besteht, dass er von einem anderen Ort her übertragen wurde.
Eine sehr wichtige Rolle bei der Benennung von Ortsnamen spielen die Personennamen. Dies liegt daran, dass Menschen die Siedlungen gründeten und die Nachbarn oft die Namen der Gründer mit denen der betreffenden Orte verbanden. Nicht selten stößt man bei der Ortsnamensforschung auf Scherz- und Spottnamen, weil es unter unseren Vorfahren schon den einen oder anderen lustigen Vogel gab. Wer wohl in dem Örtchen Schabernack seine Scherze gemacht hat? Die Kohlentreiber im Ruhrgebiet haben im 18. und 19. Jh. den an ihren Wegen liegenden Häusern häufig Spottnamen gegeben, die später zu »offiziellen« Siedlungsnamen wurden, wie »Schaumlöffel«, »An der hölzernen Klinke«, »An der Kindtaufe«, »Hornissenhütte«, »Mückenburg«, etc. Auch einige Ländernamen als Ortsbezeichnungen (Californien, Brasilien, etc.) sind Scherznamen.
Die Geschichte der Ortsnamen ist die Gegenwart von Gestern. Es ist deshalb oftmals sehr schwer, sie gesichert zu beschreiben. Wer sie zu fassen versucht, lebte nicht in ihrer Zeit. Er muss aus den Belegen, die ihm zur Verfügung stehen, objektive Aussagen formulieren.
Orts- und Ortsteilnamen lassen sich also nicht immer restlos mit definitiven Beweisen erklären und nicht selten kommt es, wie oben schon erwähnt vor, dass die Entstehungsgeschichte eines Ortsnamens überhaupt nicht mehr bekannt ist. Die Ursachen hierfür sind mannigfaltig; vielfach fehlen die Urkunden oder sie sind durch Kriege und Brände verloren gegangen. In solchen Fällen sollte der Versuch gemacht werden, durch die Begleitumstände einige Informationen über die fehlenden Spuren zu erhalten um dort dann genauer nachzuforschen. Bei verschwundenen Merkmalen und bei der Namengebung nach Ereignissen oder Beziehungen kann in manchen Fällen das Studium älterer Quellen oder geschichtliche Nachforschung (etwa Grabungen) die Richtigkeit einer etymologischen Vermutung erweisen. Leider ist die Erkenntnis, dass die einfachste und nächstliegende Erklärung besondere Beachtung verdient, weil sie nämlich oft die richtige ist, nicht Allgemeingut. Auch der Versuch einer eigenen Interpretationnach guter Forschung - sollte erlaubt sein, denn es existieren durchaus noch einige sprachgeschichtlich geradezu unmögliche Interpretationen in den Köpfen unberufener Namensdeuter. Ebenfalls ist es schwer, ein wissenschaftliches Irrlicht wirklich auszublasen. In allen anderen Fällen - wenn also nicht begründet werden kann, warum der Ort
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so benannt wurde - sollte eine Etymologie nur mit größter Umsicht versucht werden. Der erste Schritt zur Deutung eines Ortsnamens muss die Erkundung der ältesten Namensformen sein. Meist hat sich im Laufe der Jahrhunderte die Schreibweise bis zur Unkenntlichkeit verändert. Die in diesem Buch bei den meisten Ortsamen verzeichneten Jahreszahlen geben jeweils die früheste urkundliche Erwähnung des Ortes an. Die erste schriftliche Erwähnung eines während des Mittelalters im deutschsprachigen Raum entstandenen Ortes stellt aber nur selten das Datum seiner Gründung dar, sondern befindet sich zumeist in einer Urkunde über ein Rechtsgeschäft innerhalb einer schon bestehenden Ansiedlung. In vielen Fällen ist die Entstehung der betreffenden Siedlungen also in noch früheren Zeiten zu suchen. Die meisten Orte, auch die mit kuriosen Ortsnamen, besitzen demnach keine Geburtsurkunde. Das Jahr der frühesten Nennung kann daher nur als Terminus ante quem betrachtet werden. Einer der Grundsätze bei der Ortsnamensdeutung - die Beziehung zwischen Ort, Ortsbild und Ortsgeschichte aufzufinden und in einen zufrieden stellenden Einklang zu bringen - ist bei weitem nicht immer erreichbar. Kann also die Etymologie eines Ortsnamens nur vermutet werden, sollte von einer Erklärung ganz abgesehen werden, weil eine Deutung mit »Gewalt-anwendung«, ausschließlich anhand von Ortsnamensbelegen und ganz ohne genaue örtliche und ortsgeschichtliche Sachkenntnisse unsicher bleibt und ihre Ergebnisse »Traumbilder« sein müssen. Vielfach sind es solche Orte, deren Tradition nicht weit genug zurückreicht, und deren Deutungsversuche am besten unterbleiben. Es widerstrebt einem, z. B. in Ganthem die Bezeichnung der männlichen Gans, in Vorshem den Frosch hineinzudeuten. Manchem Namen lässt sich auf diese Weise vielleicht einen Sinn geben, aber ob er der Richtige ist, dürfte zweifelhaft sein.
Überhaupt keine Chance hat der Historiker allerdings, wenn der Ortsname schlicht falsch ist: Da glaubte bis zum 14. Oktober 1971 eine kleine Gemeinde im Landkreis Tuttlingen, dass ihr Örtchen Irrendorf hieße. (Schade, wäre ein Fall für dieses Buch gewesen). Just an diesem Tag entdeckte ein Handwerker bei der Renovierung einer Kirche im Turm eine alte Eichenkiste. Hierin befanden sich in einem Glaskasten Urkunden, in denen stets von Irndorf und nie von Irrendorf die Rede ist. Auch gibt es Irritationen, wenn lediglich die Eigentümlichkeit der Schreiber den Ortsnamen veränderte. Wenn in diesem Buch den vorherigen Aussagen, also der »Etymologischen Ethik« in manchen Fällen nicht Folge geleistet wurde, ja in nicht wenigen Situationen sogar widersprochen wird, so einmal mit dem Ziel, dem Etymologen, aber auch dem »Nicht-Etygen« die Problematik der Findung der wahren Grundbedeutung eines Ortsnamens -vor allem eines kuriosen Ortsnamens - darzulegen, aber auch, wie vorher schon erwähnt, der weiteren Erforschung kurioser Ortsnamen als Denkanstoß zu dienen. Den interessierten Laien sollte bei seinen Nachforschungen die Unsicherheiten der vielen »Dürfte«, »Könnte-wohl« nicht abschrecken. Auch wenn er bei seinen Recherchen nicht immer die wissenschaftlichen Methoden der Etymologen verwendet, so kann er den »Fachleuten« doch häufig wichtige Informationen zur weiteren Verwendung vorlegen. Auffallen wird dem Leser also, dass riesige Diskrepanzen zwischen den Etymologien der einzelnen kuriosen Ortsnamen liegen, sogar nicht wenige völlig unbekannt sind. Bei vielen hat es sicherlich nicht an mühsamen Untersuchungen gefehlt, das konnte man bei den verschiedenen Interpretationsversuchen unschwer feststellen. Andererseits ist aber auch in nicht wenigen Fällen ein erschreckendes Desinteresse der innerhalb dieser Arbeit Befragten (z. B. Bürgermeister(!), an der (Namens-) Geschichte ihres Heimatortes auffällig. Es ist wirklich erstaunlich, mit welcher Akribie und mit welchem Arrangement so mancher Heimatforscher seine Heimat erforscht; um so erstaunlicher ist es, dass der Ortsname, auch (oder gerade) wenn er noch so auffällig ist, von der Forschung ausgeschlossen bleibt.
Auch wird dem Leser nicht entgehen, dass der Umfang der einzelnen Untersuchungen, also bei den allgemeinen Angaben zum Ort, unterschiedlich ist. Das liegt einfach daran,
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dass die zum Teil jahrelangen Recherchen von recht ungleichem Ausmaß waren. Darum erlaube ich mir bei dieser Gelegenheit und nach einer solch langen Zeit der Nachforschungen zu erwähnen, das die relativ hohe Zahl von indiskutablen oder völlig ausbleibenden Informationen den kommunalen Verwaltungen zuzuschreiben ist. Diese leisteten sich im Umgang mit ihren überlegenen Beziehungen eine geradezu beschämende Arroganz.
Um zu vermeiden, dass der Leser ihm bekannte kuriose Ortsnamen hier vergebens sucht und so zwangsläufig an eine lasche Recherche denken muss, habe ich Orte mit kuriosen Namen, von deren Verwaltungen wir trotz mehrmaliger Bitte keine Auskünfte bekamen, am Ende der jeweiligen Themengebiete zur Information aufgeführt. Zwei weitere Probleme bei der Erarbeitung des Themas lagen wohl darin, einen Ortsnamen objektiv und überhaupt als kurios einzuordnen und diesen dann auf keinen Fall lächerlich zu machen. Wenn die vorliegende Arbeit eine unterhaltende Wirkung hat, ist dagegen nichts einzuwenden; es ist nämlich nicht einzusehen, warum ernsthafte Bücher notwendigerweise knochentrocken und todlangweilig sein müssen. Andererseits sollte hier niemals ein Witzbuch entstehen, sondern der Versuch gemacht werden, innerhalb der Forschung zur deutschen Landeskunde die Genesis kurioser Ortsnamen wissenschaftlich darzulegen. Von immer wieder im Internet auftauchenden Webseiten von Selbstdarstellern und Pseudowitzbolden, die sich mit der Veralberung von kuriosen Ortsnamen (hier z. B. »Dämliche Ortsnamen« genannt) profilieren wollen, distanziert sich der Inhalt dieses Buches ausdrücklich.
Um so wissenschaftlich wie eben möglich zu arbeiten, galt es, die Fülle der kuriosen Ortsnamen in eine gewisse Ordnung und Systematik hineinzubringen. Um ein allzu subjektives Vorgehen zu vermeiden, wurden die Orte hier nicht in alphabetischer Reihenfolge ausgesucht, sondern die Selektion erfolgte nach festgelegten (unterhaltsamen) Themengebieten. Diese Vorgehensweise erlaubte dann, einer repräsentativen Gruppe Ortsnamen zur Auswahl vorzulegen und damit die subjektive Elektion größtenteils zu relativieren. Bewusst ausgenommen wurden Ortsnamen, die auch nur im weit entferntesten Sinne mit Religion, und hier insbesondere mit der katholischen Kirche in Verbindung zu bringen sind; weil die Kleriker (unter anderem auch) hier keinen »Spaß« verstehen und im Schweinsgalopp mit zutiefst beleidigten Reaktionen aufwarten. Ortsnamen mit sexuellen Bezeichnungen fanden nur in wenigen, ganz interessanten Fällen Beachtung, weil dieses Buch gerade auch junge Leser an die Etymologie der Ortsnamen heranführen soll und die hier aufgeführten Orte als Denkanstoß dienen sollen. Mannigfaltige Recherchen waren notwendig, um die von den Eingemeindungen betroffenen Orte und Ortsteile zu finden, von denen nicht wenige auch den Status des Ortsteils verloren hatten und nur noch Straßennamen darstellen. Diese konnten bei der Auswahl nicht mehr berücksichtigt werden.
Über allem stand der Grundsatz »ad fontes« und »ex fontibus«.
Düsseldorf, im Sommer 2009
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EKEL »Ekelewestorpe«, »Ekelstorpe« und »Ekels-dorp« und schließlich zum heutigen Ekels-dorf, daß erstmalig im Jahre 1855 aufaucht.
Stadtteil der Stadt Norden; 5 m ü. M.;
Namensgeber war der Ritter Nicolaus
O Aurich; L.: Niedersachsen;
Ekolf. Anfang des 13. Jahrhunderts ging
Po 26506 Stadt Norden
der Rittersitz dann in den Besitz des Ritters Lemmeke von Buchwald über. Dessen Fa-Sehenswürdigkeiten:
milie verkaufte den Hof 1488 mit allem »Drum und Dran« an das Ahrensböker
Das Ekeler Vorwerk als einziger überlieferter
Kloster. Dessen Prior übergab die Hofstätte
Rest einer von mehreren ehemaligen
schließlich den Süseler Bauern zur Bewirt-Burgenanlagen im Norder Stadtgebiet und
schaftung.
das fürstliche Jagdschloss (Torenhus).
Naheliegener ist allerdings die Version
Etymologie: botanisch
oben bei Ekel, so dass der genannte Ritter Nicolaus Ekolf seinen Namen wohl vom
Ekel = Eckel = Eiche
Eichenwald »geklaut« hat.
Ekel bezeichnet ein Rodungsdorf in Eichen-
Jeden Monat macht die Polizei in der Orts-
und Lindenwald. Ekel hat eine Parallele in
durchfahrt mindestens einmal Geschwin-Etzel, wobei auffällt, dass die friesische Um-digkeitskontrollen. An einem Tag wurden
formung von k in z bei Ekel nicht eingetre-
einmal über 300 Raser geblitzt! So kann es
ten ist.
also sein, dass einige Autofahrer, obwohl
In der Sandbauernschaft - Teil Ekel - stand
der Name Ekelsdorf ja eigentlich einen
bis ca. 1900 noch teilweise ein Eichenwald.
ganz anderen Ursprung hat, das kleine
Ekel hat eine Parallele in dem Bottroper
Dorf im Zuge der Landesstraße 309 »doch
Stadtteil Ekel. Hier wird übereinstimmend
ganz schön eklig« finden ...
festgestellt, dass der Ortsname Ekel übersetzt nichts anderes heißt als »lichter Eichenwald«. HAUE
Ursprungs: »Hau« = Heu. »Haubarch« = Heuberg, Heuhaufen, das zu einem Berg Zur Großgemeinde Süsel; O Ostholstein; aufgestapelte Heu, »Hauboen« = Heuboden L.: Schleswig-Holstein; Ei.: 180; auf der Scheune, »Hauhüpper« = Heu-Po.: 23701 Süsel; hüpfer (Heuschrecke), »Hauschün« = Heuscheune, »Hauwer« = (Wer, Wier = Wetter); Etymologie: botanisch, siehe oben bei Ekel Wetter zum Heuen, »Hauland« = Heuland. Hau bedeutet also Mähwiese, wobei das Ist es in Ekelsdorf wirklich »eklig«? Gras gehauen (gemäht) wurde. Andere Überlegung: Haue ist ein Paradebei-Bereits im Jahre 1197 wurde die Siedlung spiel für das Versagen unmethodischer im Urkundenbuch des Bistums Lübeck Nachforschung, welche uralte Namen nur erstmalig erwähnt, damals jedoch unter als »sprachliche Konstrucktionen« ansieht, dem Namen »Ecoluesthorp«. Im Laufe der ohne Beachtung der morphologischen Zu-Jahrhunderte änderte sich der Name über sammengehörigkeit mit vergleichbaren »Ekolvestorp«, »Egkoluesdorpe« und »Ekleuestorpe« zu »Ekelstorpe«,
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Namen: Haueda a. d. Diemel,urkdl.
Hown-idi
ist ein Kollektiv auf -ithi,
ede
(im hessischen Raum) und eine Ableitung von alten, teilweise vorgermanischen Wörtern für Sumpf, Moor, Moder, Schmutz. Ebenfalls für
hou
läßt sich der Wortsinn »Sumpf, Moor, Moder« mit
Houmere
(Heumar/Sieg), Heusiepen, Mortsiepen) erklären.
Hou
ist auch eine Alternative zu
hu
»Moder«, siehe auch
NIEDERSCHLAG
Zur Gemeinde Altenkunstadt; O Lichtenfels; L.: Bayern; E.: 160; Po.: 96220 Burgkunstadt;
Etymolgie: geographisch
Möchte man die Ursprung des Ortsnamens Prügel erforschen, muss man sich mit den mittelhochdeutschen Formen
brüel, bruel,
und auch
brueel
auseinandersetzen, von denen sich im Laufe der Jahrhunderte
Brueel, Brügel, Brigell
ableiteten. Brüel kann mit Aue übersetzt werden. Jedoch ebenfalls als sumpfige, mit Buschwerk bewachsene Wiese und Etymologie: Urwaldrodung Brühl als Proprium, für Wiesen, Felder, Wälder und Ortschaften mit Mooren und Sümp-
fen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte die endgültige Schreibweise Prügel.
Ortsteil der Gemeinde Gößweinstein;
500 m ü. M.; O Forchheim; L.: Bayern; Ei 10; Po.: 91327 Gößweinstein;
Etymologie: Volksmundbildung,
geographisch
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Es existiert noch ein zweiter Ort mit dem Im Dorf steht eine Kirche aus dem 11. Jahr-Namen Grauen. Er gehört zur Gemeinde hundert ohne Namen. Es wird angenom-Appel im Landkreis Harburg/Winsen. men, dass es sich hier um die Kirche der Hei-Etymologie: siehe vorher Grauen, Gemeinde ligen Jungfrau handelt. Neuenkirchen. Ortsnamen, deren Etymologie mit sakralen Belegen gedeutet wird, sind immer mit sehr viel Vorsicht zu betrachten, weil man früher
gerne Unverständliches »eine Etage höher reichte«. Der o. a. Erklärungsver- such zum Ortsnamen Würgendorf liegt »mindestens zwei Etagen« zu hoch. Realistischer ist: Würges im Taunus sowie Wirges im Westerwald gründen urkund-lich auf Widergis, einem prähistorischen vorgermanischen Bachnamen wie Navi-gis, und Nevi-ges (Bergischen Land) im Tal des Zur Gemeinde Niedermurach; O Schwan-Hardenberger Baches, Navigisa, der Bezeich-dorf; L.: Bayern; Po.: 92545 Niedermurach nung des Hardenberger Bachs. Beide Namensbestandteile (nava, gisa) bedeuten Etymologie: unterschiedliche Auffassungen, soviel wie Gewässer, Fluss.Würgendorf ist am ehesten wohl ein Eponym also ein Ort an einem Bach.
Unterschiedliche Theorien vor Ort: Man
Zur Gemeinde Neuenkirchen; Fl.: 963,5 ha; nannt. Es könnte bei Zankendorf zutreffen, 60 m ü. M.; O Soltau-Fallingbostel; weil es keinen geschlossenen Dorfkern auf-L.: Niedersachen; Ei.: 360; weist. Weiter wird überlegt ob »Zank“ (zän-Po 29643 Neuenkirchen; kisch = streitsüchtig, «Zank(e)l», »Zanke« (mhd. »Zacken«!) für die Ortsna-Etymologie: nicht ganz geklärt menbezeichnung herangezogen werden könnte.
Aufgrund einer Untersuchung (1953 an Ein Personenname ist wohl am nächsten Hand von Verkopplungskarten) liegt es »dran« (siehe nachfolgend bei Zankennahe, dass die Langstreifenfluren Grauens hausen). »Zänkisch«, also streitsüchtig, ist und die benachbarter Dörfer auf die Ansiedunwahrscheinlich.
lung von Königsfreien im 9./10. Jahrhundert während der fränkischen Zeit zurückzufüh- ZANKENHAUSEN
ren sind. Es wird daraufhingewiesen, dass im Raum Neuenkirchen ein Freibann mit Teil der Gemeinde Türkenfeld; Fl.: 548 ha; besonderen Gerichtsnamen bestanden hat. 584 m ü. M.; O Fürstenfeldbruck; Das Grundwort -loh = lichter Wald, L.: Bayern; Ei.: 267; Po.: 82299 Türkenfeld; siedlungsfähiges Gehölz, auch verändert zu -el, findet sich bei Ortsnamen im Neuen-Etymologie: verschiedene Interpretationen. kirchener und Schnever-dinger Raum häufig. Grauen zählt ebenfalls zu den -loh-Na-Erste schriftliche Nennung 1371 bereits (!) men. Noch im Jordebuch von 1699 findet als Zankenhausen. sich die Bemerkung »Grauen oder Grauel«.
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Die erste Theorie geht davon aus, dass die
nach der Rodung entstandene Grenzlinien-form zwischen Wald und offener Heide (Zacken) zu dem Ortsnamen geführt hat.
Der Bildung des Ortsnamens kann aber auch ein Eponym, also eine Eigenname, hier ein Personenname, zugrunde gelegen haben. In der Umgebung sind nämlich ähnliche Namen häufig wie: Zangel, Zengel, Zänkl,
Über »Niemandtzfrundszhoff« (1413), »Niemandtsfraindtshoff« (1621), »Niemandtsfreundtshoff« (1630),
MORDBERG
»Niemandtsfreündtshoff« (1675), »Niemandtsfreündthoff« (1684),
»Niemandsfreundshof« (1753), »Niemandsfreundhof« (1817), zu »Niemandsfreund« (1850).
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Etymologie: unklar, Marterberg?
Im 13. Jahrhundert: »Martperge«. 1425 verkauft Precht der Mordperger eine Wiese. Hier berühren sich die Grenzen von Ober-und Niedereulenbach und da mag vor langer Zeit eine Martersäule als Grenzzeichen gestanden haben. In alter Zeit war es Brauch, an Kreuzungen von Wegen, an Flurgrenzen Darstellungen der Marter Christi für die Armen Seelen zu errichten. Diese
Stadtteil von Burladingen; 650 m ü. M.;
Martersäulen werden heute noch an Stellen
O Zollernalbkreis; L.: Baden-Würtemberg,
errichtet, an denen sich ein Unglücksfall er-Ei.:600; Po.: 72386 Burladingen;
eignete. So haben wir es hier mit dem Marterberg zu tun.
Etymologie: Gewässername
Die Ortschronisten meinen, dass die Namen-
ganz andere Bedeutung. Im 7. Jahrhundert Zur Verwaltungsgemeinschaft »Altmärkiin alemannischer Mundart hieß der sche Höhe«; O Stendal; L.: Sachsen-Anhalt; Kirchweiler »Kilchwilari«. Daraus wurde Po.: 39606 Lückstedt; später »Kilchwilar«, 1255 »Kilwi-lar«, 1377 »Kilwar«, ab ca. 1400 Killer. Etymologie: Personen- oder Gewässername Killer enthält prähistorisch »kil« = Schmutzwasser, (Kiel!), auch der Killbach (z. Boden-1238 »ballerstede«, 1443 »balrestede«. see), Killwangen, Schweizer Kanton Aargau Der Name ist deutschen Urprungs und geht und Killingen/Aalen. auf eine Personenbezeichnung aus der alt-
hochdeutschen Wurzel bald, palt = kühn, wagehalsig zurück; daraus Baldher, Baldo, Baldro, Balter, Baldir, Archibald, Regibald und außer vielen anderen folgende Ortsnamen: Baltersheim, Ballersen, Belstädt, Gemeindeteil der Gemeinde Maisach; 531 m Balterwil, Ballstedt: Wohnplatz des Baldo.
ü. M.; O Fürstenfeldbruck, L.: Bayern; Ei.: 21, Po.: 82216 Maisach; Möglich ist aber auch: Balde, ein vorgeschichtlicher Bachname bei Laasphe im obe-Etymologie: Gerichtsstätte
ren Lahntal, dem historischen Las-apa = Sumpfwasser, welches zum Wasserwort bald
Nicht so schwer zu verstehen ist wohl, dass
gehört. bald steht in Beziehung zum indo-innerhalb der Räumlichkeit des o. a.
germanisch bal = »Sumpf«. Es gibt ein
Gemeindeteils ein Galgen aufgestellt war
Ballenstedt am Harz.
(diese mussten übrigens bis 1815 in ganz
Ballerstedt könnte also auf eine Ansiedlung
Bayern verschwunden sein.). Bemerkens-
an einem Sumpf(-Wasser) hindeuten.
wert ist jedoch, dass sich der Ortsname
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Etymologie: nicht zufriedenstellend Gemeinde; Fl.: 10,55 qkm; 153-276 m ü. M.; O Gießen; L.: Hessen; Ei.: 8.000; Po.: 35452 Heuchelheim.
Etymologie: Eponym
Aufassung vor Ort: Personenname. Älteste Form des Namens ist »Huchilenheim« = Heim des Hucho oder vielmehr des Huchilo (mit langem u).
Anmerkung: Heuchelheim (urkdl. Huchelheim) gibt es fünf mal allein in Hessen, aber auch im Wormsgau, in der Pfalz und in Württemberg (heute Heuchlingen), demnach viel zu häufig für einen Personennamen.
chen Dorfschaft Sachsenbande gehörig an-
gesehen, weil die Ländereien völlig in einem Verbande liegen. Daraus erklärt sich der Name Sachsenbande.
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überstürzt die Flucht, als irische und fran-Etymologie: topographische Lage zösische Truppen dort landeten, ein Ereignis, das als »Castlebar Races« (Rennen von 1780 erstmalige Erwähnung des Namens Siehdichum (= Sieh dich um!). Der Name Castlebar) in die Geschichte eingegangen ist. gehörte zuerst zu einem Jägerhaus, das in einer Moorgegend lag. Fuhrleute, Waldarbeiter und alle Waldgänger mussten sich in
diesem Moor- und Sumpfgebiet vorsehen (siehe nachfolgend bei »Siedichfür«)
SIEDICHFÜR
Zur Gemeinde Grünbach; Fl.: 173 ha; 650 m ü. M.; O Falkenstein; L.: Sachsen; Ei.: 21; Po.: 08223 Grünbach;
Gemeinde; Fl.: 550 ha, 20,9 m ü. M.; Etymologie: topographische Lage O Nordvorpommern; L.: Mecklenburg-Vorpommern; Ei.: 100; Po.: 18507 Grimmen; Der Ortsname geht auf einen alten Flurnamen zurück, der die Beschaffenheit des Bo-Etymologie: unbekannt dens mit Moor, Sumpf und dunklen, fast undurchsichtigen Wäldern charakterisiert. Es ist möglich, dass der Name auf das nicht Nur mit Vorsicht war dieses Gebiet zu mehr genau greifbare slawische Wort durchqueren. »uni nade« zurückgeht. Um 1555 trug das Gelände den Flurnamen Ungnade bedeutet aber mittelniederdeutsch »uffn Sihe dich four«. Damit war die erauch: Unruhe, Mühsal, Plage, feindliches wähnte sumpfige, moorige Bodenbeschaffen(widerrechtliches) Benehmen. So könnte der heit bezeichnet. 1583 erste urkundliche Er-Name auf die mit der Bearbeitung des Bowähnung als »Siehdichfuer«. dens verbundene Mühsal und Plage Bezug nehmen.
REISSAUS
Ortsteil der Stadt Reichenbach; O Oberlau-
sitz; L.: Sachsen; Ei.: 13; Po.: 02892 Reichenbach;
Eymologie: Mündliche Überlieferung
Im Spätsommer 1813 wurden die Franzosen vom preußischen General Blücher am schlesischen Fluss Katzbach geschlagen. Das bedeutete Rückzug, noch eiliger als zuvor. Etymologie: Volksmundetymologie Die französischen Soldaten gelangten so an die Stelle, an der sich heute die Kreuzung in Die Entstehung dieses Ortsnamens soll mit Reißaus befindet. Dort kam es zu einer weider Erbauung einer Glashütte eng zusamteren Auseinandersetzung zwischen Franzomenhängen, die ganz in der Nähe von sen und Preußen, worauf die Franzosen die Stützerbach im Jahre 1691 errichtet werden Flucht ergriffen und »ausrissen«. sollte. Dort stand schon eine Glashütte mit Übrigens: Eine interessante Parallele zu der 30 Besitzern, darunter auch Witwen und o. a. Volksmundetymologie ist der Beiname Waisen. Aus diesem Grund baten die Stützdes Stadtbezirkes Castlebar in Nordwestrbacher den Herzog, dass die neue Hütte irland. Er lautet: »Das Heim (oder das Zunicht „allzunahe“ an den Stützerbacher hause) des Castlbar Rennen«: Im Jahre 1798 Forst gesetzt werde. ergriff in Castlebar eine englische Einheit
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Ortsteil von Harzgerode; Fl. 80 ha; Dorf, zur Gemeinde Freihung;
275 m ü. M.; O Quedlinburg; L.: Sachsen-O Amberg-Sulzbach; L.: Bayern;
Anhalt; Ei.: 142; Po. 06493 Harzgerode; Ei.: 144; Po. 92271 Freihung, Sehenswürdigkeiten: Durch den Ort fährt Etymologie: nicht ganz geklärt die Selketalbahn der Harzer-Schmalspur-Bahnen (HSB). Oberhalb des Ortes befindet 1483 wird der »Tanntzflecken« in einer sich die Burgruine »Heinrichsburg«. Grenzbeschreibung zwischen den Ämtern Vilseck, Parkstein, Weiden und Grafenwöhr Etymologie: Gewässername erwähnt. 1531 Bergwerk »aufm Tanntzflegken«. Der Name des Ortsteiles Mägdesprung geht 1536/37 »vff beden Zechen nemlich den wahrscheinlich auf den Begriff »Maide-Nackathen Weybern am Aynsydl vnnd sprung« zurück, was bedeutet, dass eine vnser lieben Frauen Zwergentantz an den Quelle im Ort entspringt, die einen Mäd-Tantzflecken«. 1550 Bleibergwerk »Dantzchennamen trägt. Dies soll die heutige flegken«. 1588 »Tanntzfleckhen«. »Ernaquelle« sein, welche aus dem Helenen-1597 »der Tantzfleck«. 1657 »auf dem Tannzstollen unter dem Zirlsberg entspringt. fleckhen«. 1792 und 1841 „Tanzfleck“. Eine Deutung, wonach der Platz, an dem URSPRUNG früher häufig im Freien Volksspiele und Tänze stattfanden, Tanzplatz bzw. Tanzfleck genannt wurde oder wo sich vor allem Gemeinde; Fl.: 385 ha; 409 m ü. M.;
Bergleute zu frohen Tanz zusammengefun-O Stollberg; L.: Sachsen; Ei.: 600; Po. 09385; den haben, dürfte bei diesem Ortsnamen nach dem Beleg von 1536/37 wohl ausschei-Etymologie: wahrscheinlich Gewässername den.
Es ist eher anzunehmen, das der Name der Die Gründung von Ursprung geht auf das Zeche »Unserer lieben Frau« mit einer Jahr 1235 zurück. Es wurde damals unter Zwergensage in Verbindung gebracht wurde dem Namen »Morspringen« genannt. Im und dieser Zwergentanz bei der Namenge-Laufe der Jahrhunderte wurde daraus der bung eine Rolle spielte. Name »Ourspringen«. Seit dem 17. Jahr-hundert hat die Gemeinde den Namen Ur-
DREISPRUNG
sprung. Es gibt ein
Urentrup bei Biele(Fast schon) logisch: der Ort Dreisprung feld, Eine
Ura=
Our existiert - dreimal. Auf der Insel 25845 fließt in Luxemburg, Nordstrand, in 25924 Rodenäs und in 25813 mehrere
Ura=
Heure Simonsberg fließen in Frankreich. Auch Euren/Mosel
Alle drei Orte sind nur kleine Hausgruppen hieß Ura. Noch heute mit wenigen Einwohnern im Schweizerischen ur als »Feuchtigkeit, Sumpf« (Kanton Uri). O Nordfriesland; L. Schleswig-Holstein; Uhrleben b. Erfurt, Uhrs-, Morsleben (siehe oben Morspringen!) Urenweiler, Urenheim. Etymologie: topographisch Also: ein (Sumpf-)Bach/Gewässername.
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Name für sumpfige Stellen verrät schon durch seine Häufigkeit, dass ein Naturwort zugrunde liegt: ber ist eine uralte Bezeichnung für Sumpf, Morast (Berne). Ein Bärbroich bei Bergisch Gladbach, ein Barnbruch an der Aller und ein Berendonk bei Kevelar beweist den Wortsinn (donk meint Sumpfhügel).
ABSTOSS
Weiler, zur Stadt Wipperfürh; 235 m ü. M.; Oberbergischer Kreis; L.: Nordrhein-
Westfalen; Ei.: 85; 51688 Wipperfürth;
Etymologie: verschiedene Deutungen
Wie Schoß zu schießen, gehört Stoß, stoßen zu mundartlich »stiezen«. Es bezeichnet
ursprünglich ein rundlich vorstehendes oder stumpf zulaufendes Etwas, woraus
sich dann Absatz, Abhang, Knapp, Hügel entwickelte. »Stoß« wurde an der unteren Wupper, an der oberen »stöt« oder »stüt« für Hügel, Berg gebraucht. Stöt, »Stuten« Backwerk, das durch Kerben in einzelne rundliche Stücke zerfällt. Mundartlich »stut« dickes Ende des Oberschenkels, »Steiß«. Stoß kann andererseits aber auch etwas Aufgehäuftes, einen Haufen bezeichnet (Holz-, Bücherstoß) und in einem Stein-
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fort auch Habenichts heißen!«
Zur Stadt Euskirchen; 200 m. ü. M.; O Euskirchen; L.: Nordrhein-Westfalen, Ei.: 438; Po.: 53861 Euskirchen;
Etymologie: Gewässername
Von einem bei Rheder in die Erft fließenden Bächlein hat der Ort Billig seinen Namen. Billig lautet nach einer römischen Wegkarte, dem Itinerarium Antonini, »Belgica vicus« und ist ein aus dem Altertum überlieferter Name.
Zur Gemeinde Marpingen; Fl.: 5 ha; 410 m ü. M.; O St. Wendel; L.: Saarland; Ei.: 60; Po.: Po.: 66646 Marpingen;
Sehenswürdigkeit: Römische Gräberreste aus keltischer Zeit.
Etymologie: mündliche Überlieferungen
Einst fuhr ein mit Bierfässern beladenes Fuhrwerk über die alte Römerstraße. Als der Bierknecht müde und hungrig in der an der »Rennstras« gelegenen Siedlung ankam, glaubte er, hier sei der Ort, in dem er auftragsgemäß ein Fässchen abzuladen hätte. Als er das edle Nass vom Wagen herunter holen wollte und den Preis verlangte, zuckten die Bewohner der Habenichts die Schulter und sagten: »Mir hawe nix!« »So« sagte da der Bierknecht »dann ist hier die Hawenix«.
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Arbeit zitieren:
Manfred Schmidt, 2009, Die kuriosen deutschen Ortsnamen, München, GRIN Verlag GmbH
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